Baer aktuell 356 – 22. Januar 2026:

Januar 1st, 2026

Bild des Monats Januar 2026: „Dies ist kein Porträt von Johann Wadephul und auch nicht von René Magritte“, Aquarell, 2025

Baer aktuell 356   –   22. Jan. 2026

Stichwort „Aufmerksamkeitsökonomie“ Je größer die Überfülle an Informationsreizen ist, desto eher erreicht man für die einzelne, bislang und eigentlich eher uninteressante Nachricht nur noch dann eine Aufmerksamkeit, indem man einen zünftigen Skandal inszeniert. Wie man dazu auch mehr oder weniger geschickt den Moderatoren Jan Böhmermann instrumentalisieren kann, beschrieb die Journalistin Julia Ruhs unlängst in ihrem Interview mit der Verbandszeitschrift „journalist“, als Böhmermann mit seiner Empörtheit für ihre Magazinsendung „Klar“  Ruhs unfreiwillig mehr Reichweite verschafft hatte: „ Besondere Aufmerksamkeit hat uns dann Jan Böhmermann mit seiner aufgeregten Kritik gebracht. Denn viele finden Böhmermann nun mal nicht gut. Wenn er uns doof findet, sind sie interessiert und schauen uns erst recht an.“ Kann man das generalisieren? Wer  mithin als Internet-Influencer für irgendeinen Konsumblödsinn Tausende von Followern anlocken oder mal politisch so richtig unkorrekt auf die Kacke hauen will, der muss anschließend nur von Jan Böhmermann doof genug gefunden werden, und der Erfolg ist ihm garantiert? Doch wenn Friedrich Merz wenig polyglott das aus seiner Sicht überhaupt nicht anheimelnde Stadtbild der brasilianischen Metropole  Belem beklagt oder sich darüber beschwert, in Angola habe es für ihn am Frühstückstisch kein gutes gutes deutsches Brot gegeben, funktionieren die Hysterie-Reflexe der Empörungsindustrie auch so und es ergoss sich ein medialer Shitstorm über  Merz, egal, ob und wie sich  Jan Böhmermann dazu geäussert haben mochte. Im Internet geben die „Digitallotsen“ Tipps für den Umgang mit einem Shitstorm, wenn man selbst mal Opfer eines solchen wird: man solle „ruhig bleiben“ und „Kritik ernst nehmen“, denn wenn man die Empörer einfach ignoriere, werden sie nur noch wütender und der Shitstorm bis hin zu Morddrohungen nur noch größer. Politiker greifen daher zur Beschwichtigung gerne zu einer rituellen Entschuldigung: Merz bedaure, „die Schönheit Amazoniens nicht anders erlebt zu haben“, hieß es aus dem Kanzleramt. Der Autor Denis Gerner hält auf der Webseite „diskursmonitor“  diese Rituale zur Beschwichtigung der Shitstorm-Wüteriche allerdings  vielmehr für eine „Praktik der Nicht-Entschuldigung“ in der „Form der inszenierten, strategischen öffentlichen Entschuldigung, die einer Entschuldigung ähnelt,… aber nicht als glaubhaft erachtet wird. Mit der Nicht-Entschuldigung verfolgen Diskursakteure verschiedene Ziele: sie wollen Ablenken von der eigenen Schuld, erhoffen sich eine Reputationsverbesserung durch vorgespielte Reue oder wollen (andere) negative Konsequenzen abwenden und sich in der Öffentlichkeit positiv als fehlereinsichtig und selbstkritisch darstellen.“ Aha. Die römisch-katholische Kirche kennt übrigens schon sehr lange solch ein moralisches Reinigungsritual in der Form der Absolution: „Am Samstag jehste dat beichten, un dann is et wieder jot.“

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Wird Bärbel Bas auch in diesem Jahr wieder ein Feuerwerk der guten Laune zünden? Schließlich herrschte im vergangenen Jahr Jubel, Trubel, Heiterkeit beim Arbeitgeberverband, als die Gastrednerin Bärbel Bas dort das Wort ergriff und Lachsalven erntete. Obwohl die Bundesssozialministerin Bärbel Bas auch Mitglied der KG Rote Funken Duisburg e.V. ist, bleiben uns wohl Aufritte von ihr als Büttenrednerin im rheinischen Karneval als „Et Bärbel us Duisburg“ erspart („Bärbelfrei die Narretei“). Und damit hören wir z.B. auf der Fastelovendssitzung der Post-Gewerkschaft auch nicht folgenden etwas abgestandenen Lars Klingbeil-Witz aus dem Munde von Bärbel Bas: „Lars Klingbeil bewirbt sich bei `Wetten dass?` Er behauptet, von zehn Postautos könne er neun an der Farbe erkennen.“ Es folgt nun an dieser Stelle ein viel  besserer Real-Witz von Bärbel Bas über sich selbst  auf ihrer Website https://www.baerbelbas.de/ueber-mich/ueber-mich: „Bei uns zu Hause war immer was los. So ist das, wenn man mit fünf Geschwistern aufwächst. Meine Eltern haben auf Parität geachtet: drei Mädchen und drei Jungs.“ Tätätätätätä, Rakete und Klatschmarsch. Der legendäre Kölner Karnevalist Hans Hachenberg pflegte übrigens in den 1960er Jahren seine Auftritte als „Doof Nuss“ immer mit den Worten einzuleiten: „Ze Hus wore mer dreizehn Kinder. Und ming Schwester, dat war et Ludmilla…“ Die Leute damals lachten schon, wenn sie nur den Namen „Ludmilla“ hören, denn in der Zeit des Kalten Krieges hätte in Westdeutschland niemand seine Tochter auf den Namen „Ludmilla“ getauft. Die Pointe zündete mithin durch ihre Absurdität. Aber wenn Bärbel Bas auf der Prunksitzung des SPD-Vorstands ihrem Co-Vorsitzenden ein fröhliches „Lars jucken, Kumpel“ entgegen ruft, lacht wahrscheinlich niemand. Oder doch?  

Essen und Trinken mit Herrn Bär

Französische Zwiebelsuppe mit Munsterkäse Kleingehackte Zwiebeln in Knoblauchbutter andünsten, etwas Mehl einrühren, Gemüsebrühe hinzufügen, mit Salz und Pfeffer würzen, köcheln lassen, bis die Suppe reduziert ist. Dann in feuerfeste Schälchen gießen, Weißbrotscheiben und Munsterkäse in Scheiben auflegen und im Backofen 15 Min. garen, bis der Käse gratiniert ist.

Chicorée-Salat mit Clementinen oder Mandarinen, Mandeln oder Walnüssen, frischem Rotkohl, Parmesan, oder geriebenem Emmentaler oder griech. Feta. Alles gut in Olivenöl und Essig miteinander vermengen, würzen mit Salz, Pfeffer, Schnittlauch oder Petersilie.

Roter Rettichsalat „Lars Klingbeil“ Roten Rettich und Radieschen in dünne Scheiben raspeln und mit etwas Gartenkresse, Schnittlauch, Olivenöl und Essig vermengen und ein wenig salzen. Wer will, kann auch Apfelscheiben hinzufügen und einen Klacks Bärlauch-Pesto unterrühren.

Sugo siciliana à la Karl-Josef Bär Kleine Zwiebelstücke in einem Topf mit heißem Olivenöl andünsten, kleine Selleriestücke hinzugeben, dann Stücke von grünem und rotem Gemüsepaprika, klein gewürfelte geschälte frische Tomaten und pomodori pelati aus der Dose, Kalamata-Oliven, kleine Anchovis (Sardellen in Öl), Kapern, reichlich Knoblauch, würzen mit Salz, Pfeffer, etwas Chili-Paste, Salbei und Thymian.

Schwertmuscheln mit Petersilie und Knoblauch Ein typisches Gericht aus der Bretagne und aus Flandern mit länglichen Schwertmuscheln, ersatzweise Miesmuscheln: in einem Sud aus ausgekochten Krabbenschalen, Rotbarbenstücken, Möhre, Sellerie, Zwiebeln und Knoblauch lässt  man die Schwertmuscheln (frz. Couteaux) bei niedriger Hitze 6-8 min ziehen. Die Muscheln öffnen sich und kurz vor dem Servieren wendet man sie in einer flachen Pfanne  mit heißem Öl, in welchem man vorher Knoblauch und Petersilie erhitzt hat. Abschmecken mit Salz, Pfeffer und Zitrone. Den Sud kann man auch als Süppchen genießen.

Wildschweinmedaillons Karl-Josef Bär Wildschweinmedaillons in Olivenöl mit Zwiebeln von beiden Seiten kurz braten, salzen, pfeffern. Separat für die Sauce getrocknete Pfifferlinge und/oder Steinpilze 1-2 Std. einweichen, Wasser abgießen, Pilze dann gründlich waschen, Zwiebeln andünsten, Granatapfelkerne, Walnüsse und Pilze und etwas Wurzelgemüse (Möhren- und Selleriestücke) mitdünsten, mit Wildfonds auffüllen, kurz aufkochen lassen, würzen  mit Salz, Pfeffer, Knoblauch Majoran, Kümmel, Thymian. Dazu Apfelrotkohl, Knödel oder Weizengrieß-Polenta oder Püree. 

Poulet normand – Stubenküken normannische Art à la Karl-Josef Bär Stubenküken in einer Pfanne in heißem Öl von allen Seiten anbraten (oder in sechs große Stücke zerteilt anbraten) Dann in einen Sud aus gedünsteten Zwiebeln, Porree, Petersilienwurzel oder weißen Rübenstücken, Möhrchen und reichlich Knoblauch geben, köcheln lassen oder in einer Casserole im Backofen garen, mit Salz, Pfeffer und Thymian würzen, zum Schluss mit Kochsahne und einem Eigelb abrunden. 

Baer aktuell 355 – 22. Dez. 2025

Dezember 2nd, 2025

Bild des Monats Dezember 2025: J. Raap, „Die innere Freiheit“, 2025

Bär aktuell – das einzige Blog-Magazin, in welchem der Chefredakteur sich selbst interviewt.

Bär aktuell: Herr Bär, zu Ihrem Bild des Monats „Die innere Freiheit“ sehen wir hier die Untermalung und die Endfassung. Worin liegt da der Unterschied ?

Bär: Die Endfassung es fädig und die Untermalung nit.

Bär aktuell: Aha. Sie spielen mit diesem Bild unter anderem an die Fastnachtsspiele des Mittelalters an? Was verkörpert die schnabelförmige Maske?

Bär: Dat in ein Pestdoktor. In Pestepidemien hatten die Ärzte en dä schnabelförmigen Maske  innendrin so komische Kräuter, die anjeblich jejen die Pest jeholfen han. Dat stimmt ävver nit. Die Lück sin damals trotzdäm all jestorvve, un bei denne Fastnachtsspiele em 16. Jahrhundert ging et dann nit um ene Remmi-Demmi-Karneval wie hück zu dag, sondern um eine Mahnung an den Tod, dä in solch schlimmen Zeiten einfach zum Alltag jehörte. Übrig jeblieben vun diesem Ritual der alten Fastnachtsspiele ist bis heute nur noch dat Äschekrütz op dä Stirn zo Äschermittwoch.

