baer aktuell 333 – 22. Februar 2024

Februar 1st, 2024

Bild des Monats Februar 2024: Jürgen Raap, Europas Götterdämmerung, Acryl/Öl auf Leinwand, 2024, Untermalung und Endfasssung

Baer aktuell No. 333 – 22. Feb. 2024

Die neuesten Witze aus dem Kölner Karneval

Der Tanzoffizier fällt heute verletzungsbedingt aus. Der hatte so schnell in Köln keinen Arzttermin gekriegt.

(Witz auf der Medizinersitzung)

Ich habe unsere Oberbürgermeisterin gefragt: Wie viele Leute arbeiten eigentlich in der Kölner Stadtverwaltung? Sagt die: Ungefähr die Hälfte. (Guido Cantz)

Wir sind schon wieder bei der PISA-Studie durchgefallen. Dabei hat die Bundesregierung gar nicht mit gemacht. (Martin Schopps)

Die Deutsche Bahn hat sechs Tage lang gestreikt. Das ist doch gar nichts. Der Scholz streikt doch schon seit zwei Jahren. (Guido Cantz).

Die Berliner sind irritiert, wenn da bei denen mal 50 Traktoren über die Straße rollen. Bei uns in Köln nennt man das Rosenmontagszug (Guido Cantz).

Ich wollte dem Kardinal Woelki ein Fahrrad schenken. Aber das hat der abgelehnt. Kein Wunder. Das hat nämlich einen Rücktritt. (Willibert Pauels, „Ne bergische Jung“).

Rund ums Kölner Rathaus wird jetzt Rasen angepflanzt. Damit das Klimpern der Münzen auf dem Boden nicht mehr so laut ist, wenn die da das Geld zum Fenster rauswerfen. (Renate Baum, „De Putzfrau vum Roothus“)

In der Kölner Stadtverwaltung gibt es jetzt die „Künstliche Doofheit“: Ein Chip, der nichts kann und nichts weiß. So ist endlich klar, warum an den maroden Brücken nur noch an Brückentagen gearbeitet wird und warum es in der Kölner Oper Leitungen gibt, die als Stromleitungen anfangen und als Wasserleitungen enden. (Stunksitzung)

Will Köln eine Stadt oder eine Metropole sein? Ja, wir wollen eine Metropole sein. Schließlich kommen Menschen aus aller Welt zu uns. Aber die kommen nicht alle mit dem Fahrrad. (J.P. Weber)

Impressionen aus dem Kölner Karneval 2024, Fotos: Copyright Bär/Raap 2024

Wie angesichts des Dahindümpelns der Mannschaft am Tabellenende der Bundesliga dem sportlichen Fachkräftemangel beim 1. FC Köln abzuhelfen wäre, rät der Kölner Rosenmontagszug mit dem Vorschlag, doch lieber die lokalen Witzfiguren Tünnes und Schäl als Fußballer einzustellen, wobei allerdings zumindest beim schielenden Schäl Zweifel aufkommen müssen, ob er dann als FC-Mittelstürmer das Tor auch richtig sieht und den Ball nicht gegen die Eckfahne drischt. Dass übrigens das verkrampfte Gendern nicht nur bei der gereimten karnevalistischen Büttenrede, sondern auch sonst sprachrhythmisch einfach nicht klappt, erfuhr der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) am eigenen Leibe, als er schon für seine Begrüßungfloskel einräumen musste: Wenn er bei der Riedlinger „Fasnet“, wie man dort den Karneval nennt, früher ein feucht-fröhliches „Liebe Riedlinger“ in den närrischen Saal rief und damit auch die Frauen mit gemeint habe, müsse er seine Narren-Ansprache nun politisch korrekt mit „Liebe Riedlingerinnen und Riedlinger“ beginnen: „Das verdirbt mir jeden Redefluss“, reportierte „Die Welt“ (23.1. 2024) über Kretschmanns nachvollziehbare Probleme mit einer zunehmenden sprachlichen Holprigkeit, die letztlich auch nicht mit dem ironischen Kölner Stunksitzungs-Ausruf „Liebe Jeckinnen und Jacken“ zu beheben sein wird. Copyright Raap/Bär 2024

Katerfrühstück  Aus sessionsgegebenem Anlass sei an dieser Stelle Herrn Bär ein multikulturell-gastrogeschichtlicher Streifzug gestattet, wie man Kopf und Magen nach übermäßigem Alkoholgenuss zu beruhigen pflegt. Bei uns in Deutschland wird saurer Hering empfohlen, da Saures und Salziges den Körper dazu animiert, mehr alkoholfreie Flüssigkeit zu sich zu nehmen, um den Elektrolythaushalt aufzupeppen. Bismarckheringe und Rollmöpse werden in derselben Marinade aus Öl, Essig, Zwiebeln und Lorbeerblättern eingelegt, wobei im Jahre 1871 ein Stralsunder Fischhändler von Reichskanzler Bismarck angeblich persönlich autorisiert wurde, seine eingelegten Heringe nach ihm, dem Kanzler, zu benennen. Der Rollmops verdankt seine Form der Tatsache, dass man zum Verzehr eines zusammengerollten und aufgespießten Herings kein Besteck zum Verzehr benötigt. In Köln feierten die Künstler an Karneval in den 1920er Jahren die Lumpen- und Scheunenbälle – man kostümierte sich nicht mit einem Frack, sondern erschien im Lumpenkostüm in einer Scheune in den damals noch ländlich geprägten Vororten, wo das ausschweifende Feiern dann billiger war als in den gutbürgerlichen Ballsälen der Innenstadt. Kulinarisches Pendant zu diesem einstigen rheinischen künstlerischen Narrentreiben ist in Ungarn als Katerfrühstück die „Lumpensuppe“, ein deftiges Gericht mit Wurst, Speck, Sauerkraut, saurer Sahne und Paprikapulver. Die Suppe heißt dort  „Korhelyleves“ –   „Korhely“ bezeichnet einen lumpig-hallodrihaften Zechgenossen, und „leves“=Suppe. In Korea bevorzugt man nach durchzechter Nacht eine Suppe namens Haejangguk aus Knochenbrühe, Kohl, Rettich, Frühlingszwiebeln, Sojabohnensprossen und Sojapaste. Wer zu diesem Thema im Internet weiter rercherchiert, stößt bei „Merkur.de“ auf den Hinweis, von Rollmöpsen sei als Katerfrühstück mittlerweile abzuraten, sie würden nämlichzu schwer im Magen liegen, gefolgt von der Textzeile: „Auch interessant: Hat Wodka Bull etwa dieselbe Wirkung wie Kokain?“ Egal, wie die Frage zu beantworten ist: von einem Selbstversuch mit Red Bull und Kokain zur Bekämpfung eines Alkoholkaters ist wohl dringend abzuraten.

Impressionen vom Kölner Karneval

Auch das noch Mit der höchst hintersinnigen Schlagzeile „Der Fußgängerbeauftragte geht“ berichtete die Kölnische Rundschau über eine kommunalpolitische Personalie. Er geht also, und zwar nach Bonn. Allerdings geht er als nunmehr ehemaliger Fußgängerbeauftragter die 30 km nach Bonn nicht zu Fuß, um dort einen neuen Job anzutreten, dabei ein fröhliches Lied auf den Lippen: „Mein Vater war ein Wandersmann, und mir liegt’s auch im Blut….“ Vorerst soll nun der Fahrradbeauftragte in Köln die bisherigen Aufgaben des Fußgängerbeauftragten mit übernehmen, womit die Personalie ins Possenhafte abdriftet, da nämlich Herr Bär zu bedenken gibt, dass zu Fuß gehen und Radfahren nicht dasselbe ist. Es sei denn, der Fahrradbeauftragte hat einen platten Reifen und muss sein Dienstfahrrad zu Fuß zur nächsten Werkstatt schieben, was bei den zumeist maroden Zuständen auf den Kölner Radwegen und den Hinterlassenschaften in Form von Glasscherben durch feierwütiges Partyvolk immer wieder vorkommen kann. Die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker gab schon zu bedenken, wer in der Kölner Innenstadt wohne, der müsse hartgesotten sein. Fürwahr, fürwahr. Um gegen die mittlerweile weit verbreitete Unsitte anzugehen, herrenlose Tretroller achtlos sowohl auf Bürgersteigen als auch auf Radwegen abzustellen, ist eine verwaltungstechnische Fusion der beiden Aufgabenbereiche sicherlich sinnvoll. Denn zur Einrichtung einer eigenen Planstelle für einen Tretrollerbeauftragten haben sie in der Stadtverwaltung wahrscheinlich kein Geld. Dieses haben sie nämlich schon anderswo verplempert, und zwar in diversen Bauskandalen wie z.B. der Idee eines Hubschrauberlandplatzes auf dem zu diesem Zwecke künstlich aufgeschütteten Kalkberg in Köln-Kalk. Der geht aber wohl nie in Betrieb, weil sich dort inzwischen der Boden abgesenkt hat. Die Ernennung eines Hubschrauberbeauftragten haben sie sich im Rathaus deswegen bislang auch gottlob verkniffen. Falls aber irgendwann auch noch der Kölner Fahrradbeauftragte nach Bonn wechseln sollte, würde eine erneute Schlagzeile „Der Fahrradbeauftragte geht“ auf den ersten Blick widersinnig anmuten, aber da er ja nun auch Fußgängerbeauftragter ist, wäre die Schlagzeile dann doch wieder logisch. Es sei denn, er geht nicht, sondern fliegt mit dem Hubschrauber nach Bonn. Aber gewiss nicht vom Kalkberg aus. Copyright: Raap/Bär 2024 

Baer aktuell 332 – 22. Januar 2024

Januar 1st, 2024

Bild des Monats Januar 2024: Jürgen Raap „Stunde Null“, Kaltnadelradierung, Bildformat 15 x 20 cm, 2020/2023, Druck: Michael Recht

Als im Februar 1995 aus der Schatzkammer des Kölner Doms ein silbernes Vortragekreuz gestohlen wurde, empörte sich die lokale „Rotlichtgröße“ Heinrich Schäfer, Spitzname „Schäfers Nas“: „Dä Kölner Dom bekläut mer nit“. Die gesamte Kölner Unterwelt half daraufhin der Polizei, die Diebe (sie stammten – wie sich später heraus stellte – vom Balkan) zu identifizieren und das Kreuz wieder zu beschaffen. Eine Belohnung in Höhe von 3.000 Mark lehnte Schäfer ab und bat den damaligen Domprobst lediglich, eine Messe für ihn zu lesen. Derlei Ganovenehre und auch keinerlei Ehrfurcht vor heiligen Stätten, die als Immunitätsbezirk gelten und an denen man folglich jegliches Austragen von weltlichen Konflikten, zumal mit Gewalt, zu unterlassen hat, wie dies auch schon vor Jahrtausenden in den vor- und frühreligiösen archaischen Kulturen galt, kennt man heute nicht mehr in jenen höchst frevelhaften Kreisen, die mit Bombenlegerei oder auch nur der grobschlächtigen Androhung einer solchen Entsetzen (Terror) und höchste Aufmerksamkeit für ihre kruden Ideen erregen wollen.

Bis Neujahr 2024 bleibt der Dom daher wegen Terrorwarnung von der Polizei martialisch abgeriegelt, mit wer dennoch nach altem Brauch eine Opferkerze anzünden möchte, kann dies vor dem Westportal der Kathedrale in einer provisorisch umgewidmeten Weihnachtsmarktbude tun. Auf Bitte von Siglinde Kallnbach entzündete Karl-Josef Bär dort im Zusammenhang mit Kallnbachs lebenslangen Kunstprojekt „a performancelife“ am 26.12.2023 die erste Kerze vor dem Kölner Dom. Siglinde Kallnbach hatte dort seit dem 24.12.2023 auf Leinwänden Solidaritätsbekundungen für Frieden und gegen Hass und gegen Terror gesammelt. Ansonsten wünsche mer Üch allen e glöcksillich Neujohr. Fotos: Siglinde Kallnbach

Zum Neuen Jahr sei an dieser Stelle der Hinweis gestattet, dass es bereits seit 1976 in Mannheim eine UFO-Meldestelle gibt, offizieller Name CENAP-Centrales Erforschungsnetz außergewöhnlicher Himmelsphänomene. Obwohl dort bislang noch keine Außerirdischen registriert wurden, hat der Berliner Jurist Klaus Stähle vorsichtshalber schon mal einen Leitfaden „Rechtsfragen beim Kontakt mit Extraterrestrischen“ verfasst. Dürfte man z.B. Aliens die Landung auf der Erde verweigern? Völkerrechtlich unbedenklich findet Stähle in diesem Kontext eine Landung auf hoher See. Strafrechtliche Aspekte spielen beim Umgang mit Aliens auch eine Rolle: so hat der Verfasser dieses Fachbuchs herausgefunden, dass unser Strafrecht nur die Tötung eines Menschen verbietet. Hier erblickt Klaus Stähle eine Gesetzeslücke: die Ermordung eines Außerirdischen auf der Erde werde womöglich nur als „Sachbeschädigung“ geahndet, was in seinen Augen juristisch allerdings ein „unhaltbarer Zustand sei“. Da müsste Bundesjustizminister Marco Buschmann (FDP) wohl irgendwann einmal Abhilfe schaffen mit einer Gesetzesreform, die uns ja auch noch nichts kostet, zumal unwahrscheinlich ist, dass sie jemals angewendet wird.

Olaf Scholz Sammelbilder

Bildstrecke: Hänneschen-Puppensitzung Köln, 13.1. 2024, Fotos vun hinger d’r Britz und der After Show-Party im Foyer, Fotos: Copyright Raap / Kallnbach 2024

Das Hänneschentheater – Puppenspiele der Stadt Köln ist Deutschlands einzige Stockpuppenbühne. Die burlesken Schwänke auf kölsch sind seit nunmehr 222 Jahren immer wieder zeitaktuell – zu den Höhepunkten zählt in der Karnevalszeit die „Hänneschen-Puppensitzung“, auf der sich diesmal die Figur des Hermann Speichel (Speimanes) mit einem Traktor den Bauernprotesten anschließt.

Witze aus dem Hänneschen-Theater:

Zwei Leverkusener bauen eine Brücke. Sagt der eine: „Kumm, loss mer de Bröck widder avrieße. He jitt et doch ja kein Wasser“ (Komm, lass uns die Brücke wieder abreißen. Hier gibt es doch gar kein Wasser): Darauf der andere: „Enä, dat jeht nit. Da sitzen schon zwei Düsseldorfer un sin am angeln“.

„Welche beiden Krankheiten sollte man nie zur selben Zeit haben?“ Antwort: „Alzheimer un Durchfall. Da musste laufen, ävver do weiß nit mehr wohin“.

Ein Einbrecher tappt in einem Haus im Dunklen. Da hört er eine Stimme: „Ich sehe Dich und Jesus sieht Dich auch!“ Der Einbrecher ist irritiert, tappt weiter herum, und da hört er die Stimme erneut: „Ich sehe Dich und Jesus sieht Dich auch!“ Er knipst die Taschenlampe an und sieht einen Papagei, der andauernd sagt: „Ich sehe Dich und Jesus sieht Dich auch!“ Fragt der Einbrecher den Papagei: „Wie heißt Du denn?“ – „Ich heiße Erika“. Der Einbrecher: „Dat is ävver ne blöde Name för ne Papagei!“ – Darauf der Papagei: „Jesus is ävver och ne blöde Name för ne Rottweiler!“

Dass diebische Hotelgäste schon mal einen Bademantel aus dem Zimmer mitgehen lassen, ist allgemein bekannt. Doch wie jüngst dem „Tagesspiegel“ zu entnehmen war, werden in Berliner Hotels sogar Klobürsten entwendet und ganze Waschbecken abmontiert. Herr Bär fragt sich, wie man es dann schafft, aus dem Zimmer ein klobiges Waschbecken unter dem Mantel versteckt am Portier vorbei nach draußen zu schaffen, und in der anderen Hand noch einen Rollkoffer mit der Klobürste und anderen Utensilien hinter sich her ziehend, immer in der Angst, das Waschbecken könnte aus dem Mantel heraus plumpsen, während der Portier dem krampfhaft den Mantel zuhaltenden Gast ein freundliches „Beehren Sie uns bald wieder“ nachruft. Die Klobürste braucht der Kleptomane wahrscheinlich, um später das geklaute Waschbecken damit zu reinigen. Da kann Herr Bär nur ausrufen: Oh Zeiten, oh Sitten ! Aber auch Hoteldiebe sind lernfähig: beim nächsten Raubzug verstauen sie dann bequemerweise im Rollkoffer und die Klobürste unter dem Mantel.

Oh du lieber Augustin, alles ist hin, möchte man als Zitat eines Spottlieds aus dem 18. Jh. angesichts seiner derzeit absolut miserablen Umfragewerte an die Adresse von Olaf Scholz ausrufen („Geld ist weg, Rock ist weg, Stock ist weg, Augustin liegt im Dreck“). Nun ist in jenem Volkslied besagter Augustin ein Hallodri, der sich in jeder Hinsicht gründlich übernommen hat, was heute zwar wohl eher auf Christian Lindner (FDP) zutrifft, was aber dennoch Scholzens eigene Partei, nämlich die altehrwürdige SPD, angeblich nicht davon abhalten würde, „wilde Gerüchte um Scholz und Pistorius“ zu verbreiten“, wie „Merkur.de“ meldet. Es kursieren unter manchen Genossen angeblich Spekulationen über einen „Kanzlertausch“, d.h. „Pistorius ist der Kanzler in Reserve“, um als solcher und als derzeit beliebtester SPD-Politiker spätestens nach der nächsten Bundestagswahl, vielleicht auch schon früher, den führungsschwachen und auch sonst eher augustinhaften Scholz abzulösen, so ist bei n-tv und auch anderswo nach zu lesen. Das erinnert Herrn Bär ein wenig an die hemdsärmelig-rustikalen Rauswürfe gescheiterter Bundesliga-Trainer, die ihre auf dem Stadion-Rasen lustlos herum kickende Versager-Truppe nicht mehr im Griff hatten. In ihrem Sportbusiness-Gewerbe wird diesen Übungsleitern jedoch immerhin noch recht heuchlerisch bis kurz vor ihrem Rauswurf regelmäßig bescheinigt, auch bei der nächsten Niederlage stünde der „Trainer „nicht zur Disposition“, denn „der Vorstand“ habe weiterhin „vollstes Vertrauen in ihn“, was aber natürlich gelogen ist und als Glaubensbekenntnis deswegen auch keinerlei Wert hat in einer Welt, in der vor allem die Steigerung „Freund, Feind, Parteifreund“ gilt.

