Jürgen Raap, „Die Missachtung der Theologie“, Acryl/Öl auf Leinwand, 2026
bär aktuell – der einzige blog, in dem der Chefredakteur sich selbst interviewt
bär aktuell: „Herr Bär, in Ihrem jüngsteh Bild führt ein Magier den Trick mit der schwebenden Jungfrau vor.“
Bär: „Jojo. Dat is ävver keine richtige Jungfrau. Dat is die Frau Schmitz. Die war in Wirklichkeit schon zweimal verheiratet. Dat merkt bei dä Vorführung ävver keiner.“
Bär aktuell: Herr Bär, da haben sie uns aber wieder einen herrlichen Blödsinn erzählt.
Bär aktuell 364 – 3. Sept. 2026
Auch das noch Zu den Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern wäre anzumerken, dass der „Nordkurier“ feststellte, „statt Wahlkampf zu machen“, verzettelten sich die dortigen Grünen in einer „internen Schlammschlacht“. Stein des Anstoßes sind der Abgeordnete Hannes Damm, den seine Fraktionskollegen „öffentlich mit halbseidenen und durchgestochenen Vorwürfen… diskreditieren und politisch… rasieren“ wollten, u.a. deswegen, weil er „in einer ausgelassenen Situation“ einem Mitarbeiter „auf den Po geklopft haben soll“, und die inzwischen zurückgetretene ehemalige Spitzenkandidatin Constanze Oehlrich, die sich mit dem Vorwurf eines Mitarbeiters konfrontiert sah, sie habe diesen aufgefordert, er möge sich im Büro etwas anziehen, das „am Hintern enger sitzt“. In Presseberichten heißt es, dass Oehlrich eine Klarstellung versucht habe, es sei ihr lediglich um ein „angemessenes Auftreten“ des jungen Mannes bei „dienstlichen Terminen“ gegangen, woraufhin der BILD-Kolumnist Harald Martenstein die Frageaufwarf, „bei welchem politischen Termin eine am Männerhintern besonders eng sitzende Hose angemessen oder sogar von Vorteil sein könnte.“ Bei den MV-Grünen geht`s also gesäßpolitisch hoch her, und wir wissen jetzt, wer bei denen die Arschkarte hat.Jupp Schmitz hingegen gab schon vor 60 Jahren zu bedenken: „Nicht in jeder blauen Hose steckt ein strammer Vollmatrose.“
Sind nackte Bäuche auf dem Münchener Oktoberfest noch erlaubt? Mitnichten, wenn es nach der Münchener Gleichstellungsstelle geht, die bei den 120 Jahre alten Motiven der Kirmesattraktion „Teufelsrad“ durchsetzte, dass die weiblichen Pappmachéfiguren mit ihren kurzen Röckchen „züchtiger“ bekleidet werden, damit niemand dazu angerregt werde, Frauen unter den Rock zu fotografieren, was selbstverständlich abzulehnen und zu ahnden ist. Dass aber auch bei einer Hawaiimädchenfigur mit Blumenkranz und nacktem Bauch Sexismus und Rassismus gewittert und daher eine Verhüllung des Oberkörpers und – man will es kaum glauben – sogar der vormals nackten Füße mit Schuhen (sic!) vorgenommen wurde, fand zwar Applaus bei der puritanischen Partei „Die Linke“, erstaunlicherweise nicht jedoch bei den Münchener Grünen: Stadträtin Anja Berger von den Grünen jedenfalls meint: „Wir brauchen keine übertriebene Prüderie“. Für „überzogen“ findet ebenso Münchens Zweite Bürgermeisterin Mona Fuchs (Grüne) die Verhüllungsaktion: „Wir leben zum Glück in einer aufgeklärten, offenen und freien Gesellschaft, in der Frauen selbst entscheiden dürfen, ob und wie freizügig sie sich zeigen. Ein Verhüllungsgebot für weibliche Figuren oder Darstellungen stellt jedenfalls keine Gleichstellung her und dient ihr aus meiner Sicht auch nicht.“ Doch ganz offensichtlich sind in München die Zeiten vorbei, als es 1973 hieß: „Unterm Dirndl wird gejodelt“. Das so betitelte „erotische Lustspiel“ falle zwar nicht unter das „Feiertagsverbot“, es könnte mithin sogar an Karfreitag, Allerheiligen oder am Volkstrauertag vorgeführt werden, so informiert eine KI. Es werde heut zu Tage aber im Fernsehen „wegen seines veralteten Humors, seiner derben Zoten und des… stark klischeehaften Frauenbildes nicht mehr gezeigt.“ Ginge es nach dem Willen des pensionierten hessischen Pfarrers Wilfried Abel, so wären künftig bei den queeren CSD-Paraden nackte Bäuche ebenfalls strikt tabu, nackte Füße hingegen zumindest nicht. Jedenfalls wetterte der erzürnte Gottesmann über die „Parade der Schamlosigkeit“ (ähnlich würden sich wohl auch die iranischen Mullahs über derlei Umzüge äussern) und sorgte sich: „Wird nun die einst prächtige… Fronleichnamsprozession durch die große Parade der halbnackten Leiber verdrängt?“ Die Oberhirten im Bistum Fulda distanzierten sich zwar von der reaktionären Tirade Abels, aber der Kölner Theologe und Psychiater Manfred Lütz hatte schon 2016 in einem Interview festgestellt, „dass die katholische Kirche sich im 19. Jahrhundert an einen leibfeindlichen protestantisch-bürgerlichen Zeitgeist angepasst hat“, der nun – so Herrn Bärs Beobachtung – aus Richtung einer anderen körperfeindlichen ideologischen Front auch beim Münchener Oktoberfest Einzug hält. „In Wahrheit ist die katholische Kirche aber keine Moralanstalt, sie ist eine Gemeinschaft von Menschen“, meint Lütz. So wäre noch zu ergänzen, dass sich in unseren Rathäusern auch keine sauertöpfische Sittenpolizei etablieren sollte, die mit jakobinischer Raserei historische Kirmesbuden zensiert.
Wie eng im Leben das Tragische und das Komische oft miteinander verwoben sind, lässt sich auch an der Person des Friedrich Merz festmachen. Fragt man eine Künstliche Intelligenz, ob Merz eher dem Weißclown (Harlekin) oder dem dummen August entspräche, so lautet die Antwort: Merz verkörpere mit Sicherheit den ernsthaften, dominanten, autoritären, bisweilen auch etwas hochmütigen Weißclown, der immer die Ordnung aufrechtzuerhalten und das Chaos zu verhindern versuche. Friedrich Merz selber sehe in seiner eigenen Binnenwahrnehmung vielmehr seine politischen Kontrahenten in der Rolle des tollpatschigen dummen August, der alles vermurkst und zerstört. Im Falle Merz kippt aber dann das Komische ins Tragische um, indem er nämlich selbst sich gehörig ins Chaos verstrickt und dabei fulminant an sich selber scheitert. „Der Spiegel“ verglich das Merz’sche Wirken als Kanzler mit einem gewissen Hohn sogar schon mit der Figur in jenem berühmten Trickfilm von Loriot, wo jemand versucht, ein schief an der Wand hängendes Bild gerade zu hängen und dabei das gesamte Wohnzimmer verwüstet. Filmgeschichtlich heißt es, Laurel und Hardy (Dick und Doof) hätten den rüden anarchischen Slapstick, wo auch immer alles zusammen kracht, revolutioniert, indem sie ihn mit komödiantischen Momenten angereichert hätten. Hat nun Friedrich Merz die Politik durch unfreiwillige Tragikomik revolutioniert? Lars Klingbeil würde das sicherlich verneinen, da dann freilich ihm selbst neben dem scheiternden Weißclown nur die Rolle des burlesken dummen August übrig geblieben wäre. Wenn Merz von der Leiter fällt, besteht das Tragische darin, dass nicht Heidi Reichineck, Sarah Wagenknecht oder gar Ulrich Siegmund die Leiter umgestoßen haben, sondern Merzens eigene Leute in der Berliner Regierungskoalition.
Karl-Josef Bär, „Grüße aus der Provinz“, digitale Fotoarbeit, 2026, Copyright: Raap/Bär 2026
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bär aktuell: Herr Bär, das Bild des Monats ist diesmal kein Gemälde, sondern eine Fotoarbeit?
bär: Jojo, ich mein, wenn mer schon ens en Handy hätt, met däm mer och fotografieren kann, dann soll mer dat och ens usprobiere.
bär aktuell: Und was haben Sie fotografiert?
bär: Ne leere Infokasten am Bahnhof von Bad Salzschlirf.
bär aktuell: Und das soll Fotokunst sein?
bär: Jojo. Dat sieht man doch. An däm Kasten steht ja Kunst und Kultur e.V.
bär aktuell: Unglaublich !
bär: Jo, ne?
bär aktuell: Herr Bär, da haben Sie uns ja wieder einen herrlichen Blödsinn erzählt!
Bär aktuell 363 – 3. August 2026
Wer bei einer KI den Suchbegriff „Bundes Uhu“ eingibt, erhält den Hinweis, diese Bezeichnung von Bundespräsident Steinmeier sei unter Kabarettisten nur „scherzhaft“ gemeint, während es zum Stichwort „Bundesfritze“ heißt, damit sei „umgangssprachlich“ Friedrich Merz gemeint, und zwar ohne jeglichen weiteren Verweis auf eine Scherzhaftigkeit dieses Spitznamens. Lars Klingbeil hat es unterdessen noch nicht zum „Bundes Lars“ gebracht, denn die KI korrigiert die Suchanfrage, ob vielleicht „Bundeslanze“ oder auch nur „Bundesliga“ gemeint sein könnte. Das sollte Lars Klingbeil zu denken geben, wobei im übrigen als „Bundes Olaf“ nicht Olaf Scholz, sondern der sächsische Kabarettist Olaf Schubert im Netz gehandelt wird. Über den „Bundes Donald“ weiß unterdessen die KI, dass deutsche Internetnutzer sich mit dieser Vokabel über Trumps Omnipräsenz lustig machen und „mit subtilem Scherz“ (sic!) auf seine familiären Wurzeln in Deutschland anspielen.
Sich nicht gerade mit Ruhm bekleckert zu haben als Präsidentin der UN-Generalversammlung kann man Annalena Baerbock durchaus bescheinigen. Dass Deutschland keinen Sitz im UN-Sicherheitsrat zugestanden bekam, habe eben jene Annalena verbaerbockt, findet z.B. der CDU-Politiker Manfred Pentz und kann sich dabei auf den Präsidenten von Botswana berufen, der Baerbocks Stil mit einer gewissen Empörung als übergriffig und herablassend gegenüber dem Globalen Süden empfindet. Schon vor einiger Zeit stellte der der Publizist Henryk M. Broder fest, Baerbock fehle ein „Gen für Peinlichkeit“. Dass sie Filme auf Instagram postete, die sie im Stil der Seifenoper „Sex and the City“ zeigt, wie sie durch den Central Park stöckelt oder in New York Taxi fährt und dabei Weltläufigkeit mimt, findet sie „selbstironisch“, andere hingegen eher als unangemessen übertriebenes Frönen ihrer Eitelkeit, wie im Netz nachzulesen ist. Nun scheidet sie aus dem UN-Vorsitz aus und kündigte einen „neuen Lebensabschnitt“ an. Auf der Resterampe der Karrierechancen billigt man abgehalfterten Politikern eigentlich nur noch einen Aufsichtsratssitz bei der Deutschen Bahn zu oder die Leitung einer Stiftung. Über Friedrich Merz wird derweil geunkt, die Union würde ihn alsbald als Kanzler ablösen und durch Hendrik Wüst ersetzen wollen. Dass er dann mit Annalena Baerbock auf der Resterampe für politische Versorgungsfälle um einen neuen Job konkurrieren müsste, beruht womöglich auf der unseriösen russischen Desinformationskampagne „Storm 1516“, der man nachsagt, sie sei es gewesen, die bereits Meldungen über einen Rücktritt von Merz lanciert hätte, um die deutsche Politik zu destabilisieren. Herrn Bärs Prognose lautet unterdessen: nach einem möglichen Ausscheiden von Merz aus dem Bundeskanzleramt würden sie bei der Konrad Adenauer Stiftung aber wohl eher ihn zum Frauenbeauftragten berufen und nicht Annalena Baerbock.
Wer bislang glaubte, der Einsatz von bewaffneten Drohnen und Marschflugkörpern könnte in der Ukraine kriegsentscheidend sein, wird von Kyrill, Patriarch der Russisch-Orthodoxen Kirche, eines Besseren belehrt. Der oberste Feldgeistliche des Kreml behauptet als Buchautor nämlich allen Ernstes, der Ausgang des Krieges läge bei Gott. Der marodierenden Soldateska ruft er mit gehöriger Verblendung zu, sie seien Krieger Gottes und legitimiert damit sämtliche Verstöße gegen die Haager Landkriegsordnung als vermeintlich heilsgeschichtlichen Akt. Die iranischen Mullahs indoktrinieren mit ähnlicher Propaganda ihre Revolutionsgarden, der Tod im Kampf sei das höchste spirituelle Ziel. Immerhin verheißt der Oberhirte Kyrill seinen Schäfchen nicht auch noch, im himmlischen Paradies würden auf sie zur Belohnung ihres Märtyrertums 72 Jungfrauen warten, worauf hingegen die orientalischen Gotteskrieger auf einen Mädelsabend im Himmel hoffen dürfen.
