bär aktuell 231/232 und Bild des Monats

September 30th, 2017

Bild des Monats Oktober 2017:

Jürgen Raap, „Das Alibi des Geldwechslers“, 2017

Bär aktuell Nr. 231 – 3. Okt. 2017

Die Zeitungssprache schafft es eigentlich nur höchst selten zu belletristischen Höchstleistungen, sondern sie gilt eher als eine angewandte literarische Disziplin, bei der Einfachheit, Klarheit und Verständlichkeit absoluten Vorrang haben vor der Neigung zu poetischen Manierismen. Dennoch bot der „Stern“ in seiner jüngsten Ausgabe zwei schöne Beispiele gelungener Gebrauchslyrik mit den Schlagzeilen „Lindner leuchtet“ und „Selber Schulz“. Während „Lindner leuchtet“ eine griffige Alliteration darstellt und lediglich die Frage aufwirft, wonach er denn leuchtet, nämlich nach Phosphor oder vielleicht doch nach Calciumfluorid, dachte man sich bei der Schlussredaktion des „Stern“, dass das Schulz-Wortspiel eine geistreiche, wenn auch dreiste Entlehnung aus einer „taz“-Ausgabe vom Januar ist, würde wohl keiner merken: doch, Herr Bär hat’s gemerkt.

Schamlosen Ideenklau nennt man in der bildenden Kunst „Appropriation Art“, das hört sich vornehmer an als „abkupfern“ oder „abschreiben“, meint aber dasselbe. – Während Herr Bär Jakob Augsteins Ansicht zustimmt, bei Mutti Merkel habe inzwischen ganz gehörig eine einschläfernde „Verkohlung“ eingesetzt (O-Ton Merkel nach der Bundestagswahl: „Ich kann nicht erkennen, was wir jetzt anders machen müssten“), ist hingegen Herr Bär selbst als bekennender Feminist reichlich irritiert, dass Merkels nunmehrige SPD-Gegenspielerin Andrea Nahles direkt bei ihrem allerersten Auftritt als neue Fraktionschefin in die Rolle einer verbalradikalen Krawallschachtel schlüpfte und mit ihrem „In die Fresse“-Straßenschläger-Jargon ihren Ruf einer Neigung zu hemmungsloser Ruppigkeit gründlich untermauerte. Von einem „Gauland-Niveau“ ist diese Nahles-Rhetorik allerdings noch weit entfernt, denn der AfD-Vize Alexander Gauland ist schon ein ganz anderes Kaliber mit seiner geschichtsrevisionistischen Einstellung, wir müssten stolzer auf die Leistungen deutscher Soldaten in beiden Weltkriegen sein, was im Umkehrschluss nichts anderes heißt, als stolz auf die 60 oder 80 Millionen Kriegstoten zu sein, die man je nach Lesart 1945 zählte. Da schaudert’s einen nur, doch das Schaurige und das Lächerliche liegen oft eng beieinander: bei Alexander Gauland fällt schon auf, dass er bei seinen TV-Auftritten immer dasselbe braune Jackett trägt, in welchem er wie ein verarmter ostelbischer Landjunker wirkt, und Herr Bär fragt sich: soll das Jackett etwa Ausdruck einer bestimmten Gesinnung sein, oder hat der Mann wirklich nichts anderes anzuziehen? Immerhin sahnen Frauke Petry und Alexander Gauland durch ihre Doppelmandate im Bundestag und im Sächsischen bzw. Brandenburgischen Landtag an Diäten und an steuerfreien Aufwandspauschalen kräftig ab, jeder von ihnen rund gerechnet 20.000 bis 23.000 Euro im Monat, aber der Gauland läuft trotzdem herum, als ob er letzte Nacht heimlich die Altkleidersammlung der Caritas geplündert hätte.

Nicht viel eleganter sieht übrigens Kim Jong-un in seinem altmodischen Mao-Blaumann aus. Wer so eine knubbelige Figur und dazu auf Parteitagsreden noch so eine sich überschlagende Kieks-Stimme hat wie er, und wer sich zu allem Überfluss dann noch so eine Scheiß-Frisur zulegt, an den Schläfen Undercut und oben einen schwarzen Bürzel wie ein zerrupfter Handfeger, der muss schon Atomraketen haben, um als Diktator überhaupt ernst genommen zu werden.

In Sachen Gendermainstreaming kursiert in Berlin derzeit eine Broschüre, die in zehn Punkten auflistet, was diskriminierend ist, nämlich u.a. die Darstellung von Frauen als „willensschwach, hysterisch, dumm, unzurechnungsfähig, naiv“. Ein Schelm, wer bei „naiv“ an Kathrin Göring-Eckart und bei „hysterisch“ an die krawallig-burschikose Andrea Nahles denkt und sich damit in seinem Kopf-Kino als politisch und intellektuell unkorrekt erweist. Die FDP, die früher mal den großen Frauen-Versteher Rainer Brüderle in der vordersten Front einer nächtlichen Hotelbar eine weinselige Kegelbrudergesinnung ausleben ließ, findet jedenfalls diese Berliner Gendermainstream-Broschüre insgesamt ziemlich „spießig“. Man ahnt, wie groß die kulturellen Unterschiede in einer möglichen „Jamaika“-Koalition sein mögen, mit den Grünen als eine hypermoralische sauertöpfische Verbots- und Bevormundungspartei auf der einen und den urban-genussfreudigen „Lindner leuchtet“-Liberalen auf der anderen Seite, und dazwischen die biederen krachledernen CSU-Hardliner. Welch skurille oder gar hysterische Auswüchse die reine Lehre der Politische Korrektheit-Ideologie gelegentlich auch hervorzubringen vermag, erweist sich beim Streit um ein Werbeplakat der Berliner Verkehrsgesellschaft BVG, das mit dem Bildnis eines Hundes über die Möglichkeit informiert, Haustiere umsonst mitzunehmen und dies mit dem Slogan erläutert: „Du musst deine Möpse nicht verstecken“. Ein Schelm wer Böses dabei denkt? Allen Ernstes beschwerten sich einige, diese Werbung sei sexistisch, und da musste sogar die zuständige Gleichstellungsbeauftragte die Eiferer zurecht weisen: „Auf dem Plakat ist nur ein Mops zu sehen!“

© Raap/Bär 2017

Essen und Trinken mit Karl-Josef Bär

Gebratener Chicoree

Chicoree der Länge nach aufschneiden, den Strunk keilförmig herausschneiden und den Rest ca. eine halbe Stunde wässern, damit die Bitterstoffe verschwinden. Butter, Thymian und etwas Honig in einer Pfanne kurz aufschäumen, den Chicoree dazulegen und 3 Min. garen, salzen und pfeffern. Dann den Chicoree in eine Auflaufform oder Backform geben, dünne Scheiben Brie- oder Camembertkäse darauf legen und Speckscheiben, den Sud aus der Pfanne darüber verteilen, noch etwas frischen Thymian und 1 Knochlauchzehe dazugeben und bei 200 Grad im Backofen ca. 20 Min, backen, bis der Speck kross ist.

Poireau en vinaigre/Porree in Essig

Poreestücke in kochendem Salzwasser ca. 8 Min. blanchieren. Für die Marinade einen Schöpflöffel von dem Kochwasser in einen separaten Topf geben und zusammen mit Olivenöl oder Butter, etwas Weißweinessig oder hellem Balsamico, 1 kleingehackten Schalotte, 1 gepresseten Knoblauchzehe, 1-2 Lorbeerblättern, etwas Senf, Pfefferkörnern erhitzen, restliches Kochwasser abgießen, Marinade über den Poree gießen, abkühlen und ca. 2 Std. ziehen lassen.

Entenleber in Portwein und Madeira

Speckstücke in einer Pfanne auslassen, 1-2 Schalotten andünsten, Entenleberstücke anbraten, Apfelstücke hinzugeben, mit Portwein und Madeira ablöschen, salzen, pfeffern, gepressten Knoblauch hinzufügen, sowie frischen Majoran und frischen Thymian und etwas geriebene Muskatnuss. Vor dem Servieren mit frischer Kresse bestreuen. Dazu passt Kartoffelpuree.