Eine solche Demontage des Amtsinhabers aus den eigenen Reihen, in diesem Falle Olaf Scholz, hat Herr Bär bisher nur ein einziges Mal erlebt, nämlich 1961, als die FDP im westdeutschen Bundestagswahlkampf zunächst verkündete, sie würde nicht in eine Koalition mit einem Bundeskanzler Konrad Adenauer eintreten, und dann doch noch zu einem Bündnis mit der CDU/CSU bereit war, aber nur mit dem faulen Kompromiss, wenn Konrad Adenauer zur Halbzeit der Wahlperiode 1963 aus dem Bundeskanzleramt ausscheiden würde, was der Union allerdings insgeheim ganz recht war, da sie ohnehin Ludwig Erhard als Nachfolger favorisiert hatte. Herr Bär erinnert sich noch daran, wie er als Viertklässler in der Volksschule 1962 im Zeichenunterricht ein Bild zum Kölner Karneval malen sollte und dazu den Entwurf eines Prunkwagens für den Rosenmontagszug abzeichnete, mit einer Porträtfigur des damaligen FDP-Vorsitzenden Erich Mende auf einem Fahrrad-Tandem hinter Adenauer und der Sprechblase aus seinem Mund: „Dabei sein ist alles!“ Seitdem hatte die FDP in Westdeutschland den Ruf einer notorisch opportunistischen Umfallerpartei, und das sollte auch der aufstrebenden sozialdemokratischen Lichtgestalt Boris Pistorius zu denken geben. Als dann Adenauers Nachfolger Ludwig Erhard als Bundeskanzler 1966 scheiterte, soll der gegen seinen Willen kalt gestellte Konrad Adenauer schadenfroh gefeixt haben: „Et is allet ejal, Hauptsache et is einer wech“.

Donnerstag, 18. Januar 2024, 19.30 Uhr, Finissage zur Ausstellung „Heinz Zolper – Versöhnung der Werte“, Galerie art4you, Merowinger Str. 30, Köln-Südstadt. Erklärtes Ziel von Zolpers Kunstprojekt „Versöhnung der Werte“ ist es, „mit den vielfältigen und nahezu unbegrenzten Mitteln der Bildenden Kunst darauf hinzuwirken, sich unter Achtung der Menschenwürde auf die eigenen Werte zu besinnen und in gleichem Maße offen zu sein für die Werte anderer Menschen und Kulturen.“ Der Künstler ist bei der Finissage anwesend.

Im Zeitalter von Fake News ist die Wahrheit ist nicht immer leicht zu vermitteln Dass die PETA-Tierschutzorganisation 2021 einigermaßen forsch behauptete, der bayerische Ministerpräsident Markus Söder lebe jetzt vegan, glaubte natürlich schon damals kein halbwegs wacher Geist. Doch erst 2024 entlarvte news.de diese falsche Behauptung mit einem authentisch klingenden Söder-Zitat, das dieser jüngst auf einer Bauern-Demo verkündete: „Ohne Bratwurst ist ein Leben gar nicht sinnvoll“. Als „Focus“ 2023 berichtete, Markus Söder habe sich in Badehose versehentlich an einen Nacktbadestrand verirrt, klang auch dies einigermaßen wahrheitsgemäß. In Sachen Desinformation rät die Bundesregierung auf ihrer Website https://www.bundesregierung.de/breg-de/schwerpunkte/umgang-mit-desinformation/gefaehrliche-falschnachrichten-1905340: „Je emotionaler oder dramatischer eine Meldung ist, umso häufiger wird sie verbreitet. Deshalb ist es so wichtig, fragwürdige Inhalte nicht ungeprüft weiterzuleiten“. Nun kann die Redaktion von „bär aktuell“ heute nicht mehr im Nachhinein nachprüfen, ob Markus Söder im vergangenen Jahr am Nacktbadestrand tatsächlich eine Badehose anhatte, wie von „Focus“ reportiert. Aber zumindest das Bratwurstbekenntnis wird von einer zweiten Nachrichtenquelle bestätigt, nämlich BILD.de: „Söder schlägt Bratwurstalarm!“

In den finsteren Zeiten wie diesen sehnt sich manch einer nach emotionaler Heimeligkeit, mitunter auch nach Gefühlskitsch. Oder eben nach hemmungslosem Klamauk. Diesem Bedürfnis trägt die Boulevardpresse Rechnung, als Ausgleich dafür, dass sie sonst politisch gerne die populistische Schreihälsigkeit jener anstachelt, die von Rechtsaußen und woanders auch von Linksaußen, mal mit rigoroser Radikalität, mal mit weltfremdem Utopismus, das Unmögliche fordert oder vieles verspricht und nichts davon halten könnte. Wer sich nun stattdessen eine psychologische Projektionsfläche wünscht auf jemanden, der weltpolitisch nicht so gefährlich ist wie Wladimir Putin, Donald Trump, Kim Jon-Un oder die Hamas-Terroristen, gleichwohl jedoch eine gehörige Portion lächerlicher und damit bedeutungsmäßig ein paar gehörige Nummern kleiner, der wurde in den Medien jüngst vom Komikerdarsteller Oliver Pocher bedient. Pocher ist zwar mediengeschichtlich nicht der erste, der keine Peinlichkeit auslässt, um die Welt über sein Intimleben zu informieren. Bei ihm geschieht dies medien- und marketingstrategisch allerdings immer derlei ungelenk, dass man glauben muss, er greife im Abschwung seiner Karriere nach jedem noch so dünnen schlagzeilenträchtigen Strohhalm, um doch noch ein wenig Aufmerksamkeit zu erheischen. Nachdem zur grobholzigen Belustigung des Boulevardpublikums die einstige Rennfahrergattin Cora Schumacher laut RTL bekundet haben soll, sie sei in Oliver Pocher „verknallt“ gewesen und die BILD-Zeitung dies auch noch mit der Schlagzeile „Ja, es ist Sex!“ hochjazzte, informierte das Klatsch-Blatt „Gala“ kurz darauf seine Leser über die Ernüchterung, die sich nach dem baldigen Abflauen dieser hormonellen Euphorie bei Cora Schumacher eingestellt haben soll: „Kleinen, zickigen Männern kann man nicht böse sein. Kleine Männer sind immer zickig. Und außerdem ist er Oliver Pocher. Ich hätte nichts anderes von Oliver Pocher erwartet.“ Bliebe in diesem Zusammenhang zu erwähnen, dass zumindest Karl Lauterbach wieder in festen Händen ist, diesmal mit einer Journalistin. Dennoch fiel dem Kabarettisten Dieter Nuhr auf, dass Lauterbach in letzter Zeit wieder vermehrt im Fernsehen auftaucht, was ihn, Nuhr, schaudern ließe angesichts der ständigen miesepetrigen Warnungen und Ermahnungen Lauterbachs, was Nuhr allerdings an alle Patienten mit dem guten Rat kommentierte: „Seien Sie froh, dass der nur Gesundheitsminister geworden ist und nicht Arzt“. Während Herr Bär nun gespannt darauf wartet, ob die neue Gefährtin von Herrn Lauterbach demnächst in diversen Gazetten dessen Ideologie der salzfreien Ernährung verbreitet, mithin „Compliance“-Regeln verletzt werden könnten, sieht sich eben jenem Verdacht auf Verletzung der Regelkonformität der Regierende Bürgermeister von Berlin, Kai Wegner (CDU), ausgesetzt, weil er via Anwalt der Öffentlichkeit mitteilen musste, er habe ein Fisternöll mit seiner Bildungssenatorin. Für Nicht-Rheinländer: „Fisternöll“ leitet sich vom mittelhochdeutschen „fistan“ (=herumbasteln) ab, und „Nöll“ von „Arnold“: wer sich einem Fisternöll hingibt, bastelt im Sinne dieses rheinischen Idioms mithin gerne am anderen Geschlecht herum, egal, wie puritanisch die Zeiten und Sitten gerade sind, und ebenso egal, ob jemand nun Arnold heißt, Oliver, Karl oder Kai. Uns Rheinländern war die preußische Überkorrektheit ja nie so ganz geheuer. Wir pflegen stattdessen einen „kölschen Klüngel“ nach der Adenauer’schen Devise: „Man kennt sich, man hilft sich“. So sei Kai Wegner darüber informiert, dass es in Köln unter den Karnevalsgardisten nur eine einzige, allerdings sehr strikte Compliance-Regel gibt: ein Fisternöll mit einem Tanzmariechen ist ein absolutes Tabu.

Die neuesten Witze aus dem Kölner Karneval

„Op kölsch kannste nit gendern. Zum Beispiel im Hochdeutschen bei ‚meine Freundin“, da drückt dat “e‘ in ‚meine‘ us, dat dat weiblich ist. Op kölsch heißt dat dann ‚ming Fründin‘. Dat ‚e‘ es fott. Aber ‚mein Freund‘ heißt op kölsch ‚minge Fründ‘. Dä, do is et widder, dat ‚e‘. Wie will mer dat jetzt gendern?“ (Jörg Paul Weber).

„OB heißt in Düsseldorf Oberbürgermeister. In Köln is dat die Abkürzung für ‚Ohne Befähigung’“.

„Früher jab et ja zehn Jebote. Jetzt nur noch neun. Der Kardinal Woelki hat eins abjeschafft: Du sollst nit lügen“.

„Ich glaub nit mehr daran, dat der Kardinal Woelki noch zuröck tritt. Eher erleben wir, dat dat Alice Schwarzer beim Christopher Street Day in Teheran vorne op enem Prunkwagen met fahren darf“.

„Ich han geträumt, dä Olaf Scholz sitzt janz allein em Magen vum Putin. Do kütt dä Schröder eren. Säht dä Scholz: Gerhard, ich glaub, dä Putin hätt uns jefressen. Säht dä Schröder: Dat weiß ich nit. Ich kam aus der anderen Richtung“. (Ne Nubbel, Michael Hehn)

Essen und Trinken mit Herrn Bär

Bratwurst Die Regensburger Bratwurstküche an der dortigen Steinernen Brücke ist die weltweit älteste dieser Art und reicht bis ins 12. Jh. zurück. Dort werden die Bratwürste noch heute auf Holzkohle gegrillt. Die Sortenbezeichnung „Regensburger“ meint aber heute Brühwürste, die auch als „Knacker“ bezeichnet werden.
Kartoffelauflauf „Rommerskirchen“ à la Karl-Josef Bär Man schneide Kartoffeln in dünne Scheiben, koche sie weich, gebe sie dann in einer flachen Backform auf ein Bett mit Flocken aus Knoblauchbutter, auf die Kartoffelscheiben dann getrocknete Röstzwiebeln, frische Lauchzwiebeln, Knoblauch, Oliven und Streifen von frischem Frühstücksspeck. Schließlich ganz oben auf Flocken von französischem Ziegenkäse, wenig Salz (der Speck ist ja schon salzig genug), Pfeffer, Majoran, Thymian, Bärlauch-Sauce. Im Backofen 15-20 Min. garen, bis der Speck kross ist. Den Namen „Kartoffelauflauf Rommerskirchen“ hat Herr Bär nach einem surrealistischen Zufallsprinzip so gewählt als ironischen Kommentar zu den manierierten Verstiegenheiten mancher Kochbuch-Philosophen. Das von der mediterranenen Küche inspirierte Rezept hätte ja genauso gut auch „Kartoffelauflauf Grevenbroich“ heißen können. Dazu passt als Wein ein vollmundiger Cote de Ventoux aus dem Norden der Provence und als Verdauungsschnaps ein Obstler.

Übrigens: am 28. Februar 2024 ist „Weltkrokettentag“.

baer aktuell 331 – 22. Dez. 2023

Dezember 1st, 2023

Bild des Monats Dezember 2023: Jürgen Raap, „Das Ende der Wahrheit“, Acryl/Öl auf Leinwand, 2023

Deppen-Ranking der dämlichsten politischen Fehlleistungen des Jahres 2023 Wie sich zunehmender Realitätsverlust und handwerkliches Unvermögen wie ein roter Faden durch das politische Wirken (oder eher Unwirken) der Ampel-Koalition ziehen, registriert Herr Bär mit einem gewissen Erstaunen und der Vergabe von Platz 1-3: erst sorgte der zur Don Quichotterie, d.h. zum unsinnigen Kampf gegen und um Windmühlen neigende Robert Habeck mit seinem vermurksten Heizungsgesetz für Aufregung in der Bevölkerung, dann stritt sich auch noch die reichlich unbedarft auftretende Familienministerin Lisa Paus mit dem abgebrühten „Christian, do bes ene feine Mann“-Lindner wochenlang über die Kindergrundsicherung und ramponierte damit noch mehr das ohnehin schon ziemlich desaströse Erscheinungsbild der Koalition. Schließlich rüffelte das Bundesverfassungsgericht auch noch Habecks und Lindners hallodrihafte Finanzjongliererei mit 60 Milliarden Euro, die bislang ja nur als zusammengetrickste Luftbuchung existierten und nun fehlen. Hatten bislang eher nur die Sozialdemokraten den Ruf, sie könnten nicht solide mit Geld umgehen, so gilt dies nun auch für die FDP und vor allem für die Grünen.

Lindner belegt mit seinem Widerstand gegen ein Tempolimit gleich auch noch Platz 4 als unzeitgemäßer Asphaltheiliger jener Raser und Poser, die aufgrund ihrer Ausstattung mit nur schlichtem Gemüt glauben, sie müssten in Köln-Poll mit 150 km/h über die Alfred Schütte-Allee brettern und anschließend an jeder roten Ampel den Motor laut aufheulen lassen, während die Kölner Grünen sich wiederum den Schildbürgerstreich erlaubten, widersinnigerweise ausgerechnet den Trankgassentunnel am Dom für Autos zu sperren und die damit in der Innenstadt letztlich mehr Staus und mehr C0 2-Ausstoß verursachten als es vorher dort gab – daher Platz 5.

Auf Platz 6 folgen Hubert Aiwanger und seine Anhänger, die ihr Idol in Bierzelten lauthals als Stimmungskanone „Hubsi“ bejubeln und verniedlichen, weswegen Aiwanger vom Kabarettisten Urban Priol zu Recht als „Festzeltmessias“ verspottet wird und eigentlich nur eine Hauptrolle im „Tegernseer Bauerntheater“ verdient hätte, aber nicht ein Ministeramt. Auf Platz 6 ist der mediale Philosophendarsteller Richard David Precht zu finden, weil er immer wieder den Eindruck erweckt, er wisse nicht viel, könne aber immer alles erklären. Platz 7 ist für die Nutzer des Deppen-Genitivs reserviert, wie der Kabarettist Volker Weininger jene sprachliche Fehlleistung nennt, z.B. „Bär’s Backstube“ statt richtigerweise „Bärs Backstube“ zu schreiben.

Bis auf die Knochen blamierte sich die CDU bei der Vorstellung ihres neuen türkisfarbenen Logos, weil nämlich der dazu gehörende Imagefilm nicht die Kuppel des Berliner Reichstags, sondern versehentlich jene des georgischen Präsidentenpalastes zeigt. Hoffentlich verwechseln die christdemokratischen Design-Deppen bei ihrem nächsten Logo-Relaunch das Konrad Adenauer-Haus nicht mit dem Präsidentenpalast von Tadschikistan (Platz 8). Mit Platz 9 werden die nervigen Helikoptermütter bedacht, die ihre verwöhnten Blagen mit dem Lastenfahrrad durch die Gegend karren, anstatt ihre betütelten Sprößlinge lieber auf verschlammten Sportplätzen für die Bundesjugendspiele trainieren zu lassen, wie dies in jungen Jahren Herr Bär auf sich nehmen musste, weshalb der Leistungsgedanke bei den Bundesjugendspielen fortan abgeschafft wird, nur um dem gluckenhaft verhätschelten Nachwuchs im Lastenkarren eine sportliche Blamage zu ersparen.

Der unsportliche Herr Bär hatte es damals bei den Bundesjugendspielen übrigens auch nie zu einer Urkunde mit Unterschrift des Bundespräsidenten gebracht, weil er regelmäßig im Schlagball-Weitwurf versagte, was er allerdings gleichmütig hinnahm, so dass besagte Helikoptermütter eigentlich keinen Grund zur Hysterie hätten.

Dass vielleicht in 30 Jahren diese bis dahin vom Unbill des alltäglichen Lebens wenig abgehärteten Lastenkarren-Bübchen mal eine Bundesregierung bilden und dann mit einer gewissen Lebensuntüchtigkeit frivolerweise die jetzige Ampelkoalition noch in den Schatten stellen könnten, möchte Herr Bär sich lieber nicht vorstellen.

Platz 10 ist für die glücklose Bundesinnenministerin Nancy Faeser reserviert, die seit ihrer Amtseinführung schon erstaunlicherweise so viel versemmelt hat, dass es eigentlich bereits für zehn Rücktritte oder Rauswürfe gereicht hätte, und Platz 11 für den FIFA-Präsidenten Gianni Infantino: dass dieser mit einer Kombination aus dumpf-dummdreister Dickfelligkeit und monetärer Gier die Fußball-WM 2034 an Saudi-Arabien vergab, das man wegen seiner offenkundigen Demokratie-Defizite durchaus als „Schurkenstaat“ bezeichnen kann, kommentierte ntv mit den Worten, damit habe „der Fußball eine neue Ebene der Skrupellosigkeit“ erreicht, „die fast alle sprachlos macht“. Wer im übrigen wissen will, wie seinerzeit ein gewisser Faust an Mephisto seine Seele verkauft hat, der lese dies noch einmal bei Johann Wolfgang von Goethe nach. Oder bei Gianni Infantino. Copyright Raap/Bär 2023

Mit allerlei Irrsinn geht das Jahr zu Ende Herr Bär, der einmal in der Woche mit der Deutschen Bahn von Köln-Ehrenfeld 20 km weit nach Horrem fährt und dabei nie weiß, ob ein Zug dann überhaupt kommt, wenn Herr Bär ihn gerade benötigt, und falls die S-Bahn schließlich doch 30 Minuten später einfährt, ob sie alsdann die kurze Strecke bis Horrem wirklich in jenen 14 Minuten schafft, die der Fahrplan mit einiger Euphorie auflistet, hat keinerlei Verständnis dafür, dass die Bahn-Vorstände für die notorische Unpünktlichkeit ihrer Züge jetzt auch noch absurderweise mit Bonus-Zahlungen belohnt werden.