Bär aktuell: Aber trotzdem geht es in Ihrem Bild lustig zu. Da ist ein Narr zu sehen, eine Varietétänzerin zu sehen, da wird musiziert…“

Bär aktuell: Jo, ävver dä Typ met dä Bratsche, dä spillt dat Lied en Moll. Damit sich dat wat besinnlicher anhört. Ich denke, dat merkt man als Betrachter, wenn man sich dat Bild länger beloort. 

Baer aktuell no. 355   – 22. Dez. 2025

Christian Lindner wird „Autoverkäufer“ titelte „auto motor sport“. Allerdings steht der Ex-FDP-Chef nicht auf einem mit bunten Fähnchen geschmückten Abstellplatz für Gebrauchtwagen herum und preist eine Rostlaube als scheckheftgepflegt“ an, sondern er ist ab Januar 2026  stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Autoland AG und macht damit „sein Hobby“, nämlich das Autofahren, „zum Beruf, so „tagesschau.de“. Und da jemand, der den Schaden hat, sich um Spott nicht sorgen muss,  durfte via „Tagesspiegel“ „Deutschlands bekanntester Fahrzeugfachmann“, nämlich TV-Moderator Det Müller Christian Lindner erklären, „wie man im Autohandel überlebt“. Müller: „Für die Glaubwürdigkeit würde ich ihm einen Smart empfehlen“. Dass wir den in der Vergangenheit oft etwas großspurig aufgetretenen Porsche-Fahrer Christian Lindner demnächst tatsächlich am Lenkrad eines Kleinwagens erleben, dürfte allerdings bezweifelt werden. „Christian Lindner erheitert das Netz mit einem Bild“, kommentierte „Focusonline“ ein Foto, das Lindner in Warnweste „vor einem Fahrgerät der Marke Caterpillar“ zeigt nebst der Information, dass der EX-FDP-Häuptling jetzt auch noch im Aufsichtsrat eines Unternehmens sitzt, das als „weltweit führender Hersteller von Kalk, Dolomitkalk und Minerallösungen“ gilt. Ist Christian Lindner durch besondere Fachkenntnisse zur diesen Job prädestiniert? Immerhin sei einer seiner Urgroßväter Sprengmeister in einem Kalkbergwerk gewesen, lässt Lindner verlauten. Nach seinem Ausscheiden aus der Politik traf hingegen der frühere SPD-Generalsekretär Kevin Kühnert eine andere Berufswahl, indem er nun für die Organisation „Finanzwende“ wirkt, die nach ihren eigenen Angaben „stabilere, faire und nachhaltige Finanzmärkte“ einfordert. Allerdings stehen Sozialdemokraten gemeinhin im Ruf, nicht mit Geld umgehen zu können, und so fragt sich Herr Bär, ob Kevin Kühnert nicht lieber Gebrauchtwagenhändler hätte werden sollen.

Die schönsten Fehlleistungen des Jahres

Auf Platz  1  finden wir Greta Thunberg, über die (sogar) das Portal „Greenya“ resümmiert: „Kritiker werfen ihr vor, zu emotional oder moralisch aufzutreten, ohne praktikable Lösungen anzubieten“. Noch härter geht „Focus“ ihr ins Gericht und wirft ihr eine „gefährliche PR-Show“ vor:“ Hinter Greta Thunbergs Segeltrip nach Gaza steckt „ein verlogenes Drehbuch“, denn sie wolle im Grunde genommen nur Aufmerksamkeit: „Denn das perfekte Bild ist nicht das einer Heldin, die in Gaza hilft. Sondern das einer Heldin, die von israelischen Soldaten ´aufgehalten´ wird.“ Auf Platz 2 ist Ex-Vizekanzler Robert Habeck notiert, weil sogar Mechthild Heil, die Vorsitzende der Gruppe der Frauen der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, ihn für „rüpel- und machohaft“ bzw. „schlicht peinlich“ hält und ihm einen „würdelosen Abgang aus der Politik“ vorhält, was wiederum der Kabarettist Ingo Appelt mit den Worten ausdrückte, Habeck sei einst als Hoffnungsträger gestartet und habe jetzt als „beleidigte Leberwurst alles hingeschmissen“. Über das seinerzeitige Wirken von Jens Spahn als Bundesgesundheitsminister bilanzierte ZDFheute: „Die Maskenbeschaffung wurde zum Milliarden-Euro-Grab für den Steuerzahler…“, was denn auch der Bundesrechnungshof als eklatante Fehlleistung zu Recht rügte und Spahn hier Platz 3 einbringt, zumal er zudem als CDU-Fraktionsvorsitzender seine Fraktion nicht im Griff hat, die übermütigerweise bei dessen Kanzlerwahl Fritze Merz im ersten Anlauf eine Abstimmungsniederlage bescherte. Platz 4 ist für „Deutschlands dümmsten Einbrecher“ reserviert, der „weder Handschuhe noch Maske“ trug und deswegen gut von der Überwachungskamera gefilmt wurde, und sich dann „während der Flucht“ aus einem Handyladen „an der kaputten Scheibe“ verletzte, „wodurch er zusätzlich eindeutige DNA-Spuren hinterließ“, und zudem als Beute keine wertvollen Smartphones davon trug, sondern lediglich Attrappen. Platz 5 nimmt der Prinz Andrew Albert Christian Edward Mountbatten Windsor ein, der sich als Skandalnudel der britischen Royals sogar und ausgerechnet von Donald Trump vorhalten lassen muss: „Es ist schrecklich, was dieser Familie widerfahren ist“, und Platz 6 Donald Trump selber, der nämlich über seine Teilnahme an einem Intelligenztest herum strunzte, es sei schon recht schwierig, sich „Person, Frau, Mann, Kamera, Fernseher“ in der richtigen Reihenfolge zu merken, nur für ihn selbst allerdings nicht. Auf Amazon werden Heidi-Reichinnek-T-Shirts als Fanartikel jetzt für „13,99 Euro statt 17.99“ verramscht, was der zu einem Personenkult nordkoreanischen Ausmaßes neigenden Ikone der Linkspartei Platz 7 einbringt. Bei www.kleinanzeigen.de wurde kürzlich auch noch ein Leninorden für nur 12 Euro statt 15 Euro angeboten, und so fragt sich Herr Bär, ob derlei Fanartikel-Merchandising mit Linkspartei-Devotionalien kommerziell überhaupt einträglich ist, wo doch gleichzeitig ein adidas-Exemplar des Heimtrikots vom FC Bayern München satte 100 Euro kostet. Über Sarah Wagenknechts Rückzug aus dem Vorsitz ihres BSW- Fanclubs wusste der „Spiegel“ zu berichten, sie habe die Macht gewollt, dafür aber nicht die Bürde organisatorischer Arbeit auf sich nehmen wollen. Anders ausgedrückt: für parteipolitische Kärrnerarbeit ist sie einfach zu faul (Platz 7). Platz 8 haben sich die Schnösel von der Jungen Union verdient, die den Rentnern ab 2031 mehr nicht ihre Butterfahrten und Bingoabende zum jetzigen Rentenniveau gönnen wollen und deswegen dafür sorgten, dass der verblichene CDU-Sozialminister Norbert Blüm („Die Renten sind sicher“) sich im Grabe herumdreht. In diesem Sinne hat der CDU-Gesundheitspolitiker und Bundesdrogenbeauftragte Hendrik Streeck Platz 9 inne, weil er meint, Hochbetagte sollten keine teuren Medikamente mehr bekommen, was selbst der FDP-Grande Wolfgang Kubicki für „kalten Zynismus“ hält und der Grünen-Politiker Janosch Dahmen schlicht für „Unfug“. Warum Jan Böhmermann Platz 10 einnimmt, lässt sich mit der Schlagzeile bei n-tv mit dem Text „Mehrheit findet Jan Böhmermann nicht lustig“ begründen.

Baer aktuell 354 – 22. Nov. 2025

November 1st, 2025

Bild des Monats November 2025: Jürgen Raap, „Die innere Freiheit“, Vorzeichnung und Untermalung, 2025

Bär aktuell – das einige Blog-Magazin, in welchem der Chefredakteur sich selbst interviewt.

Bär aktuell: Herr Bär, das Bild des Monats zeigt diesmal nur die Vorzeichnung und die Untermalung.

Bär: Jo jo.

Bär aktuell: Heißt das, Sie sind diesmal nicht rechtzeitig fertig geworden?

Bär: Enä.

Bär aktuell: Es heißt, Sie hätten für diese Untermalung als erster Farbschicht, die man Imprimatura nennt, ein Programm mit Künstlicher Intelligenz zu Rate gezogen?

Bär aktuell: Künstlerische Intelligenz. Dat Programm hätt mir jesaht, ich soll als Braunton Van Dyck-Braun nemme. Ich han en mingen Atelier  ävver jrad kein Van Dyck-Braun jehatt. Da han ich stattdessen Umbra-Braun, Ocker un Grüne Erde jenomme. Dat hätt dä Doof nit jemerkt.

Bär aktuell: Sie haben die Künstliche Intelligenz also ausgetrickst. Was ist das denn für ein Programm?

Bär: Ein chinesisches Malprogramm. Dat heißt „Wladimir“.

Bär aktuell: Wladimir? Ist das nicht ein russischer Name? Ein chinesisches Malprogramm mit Künstlicher Intelligenz, das einen russischen Namen trägt?

Bär: Jojo. Et soll ja keiner wissen, dat das us China kütt. Deswegen han die diese Künstlerische Intelligenz “Wladimir“ jenannt. Ävver ich mööch en jern wissen, wat för ne Doof dat Malprogramm trainiert hat. Dä Wladimir kann ja noch nit ens Van Dyckbraun vun Umbra-Braun unterscheiden. Da male ich ming Bilder lieber weiterhin selver.