Pasteten in der Auslage eines Traiteurs in Vernon/Normandie, Foto: S. Kallnbach

 

 

Anti Wildpinkler-Plakat in Vernon/Normandie, Foto: Raap/Bär

Maison du Coucou (Kuckucksuhrenladen), Rouen, Foto: Raap/Bär

Bär aktuell Nr. 232 – 22. Okt. 2017

Bär polyglott-unterwegs mit Herrn Bär Was gibt es Neues aus Frankreich zu berichten? Nun ja, Schwarzwälder Kuckucksuhren kann man dort jetzt auch kaufen, und zwar im „Maison du Coucou“ in Rouen (Normandie), was die Einschätzung von Herrn Bär bestätigt: der Freihandel innerhalb der EU funktioniert tadellos. Aber warum soll jetzt man noch als Einwohner von Rouen in den Schwarzwald reisen, um sich dort eine Kuckucksuhr zu kaufen? Geht diese Freihandels-Entwicklung nicht zu Lasten der Bettenauslastung in der schwarzwäldischen Tourismusindustrie, weil die französischen Urlauber jetzt nämlich lieber zu Hause bleiben, da sie ja auch dort bequem an Kuckucksuhren kommen? Was sagt das Verkehrsamt von Baiersbronn (Schwarzwald) dazu? Und vor allem die FDP, die sich ja schon vor Jahren in Sachen Mövenpick-Hotellerie steuerpolitisch sehr weit aus dem Fenster gelehnt hat? Egal – die französische Küche wurde 2010 von der UNESCO zum immateriellen Weltkulturerbe erklärt, und das gilt zu Recht sogar für die einfache Hausfrauenküche oder Landküche – man kriegt in der Normandie in einer Kleinstadt wie Les Andelys oder Caudebeq schon ein anständiges Drei-Gänge-Menü für 18 bis 25 Euro -im Vergleich dazu ist der Touristenfraß in der Kölner Altstadt einfach fürchterlich überteuert, und das heißt: am besten speist man europaweit immer noch in Frankreich. Dort findet man auch heute noch überall handwerkliche Metzgereien mit regionalen Produkten, die in den einzelnen Landstrichen für alle Bevölkerungsschichten mit ihrem tradierten Qualitätsbewusstsein für gutes Essen selbstverständlich sind, und nicht bloß modisches Hipster-Food für die dekadente Öko-Schickeria wie bei uns. Im Pariser Restaurant „Chartier“, einer ehemaligen Beamtenkantine mit Jugendstildekor, wo die Kellner bisweilen allerdings so rüde auftreten wie kölsche Brauhaus-Köbesse, aber ein Herz und eine Seele sind, wenn man mit ihnen auf französisch parliert und nicht auf englisch, und sich dann auch bereitwillig an Siglinde Kallnbachs Kunstprojekt “ a performancelife“ mit einer Unterschriftenaktion gegen den internationalen Terrorismus beteiligten, kostet die  Gemüse-Tagessuppe als Vorspeise nur sagenhaften 1 Euro.  Hier gönnte sich Herr Bär eine vorzügliche Andouilette, eine Kuttelwurst in Senfsauce, und erklärte einer chinesischen Touristin, wie man in Europa Weinbergschnecken isst (s. Foto). Zur französischen Folklore gehören neuerdings auch allwöchentliche Anti-Macron-Demos – zufällig war Herr Bär in Rouen Zeuge eines solchen Protestzuges mit beeindruckenden 8.000 Teilnehmern. Am Rande der Demo kam Herr Bär in einem Bistro mit einem älteren Herrn ins Gespräch, der bekannte, er habe Emmanuel Macron zum Präsidenten nur deshalb gewählt, um nicht Marine Le Pen vom rechten Front National wählen zu müssen, aber das werde ihm und seiner Familie jetzt nicht gedankt, denn sein Sohn, der Krankenpfleger wäre, müsse sich nun auf gewaltige Gehaltskürzungen im öffentlichen Dienst einstellen. Unter den Demonstranten war auch ein ausgewanderter Deutscher, der seit vielen Jahren an einem Gymnasium in Rouen Deutsch unterrichtet und sich bislang darauf verlassen konnte, dass Lehrer in Frankreich mit 52 Jahren in Pension gehen konnten. Jetzt verlangt Macron freilich von ihm, dass er künftig genauso so lange arbeiten soll wie die Lehrer in Deutschland, und da hätte er ja eigentlich gleich in Deutschland bleiben können. Herrn Bär fiel dazu ein, dass Gerhard Schröder als Bundeskanzler einst die Lehrer als „faule Säcke“ beschimpft hatte, und Emmanuel Macron macht jetzt in Frankreich eine ähnliche Politik wie Schröder damals mit seiner Agenda 2010. In Frankreich verblasst der Macron-Hype der vergangenen Monate daher anscheinend derzeit so rasch wie der Schulz-Hype bei uns, nur mit dem Unterschied, dass Emmanuel Macron clever genug ist, sich nicht einem „Spiegel“-Reporter gegenüber als Jammerlappen zu offenbaren wie Martin Schulz und sich damit aller künftigen Karrierechancen zu berauben, denn in der Politik und auch sonst zählen in einer leistungsorientierten Gesellschaft zynischerweise bekanntlich nur die Siegertypen.

Herr Bär kannte mal einen geheimnisvollen Chemiker aus dem Ruhrgebiet, von dem die einen behaupteten, er sei ein alter Anarchist, die anderen hingegen, er sei ein Lügenbold, Aufschneider und Hochstapler. Wahrscheinlich war er das alles auf einmal. Jedenfalls hatte er eine Theorie über die chemischen Umwandlungen im Verdauungsprozess entwickelt und vertrat die These, der revolutionäre Elan der Franzosen hänge mit der Ernährung zusammen – die schwere deutsche Dampfküche hingegen mache einen eher träge. Dazu muss man allerdings wissen, dass sich die „Cuisine au beurre“ auf Butter-Basis in der Normandie erheblich von der „Cuisine à l’huile“ in der Provence unterscheidet, doch was soll’s. In der jüngsten Ausgabe des Satireblattes „Charlie hebdo“ kriegen sie alle wieder ihr Fett weg, die Papisten, die Salafisten, die katalanischen Nationalisten und die Rechtspopulisten überall in Europa. In Frankreich regt sich auch nicht irgendeine grüne Trulla darüber auf, in „Charlie hebdo“ würde aber die Minderheit der Sprengstoffgürtelträger stigmatisiert. Satire lebt nun mal vom Tabubruch.

Copyright: Bär/Raap 2017

Essen und Trinken mit Herrn Bär

Französischer Selleriesalat Knollensellerie in klein raspeln, salzen, pfeffern. Wenn man will, kann man auch ein paar Apfelstreifen hinzugeben. Man fügt ein paar Spritzer Zitronensaft hinzu, vermengt den Sellerie mit Petersilie und rundet den Salat mit einer Sauce aus einem Joghurt-Remouladengemisch ab.

Poulet à la Normandie Die gesalzenen und gepfefferten Hühnerstücke brät man mit Zwiebeln oder Schalotten in einer Sauteuse in Butter und Öl an, gibt Apfelscheiben und Champignons hinzu und nach etwas 1 Min. etwas Calvados, mit dem man das Ganze flambiert. Dann gibt man 1 Knoblauchzehe, Thymian und ein Lorbeerblatt hinzu, füllt man die Sauteuse mit Wasser auf und lässt es 45 Min. köcheln. Dann nimmt man das Fleisch heraus, stellt es warm, kocht den Sud auf, um die Flüssigkeit zu verringern und bindet die Sauce mit Creme fraiche ab.

Roti de veau à la Normandie In einer gusseisernen Pfanne brät man ein Stück Kalbsbraten von allen Seiten zusammen mit Zwiebeln an, dann salzt und pfeffert man das Fleisch, flambiert es mit Calvados, gibt einen Strang Thymian, 5 Salbeiblätter, noch ein paar Pfefferkörner und Apfelstücke hinzu und übergießt das Ganze mit Cidre und lässt es dann 45 Min. bei kleiner Flamme garen.

Bär aktuell 230

September 19th, 2017

Bildlegenden: „Bär polyglott“, alle Fotos: Copyright Raap/Bär 2017 – alle Rechte vorbehalten

Siglinde Kallnbach „a performancelife für London“, Unterschriftensammlung zur Solidarität mit den Opfern nach dem Terroranschlag in London Sept. 2017, in einem Pub in Southhampton, Foto: Copyright S. Kallnbach

Bär polyglott- Unterwegs mit Herrn Bär Als Herr Bär jüngst auf einem Kreuzfahrtschiff weilte, informierte ein Aushang am Schwarzen Brett, dass wegen eines Generalstreiks in Frankreich Le Havre nicht angesteuert werden könnte und die Fahrt deshalb ohne Umschweife ins belgische Zeebrügge weitergehen sollte. Daneben hing der Streikaufruf der französischen Gewerkschaft CGT: „Kameraden! Genossen! Kommt alle zur Zitadelle! Stürzen wir den selbsternannten König Macron und seine Lakaien des Kapitals!“ Martin Schulz, aufgemerkt! Dieses klassenkämpferische Pathos hört sich zwar schrecklich altmodisch an, aber sagen Sie selbst, Schulz, kann man mit solch einer „Sturm auf die Bastille“-Rhetorik nicht doch eher einen Hund hinter dem Ofen hervorlocken und die Massen mobilisieren als mit der müden St. Martins-Nummer, die Sie da in Ihren Wahlwerbespots abziehen? Da laufen Sie neben einem Haufen spielender Kinder her und behaupten allen Ernstes: „Schon kleine Kinder lernen das Teilen.“ Schulz! Wie weltfremd ist das denn? Wer hat sich diesen Blödsinn denn ausgedacht? Etwa Ihr Wahlkampfmanager Hubertus Heil, den sie in Ihrem SPD-Ortsverein Würselen „dä Hubäät“ nennen, und die Damen im Ortsverein gar „Dä schöne Hubäät“? Wo hat Hubertus Heil, vulgo: „dä Hubäät“, bloß seine Kindheit verbracht? Etwa in einem Waldorf-Kindergarten für den Nachwuchs der besserverdienenden linksalternativen Schickeria? Herr Bär jedenfalls ist in einem Viertel aufgewachsen, wo man sich im Sandkasten mit den anderen Kindern ständig um die Förmchen zankte, und wer es schaffte, seine Förmchen und sein Schäufelchen gegen die anderen Rabauken im Sandkasten standhaft zu verteidigen, der erwies sich in späteren Jahren auch sonst als lebenstüchtig. Wenn Sie irgendwann noch mal bei einer Wahl antreten, gestaltet Herr Bär Ihnen gerne eine realistischere Werbekampagne, und dies – halten Sie sich fest, Schulz – für dasselbe Honorar, dass Sie „däm Hubäät“ für einen völlig vergeigten lebensfremden Wahlkampf in den Rachen werfen.