Diese Prämien begründen sie recht schrullig mit dem Argument, dass sie bei der Bahn ja schließlich zuletzt mehr Frauen eingestellt hätten, als sie eigentlich müssten. Allerdings hat die Übererfüllung der Frauenquote nicht für mehr Pünktlichkeit gesorgt, zumindest nicht zum Leidwesen von Herrn Bär auf der Stecke Köln-Aachen mit Zwischenhalt in Horrem, weshalb sogar ein gemäßigter Feminist wie Herr Bär der Ansicht ist, man sollte den Bahn-Vorständen, egal ob Männlein oder Weiblein, anteilsmäßig lieber genau jene Summe vom Gehalt abziehen, welche die Bahn ihren Kunden wegen Verspätungen und Zugausfällen Tag für Tag erstatten muss.

Wer glaubt, der ganz normale Wahnsinn in unserem Alltag, wo schon fast überall längst nichts mehr richtig funktioniert und man sich bisweilen in der DDR der 1970er Jahre wähnt, sei jenseits der Deutschen Bahn nicht mehr zu toppen, der staune über das Trauerspiel, das erneut die Ampelkoalition bietet mit ihrer Idee, den Landwirten den Agrar-Diesel für ihre Traktoren so drastisch zu verteuern, dass Herr Bär befürchten muss, demnächst heißt es wieder „Im Märzen der Bauer die Rößlein einspannt“, um dann im Schweiße seines Angesichts mit Ackergäulen den Acker umzupflügen. Technischer Fortschritt sieht sicherlich anders aus als uns mit furzenden Ackergäulen auf rheinischen Zuckerrübenfeldern die CO 2-Bilanz zu vermiesen, und dies nur, weil der amtierender Landwirtschaftsminister nichts von Agrarpolitik versteht.

Und wer bislang ernsthaft am Erwerb eines E-Autos interessiert war und sich nun durch die haushaltspolitischen Hasardeure in Berlin um die Aussicht auf längst einkalkulierte Fördergelder geprellt sieht, kommt – nun ja – mit der althergebrachten Fiaker-Kutsche irgendwann auch mal ans Ziel, womöglich sogar schneller als mit der Deutschen Bahn, auch wenn die Autobahnen und Straßen dann überall recht streng nach Päädsköttel riechen, was wiederum des weiteren nicht so gut für die CO 2-Bilanz ist.

Seit Herr Bär die Politik bewusst wahrnimmt, und dies, zwar mittlerweile in Sachen Haarfarbe als „weißer Mann“ einzuordnen, aber weiterhin mit wachem Verstand seit nunmehr etwa 54 Jahren, hat er noch keine einzige Bundesregierung erlebt, die mit ihrer Weltfremdheit, Arroganz, Dickfelligkeit, Unberechenbarkeit und ihrem unerhörten Dilettantismus binnen zwei Jahren das Vertrauen der Bürger so schnell und so gründlich verspielt hat wie die jetzige. Aber deswegen sollte man als überzeugter Demokrat auf gar keinen Fall auf die schreihälsigen Extremisten von rechts oder links hereinfallen. Denn: „Et hätt noch immer jot jejange“. In diesem Sinne: Frohe Weihnacht überall, bald ist wieder Karneval.

Baer aktuell 330 – 3. Nov. 2023

November 1st, 2023

Bild des Monats November 2023: Jürgen Raap, „Die feindlichen Brüder“, Acryl/Öl auf Leinwand, 2023

Bär aktuell 330 – 22. Nov. 2023:

Obwohl Herr Bär stets um eine seriöse Erscheinung bemüht ist, wird er in Museen von barschen Wärtern bisweilen weggescheucht, sobald er sich in einem der Ausstellungsäle einem Millionenwert an der Wand zwecks näherer Betrachtung allzu sehr annähert, als ob Herr Bär im Ruf stünde, ein pathologischer Säureattentäter oder ein fanatischer Klimakleber zu sein. Um so entspannter bewegte sich Herr Bär zur Eröffnung der diesjährigen Kunstmesse Art Cologne durch die Kojen, wo der Berliner Galerist Aenas Bastian sich dazu bereit fand, sich nur einen Atemhauch vom Bild entfernt zusammen mit Herrn Bär vor einem Werk von Pablo Picasso fotografieren zu lassen, das dort für immerhin 3, 75 Mill. Euro feilgeboten wird. Im übrigen soll in diesem Zusammenhang nicht unerwähnt bleiben, dass auf dieser Vernissage als Begrüßungstrunk auch noch Gaffel Kölsch gereicht wurde – somit war es für Herrn Bär ein wohliger und rundum gelungener Vernissagenabend.

Als Karnevalist ist Herr Bär ein Traditionalist, welcher der zunehmend unerträglichen Kommerzialisierung und Ballermannisierung des Narrentreibens absolut nichts abgewinnen kann. Die Ermahnung von Kölns Obernarren, dem Festkomiteepräsidenten Christoph Kuckelkorn, der Kölner Karneval stehe für Frieden und Toleranz, fruchtete jedenfalls nicht bei jenem Trunkenbold, der in der Altstadt aggressiv an einem Drängelgitter herumrandalierte, um sich augenscheinlich völlig sinnfrei mit den Malteser-Sanitätern hinter diesem Gitter anzulegen: „Dat hät nix ze dun met Karneval“. Aber als wunderbares Kontrastprogramm dazu durfte Herr Bär im Rathaus das immer noch urkölsche „Spill op d’r Rothusstrepp“ erleben (Spiel auf der Rathaustreppe), früher tatsächlich draußen auf der Treppe abgehalten und später dann ins Rathausfoyer verlegt, nicht zuletzt deswegen, weil die Altstadt-Umgebung des Rathauses am 11.11. in den letzten Jahren mehr und mehr zum Jahrestreffen der Wildpinkler und der Jünger eines überlauten und auch musikalisch einfältigen Uftata-Uftata-Bassgedröhnes mutiert ist. „Dat Spill op d’r Rothuustrapp“ richten die „Muuzemändelcher“ aus, Kölns älteste karnevalistische Künstlervereinigung mit dem Gründungsdatum 1949 („Muuze“ sind ein Schmalzgebäck in der winterlichen Karnevalszeit), und hier bekommt man am 11.11. als eingeladener Gast wie Herr Bär noch Redner mit unverfälschter Mundart zu hören und klassisches kölsches Liedgut, und am schönsten war für Herrn Bär diesmal hinterher die After Show-Party mit Quetschebüggel (Akkordeon) und „decke Trumm“ von den „Mädcher un Junge vum Zochweg“.

Bärs Bestatterkritik „Im Bestattungshaus wurde früher zum Karneval die Schreinerei ausgeräumt und eine Party für Freunde, Mitarbeiter und Vereinskollegen ausgerichtet“, lässt der Beerdigungsunternehmer und Karnevalist Christoph Kuckelkorn die Leser seiner Internetseite wissen. Bei Konkurrent Pütz-Roth im benachbarten Bergisch Gladbach ist die „Kölsche Weihnacht“ am 13. Dezember 2023 mit der Karnevalscombo „Paveier“ schon viele Wochen vorher ausverkauft. Weniger karnevalesk als bei Kuckelkorn geht es unterdessen in Düsseldorf beim Bestatter Frankenheim zu, der sein Eventprogramm auf Yoga, Krimilesungen und „künstlerische Veranstaltungen“ beschränkt. Ergänzt wird das Programm durch einen „Kreativwettbewerb“, zu dem man „Fotografieren, filmen, dichten, malen, zeichnen oder eine Collage basteln“ kann, die dann in einer Online-Galerie ausgestellt und in einem „Büchlein“ und Kalender publiziert werden. „Und natürlich gibt es auch wieder tolle Preise zu gewinnen“. Ob es sich beim 1. Preis möglicherweise um einen Sarg oder eine Urne handelt, wird aber auf der Internetseite nicht näher erläutert. Dass solchermaßen der „Tod zum Leben“ gehört, sei keine Phrase, sondern „essenzielle Wahrheit“, schrieb der „Bonner Generalanzeiger“ in seinem Porträt über Wilhelm Becker als „ganzheitlichen Bestatter“. Der Kabarettist Rainer Pause und der Historiker Martin Stankowski beschäftigten sich schon vor 20 Jahren in ihrem Bühnenprogramm und in einem Buch „Tod im Rheinland“ mit der Tatsache, dass eben das Rheinland „die knochenintensivste Region Nordwesteuropas.“ ist. „Ob Ursula und Gereon in Köln, Cassius in Bonn oder Donatus in Münstereifel: Es wimmelt von Heiligen und ihren sterblichen Überresten, den Knochen, die als Reliquien heftig begehrt und lebhaft verehrt werden. Die Rheinländer sind mit ihnen auf Du und Du. Aber ist deshalb auch der Umgang mit Tod und Sterben anders? Ist es gar vergnüglicher, leichter?“ Letztlich wohl nicht. Denn wie bilanziert es der Kölner Krätzchensänger J.P. Weber: „Der letzte Wagen is immer ’ne Kombi, un do liss hingen en dä Kiss, so ’ne Driss…“ (liss= liegst, Kiss=Kiste, Driss = Scheiße). Es sei denn, man lässt sich nach dem Ableben kompostieren, was neuerdings als „ökologische Bestattung“ angepriesen wird. Das hält allerdings Tade Spranger, Professor für Staats- und Verwaltungsrecht an der Universität Bonn und laut Berliner „Tagesspiegel“ auch ein Spezialist für „Friedhofs- und Bestattungsrecht“ für einen „komplett irren Vorgang“, denn es gäbe „zahlreiche naturwissenschaftliche und medizinische Bedenken, auch in Bezug auf die biologische Sicherheit des Verwesungsprozesses“. Und wer will schon als Dünger für Futterrüben aus dem Jenseits der Nachwelt ein „Und die Herrlichkeit in Ewigkeit, Amen!“ entgegenrufen?

In Österreich waren sie mal wieder schneller. Während hierzulande bis vor kurzem die einstige Linkspartei-Ikone sich lange zierte, ob sie zu den nächsten Wahlen mit einer eigenen „Sarah Wagenknecht Partei“ antreten soll, hat sich für die Wahl zum Wiener Landtag im Jahre 2025 dort schon längst „Die Bierpartei“ gut aufgestellt und in aktuellen Meinungsumfragen mit 12 Prozent Stimmenanteil sogar bereits die konservative ÖVP überholt. Das Parteiprogramm ist recht simpel, aber in nicht zu unterschätzender Weise volkstümlich angelegt: einen „Bierspringbrunnen für Wien“ und einen „monatlichen Biervorrat für österreichische Haushalte“ verspricht die Partei der Gerstensaftfreunde ihren Anhängern. Damit könnte sicherlich auch eine Sarah Wagenknecht-Partei punkten: da ja die heutigen Salon-Bolschewisten, also die Lifestyle-Linken, die Wagenknecht in der Linkspartei anprangert, nicht mehr Bier als traditionelles Proletarier-Gesöff bevorzugen, sondern eher Prosecco und Aperol Spritz, könnte der Wagenknecht-Verein auf Parteitagen zur musikalischen Illustration seines angekündigten linkskonservativen Profils eine Blaskapelle engagieren, die zum Fassanstich „Ein Prosit der Gemütlichkeit“ spielt und nicht etwa „Auferstanden aus Ruinen“.

Die Garantie von „Brot und Spielen“ fürs „gemeine Volk“ haben bekanntlich schon die römischen Cäsaren als Basis von politischem Machterwerb und Machterhalt erkannt. Was letzteres angeht, nämlich die Spiele, namentlich zur Fußball-EM bei uns im kommenden Jahr, so graust sich in Köln der grüne Bezirksbürgermeister Andreas Hupke davor, im denkmalgeschützten Rheinpark einen Bolzplatz für die Fans anlegen zu müssen, die zu den Kölner EM-Spielen an den Rhein kommen: statt eines „bunten Fußballfestes“ dort fürchten nicht nur Hupke, sondern auch andere Kommunalpolitiker, sturztrunkene Fans könnten mit ihrer Freizeit-Bolzerei zwischen den EM-Spielen womöglich den schönen Rheinpark verwüsten und somit der internationalen TV-Öffentlichkeit eher ein weiberfastnachtsähnliches Wildpinklerchaos bieten anstatt ein heiteres EM-Sommermärchen. Herr Bär hat den grünen Politiker Andreas Hupke insofern in leicht getrübter angenehmer Erinnerung, als Herr Hupke vor Jahren auf einer Karnevalsveranstaltung in Köln-Ehrenfeld Herrn Bär mal ein Glas Kölsch ausgeben wollte, aber es gab leider kein Bier mehr – denn das einzige Fass war von der politischen Konkurrenz schon längst leer getrunken. So etwas passiert aber auch immer nur den Grünen.

Copyright: Bär/Raap 2023

Neulich wurde eine renommierte Parfum-Designerin gefragt, welcher Duft denn am besten zu Olaf Scholz passen würde. Sie meinte daraufhin, Scholz sei gewiss nicht der „Vanille-Typ“, er würde wohl eher einen würzig-herben Duft bevorzugen. Würzig-herb? Herr Bär fragt sich ratlos, was das im Falle des Kanzlers heißen soll. Olaf Scholz als olfaktorische Reinkarnation des Marlboro-Mannes, nach einer Mischung aus abgestandenem kaltem Zigarettenrauch, Lagerfeuer-Holzkohle und Pferdedung riechend und dabei irgendwo in den Canyons von Colorado Mundharmonika spielend in den Sonnenuntergang hineinreitend? Riecht so einer wie Scholz dann vielleicht tatsächlich würzig-herb? Wohl eher nicht. Herr Bär kann sich hingegen vorstellen, dass Olaf Scholz mittags in der Bundestagskantine einen Vanillepudding isst. Oder einen Wackelpeter.

Veganer-Witz zum Mitdenken

Schäl: „Tünnes, ich han jehört, du bes jetzt Veganer“.

Tünnes: „Jojo, un ich bin esu jar ne janz konsequente Veganer. Ich drinke noch nit ens Leitungswasser“.

Schäl: „Woröm dat dann nit?“

Tünnes: „Dat kütt doch us däm Hahn“.

Baer aktuell 329 – 3. Okt. 2023

Oktober 8th, 2023

Bild des Monats Oktober 2023:

Jürgen Raap, Moldawischer Samba, Acryl und Öl auf Obstkiste, 2023

Kürzlich mokierte sich der Modedesigner Wolfgang Joop darüber, dass manche Reality-Sternchen des Trash-TV dazu neigen, sich beim Schönheitschirurgen mit einem Übermaß an Botox nicht nur die Lippen, sondern auch noch das Gesäß aufplustern zu lassen, wobei Joops Mokanz zu entnehmen ist, dass derlei fehlgeleitete physische Selbstoptimierung sein ästhetisches Empfinden stört. Wo derzeit in den Feuilletons von „Die ZEIT“ bis „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ die aktuelle gesellschaftliche Konfliktsituation gerne als ein Spannungsfeld zwischen dem klassischen demokratischen Liberalismus als Garant für die Freiheiten des Individuums zur Selbstverwirklichung und deren Konterkarierung von Linksaußen und Rechtsaußen mit ihren eher kollektivistisch orientierten Ideologien beschrieben wird, mündet Joops Kritik der plastischen Chirurgie als eine Kritik der Unvernunft bei Herrn Bär in den Eindruck, dass die Gattinnen neureicher russischer Oligarchen doch alle irgendwie alle gleich aussehen, wenn der Chirurg mit dem Herumschnippeln an Augenlidern und der Formung von Ballonreifen-Lippen fertig ist, mithin solcherlei künstliche und keineswegs künstlerische Körpergestaltung weniger individualistisch anmutet, sondern vielmehr als ein Ausdruck von Konformität und Uniformität zu beurteilen ist. Nun ja, heute schreibt ja keiner mehr so lange Sätze wie einst Thomas Mann (außer vielleicht noch der Verfasser von bär aktuell): die von Wolfgang Joop konstatierten kosmetischen Übertreibungen haben ihr soziologisches Pendant in der intellektuellen und damit auch literarischen Verarmung in den Kurznachrichtendiensten der sozialen Medien mit ihrem auf bloßes Schlagwort-Gebaren reduzierten Sprachgebrauch. Wer an Philosophie interessiert ist, der lese noch einmal in Immanuel Kants „Kritik der Urteilskraft“ nach, wo Kant ausführt, dass der Einsiedler kein Interesse an der Kunst und am Schönen habe, was man im 21. Jh. darin auslebt, sich im Homeoffice allein unrasiert, ungewaschen und damit ungeniert mit einer Tüte Kartoffelchips und einem Laptop auf dem Sofa herum zu lümmeln. Erst in Gesellschaft wolle man hingegen laut Kant als ein feiner Mensch gelten, streift den Schlafanzug ab, parfümiert sich und brezelt sich auch sonst gehörig auf – was allerdings im 21. Jh. im Joopschen Sinne zu den oben beschriebenen ästhetischen Missverständnissen führt, da laut Kant nur die ästhetischen Erfahrungen des Naturschönen auch zu moralischem Handeln führen, wobei der Königsberger Philosoph von 230 Jahren noch nicht wissen konnte, dass heute eher das hypermoralische Überlegenheitsgefühl mancher radikaler Eiferer und verblendeter Sektierer die allgemeine Geselligkeit stört.

Blonder geht’s nicht möchte man ausrufen angesichts des politischen Trauerspiels, das sich die (noch ?) amtierende Bundesinnenministerin Nancy Faeser als Spitzenkandidatin im hessischen Landtagswahlkampf geleistet hat ohne jegliche Risikobereitschaft, sich nämlich weigernd, im Falle einer Niederlage als Oppositionsführerin nach Wiesbaden zu gehen und dann eben nicht trotzig nur um der persönlichen Karriere willen in Berlin bleiben zu wollen, was auch bei Herrn Bär, obwohl er selbst in Hessen nicht wahlberechtigt gewesen wäre, bei Faesers Kandidatur den Eindruck der Halbherzigkeit und politischen Leidenschaftslosigkeit erweckte. Ein Lehrstück, wie man es mit selbstverschuldeter politischer Verkorkstheit schaffen kann, dass die eigene Partei im Wahlergebnis schließlich mit 4 Prozent Stimmenverlust abschmiert. Eine andere Blondine, nämlich das Reality-Sternchen Daniela Katzenberger, ließ derweil die Welt via Boulevardpresse wissen, sie habe zehn Kilo abgenommen, was insofern keine bemerkenswerte Leistung ist und bei „Bärs Diät-Barometer“ allenfalls mit einer Bronzemedaille honoriert wird, weil Sigmar Gabriel 2017 immerhin satte 13 Kilo abspeckte (Silber), und der einstige Fußballmanager und Fresspapst Rainer Calmund im Jahr 2020 sogar voluminöse 70 Kilo (Gold). Zu den weniger weltbewegenden Nachrichten dieser Tage gehört auch die Meldung, Olaf Scholz habe bei einem der jüngsten internationalen Gipfeltreffen eine abgewetzte Aktentasche mit sich geführt, was Herrn Bär ahnen lässt, dass der Scholzomat uns als skurille politische Medienfigur wohl noch länger erhalten bleibt und mit bizarren Trivialitäten zur Auffüllung von Zeitungsschlagzeilen beiträgt. Der Kabarettist Ingo Appelt drückte es in einem Zweizeiler so aus: „Wirste ausgelacht, bleibste an der Macht“, was nach Appelts Meinung allerdings auch und weniger lustig für den Albtraum einer Wiederwahl Donald Trumps in den USA gelten mag.

