baer aktuell 360 – 3. April 2026

Bild des Monats April 2026: Jürgen Raap, „Die Wiederholung der Geschichte“, Öl/Acryl auf Leinwand, 2026

Bär aktuell 359 – 3. April 2026

O-O-Olympia sang das Kölner Eilemann-Trio 1972, und der Titel auf der Rückseite dieser Single-Schallplatte lautete „Mir ist alles egal“. Bei der anstehenden Volksabstimmung, ob Olympische Spiele (auch) in Köln stattfinden sollen, plädiert Herr Bär für ein harsches „Nein“. Denn eine Stadt, die pleite ist, die kürzlich sogar eine Haushaltssperre verhängte und für 2026 den Hebesatz für die Grundsteuer drastisch anhob, dies zum Verdruss von Vermietern wie Mietern, will eine Olympiade ausrichten? Mit welchem Geld denn ? „Erneut rücken Olympische Spiele in den Fokus von Korruptionsermittlungen“, schrieb die „Süddeutsche Zeitung“ über eine „Razzia bei den Olympischen Winterspielen 2026“. Kein Einzelfall in der Olympiageschichte, denn „rund um die Sommerspiele 2016 in Rio enttarnte die brasilianische Justiz ein gewaltiges Schmiergeldsystem, das zum Stimmenkauf bei der Vergabe genutzt worden war…“ Wie kann man mithin verhindern, dass zur Bewerbung Steuergelder wieder mal zu großem Teil in den Taschen raffgieriger Sportfunktionäre versickern? Ein temporäres Leichtathletikstadion soll ausgerechnet im Stadtteil Kreuzfeld entstehen, den es ja noch gar nicht gibt, weil er selber erst noch auf einem Brachgelände errichtet  werden muss. Angesichts zahlreicher Bauskandale in der jüngsten Vergangenheit Kölns fragt sich Herr Bär: Kriegen die das überhaupt rechtzeitig hin? Immerhin haben sie 14 Jahre gebraucht, um das Kölner Opernhaus zu sanieren, der Bau einer 3,5 km langen Nord-Süd-U-Bahn dauert fast 20 Jahre, und die Fertigstellung eines Jüdischen Museums am Rathaus verzögert sich derzeit erneut bis 2028/29. Auch das sanierungsbedürftige Wallraf-Richartz-Museum bleibt langer geschlossen als zunächst angedacht. Die Opernsanierung war ursprünglich mit  253 Mio. Euro kalkuliert, und jetzt soll sie satte 1,5 Milliarden kosten. Würden die städtischen Bauherren wenigstens beim Bau des Leichtathletikstadions und des Olympischen Dorfes den Kostenplan einhalten können? Herr Bär bezweifelt das allenthalben.  Und wie kommt man überhaupt nach Kreuzfeld, denn das liegt ja recht abgelegen immerhin ca. 11 km vom Kölner Dom entfernt? Hoffentlich nicht nur mit dem Lastenfahrrad, denn Köln hat ja einen ideologisch höchst einseitig orientierten grünen Verkehrsdezernenten, der in dieser Stadt mit seinen bizarren Verkehrsversuchen schon für allerlei Unmut gesorgt hat und bei dem man befürchten muss, wenn in Kreuzfeld der 100 m-Lauf angepfiffen wird, stehen die Zuschauer mit ihren Lastenfahrrädern noch auf dem Radweg in Longerich im Stau. Also lasst es mit der Olympiabewerbung lieber bleiben. Schon der kölsche Populärphilosoph Wilfried Junggeburth mahnte zur Bescheidenheit: „Wenn de janz oben bist, dann kannste ja nix mehr jewinnen!“

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Der Kabarettist Dieter Nuhr war neulich in Malaysia. Das ist ein schönes Land, stellte er fest. Niemand dort kennt Bärbel Bas.

Deutsche Unsinnspoesie neu aufgelegt, heute: der gelungene Einzeiler:

Öz de mir, öz ich dir.

Russische Unsinnspoesie knapp formuliert

Wladi mir, Wlad ich dir.