Wenn laut Karl Marx Religion Opium fürs Volk ist, dann ist es die Spirituose Wodka in russischen Kasernen allemal, die dort früher in 100 Gramm-Rationen zur Hebung der Kampfmoral als „Narkomowskije“ (vulgo „Volkskommissar-Ration“) ausgeschenkt wurde, wohingegen die archaischen Männerphantasien beim dschihadistischen Jungfrauenkult nüchtern ausgelebt werden müssen. Äusserst fragwürdig war aber schon die Schilderung des Krieges als eine Naturgewalt, die über den Menschen käme und ihn in einen elementarischen Rausch mit existenzgieriger Lebensintensität versetzt, wie dies Ernst Jünger 1920 in seinem Erster Weltkriegs-Drama „In Stahlgewittern“ beschrieb. Im Zweiten Weltkrieg halfen dann die Wehrmachts-Stabsärzte mit der Verabreichung der Droge Pervitin nach, um bei den Piloten der Sturzkampfbomber den erwünschten Kick mit entsprechender Enthemmung zu erzielen. Patriarch Kyrill unterdessen empfiehlt weder den Genuss von Alkohol oder Drogen, sondern die Verinnerlichung des Militärdienstes als metaphysischen Kampf gegen das Böse, und er verheißt die Vergebung aller Sünden beim Tod an der Front. Auf diese Weise spart Putin mit der Kyrillschen Absolution das Geld für die traditionelle Wodka-Ration. Bei der Bundeswehr wahrt man hingegen strikte Distanz zu all diesen unseligen Traditionen: da werden im Ernstfall nämlich nur sogenannte „Notwasserbeutel“ aus der Pistorius-Quelle ausgegeben.
Gründlich vergendert hatte sich ein Redakteur des Boulevardblatts „Express“, als er sprachlogisch völlig unsinnig Rentner als Rentnernde bezeichnete. Nein, nein, nein, ruft Herr Bär da aus! Herr Bär ist Rentner, aber er rentnert nicht durch die Gegend. „Rentner“ ist als Substantiv eine Vokabel für einen sozialen Status, mithin für einen Zustand, aber das Wort drückt nun mal keine Handlung aus wie ein Verb. Folglich kann man mit „Rentner“ auch kein Partizip bilden. Ein Metzger ist auch kein Metzgernder und ein Metzgender erst recht nicht! Auf die Frage, ob es auch weibliche Kraftprotze gäbe, antwortet eine KI, „Ja, es gibt im Kraftsport viele extrem starke Frauen“. Man könnte nun annehmen, sie würden im Plural „Kraftprotzinnen“ auch sprachlich sichtbar, doch die KI korrigiert die Frage nach „Protzin“ dahingehend, ob nicht „Protein“ gemeint sei. Bei erneuter Nachfrage heißt es bei der KI dann immerhin, „Protzinnen“ sei „eine umgangssprachliche oder scherzhafte weibliche Form“ für eine „angeberische Person, die mit ihrem Reichtum prunkt“ und nennt als Beispiele das demonstrative Zurschaustellen „teurer Designermarken“ und „auffälligen Goldschmuck“. Das Genderwörterbuch „Scribor“ („Richtig gendern“) empfiehlt unterdessen, „Terrorist“ nicht unbedingt als „Terrorist_in“, „TerroristIn“, „Terroristi:n“ oder „Terroristi*n“ zu gendern, sondern „als geschlechtsneutrale Alternative, um Barrierefreiheit zu gewährleisten“, lieber von einer „terrorisierenden Person“ zu sprechen. Warum man bei einem Terroranschlag der oder dem diesen Verübenden (hier stimmt das Partizip!) allerdings auch noch „Barrierefreiheit“ garantieren sollte, versteht Herr Bär nicht.
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Essen und Trinken mit Herrn Bär
Vorspeisenteller „Dransdorf“. Die Linie 18 von Köln nach Bonn fährt vorübergehend nur noch bis Dransdorf. Wer die restlichen 4 km zu Fuß bis in die Bonner Innenstadt auf sich nehmen will, der stärke sich vorher mit diesem Vorspeisenteller „Dransdorf“: Roastbeef mit Aioli, Trüffelsalami, Chicoreesalat, Tomaten-Paprika-Salat mit Basilikum-Pesto, Tomaten mit Schnittlauch und Aioli.
Bild des Monats Juli 2026: Jürgen Raap, „Das süßliche Grinsen“, Acryl und Öl auf Leinwand, 2026
Bär aktuell – der einzige Blog, in welchem der Chefredakteur sich selbst interviewt.
Bär aktuell: Herr Bär, Ihr jüngstes Bild trägt den Titel „Das süßliche Grinsen“.
Bär:Jo jo. Ich weiß, dä Titel hört sich blöd an. Ävver hätte ich dat Bild „Das säuerliche Grinsen“ jenannt, wäre dat ja noch blöder jewesen.
Bär aktuell: Und was hat dieses violette Wesen im Vordergrund zu bedeuten?
Bär: Dat ist Fritz, der Frosch. In Wirklichkeit ist dat aber ein verzauberter Prinz. Dä will vun dä Prinzessin links im Bild wachgeküsst werden, damit dä Frosch sich widder in ne Prinz verwandelt. Dat mäht die ävver nit, die daddelt einfach nur die janze Zeit op ihrem Handy eröm. Die ignoriert dä Fritz und denkt sich, dä Blödmann will mich veralbern. So ne Quatsch. Ne Prinz, dä se in ne Frosch verzaubert han, so wat jitt et doch ja nit.
Bär aktuell: Herr Bär, da haben sie uns ja wieder mal einen herrlichen Blödsinn erzählt.
Bild des Monats Juli 2026: Jürgen Raap, „Das süßliche Grinsen“, Acryl und Öl auf Leinwand, 2026
Bär aktuell 362 – 3. Juli 2026
Der ganz normale Wahnsinn Was hat Friedrich Merz sich wohl dabei gedacht, fragte sich Herr Bär, als er nach dem Ausscheiden der Nagelsmann-„Versager-Elf“ (Express) aus den Gianni Infantino-Festspielen den DFB-Balltretern hinterherrief: „Wir sind stolz auf Euch!“ Dass in befremdlich anmutender Weltfremdheit Merz das ideenlosen Gekicke schön zu reden versuchte, ist nach den eklatanten Fehleinschätzungen von Bärbel Bas nun der nächste kommunikative Flop einer Regierungskoalition, der uns ahnen lässt, warum es nicht nur fussballerisch, sondern auch sonst mit unserem Land bergab geht. Symptomatisch dafür ist die anschliessende Einräumung, man habe im Kanzleramt zum Ausgang des Paraguay-Spiels mehrere Merz-Statements vorbereitet gehabt, aber dann versehentlich den falschen Tweet losgeprustet. Herr Bär meint: Jürgen Klopp muss Bundeskanzler werden!
Bär aktuell 362_1 – 12. Juli 2026
Als Waffennarr entpuppte sich Reyep Erdogan, der beim NATO-Gipfel jedem anderen Staatschef einen scharfen Revolver mit eingraviertem Namen schenkte. Nun ist nicht bekannt, ob Fritze Merz überhaupt einen Waffenschein hat. Damit aber bloß niemand auf die Idee gekommen wäre, auf dem Rückflug hätte Fritze Merz mit der Plemm sein eigenes Flugzeug entführt, um beim Koalitionspartner zu Hause irgendwelche Zugeständnisse zu erpressen, ließ Merz den Revolver in der deutschen Botschaft in Ankara zurück. Herr Bär wollte nun von einer Künstlichen Intelligenz wissen, ob man mit dem Merz-Revolver im Botschaftsgarten Schießübungen veranstalten dürfe, was die KI mit einem strikten „Nein “ beantwortete: es könnte diplomatische Verwicklungen und Beschwerden wegen Lärmbelästigung geben. Der deutsche Botschafter könnte sich nicht dann nicht mit dem Argument herausreden: „Aber die Knarre hat der Fritz doch vom Recep gekriegt!“ Lärm ist nun mal Lärm und bei den Nachbarn im Botschaftsviertel von Ankara prinzipiell unerwünscht.
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Bär aktuell 362_2 – 22. Juli 2026
Im Spätmittelalter mutierte der niedere Adel zum Raubrittertum und bestritt fortan seinen Lebensunterhalt durch Zölle, Wegelagerei und Lösegelderpressung. Die rheinischen Burggrafen sorgten mit ihrer Mauterhebung dafür, dass sich 1426 z.B. der Preis z. B. für ein Fass Wein von 12 bis 16 Kölnische Mark (heutige Kaufkraft ca. 2000 Euro) auf dem Transport von Basel nach Kopenhagen um das Zwanzigfache verteuerte. Mit ihrer Mautpolitik an der Meerenge von Hormus benehmen sich die iranischen Mullahs heute nicht viel anders als einst die „Ja, so warn’s die alten Rittersleut“. Donald Trump, der in seiner notorischen Sprunghaftigkeit vorübergehend mal damit liebäugelte, selber 20 Prozent vom Wert der Fracht als Schutzgeld zu erheben, musste sich daraufhin von den raubritterlichen Mullahs mit humorigem Gelächter vorhalten lassen, bei ihrer pro-iranischen Maut kämen die Reedereien aber viel billiger davon, was die „Freie Fahrt für freie Bürger“-Partei FDP dennoch für „geopolitische Erpressung“ hält. Derweil rät eine Künstliche Intelligenz dazu, dieses Mautgeplänkel am Persischen Golf nicht mit dem Autobahn-„Mautdebakel“ zu verwechseln, das seinerzeit Andreas Scheuer als Bundesverkehrsminister mit einem Schadenersatz in Höhe von 430 bis 450 Mill. Euro dem deutschen Steuerzahler eingebrockt hatte. Für so viel Geld hätte man im Jahre 1426 in den Zeiten des klassischen Wegelagerertums 215.000 Fässer Wein von Basel nach Kopenhagen transportieren können. Wer sich heute über die aktuell hohen Spritpreise grämt, der sei darüber belehrt, dass ein Liter Erdöl (Steinöl), das man aus Aserbaidschan auf der alten Seidenstraße über die heutige Türkei nach Westeuropa und nicht durch den Persischen Golf transportierte und hier als Lampenöl nutzte, 1426 bei uns umgerechnet satte 10 Euro gekostet hatte. Eine Maß Wein kostete damals in Köln nach heutiger Währung aber nur 3,50 Euro und ein Ei 0,35 Euro.
Bär aktuell 362_3 – 22.7. 2027
Aus aktuellem Anlass sei daran erinnert, dass Jens Spahn mitten in der Corona-Pandemie am Morgen des 20. Oktober 2020 dazu aufrief, Kontakte zu reduzieren und auf Feste zu verzichten, sich aber dann selber am Abend in Leipzig mit sächsischen Unternehmern zu einem Spenden-Dinner zugunsten der CDU traf. Auch damals hieß es vollmundig, das sei alles formal korrekt abgelaufen, wiewohl Spahn anderntags positiv auf Corona getestet wurde. Während die als radikal-feministisch und als grüne Skandalnudel bekannte Jette Nietzard an Jens Spahn „Glückwünsche zum Babykauf“ übermittelte, kursiert in den sozialen Medien derzeit der Witz, diesmal habe Spahn für 5 Milliarden Euro nicht unbrauchbare Corona-Masken, sondern Windeln gekauft. Und recht sarkastisch wird ebenso im Netz kolportiert, wenigstens habe Jens Spahn bei seinem Baby-Shopping in den USA nicht auch noch selber seine Gene weiter gegeben; somit bestünde für das Baby noch Hoffnung. Gewiss bleibt damit dem Baby später nämlich die Metapher erspart, mit welcher der Krimi-Autor Raymond Chandler einst eine seiner Romanfiguren beschrieb: „Der Kerl hatte ein Kinn wie eine Zigarrenkiste.“
Bild: Porträt Jens Spahn, unbekannter Meister des 21. Jh.
„De mortuis nihil nisi bene“ – über die Toten soll man nichts Schlechtes sagen. Dennoch sei an dieser Stelle an den Unionspolitiker Philipp Mißfelder erinnert, der als schnöselig kritisiert wurde, weil er 2003 im Alter von 23 Jahren forderte, bei 85jährigen keine künstlichen Hüftgelenke mehr zu implantieren. Mißfelder selbst kam freilich nie in den Genuss eines künstlichen Hüftgelenks, da er bereits im Alter von 35 Jahren verschied, wiewohl man ihm gewünscht hätte, er wäre mindestens 86 Jahre alt geworden und hätte dann sein damaliges Statement zur Gesundheitsreform noch einmal selbstkritisch überdacht. So viel sei nun an Gutem zur Genüge über den verblichenen Philipp Mißfelder gesagt. Bei der 47jährigen Bundesgesundheitsministerin Nina Warken kriegt man zwar weiterhin eine neue Hüfte, aber dafür muss man in Kauf nehmen, dass ihre Gesundheitsreform dazu führt, dass einem Patienten dann vielleicht nur noch eine Billig-Hüfte aus China implantiert wird, die schon nach drei Jahren auseinander bröckelt wie sonst nur minderwertiger China-Stahl beim Neubau der Leverkusener Rheinbrücke mit „verbeulten Blechen, fehlerhafte Schweißnähten, fehlendem Korrosionsschutz“, wie der Parlamentarische Untersuchungsausschuss im NRW-Landtag monierte. Hüftgelenke enthalten übrigens Titan- oder Kobalt-Chrom-Legierungen, die einen gewissen Altmetallwert haben. Aber nach einer Feuerbestattung werden Gelenkprothesen nicht an die Angehörigen ausgehändigt und beim Recycling wird deren Altmetall auch nicht dem Stahl zum Brückenbau beigemischt. Baustahl besteht nämlich nur aus Eisen, Mangan, Silizium, Kohlenstoff, Phosphor und Schwefel. Hoffentlich nehmen sie beim Neubau der Bonner Nordbrücke nicht schon wieder China-Stahl. Die neue Brücke dort soll übrigens schon „bis Ende 2028“ fertig sein. Klingt sehr ambitioniert. Denn in Leverkusen haben sie immerhin sieben Jahre dafür gebraucht.
Essen und Trinken mit Herrn Bär
Gazpacho Die kalte andalusische Gemüsesuppe ist ideal für heiße Sommertage. Im antiken Rom nahm man nur rohe Gurken und Knoblauch; erst im18. Jh. kamen auch rohe Tomaten und Gemüsepaprika hinzu. Alle diese Zutaten zerkleinert man mit etwas Weißbrot im Mixer zu einem Püree, abschmecken mit Salz, Pfeffer und Essig, dann im Kühlschrank kalt stellen.