Ein japanisches Restaurant in Köln bietet in diesem Monat „Sushi goes Oktoberfest“ an. Wenn die Reisröllchen, die sonst rohen Thunfisch oder Lachs enthalten, nun als „Wies’n Box“ mit „Leberkäse, Krautsalat und Röstzwiebeln“ als Füllung angepriesen werden: Ist das als plumper gastronomischer Marketing-Gag eine frivole „kulturelle Aneignung“, über die sich allerdings bislang noch keine Puristen der politischen Korrektheit hysterisiert haben, oder ist das nun doch eher eine interkulturell akzeptable globale „Crossover-Küche“, ähnlich dem „Dönerburger“, der mit türkischer Traditionsküche eigentlich auch nichts mehr zu tun hat, weswegen man die pseudo-japanische „Wies’n Box“ mit Leberkäse-Sushi mit Sicherheit nicht als „authentisch“ einstufen darf. Für eine stilechte Kellnerinnen-Tracht, nämlich Dirndl oder Geisha-Kostüm, konnte der Marketing-Depp, der sich diese Speisekarte ausgedacht hat, sich freilich nicht entscheiden – das Personal ist in diesem Etablissement auch zu den jetzigen japanischen Oktoberfest-Wochen weiterhin neutral in T-Shirts gewandet. Und wenigstens diese neutrale Garderobe hat dann nicht den Hautgout einer verlogenen Gastro-Folklore. Die traditionelle japanische Küche „Washoku“, die in der Edo-Zeit  (17.-19. Jh.) entstand, zählt übrigens zum immateriellen UNESCO-Weltkulturerbe.

Sternstunden des Boulevard-Journalismus: „Es geht um Zechprellerei. Polizei-Einsatz bei Schröder-Party“, titelte die BILD-Zeitung über eine bei der Begleichung der Rechnung aus dem Ruder gelaufene Zwei-Michelin-Sterne-Gourmet-Sause des Altbundeskanzlers im Hamburger Nobel-Schuppen „Lakeside“, wie man sie sich als Schwank im Kölner Hänneschen-Theater nicht besser hätte ausdenken können. Kurzfassung: Erst kam die Rechnung, dann die Polizei. BILD-Leser wissen nun: wenn man von Gerhard Schröder zum Essen eingeladen wird, muss man womöglich auf alles gefasst sein. Nicht wegen ihm, sondern wegen mancher seiner Gäste, mit denen er sich neuerdings zu umgeben pflegt, in diesem Falle mit einem „iranischen Geschäftsmann“ namens Mazid Y. (41), der sich – glaubt man der BILD-Reportage – letztlich keineswegs seriöser verhielt, als man dies gemeinhin russischen Oligarchen unterstellt. Wo Schröder aufgrund der aktuellen Sanktionen gegen Russland momentan eher Schwierigkeiten hat, geschäftliche Kontakte zu den dortigen Oligarchen zu pflegen, erwies sich als Alternative zu ihnen besagter „iranischer Geschäftsmann“ keineswegs als Glücksfall zum Aufpolieren der zuletzt arg gelittenen Schröder’schen Reputation. Was war laut BILD nun tatsächlich passiert: Gastgeber Schröder habe verkündet, „er zahlt, was zum Menü gehört. Wer darüber hinaus etwas bestellt, begleicht die Rechnung selbst“. Mazid Y. habe „das offenbar nicht begriffen – oder es nicht begreifen wollen“ und konsumierte ungeniert Getränke für 6.117 Euro. Ein Sieben-Gänge Menü kostet dort im „Lake Side“ 240 Euro, eine 7 Gläser-Weinbegleitung 160 Euro. Aber an einem einzigen Abend mehr als 6.000 Euro auf den Kopf zu hauen – das muss man ja auch dort erst einmal schaffen. Vielleicht hat Gerhard Schröder, der früher als trinkfest galt, in Mazid Y. seinen Meister gefunden. „Als die Rechnung kam“, sei Schröders Gast aus dem Mullah-Land jedenfalls ausgerastet. Als die Polizei eintraf, sei „der durstige Geschäftsmann“ allerdings „schon weg“ gewesen. Nun ja, wer an jenem Abend sonst noch Schröders Gast war, kann davon jedenfalls noch seinen Enkeln erzählen: denn einen Polizeieinsatz wegen eines Zechprellers im Gefolge eines Altbundeskanzlers erlebt man ja schließlich nicht alle Tage.

In der Tierwelt gilt offensichtlich nicht das Schönheitsideal einer Heidi-Klum-Model-Welt. So trägt man in Alaska die „Fat Bear Week“ aus mit einem Wettbewerb, bei dem online über den dicksten Bären abgestimmt wird. 2023 ging das 320 kg schwere Weibchen „Grazer“ als Sieger hervor. Im kanadischen Vancouver Island drang derweil ein junger Schwarzbär in den Kiosk einer Tankstelle ein, klaute ausgerechnet eine Tüte Gummibärchen, worüber sich der Tankstellenbesitzer Jay deGoesbriand erboste: „Dann hat dieser kleine Mistkerl die Nerven, in meiner Einfahrt zu sitzen, mich anzusehen und die Süßigkeiten zu essen“. Es sei an dieser Stelle noch einmal daran erinnert, dass Sigmar Gabriel mal Tierpate für den Berliner Eisbären Knut war, der im Rahmen dieser Patenschaft der Verfressenheit anheimfiel und kurz darauf verstarb. Der Eisbär Knut, nicht Sigmar Gabriel. Seitdem ist in Deutschland jedenfalls kein Politiker mehr Tierpate eines Bären geworden, wiewohl Olaf Scholz die Patenschaft über einen Schnarchbären doch gut anstünde. Die „Süddeutsche Zeitung“ belehrte bereits am 4.11. 2021 Hundehalter darüber, man müsse ja nicht unbedingt Tiermedizin studiert haben, um festzustellen, dass ein Hund zu dick sei und dazu als augenfälliges Beispiel den Dackel „Obie“ erwähnte, der mit 35 kg zu fett gewesen sei: „Selbst sein Schwanz war zu dick zum Wedeln“. Das Normalgewicht bei Dackeln liegt sonst bei 9 kg. Auf www.cavallo.de gibt es unterdessen „7 Futter-Tipps für dicke Pferde“ nachzulesen, während die Bundesärztekammer auf ihrer Webseite auch gleich noch den Jockey mit in die Pflicht nimmt in der Schlagzeile „Übergewicht bei Pferd und Reiter“. Das Portal „Fit for Fun“ zitiert die französische Ernährungswissenschaftlerin Jessie Inchauspé, die heraus gefunden hat, dass Hafermilch „aufgrund des Getreides mehr Kohlenhydrate als beispielsweise Kuh- oder Mandelmilch“ enthält, mithin Glucose. Wenn nun der Reiter Hafermilch auf leeren Magen trinkt, „kommt die Glukose sofort ins Blut“. Daraus folgert Herr Bär: Macht er das öfter, nimmt er wegen der Glucose rasch deutlich zu. Sein Pferd hat dann mehr Last zu tragen und frisst auch mehr Hafer, um dann den dicken Reiter besser verkraften zu können, wird selbst dabei aber auch dicker. Mahlzeit!

Der ganz normale Wahnsinn Erst mal nachdenken, dann posten oder twittern, möchte man der irrlichternden Greta Thunberg zurufen, die erst ihren jüngsten „Freitags Schule schwänzen“-Streik der „Solidarität mit Gaza“ widmete und damit naiverweise der „Süddeutschen Zeitung“ eine Steilvorlage für die Schlagzeile „Israelische Klimaschützer ’schockiert‘ über Greta Thunbergs Pro-Palästina-Tweets“ lieferte, und dann aber laut „taz-die tageszeitung“ hinterher wohl recht kleinlaut einräumen musste, sie habe doch gedacht, es verstünde sich von selbst, dass sie „gegen die schrecklichen Angriffe der Hamas“ sei. Als Freigeist tritt Herr Bär selbstverständlich engagiert für eine ungehinderte Meinungsfreiheit ein, auch da, wo sie unbequem wird, aber sie sollte freilich in der aktuellen Antisemitismus/Gaza-Krieg-Diskussion nicht vorschnell zu einer unzulässigen Täter-Opfer-Umkehr propagandistisch missbraucht werden, und wenn schon Wachsamkeit (neudeutsch: wokeness) angebracht ist, dann vor allem auch gegenüber denjenigen, die allzu leichtfertig in die Falle der psychologischen Kriegsführung der Hamas-Terroristen hinein stolpern, zynischerweise als notwehrige Gegenreaktion auf ihre Untaten sogar maximales Leid bei der eigenen Bevölkerung in Kauf zu nehmen, nur um damit Mitleid in der Weltöffentlichkeit zu erregen. Derweil wird auf der höchst obskuren Website https://ki-blog.de/ki-blog/olaf-scholz-und-die-echsenmenschen/ allen Ernstes die bizarre Behauptung verbreitet, „Olaf Scholz und die Echsenmenschen streben nach der Weltherrschaft. Das Gas ist ihm egal, er lebt unter der Erde. Sein Plan ist es, die Welt zu unterjochen und sie nach seinen Vorstellungen umzuformen…“ Das klingt in der Tat ziemlich durchgeknallt, doch der obskurante Verfasser jener schrulligen Theorie mag beruhigt sein: Nein, nein, die Weltherrschaft kriegen Olaf Scholz und seine dilettierende Ampelkoalition gewiss nicht hin. Auch nicht als Echsenmenschen unter der Erde. Peter Feldmann, wegen Vorteilsnahme geschasster Ex-OB von Frankfurt und von der „BILD“-Zeitung deswegen als „Peinlich-OB“ etikettiert, wollte nach seinem Austritt aus der SPD Mitglied bei den Linken werden, aber „die wollen ihn nicht“. Nun ja, nach der Abspaltung des Wagenknecht-Vereins müsste die Linkspartei ihr Personal doch eigentlich dringend auffrischen wollen, und da käme es wohl auf eine peinliche Figur mehr oder weniger auch nicht mehr an. In der Not frisst halt der Teufel fliegen, heißt es in einer geflügelten Redensart. Nach dem unrühmlichen Feldmann-Abgang sucht allerdings ebenfalls die Kevin Kühnert-Partei neue Mitglieder: „SPD umwirbt Linken-Abgeordnete: Überläufer herzlich willkommen“, schrieb „Der Spiegel“. Den zögernden Linken kann man da nur zurufen: auch wenn manche Verschwörungstheoretiker das anders sehen – Olaf Scholz und seine Sozialdemokraten sind nun wirklich keine Echsenmenschen, die sich unter der Erde fest gemümmelt haben. Das bestätigt jedenfalls der stets wachsame ( neudeutsch: in diesem Falle woke, hehe) Herr Bär mit einem großen Indianer-Ehrenwort. Übrigens, huhu und hallo, Greta Thunberg, aufgemerkt: am 26. Oktober ist „Frankenstein-Freitag“, da darf man wieder streiken, aber bitte nicht so, dass mit unbedachter Thunbergscher Plapprigkeit erneut der Eindruck einer Sympathie für die Hamas erweckt wird. Oder man zelebriert dann doch lieber am 30. Oktober „Die Nacht des verfluchten Kühlschranks“. Anschließend wird dann am 15. November 2023 der „Putz Deinen Kühlschrank-Tag“ begangen, um den Fluch wieder loszuwerden. Wer das nicht glaubt: solch bekloppte Aktions- und Gedenktage wie den „Tag des gefüllten Eies“ (2. Nov.) oder den „Welttoilettentag“ (19. Nov.) listet https://www.deutschland-feiert.de/besonderheiten-feiertage/aktionstage/ auf.

Manche Streaming-Dienste garnieren ihre Film-Klassiker mit der Triggerwarnung, es gäbe „Sex, Gewalt, Fluchen, Schimpfwörter, Alkohol und Rauchen“ zu sehen. Herr Bär sucht sich gerne gerade solche Filme aus, bei denen vor derlei Unbill gewarnt wird und sieht darin sogar ein Qualitätsmerkmal, anders als bei den biederen stets und krampfhaft mit pädagogisch erhobenen Zeigefinger um politische Korrektheit bemühten „Tatort“-Folgen, doch bei einem alten James Bond-Film erwies sich diese Warnung als herbe Täuschung: Richtig gesoffen wurde da nicht, denn nur in einer einzigen Szene trank James Bond ganz manierlich ein Glas Martini „gerührt und nicht geschüttelt“. Geraucht wurde auch nur in einer einzigen anderen Filmszene, als James Bond einer lasziv wirkenden Schönheit Feuer für ihre Zigarette gab. Eine Sex-Szene beschränkte sich darauf, dass James Bond in einem Hotelzimmer eine Frau küsste, sie ihm daraufhin ein anhimmelndes „Ach, James“ entgegen hauchte und hernieder sank, wobei die Kamera dann sofort einen Schwenk zur Zimmertür machte, wo es nichts zu sehen gab außer einer Zimmertür. Lediglich was den Gebrauch an Schusswaffen und Sprengstoff angeht, kommt man bei diesem Film als Fan von Triggerwarnungen auf seine Kosten, wiewohl in manchen Hollywood-Klassikern Bruce Willis schon mal mehr an Kulissen kaputt gemacht hat und daher innerhalb der Schauspielergilde im Fach Hauen und Stechen eher als ein König der Krawallbrüder gelten mag.

baer aktuell 328 – 3. Sept. 2023

September 1st, 2023

Bild des Monats September 2023: Jürgen Raap, Der Wolfsjäger I, Acryl und Öl auf Leinwand, 2023

Bär aktuell 328 – 3. Sept. 2023

Wer nicht von „Menschen“, sondern stattdessen von „Mensch*innen“ spricht, hat sich gewaltig vergendert. Das führt uns der Autor Fabian Payr vor Augen, der in einem Büchlein „20 gute Gründe, mit dem Gendern aufzuhören“, zusammen getragen hat (1). Ihm sekundiert bekanntlich mittlerweile auch der Rat für deutsche Rechtschreibung, der weiterhin „Genderzeichen im Wortinneren nicht als einen Kernbestand der deutschen Orthografie“ einstuft. Auf der Internetseite https://schlechtewitze.com/gender postete ein Anonymus mit einem ironischen Plädoyer für sprach-unlogische Konsequenz: „Wenn man überlegt, müsste man ja eigentlich alles gendern… Also Sexist:innen, Mülleimer:innen, Damen:innen, Mutter:innen, Schule:innen, Deutschland:innen“. Ein anderer postet auf https://www.philippicae.de/post/gender-witz ergänzend dazu, dann müsste man ja auch „Taliban*innen“ sagen. Obwohl die Taliban in Afghanistan von der Gleichberechtigung der Geschlechter bekanntlich nichts halten und die Frage, ob es dort überhaupt weibliche Taliban, mithin „TalibanInnen“ oder „Taliban_innen“ gibt“, an dieser Stelle von Herrn Bär nicht beantwortet werden kann. Aber mutmaßlicherweise wahrscheinlich nicht. Fazit bei „Focusonline“ daher bereits 2021: „Schluss mit den nervigen Gender-Debatten! Jetzt muss Humor die Frauen nach vorne bringen“. So sei an dieser Stelle ein Witz zum Mitdenken zitiert, den man nicht auf der Internetseite „Schlechte Witze“, sondern woanders findet: Kommt eine Genderbeauftragte in die Kneipe und bestellt „eine Radlerin“. Sagt der Wirt: „Tut mir leid, das Zapfhuhn ist kaputt“. Die österreichische Zeitung „Profil“ berichtete derweil über den Hang mancher Gender-Eiferer zur Bigotterie: in Graz z.B. mit einer Stadtregierung unter Führung der kommunistischen KPÖ hieße es zwar „Grazer:innen, Fußgänger:innen, Dolmetscher:innen“, aber ansonsten nur „Investoren“. In der Vorstellungswelt der Bürgermeisterin sei für „Kapitalist:innen, Großgrundbesitzer:innen und Ausbeuter:innen aller Art wahrscheinlich kein Platz“. Aus dem Pendant zur KPÖ, nämlich der deutschen Linken, sei an dieser Stelle Sarah Wagenknecht zitiert, die sich kürzlich darüber mokierte, mit dem Zwang zum Gendern werde „die Sprache der Leute entwertet, die diese Regeln gar nicht im Detail kennen“. In diesem Sinne war auch in der Zeitschrift „Geo“ nachzulesen: „Gendern ist ein akademisches Elitenprojekt und geht an der Lebens- und Sprachwirklichkeit vieler Menschen vorbei; es ist eine Bevormundung“. Das Gendern führt im Wagenknechtschen Sinne eben nicht die „Brüder zur Sonne, zur Freiheit“, wie es in einem bekannten Arbeiterkampflied von Leonid Petrowitsch Radin aus dem Jahre 1896 heißt, und die Schwestern auch nicht. Denn bei https://languagetool.org heißt es: „Wenn nun alle anfangen würden, durchgängig zu gendern, würde dies jedoch allein nicht ausreichen. Frauen würden weiterhin weniger verdienen, immer noch in den Chefetagen unterrepräsentiert werden und noch weiter im klassischen Familienbild leben müssen. Da kann doch ein Sternchen oder eine Sprechpause nichts ändern“. Mit Humor allerdings ändert sich freilich mitunter auch nicht viel: bei https://fluter.de/humor-mann-frau-gender-gap ist nachzulesen: „Einen witzelnden Chef finden alle klasse, eine witzelnde Chefin dagegen schnell nervig. Frauen können sich die Karriere buchstäblich verscherzen..“ Copyright Raap/Bär 2023

( 1) Fabian Payr,“ Von Menschen und Mensch*innen“, 20 gute Gründe, mit dem Gendern aufzuhören, Springer Verlag, Wiesbaden 2021)

Kein Witz Als Olaf Scholz nach einem Sturz aufs Gesicht beim Jogging mit Augenklappe herumlief, lud ihn die Stadt Köln dazu ein, als Pirat am nächsten Kölner Karneval teilzunehmen und versprach ihm laut Boulevardblatt „Express“, dafür auch noch eine Pappnase zur Verfügung zu stellen. Herr Bär meint: Die Augenklappe und die Pappnase kann man ja später als Scholz-Reliquien im Deutschen Historischen Museum ausstellen und das Museum dadurch zu einem Olaf Scholz-Wallfahrtsort machen. Jedenfalls: die Augenklappe lenkt gut von seinem Gesicht und seiner Pläät ab. Und vielleicht entwickelt sich Olaf Scholz als Pirat im Kölner Karneval ja doch noch zu einer rheinischen Frohnatur. Immerhin bewies er schon mal die für ihn erstaunliche Befähigung zur Selbstironie, bei manchen Joggingstrecken nähme man doch besser das Auto. Was das Autofahren auf derlei Park- oder Waldwegen angeht, so überkam Hubert Aiwanger ein Moment der Erleuchtung, als er darauf hinwies, Christian Lindner habe im Wald nichts zu suchen, denn da bliebe sein Porsche irgendwo stecken. Aiwangers Ratschlag beherzigen im übrigen auch die Helikoptermütter, die ihre Blagen eben nicht im SUV, sondern mit dem Lastenfahrrad über holprige Waldwege karren. Notfalls auch mit Augenklappe.

