Bild des Monats Januar 2026: „Dies ist kein Porträt von Johann Wadephul und auch nicht von René Magritte“, Aquarell, 2025

Baer aktuell 356 – 22. Jan. 2026
Stichwort „Aufmerksamkeitsökonomie“ Je größer die Überfülle an Informationsreizen ist, desto eher erreicht man für die einzelne, bislang und eigentlich eher uninteressante Nachricht nur noch dann eine Aufmerksamkeit, indem man einen zünftigen Skandal inszeniert. Wie man dazu auch mehr oder weniger geschickt den Moderatoren Jan Böhmermann instrumentalisieren kann, beschrieb die Journalistin Julia Ruhs unlängst in ihrem Interview mit der Verbandszeitschrift „journalist“, als Böhmermann mit seiner Empörtheit für ihre Magazinsendung „Klar“ Ruhs unfreiwillig mehr Reichweite verschafft hatte: „ Besondere Aufmerksamkeit hat uns dann Jan Böhmermann mit seiner aufgeregten Kritik gebracht. Denn viele finden Böhmermann nun mal nicht gut. Wenn er uns doof findet, sind sie interessiert und schauen uns erst recht an.“ Kann man das generalisieren? Wer mithin als Internet-Influencer für irgendeinen Konsumblödsinn Tausende von Followern anlocken oder mal politisch so richtig unkorrekt auf die Kacke hauen will, der muss anschließend nur von Jan Böhmermann doof genug gefunden werden, und der Erfolg ist ihm garantiert? Doch wenn Friedrich Merz wenig polyglott das aus seiner Sicht überhaupt nicht anheimelnde Stadtbild der brasilianischen Metropole Belem beklagt oder sich darüber beschwert, in Angola habe es für ihn am Frühstückstisch kein gutes gutes deutsches Brot gegeben, funktionieren die Hysterie-Reflexe der Empörungsindustrie auch so und es ergoss sich ein medialer Shitstorm über Merz, egal, ob und wie sich Jan Böhmermann dazu geäussert haben mochte. Im Internet geben die „Digitallotsen“ Tipps für den Umgang mit einem Shitstorm, wenn man selbst mal Opfer eines solchen wird: man solle „ruhig bleiben“ und „Kritik ernst nehmen“, denn wenn man die Empörer einfach ignoriere, werden sie nur noch wütender und der Shitstorm bis hin zu Morddrohungen nur noch größer. Politiker greifen daher zur Beschwichtigung gerne zu einer rituellen Entschuldigung: Merz bedaure, „die Schönheit Amazoniens nicht anders erlebt zu haben“, hieß es aus dem Kanzleramt. Der Autor Denis Gerner hält auf der Webseite „diskursmonitor“ diese Rituale zur Beschwichtigung der Shitstorm-Wüteriche allerdings vielmehr für eine „Praktik der Nicht-Entschuldigung“ in der „Form der inszenierten, strategischen öffentlichen Entschuldigung, die einer Entschuldigung ähnelt,… aber nicht als glaubhaft erachtet wird. Mit der Nicht-Entschuldigung verfolgen Diskursakteure verschiedene Ziele: sie wollen Ablenken von der eigenen Schuld, erhoffen sich eine Reputationsverbesserung durch vorgespielte Reue oder wollen (andere) negative Konsequenzen abwenden und sich in der Öffentlichkeit positiv als fehlereinsichtig und selbstkritisch darstellen.“ Aha. Die römisch-katholische Kirche kennt übrigens schon sehr lange solch ein moralisches Reinigungsritual in der Form der Absolution: „Am Samstag jehste dat beichten, un dann is et wieder jot.“
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Wird Bärbel Bas auch in diesem Jahr wieder ein Feuerwerk der guten Laune zünden? Schließlich herrschte im vergangenen Jahr Jubel, Trubel, Heiterkeit beim Arbeitgeberverband, als die Gastrednerin Bärbel Bas dort das Wort ergriff und Lachsalven erntete. Obwohl die Bundesssozialministerin Bärbel Bas auch Mitglied der KG Rote Funken Duisburg e.V. ist, bleiben uns wohl Aufritte von ihr als Büttenrednerin im rheinischen Karneval als „Et Bärbel us Duisburg“ erspart („Bärbelfrei die Narretei“). Und damit hören wir z.B. auf der Fastelovendssitzung der Post-Gewerkschaft auch nicht folgenden etwas abgestandenen Lars Klingbeil-Witz aus dem Munde von Bärbel Bas: „Lars Klingbeil bewirbt sich bei `Wetten dass?` Er behauptet, von zehn Postautos könne er neun an der Farbe erkennen.“ Es folgt nun an dieser Stelle ein viel besserer Real-Witz von Bärbel Bas über sich selbst auf ihrer Website https://www.baerbelbas.de/ueber-mich/ueber-mich: „Bei uns zu Hause war immer was los. So ist das, wenn man mit fünf Geschwistern aufwächst. Meine Eltern haben auf Parität geachtet: drei Mädchen und drei Jungs.“ Tätätätätätä, Rakete und Klatschmarsch. Der legendäre Kölner Karnevalist Hans Hachenberg pflegte übrigens in den 1960er Jahren seine Auftritte als „Doof Nuss“ immer mit den Worten einzuleiten: „Ze Hus wore mer dreizehn Kinder. Und ming Schwester, dat war et Ludmilla…“ Die Leute damals lachten schon, wenn sie nur den Namen „Ludmilla“ hören, denn in der Zeit des Kalten Krieges hätte in Westdeutschland niemand seine Tochter auf den Namen „Ludmilla“ getauft. Die Pointe zündete mithin durch ihre Absurdität. Aber wenn Bärbel Bas auf der Prunksitzung des SPD-Vorstands ihrem Co-Vorsitzenden ein fröhliches „Lars jucken, Kumpel“ entgegen ruft, lacht wahrscheinlich niemand. Oder doch?