Als Herr Bär auf jener Kreuzfahrt in Southhampton an Land ging, dachte er sich, wenn man schon mal in England ist, dann sollte man dort unbedingt ein typisches Pub aufsuchen. Aus den „Inspektor Barnaby“-Krimis weiß man, dass man sich in einem britischen Pub sein Bier selbst an der Theke abholen muss. Herr Bär setzte also angesichts der vierzehn Zapfzähne mit vierzehn verschiedenen Biersorten einen weltmännischen Kennerblick auf, kratzte seine Englischkenntnisse zusammen und fragte den Barkeeper: „Do you have Red Ale?“ Der Barkeeper deutete auf die kleinen Schnapsgläschen mit goldgelber Flüssigkeit vor den Zapfhähnen und sagte: „Please, Sir, choose the colour of the Beer you want to drink!“ Dass man sein Bier nach der Farbe bestellt und nicht nach der Geschmacksrichtung, ist ein Beleg für die Vorliebe der Engländer fürs Skurille. Ein Pint Bier kostet drei Pfund, etwa drei Euro, und der Barkeeper meinte, es gäbe auch eine Flatrate mit drei Glas Bier für fünf Pfund, aber nur mit zwei mexikanischen Bieren und deutschem Beck’s Bier. Herr Bär wehrte entsetzt ab: er reise doch nicht nach England, um dort deutsches Industriebier aus Bremen zu trinken und entschied sich stattdessen für ein goldbraunes Abbott Ale, was der Barkeeper mit einem wohlwollenden Nicken quittierte. Abbott Ale sieht ein wenig wie Düsseldorfer Altbier aus, schmeckt aber nicht ganz so hopfig-herb. Ansonsten versicherte ihm jeder Engländer, mit dem Herr Bär ins Gespräch kam, er selber hätte ja gar nicht für den Brexit gestimmt und es sei ihm fürchterlich peinlich, dass seine anderen Landleute aus der EU raus wollten.

Als das Kreuzfahrtschiff Amsterdam verließ, zelebrierten sie auf dem Sonnendeck ein bayerisches Oktoberfest mit einer Zweimann-Combo, darunter ein afrikanischer Musiker, den sie in eine Lederhose gesteckt und mit einem Seppel-Hütchen kostümiert hatten, was schon einigermaßen bizarr aussah. Den „Anton aus Tirol“ bekamen sie musikalisch noch einigermaßen hin, aber als sie sich dann an kölschem Liedgut vergriffen und „Kölsche Junge bütze jot, wie die Stars in Hollywood“ anstimmten und man ihnen anmerkte, dass sie überhaupt nicht verstanden, was sie da sangen, ergriff Herr Bär die Flucht und zog sich zu einem Nickerchen in seine Kajüte zurück.

Auf solch einem Kreuzfahrtschiff herrscht eine aufgeschlossene internationale Atmosphäre; nur die neureichen Russen fallen mit ihren ungehobelten Tischmanieren unangenehm auf und rangeln sich mit den anderen Passagieren am Büffet herum wie Kinder, die sich im Sandkasten um die Förmchen zanken, und man ahnt, dass Schulzens Parteigenosse Rosneft-Schröder als Missionar des guten Benehmens in den unermesslichen Weiten der sibirischen Taiga und der Tundra keine leichte Aufgabe hat und der Aufsichtsratsposten, den er dort wahrnimmt, vielleicht doch eher einer Verbannung gleicht.

© Raap/Bär 2017

Essen und Trinken mit Karl-Josef Bär

Sauce gribiche ist eine kalte Sauce der traditionellen französischen Küche mit hartgekochtem Ei, Kapern, Gewürzgurken, Senf, Essig, Öl sowie Kräuter wie Estragon oder Kerbel. Die Eigelbe werden sehr fein gehackt, mit Senf und Essig verrührt und dann mit Öl zu einer Emulsion aufgeschlagen. Die fein gehackten Gurken, Kapern und Kräuter sowie das gehackte oder in Streifen geschnittene Eiweiß werden am Ende untergehoben. Die Sauce reicht man zu Kalbskopf , Presskopf /Tete pressé oder Sülzen, auch zu warmem oder kaltem Fisch, Krebsen oder anderen Schalentieren.

Thunfischsteak „Lülsdorf“

Thunfischsteaks 1-2 Std. auf beiden Seiten mit etwas Worchestershiresauce einreiben, in Olivenöl mit Knoblauch, 1 zerdrückte Knoblauchzehe, grünen und weißen Pfefferkörnern, Pimentkörnern, Ingwerscheiben, Limettenblättern Zitronensaft, 1 gesalzener Sardelle (Anchovis) und etwas Senf marinieren. In der Pfanne mit Zwiebeln und grünen Gemüsepaprikastreifen und ein paar Pfifferlingen braten, mit Salz abschmecken, zum Schluss für die Sauce klein gehackte Tomatenstücke und pürierten roten Gemüsepaprika mit etwas Petrellakäse verrühren und in der Pfanne kurz mit erwärmen.

Marillen-Potpourri à la Karl-Josef Bär

Man vermenge kleine Stücke von frischen Aprikosen, Himbeeren und Granatapfelkerne miteinander und übergieße sie mit einer heißen Fruchtsauce aus Himbeeren, Granantapfelkernen, 2 frischen Feigen, Sesamkörnern, Kokosflocken und grünem Pfeffer, die man mit ein wenig Wasser und Honig in einem Topf kurz aufkochen lässt und zum Servieren mit frischen Minzeblättern bestreut.

Bär aktuell 229 und Bild des Monats

September 1st, 2017

Bild des Monats:

Jürgen Raap, Das Zeitalter der Nachahmungen, Öl/Acryl auf Leinwand, 2017

Gesehen auf einem Kölner Flohmarkt, Foto: Copyright J. Raap

Kölner Weinwoche, Foto:  Copyright Raap

Bär aktuell Nr. 227   – 3. Sept.2017

Beim Gerling es de Klingel kapott“. Zu Lebzeiten des Versicherungsmagnaten Dr. Hans Gerling wäre solch eine Behauptung in Köln ein Sakrileg gewesen, galt doch der Chef des Gerling-Konzerns als äusserst penibel, ja, geradezu als extrem pedantisch, und dass an der Pforte seiner Villa in Köln-Marienburg nunmehr ein Zettel klebt „Klingel defekt. Besucher in dringenden Fällen bitte Tel….. anrufen“, wäre mithin seinerzeit undenkbar gewesen. Gerling starb 1991 und erlebte nicht mehr, dass sein Konzern 2006 von der Talanx-Versicherungsgruppe übernommen wurde, die mit dem Namensschild „Talanx“ neben dem Zettel mit dem Hinweis auf die defekte Klingel als jetziger Hausherr der Villa ausgewiesen ist. Dass man sich im vornehmen Köln-Marienburg möglicherweise keinen Elektriker mehr leisten kann, der die defekte Klingel repariert, erschüttert Herrn Bärs Vertrauen in die Hochfinanz zutiefst. Vielleicht haben sie aber doch längst einen Elektriker beauftragt, der allerdings mit dem weit verbreiteten Berufsethos der kölschen Handwerker „Küss de hück nit, küsste morjen“ (Kommst du heute nicht, kommst du morgen) sein Erscheinen branchenüblich hinauszögert. Wenn er dann vier Tage später doch noch kommt, wirft er einen kurzen fachmännischen Blick auf die Schelle und sagt „Ich muss mal kurz zum Baumarkt wat Klingeldraht besorgen“ und ward nie wieder gesehen. Dass so etwas auch in Köln-Marienburg vorkommt, ist für die Bewohner der weniger vornehmen Stadtviertel doch irgendwie beruhigend.

Signierstunde in der Buchhandlung. Wenn ein Autor gebeten wird, eine Widmung in das soeben gekaufte Buch zu schreiben, empfiehlt der Kunstheoretiker S.D. Sauerbier den Text: „13,90 Euro dankend erhalten“.

Gedichte, die die Welt nicht braucht. Der dennoch gelungene Einzeiler mit einer schönen Alliteration: „Bekleckert in Bleckede.“

Erlebniswelt REWE-Supermarkt In einem ihrer Lieder reimen zwei kölsche Krätzchensänger: „Mit uns’rem Dackel Waldi do jon mer jän nom Aldi, un wolle met erläwwe, dann jon mer och zum REWE…“ Erleben kann man im REWE-Supermarkt in der Tat so einiges, und zwar schnödesten Neoliberalismus, seit sie angefangen haben, in der einen oder anderen Filiale Kassiererinnen durch elektronische Kassen zu ersetzen, an denen man seine Einkäufe selber einscannen muss. Man übernimmt also als Kunde die Arbeit des Kassenpersonals, ohne jedoch auch den Lohn dafür zu bekommen, und das findet Herr Bär reichlich abartig.

Höhepunkt der Kölner Weinwoche war diesmal der Auftritt des „Weingut Bär“ aus Ober-Olm mit einem sagenhaften Acolon-Spätlese: ein kräftiger und zugleich erstaunlich samtig die Zunge umschmeichelnder Rotwein.