An die Chefredaktionen von „Bild“ und „Express“ muss ernsthaft die Frage gerichtet werden, ob tatsächlich ein größeres öffentliches Interesse am Verlauf der Schwangerschaft der Komikerin Carolin Kebekus besteht, oder ob man Stammlesern wie Herrn Bär derlei gynäkologische Regenbogenpresse-Berichterstattung nicht besser ersparen sollte. Dass es durchaus wichtigere weltbewegende Themen gibt, bewies „Die ZEIT“, als sie einen Leserbrief von Klaus P. J. abdruckte, der sich darüber beklagte, der Musiker Heino sei ja bereits längst „im Rentenalter, aber er singt weiter“, und in derselben Ausgabe mokierte sich in einem anderen Leserbrief ein gewisser Dierk H. darüber, dass ein „ganzseitiger Artikel über den greisen Barden Heino“ ausgerechnet „im Wirtschaftsteil“ abgedruckt wurde. Nun ja, Carolin Kebekus hat es mit ihrer Schwangerschaft noch nicht in den Wirtschaftsteil der „ZEIT“ geschafft (denn es gibt ja noch keine Merchandising Fan-Artikel wie Carolin Kebekus-Babyschnuller oder -strampelhöschen), während man hingegen bei https://www.heino.de/shop/fanartikel/ fündig wird, wenn man dort nach dem „Original Steiff Heino Teddy Bär – Limited Edition“ für 369 Euro oder nach dem „Eau de Parfum – Das singende Enzian“ für 35 Euro pro 50ml-Flasche sucht, wobei ausdrücklich davor gewarnt wird, der Heino-Teddy sei „kein Kinderspielzeug“, sondern ausschließlich „für erwachsene Sammler“ bestimmt“. Das erwartet Herr Bär natürlich auch von einem Carolin Kebekus-Babyschnuller. Die Kreation eines Nancy Faeser-Parfums für den hessischen Landtagswahlkampf durch irgendeinen überkandidelten Duft-Designer hat sich die regionale SPD zur Auffüllung ihrer Wahlkampfkasse bislang immerhin noch verkniffen. Da noch nicht sicher ist, ob überhaupt und wann und wo die Medienmogule Elon Musk, der auch sonst schon reichlich durchgeknallt wirkt, und der nicht minder fragwürdige Mark Zuckerberg tatsächlich in den „Alles ist erlaubt“-Box-Käfig steigen, um sich dort gegenseitig gründlich zu verprügeln, wie es sonst woanders nur pubertierende Schulbuben auf dem Schulhof tun, goutiere man bis dahin in den hiesigen Medien, wie zwei andere mediale Krawallbrüder, nämlich Julian Reichelt (Ex-“Bild“-Chefredakteur) und Jan Böhmermann („ZDF Magazin Royale“) sich in der Causa „Nancy Faeser-Arne Schöhnbohm“ juristisch duellieren, dies immerhin noch in halbwegs zivilisierter Weise und eben noch nicht auf einem archaischen „Alles ist erlaubt“-Straßenschläger-Niveau, was in den heutigen Zeiten mit den sonst überall reichlich verrohten Sitten ja auch schon was wert ist, obwohl die Bundesinnenministerin und hessische Wahlkampf-Spitzenkandidatin Nancy Faeser darüber jammert, sie werde „mit Dreck beworfen“. Gegen den Gestank dieses Drecks hilft vielleicht Heinos Enzian-Parfüm. Und ansonsten ergab eine Meinungsfrage, dass ein Drittel der Befragten sich wünschen, Olaf Scholz solle weiterhin eine Augenklappe tragen.

King Charles, damals noch Prince of Wales, wurde 2002 von einem „parteiübergreifenden Arbeitskreis parlamentarischer britischer Bierfreunde“ zum „Biertrinker des Jahres“ gekürt. 1987 hatte man ihm und ebenso Prinzessin Diana bei einem offiziellen Besuch im Kölner Rathaus je ein Glas Kölsch in die Hand gedrückt, und Herr Bär erinnert sich noch gut daran, wie die Lokalpresse damals grummelnd darüber berichtete, Prinzessin Diana habe nur höflich an dem Glas genippt und dabei keine Miene verzogen. Als der Sohn der beiden, nämlich Prinz Harry, kürzlich in Düsseldorf weilte und dort in einem typisch rheinischen Brauhaus einkehrte, soll er laut „BILD“ an jenem Abend sechs Glas Alt-Bier konsumiert und dazu verkündet haben, er habe gehört, dieses Bier schmecke besser als jenes in Köln. Von wem hat er das wohl gehört? Aus der Sicht des Kölner Braugewerbes lässt sich dazu nur kommentieren: 1. Mer muss och jünne künne (man muss auch gönnen können). 2. Wir Kölner sind ja immer stolz auf unsere Weltoffenheit. Als Herr Bär mitten auf dem Mittelmeer (Achtung: indirekter Pleonasmus!!!) auf einem Kreuzfahrtschiff an der Bar einmal ein „Newcastle Brown Ale“ orderte und ein britischer Passagier auf dem Barhocker neben ihm fragte, wieso er, Herr Bär, mit seinem spürbar deutschen Akzent in der englischen Aussprache der Bestellung, hier nicht nach deutschem Löwenbräu verlange, das gäbe es auf diesem Schiff doch auch, da entgegnete Herr Bär: deutsches Bier könne er doch in Deutschland überall trinken, aber wenn man schon mal woanders sei, solle man dort auch Spezialitäten probieren, die es zu Hause nicht gibt. Der britische Mit-Passagier war begeistert, gab Herrn Bär ein zweites „Newcastle Brown Ale“ aus, und Herr Bär kann sich rühmen, an der Bar jenes Kreuzfahrt-Schiffes mit einem Prost auf den heutigen King Charles III. als „Biertrinker des Jahres 2002“ zur Völkerverständigung beigetragen zu haben, und er empfiehlt daher allen lokalpatriotisch eingefleischten Berufskölnern, bei Aufenthalten in Düsseldorf ebenfalls solch einen guten Eindruck zu hinterlassen, indem sie bei geselligen Anlässen sich dort kosmopolitisch verhalten, was das Goutieren lokaler Spezialitäten anbetrifft. Dazu muss man aber über die kleinen, aber feinen Unterschiede Bescheid wissen: In Köln ist ein „Halver Hahn“ ein Röggelchen (Roggenbrötchen) mit mittelaltem Holländer Käse, in Düsseldorf hingegen mit Mainzer Käse.

Copyright Bär/Raap 2023

baer aktuell 327 – 3. Aug. 2023

August 1st, 2023

Bild des Monats August 2023:

Jürgen Raap, „Die nächtliche Überfahrt II“, Acryl/Öl auf Leinwand, 2023

Baer aktuell 327 – 3. Aug. 2023

Von Schmutzpuckeln, Zynikern und der deutschen Sekundärtugend der Neigung zur Miesepetrigkeit soll hier die Rede sein. So lästerte der Entertainer Harald Schmidt kürzlich lauthals über den „Wärmepumpen-Robby“ Robert Habeck, dieser gewinne vor allem „im Scheitern die Herzens des Publikums“. Nun ist seit dem Ableben von Heinz Erhardt und Loriot typisch deutscher Humor nur noch mit vulgärem Klamauk oder mit sarkastischer Schadenfreude gepaart. Der Kolumnist Harald Martenstein grauste sich derweil in der „Welt am Sonntag“ über „den Dreck und Verfall fast überall“ in Berlin. Mit dieser Analyse schmutzpuckeliger Zustände hat er freilich nicht ganz Unrecht, wobei man zur Ehrenrettung Berlins allerdings wissen muss, dass sich in Köln kürzlich die Stadtführer über die reichlich versiffte Gegend rund um den Dom beklagt haben – es sei ihnen inzwischen peinlich, ihre Touristen dorthin zu führen. Na ja, in Berlin kann es ja wohl nicht viel schlimmer sein, wenn man mal Augenzeuge war, wie es regelmäßig an Samstagabenden auf den Amüsiermeilen der rheinischen Domstadt zugeht, mit ballermannhaften Exzessen von Junggesellenabschiedsfeiern unter Hinterlassung von Erbrochenem in Hauseingängen, zudem jeder Menge Müll in Form von leeren Bierflaschen und -dosen sowie mit Ketchup aufgeweichten und dann achtlos weggeworfenen Imbisspappschalen. Das ist übrigens kein neuzeitliches Phänomen – als Johann Maria Farina 1723 aus Norditalien nach Köln zog, erfand er dort am Rhein das Eau de Cologne – Kölnisch Wasser, um mit dessen Duft die verstunkene Stadt besser ertragen zu können (eine halbwegs moderne Kanalisation bekam Köln übrigens erst ab etwa 1820 durch die neue preußische Verwaltung). Wird also in den Glossen der Feuilletons in kühmbrezelhafter Miesepetrigkeit als typisch deutsche Sekundärtugend immer nur Dreck, Not und Elend beklagt? Keineswegs. In den Augen von Harald Schmidt repräsentiert nämlich ausgerechnet Christian Lindner ein lichtgestaltiges Gegenmodell zu dieser schnöden Welt. Harald Schmidt rät ihm jedenfalls mit einem gewissen Augenzwinkern und einer gehörigen Portion Zynismus, wenn er, Lindner, schon so reich sei, dann solle er damit auch ruhig mal angeben und seine Rolex-Uhr bei Talkshow-Auftritten nicht mehr so schamhaft unter der Manschette verstecken. Und wo wir gerade beim Thema Schmutzpuckel sind: Finanzminister Christian Lindner habe das Versagen seiner Anti-Geldwäsche-Einheit „Financial Intelligence Unit“ – kurz FIU – „jahrelang verschleppt“, moniert das ZDF auf seiner Website www.ZDF.de. Die gründlich weichgespülte zaghafte Reform seiner „Pannen-Behörde“, die Lindner nunmehr angekündigt habe, empfindet der SPD-Abgeordnete Sebastian Fiedler unterdessen als eine „kriminalpolitische Bankrotterklärung“. Wie wäscht man also künftig munter und unbehelligt schmutziges Geld in Lindners Hoheitsbereich? Herr Bär mutmaßt, da werden in irgendwelchen gruselig düsteren Hinterhöfen einfach nur ein paar Tropfen Kölnisch Wasser auf die Scheine geträufelt, und man bekommt dafür bei einer Cum und Ex-Bank unbesehen einen „Persilschein“. Und von dem gesäuberten Geld kann man sich dann eine Rolex kaufen, die man selbstbewusst nicht mehr unter der Hemdmanschette verstecken muss.

Der ganz normale Wahnsinn Einen Verkehrsversuch der ganze eigenen Art unternahm Außenministerin Annalena Baerbock, um ausgerechnet mit einem Flugzeug der Bundesluftwaffe nach Australien fliegen zu wollen. Sie kam mit dem maroden Flieger bekanntlich nur bis Abu Dhabi, und da hat man ihr nach zwei vergeblichen Neustartversuchen womöglich erzählt, ihre Sitzreihe fliegt jetzt nicht nach Sydney weiter, sondern wird in Abu Dhabi abgekoppelt, wie man das von der Deutschen Bahn kennt, und sie müsste deswegen dann erst einmal nach Hamburg zurück. Wenn man mit der Deutschen Bahn 70 km von Köln nach Aachen zurück legen will, kommt man derzeit nur bis Düren auf halber Strecke. Dann wird mit dem Bus bis Aachen umständlich weiter gezuckelt, was die Deutsche Bahn mit ihrer Neigung zu verbal-bürokratischer Gespreiztheit allerdings reichlich euphemistisch „Schienenersatzverkehr“ nennt. Wer dann am Aachener Hbf. fragt, ob der „Schienenersatzverkehr“ von dort aus auch über Abu Dhabi bis nach Australien weiter fährt, wird wahrscheinlich blöd angeguckt, ob er sie nicht alle an der Waffel hätte, alternative grüne Verkehrsversuche hin oder her, doch die Frage ist berechtigt, da die Grünen bisher noch keinen ihrer manchmal reichlich skurillen Verkehrsversuche mit einem Radweg von Aachen nach Abu Dhabei „auf die Schiene gesetzt“ (sic !) haben. Unlängst warnte jedenfalls die amerikanische Schauspielerin Julie Delpy US-Touristen davor, in Deutschland die Deutsche Bahn benutzen zu wollen. Herr Bär ergänzt diese Warnung mit dem Hinweis, dass die Bundesluftwaffe zur maroden Deutschen Bahn gewiss keine Alternative ist, und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyi möge es sich daher gut überlegen, ausgerechnet aus Deutschland Kampfjets der Bundesluftwaffe anfordern zu wollen, denn die kommen nach den jüngsten Erfahrungen von Frau Baerbock nach dem Start wahrscheinlich noch nicht einmal bis Königswusterhausen kurz hinter Berlin und müssten dann in der brandenburgischen Provinz notlanden. Zurück an den Luftwaffenstützpunkt geht es dann mit „Schienenersatzverkehr“ der DB. Falls jedoch dann nach ein paar Metern der „Schienenersatzverkehr“-Bus nicht mit einem brüchigen alten Reifen einen Platten hat, und der ADAC-Pannendienst die Weiterfahrt organisieren muss. Sind mittlerweile Zweifel an der einst weltweit gerühmten deutschen Ingenieurskunst angebracht? Aber ja doch, findet Herr Bär. Sind das nun im Jahre 2023 alles Infrastruktur-Mängel auf einstigem DDR-Niveau oder funktionierte das alles in der DDR seinerzeit tatsächlich besser als heute bei uns? Jedenfalls sollte man in unseren Tagen zumindest sein Fahrrad dringend mit „unplattbaren“ Reifen bestücken, rät Herr Bär. Kann man dann bei einem Flug mit der Bundesluftwaffe für alle Fälle auch ein Fahrrad mitnehmen? Wahrscheinlich nicht.

Was haben wir früher gerne über die Prinz Eisenherz-Frisur von Angela Merkel gelästert. Nun ja, ein guter Haarschnitt muss nicht teuer sein, denn in Berlin bekommt man z.B. beim „Friseur Haarmony“ eine „Hochsteckfrisur“ bereits „ab 30 Euro“. Für Kosmetik und Frisur der früheren Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU)“ hat das Bundeskanzleramt allerdings „seit deren Ausscheiden aus dem Amt fast 55.000 Euro ausgegeben“, d.h. in einem Zeitraum von knapp zwei Jahren, wie der Berliner „Tagesspiegel“ reportierte. Umgerechnet wären das etwa 1.800 Mal eine „Hochsteckfrisur“ für 30 Euro, wenn man etwa alle 2,4 Tage den Friseur aufsucht. Hat die Investition von 55.000 Euro in die Haarpracht der Altkanzlerin denn wenigstens etwas genützt? Schließlich hatte schon 2009 der legendäre Berliner Promi-Friseur Udo Walz gewarnt: „Heute kann man Haare verschneiden und der Kundin einreden, das sei der letzte Schrei.“ Wie wahr. Auf die Frage, ob Bundeswehrsoldaten, die laut „Zentraler Dienstvorschrift“ ja dazu verpflichtet sind „Haar- und Barttracht sauber und gepflegt zu halten“, ihren Friseurbesuch als Werbungskosten von der Steuer absetzen können, antworten die meisten Finanzämter übrigens mit „Nein“. Die Frisur werde nämlich sowohl privat als auch dienstlich getragen, so heißt es, und „Aufwendungen für die Lebensführung, die die wirtschaftliche oder gesellschaftliche Stellung des Steuerpflichtigen mit sich bringt, auch wenn sie zur Förderung des Berufs oder der Tätigkeit des Steuerpflichtigen erfolgen;“, dürfen eben nicht von der Steuer abgezogen werden. Da dies analog auch für Politiker gelten müsste, mahnt Rainer Holznagel vom Bund der Steuerzahler angesichts solch haariger Exzesse an, die Kosten für „Visagisten und Hairstylisten“ müssten „im Zweifel privat bezahlt werden“. Doch ordentlich krachen auf Kosten des Steuerzahlers lässt es auch die Umweltministerin Steffi Lemke, die ohne ein schlechtes Gewissen zu haben dazu bereit ist, für einen Fotografen 150.000 Euro auszugeben, der dafür nur „ein oder zweimal jährlich… ein großes Porträtshooting“ mit der bislang eher glücklosen Ministerin veranstalten soll. Möglicherweise mit einer Hochsteckfrisur für zusätzlich 30 Euro, aber es ist eingedenk des oben zitierten Udo Walz-Bonmots dann trotzdem nicht zu erwarten, dass sich die umweltbewussten Fernfahrer voller Begeisterung ausgerechnet ein Steffi-Lemke-Foto als Pin Up-Poster in ihre Fahrerkabine hängen. Auch Annalena Baerbock greift offenbar nicht mehr selbst zum Lippenstift, sondern engagierte laut „BILD“ dafür eine Maskenbildnerin zu einem Monatssalär von 8.925 Euro. Etwa soviel kostet übrigens auch eine einzelne HE-Sprenggranate für den Leopard 2-Panzer.