Bär aktuell 354 – 22. Nov. 2025

Fotostrecke „Materialien zur Stadtbild-Diskussion“: Bahnhofsuhr Köln-Deutz Gleis 10 mit falscher Winterzeit im November, Urinspur in der U-Bahnpassage Dom/Hbf.- Andreaskloster, monatelange Rolltreppen-Baustelle U-Bahnstation Venloer Str. /Ehrenfeldgürtel, Graffiti in Kölner Altstadt, Fotos: Copyright J. Raap 

Materialien zur Stadtbild-Diskussion Wenn die Töchter von Friedrich Merz Punkt sieben Uhr abends zu Hause sein müssen, sollten sie sich nicht auf die Bahnhofsuhr in Köln-Deutz an Gleis 10 verlassen, die auf diesem Foto fünf vor sechs anzeigt, mithin 17.55 Uhr, obwohl es an jenem Novembertag zum Zeitpunkt der Aufnahme schon längst fünf vor sieben war (der nächste Zug nach Düren fuhr tatsächlich zwei (!) Minuten später um 18.57 Uhr ab). Warum aber am Aufgang zu Gleis 10 zudem ein Fahrplan hängt, dessen Auflistung nur Züge „ohne Gleis 9 und 10“ ankündigt, könnte den Merz-Töchtern auch niemand erklären, sollten sie jemals dort stranden und ratlos vor dem Fahrplan stehen. Sie bekämen keineswegs von Papa Merz den Hintern versohlt, weil sie eine Stunde zu spät zu Hause eintreffen und ihnen niemand glaubt, dass in Deutschland mittlerweile auch die Bahnhofsuhren falsch gehen, die früher mal als Inbegriff deutscher Verlässlichkeit und Pünktlichkeit galten. Die Prügelstrafe ist bekanntlich auch im Sauerland längst abgeschafft; es bestünde mithin kein Grund, mit einer Demonstration vor der Berliner CDU-Zentrale Solidarität für die Töchter von Friedrich Merz einzufordern, während hingegen im Iran erst im März diesen Jahres der iranische Popsänger Mehdi Yarrahi mit 74 Hieben ausgepeitscht  wurde, weil  der 26. Abteilung des Islamischen Revolutionsgerichts in Teheran Yarrahis Liedzeile „Leg dein Kopftuch ab, lass dein Haar frei“ missfiel. Töchter, die in anderen Ländern erst gar nicht das Haus verlassen dürfen, können nicht zu spät nach Hause kommen, auch wenn die Bahnhofsuhr die richtige Zeit anzeigt. Ein Kulturkampf hat immer auch etwas mit kultureller Überheblichkeit zu tun, und  ebenso mit einem rigorosen Konformitätsdruck, mit dem eine Gefolgschaft für diese oder jene Ideologie eingefordert wird. Kulturelle oder soziale Konkurrenz fördert Aggression, welche sich dann im Vandalismus ein Ventil schafft und völlig enthemmt einen entsprechenden Niederschlag im Stadtbild findet, in der Verschmutzung und in der Zerstörung. Wer Angst sät, will Macht über die Verängstigten gewinnen. Verwahrlosung ist dabei ein Zeichen von Kontrollverlust in jeder Hinsicht.

Schon die Alchimisten wollten unedle Metalle wie Blei oder Quecksilber zu Gold veredeln, und einer von ihnen namens Böttger habe 1708 dabei eher beiläufig das Porzellan in Europa erfunden, so heißt es. In China kennt man hingegen keramisches Porzellan bereits mindestens seit der Han-Zeit ab 260 v. Chr. Der Konzeptkünstler Piero Manzoni hat 1961 als seine persönliche Alchimie seine eigenen Exkremente als „merde d`artiste“ (Künstlerscheiße) in Konservendosen abgefüllt und zum Verkauf angeboten. Eine dieser Konzept-Skulpturen wurde 2016 in Mailand zu einem bisherigen Höchstpreis von 275.000 Euro versteigert. In einer kunsthistorischen Nachfolge zu Marcel Duchamp, der 1917 mit deklaratorischer Geste ein Pissoir-Becken aus Keramik aus dem Sanitärladen als Skulptur zu einer Ausstellung eingereicht hatte, damit das „ready made“  als Kunstwerk erfand und solchermaßen eine künstlerische Gleichwertigkeit des vorgefundenen massenhaften industriellen Fertigprodukts mit dem gestalterisch Geformten in der klassischen Kunst und im klassischen Design proklamierte, hat der Künstler Maurizio Cattelan nun für ein Mindestgebot von 10 Mill. Euro eine Skulptur in Form einer benutzbaren goldenen Kloschüssel zur Versteigerung angeboten (man erfreue sich an dieser Stelle am Satzbau, aber heute schreibt ja keiner mehr Sätze wie Thomas Mann). Die Festsetzung des Preises von 10. Mill. wird mit dem aktuellen Kurs für Gold und der verwendeten Goldmenge für das Klo  begründet. Im Falle von Manzoni wie Cattelan handelt es sich um eine gewollte Gleichsetzung des als edel und wertvoll Angesehenen auf der einen und des Banalen, Trivialen und eher Missachteten auf der anderen Seite – anders ausgedrückt: hier stehen sich Sakrales und Profanes ausgewogen gegenüber. Wo fußballerische Fankultur zur Ersatzreligion wird, erfahren erfolgreiche Trainer oder Spieler symbolisch eine mediale Heiligsprechung bei gleichzeitiger schnöder Kommerzialisierung. Ein 19jähriger Fußballspieler des 1. FC Köln namens Said el Mala, der noch vor einigen Monaten brav beim Drittligsten Viktoria Köln kickte, soll laut www.transfermarkt.de  jetzt aktuell im Falle eines erneuten Vereinswechsels einen Transferwert von 18 Mill. Euro haben. So  viel müssten z.B. der FC Bayern München, Borussia Dortmund, der SG St. Germain Paris oder englische Top-Klubs an den 1.FC Köln zahlen, sollte dieser den Spieler vorzeitig aus seinem bis 2030 laufenden Vertrag zu einem anderen Club ziehen lassen. Da der FC Viktoria Köln wiederum für el Malas Wechsel zum 1. FC Köln von diesem dem Vernehmen nach nur 350.000 Euro Ablösesumme bekam, hat der mediale Hype mit einer nahezu sakralen Aura um den Spieler etwas Alchimistisches, zumal die Sportpresse kolportiert, der 19jährige Jungstar sei wie ein roher Diamant, der in seiner weiteren fußballerischen Entwicklung von den Trainern erst noch zurecht geschliffen werden müsse. Zum Vergleich der gesellschaftlichen Bewertung künstlerischer, sportlicher oder medizinischer Leistungen: ein Oberarzt an einer Uni-Klinik, der als Gefäßchirurg in einer mehrstündigen hochkomplizierten Operation das Bein eines Patienten vor der Amputation rettet, hat ein Jahreseinkommen von etwa 97.000 bis 124.000 Euro. Für den Transferwert eines talentierten 19jährigen Nachwuchsfußballers bekommen Sie auf dem Kunstmarkt also auch zwei goldene Kloschüsseln von Maurizio Cattelan, oder – wenn Sie doof genug dafür sind – zum Neuwertpreis von 24 Euro exakt 83.333 gebundene Ausgaben von Christian Lindners Denkschrift „Schattenjahre: Die Rückkehr des politischen Liberalismus“.

Bärs Bestatterkritik Wie die Kölnische Rundschau reportierte, geriet in der englischen Hafenstadt Hull der Bestatter Robert Bush ins Visier der Ermittlungsbehörden, weil man in seinem Keller Leichen fand. Das ist in einem Beerdigungsinstitut eigentlich nichts Ungewöhnliches; hier jedoch handelte es sich um Leichen, die eigentlich längst bestattet sein müssten. Bestatter Bush geriet somit in Verdacht, den Hinterbliebenen stattdessen nur leere Urnen ausgehändigt zu haben oder solche mit fremder Asche. Er muss sich nun wegen Betrugsverdachts juristisch verantworten. Es empfiehlt sich daher zumindest in der Hafenstadt Hull makabrerweise, vor der Beisetzung noch mal nach zu schauen, ob in der Urne auch alles drin ist, was dort hinein gehört.

Wer Albernheiten nichts abgewinnen kann, der grämt sich keineswegs darüber, dass Friseure inzwischen auf alberne Bezeichnungen ihrer Wirkungsstätte wie „Haarspalterei“, „Schnittstelle“ oder „Kopfsalat“ neuerdings lieber wieder verzichten und sich auch den nicht mindern albernen Ausruf „Yes we kämm“ verkneifen. Neue Wege der kuriosen Werbung geht unterdessen scheinbar ernsthaft  ein Figaro in Köln-Lindenthal, der seine Künste für „das anspruchsvolle Haar“ anpreist und  versichert, bei ihm gäbe es einen Haarschnitt „in Salonqualität“. So fragt sich Herr Bär einigermaßen ratlos,  welche handwerkliche Qualität man sonst noch in einem Friseursalon erwarten könnte. Dass da ein übermütiger „Haarlboro“ oder ein unbekümmerter „Haarpunzel“ seinem Kunden mit der Kettensäge den Schädel abrasiert und dies gemeinhin als „Kaiserschnitt“ in  „Salonqualität“ durch ginge, bezweifelt Herr Bär allerdings und beendet diese Glosse ebenso albern mit einem fröhlichen   „Haarlelujah“.

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Essen und Trinken mit Herrn Bär

Garnelen-Cocktail „Duisburg-Hamborn“ Muss man eine Vorspeise nach Bärbel Bas benennen, bloß weil sie keine Gelegenheit auslässt, überall herumzuerzählen, sie käme aus Duisburg? Nicht unbedingt. Wohl aber nach dem Duisburger Vorort Hamborn, weil das erste Spiel des 1. FC Köln, das Herr Bär live im Müngersdorfer Stadion sah, 1962 in der damaligen Oberliga West gegen Hamborn 07 ausgetragen und vom FC 4:0 gewonnen wurde. Hier also das Rezept für den „Garnelen-Cocktail Duisburg-Hamborn“: In einer Sauce aus Joghurt, Meerrettich, etwas Chilipaste, Salz, Ingwer, einem Hauch frischem Knoblauch und ein paar Spritzern asiatischer Fischsauce Garnelen, Dill, Salbei, kleine grüne Paprikastücke, kleine Gurkenstücke und Gartenkresse miteinander vermengen.

Blumenkohl-Curry „Rösrath“ Wie gegenseitige kulturelle Aneignung mit anschließender Umdeutung über die Jahrhunderte kulinarisch funktionieren kann, beweist dieses Rezept: Der Blumenkohl stammt ursprünglich aus Kleinasien (Türkei), verbreitete sich dann auch an den Küsten der Levante (östliches Mittelneer), kam von dort durch venezianische Händler im Mittelalter nach Italien und vermutlich durch deren Handel mit Indien schließlich auch dorthin, wo das Curry-Gericht „Aloo Gobi“ mit Blumenkohl und Kartoffeln heute zu den Klassikern der indischen Küche zählt. Die von Herrn Bär kreierte Variante „Rösrath“ heißt nur so, hat ansonsten mit Rösrath nichts zu tun und besteht aus kleinen Blumenkohlröschen, die man zusammen mit Zwiebeln, dünnen Möhrenstreifen und Sesamkörnern in einer Pfanne in heißem Öl andünstet. Dann gibt man eine Paste hinzu, die man im Mixer aus grünem Gemüsepaprika (Spitzpaprika), einer Chilischote, klein gehackten Ingwerstücken und Knoblauch püriert hat, verrührt dies mit Gemüsebrühe, Kochsahne und Kokosmilch. Das Ganze lässt man kurz aufkochen und dann zusammen mit rotem Curry, gelbem Curry, Schwarzkümmel oder Kreuzkümmel und frischem Korinander ziehen bzw. dünsten , bis alles Gemüse weich ist.