Als Überleitung zur Rubrik „Essen und Trinken“ sei an dieser Stelle auf den Kabarettisten Thorsten Schlösser verwiesen, der sich ernsthaft Gedanken darüber macht, ob Muttermilch und eine vergane Ernährung von Babys sich gegenseitig ausschließen. „Nein“, findet das Internetportal „www.vegpool.de“, und zum Thema „Ist Muttermilch unvergan?“ gibt ebenfalls „www.petazwei“ lediglich zu bedenken: es wäre nur falsch, „nach der Geburt Mütter und Kinder getrennt voneinander einzusperren und die abgezapfte Milch dann an eine andere Spezies zu verkaufen.“ Auf diese Entdeckung einer Marktlücke ist bisher allerdings noch keiner gekommen.

© Raap/Bär 2017

Essen und Trinken mit Karl-Josef Bär

Französischer Selleriesalat mit Wachteleiern

Wachteleier hart hochen und kalt werden lassen. Stangensellerie in dünne Scheiben schneiden und dann zusammen mit den Wachteleiern mit einem Dressing aus Olivenöl, Salz, Pfeffer mildem Essig oder Zitrone, Senf, etwas ausgepresstem Knoblauch, Petersilie und Schnittlauch vermengen. Man kann je nach Geschmack auch etwas frische Basilikumblätter beifügen und den Salat dann zusammen mit Brot-Croutons servieren. Herr Bär ergänzt die Zutaten auch gerne mit Gurken, Apfelstücken, Kresse und grünem Gemüsepaprika.

Gefüllte Blätterteigpasteten à la Karl-Josef Bär

Blätterteigpasteten gibt es fertig im Supermarkt und man muss sie dann nur noch selber füllen. Als Klassiker kennt man Füllungen mit Ragout fin: dazu läßt man Kalbfleischstücke (aus der Schulter) mit Zwiebeln, 1 Lorbeerblatt, Nelken, Pfefferkörnern mit Salz in Wasser mindestens 1 Std. bei schwacher Hitze köcheln. Dann erhitzt man Butter in einer Pfanne, schwitzt Mehl darin an, rührt Fleischbrühe hinein, lässt das Ganze aufkochen und schmeckt es mit etwas Weißwein, Zitronensaft, Worchestershiresauce ab, evtl. nachsalzen und nachpfeffern. Im dritten Arbeitsgang brät man Zwiebeln und Champignons in Butter an, gibt das inzwischen abgekühlte gewürfelte Kalbfleisch hinzu, erhitzt es kurz, gibt Sahne hinzu und füllt die Masse dann in die Blätterteigpasteten. Stattdessen kann man auch Hühnerfricassee nehmen, indem man Hühnerfleisch mit Suppengrün in gesalzenem Wasser aufkocht. Die weiteren Arbeitsschritte sind dann wie beim Ragout fin, wie man in die Sauce aber auch Erbsen, kleine Möhren- und kleine Spargelstücke einrühren kann, bevor man die Pastetchen füllt. Herr Bär brät Schweine-/Kalbmett mit Zwiebeln, braunen Champignons, 2 Knoblauchzehen in Butter an, mischt etwas Fetakäse unter, gibt geriebenen Sellerie, Erbsen und kleine grüne Paprikastückchen hinzu, je nach Saisonverfügbarkeit auch kleine Spargelstückchen, lässt das Ganze in Fleischbrühe kurz aufkochen und rundet es mit Sahne und frischem Thymian ab, bevor man es in die Pastetchen füllt.

Dorade oder Seebarsch mit Sauce vierge

Dorade oder Barsch salzen, pfeffern und mit Zitronensaft beträufeln. Mit Zwiebeln und reichlich Knoblauch in Butter braten oder im Backofen in eingefetteter Auflaufform garen. Die Sauce Vierge (übersetzt: die reine Soße oder jungfräuliche Sauce) ist ein Bestandteil der französischen Nouvelle Cuisine der 1980er Jahre; als ihr Erfinder gilt Michel Guérard. Man kann die Zutaten ausschließlich roh verarbeiten und die Sauce dann kalt servieren, oder auch erwärmen. Porreestücke und Stangensellerie brät man kurz an und gibt sie zu dem Fisch. Für die Sauce vierge vermengt man frische Tomatenwürfel, kleingehackte Schalotten oder Zwiebeln, dünne Stangenselleriestücke, Gurkenstreifen, Zucchinistreifen, Pinienkerne, klein gehackte Oliven, etwas frischen Ingwer, sowie frischen Thymian, frischen Rosmarin, frische Basilikumblätter miteinander in reichlich Olivenöl. Abschmecken mit Salz und Pfeffer.

 

 

Bär aktuell 226/227/228 und Bild des Monats

August 1st, 2017

Bild des Monats August 2017:

Jürgen Raap, „Schankbetrüger im lateinischen Viertel“, Acryl/Öl auf Leinwand, 2017

Bär aktuell Nr. 226/227/228 – 3. August 2017/22. August 2017

Was haben Lukas Podolski und Martin Schulz gemeinsam? Beide sind recht sympathische Menschen, doch während der Fußballer Lukas Podolski an seiner neuen Wirkungsstätte in der japanischen Stadt Kobe wie ein Heilsbringer verehrt wird und man ihm beim Training sogar Babys entgegen hält, als ob sich im Zeitalter der Selfie-Manie Podolskis Wunderkräfte medial, d.h. per Handy-Foto auf das Kleinkind übertragen wie früher nur bei einer Berührungsreliquie in der katholischen Kirche, hämt die Presse, Schulzens Kanzlerkandidatur sei „verunglückt“. Hält man Martin Schulz bei Wahlkampfveranstaltungen zwecks Wunderheilung Babys entgegen? Nein, mitnichten. Na also. Was machen sie also nun in Schulzens Heimatort Würselen, damit ihr Kandidat genauso weltläufig wirkt wie Lukas Podolski in Japan? Sie lernen hochdeutsch, d.h. sie versuchen sich den phonetischen Gleichklang von „ch“ und „sch“ im Rheinischen abzugewöhnen. Wenn die Würselener also jetzt hochdeutsch sprechen, hört sich der Name „Schulz“ wie „Chulz“ an. Ob das dem „Chulz“ mehr Wählerstimmen einbringt, muss man abwarten. Denn Hand auf’s Herz, Freunde: Lukas Podolski-T-Shirts für 90 Euro das Stück sind in Japan längst ausverkauft. Wer aber würde bei uns 90 Euro für ein T-Shirt ausgeben, auf das „Isch wähl dä Chulz“ aufgedruckt ist?

Dass ein Londoner Gericht Boris Becker unlängst für bankrott erklärte, bedeute nicht, dass er pleite sei, behauptete allen Ernstes sein Anwalt. „Bobele“ sei lediglich „seinen Zahlungsverpflichtungen nicht nachgekommen“. So kann man es auch formulieren. Boris Becker selbst bekundete dazu, diesem Gerichtsurteil zum Trotz würden seine Vermögensverhältnisse es durchaus immer noch erlauben; „den halben Tag auf dem Golfplatz zu verbringen“. Eine Umschuldung oder ein Verkauf seines Anwesens auf Mallorca sollte zum großen finanziellen Befreiungsschlag führen, und die Suchmaschine Google hat den Treffer zu dieser Meldung algorhythmussicher mit der Anzeige „Luxusimmobilien auf Mallorca – jetzt unverbindlich anfragen“ garniert, wiewohl Boulevard-Reporter herausgefunden haben wollen, die Becker-Bude auf Mallorca sei ziemlich „versifft“ und daher eigentlich schwer verkäuflich. Ein anderer Becker-Gläubiger, der ein Darlehen von 41 Millionen Schweizer Franken zurück haben will und deswegen auch klagte, musste sich hingegen in der Schweiz von einem Richter belehren lassen, die Forderung an sich sei unstrittig, er habe es jedoch versäumt, mit „Bobele“ zu vereinbaren, wann dieser denn das Darlehen eigentlich zurück gezahlt haben sollte. Somit bestätigte das Gericht indirekt Boris Beckers Auffassung in Sachen Zahlungsmoral. Der einstige Tennisstar, dessen Biografie der „Stern“ schon 2003 in der Schlagzeile „Pleiten und Pokale“ zusammenfasste und der „Focus“ mit der Zwischenüberschrift „Vom stotternden Rotschopf zum Superstar“, gibt nunmehr Anlass, über den feinsinnigen semantischen Unterschied zwischen Bankrott, Konkurs und Insolvenz nachzudenken. Das Wort „Bankrott“ kommt aus dem Italienischen und bedeutet „zerbrochener Tisch“. Mit einem Kaufmann, dem man wegen säumiger Zahlungen oder gar wegen schlechter Zahlungsmoral früher zur Strafe den Tisch zerbrochen hatte, mochte keiner mehr Geschäfte machen wollen. Was können wir daraus lernen? Das „manager magazin“ gibt uns jedenfalls den Rat, „Vermögensrisiken“ rechtzeitig zu „erkennen“, um „die Gefahr, irgendwann ‚prominent, aber pleite‘ zu sein, weitgehend ausschließen.“ Man kann aber auch von den Medien zum Pleitier stilisiert werden und trotzdem prominent bleiben. Der „Spiegel“ bescheinigt Becker immerhin, er sei immer noch „eine Bereicherung für jeden Sektempfang“.