Tomaten „Rheinauhafen“ Dass der Kölner Rheinauhafen früher mal ein Preußischer Seehafen war, dokumentiert dieses Rezept mit Tomatenscheiben und Stückchen von rotem Gemüsepaprika, die man mit Knoblauch in Olivenöl leicht andünstet und dann mit Krabbenpaste, die man mit Tomatenpaprikamark und etwas Sahne vermengt hat, Sardellen und Dill belegt und mit Salz sowie einem Tropfen von flüssigem Chili würzt.
Linsensalat „Eluard Fand“ Dieses Rezept ist dem rheinischen Kommunalpolitiker und Tierdompteur Eluard Fand gewidmet, der von seinen Anhängern „Ele Fand“ gerufen wurde. Man koche rote Linsen in Wasser mit Salz, gepresstem Knoblauch, Tomatenstücken und etwas Paprikapaste weich, gieße das Wasser ab und lasse die Linsen abkühlen. Dann vermenge man sie mit Krautsalat, kleinen roten Paprikastücken, Tomaten, Gurkenstücken, Oliven, Feta-Käse, Pfeffer, Tabasco, frischem Basilikum und falls in der Jahreszeit erhältlich auch frischem Bärlauch, sonst Bärlauchpesto.
Bild des Monats Juni 2026: Jürgen Raap, „Sambagewitter“, Acryl/Öl auf Leinwand, 2026
Bär aktuell – der einzige Blog, in welchem der Chefredakteur sich selbst interviewt.
Bär aktuell: Herr Bär, was bereitet in Ihrem Bild der Koch gerade zu?
Bär: Currywurst mit Fritten. Ävver dat is keine richtige Koch, sondern nur ein Küchenkraftgehilfendarsteller. Dä Wirt will för dä jo nur dä Mindestlohn ausjeben, un för so winnich Jeld stellt sich bei däm keine richtige Koch mehr an dä Herd.
Bär aktuell: Und warum verlässt die Frau rechts im Bild das Lokal?
Bär: 17,50 Euro für eine Portion Currywurst is dä zu teuer.
Bär aktuell: Sie üben mit diesem Bild also Kritik am Zustand der heutigen Gastronomie?
Bär: Jojo. Man kritt ja en nem Restaurant heute kaum noch frisches Jemüse vorjetzt, sondern nur noch Convenience Food. Dat sin Fertiggerichte, die mer nur noch opwärme muss. Och dä Kochimitator he im Bild, dä is zu faul un zo untalentiert öm richtig ze kochen. Dä mäht die Fritten nit mieh us richtige Kartoffeln, sondern us industriell zusammengepresstem Kartoffelpüree un frittiert die dann in ahlem Jetriebeöl vun dä Tankstell. Bei däm schmecke die Fritte dann wie ne ahle VW Golf, dä nit mieh durch dä TÜV jekomme is.
Bär aktuell: Herr Bär, da haben Sie uns wieder mal einen herrlichen Blödsinn erzählt.
Bär aktuell 361 – 22. Juni 2026
Es seien nur „wüste Spekulationen„, so hieß es aus dem Kanzleramt über Gedankenspiele, in eben jenem Kanzleramt den „empfindsamen Friedrich“ (das Magazin „Focus“ über Friedrich Merz) gegen den agilen Hendrik Wüst auszutauschen. Bei einem Fußballspiel wäre Merz wohl ein Stürmer, der fünf Mal neben das Tor geschossen und auch sonst die Bälle verdribbelt hat, und der dann vom Trainer ausgewechselt wird. Und wenn dann der Vereinsvorstand verkündet, er habe noch volles Vertrauen zu dem Trainer, kann man sicher sein: der Trainer steht auch kurz vor dem Rauswurf. Auf Treuebekundungen der „Parteifreunde“ Jens Spahn und Boris Rhein sollte Merz sich also lieber nicht verlassen. Die Schlagzeile: „Schickt die Union Merz in die Wüste?“ bleibt weiterhin aktuell. Aber was soll Merz dann dort machen, fragt sich Herr Bär. Sein Geld in besagter Wüste als Holzfäller verdienen, obwohl es dort gar keine Bäume gibt? Der selige Franz-Josef Strauß hatte immerhin einmal bekundet: „Was mich angeht, so würde ich lieber Ananas in Alaska züchten als Bundeskanzler sein.
Wer sich über das Milliardengrab „Stuttgart 21“ grämt, wo sie trotteligerweise 1.200 m Kabel falsch verlegt haben, kann sich damit trösten, dass auch Kölns Stadtväter sich wieder einmal ungerührt einen neuen Bauskandal leisten: eine U-Bahnstrecke entlang der Bonner Str. im Stadtteil Bayenthal wird mit 160 Mill. Euro doppelt so teuer wie ursprünglich kalkuliert und auch statt 2025 erst 2029 fertig. Sie kriegen es einfach nicht auf die Reihe: die Kostenkalkulation erfolgte schon 2015; die Vergabe an die Baufirmen seltsamerweise aber erst 2021 – in der Zwischenzeit war der Kostenplan mithin veraltet. Den notwendigen Schallschutz hatten die Planer schildbürgerhaft zunächst einfach vergessen und erst nach einer Klage nachträglich einkalkuliert. Herr Bär mutmaßt, wahrscheinlich würden sie im Kölner Amt für Brücken- und U-Bahnbau auch eine Sandburg am Strand von Sylt nicht rechtzeitig fertig kriegen und sich dann wundern, dass die Sandpreise inzwischen gestiegen sind, weil eine regelmäßig auftretende Flut, die man schlichtweg ignoriert hatte, den Sand weggeschwemmt hat und erst einmal für teures Geld neuer Sand heran gekarrt werden muss. Aber am Strand von Sylt wird solch ein Bauskandal sicherlich nicht passieren, weil dort keiner auf die Idee kommt, ausgerechnet Sandspezialisten im Kölner Hochbauamt um Amtshilfe zum Bau einer Sandburg zu bitten. P.S.: im Baustoffhandel kostet ein Kubikmeter „Basalt-Brechsand“ aktuell incl. MWST. 35,98 Euro. Für eine Sandburg kann man aber sicherlich auch den billigeren „Bettungssand“ für 27.99 Euro/Kubikmeter nehmen. Weniger empfehlenswert für solch ein Bauvorhaben ist hingegen der saubillige „lehm- und steinfreie Füllsand“ für nur 8,99 Euro pro Kubikmeter, aber damit zerbröselt die Sandburg zu schnell. Hoffentlich beherzigen sie im Kölner Hochbauamt bei künftigen Bauvorhaben die unterschiedlichen Sandqualitäten: das Billigste ist nämlich nicht immer das Beste.
Mer han et jo (wir haben es ja) tönte es aus dem Kölner Rathaus, wo man immer schon gerne Geldscheine aus dem Fenster wirft, weil Münzen auf dem Boden des Rathausvorplatzes zu sehr klimpern würden. Mit 1,4 Milliarden Euro ist die Sanierung der Bauskandal-Oper schon reichlich überteuert, und jetzt soll auch noch das Eröffnungsfest 1,2 Mill. Euro kosten in einer Stadt, die eigentlich so gut wie pleite ist, wie sie uns immer erzählen (weil sie nämlich das Geld schon aus dem Fenster geworfen haben, s.o.) Wofür brauchen die 1,2 Mill.? Für ein kölsches Buffet mit Metthäppchen, Halve Hahn „Blootwoosch, Kölsch un e lecker Mädche, dat bruch ene Kölsche öm jlöcklich ze sin,“ wie dann die Höhner zur Buffeteröffnung intonieren werden? Die kölsche Eingangsfloskel „Mer han et jo“ wird übrigens von Google Übersetzer als „Mehr ist er, ja“ übersetzt und von DeepL Übersetzer gar als „norwegisch“ erkannt und ebenfalls völlig falsch mit „Außerdem ist er ja“ wieder gegeben. Doch falls sie im Kreml die Telefonate im Kölner Rathaus abhören sollten, wie der Oberbürgermeister ein Festakt-Büffet für die Oper bestellt, bekommen sie als Übersetzung zu hören: «Кровяная колбаса, пиво Kölsch и очаровательная девушка — вот что нужно женщине из Кёльна для счастья». Die Rückübersetzung vom Russischen ins Deutsche bei Google Übersetzer lautet allerdings nicht ganz korrekt: „Blutwurst, Kölsch-Bier und ein charmantes Mädchen – das braucht eine Frau aus Köln, um glücklich zu sein.“ – „Mer han et jo“ heißt auf Russisch übrigens“ Ну, он же“ und rückübersetzt „Na ja, er ist doch“, was Herrn Bär frohlocken lässt, dass solche falschen KI-Übersetzungen den Russen nun doch nicht unbedingt präzise Informationen über den städtischen Finanzhaushalt in Köln liefern.
Essen und Trinken mit Herrn Bär
Pollo al ajillo Ein Klassiker der spanischen Küche. Man nimmt reichlich ganze Knoblauchzehen, schneidet se an einer Seite ein und lässt sie in Olivenöl andünsten. Dann brät man darin Hähnchenbruststücke und kleine Hähnchenkeulen an, salzen, pfeffern und einen Spritzer Zitrone hinzufügen, etwas Thymian sowie reichlich Petersilie.
Jürgen Raap, Der afrikanische Engel II, Acryl/Öl auf Leinwand, 2026
Bär aktuell – der einzige Blog, in welchem der Chefredakteur sich selbst interviewt.
Bär aktuell: Herr Bär, Ihr Bild heißt „Der afrikanische Engel“, aber Sie haben eine Stadtansicht von Königswinter gemalt. Von Königswinter ist dort aber nichts zu sehen.
Bär: Jojo. Dat Bild gibt ja nur dat Siebenjebirge wieder, wie et da im Zeitalter des Holozän usjesin hätt. Man sieht ja deutlich, dat do im Hintergrund sieben Berge sin. Damals war dat Stadtjebiet von Königswinter gerade erst zum Bauerwartungsland erklärt worden.
Bär aktuell: Und was ist mit dem afrikanischen Engel?
Bär aktuell: Dat ist dä Herr Schmitz. Dä wollte zum Winterurlaub an einen Ort, wo auch die Könige ihren Winter verbringen. Im Holozän war da aber im Siebenjebirge noch nix, keine Rodelbahn un och söns nix, wie man an däm Bild sieht. Da is dä Erzengel Schmitz widder zurück nach Afrika un erst im nächsten Zeitalter des Pleistozän widder jekomme. Ävver da war do immer noch nix, weil dat Planfeststellungsverfahren noch nit avjeschlossen war. Denn im Bauaufsichtsamt waren se alle wochenlang krank jemeldet, da is do nix passiert. Da musste dä Erzengel Herr Schmitz in freiem Jelände em Zelt üvvernachten un hätt dat Lied jesungen: Do laachste dich kapott, dat nennt mer Camping, wenn im Zelte Mücke un de Hummele doch verjücke, un Du kannst dan nit eraus em Rähn, also im Regen. Un im Pliozän han se do am Drachenfels ne Drachen entdeckt und dä als seltene Tierart, die vom Aussterben bedroht wor, unger Artenschutz jestellt. Deswejen hat sich die Bauvoranfrage für Königswinter noch bis ins Zeitalter des Miozän hinausjezögert.
Bär aktuell: Aber es heißt doch, der Nibelungen-Siegfried hätte den Drachen getötet?
Bär: Jojo, und dann han alle jedacht, jetzt wo dö Drachen dud is, jeht dat endlich mit der Baujenehmigung für Königswinter los. Ävver dat hätt sich noch bis ins Anthropozän hinjetrocke. Da musste nämlich erst noch ein statisches Gutachten für die Drachenhöhle erstellt werden, die se unger Denkmalschutz jestellt han. Un dann jab et für die Drachenhöhle noch strenge Auflagen för dä Brandschutz un för energetische Sanierung. Deswejen hätt dat alles so lange jedauert, bis die Stadt Königswinter endlich bezugsfertig war.
Bär aktuell: Und was ist aus dem afrikanischen Erzengel Herr Schmitz geworden?
Bär: Dä mäht jetzt Winterurlaub in China. Do han se paar Goldmünzen en dä Jangtsekiang-Fluss jeschmissen un behauptet, dat wär dat Rheinjold vun denne Nibelungen, un innerhalb von drei Wochen han se am Fuße von sieben Bergen eine komplette Stadt namens 科尼希斯溫特 jebaut. Üvversetzt heißt dat „Königswinter“. Da jibt et sojar ne Eiskanal zum Bobfahren, ne Schlittschuhverleih, üvverall Schneekanonen un rund um die Uhr ne Skilift rauf zum chinesischen Drachenfels und oben om Berg ´ne Skihütte im österreichischen Alm-Stil für Aprés Ski-Parties mit einem phantastischen Blick auf den Nachbarort 巴德·希翁內夫 : Üvversetzt heißt dieser Ort Bad Honnef.
Bär aktuell: Herr Bär, da haben Sie uns ja wieder einen herrlichen Blödsinn erzählt!