Überbackener Porree „Opheylissem“ Opheylissem (französsch Hélécine) ist ein Dorf östlich von Brüssel genau auf der Sprachgrenze: auf der Hauptstraße spricht man in den Läden und Lokalen auf der nördlichen Straßenseite nur niederländisch (Flämisch-brabantisch), auf der anderen, südlichen Straßenseite hingegen nur französisch-wallonisch. Ein Klassiker der belgischen Küche: Ganze Porreestangen (nur den weißen Teil) in Salzwasser mit etwas Essig andünsten, dann nachsalzen, pfeffern, etwas Knoblauch, Dill und Schnittlauch hinzufügen, mit gekochtem Schinken umwickeln, mit kleinen Tomatenstücken und Emmentaler Schmelzkäse bestreuen und im Backofen erhitzen, bis der Käse geschmolzen ist.

Baer aktuell 353 – 22. Okt. 2025

Oktober 23rd, 2025

Bild des Monats Oktober 2025: „Die Stimme von Longerich“, 2025

Baer aktuell no. 353   – 22. Okt. 2025

Auch das ist Service: Die Berliner Verkehrsbetriebe BVG publizieren bereits 2021 „Aufzugsstörungen ab sofort in Echtzeit“. Wer allerdings in der Domstadt mit den Kölner Verkehrsbetrieben (KVB unterwegs ist, der stößt  unter kvb.koeln/fahrtinfo/betriebslage/aufzuege  zwar auch auf eine „aktuelle Übersicht der Aufzugstörungen“, dies aber nicht immer in Echtzeit, denn es könnte „sein, dass ein Aufzug im Laufe des Tages ausfällt und keine Meldung bei der Leitstelle der KVB eingeht.“ So, so. Doch die KVB wollen demnächst dennoch und frohen Mutes die Fahrscheinautomaten abschaffen und ihre Tickets nur noch via App vertreiben, was man einerseits mit einem Zitat des Komikers Helge Schneider als „digitale Altersdiskriminierung“ schelten kann, da womöglich nicht unbedingt jeder 93jährige Handybesitzer überhaupt weiß, was eine App ist und wie man sie nutzt, und man zum anderen befürchten muss, dass sie bei der KVB  die digitale Ticket-Abrechnung technisch nicht in Echtzeit hinkriegen, wenn die Leitstelle jetzt schon nicht alle notorisch defekten Aufzüge rund um die Uhr „in Echtzeit“ zu erfassen vermag. Denn falls die App nicht richtig funktioniert, riskiert man, im steckengebliebenen Aufzug beim Schwarzfahren erwischt zu werden.

Von sprachlichen Flapsigkeiten und von verbaler Polarisierung soll diesmal hier die Rede sein. Über Jan Böhmermann, von seinen Fans zu „Böhmi“ verniedlicht, behauptete der „Spiegel“, dessen Sendung „ZDF Magazin Royale“ zähle „zu den polarisierendsten Formaten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks“. Für Herrn Bär lässt sich eine Kontroverse über „Böhmis“ Hang zum Polarisieren in erster Linie an dessen handwerklich bedenklicher Vermengung von satirisch Gewolltem mit investigativjournalistisch Gemeintem festmachen, wobei der TV-Moderator „Böhmi“ in der Rolle des Journalistendarstellers immer wieder den Grundsatz von Hans-Joachim Friedrichs ignoriert, ein guter Journalist mache sich mit keiner Sache gemein, auch nicht mit einer guten. Nun beklagte sich „Böhmi“ in einem Interview mit dem „Spiegel“ kürzlich über die „ immer ängstlicher und schwammige Sprache in den Medien“. Das Hamburger Intelligenzblatt leistete sich in seiner jüngsten Print-Ausgabe zwar die sprachliche Flapsigkeit, den homo heidelbergensis als „Steinzeit-Dödel“ zu bezeichnen, aber darüber regte sich niemand auf, da urhistorisches Dödeltum im 21. Jh. offensichtlich nicht zur politischen Polarisierung taugt. Auch die Beobachtung eines „Spiegel“-Reporters, Frank-Walter Steinmeier habe frühmorgens mit „Schlafaugen“ vor dem Berliner Schloss Bellevue gestanden, rief keinerlei Shitstorm bei den notorischen Empörungsprofis hervor. Apropos Shitstorm: Das ZDF wollte sich eigentlich von „Böhmi“ getrennt haben, berichtete die BILD-Zeitung, soll sich dann aber wieder anders besonnen haben: „Das ZDF wird den Vertrag noch einmal um ein Jahr verlängern. Auch aus politischen Gründen, wie BILD erfuhr: Auf dem Mainzer Lerchenberg, dem ZDF-Sitz, hatte man Angst, in einen Shitstorm zu geraten, wie der Disney-Konzern in den USA nach der (vorübergehenden) Absetzung des Nacht-Talkers Jimmy Kimmel.“ Das Wort „Polarisieren“ wurde übrigens im 18. Jahrhundert von dem französischen Chemiker Étienne-Louis Malus geprägt, um die Ausrichtung von Lichtwellen aufgrund ihrer Schwingungsrichtung zu beschreiben.

Baer polyglott – unterwegs mit Herrn Bär Wer einmal pünktliche Züge erleben will, der vertraue sich den Belgischen Eisenbahnen an, und er erlebt auch in Brüssel, Brugge und Blankenberge saubere Bahnhöfe, in denen Rolltreppen und Aufzüge tadellos funktionieren. Kommt man in Brugge mit Einheimischen ins Gespräch und offenbart ihnen, man käme aus Köln, sagen sie, Köln sei keine schöne Stadt, denn der Übergang von folkloristischer rheinischer Lässigkeit zu massiver urbaner Verwahrlosung hat sich mittlerweile auch bis nach Brugge herum gesprochen. Auf der Strandpromenade von  Blankenberge steht ein Denkmal aus der Zeit von König Leopold II, nämlich dem Jahr 1900, zum Gedenken an zwei 1892 im Kongo ermordete Kolonialoffiziere, und jemand hat die  gedruckte Texterläuterung um die handschriftlich notierte Frage ergänzt, warum die Frauenfigur zu den Füssen der Offiziere unbedingt nackt sein müsse. Es heißt, im Ersten Weltkerieg hätten deutsche Besatzungstruppen die Offiziers-Figuren geraubt.  Sie seien sann 1920 durch neue ersetzt worden, zusammen mit dem weiblichen Akt.  Soviel zum Thema Dekolonisierung in Belgien.

Im Spielcasino des belgischen Badeortes Blankeberge herrscht kein Krawattenzwang, denn schließlich ist dies ein „Strandcasino“, wie der Manager Herrn Bär erklärte. Allerdings muss man am Eingang seine Personalien angeben, auch seinen Beruf, und die Hostess an der Reception, die das Formular für Herrn Bär ausfüllte, warf ihm nur einen flüchtigen Blick zu und trug dann ohne weitere Nachfrage „Pensionair“ in die Rubrik ein. Herr Bär gewann an jenem Abend am Spielautomaten 31 Euro und besserte damit seine Rente auf. Wahrscheinlich verstehen sie in der deutschen Regierungskoalition unter „Aktivrente“ aber etwas anderes.

Der Schauspieler Tom Gerhardt liebäugelt mit einem Comeback seiner Kunstfigur des spießigen „Hausmeister Krause“ und lässt via „Express“ kein gutes Haar an den sprachpolizeilichen Umtrieben der Woke-Bewegung: „Es ist so lächerlich, wie von allen Seiten versucht wird, die Sprache und das Verhalten zu beschneiden… Der Wokismus ist rückwärtsgewandt und reaktionär, obwohl er das Gegenteil von sich behauptet. Das ist kleinbürgerlich, pedantisch und verklemmt, dazu noch autoritär.“ Eben wie Hausmeister Krause. Wobei wiederum der Kabarettist Dieter Nuhr befürchtet, wenn das mit der Wokeness so weiter ginge, dann „fangen auch noch die Rapper an zu gendern“. Zum Suchbegriff „Schlechte Witze“ findet man unter https://schlechtewitze.com/rap den „Rap-Witz“: „Was sagt ein Leprakranker Rapper? Was geht ab?“ Kommentiert wird im Netz dieser „Aua aua“-Witz mit sechsmal Daumen hoch und sechzehnmal Daumen runter. So sei als Schlusspointe an dieser Stelle ein Zitat von Herbert Feuerstein angefügt: „Jeder hat das Recht, verarscht zu werden.“ Rechte spießige Hausmeister ebenso wie von ihren Gegnern der Weinerlichkeit gescholtene linke Wokisten oder zu aggressiven Texten mit simpler Weltsicht neigende Rapper.

Essen und Trinken mit Herrn Bär

Entrée „Stéphane Mallarmé“

Diese kleine Vorspeise widmet Herr Bär einem Dichter des französischen Symbolismus: Auf gesalzenen und gepfefferten Tomatenscheiben drapiert man Scheiben von hartgekochtem ein und darauf einen großen Klacks Joghurt mit ein wenig Senf, Salz und geraspeltem Sellerie.

Gefüllte Wachteln

Pro Person zwei Wachteln salzen und pfeffern, füllen mit Apfelstücken, Feigen, Maronen, grünen Pfefferkörnern, Thymian und reichlich zerdrücktem Knoblauch, Oberseite mit Knoblauchbutter bestreichen, im Backofen in einer Jenaer Glasschüssel bei 200 Grad garen lassen, bis die Oberseite gebräunt ist, in einem Sud aus Entenfond, Zwiebeln, Knoblauch, Feigen, Maronen, Apfelstücken, Sellerie und Thymian.

Perlhuhnbrust auf  marokkanische Art

Die gesalzenen und gepfefferten Perlhuhnbruststücke in einer Pfanne mit Zwiebeln auf beiden Seiten braten, dann aus einem Topf separat vorgekochtes Gemüse hinzufügen: Gedünstete Zwiebeln, Möhrenstreifen, Selleriestückchen, etwas rotem Gemüsepaprika, 1 kleingehackte Tomate, Fenchelstücken, Oliven, reichlich Knoblauch, gewürzt mit etwas Salz, Couscous-Gewürz, Harissasauce oder Chilisauce, frisch geraspeltem Ingwer, Thymian, gekocht in Zwiebel- oder Entenfond, abgerundet mit kroatischer Ajvar-Auberginen-Tomatenpaste oder mildem Paprikamark.