Wer nobel speisen und sich dennoch gleichzeitig bodenständig fühlen möchte, der unternehme einen Feldversuch im Hotel Adlon Kempinski in Berlin, aber nur um festzustellen, dass eben beides gastrosoziologisch nicht ohne eine unangemessene Verfälschung der tradierten Küchenkultur geht. Dort im Adlon kostet laut „Berliner Zeitung“ die hausgemachte Currywurst nämlich 23 Euro, und man bekommt als geneppter First-Class-Tourist oder karriereorientierter salonbolschewistischer Grünen-Staatssekretär das Gefühl vermittelt, man stehe hier eben nicht in einer schäbigen neonbeleuchtenen und zugigen Frittenbude an einem bekleckerten Stehtresen mit abgewetzter Resopaltischplatte in Berlin-Wedding, sondern man genieße im Adlon auf weißer Damast-Tischdecke mit edlem Besteck etwas ganz, ganz Exquisites. Wer nun keine Currywurst mag, der kann sich dort auch einen Döner für 29 Euro bestellen. Man serviert ihn in dieser Berliner Nobel-Kantine mit Filetstreifen und Trüffelcreme, so, wie man ihn in Köln-Ehrenfeld garantiert nicht bekommt, und dort noch nicht einmal in jenem Döner-Imbiss, der mittlerweile „Kult-Status“ genießt, bloß weil sich hier angeblich irgendwann einmal mal der TV-Moderator Jan Böhmermann ein paar Fleischbrocken mit Sauce, Zwiebelringen und Salat ins halbierte Fladenbrot einpacken ließ, und sich seitdem tagtäglich lange Warteschlangen vor dem „Kult-Grill“ bilden. Derweil berichtete BILD über einen 16jährigen Jüngling, der zwei Portionen Currywurst plus Pommes mit Falschgeld zu bezahlen versuchte, dies allerdings nicht im teuren Adlon-Restaurant, sondern an einer stinknormalen Frittenbude. Bliebe noch nachzutragen, dass in einem renommierten Kölner Ausflugslokal, wo früher das gutsituierte Köln-Lindenthaler Bürgertum bei gehobener Küche seine Familienfeiern zelebrierte, jetzt eine Currywurst mit Pommes 15 Euro kostet und im Landgasthaus Heideblick im Königsforst die Rostbratwurst mit Pommes ebenso 10,50 Euro, aber dafür bekommt man als Gruß aus der Küche vorab ein Schälchen mit Aioli, Oliven, einer getrockneten Tomate und kroatischer Ajvar-Paste gereicht. Insgesamt muss man in unseren inflationsgeplagten und facharbeitermangelnden Tagen ertragen, dass die rheinische Ausflugsgastronomie im Vergleich mit Vor Corona-Zeiten generell mit stark ausgedünnten und bisweilen überteuerten Speisekarten aufwartet, und dies ohne die kulinarischen Raffinessen, an denen Herr Bär sich früher gerne zu laben pflegte. Auch das Service-Personal lässt mittlerweile zu wünschen übrig: als Herr Bär kürzlich bei einem Kellner zum dritten Mal anmahnte, er habe bereits vor 20 Minuten ein Glas Kölsch bestellt, antwortete dieser nur lapidar: „Oh, das hab ich vergessen!“ Wurde man als DDR-Bürger 1980 in der Ost-Berliner Gastronomie genauso abgekanzelt? Gleiten wir nun in Westeuropa in eine evolutionsgeschichtliche Mischung aus längst vergessen geglaubter real-sozialistischer Mangelwirtschaft mit mangelnder Arbeitsmoral und als Folge dessen einem gastro-kulturellen Untergang des Abendlandes ab? Fragen Sie dazu mal Christian Lindner und Roland Habeck. Christian Lindner war immerhin 2015 schon mal „Aalkönig“ im rheinischen Städtchen Bad Honnef, obwohl im Rhein schon längst keine Aale mehr gefangen wurden, aber diese Königswürde passt dann doch irgendwie zu ihm, während der „Spiegel“ 2021 über das Privatleben und damit über die Ernährungsgewohnheiten von Robert Habeck mit einem O-Ton-Zitat zu berichten wusste: „»Seit zehn Tagen habe ich nicht mehr abgewaschen. Der Müll ist nicht rausgebracht. Die Milch ist alle. Heute Morgen habe ich Müsli mit Wasser gegessen, ohne Scheiß.« Vielleicht sollte man daher zu seinem Trost Robert Habeck zum Bad Honnefer Aalkönig 2024 ausrufen.

Hätte man den Gebrüdern Aiwanger oder zumindest einem von ihnen rechtzeitig „betreutes Denken“ anbieten müssen, um zu verhindern, dass sie als 16- oder 17jährige pubertierende Bengel die Shakespeare’sche Formel „Mit Schrecken Scherz“ treiben gründlich missverstehen, weil sich im Falle Auschwitz eine „übelste Verhöhnung von Holocaust-Opfern“ in einem Flugblatt per se von selbst verbietet, und daher dieses damalige widerliche Auschwitz-Flugblatt in der Schultasche der Gebrüder Aiwanger „alles andere als ein Schulbubenstreich“ (taz) und mithin keineswegs eine lässliche Jugendsünde ist? In der „Passauer Neuen Presse“ bekannte Bruder Helmut Aiwanger, er habe seinerzeit dieses ekelhafte Pamphlet verfasst, denn „er sei wütend gewesen, weil er sitzengeblieben war und die Klasse wiederholen hatte müssen“. Nun verfasst an unseren Schulen freilich nicht jeder Sitzenbleiber aus Frust antisemitische Flugblätter, und mit pädagogischer Abschaffung des Sitzenbleibens oder der Benotung auf Zeugnissen ließe sich ein zynisch-geiferndes Abdriften in derlei Abgründe eines adosleszenten Wutbürgertums wohl auch nicht verhindern (und juveniles Randalieren in Freibädern ebenfalls nicht). „BILD“ weiß über Helmut Aiwanger zu berichten, er sähe heute aus wie ein „verkappter Alt-68er. Er hat lange Haare, dreht sich seine Zigaretten selbst“, als ob das ein Kriterium für eine gelungene intellektuelle Resozialisierung sei. Jedenfalls hat Helmut Aiwanger als 17jähriger im Freibad keinen von der Wasserrutsche herunter geschubst. Immerhin. „Focusonline“ wirft derweil der „Süddeutschen Zeitung“ in der Causa Aiwanger unseriösen Journalismus vor: „Es fehlt der Beweis, und zwar für die beiden zentralen Vorwürfe: Weder hat die Zeitung bewiesen, dass Aiwanger dieses Flugblatt verfasst hat, noch hat sie bewiesen, dass er es verbreitet hat. Und doch hat sie – gegen das Dementi des angeblichen Verfassers und Verbreiters – diesen Verdacht veröffentlicht. Ein klassischer Fall von Verdachtsberichterstattung… Die Erklärung von Helmut Aiwanger, er sei der Urheber des indiskutablen, unsäglichen Pamphlets, ist für die Süddeutsche Zeitung zunächst ein Rückschlag. Es gibt nun einen Kronzeugen, der ihre Version widerlegt“. Juristische Verjährungsfristen greifen in solch einem Fall politisch allerdings nicht, “ weil Antisemitismus, etwa die Verhöhnung von Nazi-Opfern – völlig zu Recht – in Deutschland als politische Todsünde gilt. Welche Konsequenzen daraus zu ziehen sind, muss aber von Fall zu Fall ausgehandelt werden“. In jedem Fall bleibt ein äusserst fader Beigeschmack zurück, denn „Hubert Aiwanger fällt seit Jahren durch Populismus auf“ (Berliner Morgenpost). Als „natürlichen Feind des Coronavirus“ soll er seinerzeit bayerisches Starkbier empfohlen haben. Ab einem gewissen Quantum des Konsums erfordert dies allerdings tatsächlich betreutes Denken. Copyright Raap/Bär 2023

Essen und Trinken mit Herrn Bär
Provencalisches Kartoffelpürree Kartoffeln weich kochen, etwas Olivenöl hinzugeben und zu Pürree zerstampfen. In einem separaten Topf Kochsahne erhitzen zusammen mit kleinen Würfeln von grünem Gemüsepaprika, klein gehackten Oliven, Safran, Knoblauch und etwas Peperonischote aufkochen, dann mit dem Kartoffelstampf vermischen. Würzen mit Salz, Pfeffer, Basilikum, Petersilie, Schnittlauch, Thymian oder Rosmarin. Passt zu allen französischen und anderen mediterranen Fleischgerichten wie Rinderfilet, Saltimbocca oder Rinderroulade.

Olaf Scholz-Sammelbilder

baer aktuell 326 – 22. Juli 2023

Juli 1st, 2023

Bild des Monats Juli 2023: Jürgen Raap, „Der Mittelpunkt Europas“, Acryl/Öl auf Leinwand, 2023

Bär aktuell 326 – 22. Juli 2023

Der Berliner Brachial-Humorist Mario Barth erwies sich ausnahmsweise mal als ein recht aufgeweckter Beobachter, als er auf einer Mineralwasserflasche den Hinweis „vegan“ entdeckte. Das ist tatsächlich im Grunde genommen eine höchst überflüssige (sic !) Etikettierung, denn so fragte sich Barth scheinbar zu Recht mit jener soeben von Herrn Bär gelobten Wachheit: „Enthält nicht-veganes Mineralwasser womöglich Hackfleisch, oder was?“ Und hier kommt nun in „bär aktuell“ die „Geschichte hinter der Geschichte“: Die Zeitschrift „GEO“ präzisierte bizarrerweise, das Mineralwasser selbst sei zwar vegan, aber nicht die Etikettaufkleber auf der Mehrwegflasche, denn diese seien kaseinhaltig, d.h. es handele sich um „Milcheiweißkleber“. Für den Klebstoff von derlei Etiketten auf Mineralwasserflaschen würden jährlich sogar 35.000 Tonnen Milch benötigt. Jedenfalls kein Hackfleisch, wie der Komiker Mario Barth fälschlicherweise mutmaßte. Ansgar van Halteren vom Industrieverband Klebstoffe e.V. verteidigt diesen Etikettkleister aus der Milch der frommen Denkungsart, denn der sei doch biologisch abbaubar. Und bisher hat auch noch niemand versucht, das Etikett einer Mineralwasserflasche abzulecken, ob es wohl nach Hackfleisch schmeckt. Und so harren wir nun auf die nächsten Witze von Mario Barth. Copyright: Raap/Bär 2023

Dass das Maskottchen für die kommende Fußball-Europameisterschaft (EM) ein Bär ist, registrierte Herr Bär natürlich mit einigem Wohlwollen und die „BILD“-Zeitung mit Erstaunen, der EM-Bär habe sogar eine Hose an. Was sich eben in den heutigen puritanischer gewordenen Zeiten und ihren rigoroseren Sitten anscheinend auch so geziemt, während allerdings zugleich den Damen neuerdings gestattet wird, in öffentlichen Freibädern auf das Bikini-Oberteil zu verzichten. Der EM-Bär heißt „Albärt“, was sich schon ein bisschen albern anhört, aber – Hand aufs Herz – „Olaf“, „Robert“ oder „Christian“ wäre wohl noch alberner gewesen, um einen positiven Imagetransfer vom Bären Albärt auf das Austragungsland der EM 2024 und seine aktuelle Bundesregierung zu erreichen. Den Bären „Franz“ zu nennen, wäre heut wohl von vorneherein erst recht obsolet gewesen, angesichts der mittlerweile bekannt gewordenen mutmaßlichen korrumptiv anrüchigen Begleitumstände um das „Sommermärchen“ der hiesigen WM 2006. Mit kindlichem Gemüt soll also nun „Albärt“ jeglichen Imageschaden der EM abwenden und in den Stadien sowie beim Public Viewing auf den Marktplätzen für jene unbeschwerte Heiterkeit sorgen, wie dies eben nur ein niedlicher Plüschbär kann, selbst wenn er nicht „Albärt“, sondern „Klaus-Günther“, „Maximilian“ oder einfach nur „Teddy“ heißen würde, aber eben nicht „Olaf“, „Robert“ oder „Christian“. Der „Spiegel“ berichtete, eigentlich hätten sich manche in der UEFA gewünscht, der Bär solle unbedingt „genderneutral“ daher kommen, weshalb aus der Sicht der Befürworter einer solchen Ausgestaltung der Figur „Herzi von  Bär“ als Name wohl eher angemessen gewesen wäre, aber das hätte sich ja letztlich wohl noch alberner angehört und kam bei einer Publikumsumfrage daher nicht gut an.  Nun heißt er nach einer relativen Mehrheit der Umfrageteilnehmer also „Albärt“ und hat eine Hose an. Es hätte schließlich  schlimmer kommen können: Bei der Fußball-WM in Deutschland 1974 hießen die beiden Maskottchenfiguren schrulligerweise „Tip und Tap“, und das klingt ja wohl erst total bescheuert. Apropos bescheuert: nach dem ehemaligen Verkehrsminister Andreas Scheuer und seinem Viertel-Milliarde-Mautprojekt-Desaster werden sie in naher Zukunft wohl kaum ein Fußballmaskottchen benennen. Copyright: Bär/Raap 2024

Erleben Sie doch mal wieder echte Literatur von einem echten Menschen! Nichts aus einer Chatbot-Konserve, sondern frisch und eigenhändig verfasst von einem Autoren aus Fleisch und Blut! So etwas gibt’s heute noch? Ja, doch, das gibt’s ! Wo: im Kunstforum St. Clemens, Köln-Mülheim, Kirchstraße/Mülheimer Rheinufer. Wann: Sonntag, 16. Juli 2023, 15 Uhr. Was wird geboten: Eine Lesung von und mit Jürgen Raap. Zu Gehör kommt eine Zusammenstellung von 11 Sottisen und Kurzgeschichten „aus dem Leben“ unter dem Titel „Rock ’n Roll“. Kurzweilig, interessant, erbaulich und unterhaltsam! Also, wir sehen uns! Herzlichst, Ihr/Euer Karl-Josef Bär

Und wenn Sie schon mal da sind: schauen Sie sich dann auch noch in Ruhe die Ausstellung „Quadriga – Zum Finale“ mit Arbeiten von Siglinde Kallnbach, Norbert Küpper, Jürgen Raap und Herbert Rosner an.

Der ganz normale Wahnsinn In Zeiten, in denen manche blöd genug sind, ein Wildschwein mit einem angeblich ausgebüxten Löwen zu verwechseln, wie soeben in Berlin geschehen, muss man sich nicht wundern, wenn der Berliner „Tagesspiegel“ auf seiner Online-Seite die Meldung über eben jenen angeblichen Löwen, der sich schließlich als Wildschwein entpuppte, einer Nachricht über die aktuell niedrigen Umfragewerte der Grünen voranstellt. Das dilletantische Regierungs-Gemurkse der Öko-Partei und ihrer Neigung, sich in Nebensächlichkeiten zu verzetteln, macht der „Spiegel“ in seiner Analyse vor allem an den „Brötchentastenalbernheiten“ fest, mit denen die Sonnenblumenpartei „Zeit und Wohlwollen“ verspielt habe. In derselben Print-Ausgabe des „Spiegel“ wird auch noch darüber gemutmaßt, Habeck und Baerbock hätten mit Lisa Pauls ganz bewusst eine unscheinbar-blasse Person als Bundesfamilienministerin auf den Schild gehoben, die ihnen nicht die Show stehlen könnte. Dass dies hingegen ein an der Berliner Stadtgrenze in den brandenburgischen Wäldern munter umherschweifendes Wildschwein schafft, wenn auch nur für kurze Zeit, konnten Habeck und Baerbock indes nicht ahnen. So sei zum Troste an dieser Stelle nun eine Eloge auf Robert Habeck notiert:

Der Habeck wohnt im Habeckswald

Und nicht im Eulenforst

Heißt Robert oder Theobald, ganz selten heißt er Horst

Gebt acht, wenn Ihr den Habeck seht

Entbietet ihm den Gruß

Ob das Gedicht nun weitergeht

Nein, mit diesem Reim ist Schluss

(Copyright: Raap/Bär 2023)

Raten Sie mal: Ist der folgende Text mit Künstlicher Intelligenz geschrieben? „Alte Männer mit raffiniert zurecht gekniffenen Hüten trödelten auf dem Corso Sardegna herum, und irgendjemand rief quer über die Straße: ‚Ciao, Luigi!’“ Nein, natürlich nicht, denn dieser Text stammt von einem damals jungen und aufstrebenden Poeten in den 1980er Jahren, der sich seinerzeit unrasiert in den von fahlem Neonlicht erhellten Imbissbuden von Genua und dort auch auf dem barocken Prachtboulevard Corso Sardegna die gewitterschwülen Nächte um die Ohren schlug. Solch leidenschaftliche Literaten leben in ihren Texten immer ihre Lust und Freude am Formulieren und Fabulieren aus, am artistisch virtuosen Umgang mit der Sprachgewalt und der Sprachakrobatik. Sie beherrschen die Sprache, und dies eben im doppelten Wortsinn. Das macht eben das künstlerische Humankapital aus – nämlich die individuelle und höchst souveräne Beherrschung des Metiers. Man mag Herrn Bär nun unterstellen, er sei ein romantischer Digital-Pessimist und ein altmodischer Analog-Melancholiker, wenn er nun behauptet: Künstliche Intelligenz ist in der Literatur einfach überflüssig, weil nämlich dann auch noch die Faulen und die Unbegabten ureigenes menschliches poetisches Schaffen an eine Maschine delegieren im Irrglauben, diese bringe dann automatisch (sic!) Geniales hervor. Nein, nein, nein, ein Chatbot-Programm kann Hochkünstlerisches immer nur simulieren oder imitieren als eine Art digitale Instant-Tütensuppen-Poesie. Ein Algorithmus ist ja bekanntlich lediglich ein Verfahren zur Umformung von Zeichenreihen, nichts anderes und nicht mehr, aber ein solcher Algorithmus durchlebt niemals jene ekstatisch gesteigerte Alltäglichkeit, wie 1983 der erwähnte junge Poet in den engen düsteren Altstadt-Gassen von Genua. In allen anderen Bereichen, in der Industrie, in der Wirtschaft, in der Medizin usw. sind Maschinen mit KI natürlich höchst nützlich, denn sie machen das Leben komfortabler und Steuerungsprozesse präziser und effektiver, aber wenn sie in der Kunst Werke ohne einen realen Autoren hervor bringen sollen, dann kranken sie daran, dass ihre Texte und ihre Bilder niemals eine emotionale Komponente und damit auch keinerlei Beseeltheit haben, denn eine KI kennt keine Euphorie und keinen Schmerz. Kunst macht man als Künstler immer aus einer inneren Notwendigkeit heraus, auch mit allen Risiken des Scheiterns und des Stoßens an jene Grenzen, hinter denen die eigene Unzulänglichkeit anfängt. Das aktuelle modische Faible für Künstliche Intelligenz erinnert an das höchst fragwürdige ewige faustische Streben mancher Zauberlehrlinge nach Perfektion und Überhöhung: so sei hier aus Goethes „Faust“ eine kleine Passage zitiert:

was wiederum der „Spiegel“ anylysiert, die Grünen hätten mit „Brötchentasten

Faust: Herrschaft gewinn‘ ich, Eigentum. Die Tat ist alles, nichts der Ruhm.