Mehr baer aktuell unter http://blogkarljosefbaer.kallnbach.de/
Veganer-Witz zum Mitdenken Fragt ein Veganer im Café: „Haben Sie auch Hafermilch?“ – Darauf der Kellner: „Nein, bei uns weiß auch keiner, wie man Hafer melkt.“
Oh Zeiten, oh Sitten Warum darf man in Frankreich Gabeln nicht mit den Zinken nach oben hinlegen? Früher waren auf der Rückseite der Griffe Wappen angebracht, die sichtbar sein sollten, aber darum kümmert sich in den heutigen Zeiten von Fingerfood, matschigen Papptellern und schnöden Plastikgabeln keiner mehr. Stil, Sitte und Anstand seien auch bei der FDP verloren gegangen, beklagte sich kürzlich die CDU, seit nämlich Wolfgang Kubicki, die „letzte Patrone“ der götterdämmernden Liberalen, den CDU-Vorsitzenden Friedrich Merz als „Eierarsch“ schmähte und damit den Eindruck erweckte, die FDP habe sich von der einstigen großbürgerlichen Honoratiorenpartei, in der es zu den Zeiten des öligen Vorsitzenden Erich Mende immer ziemlich Etepetete zuging, zu einem Rabaukenverein gewandelt. Nicht jedem ist es vergönnt, in Würde zu altern, möchte Herr Bär da dem verbalen Raufbold Kubicki zurufen, wiewohl dieser nach wie vor einen großen Unterhaltungswert hat, anders als die glücklose Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche, die es sich laut „Der Spiegel“ gefallen lassen muss, innerhalb der CDU lediglich als ein „Maskottchen der Marktwirtschaft“ zu gelten.
Bär invest Jetzt auch Geldanlagetipps in „bär aktuell“. Hohe Inflationsraten beflügeln eine Flucht in Sachwerte. Angesichts der aktuell hohen Benzinpreise ist aber davon abzuraten, seinen Sparstrumpf in gefüllten Benzinkanistern anzulegen und sich diese in die Garage zu stellen, es sei denn, man ist doof genug für so etwas. Gemälde hingegen stellen einen bleibenden Wert dar, und die Werke eines gewissen Herrn Bär sind in dieser Hinsicht besonders empfehlenswert. Und wenn Sie zum Rauchen nach draußen gehen: Zünden Sie Ihre Zigarette nicht in der Garage an.
Wie man als Partei negative Schlagzeilen produziert und damit fulminant das Ansehen eben dieser Partei bei den Wählern weiterhin ramponiert, bewiesen unlängst völlig unbefangen die Berliner Jusos, als sie beantragten, auf einem Parteitag demnächst die Abschaffung der Zivilehe zu beschließen und sie stattdessen durch eine „Verantwortungsgemeinschaft“ zu ersetzen. Dass der SPD-Nachwuchs sich dabei in ideologischer Verblendung mit der Parole „Nieder mit dem Patriarchat, auch wenn es sich romantisch anfühlt“ intellektuell gehörig vergaloppierte, führte zu harscher Kritik aus allen möglichen politischen Richtungen. „focus.de“ beurteilte die sozialdemokratischen Ehemuffel als „lebensfremd“. Der liberale „Tagesspiegel“ hält den Juso-Antrag für typische „Berliner Denkluft“, und selbst das Internetportal queer.de mahnte: „Seit 1. Oktober 2017 können in Deutschland auch lesbische und schwule Paare heiraten. Die Ehe für alle war eines der wichtigsten Ziele der LGBTI-Bewegung.“ Das hört sich ein bisschen so an, als ob selbst für manche Queere das Juso-Ansinnen zu woke ist, und das will schon etwas heißen. Nun wird ja niemand zur Heirat gezwungen, und für die „Stern“-Kolumnistin Nena Brockhaus scheint aber genauso das für die Jusos ein Problem zu sein, nämlich „dass Menschen sich freiwillig für etwas entscheiden, das nicht in ihr ideologisches Raster passt. Die Jusos argumentieren mit Freiheit, mit Gleichheit, mit neuen Lebensformen. Am Ende läuft es auf etwas anderes hinaus: Vereinheitlichung. Alles soll gleichbehandelt werden. Alles gleich heißen. Willkommen in der DDR 2.0. Wobei selbst in der DDR die Ehe existierte…“ Bliebe noch nachzutragen, dass die Behauptung der unverbesserlichen Bärbel Bas (SPD), es gäbe bei uns „keine Zuwanderung in die Sozialsysteme“, laut „Spiegel“ „selbst in den eigenen Reihen“ Unmut auslöste, so beim SPD-Bundestagsabgeordneten Joe Weingarten: „»Das ist eine völlig weltfremde Einschätzung. Mit der steht sie auch in der SPD weitgehend alleine: Jeder verantwortliche Kommunalpolitiker könnte ihr aus seiner Stadt genügend Beispiele geben, die das Gegenteil belegen.« Manch einer mag nun bedauern, dass die SPD mit einem starken Handicap in die anstehenden Wahlkämpfe geht, solange die Berliner Jusos und Bärbel Bas weiterhin die Schlagzeilen beherrschen.
Wenn es gilt, neu aufkommende Unsitten in unserer Zeit zu geißeln, dann gilt dies gewiss für die timeslot-Manie von Gastronomen und Museumsmanagern. „timeslot“ heißt „Zeitfenster“. Manche Wirte bilden sich ein, einen Tisch mindestens dreimal am Abend mit neuen Gästen belegen zu müssen und reservieren daher diese Tische für jeden Gast nur noch für maximal anderthalb oder zwei Stunden, und dann wird man gnadenlos hinauskomplimentiert, auch wenn man noch bei halbvollem Teller an einem zähen Stück Entrecote herumkaut, und dies eben in völliger Verkennung der Tatsache, dass ein gemeinsamer Restaurantbesuch, ein Arbeitsessen oder ein Geburtstagsbankett eben auch gemütliches geselliges oder trautes Beisammensein bedeutet, was sich dann auch schon mal über den ganzen Abend erstrecken kann und nicht etwa nur ein hastiges Abfüttern im Kantinentempo sein soll. Zu recht bemäkelt daher in der Wiener Zeitung „Der Standard“ die Journalistin Anne Feldkamp diese „timeslot“-Unsitte als „zu hektisch“, wenn „am Abend ein Dreigangmenü mit Weinbegleitung in zwei Stunden verschlungen werden soll. Was in Burger- und Pizzalokalen funktionieren kann, fühlt sich an Orten, wo viel Geld fürs Essen hingelegt wird, falsch an.“ Müßige Bildbetrachtung ist leider auch in einem Museum nicht mehr möglich, wenn man dort nur zwei Stunden Zeit hat, eine Sonderausstellung mit 200 Werken zu betrachten und dann von rüden Wärtern im Kasernenhofton von Rembrandts „Nachtwache“ weggescheucht wird. So ist auch für Herrn Bär derlei Frevel zur Selbstoptimierung von Wirten und Kulturmanagern keineswegs „ein mächtiges Instrument für Effizienz, Struktur und ein besseres Kundenerlebnis“, wie uns das Portal „meetergo.com“ einreden will, sondern einfach nur banausenhafter Dirigismus.
Essen und Trinken mit Herrn Bär
Taiwan-Küche Ein Land wie China, das sich von seiner Nordgrenze zu Sibirien (breitengradmäßig etwa auf der Höhe von Schleswig-Holstein) bis zur Südgrenze zu Vietnam (kartografisch auf der Höhe von Südägypten) erstreckt, weist eine Vielfalt von Regionalküchen in Szechuan, Kanton, Shanghai, Peking oder Hongkong auf. Mehr als anderswo ist die Küchentradition von Taiwan auch durch japanische und austronesische Einflüsse oder jene der einheimischen Han-Ethnien bestimmt. Unter dem Einfluss des Buddhismus wurde Rindfleisch früher auf Taiwan eher gemieden; stattdessen bilden Schwein, Huhn und Fisch die kulinarische Basis. Dabei sind Knoblauch und Ingwer Hauptgewürze. Fischfilets, Jakobsmuscheln oder Garnelen ohne Schalen mariniert Herr Bär in japanischem Reisessig Mirin, brät sie dann zusammen mit Lauchzwiebeln an, gibt ein Gemisch aus Knoblauch, geriebenem Ingwer und Chili (wahlweise auch Sambal-Oelekpaste) hinzu, lässt das Ganze bei Fisch etwas länger, bei Krustentieren und Muscheln kürzer ziehen, und reicht dies abgeschmeckt mit Sojasauce zusammen mit Reis und Sojabohnengemüse.
Fabada asturiana
In Asturien in Nordwest-Spanien herrscht eher ein Klima wie in Irland; entsprechend deftig ist dort auch die Regionalküche. Für den Bohneneintopf Fabada nimmt man frischen Speck, den man in Olivenöl anbrät, dann lässt man Zwiebeln, Tomaten und Knoblauch mit andünsten, dann kommen weiße Bohnen, Wasser und Gemüsebrühe hinzu. Das Ganze mit Salz, Pfeffer, Paprikapulver, Safran, etwas frischem Thymian und einem Lorbeerblatt würzen und eine bis anderthalb Std. köcheln lassen, dann Chorizo-Wurst, Morcilla-Blutwurst oder eine andere harte Blutwurstsorte 10 Min. mitdünsten lassen.
Gebackenes Arabisches Fladenbrot „Damaskus-Träume“ á la Karl-Josef Bär
Ein Rezept von Herrn Bär: Backofen auf 220 Grad vorheizen, arabisches Fladenbrot (oder andere dünnscheibige orientalische Brotsorte) mit Tomatensauce einreiben. Garnieren mit gerösteten Kichererbsen, Lauchzwiebeln, Knoblauch, klein gschnittenen Tomaten, kleinen Stücken von rotem Gemüsepaprika, Gurkenstücken, Feta-Käse, würzen mit Salz, Pfeffer, Chili-Sauce, Rosmarin und Oregano. Im Backofen ca. 15 bis 20 Min. erhitzen.
Bild des Monats April 2026: Jürgen Raap, „Die Wiederholung der Geschichte“, Öl/Acryl auf Leinwand, 2026
Bär aktuell 359 – 3. April 2026
O-O-Olympia sang das Kölner Eilemann-Trio 1972, und der Titel auf der Rückseite dieser Single-Schallplatte lautete „Mir ist alles egal“. Bei der anstehenden Volksabstimmung, ob Olympische Spiele (auch) in Köln stattfinden sollen, plädiert Herr Bär für ein harsches „Nein“. Denn eine Stadt, die pleite ist, die kürzlich sogar eine Haushaltssperre verhängte und für 2026 den Hebesatz für die Grundsteuer drastisch anhob, dies zum Verdruss von Vermietern wie Mietern, will eine Olympiade ausrichten? Mit welchem Geld denn ? „Erneut rücken Olympische Spiele in den Fokus von Korruptionsermittlungen“, schrieb die „Süddeutsche Zeitung“ über eine „Razzia bei den Olympischen Winterspielen 2026“. Kein Einzelfall in der Olympiageschichte, denn „rund um die Sommerspiele 2016 in Rio enttarnte die brasilianische Justiz ein gewaltiges Schmiergeldsystem, das zum Stimmenkauf bei der Vergabe genutzt worden war…“ Wie kann man mithin verhindern, dass zur Bewerbung Steuergelder wieder mal zu großem Teil in den Taschen raffgieriger Sportfunktionäre versickern? Ein temporäres Leichtathletikstadion soll ausgerechnet im Stadtteil Kreuzfeld entstehen, den es ja noch gar nicht gibt, weil er selber erst noch auf einem Brachgelände errichtet werden muss. Angesichts zahlreicher Bauskandale in der jüngsten Vergangenheit Kölns fragt sich Herr Bär: Kriegen die das überhaupt rechtzeitig hin? Immerhin haben sie 14 Jahre gebraucht, um das Kölner Opernhaus zu sanieren, der Bau einer 3,5 km langen Nord-Süd-U-Bahn dauert fast 20 Jahre, und die Fertigstellung eines Jüdischen Museums am Rathaus verzögert sich derzeit erneut bis 2028/29. Auch das sanierungsbedürftige Wallraf-Richartz-Museum bleibt langer geschlossen als zunächst angedacht. Die Opernsanierung war ursprünglich mit 253 Mio. Euro kalkuliert, und jetzt soll sie satte 1,5 Milliarden kosten. Würden die städtischen Bauherren wenigstens beim Bau des Leichtathletikstadions und des Olympischen Dorfes den Kostenplan einhalten können? Herr Bär bezweifelt das allenthalben. Und wie kommt man überhaupt nach Kreuzfeld, denn das liegt ja recht abgelegen immerhin ca. 11 km vom Kölner Dom entfernt? Hoffentlich nicht nur mit dem Lastenfahrrad, denn Köln hat ja einen ideologisch höchst einseitig orientierten grünen Verkehrsdezernenten, der in dieser Stadt mit seinen bizarren Verkehrsversuchen schon für allerlei Unmut gesorgt hat und bei dem man befürchten muss, wenn in Kreuzfeld der 100 m-Lauf angepfiffen wird, stehen die Zuschauer mit ihren Lastenfahrrädern noch auf dem Radweg in Longerich im Stau. Also lasst es mit der Olympiabewerbung lieber bleiben. Schon der kölsche Populärphilosoph Wilfried Junggeburth mahnte zur Bescheidenheit: „Wenn de janz oben bist, dann kannste ja nix mehr jewinnen!“
Der Kabarettist Dieter Nuhr war neulich in Malaysia. Das ist ein schönes Land, stellte er fest. Niemand dort kennt Bärbel Bas.
Deutsche Unsinnspoesie neu aufgelegt, heute: der gelungene Einzeiler:
Öz de mir, öz ich dir.
Russische Unsinnspoesie knapp formuliert
Wladi mir, Wlad ich dir.