Baer aktuell 352 – 22. Sept. 2025

September 14th, 2025

Bild des Monats September 2025: Jürgen Raap, Wald bei Bad Bertrich, Aquarell(Mischtechnik, 2025

Bär aktuell 352 – 22. Sept. 2025

Stern-Stunden der Presse-Prosa Wenn „Der Stern“ eine Folge der mittlerweile arg altbacken gewordenen ARD-Sonntagabend-Krimis als „Pflegeheim-Tatort“ rezensiert, weiß man nicht so recht, ob damit lediglich gemeint ist, die „Tatort“-Folge spiele in einem Pflegheim, oder ob sich das Wortspiel auf eine bestimmte Altersgruppe innerhalb des ARD-Publikums bezieht, das von den bisweilen reichlich weltfremd anmutenden Drehbuchautoren eher mit betulichen volkspädagogischen Absichten als mit knallharter spannender Abendunterhaltung konfrontiert wird. Markus Söder unterdessen „fetischhaftes Weißwurstgefresse“ vorzuwerfen, fiel bislang keinem „Stern“-Journalisten ein, sondern dem Ex-Politiker Robert Habeck, der wiederum eine solche Formulierung für „neutral“ hält. Wie sehr in Internet-Suchmaschinen die Algorithmen daneben liegen können, beweist in diesen Tagen, da das Münchener Oktoberfest naht, zum Suchbegriff „weißwurstfresser habeck söder“ der Treffer  „DeliBest – Fleischrolle mit Hirse“, die sich nach Angabe des Herstellers „speziell für Hunde mit viel Bewegung und höherem Energiebedarf“ eignet, während wiederum im „Stern“ der Autor Nico Fried darauf hinweist, „die direkte politische Verbindung zwischen Bratwurststand und Bundesregierung sieht man daran, dass Söder den Metzgermeister Alois Rainer zum Landwirtschaftsminister erhob, der 2002 die mit 825 Metern bis heute längste Weißwurst der Welt hergestellt hat.“ Natürlich ohne Hirse. Darauf ein „Prosit der Gemütlichkeit.“

Essen und Trinken mit Herrn Bär

Poireau vinaigrette mit Matjes Porreestangenstücke ca. 10 Min. in Salzwasser kochen, Eier separat 6 Min. kochen, in kaltem Wasser abschrecken, schälen,  auf Teller mit Gabel zerdrücken. Darauf dann den lauwarmen Porree verteilen, mit Vinaigrette übergießen und mit Petersilie bestreuen. Bei der Vinaigrette vermischt man Ein wenig Gemüsezwiebeln, Senf und Essig miteinander, rührt dann Öl und Kräuter ein. Dieses Vorspeisenrezept aus der französischen Hausfrauenküche lässt sich gut mit holländischen Matjesfilets kombinieren

baer aktuell 351 – 3. August 2025

August 29th, 2025

Bild des Monats August 2025:

Jürgen Raap, „Gerontokraten unter sich“, Öl /Acryl auf Leinwand, 80 x 60 cm, 22. Juli 2025

Lost in Bad Bertrich – ein Schelmenstück für Kassenpatienten von Jürgen Raap / Karl-Josef Bär

Was gibt es über die medizinischen und sonstigen Abenteuer nach einer Hüftoperation zu berichten? Nun ja, die Implantation einer Hüftprothese verlief bei Herrn Bär chirurgisch erfolgreich, und die ersten Schritte nach der OP waren im Kölner St- Franziskus Krankenhaus dank geschickter therapeutischer Unterweisung auch recht vielversprechend, doch als Herr Bär eine Woche später zusammen mit drei Mitpatienten in einem Sammeltransport vom Krankenhaus zur Reha-Klinik in Bad Bertrich gefahren wurde, entpuppte sich der Chauffeur als ein pensionierter raunziger Bundeswehroffizier, der auf der Fahrt erst einmal ausgiebig herum meckerte, dass er so viele Koffer einladen musste; denn nie würde ihm jemand vorher Bescheid sagen, wie viele Koffer die Patienten mitnähmen. So ging es dann weiter. Der kaufmännische Geschäftsführer der Klinik erklärte in seiner Begrüßungsansprache als erstes, man möge sich bei ihm nicht über Dinge beschweren, an denen er selber nichts ändern könne, zum Beispiel dass der Bach so laut plätschert. Das war nicht als Witz gemeint, sondern todernst, und er wollte wohl damit sagen, man solle sich am besten überhaupt nicht bei ihm beschweren. Mit dem angeblich laut plätschernden Bach meinte er den Üßbach, der Bad Bertrich durchfließt, ein Städtchen in der Eifel, durchaus von moselfränkischer Lieblichkeit, das seine Zeiten als mondäner Kurort aber längst hinter sich hat, wie auch so viele andere ehemalige preußische Staatsbäder. An Prominenz nächtigte hier zuletzt 2006 die schweizerische Fußball-Nationalmannschaft. Obwohl die Hüftarthrose-Patienten instruiert wurden, nach der OP ein halbes Jahr lang einen erhöhten Toilettensitz zu benutzen und auf Stühlen mittels Kissenauflage die Sitzfläche ebenfalls zu erhöhen, sind die Zimmer in dieser Orthopädischen Klinik mit erstaunlich niedrigen Betten und extrem weichen Matratzen ausgestattet, von denen man sich frisch operiert nur äusserst mühsam hochstemmen kann, und als Herr Bär den Haustechniker darauf ansprach, meine dieser: „Ich kenne die Matratze in Ihrem Zimmer. Darüber hatte sich nämlich schon der Patient beschwert, der vor Ihnen dieses Zimmer hatte.“ Ein Austausch der Matratze sei freilich nicht möglich; es gäbe nämlich keine anderen, und außerdem dürfe er eigentlich ja gar keine Matratzen schleppen, denn er hätte es selber „im Kreuz“. Ein schönes Beispiel für das Bemühen um Inklusion, wenn sie in einer Orthopädischen Reha-Klinik einen Haustechniker mit Bandscheibenschaden beschäftigen. Wenige Tage, bevor Herr Bär sich im Operationssaal unters Messer begab, wusste die „Süddeutsche Zeitung“ zu berichten, „Die Verpflegung in Krankenhäusern und Pflegeheimen schädigt einer Studie zufolge bisweilen Gesundheit und Umwelt…  Die angebotenen Mahlzeiten seien weder förderlich für die individuelle noch für die planetare Gesundheit“, und Herr Bär, der nun insgesamt vier Wochen Klinikaufenthalt hinter sich hat, kann dies insofern bejahen, als er nahezu Tag für Tag zu allen Speisen fast immer nur dieselbe Bratensauce aus der Instant-Tüte zusammen gerührt vorgesetzt bekam. Als die Patienten einmal zwischen Schweinegulasch und Schweineragout wählen durften, und Herr Bär sich erkundigte, wo denn da der Unterschied wäre, hieß es, Gulasch sei mit dunkler und Ragout mit heller Sauce. Nun ja, immerhin. Auf einem Schild neben dem Speisesaal der Reha-Klinik in Bad Bertrich heißt es, man verwende und serviere dort saisonale Produkte, aber als Beilage gab`s fast immer nur „Marktgemüse“ mit geschrappelten Möhren, Blumenkohl und Brokkoli, mutmaßlich aus der Tiefkühlpackung, als ob es im Erntemonat August auf den Eifeler Märkten nichts anderes an Frischware gäbe. Das Arzt- und Pflegepersonal wurde ihren Namensschildern nach teilweise wohl aus ehemaligen Sowjetrepubliken rekrutiert und übte sich auch in der schönen Eifel in putinesker Muffligkeit. Ihre schlechte Laune paarte sich beim An- und Ausziehen der Patienten, die sich noch nicht bücken durften, mit einer eingeübten mechanisierten betriebswirtschaftlichen Effizienz, mit der man auch eine Getränkeabfüllanlage betreiben kann. Als Herr Bär exakt drei Wochen nach der OP über Atemnot klagte, dachte die post-sowjetische Assistenzärztin zunächst darüber nach, ob vielleicht nur ein wenig Bewegung an der frischen Luft Abhilfe schaffen könnte, besann sich dann aber eines Besseren, denn sie veranlasste eine Untersuchung und schließlich eine Überstellung ins Krankenhaus in Cochem, wo Herr Bär dann eine Woche lang wegen Herz- und Niereninsuffienz gründlich behandelt wurde, bis er endlich wieder zurück nach Köln kam. Die Klinikkost war in Cochem besser; und als Herr Bär zum Mittagessen aus den Menüvorschlägen die regionale Spezialität „Deppekoche“ wählte, strahlte ihn die Pflegerin an: „Ah, Sie sind ein Kenner!“

Bild: Jürgen Raap, „Waldstudie“, Aquarell, 22.8. 2025 

baer aktuell 350 – 22. Juli 2025

Juli 4th, 2025

Bild des Monats Juli 2025: Jürgen Raap, „Im Hauptquartier der Zaghaften“, Acryl/Öl auf Leinwand, 025

Was den Lesern von „bär aktuell“ nicht vorenthalten werden soll, ist eine Formulierung in „Der Spiegel“, in der Markus Söder als „lustiger Wurstonkel“ tituliert wird, und ebenso die Tatsache, dass derjenige, der es wagt, in einem kölschen Brauhaus ein Glas Mineralwasser zu bestellen, dann schon mal vom Köbes (so nennt man die Kellner in rheinischen Brauhäusern) zu hören bekommt: „Soll ich och noch ne Goldfisch mitbringe?“

Der ganz normale Wahnsinn Wie man mit unnötigem Firlefanz Steuergelder verschwendet, beweist dieser Tage die Kölner Stadtverwaltung mit einem Schildbürgerstreich, weil sie nämlich demnächst an 700 Spielplätzen die Schilder auswechseln will, auf denen dann nicht mehr „Spielplatz“ stehen soll, sondern stattdessen „Spiel- und Aktionsfläche“. Angesichts dieser Bürokratenposse ätzt der Komiker Guido Cantz, Köln sei jetzt auch offiziell die „Hauptstadt der Bekloppten“, und in der „Süddeutschen Zeitung“ ereiferte sich  der Journalist Joachim Käppner: „Das Narrenstück vom Rhein wäre erheiternd, führte es nicht direkt ins triste Herz der deutschen Kulturkämpfe“, und dies in einer hochverschuldeten Stadt, die ihre Etats überall kürzt, aber dann mal eben 38.000 Euro nur für den Entwurf einer neuen Beschilderung locker macht, der ästhetisch auch noch reichlich popelig wirkt, wahrscheinlich, weil dieser in seiner künstlerischen Biederkeit wurstonkelig anmutende Entwurf in den zuständigen Gremien, wie es dort immer so üblich ist, erst einmal gründlich zerredet wurde – denn in solchen Ausschüssen ist eigentlich recht bald alles gesagt, aber eben noch nicht von jedem. Der Spielplatz soll nach Ansicht des ein wenig weltfremd anmutenden Kölner Jugendhilfeausschusses künftig nicht mehr nur ein solcher sein, sondern darüber hinaus ein Ort der „Begegnung von Bürgern aller Altersgruppen“: Dafür sei der Begriff „Spielplatz“ „zu einengend“ heißt es auch reichlich irrlichternd aus dem Munde des Landesjugendrings. Mit der neuen Beschilderung wird man dann künftig wohl von Hundebesitzern aller Altersgruppen auch schon mal Hundekot im Sandkasten vorfinden; Heroinkonsumenten haben ja bisweilen auch früher schon z.B. am Spielplatz Schönsteinstraße in Köln-Ehrenfeld gebrauchte Spritzen einfach ins Gebüsch geworfen, und der umgewidmete Spielplatz wird als Aktionsfläche womöglich vermehrt grölende Trunkenbolde aller Altersklassen anlocken, die dort ihr Leergut hinterlassen und damit  aus dem Sandkasten- und Rutschbahnareal gewiss keinen anheimelnden „Ort der Begegnung“ machen, jedenfalls nicht so, wie die vom Klammerbeutel gepuderten Schildbürger in der Stadtverwaltung sich das vorstellen.