Mephistopheles: Doch werden sich Poeten finden, der Nachwelt deinen Glanz zu künden, durch Torheit Torheit zu entzünden.

Wer nobel speisen und sich dennoch gleichzeitig bodenständig fühlen möchte, der unternehme einen Feldversuch im Hotel Adlon Kempinski in Berlin, aber nur um festzustellen, dass eben beides gastrosoziologisch nicht ohne eine unangemessene Verfälschung der tradierten Küchenkultur geht. Dort im Adlon kostet laut „Berliner Zeitung“ die hausgemachte Currywurst nämlich 23 Euro, und man bekommt als geneppter First-Class-Tourist oder karriereorientierter salonbolschewistischer Grünen-Staatssekretär das Gefühl vermittelt, man stehe hier eben nicht in einer schäbigen neonbeleuchtenen und zugigen Frittenbude an einem bekleckerten Stehtresen mit abgewetzter Resopaltischplatte in Berlin-Wedding, sondern man genieße im Adlon auf weißer Damast-Tischdecke mit edlem Besteck etwas ganz, ganz Exquisites. Wer nun keine Currywurst mag, der kann sich dort auch einen Döner für 29 Euro bestellen. Man serviert ihn in dieser Berliner Nobel-Kantine mit Filetstreifen und Trüffelcreme, so, wie man ihn in Köln-Ehrenfeld garantiert nicht bekommt, und dort noch nicht einmal in jenem Döner-Imbiss, der mittlerweile „Kult-Status“ genießt, bloß weil sich hier angeblich irgendwann einmal mal der TV-Moderator Jan Böhmermann ein paar Fleischbrocken mit Sauce, Zwiebelringen und Salat ins halbierte Fladenbrot einpacken ließ, und sich seitdem tagtäglich lange Warteschlangen vor dem „Kult-Grill“ bilden. Derweil berichtete BILD über einen 16jährigen Jüngling, der zwei Portionen Currywurst plus Pommes mit Falschgeld zu bezahlen versuchte, dies allerdings nicht im teuren Adlon-Restaurant, sondern an einer stinknormalen Frittenbude. Bliebe noch nachzutragen, dass in einem renommierten Kölner Ausflugslokal, wo früher das gutsituierte Köln-Lindenthaler Bürgertum bei gehobener Küche seine Familienfeiern zelebrierte, jetzt eine Currywurst mit Pommes 15 Euro kostet und im Landgasthaus Heideblick im Königsforst die Rostbratwurst mit Pommes ebenso 10,50 Euro, aber dafür bekommt man als Gruß aus der Küche vorab ein Schälchen mit Aioli, Oliven, einer getrockneten Tomate und kroatischer Ajvar-Paste gereicht. Insgesamt muss man in unseren inflationsgeplagten und facharbeitermangelnden Tagen ertragen, dass die rheinische Ausflugsgastronomie im Vergleich mit Vor Corona-Zeiten generell mit stark ausgedünnten und bisweilen überteuerten Speisekarten aufwartet, und dies ohne die kulinarischen Raffinessen, an denen Herr Bär sich früher gerne zu laben pflegte. Auch das Service-Personal lässt mittlerweile zu wünschen übrig: als Herr Bär kürzlich bei einem Kellner zum dritten Mal anmahnte, er habe bereits vor 20 Minuten ein Glas Kölsch bestellt, antwortete dieser nur lapidar: „Oh, das hab ich vergessen!“ Wurde man als DDR-Bürger 1980 in der Ost-Berliner Gastronomie genauso abgekanzelt? Gleiten wir nun in Westeuropa in eine evolutionsgeschichtliche Mischung aus längst vergessen geglaubter real-sozialistischer Mangelwirtschaft mit mangelnder Arbeitsmoral und als Folge dessen einem gastro-kulturellen Untergang des Abendlandes ab? Fragen Sie dazu mal Christian Lindner und Roland Habeck. Christian Lindner war immerhin 2015 schon mal „Aalkönig“ im rheinischen Städtchen Bad Honnef, obwohl im Rhein schon längst keine Aale mehr gefangen wurden, aber diese Königswürde passt dann doch irgendwie zu ihm, während der „Spiegel“ 2021 über das Privatleben und damit über die Ernährungsgewohnheiten von Robert Habeck mit einem O-Ton-Zitat zu berichten wusste: „»Seit zehn Tagen habe ich nicht mehr abgewaschen. Der Müll ist nicht rausgebracht. Die Milch ist alle. Heute Morgen habe ich Müsli mit Wasser gegessen, ohne Scheiß.« Vielleicht sollte man daher zu seinem Trost Robert Habeck zum Bad Honnefer Aalkönig 2024 ausrufen.

Copyright Raap/Bär2023

Olaf Scholz Sammelbild No. 41

Essen und trinken mit Herrn Bär
Schollenfilet mit Sesam und Spargel mit grüner Sauce Schollenfilets in Sesamöl von beiden Seiten anbraten, Sesamkörner hineinstreuen. Dazu weißer Spargel mit einer kalten oder warmen Sauce aus Petersilie, Schnittlauch, Dill, Majoran, Estragon, Kerbel, etwas Bärlauchöl.

Garnelen in Curry-Petersiliensauce mit buntem Salat Man lässt in einem kleinen Topf etwas Butter aus, gibt dasnn halb Gemüsebrühe/halb Kochsahne hinzu, klein gehackte Petersilie, Knoblauch und rote oder gelbe Currypaste. Abschmecken mit Salz. Garnelen in Olivenöl braten. Sauce darübergießen und zusammen mit Salat servieren.

Rinderfiletstreifen auf Taleggiosauce mit Champignons

Taleggio ist ein Weichkäse aus Kuhmilch aus der Region rund um Bergamo. Für die Sauce gibt man den in grobe Stücke geschnittenen Käse in einen Topf mit Milch oder Kochsahne zusammen mit etwas Butter, abschmecken mit Salz und Pfeffer. In einer Pfanne brät man in Olivenöl Zwiebelringe und Champignons kurz an, schiebt sie zur Seite, fügt dann die Rinderefiletstreifen hinzu und lässt sie 2-3 Min. mit braten, salzen und pfeffern, gibt dann Kochsahne hinzu sowie frischen Thymian und Rosmarin.

Baer aktuell 325 – 22. Juni 2023

Juni 1st, 2023

Bild des Monats Juni 2023: Jürgen Raap, „Trommelgeister“, Acryl/Öl auf Leinwand, 2023

Baer aktuell 325 – 22. Juni 2023

Barrierefreiheit sieht anders aus, dachte sich Herr Bär, als er sich auf eine abenteuerliche U-Bahn-Fahrt von Köln-Ehrenfeld nach Köln-Kalk einließ, mithin nach Rheinisch-Sibirien. Haltestelle Ehrenfeldgürtel: Rolltreppe kaputt. Haltestelle Neumarkt: Rolltreppe zur Zwischenebene kaputt, die andere Rolltreppe ins Oberirdische auch. Dort quetschten sich dann in die Linie 1 Rollator-Fahrgäste höchst mühsam in die dicht gedrängte Traube von 49-Euro-Ticket-Passagieren. Immerhin bekam Herr Bär von einer hübschen jungen Dame einen Sitzplatz angeboten, aber Herrn Bärs Urologe hatte ihn ja schon vor Jahren gebrieft: „Wenn Ihnen das mal passiert, dann sehen Sie wirklich stark gealtert aus“. Nun ja, an der Haltestelle „Kalker Kapelle“ funktionierte die Rolltreppe zwar, bei der Rückfahrt auf der anderen Seite des U-Bahnhofs die andere Rolltreppe jedoch nicht, so dass es zwischen dem linksrheinischen, westlich orientierten römisch-zivilisierten Köln und den rechtsrheinischen Stadtteilen wie Kalk aus Sicht der linksrheinisch Angesiedelten eben in einem sibirisch anmutenden und damit klischeehaft als  barbarisch etikettierten Kölner Osten bei Herrn Bärs Abenteuerfahrt in Sachen defekter Rolltreppen 3:1 zugunsten der „Schäl Sick“ stand, d.h. der „schielenden“ rechtsrheinischen östlichen Seite. Bei den Kölner Verkehrsbetrieben KVB sind bei kaputten Rolltreppen übrigens Aufzüge keine Alternative, denn wenn die nicht auch kaputt sind, dann riecht es in ihnen oft olfaktorisch höchst bedenklich, und weil eine Fahrt mit der KVB ja sonst schon abenteuerlich genug ist, verkneift man sich dann doch lieber ein weiteres bakteriologisches Abenteuer in eben jenen verdreckten Aufzügen. So funktioniert die von der Bundespolitik vollmundig angekündigte Verkehrswende jedenfalls nicht, und Herr Bär möchte gerne wissen, ob der Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) in Köln jemals U-Bahn gefahren ist und danach zum Auto-Fetischisten mutiert ist, so wie Christian Lindner, der kürzlich bekundete, er verspüre Lustgefühle beim Aufheulen des Boxer-Motors seines Porsches. Jedenfalls unternimmt die KVB infrastrukturell nicht sehr viel, um Porsche-Fahrer zum Umsteigen auf den ÖPNV zu bewegen. Soll man nun den Klima-Aktivisten raten, sich doch mal in der Kölner U-Bahn aus Protest an einer defekten Rolltreppe fest zu kleben? Wo dort doch sowieso schon alles kaputt ist, könnten sie ja nicht noch mehr Schaden anrichten. Copyright: Bär/Raap 2023

Olaf Scholz hatte bislang nicht den Ruf einer großen Volksnähe, etwa so, wie ein marktschreierischer Aalverkäufer in Hamburg. Jener Autofahrer, der sich einfach in den Konvoi des Kanzlers einfädelte und es so „in einen Sicherheitsbereich des Frankfurter Flughafens geschafft und dort auf dem Rollfeld Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) erst einen Händedruck gegeben und ihn dann umarmt hatte“ („Express“) war auch kein überschwänglicher Scholz-Fan, sondern „er habe geglaubt, es handelte sich um eine große Familienhochzeit“ („BILD“). Dem Mann fiel allerdings nicht auf,  dass gar keine Braut zugegen war, und er machte sich wohl auch keine Gedanken darüber, ob Olaf Scholz nun der Bräutigam oder der Brautvater sei. Und hier setzt in „bär aktuell“ nun die „Geschichte hinter der Geschichte“ an: Womöglich hatte der Mann noch die Berichte über Christian Lindners opulente dreitägige Hochzeitssause auf Sylt vor Augen und dachte sich, bei dieser vermeintlichen Hochzeitsfeier mit Olaf Scholz auf dem Frankfurter Flughafen fiele vielleicht auch für ihn ein halber Hummer und ein Glas Champagner ab. Das Vorgehen des Mannes erinnert Herrn Bär an Heinrich Peter Bock (1822-1878), der in Köln als „Maler Bock“ allerdings nie ein Bild gemalt, sondern sich darauf spezialisiert hatte, uneingeladen auf Hochzeitsgesellschaften aufzutauchen, der Braut einen Blumenstrauß zu überreichen, sich alsdann gründlich am Buffet zu laben und anschließend den Strauß wieder mit zu nehmen mit der Begründung, er müsse gleich noch einer anderen Dame gratulieren. Auch Olaf Scholz bekam keinen Blumenstrauß überreicht. Copyright Bär/Raap 2023

In kölschen Brauhäusern wurde man vom Köbes immer schon geduzt. Das ist ja auch völlig in Ordnung, denn die kölsche Sprache kennt kein „Sie“, sondern man sagt stattdessen „Sidd eso jot un doht dat“ (Seid so gut und tut das, statt Seien Sie so gut…). Aber wenn sich ein Elektrizitätskonzern an seine Kunden mit der Anrede wendet, „Hallo, wir möchten Dich über die neuen Stromtarife informieren“, hat das nichts mehr mit vertrauter rheinischer Lässigkeit zu tun, sondern ist nur ein saublöder Marketing-Gag einer scheinbaren Anbiederung, über den man angesichts der heutigen Energiepreise schon irritiert sein kann, denn für das viele Geld kann man von denen als eiskalt abgezockter Gebührenzahler wohl etwas mehr Höflichkeit und weniger Saloppheit verlangen, zumal sie einem sofort den Strom abstellen und sofort wieder zum „Sie“ wechseln, wenn man die Rechnung nicht bezahlt hat. Über die mehr und mehr zunehmende neumodische Angewohnheit, in Restaurants oder Cafés fremde Gäste einfach ungefragt zu duzen, was trotz der inflationär hohen Menüpreise vorzugsweise um eine Work-Life-Balance bemühte und daher zumeist lustlos-matt heranschlurfende studentische Aushilfskellner gegenüber seriösen älteren Herren nonchalant mit den Worten „Hi, möchtest Du auch was bestellen“ praktizieren, und was dann als kumpelhaft anmutende Distanzlosigkeit von manchen Benimmpäpsten heut zu Tage sogar als Einübung „flacher Hierarchien“ toleriert oder sogar angepriesen wird, merkte der Sender SWR an: „Ist das ein Problem? Ja: Denn das Du kann nur dann seine Wirkung erzielen, wenn es im Sie seinen Widerpart hat, wenn es der Unterscheidung dient. Wenn alle immer Du sagen, verliert das Du seine Besonderheit.“ Denn wenn auch das Finanzamt sich mit einem Anschreiben meldet, „He, Du da, wir hätten gerne noch Deine letzte Umsatzsteuer-Voranmeldung“, erweist sich die Suggestion einer vermeintlich flachen Hierarchie einfach nur als bloße Veralberung, wenn die Steuerfahndung einem die Matraze umdreht, ob man da im Bettkasten nicht doch noch einen Sparstrumpf mit Schwarzgeld versteckt hat und -flache Hierarchie hin oder her – einem säumigen Steuerzahler beibringt, wer im hierarchischen gesellschaftlichen Gefüge über die Finanzhoheit verfügt, wo also mithin im Finanzamt der Hammer hängt.

Von Hunden und Friseuren soll hier die Rede sein, pünktlich zum „Welttag des Dackels“ am 21. Juni 2023. Die „BILD“-Zeitung eröffnete das mediale, d.h. nachrichtenarme Sommerloch mit der Meldung, dass Pudel Fritz aus einem Hundesalon ausgebüxt sei und dann von einem Auto überfahren wurde, woraufhin Fritzens Herrchen den Hundefriseur verklagte, zum Trimmen seines Fells hätte der Pudel doch angeleint sein müssen. – In Kölner Wirtshäusern kursiert derzeit folgender Witz über den Kölner Kardinal Woelki, wie dieser zum Friseur geht, und der Friseur ihn leutselig fragt: „Na, Herr Kardinal, wo jeht et denn dieses Jahr im Urlaub hin?“- Darauf Woelki: „Nach Rom natürlich!“ Der Friseur ist entsetzt: „Aber Herr Kardinal! Im Sommer ist et in Rom doch vill ze heiß, die fürchterliche Hitze halten Se da nit us. Und in dä Hitze is die janze Stadt och noch total verstunken! Und dann die vielen Touristen! Un dä janze Nepp in dä Gastronomie, die hohen Hotelpreise, nä, nä, Herr Kardinal!“ Doch Woelki beharrt: „Ich muss nach Rom, ich habe eine Audienz beim Heiligen Vater!“ Nach sechs Wochen kehrt Woelki wieder beim Friseur ein, und der fragt: „Na, Herr Kardinal, wie war et dann in Rom?“ – „Och“, sagt Woelki, „so heiß war es da gar nicht. Die Temperaturen waren richtig angenehm. Die Stadt hat auch nicht gestunken, und es waren auch nicht zu viele Touristen da. Ich habe auch keinen Nepp erlebt: ich hatte in einem Kloster ein schönes billiges Gästezimmer und bei den Klosterbrüdern auch gut und billig gespeist“. Fragt der Friseur weiter: „Un wie war et beim Papst?“ Woelki: „Ja, stellen Sie sich das mal vor: da legt mir der Heilige Vater die Hände auf die Schulter und sagt: Woelki, was haben Sie bloß für eine bescheuerte Frisur!“ Copyright: Raap/Bär 2023

Darauf haben wir lange gewartet: Olaf Scholz hatte endlich mal nicht nur herum gescholzt, sondern unlängst ein donnerndes Machtwort gesprochen und die Klebeaktionen moralisch überheblicher Klimaaktivisten als „völlig bekloppt“ gegeißelt. „Der Stern“ verglich kürzlich die Körpergröße von Olaf Scholz (1,70 m) mit jener von Napoleon I. (1,66 m laut Totenschein) und leitete daraus ein napoleonisches Selbstbewusstsein von Olaf Scholz ab. Dazu ist bei Wikipedia nachzulesen: „Der Begriff Napoleon-Komplex wurde von dem Psychologen Alfred Adler geprägt und bezeichnet das vermutete Verhalten, eine kleine Körpergröße durch von außen sichtbare Erfolge und Statussymbole zu kompensieren“. Der Journalist Stephan-Götz Richter hatte bereits 2021 Olaf Scholz und Emmanual Macron als „die zwei Napoleons“ apostrophiert: „Beide Männer vertrauen ihrer eigenen Denkkraft so unbedingt, dass sie schnell als arrogant angesehen werden“. Aber während Macron sich hin und wieder durchaus emotional gäbe, heißt es über unseren Bundeskanzler: „Olaf Scholz fällt es dagegen sehr schwer, wenigstens ein bisschen Emotionalität zu versprühen“. Oder mit schwungvollen Signaturen für Heiterkeit zu sorgen.  Als Olaf Scholz sich jüngst ins Goldene Buch der Stadt Köln eintrug, monierte jedenfalls das Boulevardblatt „Express“ die Unterschrift: „Wie Kinder-Gekritzel sieht sie aus und ähnelt statt Olaf Scholz eher den Buchstaben ‚Oin’…“, und im Internet hatte schon früher ein Nutzer kommentiert: die Signatur von Olaf Scholz sei „einfacher zu fälschen als ein Impfpass“. Und wenn Olaf Scholz schon mal versucht, einen Witz zu machen, lacht außer ihm garantiert keiner über die Pointe.