In unseren unseligen Zeiten, in denen sich das Wutbürgertum in den sozialen Medien verbal enthemmt austobt, klingt es geradezu niedlich, dass Helmut Markwort im Magazin „Focus“ unseren Bundespräsidenten Steinmeier als „Amateurphilosophen“ apostrophierte und dieser ansonsten im Satireblatt „Titanic“ als „Bundesuhu“ firmiert. „Wer wird die Nachfolge von Bundesuhu Frank-Walter Steinmeier antreten? Sicher ist: eine Frau!“ orakelte die „Titanic“ kürzlich und schlägt u.a. Heidi Klum vor. „Der Uhu hat einen kräftigen Körperbau, eine markante Gefiederfärbung und lange Federohren… Am Brutplatz ist das typische, dumpfe ´u-uuooh´ zu vernehmen, dem der Uhu seinen Namen verdankt“, lässt uns der Naturschutzbund „nabu“ wissen. Wie Steinmeier auf derlei wenig respektvolle Etikettierung als Vertreter einer Eulenart reagiert, ist nicht bekannt. Eher dünnhäutig haben jedenfalls Robert Habeck gegen ihre Titulierung seitens des rabiaten Wutbürgertums als „Schwachkopf“ und Friedrich Merz gar als „drecks Suffkopf“ oder „Pinocchio“ unter Anrufung der Justiz protestiert, und Merz verbat sich sogar, von Olaf Scholz „Fritze Merz“ genannt zu werden. Franz-Josef Strauß (CSU) hingegen verzichtete seinerseits auf eine Beleidigungsklage, als Herbert Wehner (SPD) ihn 1975 im Bundestag als „geistigen Terroristen“ beschimpfte. Wehner verhöhnte damals auch den CDU-Abgeordneten Jürgen Wohlrabe als „Übelkrähe“, den CSU-Politiker Friedrich Zimmermann als „Frühstücksverleumder“ und die gesamte Unionsfraktion gar als „nihilistischen Pöbelhaufen“; und so brachte er es mit solchen Verbalattacken im Parlament schließlich auf 58 Ordnungsrufe in 34 Jahren. Das ist bis heute ein Rekord. Die Grünen-Abgeordnete Kristin Heyne war für Peter Ramsauer (CSU) ein „freches Luder“, und die SPD-Abgeordnete Anke Martiny musste sich von Michael Glos (CSU) sagen lassen: „Sie sehen besser aus, als Sie reden“. Die politische Bühne war also auch früher kein klösterliches Mädchenpensionat, und sie ist heute erst nichts für zarte Gemüter, was man bedauern mag. Bei TV-Übertragungen von Bundestagssitzungen blenden sie aber noch keine Triggerwarnungen ein, wie sonst zum Vorspann von Spielfilmen, wo es heißt, in dem Streifen kämen „Rauchen, Alkoholkonsum, Gewalt, sexuelle Inhalte und Schimpfwörter“ vor. Neulich schaltete Herr Bär solch einen Film erwartungsfroh ein und wurde enttäuscht: es fiel in 90 Minuten Abspieldauer nämlich nur ein einziges Mal das Wort „Arschloch“, und in diesem Fall war solch eine Triggerwarnung gewiss übertrieben, wie wohl in manch anderen Fällen auch.
Wenn Jens Jessen in der „ZEIT“ Donald Trump als „Parodie eines Sonnenkönigs“ und „ersten Höfling seiner selbst“ beschreibt, dann erinnert dies Herrn Bär zugleich an die Figur des König Ubu bzw. Père Ubu in Alfred Jarrys Theaterstück „Ubu Roi“, eine Figur, die auf surrealistische Weise alles Groteske in dieser Welt verkörpert, und in der Tat glaubt man kaum, dass je ein Literat oder Drehbuchautor sich solch eine Figur wie Trump hätte ausdenken können. Bei Jarry ist der Père Ubu vulgär, faul, feist, feige, heimtückisch, bösartig, machtbesessen und nur auf persönliche Bereicherung aus. Das Groteske ist das Verzerrte und Absonderliche, es paart sich oft mit dem Lächerlichen. Hier: Trumps Frisur oder sein Ansinnen im vergangenen Sommer, sich selbst einen Pokal verleihen bzw. den FIFA-Pokal einfach behalten zu wollen, während der Turniersieger FC Chelsea deswegen nur eine Kopie bekommen sollte. Wenn in Jessens Essy von „Devotokraten“ die Rede ist, dann kann man den FIFA-Präsidenten Gianno Infantino als Inbegriff solch einer devoten Hofschranze charakterisieren – wir werden bei der jetzt anstehenden Fußballweltmeisterschaft mit den beiden, Trump und Infantino, wohl noch so einiges an grotesken Auswüchsen erleben. Für die „BILD“-Zeitung war damals Saddam Hussein „Der Irre von Bagdad“. Seltsamerweise hat die um burleske Formulierungen nie verlegene „BILD“ Donald Trump bislang noch nicht als den „Irren von Washington“ genannt. Vielleicht ist der showbusinesserfahrene Trump wirklich nur ein Irrendarsteller mit glaubwürdiger schauspielerischer Leistung.
Gelungene und weniger gelungene Presse-Prosa „Der Spiegel“ wusste neulich zu berichten, dass der Ex-Politiker und heutige Lobbyist Kevin Kühnert in einem „rumpeligen“ Berliner „Altbaubüro“ inmitten von „gewaltigen Topfpflanzen“ haust, was wohl etwas über Kevin Kühnert aussagen soll, der Leser in diesem Satz freilich mehr über die Topfpflanzen erfährt als über Kühnerts aktuelles Wirken. Zu Wort kommen durfte in dem Hamburger Intelligenzblatt auch eine 27jährige Lifestyle-Journalistin, die der Welt überflüssigerweise mitteilte, bei „Starbucks“ schmecke der Kaffee „furchtbar“, aber die Tassen ließen sich gut mit der Hand anfassen. Während die Formulierung, Donald Trump habe eine „Reizbarkeitsschwelle wie ein Pitbull auf Schlafentzug“ noch als prosaisch gelungen gelten mag, verzichtet bei der medialen Demontage des glücklosen Bundeskanzlers kaum jemand auf den abgenudelten Kalauer, „Merz“ reime sich auf „Scherz“. Gleichwohl ist die „Spiegel“-Behauptung, die Bundes-Grünen befänden sich auf der Suche nach der „Özdemir“-Formel, nicht sehr metaphernsicher. Denn die Frage bleibt hier letztlich offen, ob von dem Mathematiker Cem Özdemir nun mit dem „Lehrsatz des Özdemir“ jener des Pythagoras vom Kopf auf die Füße gestellt wird oder ob besagter Özdemir als Wiedergeburt von Max Planck mit einer Formel zur Austrittsarbeit von Elektronen aus Oberflächen die Quantenphysik revolutioniert hat. Aber vielleicht will man das bei den Bundesgrünen gar nicht so genau wissen. Gut gelungen ist hingegen die süffisante „Spiegel“-Formulierung, Greta Thunberg sei zu einer „Butterfahrtenunternehmerin für progressive Anliegen“ mutiert. Eine Butterfahrt mit dem Segelbötchen an den Persischen Golf hat Greta Thunberg bislang allerdings vermieden.
Der ganz normale Wahnsinn Angesichts des anhaltenden medialen Hypes um den in der Wismarer Bucht gestrandeten Buckelwal „Timmy“, der es Abend für Abend in die „tagesschau“ schaffte und zwischendurch „BILD“ zu der bangen Frage veranlasste, „Stupsen sie den Wal noch mal an?“, sei darauf hingewiesen, dass laut „Wikipedia“ Walfleisch bei den Inuit in Alaska auch heute noch 60 Prozent ihrer Nahrung ausmacht, während unterdessen die Website https://www.watson.de/nachhaltigkeit/klima-umwelt/701671493-wal-in-der-ostsee-was-passiert-mit-dem-fleisch-und-den-ueberresten-von-timmy zu der Frage „ Was passiert mit den Überresten von Timmy?“ darauf hinwies, dass „der Besitz von Walfleisch sowie der Handel damit in Deutschland strengstens verboten ist.“ Die Website „food for love“ informiert trotzdem über die Geschmacksnuancen: „Allgemein wird Walfleisch oft beschrieben als mild, aber aromatisch, mit einer deutlichen maritimen Note, die an Meerwasser oder Seetang erinnern kann.“ Um hingegen eine Currywurst essen zu dürfen, muss man nicht bis nach Alaska reisen, da sie in manchen unserer hiesigen Kantinen nur am „Veggie Day“ tabuisiert und von einem Kölner Gastronom, der die Rechtschreibung auf seiner Speisetafel nicht durch Künstliche Intelligenz korrigieren lässt, beharrlich als „Currywurtz“ geschrieben wird. 1920 verhandelte übrigens das Reichsgericht die Klage eines Fischhändlers, der 1916 Walfleisch bestellte hatte, aber stattdessen aus Norwegen Haifischfleisch geliefert bekam. Walfleisch war damals erlaubt, für Haifisch gab es im Ersten Weltkrieg jedoch kriegsbedingt wirtschaftliche Einfuhrbeschränkungen. In Deutschland kommen geräucherte Bauchlappen des Dornhais übrigens als „Schillerlocken“ auf den Markt.
Während der Wal „Timmy“ in der Ostsee dahinsiechte, kündigte Wolfgang Kubicki ausgerechnet an Ostern seine Kandidatur für den FDP-Vorsitz an mit der Begründung: „Es geht jetzt um eine Wiederbelebung der FDP. Symbolisch gesprochen: Heute ist Ostermontag, der Tag der Auferstehung.“ Er nehme aber nicht die Rolle des Erlösers, sondern des Verkünders ein. Zudem lässt Kubicki alle diejenigen, die ihn bislang eher für einen politischen Hallodri hielten, via Berliner „Tagesspiegel“ wissen: „Inzwischen bin ich sittlich und moralisch gefestigter.“ Na dann.
Essen und Trinken mit Herrn Bär
Haifischflossensuppe „Wolfgang Kubicki“
Haifischflossensuppe ist als Festtagssuppe auch heute noch in China populär, wegen der Original-Zutaten jedoch auch dort extrem teuer. Der Verzehr gilt heute freilich als problematisch, weil das Fleisch von Haien oft einen hohen Quecksilbergehalt aufweist. Haifischflossen muss man vorher lange einweichen. Man kann sie für die Suppe aber auch durch Garnelen und Jakobsmuscheln oder durch andere Fischstücke ersetzen. Man kocht Hühnerbrühe zusammen mit Ingwer auf, gibt die Fischteile mit hinein und lässt das Ganze längere Zeit köcheln. Dann fügt man Sojasauce, Sesamöl, Sezchuan-Pfeffer, Zitronengras, Thai-Basilikum, frische Lauchzwiebeln und frischen Koriander hinzu. Beim Originalrezept nimmt man Maisstärke zum Eindicken.
Essen und Trinken mit Herrn Bär
Dreierlei Salatvariationen „Die Triaden des März“ (hier diesmal im April) In den Mangeljahren nach dem 2. Weltkrieg sammelte man in Köln in den Trümmerbrachen Löwenzahn für Salat (kölsch: Kätteschloot). Essbar ist Löwenzahn nur im März/April, denn wenn die Pflanze erst mal blüht, schmecken die Blätter bitter. Optisch ähnlich, aber botanisch nicht verwandt mit dem Löwenzahn (Taraxacum officinale) ist die Rauke (Eruca Sativa, italienisch Rucula). Herr Bär richtet bei diesem Rezept eine seinder drei Salatvariationen einmal mit Rucula, gekochtem Ei und Guacamole-Avokadomus an (letzteres ist als Supermarkt-Ware oft vorgesalzen, daher den Salat nur pfeffern), dazu Dill und Schnittlauch, bei der anderen Variation mit Öl, Essig, Senf, Tomate und Gorgonzola-Käse, dazu drittens separat Weißkohlsalat mit Öl, Essig, rotem Paprika und einem Spritzer scharfer Paprikapaste.
Pot au feu ist ein Eintopf aus der französischen Landküche mit Rindfleisch, manchmal auch mit Speck, Lamm, Huhn oder Fisch, Rinder- oder Gemüsebrühe und diversen Gemüsesorten, auch mit Pilzen oder Trüffeln. Die klassische Zubereitung besteht aus Kochen, Auskühlen, Durchsieben und erneutem Erhitzen der Zutaten. Würzen mit Salz, Pfeffer, Küchenkräutern, Knoblauch. Alle Zutaten werden in der Brühe gekocht. Diese serviert man dann traditionellerweise mit Brotcroutons und Käse; das Fleisch wird in einem eigenen Gang anschließend mit separat gekochten Kartoffeln serviert.
Rote Linsen à la Karl-Josef Bär
Rote Linsen haben eine leuchtend rote Farbe, die beim Kochen in einen gelblichen Ton übergeht. Sie sind reich an Proteinen und Ballaststoffen. Man weicht sie vorher ca. 30 Min. ein und kocht sie dann in Gemüsebrühe, angereichert mit gedünsteten Zwiebeln, Möhrenstücken, Tomaten, Tomatenpüree, rotem und grünem Gemüsepaprika (kein oder nur wenig Salz, da die Gemüsebrühe oft schon vorgesalzen ist), rotem Curry, etwas Flüssig-Chili, viel Knoblauch und Steinpilz-Trüffel-Paste.
Wachtelkeulen „Junkersdorf“ Wachtelkeulen 24 Std. lang in Olivenöl, Pfefferkörnern und mediterranen Kräutern (Rosmarin, Thymian, Salbei) marinieren. In reichlich Öl in einer Pfanne zusammen mit Zwiebeln und Knoblauch braten, bei bedarf auch noch dünne Schweiben vin schwarzen Trüffeln zugeben. Dazu Paprikagemüse.
Bild des Monats März 2026: Jürgen Raap, „Die Ignoranten der Weisheit“, 2026
Bild des Monats März 2026: Jürgen Raap, „Die Ignoranten der Weisheit“, 2026
Bär aktuell – der einzige Blog, in welchem der Chefredakteur sich selbst interviewt.
Bär aktuell: „Herr Bär, wieso tragen die drei dressierten Elefanten Masken?“
Bär: „Tierdressuren sind ja heute verpönt. Deswegen hätt dä Dompteur denne Elefanten Masken aufjesetzt, damit keiner merkt, dat dat Elefanten sind. Ävver ich han dä Dompteur entlarvt. Dat nennt man investigative Malerei.“
Bär aktuell: „Und das funktioniert aber sonst mit den Masken?“
Bär: „Enä. Neulich war dä Dompteur mit dä Elefanten in enem Porzellanladen und der Ladenbesitzer fragte: Wat sind dat für maskierte Tiere? Antwortet dä Dompteur: Ehr brucht kein Angst ze han. Dat sind Pinguine. Die machen he nix kapott. Ävver nach einer Veedelstund säht dä Ladenbesitzer för da Dompteur: Von wejen nix kapott! Ihre Pinguine benehmen sich he bei mir wie Elefanten in enem Porzellanladen.