Zeitungskasten mit „BILD“-Titelseite, August 2017, Foto: Raap/Bär

Die Frage von „Bild.de“ („Boris Becker – wo ist sein ganzes Geld?“) glaubt in einem Kommentar zu einem Youtube-Beitrag ein gewisser „Manne Gurando“ – mit allerdings grammatikalisch falschem Komparativ – beantworten zu können: „Das meiste Geld verbrauchte er für seine Vögelei und anschließend für die Frauen, die schlauer sind wie er…“ Eine Lebenserfahrung, die in einem weiteren Kommentar „HesseJames“ bestätigt: „Die Weiber kosten halt, und ab und zu meldet sich dann auch nochmal das Finanzamt“, während hingegen „Gisela Stapf“ zu wissen glaubt: „Das Geld ist bei den Illuminaten. Die Illuminaten kontrollieren die Welt und natürlich auch die Sportwelt.“

Die „BILD“-Schlagzeile, Boris Becker säße „pleite am Pokertisch“ im Casino von Rozvadov (Tschechien), wussten „Focus“ und andere Blätter zu relativieren: Becker habe mit dem Veranstalter „Party Poker“ einen Vertrag als „Markenbotschafter“ geschlossen, wurde nach Rozdadov mit dem Hubschrauber eingeflogen und bekam das Startgeld gestellt. Bobele verließ laut „Sport1“ das Casino spätabends mit einem Gewinn von 2.798 Euro. Immerhin.

Einem intellektuell wachen Leserbriefschreiber aus Chemnitz verdanken wir in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (FAZ) den Hinweis, es gäbe keinen feministischen Plural für „Blödmänner“, und bislang habe sich noch keine Frau darüber beschwert. Wie würde es also politisch korrekt heißen? „BlödmännInnen“ oder „Blödmänn*innen“, oder schlicht und einfach nur „Blödfrauen“?

Hängt das religiöse Empfinden vom Toilettengang ab? Für Konrad Müller, Vorstandsvorsitzender des Kölner Bürgerzentrums Alte Feuerwache, offensichtlich schon, denn er setzte mit seinen Vorstandskollegen hirnrissigerweise den Einbau einer „kultursensiblen“ Toilette für Muslime durch – ein Stehklo, wie man es früher aus Frankreich kannte. In Frankreich sind diese Stehklos mittlerweile überall verschwunden, und dies aus gutem Grund, weil sie nämlich viel zu unbequem sind. Seit Herr Bär in den 1970er Jahren Frankreich und andere südliche Länder zu reisen begann, hat er diese Stehklos als zumeist verdreckt und überschwemmt in Erinnerung: das bräunliche Wasser stand in der flachen Schüssel meistens 1-2 cm hoch auf dem Boden, man konnte mithin dieses Klo nur mit festem Schuhwerk betreten. Seine Notdurft in der Hocke zu verrichten, und dabei die heruntergelassene Kleidung nicht zu beschmutzen oder in dem nassen Toilettenboden durchzufeuchten, erforderte schon einiges an akrobatischem Geschick. Als Herr Bär vor ein paar Jahren in Tunesien weilte, standen dort solche Klos überall noch weitaus mehr unter Wasser, als er dies von früher aus Frankreich kannte, weil man in Tunesien nämlich anstelle von Toilettenpapier nur einen Wasserschlauch zum Abspritzen verwendet – für Konrad Müller  ist dies jedoch der Inbegriff hygienischen Wohlgefühls in der muslimischen Welt, was sogar seitens einer grünen Lokalpolitikerin zu Recht als „anmaßend“ kritisiert wird. Alles in allem ist letztlich die europäische Kloschüssel als zivilisatorischer Fortschritt zu bejubeln, und der mitteleuropäische Sitzpinkler gilt mittlerweile ja auch in den Kreisen von Hardcore-Feministinnen als vorzeigbar in Sachen hygienefördernder Emanzipation und anti-patriarchalischer Domestizierung – allein dieser wunderliche Konrad Müller und seine ebenso schrulligen Vorstandskollegen wollen aus ihrem Bürgerzentrum wieder ein Eldorado für breitbeinig-archaische Stehpinkler machen, und wer dort in der Plumpsklo-Kabine dann auch noch das große Geschäft verrichten will, der kann sich sicher sein, dass dieses „kultursensible“ Sanitär-Etablissement nicht in Ost-West-Richtung, sondern Nord-Süd-Richtung justiert ist, denn, – so lässt sich Konrad Müller allen Ernstes vom Boulevardblatt „Express“ zitieren: „Nach Mekka kacken geht gar nicht“. Er muss es ja wissen als Experte für sakrales Sanitärwesen. Eigentlich wäre die Kölner Klo-Posse ein geeigneter Schwank für die stets pfiffigen Stockpuppen im Hänneschen-Theater, wo Konrad Müller allerdings nur die Rolle des Tünnes vorbehalten bliebe, oder besser noch für die kölschen Volksstücke im „Scala-Theater“, wo es gemeinhin immer recht derb und vulgär zugeht und an fäkalistischen und sexuellen Anspielungen nicht gespart wird: „Nach Mekka kacken geht gar nicht“ könnte dort auch der selige Wally Bockmayer in einen Rollentext seiner Komödien hineingeschrieben haben. Doch die törichte Frage, ob man Muslimen in der Fremde durch unbequemere Toiletten, mithin durch kulturellen Rückschritt, ein besseres Lebensgefühl verschaffen kann, schaukelt sich zu einer Grundsatzdebatte doch, wie viel an kultureller Bringschuld die Einheimischen gegenüber den Zugezogenen eigentlich abzuliefern haben, und man ahnt: ein Großteil der kulturellen Konflikte, die wir derzeit bisweilen in unserer Gesellschaft auszutragen haben, resultieren gar nicht aus einem mangelnden Anpassungswillen der Zugereisten, sondern viel eher aus der Naivität und der ideologischen Verblendung, im Falle Konrad Müllers auch aus kultureller Überheblichkeit, als ob die Muslime keine besseren Klos verdient hätten, was Müller sich anmaßt zu entscheiden, und in anderen Fällen aus der von historischer Schuld beladenen Ängstlichkeit mancher Alteingesessener. So ist denn die „kultursensible Toilette“ für Leute wie Konrad Müller ein Purgatorium: Es drängt sich die Assoziation zu einer Reinigungsmetapher auf. Man reinigt sich symbolisch-rituell durch vermeintliche politische Korrektheit und Zugeständnisse an eine falsch verstandene Multikulturalität von eben jener historischen Schuld der Altvorderen, die in Teilen des kollektiven Gedächtnisses als eine Art Erbsünde nachwirkt, und dann kann man sich zumindest in jenem Bürgerzentrum als rechtschaffener Toilettenmann moralisch überlegen fühlen gegenüber jenen Altvorderen und gegenüber all den Trumps, Le Pens, Gaulands, Petrys und Orbans dieser Welt: wir sind aufgrund unserer humanen Gesten und unserer Weltoffenheit selbst bei der Darmentleerung nicht (mehr) so wie unsere Väter und Großväter. Allerdings hat der Soziologe und Publizist Dolf Sternberger schon in den 1950er Jahren in seiner Abhandlung „ Aus dem Wörterbuch des Unmenschen“ verdeutlicht, dass ein ursprünglich neutrales Wort unter gewissen Zeitumständen – wie bei den Nazis – eine zynische ideologische Aufladung erfahren könne: als Beispiel nennt er das Wort „Betreuung“ als „diejenige Art von Terror, für die der Jemand – der Betreute – (auch noch) Dank schuldet“. Und das Wort „kultursensibel“, wie Konrad Müller und Konsorten es mit einer gewissen Arroganz und Dank einforderndem Unterton verwenden, wäre nachträglich in dieses Wörterbuch aufzunehmen. Das Purgatorium ist ein Fegefeuer, in welchem die Idee der Säuberung durch den fegenden Besen steckt, im übertragenen Sinne meint dies eine Reinigung auch als eine seelische und geistige Läuterung, und wenn man sich dem höchst seltsamen sanitären Treiben im Kölner Bürgerzentrum Alte Feuerwache einmal vulgärpsychologisch annähern wollte, dann würde Herr Bär diesem Konrad Müller und seinen Konsorten unterstellen, ihr Wunsch nach Reinlichkeit der Seele im Sinne von Wiedererlangung der Unschuld ließe sich vor allem mittels einer durch ideologische Verstiegenheit verbogenen Willkommenskultur erzielen, die quasi als eine Art kultureller Buße dann aber in höchstem Maße paradoxerweise die Abkehr von der Sekundärtugend des typisch deutschen Hangs zur Sauberkeit betreibt, wie sie im Schwabenland in der traditionellen „Kehrwoche“ (fegen! Besen! sic!) immer noch einen alltagssoziologischen Höhepunkt erlebt, im stets zugemüllten Köln allerdings seit alters her weniger, weshalb hier im 18. Jahrhundert das Eau de Cologne erfunden wurde, um den Gestank in den Gassen und Gossen besser ertragen zu können. Demnächst ist wieder Tag der Offenen Tür in der neuen Moschee von Köln-Ehrenfeld. Herr Bär hat sich vorgenommen, aus diesem Anlass dort einmal die Toiletten zu inspizieren. Die „Frankfurter Allgemeine“ zitierte jedenfalls schon 2014 den Architekten Paul Böhm, dieser habe sich gewundert, dass in dieser Moschee „vor den Toiletten billige Resopalwände eingezogen werden“. Das sollte Konrad Müller zu denken geben.