Noch ein Witz, den man sich derzeit in Köln über den Kardinal Woelki erzählt Woelki hat einen sprechenden Papagei, der aber immer nur „Tach, Eure Eminenz“ sagt. Als der Papst seinen Besuch in Köln ankündigt, versucht Woelki, dem Papagei beibringen, „Tach, Eure Heiligkeit“ zu sagen. Doch so oft er sich vor den Papageienkäfig stellt und ihm „Tach, Eure Heiligkeit“ vorsagt, antwortet der Papagei immer nur mit „Tach, Eure Eminenz“. Woelki sucht Rat bei einem Zoohändler, und der meint: „Papageien plappern zwar das nach, was sie akustisch hören, aber das allein ist nicht entscheidend, denn der Papagei erkennt Sie optisch nicht als Papst. Besorgen Sie sich doch bei einem Kostümverleih ein schönes buntes Papstkostüm, dann klappt das schon“. Woelki sucht also einen Karnevalsbedarfsladen auf, verkleidet sich dort als Papst und stellt sich dann vor den Papageienkäfig: „Tach, Eure Heiligkeit!“ Doch der Papagei antwortet nur mit: „Kölle Alaaf!“

Essen und Trinken mit Herrn Bär

Marinierte Wachtelbrüstchen mit Morcheln und Pfifferlingen, dazu Poree-Gemüse: Getrocknete Morcheln und getrocknete Pfifferlinge 1-2 Std. wässern. Frische Wachtelbrüstchen einen halben Tag lang in Olivenöl, Pfeffer (gemahlener grüner Pfeffer und Szechuan-Pfeffer), Rosmarin, Thymian und Knoblauch marinieren. Der Szechuan-Pfeffer hat ein spezielles Aroma, durch den pflanzlichen Wirkstoff Cineol und andere Aromastoffe, denn er ist botanisch mit den Zitruspflanzen verwandt. Die Bruststücke dann in einer Pfanne in Olivenöl scharf anbraten, mit Geflügelfond ablöschen bei mittlerer Flamme dann durchgaren lassen, nachsalzen und den Rest Marinade dazugeben, dazu ein kleiner Schuss Kochsahne, Porree in Scheiben schneiden, in Kräuterbutter andüsten und in Kochsahne weichkochn, würzen mit Salz, Pfeffer, etwas Ingwer.

Wachtelbrüstchen, Foto: S. Kallnbach

Stubenküken mit Apfel-Morchelfüllung Stubenküken von außen und innen salzen, pfeffern, mit flüssigem Bärlauch einreiben. Getrocknete Morcheln gründlich wässern. Das Innere mit Apfelstücken, Selleriestücken, Morcheln, Rosmarin, Thymian füllen und mit einem Stück gelbem oder grünem Gemüsepaprika verschließen. In einer Casserole mit Geflügelfond im Backofen zusammen mit Möhrenstückchen bei 180-200 Grad von beiden Seiten insgesamt 35-45 Min. garen. Den Fond abgießen und mit etwas Sahne zu einer Sauce abbinden.

Schawarma In Deutschland wird das türkische Döner Kebap heute oft aus Hackfleisch angeboten. Ursprünglich wurde dieser Spieß jedoch mit aufeinander geschichteten Fleischscheiben bestückt, und beim arabischen Schawarma gilt dies immer noch. Ursprünglich nahm man auch für Schawarma nur Lamm- oder Hamelfleisch, heute auch Rind oder Geflügel. Das Fleisch wird in Zitronensaft, Zimt, Kreuzkümmel, Koriandersamen, Kardamom, Kurkuma, Gewürznelken, Paprika, Pfeffer, Minze und Knoblauch mariniert und dann auf einem senkrechten Drehspieß gegrillt. Dass im türkischen und arabischen Kulturraum Fleischstücke vom Spieß in dünnes Fladenbrot eingewickelt werden, ist übrigens keine Errungenschaft heutiger Imbisskultur, sondern wurde von von Helmuth von Moltke berichtet, als dieser 1836 Militärberater des Osmanischen Reiches war.

Seezunge mit Spinat Frischen Blattspinat gründlich waschen, klein hacken und in Knoblauchbutterkurz andünsten, dann Kochsahne hinzufügen und garen lassen. Würzen mit Salz, Pfeffer, einer Prise Muskat, frischem Knoblaich oder Bärlauch-Pesto. Seezungen von beiden Seiten salzen, pfeffern und mit Zitronensaft beträufeln. In einer Mischung aus Olivenöl und Knoblauchbutter von beiden Seiten braten, nach dem Wenden Salbeiblätter- und Rosmarinnadeln hinzufügen und noch einen Klacks Knoblauchbutter auf der Oberseite zerlaufen lassen.

Spargel auf französische Art Der Spargel wird wie gewohnt in leicht gesalzenem Wasser gekocht. Auberginen im Backofen ca. 45 Min. backen, dann die Haut abziehen, das Fruchtfleisch pürieren und mit Olivenöl, Balsamicoessig, Salz, Pfeffer, etwas Chili, frischer Minze Knoblauch und Petersilie vermengen, in kleinen Knubbeln auf dem Teller anrichten, Joghurt mit Salz, Pfeffer und Schnittlauch verrühren und einen Klacks dazu auf den Tellern anrichten, außerdem Röllchen von gekochtem Schinken. Wer will, kann auch eine Vinaigrette aus Olivenöl, Balsamicoessig, Petersilie, Schnittlauch und etwas Senf über den Spargel geben.

baer aktuell 324 – 3. Mai 2023

Mai 1st, 2023

Bild des Monats Mai 2023: Jürgen Raap, „Die nächtliche Überfahrt I“, 2023

baer aktuell 324 – 3. Mai 2023

„Das ist der größte Tag in meinem Leben“, jubelte der Grünen-Politiker Winfried Kretschmann, als er erfuhr, man habe eine Wespenart nach ihm benannt, die nun „Aphanogmus kretschmanni“ heißt. Keineswegs seinen größten Tag erlebte hingegen kürzlich Kretschmanns grüner Parteifreund Andreas Schwarz, der auf einem Volksfest vehement ausgebuht wurde, weil er eine Absenkung der Mehrwertsteuer für die Gastronomie ablehnt, und noch ärger traf es nun in Sachen ramponiertes Ansehen Robert Habeck, da nämlich nicht nur der CSU-Krawalöres Alexander Dobrindt Klüngeleien im Habeck-Ministerium witterte und „mafiöse grüne Clan-Strukturen“ anprangerte, sondern auch „Der Spiegel“ mit dem Kommentar: „Schön, wenn ein Clan für den Erfolg zusammenhält, siehe Kelly Family, Waltons, Remmos“. Was unterdessen in Köln immer noch als lässliche Sünde durchgeht, wenn man in der Politik einem Cousin einen lukrativen Posten zuschanzt mit der Standard-Begründung: „Dä kann ja nix dafür, dat dä mit mir verwandt ist“, kann man allerdings den sich sonst immer so hypermoralisch gebärdenden Grünen nicht so ohne weiteres durchgehen lassen, so dass selbst der seriöse Berliner „Tagesspiegel“ anmahnt: „Der Verdacht der Vetternwirtschaft im Wirtschaftsministerium kann riesigen politischen Schaden anrichten, wenn Robert Habeck nicht durchgreift.“ Eine neu entdeckte Tierart wird man daher derzeit wohl nicht nach Robert Habeck benennen, und noch nicht einmal – da die Grünen nun mal nicht viel von „Technologieoffenheit“ halten – nach ihm ein neuartiges Heizpilzmodell für die Außengastrononie, bei der man auf der Bierterrasse übrigens im Hochsommer bei ausgeschaltetem und dann klimaneutralen Heizpilz vor Wespenstichen nicht sicher ist, zumal nicht vor jenen einer „Aphanogmus kretschmanni“. Abschließend sei an dieser Stelle angemerkt, dass nach dem Schauspieler Arnold Schwarzenegger eine Laufkäferart benannt wurde (Agra schwarzeneggeri) und nach dem Tennisspieler Boris Becker eine Meeresschnecke namens Bufonaria borisbeckeri. Sarah Wagenknecht ist Namenspatronin der Flusskrebsart Cherax wagenknechtae. Der britische König Charles III., damals noch Prince Charles, wurde mit der Benennung einer Froschluchart als Hyloscirtus princecharlesi geehrt. Und last not least – das ist jetzt kein Witz – heißt eine Palpenmottenart Neopalpa donaldtrumpi, weil ihre Kopfbeschuppung an die Frisur von Donald Trump erinnere.

Schön, dass sie in London mit ihrer Prinzengarde und einer goldenen Kutsche auch so eine Art Rosenmontagszug hinkriegen. Wenn allerdings in Köln, Bonn oder Düsseldorf der Prinz Karneval auf einem Prunkwagen durch die Stadt rollt und Kamelle unters närrische Volk wirft, lebt darin eine Tradition aus dem 19. Jh. fort, aus der Sicht eines selbstbewusster gewordenen Bürgertums den aristokratischen Feudalismus zu persiflieren, wohingegen das Londoner Krönungsspektakel auf derlei parodistische Elemente verzichtete und daher in seiner Ernsthaftigkeit mit all dem Aufwand im 21. Jh. weitgehend anachronistisch wirkte. Für das karnevaleske Spiel am Hofe Seiner Tollität, der Prinzenproklamation im Kölner Gürzenich, bietet man alljährlich die Crème de la Crème der rheinischen Büttenredner auf, während hingegen bei der Inthronisierung von Charles III. nur der Humorist Wigald Boning für den Sender RTL inmitten des närrischen Londoner Volks „den etwas anderen Blick auf die pompösen Feierlichkeiten“ einfangen durfte. Dass die Boning’sche Klatschmarsch-Reportage für eine siebenstündige Live-Sendung allein wohl doch etwas zu dürftig gewesen wäre, mochte man in der RTL-Redaktion rechtzeitig geahnt haben. Daher ließ RTL im Studio u.a. noch eine echte Adlige zu Wort kommen, nämlich die Gräfin Stephanie von Pfuel, die im Volksmund die „Kaffee-Gräfin“ genannt wird, weil sie mal in einem Werbesport für „Eduscho“ mitwirkte, wobei anzumerken ist, dass in England auch in unseren Tagen immer noch mehr Tee als Kaffee getrunken wird, zumal man in britischen Haushalten den Kaffee zumeist aus Instant-Pulver zuzubereiten pflegt, so dass eine adlige Kaffee-Expertin im RTL-Studio mit ihrem Fachwissen hier sicherlich unterfordert war, wie auch sonst England nicht gerade als ein Mekka für Feinschmecker gilt: zur Krönung von Elizabeth II. 1953 gab es als Krönungsmahl nur Hühnchen mit Curry-Mayonnaise, und auch Charles III. leistete sich jetzt beim Krönungsbankett keine kulinarischen Extravaganzen: aufgetragen wurde lediglich eine Quiche mit Cheddar-Käse, Spinat und Bohnen. Da würde Herr Bär doch lieber das traditionelle Prinzenessen im Kölner Gürzenich bevorzugen: den Obernarren tischte man dort neulich Crevettencocktail, Roastbeef und warme Apfeltörtchen auf.

Zu den Lebensweisheiten des Edel-Pleitiers Boris Becker gehörte ausgerechnet zum jüngsten Muttertag der Hinweis, seine Mutter habe ihm geraten, er sollte immer auf seine Frau hören, denn wenn diese ein glückliches Leben führe, käme das auch ihm, Bobele, zugute. Verkürzt im O-Ton Becker wieder gegeben: „Happy wife, happy life“. Er lebe daher jetzt deshalb in Italien, weil seine derzeitige Lebensgefährtin das so wolle. Also „Happy life“ mit Pasta und Parmaschinken, worauf seine Gläubiger womöglich ein wenig verdrießlich reagieren. In Gelddingen hat Boris Becker früher sicherlich nicht auf seine Ex-Frauen gehört, und man weiß ja inzwischen, in welchem „unhappy life“ das letztlich geendet hat. Aber man lernt ja nie aus, auch ein Boris Becker nicht, der nun gottlob anfängt, zur Altersweisheit zu neigen. Daher überlässt er die Führung der gemeinsamen Haushaltskasse in Italien gewiss freiwillig- eingedenk der Ratschläge von Mutter Becker – nicht nur am Muttertag Partnerin Lilian.

Wenn es gilt, den Verfall der Sitten zu beklagen, so ist an dieser Stelle die Erkenntnis eines Gastrosoziologen zu erwähnen, die jüngere Generation verschmähe Spargel, weil man dafür zum Essen Messer und Gabel benötige und dann keine Hand mehr frei habe, um während des Essens auf dem Handy herum zu daddeln. Deswegen würde diese handyaffine Generation Essen in Schüsseln (neudeutsch: Bowl) bevorzugen, die man mit einer Hand mit dem Löffel verzehren könne. Da kann Herr Bär nur noch Cicero zitieren: „O Tempora, o mores“ (Oh Zeiten, oh Sitten“).

Als Rudi Dutschke die 68er-Protestgeneration zum „Marsch durch die Institutionen“ aufrief, konnte er nicht ahnen, dass ein halbes Jahrhundert später derlei Strategie in einer grünen Öko-Cosa Nostra geendet hat, mit einem Paten Robert Habeck, der jüngst vor der Presse zerknirscht bekundete, als Nachfolger des zurückgetretenen Staatssekretärs Patrick Graichen werde er, Minister Habeck, gewiss nicht seinen, Habecks, Trauzeugen auf diesen Posten berufen. Das sollte wohl witzig gemeint sein, rief aber keinerlei Lacher hervor. Das rheinische Wort „Klüngel“ bedeutet „undurchsichtiges Knäuel“, und abgesehen von all den Verknäuelungen Graichens mit Trauzeugen, Geschwistern, Schwägern und in deren Funktionen in diversen Lobbyorganisationen, bei denen man sich mit einer Neigung zu Klischeevorstellungen an gewisse Clan-Strukturen erinnert fühlen mag, wie sie sonst in Europa vielleicht nur in Kalabrien und auf dem Balkan üblich sind, bescheinigte auch die „FAZ-Frankfurer Allgemeine Zeitung“, Patrick Graichen habe eine „brachiale Energiepolitik“ betrieben, die bei jedem Häuslebesitzer nur Existenzängste schürte. Nun ja, schon die alten Russen wussten: Setzt den Bauern auf den Zarenthron, und er wird schlimmer sein als der Zar selbst. Macht korrumpiert  — das hatte Rudi Dutschke damals nicht bedacht. Wie man hingegen Klüngelei PR-strategisch richtig verkauft, hätten Habeck und Graichen in Köln lernen können. Dort würde nämlich jeder Kommunalpolitiker immer behaupten, er klüngele nie um des persönlichen Vorteils willen, sondern immer nur zum Wohle der Stadt: „Mer dun et jo nur för Kölle“ (Wir tun es ja nur für Köln). Das ist zwar meistens auch gelogen, hört sich sich mit derlei folkloristischer Verbrämung aber weitaus charmanter an.

Essen und Trinken mit Herrn Bär

Avocado mit Crevetten Diese Vorspeise genoss Herr Bär vor vielen Jahren im Pariser Restaurant „Chartier“ in der Rue de Montmartre. Man kann die Avocado halbieren, den braunen Kern wegnehmen und dann mit frischen Nordseekrabben auffüllen, oder aber kleine Avocadostücke in einer Schüssel mit den Krabben vermengen. Salz, Pfeffer, Dill, ein paar Spritzer Zitrone und etwas Krabbencreme runden dieses Entrée ab.

Sauce Nantua passt gut zu allen Fischsorten mit weißem Fleisch. Es gibt verschiedene Rezeptvarianten, am einfachsten ist diese: man dünstet klein gehackte Zwiebeln in Butter, gibt dann etwas Essig und Weißwein hinzu, klein gehackte Flusskrebse oder Crevetten, lässt das Ganze weich köcheln, rührt dann Butter und Crème fraiche hinein, bis eine sämige Sauce entsteht, die man mit Salz und Pfeffer abschmeckt.

Kleiner Salat à la Karl-Josef Bär mit in Streifen geschnitteneem Räucherlachs, Gurken- und Apfelstücken, angemacht mit Pfeffer, etwas Schafsjoghurt, Meerrettich und Dill.

Champignons Casteldefels Als kleine Hommage an einen Vorort von Barcelona, nämlich den Badeort Casteldefels, sei dieses Rezept angeführt: Man mariniere ganze braune Champignons einige Stunden lang in Öl, Essig, Salz, Pfeffer, Cayenepfeffer, Rosenpaprika Petersilie, Dill, Schnittlauch zerdrücktem Knoblauch und flüssigen Bärlauch, wälze sie dann in Mehl, brate sie dann anschließend in Olivenöl in einer Pfanne an, lösche die Pilze mit Gemüsefond ab, füge noch etwas frische Petersilie hinzu, etwas köcheln lassen, dann in eine Tonschüssel umfüllen und bei mitlerer Hitze ca. 20 Min. im Backofen weitergaren lassen. Dazu passt Baguette-Weißbrot.

Lammcarré mit breiten Bohnen In einem Topf Zwiebeln andünsten, ein paar Stückchen roten Paprika hinzufügen, dann ebenso die Bohnen, das Ganze mit Gemüsefond auffüllen und einem Schuss Kochsahne. Bohnen weich dünsten, mit Salz, Pfeffer, Petersilie und Bohnenkraut würzen. Für die Sauce in Kräuterbutter Zwiebeln andünsten, kleine Tomatenstückchen in Gemüsefond zerkochen lassen, bis der Fond anfängt einzudicken. Würzen mit Salz, Pfeffer, Worstershiresauce, Petersilie, etwas Dill, Schnittlauch, Thymian. Die Lammcarré-Stücke in Olivenöl von beiden Seiten scharf anbraten, bei mittlerer Hitze dann garen, salzen, pfeffern, etwas Knoblauch auspressen, mit Küchenkräutern bestreuen.

Poulet aux 40 gousses d’ail Wörtlich übersetzt heißt das „Hähnchen mit 40 Knoblauchzehen“, doch für dieses Rezept aus der Provence reichen 7-8 Knoblauchzehen, die man mit der Schale ins Innere eines Hähnchens (oder Stubenkükens) gibt, zusammen mit Rosmarin, Petersilie und Thymian. Je nach Größe des Hähnchens dieses 40-50 Min. bei ca. 180 Grad in einer Cocotte im Backofen garen – der Knoblauch ist dann weich und pastenartig, lässt sich gut aus der Schale drücken und auf dem Hähnchenfleisch verstreichen. Bärs Weinempfehlung dazu: ein Cote de Rhone Villages oder ein Languedoc-Roussilon.