Bär aktuell: Herr Bär, da haben Sie uns ja wieder mal einen herrlichen Blödsinn erzählt.
Dass das römisch-katholische Erzbistum Köln, einst nach jener in Chicago die zweitreichste Erzdiözese der Welt, heute finanziell so klamm ist, dass zu wenig Geld für den Erhalt des Doms da ist, möchte man kaum glauben. Rund 14 Mill. Euro kostet der Unterhalt des Kölner Doms jährlich, davon schießt die Kardinal Woelki-Diözese 1,6 Mill. Euro für den Bauerhalt und 1 MIll. für den sonstigen Unterhalt zu. Das reicht aber nicht mehr, und daher soll ab Juli 2026 ein Eintrittsgeld für Touristen erhoben werden; Gottesdienstbesuche und Beten ist freilich weiterhin gratis. Der Schriftsteller Günter Wallraff vertraute dem Boulevardblatt „Express“ an, „Ich gehe manchmal spontan in den Dom, um innezuhalten,“ aber er würde zu einem der Domschweizer an der Eingangspforte niemals sagen: „Ich will beten, darf ich umsonst rein?“ Andere sind da vielleicht kniesbüggeliger, werfen nichts in den Opferstock, marschieren kaugummischmatzend an den Fenstern mit der herrlichen Glasmalerei vorbei und spucken dann den Kaugummi auf den historischen Sandstein- und Mosaikboden, sehr zum Verdruss des Reinigungspersonals, das mit seinen Scheuersaugmaschinen derlei touristische Hinterlassenschaften nur mühsam wieder entfernen kann. Als der amerikanische Dichter Charles Bukowski in den 1980er Jahren Köln besuchte und der Redakteur einer lokalen Stadtzeitung ihn interviewte, wie ihm Köln gefallen habe, mokierte sich Bukowski über die touristischen Unsitten: „Im Kölner Dom stank´s nach Pisse!“ Vierzig Jahre später ist gutes Benehmen bei manchen Kathedralenbesuchern immer noch Glückssache, wenn sie in der Marienkapelle vor dem Altar der Stadtpatrone ihre Selfiesticks so dichtgedrängt in die Höhe halten, dass für die anderen Betrachter vom Altar nichts zu sehen ist, allenfalls ein verwackeltes Foto anschließend auf „Facebook“, wo die hemmungslosen Selfiestick-Besitzer das Motiv „Ich und die Heilige Ursula“ in den Orkus pusten und posten. Ob für solche Social Media-Kraate (Kraat = rheinisch für ungehobelter Mensch) die Einführung eines Obolus eine abschreckende Wirkung hat, bezweifelt Herr Bär allerdings.
Fotos von der Vernissage Yayoi Kusama-Ausstellung, 13. März 2026, Museum Ludwig Köln, Copyright Raap/Bär 2026
Baer aktuell no. 358 – 22. März 2026
Als jüngst der britische Premierminister Keir Starmer in China weilte, offenbarte ihm dort Xi Ping, Staatspräsident und „Überragender Führer“ (chinesisch Zuìgāo Lǐngdǎorén) im Land des Lächelns, wie China in einer Franz Léhar-Operette heißt, er sei Fan der englischen Fußballclubs Manchester City, Manchester United, Arsenal London und Crystal Palace London, während hingegen beim Besuch von Fritze Merz der China-Boss kein Wort über die Sauerlandclubs FC Olpe, SV Blau-Weiß Hillmicke und Rot-Weiß Hünsborn verlor. Nun darf der SV Arnsberg 09 aus Fritze Merzens Heimatort im Hochsauerland nicht mit dem FC Arnsberg im bayerischen Altmühltal verwechselt werden, wobei sich die Bedeutung dieses FC Arnsberg für die Weltgeltung des deutschen Fußballs keineswegs nur in der lapidaren Meldung „Die Sanierung der WC-Anlagen in der Sportgaststätte und der Tribünenbau wurden vor allem durch die wieder sehr einsatzfreudige Rentnergruppe gestemmt“ erschöpft. Denn das oberbayerische Arnsberg ist jetzt immerhin frei von maroden Stadiontoiletten und den sonst üblichen typisch deutschen Bauskandalen, dank der beherzt anpackenden Arnsberger Rentner, die eben nicht der Work-Life-Balance frönen, und die daher von XI Ping und Fritze Merz die Verleihung des Titels „Helden der Arbeit“ verdient hätten und als Sinnbild für den langersehnten Aufschwung der deutschen Wirtschaft gelten können, zumindest im Sanitärgewerbe. Der andere Verein, nämlich der SV Arnsberg 09, ist in der Kreisliga A vom Aufstieg in die Bezirksliga allerdings weit entfernt, deren vierte Staffel von der „Westfalenpost“ beharrlich als die „Bundesliga des Sauerlands“ apostrophiert wird. Nun liest in Peking leider keiner die Westfalenpost, weshalb X i Ping nichts über das Wirken der Vereine in der „Bundesliga des Sauerlands“ weiß und daher weiterhin Fan von Manchester United ist.
Bärs Meteorolololologie-Prognose
Wird das Wetter gut, wird das Wetter schlecht, Herrn Bärs Prognose, die behält immer recht.
Essen und Trinken mit Herrn Bär
Tomatengratin „Mona Lisa“ In Auflaufform/Backschale Tomatenscheiben legen, salzen und pfeffern, mit kleinen Paprikastücken, klein gehackten Oliven und zerdrücktem Knoblauch beträufeln. Eigelb, Kochsahne, Basilikum und Käse miteinander verquirlen, mit Tabasco abschmecken, in Backofen garen lassen.
Langustenschwänze Thermidor à la Karl-Josef Bär
Tiefgekühlte Langustenschwänze auftauen lassen, mit der Schale nach unten in Backform legen. Knoblauchbutter in einem Topf schmelzen, kleingehackte Lauchzwiebeln und Knoblauch mit etwas Chili andünsten, mit Hummerfond und Kochsahne auffüllen,kurz aufkochen, Senf und Dill hinzugeben. Die Sauce über die Langustenschwänze gießen, geriebenen Emmentalerkäse darüber streuen und im Ofen 10-12 Min. gratinieren.
Riesengarnelen mit Sauce Choron à la Karl-Josef Bär Alexandre-Étienne Choron (1837-1924) war ein französischer Starkoch, der im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 die Nahrungsmittelknappheit zu überwinden versuchte durch Gerichte mit Elefanten- und Kängurufleisch. Seine Sauce Choron ist vom Grundrezept her eine Art Sauce béarnaise mit Tomatenmark. Herr Bär erhitzt Eigelb und Essig im Wasserbad, verrührt dies vorsichtig, fügt dann Knoblauchbutter und Knoblauch hinzu, weiter rühren, dann Tomatenpüree, Salz und Pfeffer hinzufügen, weiter rühren, dann mit Fischsud verdünnen.
Spaghetti alio e olio
Ein einfaches, schnelles Gericht, dessen Ursprung in Rom liegt: man dünstet dünne Knoblauchscheiben in Olivenöl an, fügt bei Bedarf auch ein paar klein gehackte Peperonistückchen und Petersilie hinzu. Parallel dazu kocht man die Spaghetti einem separaten Topf, gießt das Wasser ab und vermengt die Pasta mit dem Inhalt der Pfanne.
Gratinierter Chicoree Klassisches belgisches Rezept – die Ende/Strunkstück vom Chicoree abschneiden, iesesn ca. 30 Min. wässern. 5 -7 Min., lang in leicht köchelndem Salzwasser und einem Schuss Honig blanchieren. Mit gekochtem Schinken umwickeln, in eine Auflaufform legen. Zerlassene Butter mit etwas Kochsahne, Pfeffer, Petersilie und Schnittlauch darüber gießen, mit würzigem geraspeltem Käse bestreuen und im Backofen backen, bis der Käse zerlaufen ist.
Fischfilet „Niehler Hafen“ mit grüner Sauce und Gurkensalat Am besten nehme man Heilbuttfilets, aber Seelachs, Kabeljaufilet oder Rotbarash geht auch. Die Filets salzen, pfeffern, mit Zitrone beträufeln, mehlieren und im Baxckofen beki 180 bis 200 Grad 15 Min. lang garen. In einem Topg Knoblauchbutter zerlassen, Zwiebeln dünsten, Fischfond und Kochsahne überrühren, kurz aufkochen lassen, Bärlauch-Pesto oder frischen Bärlauch, klein gehackte Petersilie, Schnittlauch, Dill und Rosmarin pürieren und einrühren und kurz vor dem Servieren über den Fisch gießen. Den Gurkensalat mit Salz, Pfeffer, Öl, Essig, Bärlauch und Dill anmachen.
Bild des Monats Februar 2026: Jürgen Raap, „Ein Berg voller Träume“, Acryl/Öl auf Leinwand, 2025
Bär aktuell – der einzige Blog, in welchem der Chefredakteur sich selbst interviewt.
Bär aktuell: Herr Bär, Ihr aktuelles Bild des Monats zeigt einen Tröötemann. Was trötet der dem Mann mit der erhobenen Schusswaffe ins Ohr?
Bär: Dä trötet däm nix ins Ohr, sondern am Ohr vorbei. Und die Bildbetrachter sollen ja auch nit hören, war dä do trötet. Sonst hätte ich ja kein Bild jemalt, sondern ein Musikstück komponiert un dat bei youtube jestreamt.
Bildstrecke Impressionen aus dem Kölner Karneval, Fotos: Copyright S. Kallnbach und Raap/Bär 2026
Baer aktuell no. 357 – 22. Feb. 2026
Noch mehr Witze aus dem Kölner Karneval
Schäl: „Ich han zo däm ´Do ahle Sack` jesaht, un da war dä beleidigt!“ – Tünnes: „So säht mer dat heute ja auch nit mehr. Dat musste jetzt gendern. Politisch korrekt heißt dat ´Do ahle Säckin`!“ – Schäl: „Wieso muss mer üvverhaupt gendern?“ – Tünnes: „Dat is ja schon ne Unterschied, ob de vun ener Leiter erunder fälls oder vun ener Leiterin!“
Schäl: „Tünnes, sag ens, warste schon mal em Zoo?“ – Tünnes: „Enä, wie ich do ens eren wollt, hatten die jrad zo!“
Statistisch gesehen gibt der Düsseldorfer im Karneval tausend Euro mehr aus als der Kölner. Der Düsseldorfer braucht dat viele Jeld für die Taxifahrt nach Köln und widder zurück.
Ich wör su jän em Elferrat, denn dann bruch ich kein Eintrittskaat.
Beim Donald Trump ist der Aufzug auch nicht bis ganz oben durch gefahren. Und was den Donald Trump betrifft: den Mann erträgt man nur bekifft.
Die Freiwillige Feuerwehr hat schon zwei Einsätze abgesagt. Die machen dat ja freiwillig…
Tünnes verabschiedet sich um 15 Uhr von seiner Frau: „Ich jeh mal eben rüber zum Schäl un helfe däm em Badezimmer en neue Lamp anzubringe.“ Um 23 Uhr kommt Tünnes zurück. Fragt die Frau: „Wieso hat das solange gedauert?“ – Tünnes: „Och, die Lampe hatte mer ja schnell anjeschruv. Aber dann musste mer so lange warten, bis et draußen richtig dunkel war, um zu sehen, ob die Lampe en däm singem Badezimmer och richtig funktioniert.“
Drei Schildkröten haben Durst und brauchen drei Jahre, bis sie an das nächste Wasserloch gekrabbelt sind. Als die ersten beiden sich hineinstürzen wollen, ruft die dritte: „Stop! Benehmt euch! Wir trinken nur aus Trinkbechern!“ – Rufen die beiden anderen: „Aber wir haben die Trinkbecher vergessen.“ – Sagt die dritte: „Dann geh ich zurück und hole die Becher. Ihr wartet so lange mit dem Trinken, bis ich zurück bin.“ Sie warten und warten und warten… sie warten drei Jahre lang, und dann halten sie es nicht mehr aus und wollen ins Wasser krabbeln. Da ruft die dritte: „Also, wenn ihr jetzt schummeln wollt, dann geh ich erst gar nicht los.“
Beim Domforum-Talk mit dem Kölner Dreigestirn wurde aus dem Publikum die Frage gestellt, ob sich Prinz, Bauer und Jungfrau vegatarisch oder vegan ernähren würden, was das übrige Publikum mit Gelächter quittierte. Die Antwort von Bauer Clemens: „Weder noch“.
Messe op Kölsch mit Plaggensegnung für die Standarten der Ehrenfelder Karnevalsvereine in der Marktkapelle St. Mariä Himmelfahrt am Geisselmarkt. Der Küster hatte vergessen, vorne am Altar die Bibel zu platzieren, und der Diakon merkte das erst ein paar Minuten nach Beginn seines Gottesdienstes, den er dann unterbrach mit den Worten: „Tschuldigung, ich muss jrad noch ens zoröck en de Sakristei die Bibel hole.“ Dort fand er die Bibel aber auch nicht, kam nach fünf Minuten an den Altar zurück und meinte: „Jetzt muss ich he för Üch ne Verzäll us dä Lameng maache, wie dä Johannes dä Jesus jedäuf hätt.“
Es ist auch in unseren Tagen immer noch die vornehmste Aufgabe des Narren, dem despotischen Herrscher den Spiegel vorzuhalten. Im Falle des Despoten Wladimir Putin soll sich der Düsseldorfer Rosenmontagszugestalter Jaques Tilly allerdings wegen eines Scherzes auf Kosten Putins vor einem Moskauer Narrengericht verantworten. Zugleich jedoch hat Herr Bär den Eindruck, dass im Unterschied zu dem hofschranzenhaft devoten FIFA-Präsidenten Infantino Putin den närrischen Donald Trump nicht weiter ernst nimmt. Da möchte man fast glauben, als ob in diesen Zeiten des ganz normalen Wahnsinns eben Putin der Narr wäre, der mit Schrecken und mit Trump Scherz treibt, und eben nicht der fürchterliche Despot, bei dem man immer aufpassen muss, dass man bei ihm nicht aus dem Fenster fällt. Karnevalesker Rollentausch kann eben auch als eine weltpolitische Hanswurstiade funktionieren, wobei Trumps burlesk anmutende Bemühungen, auch mal in die Rolle des absolutistischen Despoten zu schlüpfen, ihn allerdings lediglich zu einem bösartigen Clown mutieren lassen.