Bundestagswahlkampf mit Martin Schulz und Che Guevara, 2017, Foto: Copyright Raap

Was für ein langweiliger Bundestagswahlkampf. Mutti Merkel lullt uns alle ein, wiewohl sie im „Phoenix“-Interview versprach: „Ich gebe alles!“ Der Herausforderer Martin Schulz entpuppt sich mittlerweile auch als alter Langweiler, der es allen recht machen will und sich dabei nur als ein Routinier der Unverbindlichkeit entpuppt, dann auch noch von Gerhard Schröder eins übergebraten bekommt, der unbedingt jetzt in der heißen Phase des Wahlkampfs den Eindruck erwecken will, er käme mit seiner Pension als Altbundeskanzler nicht aus, weswegen er sich im Aufsichtsrat des Putin-nahen „Rosneft“-Konzerns etwas hinzuverdienen muss, was auf ein grundsätzliches Scheitern der deutschen Rentenpolitik hindeutet: wenn schon der Schröder von der Altersarmut bedroht ist und mit 73 Jahren noch in Russland arbeiten muss, und auch der Ehrensold für Altbundespräsidenten von 236.000 Euro pro Jahr bei Christian Wulff nicht auszureichen scheint, was wird dann erst aus dem Kleinrentner mit 800 Euro im Monat? Hier hätte Herr Bär mal ein markiges Wort von Martin Schulz erwartet, z.B. „Die Renten sind sicher, auch die von Gerhard Schröder“, aber stattdessen bringt einzig und allein Recep Erdogan etwas Stimmung in die Bude mit seiner Wahlempfehlung, das Kreuzchen keineswegs bei CDU, SPD oder Grünen zu machen. Die inhaltliche Bildaussage auf dem Foto „Erststimme Schulz, Zweistimme Che Guevara oder gerne auch umgekehrt“ hinterlässt nach Erdogans Suada mithin eher Ratlosigkeit, weil die MLPD nämlich mit Spitzenkandidaten wie Che Guevra und Lenin antritt, die schon lange tot sind. Will man wirklich Leichen auf den Hinterbänken des Bundestages sitzen haben? Lieber nicht. Die „Partei bibeltreuer Christen“ empfiehlt sich für muselmanische Wahlberechtigte in Erdogans Augen wahrscheinlich ebenso wenig als Alternative zu CDU, SPD und Grünen wie „Die Urbane“, die als eine eher firlefanzorientierte „Hiphop Partei“ antritt. Sollte man stattdessen vielleicht die Kandidatur der „Magdeburger Gartenpartei“ mit Wohlwollen begleiten? Hm, hm, gilt Magdeburg nicht als das Bielefeld des Ostens? Also auch lieber nicht. Oder die „bergpartei“, die als „realdadaistisches Sammelbecken“ antritt? Sind diese Kleinstparteien wirklich so viel anders als CDU, SPD und Grüne? Hier wäre vielleicht auch eine Wahlempfehlung von Wladimir Putin mal eine nützliche Entscheidungshilfe, doch im Unterschied zu Erdogan zieht es Putin vor, zu den Kandidaturen im deutschen Wahlkampf schweigen. Wenn man die „Transhumane Partei“ mit ihrem Sologan „Für das Wohl und Glücklich-Sein aller“ wählt, kann man wahrscheinlich nicht viel falsch falsch machen, außer seine Stimme sinnloserweise zu verschenken, denn im Unterschied zur amerikanischen Verfassung, in die Thomas Jefferson schon 1776 seine „Pursuit of happiness“-Formel hineinschrieb, ist ein „Recht auf Glück“ im deutschen Grundgesetz nicht vorgesehen, und ob ausgerechnet die „Transhumane Partei“ die nötige Zweidrittelmehrheit für eine Grundgesetzänderung zusammen bekommt, muss bezweifelt werden. Den amerikanischen Verfassungsgrundsatz des Rechts auf Glück erläutert der Jurist Andreas Fischer im Internet als eine den Amerikanern „gewährleistete Freiheit von unvernünftigen Regierungsmaßnahmen, das Recht, sein Leben selbstbestimmt zu gestalten“, und wenn hier von unvernünftigen Regierungsmaßnahmen die Rede ist, denkt man natürlich sofort an Donald Trump und seine Amtsführung in Form einer bizarren Mischung aus Hanswurstiade und Bösartigkeit.

© Raap/Bär 2017

Essen und Trinken mit Karl-Josef Bär

Belegte Brote

Lord Sandwich war ein leidenschaftlicher Kartenspieler und hasste es, in seinem Club die Partie zum Essen unterbrechen zu müssen. Deshalb orderte er 1762 beim Club-Personal belegte Brote, die er mit einer Hand halten und während des Spiels verzehren konnte, und die später nach ihm „Sandwich“ benannt wurden. Sie werden mit Toastbrot angerichtet und diagonal als Dreieck geschnitten. Das deutsche Butterbrot wird von Johann Wolfgang von Goethe in „Die Leiden des jungen Werther“ erstmals literarisch erwähnt, allerdings empfahl schon Martin Luther als nahrhafte Kindernahrung die „Butterbemme“. In Hamburg ist ein Butterbrot ein Schwarzbrot mit einem halben Brötchen. Das niederländische Boterham (kölsch: „Botteram“) meint eine Brotscheibe belegt mit Aufschnitt. Das dänische Smørrebrød hat Schwarzbrot als Grundlage und ist recht üppig belegt mit Wurst, Tatar, Zwiebeln, oder auch Fisch, Ei, Rote Beete und Kaviar. Die italienische Bruschetta wird als Vorspeise gereicht – ein noch warmes geröstetes Brot wird mit Knoblauch und Olivenöl eingerieben, oft auch mit gehackten Tomaten und Basilikum, in den Abruzzen auch mit Schinken.

Hähnchen Moambe

Dieses Gericht stammt aus dem Kongo und basiert auf dem rötlichen gehärteten Palmenöl Moambe, das man bei uns in afrikanischen Läden bekommt. Eigentlich gehören dazu auch frische Palmnüsse, aber die sind in Deutschland selten erhältlich, aber man kann sich auch mit Moambe begnügen: Man zerteilt ein Hähnchen in kleinere Stücke mit Knochen und brät es zusammen mit 2 Zwiebeln und 2-3 Schalotten in Olivenöl in der Pfanne an, gibt dann 1 geschnittene Poreestange, 1 Lorbeerblatt, 4 gewürfelte Tomaten, 1 milde rote Paprikaschote (Spitzpaprika), etwas Erdnusssauce, und 3-4 Esslöffel Momabe hinzu, verrührt alles und lässt es 45 Min. bei leichter Hitze schmoren. Würzen mit Salz, Pfeffer, Piri-Piri (Chilisauce), 4 Knoblochzehen, frisch geriebener Muskatnuss. Dazu reicht man Reis und separat zubereitete Kochbananen.

bär aktuell Nr. 225

Juli 1st, 2017

Bild des Monats Juli 2017:

Jürgen Raap, „Vergebliche Bahnfahrt“, 2017

Jürgen Raap, „Die Angst vor dem weißen Priester“, 2017

Bär aktuell Nr. 225   – 3. Juli/22. Juli 29017

Auch das noch. In Göcklingen in der Pfalz führt man einen Kräh-Wettbewerb durch. Bei einem Weinfest in Göcklingen kam man – vermutlich nach dem Genuss etlicher Schoppen – auf die Idee, einen Wettbewerb durchzuführen, wer als Mensch am besten krähen kann wie ein Gockel. Der Wettbewerb um die Deutsche Meisterschaft im Krähen wird politisch und damit gendermainstreammäßig in den drei Kategorien „Gockel“ für Männer, „Henne“ für Frauen und „Kühen“ abgehalten, ergänzt um den Titel einer „Weltmeisterschaft im Team-Krähen“. Damit will man den Ort bekannter machen, und dies weltweit, doch wenn das so einfach wäre, hätte man längst in Schweinfurth zu einem Grunz-Wettbewerb ausgerufen und in Hundsdorf (Postleitzahl 56235) unter den Bewohnern einen „Weltmeister im Bellen“ ermittelt. Trainieren sie in Katzenbach im Kreis Bad Kissingen etwa den ganzen Tag das Miauen? Mitnichten. Auf was für Ideen in Sachen Stadtmarketing man in Geilenkirchen (Postleitzahl 52511) kommen könnte, will man sich gar nicht vorstellen. Somit ist der Göcklinger Kräh-Wettbewerb ein schönes Beispiel dafür, wie auch übermäßiger Genuss von Pfälzer Wein jene Einfälle hervorzurufen vermag, die man sonst als Schnapsidee bezeichnet.