Essen und Trinken mit Herrn Bär
Französische Zwiebelsuppe mit Munsterkäse Kleingehackte Zwiebeln in Knoblauchbutter andünsten, etwas Mehl einrühren, Gemüsebrühe hinzufügen, mit Salz und Pfeffer würzen, köcheln lassen, bis die Suppe reduziert ist. Dann in feuerfeste Schälchen gießen, Weißbrotscheiben und Munsterkäse in Scheiben auflegen und im Backofen 15 Min. garen, bis der Käse gratiniert ist.
Chicorée-Salat mit Clementinen oder Mandarinen, Mandeln oder Walnüssen, frischem Rotkohl, Parmesan, oder geriebenem Emmentaler oder griech. Feta. Alles gut in Olivenöl und Essig miteinander vermengen, würzen mit Salz, Pfeffer, Schnittlauch oder Petersilie.
Roter Rettichsalat „Lars Klingbeil“ Roten Rettich und Radieschen in dünne Scheiben raspeln und mit etwas Gartenkresse, Schnittlauch, Olivenöl und Essig vermengen und ein wenig salzen. Wer will, kann auch Apfelscheiben hinzufügen und einen Klacks Bärlauch-Pesto unterrühren.
Sugo siciliana à la Karl-Josef Bär Kleine Zwiebelstücke in einem Topf mit heißem Olivenöl andünsten, kleine Selleriestücke hinzugeben, dann Stücke von grünem und rotem Gemüsepaprika, klein gewürfelte geschälte frische Tomaten und pomodori pelati aus der Dose, Kalamata-Oliven, kleine Anchovis (Sardellen in Öl), Kapern, reichlich Knoblauch, würzen mit Salz, Pfeffer, etwas Chili-Paste, Salbei und Thymian.
Schwertmuscheln mit Petersilie und Knoblauch Ein typisches Gericht aus der Bretagne und aus Flandern mit länglichen Schwertmuscheln, ersatzweise Miesmuscheln: in einem Sud aus ausgekochten Krabbenschalen, Rotbarbenstücken, Möhre, Sellerie, Zwiebeln und Knoblauch lässt man die Schwertmuscheln (frz. Couteaux) bei niedriger Hitze 6-8 min ziehen. Die Muscheln öffnen sich und kurz vor dem Servieren wendet man sie in einer flachen Pfanne mit heißem Öl, in welchem man vorher Knoblauch und Petersilie erhitzt hat. Abschmecken mit Salz, Pfeffer und Zitrone. Den Sud kann man auch als Süppchen genießen.
Wildschweinmedaillons Karl-Josef Bär Wildschweinmedaillons in Olivenöl mit Zwiebeln von beiden Seiten kurz braten, salzen, pfeffern. Separat für die Sauce getrocknete Pfifferlinge und/oder Steinpilze 1-2 Std. einweichen, Wasser abgießen, Pilze dann gründlich waschen, Zwiebeln andünsten, Granatapfelkerne, Walnüsse und Pilze und etwas Wurzelgemüse (Möhren- und Selleriestücke) mitdünsten, mit Wildfonds auffüllen, kurz aufkochen lassen, würzen mit Salz, Pfeffer, Knoblauch Majoran, Kümmel, Thymian. Dazu Apfelrotkohl, Knödel oder Weizengrieß-Polenta oder Püree.
Poulet normand – Stubenküken normannische Art à la Karl-Josef Bär Stubenküken in einer Pfanne in heißem Öl von allen Seiten anbraten (oder in sechs große Stücke zerteilt anbraten) Dann in einen Sud aus gedünsteten Zwiebeln, Porree, Petersilienwurzel oder weißen Rübenstücken, Möhrchen und reichlich Knoblauch geben, köcheln lassen oder in einer Casserole im Backofen garen, mit Salz, Pfeffer und Thymian würzen, zum Schluss mit Kochsahne und einem Eigelb abrunden.






