Nix bliev wie et is Dass heute manche Brauhäuser und andere Kneipen an den Karnevalstagen horrenden Eintritt verlangen und sich an den Drängelgittern vor ihren Türen Warteschlangen von fast 100 Metern bilden, hat nichts mehr mit dem gemütlichen Kneipenkarneval zu tun, wie ihn Herr Bär in jüngeren Jahren erlebte und genoss, als die Liedtexte meist noch origineller waren und die Sänger aller Bands noch richtiges Kölsch als Muttersprache konnten. Och, wat wor dat fröher schön doch en Colonia? Nein, denn der Musiker Arno Steffen reimte dazu sehr treffend und parodistisch: „Wenn ich dat schon höre, kriege ich zo vill, denn fröher war et och nit besser als wie hückzedag, da kann mir einer sagen war hä will.“ Eine Verflachung des Brauchtums wurde bereits um das Jahr 1900 beklagt („Von Zoten frei die Narretei“), und gastronomischen Nepp gab es nämlich auch früher schon. Die heutigen gröligen ballermannhaften Begleiterscheinungen an manchen Hotspots in der Innenstadt, wo sich z.B. im berüchtigten Zülpicher Viertel manch einer magen-, blasen- darmentleerend in einem Hauseingang erleichtert, hat besagter Arno Steffen schon vor Jahren pointiert auf die Formel gebracht: „Rusemondach wunderbar, janz Kölle rüch wie en Pissoir“. Trotzdem weed weiterhin unverdrossen und munter op de Trumm gekloppt, denn wunderbaren authentischen kölschen Fastelovend findet man heute immer noch in den Veedeln – mit herrlich bunten selbstgemachten Kostümen, liebevoll geschmückten Festwagen und auch sonst vill Spass an d`r Freud.
Die an Bauskandalen reiche Liste bauingenieurlicher Fehlleistungen im öffentlichen Raum ist um eine schildbürgerhafte Posse reicher, denn wenn im Rheinland im Winter mal Frost herrscht, muss man befürchten, dass auf der Leverkusener Autobahnbrücke einem von der Spitze der Pylonen Eisbrocken aufs Autodach knallen, weshalb die Brücke kürzlich „schon wieder“ gesperrt werden musste. Die Autobahn GmbH Rheinland hatte solch eine winterliche Wettersituation als „sehr unwahrscheinlich“ eingeschätzt, heißt es, und sie lehnt den Einbau von Heizstäben „aus Kostengründen“ weiterhin hartnäckig ab. Das Münchener Ingenieurbüro Grassl lobt auf seiner Website unterdessen den Brückenentwurf immer noch mit den Worten, „trotz vieler Tragelemente hintereinander entsteht so eine großartige Ansicht.“ Aber was nützt einem diese großartige Ansicht bei gefährlichem Eiswetter? „Spott und Häme“ habe sich nach der vorsorglichen Fahrbahnsperrung nun über die Brückenbauer ergossen, reportierte der „Kölner Stadtanzeiger“, und das Boulevardblatt „Express“ riet gar dazu, die Pylonspitzen mit wärmenden Pudelmützen zu bestücken. Herr Bär erinnert sich an den Witz, wo der Tünnes zum Schäl sagt: „Loss mer die Brück widder avrieße, he is ja ja kein Wasser.“ Immerhin verbindet die Leverkusener Rheinbrücke den Landweg von Köln nach Wladiwostok in Sibirien: nur sechs Tage würde man laut Routenplaner für die rund 10.000 km brauchen, aber nur, wenn die Brücke bei Leverkusen nicht gerade wieder gesperrt ist und man auf der E 30 kurz vor Omsk im Kreisverkehr nicht die zweite Ausfahrt verpasst. Aber wer will jetzt mitten im Winter quer durchs eisige Russland schon nach Wladiwostok?
Essen und Trinken mit Herrn Bär
Feldsalat mit Sauce Ravigot Feldsalat putzen, waschen. Sauce Ravigot ist eine französische Vinaigrette. Für die Sauce Olivenöl, Essig, Senf und klein gehackte Zwiebeln und/oder Lauchzwiebeln miteinander vermengen, mit Salz und Pfeffer abschmecken. Weitere Zutaten: Radieschen, Cornichons, Kapern, Petersilie, Schnittlauch, Kerbel, Estragon und hart gekochte Eier.
Wildschweinmedaillons Karl-Josef Bär
Wildschweinmedaillons in Olivenöl mit Zwiebeln von beiden Seiten kurz braten, salzen, pfeffern. Separat für die Sauce getrocknete Pfifferlinge und/oder Steinpilze 1-2 Std. einweichen, Wasser abgießen, Pilze dann gründlich waschen, Zwiebeln andünsten, Granatapfelkerne, Walnüsse und Pilze und etwas Wurzelgemüse (Möhren- und Selleriestücke) mitdünsten, mit Wildfonds auffüllen, kurz aufkochen lassen, würzen mit Salz, Pfeffer, Knoblauch Majoran, Kümmel, Thymian. Dazu Apfelrotkohl, Knödel oder Weizengrieß-Polenta oder Püree.
Seezunge Grenobloise Seezunge serviert mit zerlassener leicht gebräunter Butter, Zitronenfléischstückchen, Kapern und Petersilie. Dazu legt man die gesalzene und gepfefferte Seezunge vorher leicht in Milch oder Sahne ein, wälzt sie dann in Mehl und brät sie in der Pfanne in der Butter von beiden Seiten an, die Sauce mit den genanngten Zutaten in Butter in einer separaten Pfanne zubereiten und vor dem Servieren über die Seezungen gießen.
Bild des Monats Januar 2026: „Dies ist kein Porträt von Johann Wadephul und auch nicht von René Magritte“, Aquarell, 2025
Baer aktuell 356 – 22. Jan. 2026
Stichwort „Aufmerksamkeitsökonomie“ Je größer die Überfülle an Informationsreizen ist, desto eher erreicht man für die einzelne, bislang und eigentlich eher uninteressante Nachricht nur noch dann eine Aufmerksamkeit, indem man einen zünftigen Skandal inszeniert. Wie man dazu auch mehr oder weniger geschickt den Moderatoren Jan Böhmermann instrumentalisieren kann, beschrieb die Journalistin Julia Ruhs unlängst in ihrem Interview mit der Verbandszeitschrift „journalist“, als Böhmermann mit seiner Empörtheit für ihre Magazinsendung „Klar“ Ruhs unfreiwillig mehr Reichweite verschafft hatte: „ Besondere Aufmerksamkeit hat uns dann Jan Böhmermann mit seiner aufgeregten Kritik gebracht. Denn viele finden Böhmermann nun mal nicht gut. Wenn er uns doof findet, sind sie interessiert und schauen uns erst recht an.“ Kann man das generalisieren? Wer mithin als Internet-Influencer für irgendeinen Konsumblödsinn Tausende von Followern anlocken oder mal politisch so richtig unkorrekt auf die Kacke hauen will, der muss anschließend nur von Jan Böhmermann doof genug gefunden werden, und der Erfolg ist ihm garantiert? Doch wenn Friedrich Merz wenig polyglott das aus seiner Sicht überhaupt nicht anheimelnde Stadtbild der brasilianischen Metropole Belem beklagt oder sich darüber beschwert, in Angola habe es für ihn am Frühstückstisch kein gutes gutes deutsches Brot gegeben, funktionieren die Hysterie-Reflexe der Empörungsindustrie auch so und es ergoss sich ein medialer Shitstorm über Merz, egal, ob und wie sich Jan Böhmermann dazu geäussert haben mochte. Im Internet geben die „Digitallotsen“ Tipps für den Umgang mit einem Shitstorm, wenn man selbst mal Opfer eines solchen wird: man solle „ruhig bleiben“ und „Kritik ernst nehmen“, denn wenn man die Empörer einfach ignoriere, werden sie nur noch wütender und der Shitstorm bis hin zu Morddrohungen nur noch größer. Politiker greifen daher zur Beschwichtigung gerne zu einer rituellen Entschuldigung: Merz bedaure, „die Schönheit Amazoniens nicht anders erlebt zu haben“, hieß es aus dem Kanzleramt. Der Autor Denis Gerner hält auf der Webseite „diskursmonitor“ diese Rituale zur Beschwichtigung der Shitstorm-Wüteriche allerdings vielmehr für eine „Praktik der Nicht-Entschuldigung“ in der „Form der inszenierten, strategischen öffentlichen Entschuldigung, die einer Entschuldigung ähnelt,… aber nicht als glaubhaft erachtet wird. Mit der Nicht-Entschuldigung verfolgen Diskursakteure verschiedene Ziele: sie wollen Ablenken von der eigenen Schuld, erhoffen sich eine Reputationsverbesserung durch vorgespielte Reue oder wollen (andere) negative Konsequenzen abwenden und sich in der Öffentlichkeit positiv als fehlereinsichtig und selbstkritisch darstellen.“ Aha. Die römisch-katholische Kirche kennt übrigens schon sehr lange solch ein moralisches Reinigungsritual in der Form der Absolution: „Am Samstag jehste dat beichten, un dann is et wieder jot.“
Wird Bärbel Bas auch in diesem Jahr wieder ein Feuerwerk der guten Laune zünden? Schließlich herrschte im vergangenen Jahr Jubel, Trubel, Heiterkeit beim Arbeitgeberverband, als die Gastrednerin Bärbel Bas dort das Wort ergriff und Lachsalven erntete. Obwohl die Bundesssozialministerin Bärbel Bas auch Mitglied der KG Rote Funken Duisburg e.V. ist, bleiben uns wohl Aufritte von ihr als Büttenrednerin im rheinischen Karneval als „Et Bärbel us Duisburg“ erspart („Bärbelfrei die Narretei“). Und damit hören wir z.B. auf der Fastelovendssitzung der Post-Gewerkschaft auch nicht folgenden etwas abgestandenen Lars Klingbeil-Witz aus dem Munde von Bärbel Bas: „Lars Klingbeil bewirbt sich bei `Wetten dass?` Er behauptet, von zehn Postautos könne er neun an der Farbe erkennen.“ Es folgt nun an dieser Stelle ein viel besserer Real-Witz von Bärbel Bas über sich selbst auf ihrer Website https://www.baerbelbas.de/ueber-mich/ueber-mich: „Bei uns zu Hause war immer was los. So ist das, wenn man mit fünf Geschwistern aufwächst. Meine Eltern haben auf Parität geachtet: drei Mädchen und drei Jungs.“ Tätätätätätä, Rakete und Klatschmarsch. Der legendäre Kölner Karnevalist Hans Hachenberg pflegte übrigens in den 1960er Jahren seine Auftritte als „Doof Nuss“ immer mit den Worten einzuleiten: „Ze Hus wore mer dreizehn Kinder. Und ming Schwester, dat war et Ludmilla…“ Die Leute damals lachten schon, wenn sie nur den Namen „Ludmilla“ hören, denn in der Zeit des Kalten Krieges hätte in Westdeutschland niemand seine Tochter auf den Namen „Ludmilla“ getauft. Die Pointe zündete mithin durch ihre Absurdität. Aber wenn Bärbel Bas auf der Prunksitzung des SPD-Vorstands ihrem Co-Vorsitzenden ein fröhliches „Lars jucken, Kumpel“ entgegen ruft, lacht wahrscheinlich niemand. Oder doch?
Ein irreführender Plakataushang im Bahnhof veranlasste Herrn Bär zur Erkundigung per Info-Telefon, ob ab dem 30. Januar tatsächlich eine Woche lang keine S-Bahnen zwischen Köln-Ehrenfeld und Horrem fahren würden. Hier die Antwort im O-Ton: „Da bin ich überfragt. Wir werden hier bei DB Regio mit Baumaßnahmen nur so zugeschissen. Schauen Sie einfach mal nächste Woche auf einem neuen Plakat wegen aktueller Streckensperrungen nach!“
Essen und Trinken mit Herrn Bär
Grönlandgarnelen (anderer Name Eismeergarnelen, Pandalus boeealis) stammen aus den eiskalten Gewässern zwischen Canada, Grönland und dem nördlichen Norwegen, also jener Polarregion, in der Donald Trump vermehrt russische und chinesische Schiffe gesichtet haben will, weshalb er droht, aus Sicherheitserwägungen die Insel zu annektieren. Grönlandgarnelen stammen aus Wildfang und nicht aus Zuchtbecken irgendwo in Ostasien. Bei uns sind sie ungeschält im Fischhandel leider nur noch selten zu bekommen. In Frankreich werden sie vorgekocht als „Crevettes rosés“ mit Knoblauchmayonnaise kalt serviert. Man kann sie auch in Öl mit viel Knoblauch, etwas Chili und Petersilie kurz anbraten. Neben Fischen beruht die traditionelle Küche der Inuit-Bevölkerung Grönlands hauptsächlich auf dem Fleisch von Robben, Walen und Rentieren und eben nicht auf amerikanischen Hamburgern. Während die Internetseite „Transgourmet“ darüber informiert, dass ein gewisser Uwe Trump das Projekt „MenüManager“ begleitet und „seit über 30 Jahren in der Gemeinschaftsverpflegung tätig“ ist, erfahren wir durch seinen umstrittenen Gesundheitsminister Robert Kennedy über die persönlichen Essgewohnheiten von Donald Trump, dieser diniere gerne bei Mc Donald`s, verzehre außerdem Süßigkeiten und Diet-Cola. Das erste Mc Donald`s Restaurant auf Grönland wurde übrigens erst 2025 eröffnet; und zwar in Summit Camp im Landesinneren. Dies zum Thema donaldistischer Kulturimperialismus. Das United States Department of Agriculture unter der Leitung von eben jenem Robert Kennedy stellt übrigens in seinen jüngsten „Diät-Richtlinien für Amerikaner“ fest, dass 70 Prozent der erwachsenen Amerikaner an Übergewicht leiden. In Kennedys Abbildung einer „Ernährungspyramide“ sind freilich Steaks ganz oben und Garnelen nur im Mittelfeld notiert, was darauf schließen lässt, dass in den USA die Rinderzüchter immer noch mehr Lobbyeinfluss zu haben scheinen als die Garnelenfischer.