Ziemlich bescheuert ist auch in Finnland der Wettbewerb im Frauenweittragen, bei dem die Dame, die die Teilnehmer durch die Wälder schleppen, mindestens 49 Kilo wiegen muss. Der Sieger bekommt – als Reverenz an die berüchtigten skandinavischen Trinkgewohnheiten – als Preis das Gewicht seiner Gepäck-Partnerin in Bier aufgewogen. Na denn, ein Prosit der Gemütlichkeit. Beim Redneck Summerfestival in Dublin (US-Bundesstaat Georgia) begnügen sie sich hingegen damit, den Meister im Klobrillenweitwerfen zu ermitteln. In Düren ermitteln sie unterdessen den Weltmeister im Kirschkernweitspucken; die Idee dazu hatte – wer sonst auch? – ein ehemaliger Kirmesdirektor. Hochprozentiges Kirschwasser gibt’s zwar nicht bei der anschließenden Siegerehrung, doch der erste dieser Weltmeister, nämlich Heinz Michels, durfte immerhin in der Fernsehsendung „Zum Blauen Bock“ auftreten. Wenn nicht gerade Martin Schulz mal wieder einen „Anschlag auf die Demokratie“ wittert, füllen die Zeitungen ansonsten das mediale Sommerloch mit Meldungen über die Splashdiving-Weltmeisterschaft (vulgo: Arschbomben-Weltmeisterschaft),  zu der sich sogar ein National-Team im Schwimmband einfindet, das auf neudeutsch sein Motto in die Worte „We love what we do“ gefasst hat. Herr Bär war mal bei einem Privatsender Zuschauer im Studio zur Aufzeichnung einer Fernsehsendung, bei der der Weltmeister im Schnellmalen auftreten sollte, doch den überkamen in dem gleißenden Scheinwerferlicht plötzlich Malhemmungen, und so musste er erst mal draußen eine Zigarette rauchen, um die Hemmungen abzubauen; eine Zeitspanne, die der Sender dann gekonnt mit einer Werbepause überbrückte. Anschließend stand der Schnellmaler meditativ sinnierend vor seiner Leinwand, und was er dann mit dem Pinsel doch noch zustande brachte, schnitten sie hinterher auf ein paar Sekunden zusammen, so dass seine Malerei in der Ausstrahlung schließlich weitaus schneller wirkte als in Wirklichkeit, und Herr Bär bekam somit seine Ansicht bestätigt, dass die Medien bisweilen arg manipulativ vorgehen.

© Raap/Bär 2017

Essen und Trinken mit Herrn Bär

Gazpacho andaluz

Beheimatet ist diese kalte spanische Gemüsesuppe aus ungekochten Zutaten in Andalusien und Südportugal (Algarve). Es wird behauptet, das Rezept sei maurischen Ursprungs, und es hätte eine Knoblochsuppe mit Gurken, Essig, Wasser und Salz beschrieben. Tomaten und Paprika waren vor der Entdeckung Amerikas in Spanien unbekannt; man fügte sie vermutlich erst im 18. Jh. dem Rezept hinzu. Für 2 Portionen nehme man 3 Tomaten, 1-2 rote Paprikaschoten, 2 Knoblochzehen, ½ Gurke – im Mixer pürieren und in eine Schale geben, salzen und pfeffern, vorsichtig mit ein wenig Wasser verdünnen.

Mango Chutney

Chutneys sind in der indischen Küche Saucen in püreehafter Konsistenz, mal eher scharf, mal süß-sauer. Sie werden ähnlich wie Marmelade gekocht, manchmal auch nur kalt püriert. In Europa und in den USA hat man sich angewöhnt, sie zwecks besserer haltbarkeit in Konservengläsern abzufüllen. Für Mango Chutney nimmt man Mangofrüchte, die man schält und deren Fruchtfleisch man von den Steinen und in kleine Würfel schneidet. Pro Mangofrucht dann ½ bis 1 kleine scharfe rote Chilischote oder scharfe rote türkische Paprikaschote, die man mit dem Fruchtfleisch, 1 klein gehackten Zwiebel und geraspeltem Ingwer vermengt. Man verrührt braunen (Rohr)-Zucker in einem Topf, bis er anfängt zu karamellisieren, gibt das Inger-Chili-Gemisch hinzu und löscht das Ganze mit einer Mischung aus Limettensaft (von 2-3 Limetten und der gleichen Menge Fruchtessig) ab. Dann die Mangostücke und Kurkumapulver hinzugeben, alles aufkochen und unter Umrühren weiter köcheln lassen, bis die Mangostücke zu einem Brei zerkocht sind, bei Bedarf zwischendurch Wasser hinzufügen und zum Schluss mit Salz abschmecken.

Gratinierte Austern „Fühlinger See“

Austern enthalten viel Eiweiß, Vitamin A und B, Calcium, Magnesium, Zink, Eisen, Jod und Phosphor. Ber+ühmt sind die Austern aus Cancale in der Bretagne (Fin de claires). Man isst sie roh, beträufelt sie allenfalls mit ein wenig Essig und Pfeffer (Zitronensaft gilt bei manchen Austernfans als frevelhaft), kann sie aber auch mit ein wenig Butter, Käse (Parmesan oder Gran Pandana), Knobloch und feingehackten Schalotten, Petersilie, Kerbel und Estragon überbacken.

bär aktuell 222/223/224 und bild des monats

Juni 1st, 2017

Bild des Monats Juni 2017:

Jürgen Raap, „Das nichtswürdige Erbarmen der Mächtigen“, 2017

aus der Serie: „Die Hummerkönigin“, heute: „Die Hummerprinzessin“, Acryl/Öl auf Obstkiste 2017

aus der Serie: „Die Hummerkönigin“,

heute: „Die Schwalbenkönigin“

Acryl/Öl auf Obstkiste, 2017

Blick in die Ausstellung „Mes amis, mes amies“, Atelier Dorrit Nebe, Köln,

Mai 2017, Sammlung Kallnbach und Sammlung Bär, Foto: Bär/Raap

Originelle Wahlkampfwerbung

Bär aktuell Nr. 222      – 11. Mai 2017

Dass man Wahlwerbung durchaus originell gestalten kann, beweisen die raren Beispiele der „Piraten“ und „Die Partei“ des Satireblatts „Titanic“. Aber wenn Sie sich an der ansonsten langweilige Wahlkampfwerbung satt gesehen haben sind der ewig gleichen hohlen Phrasen auf den Plakaten mit den Porträts biederer Blötschköpp überdrüssig sind, wenn es Sie mithin dringend nach visueller Abwechslung gelüstet, dann kommen Sie doch am Samstag, 13. Mai 2017, nach dem Fußballderby Bayer Leverkusen gegen 1. FC Köln in die Metzer Straße 20 (Kölner Südstadt, Nähe Volksgarten). Ins Atelier Dorrit Nebe. Zur Eröffnung der Ausstellung Sammlung Siglinde Kallnbach, Jürgen Raap, Karl-Josef Bär und „Sammlung Bär“. Mit einer Einführung gegen 18.30 Uhr.

Kölsch-Bier-Offerte „Em goldene Kappes, Köln-Nippes, Foto: Raap

Bär aktuell Nr. 223/224 – 22. Juni 2017

Den aktuellen Zeitgeist voll erkannt man man in der Traditionsgaststätte „Em goldene Kappes“ in Köln-Nippes. Ein Glas Kölsch-Bier wird dort neuerdings als „Kaltes veganes Gerstensüppchen“ angeboten.

Dä Doof des Monats ist diesmal der Erpresser der Familie Schumacher, der in seinem Erpresserbrief – man will es kaum glauben – seine eigene Kontonummer angab. Wenn man diesem unbedarften Kriminellen-Darsteller erzählt hätte, einem Erpresser übergäbe man das Lösegeld besser von Angesicht zu Angesicht, dann hätte der das wohl auch geglaubt.

Wer Peer Steinbrück als Parteifreund hat, der braucht keine Feinde mehr, mochte sich Martin Schulz gedacht haben, als der gescheiterte Kanzlerkandidat und heutige Hobby-Kabarettist Steinbrück seinem Kandidatennachfolger Schulz und ihrer gemeinsamen Partei SPD kräftig einen einschenkte. Die wochenlang anhaltende innerparteiliche Schulz-Besoffenheit, von den Medien auch zum „Schulz-Hype“ hochgejazzt, sezierte Steinbrück – dies allerdings durchaus zutreffend – als „Realitätsverlust“ und verhöhnte die neue sozialdemokratische Gallionsfigur dann auch noch als „Erich Schulz-Honecker“, als ob es sich bei der Schulz-Verehrung um einen Personenkult aus den finsteren Zeiten hartleibiger Apparatschiks handeln würde, die man heute sonst nur noch in Nordkorea antrifft. Dass Steinbrück seine SPD zudem als „Heulsusen-Verein“ verspottete, seinen Parteigenossen außerdem bescheinigte, sie seien „häufig zu verbiestert“, empfanden viele Genossen als ein höchst unangemessenes Verhalten wie bei einem Wiedehopf, der in der Zoologie – allerdings fälschlicherweise – im Ruf steht, munter sein Nest zu beschmutzen. So hat Thomas Murner bereits 1514 in seinem Werk „Schelmenzunft“ den Wiedehopf als einen „unnützen Vogel“ bezeichnet, und manch einer in der SPD denkt wohl dasselbe über Steinbrück. Der solchermaßen düpierte Kanzlerkandidat Martin Schulz selbst grämt sich derweil nicht nur über die verbalen Schienbeintritte seines Vorgängers, sondern auch noch darüber, dass neulich mal einer über ihn gesagt habe, er sähe aus wie ein Eisenbahn-Schaffner – und das heißt im Klartext: eben nicht wie der schneidige Lokomotivführer im „ICE Martin Schulz“ (vulgo: „Schulz-Zug“), der so pannenanfällig ist wie so manches bei der Deutschen Bahn. Die Klimaanlage in den Waggons hat übrigens der Trump kaputt gemacht. Der Höhepunkt der Steinbrückschen Suada gipfelte indes ausgerechnet in einem Lob auf die FDP-Ikone Christian Lindner: der sei immer so „locker, das weckt Sympathien.“ Nun hat wiederum der CDU-Generalsekretär Peter Tauber die Garderobe von Christian Lindner als „überteuerten Maßanzug“ verulkt, und so mag man sich kaum vorstellen, Martin Schulz könnte – Steinbrücks Ratschlag aufgreifend – demnächst in einem sündhaft teuren eng taillierten Christian Lindner-Jackett anstatt mit seiner ausgebeulten Schaffner-Jacke durch die Abteile des Schulz-Zuges laufen und den neu eingetretenen Parteimitgliedern zurufen: „Hier noch jemand zugestiegen? Die Fahrausweise bitte!“ Herr Bär ahnt, dass man von Peer Steinbrück vor allem eines lernen kann, nämlich wie man Wahlkämpfe verliert. Da mag sich Martin Schulz trösten: obwohl der Wiedehopf ein prächtiges Kopfgefieder und ein schönes Federkleid habe, sei er „kein ehrenwerter Vogel“, schrieb Johannes Agricola um 1530 in seiner Anthologie der deutschen Sprichwörter.