Noch mehr ganz normaler Wahnsinn Bei einer Gerichtsverhandlung in Köln  musste sich der Angeklagte seitens des Richters die Frage gefallen lassen, wieso er im Laufe der Jahre achtmal dasselbe Juweliergeschäft überfallen hatte. Der Angeklagte antwortete treuherzig, er habe dort immer günstig einen Parkplatz gefunden, um sein Fluchtauto abzustellen.  In einem anderen Gerichtsprozess kam heraus, dass der Angeklagte aus Köln-Kalk, mutmaßlicherweise dem Drogenhändlermilieu verbunden, bei seinen Chats im Internet die Decknamen „El Paso“ und „Olaf Scholz“ verwendet hatte. Herr Bär fragt sich, wieso der Mann sich ausgerechnet „El Paso“ nannte. Ein wenig bekloppt mutet unterdessen jener Dieb an, der in einen Kiosk einbrach, dort 50 Dosen Bier klaute, das Bier aber nicht austrank, sondern einfach wegschüttete, nur um für das Leergut  Pfandgeld zu kassieren. – Bei der Fußball Klub-WM in den USA sorgte Donald Trump mal wieder für großen Unterhaltungswert: FIFA-Präsident Gianni Infantino soll Trump gebeten haben, den Pokal dort bis zur Siegerehrung aufzubewahren. Doch dann berichtete Focus online: „US-Präsident Donald Trump erzählte…, dass er selbst den originalen Fifa-Pokal behalten werde und der (Wettbewerbssieger) FC Chelsea lediglich eine Kopie erhalten soll.“ Das an Bizarrheiten höchst reichhaltige Wirken Trumps erfuhr noch einen weiteren Höhepunkt, als Donald Trump ankündigte, die Rezeptur von Coca Cola müsse geändert werden: statt Maissirup wünscht sich Trump nur noch Rohrzucker als Süßstoff für die braune Limonade. Es sei in diesem Zusammenhang erwähnt, dass es für die Panscherei, Bier und Cola zusammen zu schütten, in verschiedenen deutschen Regionen die Bezeichnungen „Drecksack“, „Kalter Kaffee“, „Schmutz“ oder auch „Moorwasser“ gibt. Trump trinkt allerdings  nur Diät-Cola – ohne Rohrzucker.

Sternstunden des Boulevardjournalismus Über den Mord eines polnischen Priesters an einem Obdachlosen meldeten www.katholisch.de und die BILD-Zeitung unisono, der Erzbischof sei darüber entsetzt gewesen, als ob man sich nichts anderes bei ihm hätte vorstellen können als Entsetzen. Über mangelndes Hygienebewusstsein des „Stückelmörders“ hieß es bei BILD unterdessen, in seinem „Horrorhaus“ habe er „in Müll und Dreck“ gelebt. Wobei man ihm generell wohl keineswegs zutraut, vorher erst einmal seine Bude aufgeräumt zu haben, bevor er seine Opfer zerstückelte. Aber so sind sie nun mal, die „Stückelmörder“.  Wer als Pfleger im Seniorenheim einen Insassen umbringt, wird in der Boulevardpresse hingehen gerne zum „Killer-Pfleger“ apostrophiert. Ein solcher ließ sich unlängst nach seiner gerichtlichen Verurteilung zu lebenslanger Haft bei „BILD“ zitieren, eigentlich würde er gerne lieber wieder in der Altenpflege arbeiten.

In eigener Sache Geht Herr Bär in die Sommerpause? Nein, aber ins Krankenhaus zwecks einer Hüftoperation und anschließend in die Reha. Die nächste Ausgabe von bär aktuell gibt es daher erst wieder im September.

bär aktuell 349 – 22. Juni 2025

Juni 1st, 2025

Bild des Monats: Jürgen Raap, „Nietzsches Schicksal“, Acryl/Öl auf Leinwand, 2025

Bär aktuell: Herr Bär, Ihr Bild trägt den Titel „Nietzsches Schicksal“. Was hat denn der Philosoph Friedrich Nietzsche mit einer alten Dampflokomotive zu tun?

Bär: Nix. Et jeht doch hier nit öm dä Friedrich Nietzsche, sondern öm dä Lokomotivführer Klaus-Kevin Nietzsche.

Bär aktuell: Und ist ist dessen Schicksal?

Bär: Dä muss immer dieselve Strecke hin un her fahre. Immer stur jerade us.  Dä däht ävver och ens jän noh rechts oder noh links vum Weg erunger kumme un us Jux un Dollerei dann met singer Lokomotiv e bisschen durch Feld un Wiese fahren, ävver dä Jeck kritt die Lokomotive nit vun dä Schiene erunder. Dat is däm sing Schicksal.

Bär aktuell  – 3. Juni 2025

Von Knallchargen soll hier diesmal die Rede sein, ein Rollenfach in der Schauspielkunst, das man gemeinhin mit platter, derber Komik und Übertreibungen verbindet. Die Skandalnudel der Grünen Jette Nietzard neigt zu solchen knallchargenhaften Übertreibungen. Da sich im Internet inzwischen Influencerinnen tummeln, die es real gar nicht gibt, sondern die nur als täuschend lebensechte Avatare mittels Künstlicher Intelligenz erschaffen wurden, um für irgendwelchen Glitzerkram und anderen billigen Tand zu werben, fragt sich Herr Bär, ob eigentlich diese Jette Nietzard überhaupt real existiert, oder ob in diesem Falle nicht auch Putins cyberkriminelle Trolle am Werk sind, die in der Medienwelt ein künstlich erschaffenes Wesen mit gezielt inszenierten Provokationen von einer Blamage in die andere stolpern lassen, und dies zum Verdruss von Cem Özdemir, der als Spitzenkandidat der baden-württembergischen Grünen fürchten muss, der ruinierte Ruf von Jette Nietzard färbe womöglich auch auf ihn ab. Bei der SPD haben sie es mittels einer konsequenten Klingbeilisierung bei ihrer personellen Rollenbesetzung immerhin geschafft, dass Saskia Esken in ihrer bisherigen Paraderolle als die „komische Alte“ nicht mehr ganz am vorne an der sozialdemokratischen Bühnenrampe agiert. Die Ränkespiele einiger knallchargenhafter Dunkelmänner, die Merzens im ersten Durchgang verkorkste Kanzlerwahl begleitet haben, erinnern an Shakespeares Komödie „Viel Lärm um nichts“, wo es auch darum geht, eine Heirat zu hintertreiben. Im übrigen ließ die Komikerin Carolin Kebekus verlauten, sie verkneife sich fortan Witze über Friedrich Merz, denn als Demokratin sei ihr daran gelegen, dass  Merz als Kanzler „gut funktioniere“, und die NOZ-Neue Osnabrücker Zeitung stellte bereits 2023 fest, Witze über den CDU-Jungstar Philipp Amthor hätten sich „abgenutzt“. Wer bei Google den Suchbegriff „Lars Klingbeil Witze“ eingibt, wird dort übrigens nicht fündig – es gibt einfach keine Witze über Lars Klingbeil.

Bär aktuell  – 22. Juni 2025

Was die Welt derzeit nicht braucht ist ein erneut verstörender Kommentar von Greta Thunberg zur aktuellen Weltlage, zumal sie schon einige Male vorher mit antisemitischen Tiraden unangenehm aufgefallen ist und jüngst einen aktivistisch gemeinten, aber eher bizarr wirkenden Segeltörn vor der Küste von Gaza unternahm, so dass man sich wünscht, ein weiterer Thunbergscher weil in höchstem Maße irrlichtender Segeltörn im Persischen Golf möge uns erspart bleiben, weil nämlich dann zu befürchten wäre, sie beschalle von der Steuerbord-Reling aus die Mullahs mit einem trotzig-aufmunternden, tatsächlich aber reichlich unziemlichen „Holla Holla Ayatollah, holla holla Ayatollah“-Stakkato. Ist das nicht ein toller Satzbau? Aber heute schreibt ja  keiner mehr Sätze wie Thomas Mann – dies sei am Rande mal an die Adresse der nachwachsenden „Generation blöd“ mit ihren linguistischen wie intellektuellen Fehlleistungen beim Gebrauch der sozialen Medien angemerkt. Wer sich nun fragt, wie Greta Thunberg ihre Segeltörns finanziert, der konnte kürzlich bei „Focus“ nachlesen, Greta Thunberg stamme aus einem vermögenden Elternhaus; sie „hat keinen Arbeitsplatz, bei dem sie ein festes Gehalt bezieht. Allerdings wurde sie bereits mit einigen Preisgeldern ausgezeichnet und erhält wahrscheinlich auch Geld aus Buchverkäufen.“ Laut dem Magazin „Wirtschaftspioniere“ wird Greta Thunbergs Vermögen auf etwa 3 Million Euro geschätzt.  Derlei großbürgerlich anmutende  Revoluzzer-Existenz bezeichnete man früher als „Salonbolschewismus“.

Und was macht eigentlich derweil  Olaf Scholz? Während sie Gazprom-Schröder die Altkanzler-Büro-Apanage gestrichen haben, darf Ex-Kanzler Olaf Scholz acht Mitarbeiter um sich scharen, deren Alimentation Herr Bär als Steuerbürger mitfinanziert, so dass die Frage eigentlich lauten müsste: Was machen eigentlich diese acht Mitarbeiter? Der erste schließt wahrscheinlich die Bürotür auf, der zweite schaltet wahrscheinlich den Scholzomaten ein, der dritte passt auf, bis die richtige Betriebstemperatur erreicht ist, der vierte gibt dann einen Textbaustein ein, und wenn der Scholzomat dann heißläuft, reißt der fünfte zur Abkühlung das Fenster auf, der sechste hat nichts zu  tun, denn er ist nur „Scholzomat-Beauftragter“ ohne irgendwelche Entscheidungsbefugnisse,  der siebte schaltet den Scholzomaten wieder ab, und der acht macht zum Feierabend das Licht aus.

baer aktuell 348 – 3. Mai 2025

Mai 3rd, 2025

Bild des Monats Mai 2025: Jürgen Raap, Das Fest des Fleisches, Acryl/Öl auf Leinwand, 2025, Vorzeichnung und Endfassung

bär aktuell: Herr Bär, ist Ihnen schon wieder im Traum der Erzengel Friedrich aus dem Sauerland erschienen und hat Ihnen erzählt, was Sie malen  sollen ?

Bär: „Jojo. Ich soll diesmal ein Denkmal für den neuen Bundeslandwirtschaftsminister malen. Dä is jo gelernter Metzger. Und deswegen hätt dat Bild den Titel „Das Fest des Fleisches „. Alles andere op däm Bild hätt nix mit dem Titel oder mit Agrarpolitik zu tun, sondern dat hab ich völlig willkürlich jemalt, als dä Erzengel Friedrich gerade nit hinjeguckt hätt.