Essen und Trinken mit Herrn Bär
Französische Zwiebelsuppe mit Munsterkäse Kleingehackte Zwiebeln in Knoblauchbutter andünsten, etwas Mehl einrühren, Gemüsebrühe hinzufügen, mit Salz und Pfeffer würzen, köcheln lassen, bis die Suppe reduziert ist. Dann in feuerfeste Schälchen gießen, Weißbrotscheiben und Munsterkäse in Scheiben auflegen und im Backofen 15 Min. garen, bis der Käse gratiniert ist.
Chicorée-Salat mit Clementinen oder Mandarinen, Mandeln oder Walnüssen, frischem Rotkohl, Parmesan, oder geriebenem Emmentaler oder griech. Feta. Alles gut in Olivenöl und Essig miteinander vermengen, würzen mit Salz, Pfeffer, Schnittlauch oder Petersilie.
Roter Rettichsalat „Lars Klingbeil“ Roten Rettich und Radieschen in dünne Scheiben raspeln und mit etwas Gartenkresse, Schnittlauch, Olivenöl und Essig vermengen und ein wenig salzen. Wer will, kann auch Apfelscheiben hinzufügen und einen Klacks Bärlauch-Pesto unterrühren.
Sugo siciliana à la Karl-Josef Bär Kleine Zwiebelstücke in einem Topf mit heißem Olivenöl andünsten, kleine Selleriestücke hinzugeben, dann Stücke von grünem und rotem Gemüsepaprika, klein gewürfelte geschälte frische Tomaten und pomodori pelati aus der Dose, Kalamata-Oliven, kleine Anchovis (Sardellen in Öl), Kapern, reichlich Knoblauch, würzen mit Salz, Pfeffer, etwas Chili-Paste, Salbei und Thymian.
Schwertmuscheln mit Petersilie und Knoblauch Ein typisches Gericht aus der Bretagne und aus Flandern mit länglichen Schwertmuscheln, ersatzweise Miesmuscheln: in einem Sud aus ausgekochten Krabbenschalen, Rotbarbenstücken, Möhre, Sellerie, Zwiebeln und Knoblauch lässt man die Schwertmuscheln (frz. Couteaux) bei niedriger Hitze 6-8 min ziehen. Die Muscheln öffnen sich und kurz vor dem Servieren wendet man sie in einer flachen Pfanne mit heißem Öl, in welchem man vorher Knoblauch und Petersilie erhitzt hat. Abschmecken mit Salz, Pfeffer und Zitrone. Den Sud kann man auch als Süppchen genießen.
Wildschweinmedaillons Karl-Josef Bär Wildschweinmedaillons in Olivenöl mit Zwiebeln von beiden Seiten kurz braten, salzen, pfeffern. Separat für die Sauce getrocknete Pfifferlinge und/oder Steinpilze 1-2 Std. einweichen, Wasser abgießen, Pilze dann gründlich waschen, Zwiebeln andünsten, Granatapfelkerne, Walnüsse und Pilze und etwas Wurzelgemüse (Möhren- und Selleriestücke) mitdünsten, mit Wildfonds auffüllen, kurz aufkochen lassen, würzen mit Salz, Pfeffer, Knoblauch Majoran, Kümmel, Thymian. Dazu Apfelrotkohl, Knödel oder Weizengrieß-Polenta oder Püree.
Poulet normand – Stubenküken normannische Art à la Karl-Josef Bär Stubenküken in einer Pfanne in heißem Öl von allen Seiten anbraten (oder in sechs große Stücke zerteilt anbraten) Dann in einen Sud aus gedünsteten Zwiebeln, Porree, Petersilienwurzel oder weißen Rübenstücken, Möhrchen und reichlich Knoblauch geben, köcheln lassen oder in einer Casserole im Backofen garen, mit Salz, Pfeffer und Thymian würzen, zum Schluss mit Kochsahne und einem Eigelb abrunden.
Bild des Monats Dezember 2025: J. Raap, „Die innere Freiheit“, 2025
Bär aktuell – das einzige Blog-Magazin, in welchem der Chefredakteur sich selbst interviewt.
Bär aktuell: Herr Bär, zu Ihrem Bild des Monats „Die innere Freiheit“ sehen wir hier die Untermalung und die Endfassung. Worin liegt da der Unterschied ?
Bär: Die Endfassung es fädig und die Untermalung nit.
Bär aktuell: Aha. Sie spielen mit diesem Bild unter anderem an die Fastnachtsspiele des Mittelalters an? Was verkörpert die schnabelförmige Maske?
Bär: Dat in ein Pestdoktor. In Pestepidemien hatten die Ärzte en dä schnabelförmigen Maske innendrin so komische Kräuter, die anjeblich jejen die Pest jeholfen han. Dat stimmt ävver nit. Die Lück sin damals trotzdäm all jestorvve, un bei denne Fastnachtsspiele em 16. Jahrhundert ging et dann nit um ene Remmi-Demmi-Karneval wie hück zu dag, sondern um eine Mahnung an den Tod, dä in solch schlimmen Zeiten einfach zum Alltag jehörte. Übrig jeblieben vun diesem Ritual der alten Fastnachtsspiele ist bis heute nur noch dat Äschekrütz op dä Stirn zo Äschermittwoch.
Bär aktuell: Aber trotzdem geht es in Ihrem Bild lustig zu. Da ist ein Narr zu sehen, eine Varietétänzerin zu sehen, da wird musiziert…“
Bär aktuell: Jo, ävver dä Typ met dä Bratsche, dä spillt dat Lied en Moll. Damit sich dat wat besinnlicher anhört. Ich denke, dat merkt man als Betrachter, wenn man sich dat Bild länger beloort.
Baer aktuell no. 355 – 22. Dez. 2025
Christian Lindner wird „Autoverkäufer“ titelte „auto motor sport“. Allerdings steht der Ex-FDP-Chef nicht auf einem mit bunten Fähnchen geschmückten Abstellplatz für Gebrauchtwagen herum und preist eine Rostlaube als scheckheftgepflegt“ an, sondern er ist ab Januar 2026 stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Autoland AG und macht damit „sein Hobby“, nämlich das Autofahren, „zum Beruf, so „tagesschau.de“. Und da jemand, der den Schaden hat, sich um Spott nicht sorgen muss, durfte via „Tagesspiegel“ „Deutschlands bekanntester Fahrzeugfachmann“, nämlich TV-Moderator Det Müller Christian Lindner erklären, „wie man im Autohandel überlebt“. Müller: „Für die Glaubwürdigkeit würde ich ihm einen Smart empfehlen“. Dass wir den in der Vergangenheit oft etwas großspurig aufgetretenen Porsche-Fahrer Christian Lindner demnächst tatsächlich am Lenkrad eines Kleinwagens erleben, dürfte allerdings bezweifelt werden. „Christian Lindner erheitert das Netz mit einem Bild“, kommentierte „Focusonline“ ein Foto, das Lindner in Warnweste „vor einem Fahrgerät der Marke Caterpillar“ zeigt nebst der Information, dass der EX-FDP-Häuptling jetzt auch noch im Aufsichtsrat eines Unternehmens sitzt, das als „weltweit führender Hersteller von Kalk, Dolomitkalk und Minerallösungen“ gilt. Ist Christian Lindner durch besondere Fachkenntnisse zur diesen Job prädestiniert? Immerhin sei einer seiner Urgroßväter Sprengmeister in einem Kalkbergwerk gewesen, lässt Lindner verlauten. Nach seinem Ausscheiden aus der Politik traf hingegen der frühere SPD-Generalsekretär Kevin Kühnert eine andere Berufswahl, indem er nun für die Organisation „Finanzwende“ wirkt, die nach ihren eigenen Angaben „stabilere, faire und nachhaltige Finanzmärkte“ einfordert. Allerdings stehen Sozialdemokraten gemeinhin im Ruf, nicht mit Geld umgehen zu können, und so fragt sich Herr Bär, ob Kevin Kühnert nicht lieber Gebrauchtwagenhändler hätte werden sollen.
Die schönsten Fehlleistungen des Jahres
Auf Platz 1 finden wir Greta Thunberg, über die (sogar) das Portal „Greenya“ resümmiert: „Kritiker werfen ihr vor, zu emotional oder moralisch aufzutreten, ohne praktikable Lösungen anzubieten“. Noch härter geht „Focus“ ihr ins Gericht und wirft ihr eine „gefährliche PR-Show“ vor:“ Hinter Greta Thunbergs Segeltrip nach Gaza steckt „ein verlogenes Drehbuch“, denn sie wolle im Grunde genommen nur Aufmerksamkeit: „Denn das perfekte Bild ist nicht das einer Heldin, die in Gaza hilft. Sondern das einer Heldin, die von israelischen Soldaten ´aufgehalten´ wird.“ Auf Platz 2 ist Ex-Vizekanzler Robert Habeck notiert, weil sogar Mechthild Heil, die Vorsitzende der Gruppe der Frauen der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, ihn für „rüpel- und machohaft“ bzw. „schlicht peinlich“ hält und ihm einen „würdelosen Abgang aus der Politik“ vorhält, was wiederum der Kabarettist Ingo Appelt mit den Worten ausdrückte, Habeck sei einst als Hoffnungsträger gestartet und habe jetzt als „beleidigte Leberwurst alles hingeschmissen“. Über das seinerzeitige Wirken von Jens Spahn als Bundesgesundheitsminister bilanzierte ZDFheute: „Die Maskenbeschaffung wurde zum Milliarden-Euro-Grab für den Steuerzahler…“, was denn auch der Bundesrechnungshof als eklatante Fehlleistung zu Recht rügte und Spahn hier Platz 3 einbringt, zumal er zudem als CDU-Fraktionsvorsitzender seine Fraktion nicht im Griff hat, die übermütigerweise bei dessen Kanzlerwahl Fritze Merz im ersten Anlauf eine Abstimmungsniederlage bescherte. Platz 4 ist für „Deutschlands dümmsten Einbrecher“ reserviert, der „weder Handschuhe noch Maske“ trug und deswegen gut von der Überwachungskamera gefilmt wurde, und sich dann „während der Flucht“ aus einem Handyladen „an der kaputten Scheibe“ verletzte, „wodurch er zusätzlich eindeutige DNA-Spuren hinterließ“, und zudem als Beute keine wertvollen Smartphones davon trug, sondern lediglich Attrappen. Platz 5 nimmt der Prinz Andrew Albert Christian Edward Mountbatten Windsor ein, der sich als Skandalnudel der britischen Royals sogar und ausgerechnet von Donald Trump vorhalten lassen muss: „Es ist schrecklich, was dieser Familie widerfahren ist“, und Platz 6 Donald Trump selber, der nämlich über seine Teilnahme an einem Intelligenztest herum strunzte, es sei schon recht schwierig, sich „Person, Frau, Mann, Kamera, Fernseher“ in der richtigen Reihenfolge zu merken, nur für ihn selbst allerdings nicht. Auf Amazon werden Heidi-Reichinnek-T-Shirts als Fanartikel jetzt für „13,99 Euro statt 17.99“ verramscht, was der zu einem Personenkult nordkoreanischen Ausmaßes neigenden Ikone der Linkspartei Platz 7 einbringt. Bei www.kleinanzeigen.de wurde kürzlich auch noch ein Leninorden für nur 12 Euro statt 15 Euro angeboten, und so fragt sich Herr Bär, ob derlei Fanartikel-Merchandising mit Linkspartei-Devotionalien kommerziell überhaupt einträglich ist, wo doch gleichzeitig ein adidas-Exemplar des Heimtrikots vom FC Bayern München satte 100 Euro kostet. Über Sarah Wagenknechts Rückzug aus dem Vorsitz ihres BSW- Fanclubs wusste der „Spiegel“ zu berichten, sie habe die Macht gewollt, dafür aber nicht die Bürde organisatorischer Arbeit auf sich nehmen wollen. Anders ausgedrückt: für parteipolitische Kärrnerarbeit ist sie einfach zu faul (Platz 7). Platz 8 haben sich die Schnösel von der Jungen Union verdient, die den Rentnern ab 2031 mehr nicht ihre Butterfahrten und Bingoabende zum jetzigen Rentenniveau gönnen wollen und deswegen dafür sorgten, dass der verblichene CDU-Sozialminister Norbert Blüm („Die Renten sind sicher“) sich im Grabe herumdreht. In diesem Sinne hat der CDU-Gesundheitspolitiker und Bundesdrogenbeauftragte Hendrik Streeck Platz 9 inne, weil er meint, Hochbetagte sollten keine teuren Medikamente mehr bekommen, was selbst der FDP-Grande Wolfgang Kubicki für „kalten Zynismus“ hält und der Grünen-Politiker Janosch Dahmen schlicht für „Unfug“. Warum Jan Böhmermann Platz 10 einnimmt, lässt sich mit der Schlagzeile bei n-tv mit dem Text „Mehrheit findet Jan Böhmermann nicht lustig“ begründen.