baer aktuell 364 – 3. Sept. 2026

Bild des Monats September 2026:

Jürgen Raap, „Die Missachtung der Theologie“, Acryl/Öl auf Leinwand, 2026

bär aktuell  – der einzige blog, in dem der Chefredakteur sich selbst interviewt

bär aktuell: „Herr Bär, in Ihrem jüngsteh Bild führt ein Magier den Trick mit der schwebenden Jungfrau vor.“

Bär: „Jojo. Dat is ävver keine richtige Jungfrau. Dat is die Frau Schmitz. Die war in Wirklichkeit schon zweimal verheiratet. Dat merkt bei dä Vorführung ävver keiner.“

Bär aktuell: Herr Bär, da haben sie uns aber wieder einen herrlichen Blödsinn erzählt.

Bär aktuell 364 – 3. Sept. 2026

Auch das noch  Zu den Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern wäre anzumerken, dass der „Nordkurier“ feststellte, „statt Wahlkampf zu machen“, verzettelten sich die dortigen Grünen in einer „internen Schlammschlacht“. Stein des Anstoßes sind der Abgeordnete Hannes Damm, den seine Fraktionskollegen „öffentlich mit halbseidenen und durchgestochenen Vorwürfen… diskreditieren und politisch… rasieren“ wollten, u.a. deswegen, weil er „in einer ausgelassenen Situation“ einem Mitarbeiter  „auf den Po geklopft haben soll“, und die inzwischen zurückgetretene ehemalige Spitzenkandidatin Constanze Oehlrich, die sich mit dem Vorwurf eines Mitarbeiters konfrontiert sah, sie habe diesen aufgefordert, er möge sich im Büro etwas anziehen, das „am Hintern enger sitzt“.  In Presseberichten heißt es, dass Oehlrich eine Klarstellung versucht habe, es sei ihr lediglich um ein „angemessenes Auftreten“ des jungen Mannes bei „dienstlichen Terminen“ gegangen, woraufhin der BILD-Kolumnist Harald Martenstein die Frageaufwarf, „bei welchem politischen Termin eine am Männerhintern besonders eng sitzende Hose angemessen oder sogar von Vorteil sein könnte.“ Bei den MV-Grünen geht`s also gesäßpolitisch hoch her, und wir wissen jetzt, wer bei denen die Arschkarte hat.Jupp Schmitz hingegen gab schon vor 60 Jahren zu bedenken: „Nicht in jeder blauen Hose steckt ein strammer Vollmatrose.“

Sind nackte Bäuche auf dem Münchener Oktoberfest noch erlaubt? Mitnichten, wenn es nach der Münchener Gleichstellungsstelle geht, die bei den 120 Jahre alten Motiven der Kirmesattraktion „Teufelsrad“ durchsetzte, dass die weiblichen Pappmachéfiguren mit ihren kurzen Röckchen „züchtiger“ bekleidet werden, damit niemand dazu angerregt werde, Frauen unter den Rock zu fotografieren, was selbstverständlich abzulehnen und zu ahnden ist. Dass aber auch bei einer Hawaiimädchenfigur mit Blumenkranz und nacktem Bauch Sexismus und Rassismus gewittert und daher eine Verhüllung des Oberkörpers und  – man will es kaum glauben – sogar der vormals nackten Füße mit Schuhen (sic!) vorgenommen wurde, fand zwar Applaus bei der puritanischen Partei „Die Linke“, erstaunlicherweise nicht jedoch bei den Münchener Grünen:  Stadträtin Anja Berger von den Grünen jedenfalls meint: „Wir brauchen keine übertriebene Prüderie“. Für „überzogen“ findet ebenso  Münchens Zweite Bürgermeisterin Mona Fuchs (Grüne) die Verhüllungsaktion: „Wir leben zum Glück in einer aufgeklärten, offenen und freien Gesellschaft, in der Frauen selbst entscheiden dürfen, ob und wie freizügig sie sich zeigen. Ein Verhüllungsgebot für weibliche Figuren oder Darstellungen stellt jedenfalls keine Gleichstellung her und dient ihr aus meiner Sicht auch nicht.“ Doch ganz offensichtlich sind in München die Zeiten vorbei, als es 1973 hieß: „Unterm Dirndl wird gejodelt“. Das so betitelte „erotische Lustspiel“ falle zwar nicht unter das „Feiertagsverbot“, es könnte mithin sogar an Karfreitag, Allerheiligen oder am Volkstrauertag vorgeführt werden, so informiert eine KI. Es werde heut zu Tage aber im Fernsehen „wegen seines veralteten Humors, seiner derben Zoten und des… stark klischeehaften Frauenbildes nicht mehr gezeigt.“ Ginge es nach dem Willen des pensionierten hessischen Pfarrers Wilfried Abel, so wären künftig bei den queeren CSD-Paraden nackte Bäuche ebenfalls strikt tabu, nackte Füße hingegen zumindest nicht. Jedenfalls wetterte der erzürnte Gottesmann über die „Parade der Schamlosigkeit“ (ähnlich würden sich wohl auch die iranischen Mullahs über derlei Umzüge äussern) und sorgte sich: „Wird nun die einst prächtige… Fronleichnamsprozession durch die große Parade der halbnackten Leiber verdrängt?“ Die Oberhirten im Bistum Fulda distanzierten sich zwar von der reaktionären Tirade Abels, aber der Kölner Theologe und Psychiater Manfred Lütz hatte schon 2016 in einem Interview festgestellt, „dass die katholische Kirche sich im 19. Jahrhundert an einen leibfeindlichen protestantisch-bürgerlichen Zeitgeist angepasst hat“, der nun – so Herrn Bärs Beobachtung –  aus Richtung  einer anderen körperfeindlichen ideologischen Front auch beim Münchener Oktoberfest Einzug hält. „In Wahrheit ist die katholische Kirche aber keine Moralanstalt, sie ist eine Gemeinschaft von Menschen“, meint Lütz. So wäre noch zu ergänzen, dass sich in unseren Rathäusern auch keine sauertöpfische Sittenpolizei etablieren sollte, die mit jakobinischer Raserei historische Kirmesbuden zensiert.