Bär aktuell – 22. Mai 2025

Wer Papst werden will, sollte katholisch und unverheiratet sein.  Das weiß eigentlich jeder gebildete Mensch, nur nicht Donald Trump, der beide Voraussetzungen nämlich nicht erfüllt, sich gleichwohl einigermaßen bildungsfern digital in Papstsoutane inszenierte, was denn auch eher karnevalesk wirkte, wiewohl man in Köln im 16. Jh. zum Durchbrechen der ständischen Schranken und als symbolischen Rollentausch als Vorläufer des Prinzen Karneval damals einen Bettler zum Narrenpapst ausrief und nicht etwa einen zwielichtigen Milliardär.  Wer zur Zeit in Köln lebt und nicht aus der Stadt heraus kann, weil momentan linksrheinisch keine Züge nach Bonn und sonst auch keine Züge nach Aachen fahren, der mag darüber räsonnieren, dass man zur Verhinderung einer „ Republikflucht“ damals in der DDR Mauer und Stacheldraht benötigte, wo heute marode Schienen und kaputte Stellwerke der Deutschen Bahn zur Verhinderung von Mobilität ausreichen und die dann im 21. Jh. die massive Stadtmauer des Mittelalters ersetzen, die allen signalisierte: „He kütt keiner eren, un he will och keiner erus“ (Hier kommt keiner rein, und hier will auch keiner raus). Vielleicht sollte man für besonders deppenhafte Bahn-Manager einen „Walter Ulbricht Preis zur Verhinderung von Mobilität“ einführen. Apropos Mobilität: Die Herrscher von Katar schenkten gerade Donald Trump ein Luxus-Flugzeug als Präsidentenmaschine, aber im Internet kursiert ein Foto, wie Donald Trump bei der Audienz beim saudischen Kronprinz eingepennt ist. Wäre er auf dem Landweg angereist, hätte Herr Bär Verständnis dafür gehabt, dass beim Umsteigen irgendwo auf einem deutschen Bahnhof die Wartezeit auf den Anschlusszug „Orient-Express“ auf der Strecke der legendären Bagdad-Bahn für Trump zu ermüdend gewesen wäre. Mit der Planung der Bagdad-Bahn hatte der osmanische Sultan übrigens Anfang der 1880er Jahre den deutschen Ingenieur Wilhelm Pressel beauftragt. Es ist heute freilich schwer vorstellbar, ob jetzige orientalische Herrscher beim Bau neuer Eisenbahnlinien noch einmal auf die Expertendarsteller in den Chefetagen der Deutsche Bahn zurückgreifen würden.

Bärs Sprachkritik Völlig aus der Mode gekommen ist bei Fußballreportagen inzwischen das Wort „Vorlage“ als Zuspiel für einen Torschuss. Stattdessen heißt es jetzt zumeist anglizistisch „Assist“, und die Ausschreibung zu einem Wettbewerb wird heute gerne sprachlich zu einem „Open Call“ verhunzt, wobei eben kritisch anzumerken wäre, dass nicht erst seit den größenwahnsinnigen Umtrieben eines Donald Trump übermäßiger und zugleich unsinniger Gebrauch anglizistischer Fremdwörter einen imperialen Beigeschmack hat, wie ihn in anderer Form auch Trumps Gegenpart Wladimir Putin pflegt, der sein eigenes Idiom für eine „großrussische Sprache“ hält und das Ukrainische bzw. Ruthenische als einen lediglich „kleinrussischen“ Bauerndialekt abqualifiziert. Sprachpolitik ist immer auch Teil einer Machtpolitik und damit ideologischen Motiven unterworfen. Im seriösen „Zeitmagazin“ ironisierte der ebenso seriöse weil über jeglichen Verdacht der Verbreitung von Fake News erhabene Kolumnist Harald Martenstein kürzlich das Jubiläum „100 Jahre gendern“, indem er darauf hinwies, Adolf Hitler sei schon 1925 auf die Idee gekommen, sein Publikum mit „Liebe Volksgenossinnen und Volksgenossen anzureden“, was aus dessen Munde aber wohl sprachhistorisch keineswegs eine Wertschätzung des Weiblichen im Sinne eines heutigen Feminismus zu verstehen ist, sondern eher eine schmeichelnde linguale Umgarnung der solchermaßen als „Volksgenossinnen“ Vereinnahmten, gebärfreudigerweise dafür Sorge zu tragen, dass ihnen später einmal das Mutterkreuz verliehen werden konnte. Wer sich in Mainz in die Narhalla, d.h. in eine Halle als das ewige Reich des Narren begeben will, wird dort traditionellerweise mit „Liebe Närrinnen und Narrhalesen“ begrüßt, wobei inzwischen für eine „Närrin“ aber auch schon mal der Begriff „Narrhallesin“ auftaucht, bei einer Eingabe dieses Wortes als Suchbegriff bei Google oder Yahoo aufgrund von dortiger Algorithmusschwäche und noch mangelhafter Künstlicher Intelligenz jedoch ebenfalls schon mal ein Hinweis, bei welchem Apothekenversand man „Narbensalbe“ beziehen kann.

baer aktuell 347 – 22. april 2025

April 1st, 2025

Bild des Monats 2025: Jürgen Raap, Die Barbarei der Invasioren, Acryl/Öl auf Leinwand, 2025

Baer aktuell: Herr Bär, wer ist die Figur rechts in dem Bild?

Bär: Dat is dä Erzengel Friedrich. Dä is mir im Traum erschienen und hat mir befohlen, ihn zu porträtieren.

Baer aktuell: Aber der Engel hat ja gar keine Flügel!

Bär: Jojo, in der nächsten Nacht hat ich ja ne Albtraum. Da is mir dat Saskia Esken vun dä SPD erschienen und hätt mir befohlen, die Flügel vun däm Erzengel Friedrich fott ze lasse. Un dann wollte die och noch mit  op dat Bild. Ävver eine Nacht später erschien mir dann dä Lars Klingbeil im Traum un meinte, wenn ich och noch dat Saskia Esken porträtiere, dann jeht dat nit, dat ävver vun ihm selver op däm Bild nix ze sinn is.

Bär aktuell: Der wollte also auch noch mit aufs Bild?

Bär: Jojo. Ävver dann han ich denne jesaht, dat jibt zu viel Jedränge op däm Bild. Da sieht man ja nichts mehr vom Meer und vom Strand. Also kütt do jetzt nur noch dä Erzengel Friedrich janz rechts op dat Bild mit jet Jesträucher-Jefissel. Na jut, ohne Flüjel, man muss in der Politik ja Kompromisse schließen. Un die andere künne all met däm Handy e Selfie vun sich mache. Dat han die  vun dä Ampelkoalition domals jo och jemaht, wie se dä Koalitionsverdrach ungerschrivve und dann scheinheilig in de Kamera jelächelt han.

Bär aktuell 347 – 22. April 2025

Dass  Annalena Baerbock (Grüne) den Vorsitz der Generalversammlung der Vereinten Nationen übernehmen soll, kritisierte der frühere Vorsitzende der Münchner Sicherheitskonferenz, Christoph Heusgen, mit  den Worten, Baerbock sei ein „Auslaufmodell“. Der Noch-Ehemann Baerbocks kann zumindest bei den patriarchalisch gesonnenen Mullahs, die sich über die „feministische Außenpolitik“ seiner Noch-Gattin kaputt gelacht haben, auf ein wenig Mitleid hoffen, weil er zu Hause in Berlin die gemeinsamen Pänz hüten musste und auch künftig lieber dort bleiben will, wie BILD herausgefunden hat, während als grüner Versorgungsfall Mutti Annalena demnächst bei der UNO in New York Halli Galli macht, wiewohl sie noch vor kurzem über ihre Karriere als Außenministerin in der FAZ-Frankfurter Allgemeinen Zeitung selbstkritisch verkündet hatte: „ „Zugleich hatten diese intensiven Jahre auch einen privaten Preis.“ „Von wegen mehr Zeit für die Kinder“, echauffierte sich „Focus“ und entlarvte ihre „feministische Außenpolitik als Machtpolitik“. Politische Macht auszuüben kann bei manchen Gemütern wohl wie eine Droge wirken, von der diese Gemüter dann nicht die Finger lassen können. Gregor Gysi von der Linkspartei rät daher jüngeren Politikern, sie sollten nach acht Jahren im Bundestag mal „lieber auf dem Friedhof arbeiten“, um sich damit vor einem Verlust an Bürgernähe zu bewahren. Dies habe er auch dem CDU-Nachwuchsstar Philipp Amthor zu bedenken gegeben, aber der habe nicht auf ihn, Gysi, gehört. Und Annalena Baerbock wohl auch nicht.

Baer aktuell  347_1 –      9. April 2025

Als Herbert Grönemeyer neulich gefragt wurde, was er an Köln schätze, antwortete er, der Kölner freue sich immer über seine Unzuverlässigkeit, was in Sachen Verwahrlosung des heutigen Stadtbildes allerdings durchaus zutrifft. Als Grönemeyer in den 1980er Jahren in Köln bei EMI Electrola Plattenaufnahmen machte, kehrte er regelmäßig zum Frühstücken in Herrn Bärs Stammkneipe „Schmitz-Uhsner“ in Köln-Ehrenfeld ein. Dort putzte Toni R. regelmäßig die Fenster, der gleichzeitig Präsident des Ehrenfelder „Elvis Memorial Clubs“ war, und Toni bestand immer darauf, dass zum Fensterputzen der Wirt Günter nur Musik von Elvis Presley abspielte. Nichts anderes. Und er sprach von Elvis immer nur als „dä King“. Wenn Herbert Grönemeyer zum Frühstücken in dieser Kneipe einkehrte und man wohl hätte erwarten können,, Günter würde jetzt wohl eine Grönemeyer-Platte auflegen, rief Toni beim Fensterputzen demonstrativ in den Raum: „Jünter, läch ens wat vun däm King op“ (Günter, leg mal was von dem King auf). Und dann spielte Günter eine halbe Stunde lang nur Rock`n Roll, bis die Kneipenfenster blitzblank sauber waren, Einer der Stammgäste trug auch außerhalb der Karnevalstage öfters einen Cowboyhut und ließ dann alle wissen: „Ich bin dä Memphis Man“, und er zog damit unter seinen Trinkkumpen vorne an der Theke mehr Aufmerksamkeit auf sich als Herbert Grönemeyer hinten am Frühstückstisch.