In unseren unseligen Zeiten, in denen sich das Wutbürgertum in den sozialen Medien verbal enthemmt austobt, klingt es geradezu niedlich, dass Helmut Markwort im Magazin „Focus“ unseren Bundespräsidenten Steinmeier als „Amateurphilosophen“ apostrophierte und dieser ansonsten im Satireblatt „Titanic“ als „Bundesuhu“ firmiert. „Wer wird die Nachfolge von Bundesuhu Frank-Walter Steinmeier antreten? Sicher ist: eine Frau!“ orakelte die „Titanic“ kürzlich und schlägt u.a. Heidi Klum vor. „Der Uhu hat einen kräftigen Körperbau, eine markante Gefiederfärbung und lange Federohren… Am Brutplatz ist das typische, dumpfe ´u-uuooh´ zu vernehmen, dem der Uhu seinen Namen verdankt“, lässt uns der Naturschutzbund „nabu“ wissen. Wie Steinmeier auf derlei wenig respektvolle Etikettierung als Vertreter einer Eulenart reagiert, ist nicht bekannt. Eher dünnhäutig haben jedenfalls Robert Habeck gegen ihre Titulierung seitens des rabiaten Wutbürgertums als „Schwachkopf“ und Friedrich Merz gar als „drecks Suffkopf“ oder „Pinocchio“ unter Anrufung der Justiz protestiert, und Merz verbat sich sogar, von Olaf Scholz „Fritze Merz“ genannt zu werden. Franz-Josef Strauß (CSU) hingegen verzichtete seinerseits auf eine Beleidigungsklage, als Herbert Wehner (SPD) ihn 1975 im Bundestag als „geistigen Terroristen“ beschimpfte. Wehner verhöhnte damals auch den CDU-Abgeordneten Jürgen Wohlrabe als „Übelkrähe“, den CSU-Politiker Friedrich Zimmermann als „Frühstücksverleumder“ und die gesamte Unionsfraktion gar als „nihilistischen Pöbelhaufen“; und so brachte er es mit solchen Verbalattacken im Parlament schließlich auf 58 Ordnungsrufe in 34 Jahren. Das ist bis heute ein Rekord. Die Grünen-Abgeordnete Kristin Heyne war für Peter Ramsauer (CSU) ein „freches Luder“, und die SPD-Abgeordnete Anke Martiny musste sich von Michael Glos (CSU) sagen lassen: „Sie sehen besser aus, als Sie reden“.  Die politische Bühne war also auch früher kein klösterliches Mädchenpensionat, und sie ist heute erst nichts für zarte Gemüter, was man bedauern mag. Bei TV-Übertragungen von Bundestagssitzungen blenden sie aber noch keine Triggerwarnungen ein, wie sonst zum Vorspann von Spielfilmen, wo es heißt, in dem Streifen kämen „Rauchen, Alkoholkonsum, Gewalt, sexuelle Inhalte und Schimpfwörter“ vor. Neulich schaltete Herr Bär solch einen Film erwartungsfroh ein und wurde enttäuscht: es fiel in 90 Minuten Abspieldauer nämlich nur ein einziges Mal das Wort „Arschloch“, und in diesem Fall war solch eine Triggerwarnung gewiss übertrieben, wie wohl in manch anderen Fällen auch.    

Wenn Jens Jessen in der „ZEIT“ Donald Trump als „Parodie eines Sonnenkönigs“ und „ersten Höfling seiner selbst“ beschreibt, dann erinnert  dies Herrn Bär zugleich an die Figur des König Ubu bzw. Père Ubu in Alfred Jarrys Theaterstück „Ubu Roi“, eine Figur, die auf surrealistische Weise alles Groteske in dieser Welt verkörpert, und in der Tat glaubt man kaum, dass je ein Literat oder Drehbuchautor sich solch eine Figur wie Trump hätte ausdenken können. Bei Jarry ist der Père Ubu vulgär, faul, feist, feige, heimtückisch, bösartig, machtbesessen und nur auf persönliche Bereicherung aus. Das Groteske ist das Verzerrte und Absonderliche, es paart sich oft mit dem Lächerlichen. Hier: Trumps Frisur oder sein Ansinnen im vergangenen Sommer, sich selbst einen Pokal verleihen bzw. den FIFA-Pokal einfach behalten zu wollen, während der Turniersieger FC Chelsea deswegen nur eine Kopie bekommen sollte. Wenn in Jessens Essy von „Devotokraten“ die Rede ist, dann kann man den FIFA-Präsidenten Gianno Infantino als Inbegriff solch einer devoten Hofschranze charakterisieren – wir werden bei der jetzt anstehenden Fußballweltmeisterschaft mit den  beiden, Trump und Infantino, wohl noch so einiges an grotesken Auswüchsen erleben. Für die „BILD“-Zeitung war damals Saddam Hussein „Der Irre von Bagdad“. Seltsamerweise hat die um burleske Formulierungen nie verlegene „BILD“ Donald Trump bislang noch nicht als den „Irren von Washington“ genannt. Vielleicht  ist der showbusinesserfahrene Trump wirklich nur ein Irrendarsteller mit glaubwürdiger schauspielerischer Leistung.