Wie eng im Leben das Tragische und das Komische oft miteinander verwoben sind, lässt sich auch an der Person des Friedrich Merz festmachen. Fragt man eine Künstliche Intelligenz,  ob Merz eher dem Weißclown (Harlekin) oder dem dummen August entspräche, so lautet die Antwort: Merz verkörpere mit Sicherheit den ernsthaften, dominanten, autoritären, bisweilen auch etwas hochmütigen Weißclown, der immer die Ordnung aufrechtzuerhalten und das Chaos zu verhindern versuche. Friedrich Merz selber sehe in seiner eigenen Binnenwahrnehmung vielmehr seine politischen Kontrahenten in der Rolle des tollpatschigen dummen August, der alles vermurkst und zerstört. Im Falle Merz kippt aber dann das Komische ins Tragische um, indem er nämlich selbst sich gehörig ins Chaos verstrickt und dabei fulminant an sich selber scheitert. „Der Spiegel“ verglich das Merz’sche Wirken als Kanzler mit einem gewissen Hohn sogar schon mit der Figur in jenem berühmten Trickfilm von Loriot, wo jemand versucht, ein schief an der Wand hängendes Bild gerade zu hängen und dabei das gesamte Wohnzimmer verwüstet. Filmgeschichtlich heißt es, Laurel und Hardy (Dick und Doof) hätten den rüden anarchischen Slapstick, wo auch immer alles zusammen kracht, revolutioniert, indem sie ihn mit komödiantischen Momenten angereichert hätten. Hat nun Friedrich Merz die Politik durch unfreiwillige Tragikomik revolutioniert? Lars Klingbeil würde das sicherlich verneinen, da dann freilich ihm selbst neben dem scheiternden Weißclown nur die Rolle des burlesken dummen August übrig geblieben wäre. Wenn Merz von der Leiter fällt, besteht das Tragische darin, dass nicht Heidi Reichineck, Sarah Wagenknecht oder gar Ulrich Siegmund die Leiter umgestoßen haben, sondern Merzens eigene Leute in der Berliner Regierungskoalition.

Bär aktuell 364_2  – 22. Sept. 2926

In Köln hat bislang eine dickfällige Stadtverwaltung noch jeden Bauskandal mit der geflügelten Redensart „Do hammer nix mit ze dun“ (Damit haben wir nichts zu tun) ausgesessen. Zur Wiedereröffnung der für 1,5 Milliarden 14 Jahre lang begleitet von allerlei Pleiten, Pech und Pannen mit zum Teil „zweifelhaften Geschäftspartnern“, wie der WDR monierte, sanierten Oper waren tausende braver Kölner Steuerzahler gekommen, um das Ende dieses Bau-Desasters zu feiern und in langen Warteschlangen hautnah zu besichtigen, was aus ihrem persönlichen Beitrag zum städtischen Anteil an den Einkommensteuereinnahmen geworden ist. Dass sich in der benachbarten U-Bahnstation Appellhofplatz seit Jahren niemand um die gestalterisch höchst bedenklich einfach so halb lose unter der Decke entlang laufenden Stromkabelstränge kümmert oder darum, bei der Vermüllung des Römerbrunnens endlich mal Abhilfe zu schaffen, ist ebenso ein sinnfälliges Beispiel für die Schattenseiten der nonchalanten kölschen Lebensart mit ihrer Einstellung „Küss de hück nit, küsste morgen“ (Kommst du heute nicht, kommste morgen) sowie der Neigung, desgleichen mit den Worten „Do han ich nix mit am Hoot“ (Da habe ich nichts mit am Hut) jegliche Zuständigkeit von sich zu weisen. Nun meint zwar der neue Fußball-Bundestrainer Jürgen Klopp, wir sollten uns in Deutschland nicht immer nur nölig auf das focussieren, was wir nicht haben, sondern vielmehr freudig lieber auf das, was wir haben: nun, in Köln sind das aufgrund von baulichem Missmanagement überteuerte Kulturbauten, holprige Radwege, marode Rheinbrücken, notorisch kaputte Rolltreppen und dazu noch ein Verkehrsdezernent, bei dessen Verkehrsversuchen man sich arg zusammen reißen muss, um nicht der unzulässigen Schmähkritik bezichtigt zu werden. So schließt Herr Bär diese Tirade mit einem abgewandelten Trude Herr-Zitat: „Vill is he mies, un ich bin et satt, ävver ich blieve he, denn et is ming Stadt“. Copyright Text Raap/Bär 2026, Fotos: Raap/Kallnbach 2026

Comments are closed.