Washington: Kraate unger sich Das rheinische Wort „Kraate“ für „Kröte“ bezeichnet einen ungehobelten Menschen, und spätestens dann, als Donald Trumps  Effizenzbeauftragter Elon Musk sich über den Handelsberater des Weißen Hauses Peter Navarro echauffierte, dieser sei „wirklich ein Idiot“ und „dümmer als ein Sack Ziegel“, muss man den Eindruck gewinnen, in der US-Regierung seien derzeit vornehmlich Kraate am Werk.  Der empfindlich-feinsinnige Robert Habeck kann froh sein, dass er nicht dort am Potomac River als Minister wirken musste,  stellte er doch jüngst einen Strafantrag gegen einen 64jährigen aus Unterfranken, der Habeck als „Schwachkopf“ beschimpft hatte. Bis zur Entgegennahme seiner Entlassungsurkunde als Minister stellte Habeck gar 805 solcher Strafanträge wegen Beleidigung –   Ob Peter Navarro in Washington den gleichen Schritt vollzog, weil er es sich nicht gefallen ließe, mit der Dummheit eines Sacks Backsteine verglichen zu werden, nicht bekannt. Denn  Kraate, zumal jene in der Washingtoner Regierungsungszentrale,  sind schließlich immer nur einen robust-rauen Umgangston gewohnt: Trumps Vizepräsident J.D.Vance schmähte  die Chinesen jüngst als „Bauern“, was man in Peking freilich als „respektlos“ empfand.  In der deutschen Politik ging es hingegen auch früher nicht immer manierlich zu. Der SPD-Zuchtmeister Herbert Wehner warf  z.B. 1980 Helmut Kohl das Schimpfwort „Sie Düffeldoffel“ an den Kopf, und der selige Franz-Josef Strauß gab seinerzeit zu bedenken:  „Gegen Ratten und Schmeißfliegen führt man keine Prozesse.“ In der Gazette „Focus“ analysierte der Gastkommentator Gabor Steinert die rituelle Beschimpfung in der Politik: „Der französische Soziologe Pierre Bourdieu (gestorben 2002) konnte Präsident Donald Trump nicht mehr erleben. Aber dessen Methode der systematischen Beleidigung durch vorsätzliche Grobheit hat er so gründlich wie kein anderer Wissenschaftler analysiert.  Die im öffentlichen Raum eingesetzte Beleidigung betrachtete Bourdieu als „symbolische Gewalt“, die in den Sphären der Machtpolitik nicht unerwidert bleiben könne. Die eine Grobheit führe zur nächsten und die eine Beleidigung gebäre über Nacht Monster.“  Copyright Raap/Bär 2025

Breaking News: Neuer Donald Trump-Witz aufgetaucht

Tünnes: Schäl, häste dat schon mitjekriegt? Däm Donald Trump is de Bibliothek avjebrannt!

Schäl: Enä, wie schrecklich!

Tünnes: Ach wat, dä Trump hätt doch nur zwei Böcher jehatt. Un dat eine hätt dä noch nit ens fertig ausjemalt.

Baer aktuell 337_2 – 18. April 2025

Ach, Donald, oder: Der ganz normale Wahnsinn  Allen Ernstes beschwerte sich Donald Trump darüber, er müsse morgens immer 15 Minuten unter der Dusche stehen, weil erst dann seine Haare richtig durchnässt seien. Die US-Umweltbehörde hatte verfügt, den Wasserdruck zu verringern, deswegen müsse Trump jetzt länger duschen als gewollt, um die Haare richtig nass zu kriegen. Per Dekret werde er jetzt den Wasserduck erhöhen lassen, kündigte Trump an. Wassersparende Duschköpfe sparen auch Energie, da weniger Wasser erwärmt werden muss. Trump hingegen meint: „Ich dusche gern und pflege mein schönes Haar“. Schönes Haar? Nun ja… Herr Bär meint: man kann sich auch eine halbe Flasche Birkenhaarwasser aufs Haupt schütten, dann werden die Haare auch nass. Und außerdem soll Birkenhaarwasser Schuppen, gereizte Kopfhaut und Haarausfall lindern, indem es die Talgproduktion reguliert und die Durchblutung fördert. Doch der „Merkur“ zitiert Donald Trump, er werde „Amerikas Duschen wieder großartig machen“. So etwas kann sich beileibe kein Kabarettist oder Satiriker ausdenken. Wir erleben jetzt tatsächlich eine Zeitenwende, denn vorher haben es in allen Epochen der Geschichte noch nie Hofnarren und Hanswürste auf den feudalen Herrscherthron geschafft (der frühere ukrainische Komiker Selenskyj ist kein  absolutistisch-barocker Feudalherrscher), und zum autokratisch-selbstherrlichen Herrscher mutierte in  der Geschichte auch niemals ein Weißclown (Harlekin), und erst recht nicht sein burslesker Gegenspieler, der dumme August auf der untersten Stufe in der Hierarchie der Narren. Verkommt also die aktuelle  US-Politik zur Hanswurstiade?  Wolfgang M. Zucker veröffentlichte 1967 eine Abhandlung „The Clown as the Lord of Disorder“, und dabei verweist er auf die dämonischen Züge mancher Clownerien. Die Slapstick-Filme der 1920er Jahre enthielten in ihrer komödiantischen Dramaturgie bekanntlich immer anarchisch-zerstörerische Elemente, etwa bei Laurel und  Hardy (Dick und Doof),  in deren Filmen immer etwas  gründlich kaputt geht, seien es Autos, das Mobiliar in Innenräumen oder gar komplette Häuser. 

 Essen und Trinken und Herrn Bär

Spargel-Mousse mit Kaviar 

Bei der Zubereitung von Spargel die Stangen schälen und die hölzernen Endstücke abschneiden, diese Abfälle im Mixer pürieren, die Masse dann in erlassener Butter unter ständigem Umrühren kurz aufkochen, Kochsahne hinzufügen, das Ganze ein wenig eindampfen lassen, mit Salz, Pfeffer, Ingwerpulver und Zitronengras würzen, kalt werden lassen, etwas klein geschnittenem frischen Bärlauch unterrühren und dann zusammen mit einem Schälchen Kaviar vom Amerikanischen Stör servieren – der kommt vom Geschmack dem klassischen russischen  Mallosol-Kaviar recht nahe, ist aber als gelegentliches Festtagsangebot beim „Penny“-Discounter nur halb so teuer.

Grönlandschale mit Erdbeeren

„Grönland wird grüner und wärmer: Landwirte können bereits Erdbeeren anbauen und der Weg zu Bodenschätzen wird frei. Die Inuit jubeln bereits“, reportierte „Die Welt“. Donald Trump jubelt allerdings nicht mit und es ist zu befürchten, dass er auf Erdbeeren aus Grönland 60 Prozent Zoll erhebt, denn die Grönländer sollen seiner Ansicht nach ihre Erdbeeren stattdessen lieber in den USA anbauen. Oder gleich den USA betreten. Dann würden solche Erdbeerzölle nämlich wegfallen. Zum Mitjubeln mit den Inuit kreierte Herr Bär dieses Dessert: Frische Erdbeeren, darauf schichtweise Stracciatella-Eis, Schlagsahne, Karamell-Creme und Eierlikör. Faktencheck: Stimmt das mit den Erdbeer-Zöllen? Oder geht es mit diesem Rezept nur darum, Donald Trump zu veralbern? Künstliche Intelligenz hilft hier nicht weiter, denn die Antwort kennt nur der Wind.

Baer aktuell 347_3 – 22. April 2024

Haben Sauerländer Humor? Jedenfalls hatten sie Friedrich Merz im Aachener Karneval bereits 2006 den „Orden wider den tierischen Ernst“ verliehen, und der wackere Ordensritter musste sich dann den Vorwurf gefallen lassen, seine Büttenrede sei ein Plagiat gewesen. Jedenfalls sind dennoch manche der damaligen Pointen heute noch hoch aktuell: „Sanierung des Bundeshaushalts durch den Verkauf deutscher Schulden an einen amerikanischen Pensionsfonds.“ Tusch und Klatschmarsch. Ob Fritze Merz, wie Olaf Scholz ihn genannt hat, es aber tatsächlich schaffen wird, solchermaßen  den ausgebufften Deal-Maker Donald Trump zu leimen, darf bezweifelt werden. Höchstens kann er seiner sauerländischen Parteibasis versprechen, wenn Trump keine Zölle auf Importe von „Steinhäger“ (Korn) erhebt, dann findet der nächste CDU-Parteitag in der Destellerie von  Steinhagen statt. Allerdings nur mit einem Mischgetränk aus Steinhäger und Bourbon Whiskey im Mischungsverhältnis 1:1, um der deutsch-amerikanischen Freundschaft willen. Wladimir Putin trinkt dem Vernehmen nach übrigens keinen Alkohol. Die Möglichkeit, dass Donald Trump ihn bei Verhandlungen  mit einem Steinhäger-Bourbon-Gemisch unter den Tisch säuft, ist also gering. Eher torkelt dann Trump sturztrunken aus dem Kreml, und der stocknüchtern gebliebene Putin feixt ausgelassen hinter ihm her, weil er ihn gründlich über den Tisch gezogen hat, was bei den Koalitionsverhandlungen die SPD übrigens bei Friedrich Merz auch ganz ohne Alkohol geschafft hat.  

Bildstrecke „bär aktuell spezial“: Impressionen von der Osterkirmes in Köln-Rodenkirchen 2025

Baer aktuell 347_4 – 29. April 2025

„Auf der Wartburg bei Eisenach kamen im Jahr 1206 sechs tugendhafte und vernünftige Männer mit Gesang zusammen und dichteten die Lieder“, die dann als „Sängerkrieg auf der Wartburg“ in die Geistesgeschichte eingingen, wie die Gebrüder Grimm reportierten. 2025 lautete unterdessen eine Schlagzeile über einen kulinarischen Glaubenskrieg in der BILD-Zeitung: „Veganer-Aufstand gegen Schweine-Wettgrillen“. In Vietach (Bayern) konnte man eine Urkunde gewinnen, wenn man auf dem Marktplatz „das beste Schwein grillte“, d.h. die Kruste schön knusprig. Die Veganer im Ort hielten die rustikale Volksbelustigung allerdings für „nicht zeitgemäß“, während der Bürgermeister hingegen meinte, die Diversität sei ja gewährleistet, da der „lokale Afghane“ zu dem Fest auf dem Marktplatz Falafel (Kichererbsenbällchen) beisteuere.  BILD-Reporter Hannes Kohlmeier beurteilte den Grill-Streit süffisant als „saudoof“. In Sachen Sängerkrieg ließ sich der kulinarische Kulturkampf mit einem Lied von Max Raabe illustrieren: „Kein Schwein ruft mich an, keine Sau interessiert sich für mich…“

Essen und Trinken mit Herrn Bär

Böhmischer Schweinebraten bereitet man aus der Schweineschulter mit Schwarte, die man kreuzförmig bis zur Fettschicht einschneidet. Das Fleisch in Schweineschmalz von allen Seiten anbraten, die Seite mit der Schwarte zum Schluss. Würzen mit Salz, Pfeffer, Majoran und Kümmel, je nach Bedarf auch etwas Liebstöckel, das Fleisch dann in eine Casserole/Bräter geben, mit Fleischbrühe auffüllen, in diese auch etwas gepressten Knoblauch und ein Lorbeerblatt  geben, und dann das Ganze im Backofen erst mit der Schwarte nach unten, dann mit der Schwarte nach oben bei 200 Grad solange braten lassen, bis die Schwarte schön kross und braun ist. Dazu passen klassischerweise Knödel und bayerisches Blaukraut (ansonsten Rotkohl), nach Herrn Bärs Empfehlung aber auch gedünstete Äpfel und Zwiebeln, und als Getränk ein Franken-Wein von der Domina-Traube.