Gelungene und weniger gelungene Presse-Prosa „Der Spiegel“ wusste neulich zu berichten, dass der Ex-Politiker und heutige Lobbyist Kevin Kühnert in einem „rumpeligen“ Berliner „Altbaubüro“ inmitten von „gewaltigen Topfpflanzen“ haust, was wohl etwas über Kevin Kühnert aussagen soll, der Leser in diesem Satz freilich mehr über die Topfpflanzen erfährt als über Kühnerts aktuelles Wirken. Zu Wort kommen durfte in dem Hamburger Intelligenzblatt auch eine 27jährige Lifestyle-Journalistin, die der Welt überflüssigerweise mitteilte, bei „Starbucks“ schmecke der Kaffee „furchtbar“, aber die Tassen ließen sich gut mit der Hand anfassen. Während die Formulierung, Donald Trump habe eine „Reizbarkeitsschwelle wie ein Pitbull auf Schlafentzug“ noch als prosaisch gelungen gelten mag, ist die „Spiegel“-Behauptung, die Bundes-Grünen befänden sich auf der Suche nach der „Özdemir“-Formel, nicht sehr metaphernsicher. Denn die Frage bleibt hier letztlich offen, ob von dem Mathematiker Cem Özdemir nun mit dem „Lehrsatz des Özdemir“ jener des Pythagoras vom Kopf auf die Füße gestellt wird oder ob besagter Özdemir als Wiedergeburt von Max Planck mit einer Formel zur Austrittsarbeit von Elektronen aus Oberflächen die Quantenphysik revolutioniert hat. Aber vielleicht will man das bei den Bundesgrünen gar nicht so genau wissen. Gut gelungen ist hingegen die süffisante „Spiegel“-Formulierung, Greta Thunberg sei zu einer „Butterfahrtenunternehmerin für progressive Anliegen“ mutiert. Eine Butterfahrt mit dem Segelbötchen an den Persischen Golf hat Greta Thunberg bislang allerdings vermieden.

Der ganz normale Wahnsinn Angesichts des anhaltenden medialen Hypes um den in der Wismarer Bucht gestrandeten Buckelwal „Timmy“, der es Abend für Abend in die „tagesschau“ schaffte und zwischendurch „BILD“ zu der bangen Frage veranlasste, „Stupsen sie den Wal noch mal an?“, sei darauf hingewiesen, dass laut „Wikipedia“ Walfleisch bei den Inuit in Alaska auch heute noch 60 Prozent ihrer Nahrung ausmacht, während unterdessen die Website https://www.watson.de/nachhaltigkeit/klima-umwelt/701671493-wal-in-der-ostsee-was-passiert-mit-dem-fleisch-und-den-ueberresten-von-timmy zu der Frage „ Was passiert mit den Überresten von Timmy?“ darauf hinwies, dass „der Besitz von Walfleisch sowie der Handel damit in Deutschland strengstens verboten ist.“ Die Website „food for love“ informiert trotzdem über die Geschmacksnuancen: „Allgemein wird Walfleisch oft beschrieben als mild, aber aromatisch, mit einer deutlichen maritimen Note, die an Meerwasser oder Seetang erinnern kann.“ Um hingegen eine Currywurst essen zu dürfen, muss man nicht bis nach Alaska reisen, da sie in manchen unserer hiesigen Kantinen nur am „Veggie Day“ tabuisiert und von einem Kölner Gastronom, der die Rechtschreibung auf seiner Speisetafel nicht durch Künstliche Intelligenz korrigieren lässt, beharrlich als „Currywurtz“ geschrieben wird. 1920 verhandelte übrigens das Reichsgericht die Klage eines Fischhändlers, der 1916 Walfleisch bestellte hatte, aber stattdessen aus Norwegen Haifischfleisch geliefert bekam. Walfleisch war damals erlaubt, für Haifisch gab es im Ersten Weltkrieg jedoch kriegsbedingt wirtschaftliche Einfuhrbeschränkungen. In Deutschland kommen geräucherte Bauchlappen des Dornhais übrigens als „Schillerlocken“ auf den Markt.

Während der Wal „Timmy“ in der Ostsee dahinsiechte, kündigte Wolfgang Kubicki ausgerechnet an Ostern seine Kandidatur für den FDP-Vorsitz an mit der Begründung: „Es geht jetzt um eine Wiederbelebung der FDP. Symbolisch gesprochen: Heute ist Ostermontag, der Tag der Auferstehung.“ Er nehme aber nicht die Rolle des Erlösers, sondern des Verkünders ein. Zudem lässt Kubicki alle diejenigen, die ihn bislang eher für einen politischen Hallodri hielten, via Berliner „Tagesspiegel“ wissen: „Inzwischen bin ich sittlich und moralisch gefestigter.“ Na dann.

Essen und Trinken mit Herrn Bär

Haifischflossensuppe „Wolfgang Kubicki“

Haifischflossensuppe ist als Festtagssuppe auch heute noch in China populär, wegen der Original-Zutaten jedoch auch dort extrem teuer. Der Verzehr gilt heute freilich als problematisch, weil das Fleisch von Haien oft einen hohen Quecksilbergehalt aufweist. Haifischflossen muss man vorher lange einweichen. Man kann sie für die Suppe aber auch durch Garnelen und Jakobsmuscheln oder durch andere Fischstücke ersetzen. Man kocht Hühnerbrühe zusammen mit Ingwer auf, gibt die Fischteile mit hinein und lässt das Ganze längere Zeit köcheln. Dann fügt man Sojasauce, Sesamöl, Sezchuan-Pfeffer, Zitronengras, Thai-Basilikum, frische Lauchzwiebeln und frischen Koriander hinzu. Beim Originalrezept nimmt man Maisstärke zum Eindicken.

Essen und Trinken mit Herrn Bär

Dreierlei Salatvariationen „Die Triaden des März“ (hier diesmal im April) In den Mangeljahren nach dem 2. Weltkrieg sammelte man in Köln in den Trümmerbrachen Löwenzahn für Salat (kölsch: Kätteschloot). Essbar ist Löwenzahn nur im März/April, denn wenn die Pflanze erst mal blüht, schmecken die Blätter bitter. Optisch ähnlich, aber botanisch nicht verwandt mit dem Löwenzahn (Taraxacum officinale) ist die Rauke (Eruca Sativa, italienisch Rucula). Herr Bär richtet bei diesem Rezept eine seinder drei Salatvariationen einmal mit Rucula, gekochtem Ei und Guacamole-Avokadomus an (letzteres ist als Supermarkt-Ware oft vorgesalzen, daher den Salat nur pfeffern), dazu Dill und Schnittlauch, bei der anderen Variation mit Öl, Essig, Senf, Tomate und Gorgonzola-Käse, dazu drittens separat Weißkohlsalat mit Öl, Essig, rotem Paprika und einem Spritzer scharfer Paprikapaste.

Pot au feu ist ein Eintopf aus der französischen Landküche mit Rindfleisch, manchmal auch mit Speck, Lamm, Huhn oder Fisch, Rinder- oder Gemüsebrühe und diversen Gemüsesorten, auch mit Pilzen oder Trüffeln. Die klassische Zubereitung besteht aus Kochen, Auskühlen, Durchsieben und erneutem Erhitzen der Zutaten. Würzen mit Salz, Pfeffer, Küchenkräutern, Knoblauch. Alle Zutaten werden in der Brühe gekocht. Diese serviert man dann traditionellerweise mit Brotcroutons und Käse; das Fleisch wird in einem eigenen Gang anschließend mit separat gekochten Kartoffeln serviert.

Rote Linsen à la Karl-Josef Bär

Rote Linsen haben eine leuchtend rote Farbe, die beim Kochen in einen gelblichen Ton übergeht. Sie sind reich an Proteinen und Ballaststoffen. Man weicht sie vorher ca. 30 Min. ein und  kocht sie dann in Gemüsebrühe, angereichert mit gedünsteten Zwiebeln, Möhrenstücken, Tomaten, Tomatenpüree, rotem und grünem Gemüsepaprika (kein oder nur wenig Salz, da die Gemüsebrühe oft schon vorgesalzen ist), rotem Curry, etwas Flüssig-Chili, viel Knoblauch und Steinpilz-Trüffel-Paste.

Wachtelkeulen „Junkersdorf“ Wachtelkeulen 24 Std. lang in Olivenöl, Pfefferkörnern und mediterranen Kräutern (Rosmarin, Thymian, Salbei) marinieren. In reichlich Öl in einer Pfanne zusammen mit Zwiebeln und Knoblauch braten, bei bedarf auch noch dünne Schweiben vin schwarzen Trüffeln zugeben. Dazu Paprikagemüse.

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