 

Impressionen vom Kasseler Kultursommer /documenta-Besuch, Juni 2017, Foto: Raap/Bär

Bär polyglott – unterwegs mit Herrn Bär Wer in diesem Sommer nach Kassel zur documenta fährt, der erlebt dort das Wirken von Kuratoren, die sich in der Rolle des moralisierenden Eiferers gefallen und mit einem politischen Sendungsbewusstsein über die Kunst herfallen, das freilich reichlich bigott wirkt. Wer jeden Abend „tagesschau“ guckt, ist über den Zustand der Welt hinreichend informiert. Wenn dies aber dann noch durch eine Kunst illustriert wird, die keinerlei intellektuelle Überraschung bietet und keinerlei künstlerische oder poetische Weltdeutung aus einer ungewöhnlicheren Perspektive liefert, sondern die nur dazu ausgesucht wurde, um die bisweilen krude und ideologisch verstockte Weltsicht der Kuratoren zu visualisieren, sucht man als Kassel-Tourist dann doch lieber Kurzweil und Erbauung da, wo Bizarres und Skurilles als Begleiterscheinungen der documenta auffallen. So wirft etwa die „Kassel Marketing GmbH“ als Touristenattraktion in diesen Tagen Null-Euro-Scheine unters Volk, gedruckt auf echtem Geldscheinpapier: eine Idee, die in Frankreich ein Geschäftsmann schon in den 1990er Jahren hatte und in Deutschland als erster der Duisburger Zoo, der 2016 so clever war, seine Null-Euro-Scheine für 3 Euro zu verkaufen und die Rückseite mit Tiermotiven bedruckte, wobei übrigens bei der zweiten Auflage eine Giraffe durch den Brillenbär Pablo ersetzt wurde. In Kassel ist diese documenta-Banknote mit einer Abbildung des Museum Fridericianum bedruckt und kostet vier Euro, und so bekommt das documenta-Motto „Von Athen lernen“ mit dem Null-Euro-Pleite-Geld dann doch noch einen leicht frivolen Unterton. 

Ein documenta-Bier gibt’s als „Kassel Edition“ in diesem Sommer auch. Der nigerianische Künstler Emeka Ogboh stellte fest, dass für Afrikaner die deutsche Küche zu fade gewürzt sei, und so entwarf er ein Rezept für ein Starkbier „Sufferhead Original Stout“, das mit Chili angereichert ist und von dem Ogboh behauptet, es passe gut als Begleitgetränk zu deutscher Bratwurst. Hergestellt wird es im benachbarten Baunatal in der Hütt-Brauerei, die zur documenta 50.000 Flaschen davon im Museumsshop und auf dem lokalen Markt anbietet. Herrn Bärs Geschmacksurteil nach einem Selbstversuch: schmeckt ein bisschen wie Guinness, nur etwas malziger, mit einem leicht pfeffrigen Nachhall in der Mundhöhle, und ist mit 8 Euro pro Flasche ziemlich überteuert, zumal man die Flasche nicht mit Null-Euro-Scheinen bezahlen kann. Fazit: Kann man mal probieren, muss man aber nicht unbedingt.

Etwas merkwürdig mutet indessen die Zielgruppenansprache des „Fotostudio Bär“ unweit der Kasseler Fußgängerzone an, denn die Leistungspalette jenes Fotografen kulminiert laut Reklameschild im Angebot, schwangeren Frauen zu einem Foto von ihrem Babybauch zu verhelfen; zugleich aber unternimmt das „Fotostudio Bär“ keinerlei Anstrengungen, auch männliche Kunden mit Bierbauch vor seine Kamera zu locken, und so verhallen alle Appelle zu einem politisch korrektem Gender Mainstreaming beim Kasseler „Fotostudio Bär“ ungehört.

© Raap/Bär 2017

Essen und trinken mit Herrn Bär

Salate

In Polen und anderswo im Osten nimmt man Zucker, um die Bitterstoffe mancher Salatsorten abzumildern; in der mediterranen Küche ist dies jedoch eher unüblich: da greift man z.B. lieber zum bräunlichen Balsamico-Essig, der einen süß-sauren Geschmack hat, so dass man kein anderes Süßungsmittel bräuchte. Rucola und Radicchio enthalten Bitterstoffe, die man kompensiert, indem man z.B. den Salat mit Apfelstücken einer eher süßen Sorte oder mit Mangoscheiben, frischen Feigen etc. kombiniert, oder indem man solche Früchte püriert in das Dressing einrührt. Saucen-Klassiker sind Caesar’s salad, von dem Italo-Amerikaner Cesare Cardini 1924 in Tijuana (Mexiko) entwickelt: Olivenöl, Eigelb, Zitronensaft, Worcestershiresauce, Knobloch, Salz und Pfeffer werden zusammen mit Dijonsenf, saurer Sahne und Sardellenfilets zu einer Emulsion verrührt und mit geriebenem Parmsesan und Croutons (geröstete Brotwürfel) abgerundet. Diese Sauce passt gut zu Romana-Salat mit Hühnerbruststreifen oder Garnelen, Avocados und Tomaten. Thousand Islands Dressing besteht aus püriertem roten Gemüsepaprika, fein zerkleinerter Schalotte und Gewürzgurke, dazu etwas Salatmayonnaise, Joghurt, Weinessig, Tomatenketchup oder Tomatenpüree, Worchestershiresauce, Salz, Pfeffer, Cayennepfeffer. French Dressing rührt man mit crème fraiche oder Joghurt zusammen mit Olivenöl, Senf und Essig an, dazu Salz, Pfeffer, Knobloch und Salatkräutern wie Dill, Schnittlauch, Petersilie, Minze, Thymian oder auch Estragon. Italian Dressing besteht aus Olivenöl, Rotweinessig, Senf, Knobloch, Oregano und frischem Basilikum. Für eine Sauce Vinaigrette nimmt man Öl, Zitrone oder Essig, Zwiebeln, Kapern, Dijonsenf, Salz, Pfeffer, Estragon, Dill, Kerbel, Petersilie und ein hart gekochtes Ei. Wer will, kann ihr auch mit etwas Meerrettich oder Chili mehr Schärfe verleihen. Anstelle eines Dressings kann man auch Pestos einrühren; der Name bezeichnet in der italienischen Küche pastose, ungekochte Saucen auf Olivenölbasis, die bekannteste ist Pesto alla genovese wurde erstmals 1864 erwähnt und enthält Pinienkerne, Basilikum, Knobloch und Pecorino-Käse. Pesto alla siciliana (Pesto rosso) enthält weniger Basilikum, dafür aber getrocknete Tomaten und Mandeln. Mild schmeckende Salatsorten kann man zusätzlich aufpeppen, indem man würzigen Schafs-oder Ziegenkäse bzw. Blauschimmelkäse hinzufügt. Gute Geschmacksveredler an Salaten sind auch Walnüsse und Haselnüsse.

Tomaten auf belgische Art aushöhlen und mit Nordseekrabben/Crevettes grises füllen, dazu Knoblauch-Mayonnaise oder Knobloch-Joghurt, Dill. Diese Nordseekrabben kommen vom Weißen Meer im Einzugsgebiet Russlands bis zum Atlantik in Höhe Marokkos vor, vor allem aber in der Nordsee und im Ärmelkanal. Bei uns werden sie zumeist im ostfriesischen Wattenmeer gefangen und schon an Bord der Fischkutter gekocht: roh sehen sie gelblich aus, gekocht bräunlich-rosa-grau. Man kann sie roh essen oder mit Joghurt-Sauce bzw. Mayonnaise als Salat anrichten, in Norddeutschland kalt zusammen mit Rührei als „Krabbenbrot“ servieren oder als Zutat zur Scholle „Finkenwerder Art“ reichen.

Budapester Salat à la Karl-Josef Bär

Der Budapester Salat ist ursprünglich eine Variante des Fleischsalats, mit dem man Bratenreste (Rindfleisch) mit Salatzutaten kombinierte. In Supermärkten wird er heute zumeist mit Fleischbrät angeboten. Man vermenge wahlweise Fleischwurst (Lyoner), Roastbeefstreifen/Rinderbratenstreifen oder Paprikasalami mit Lauchzwiebeln, Gewürzgurke, frischer Gurke, rotem und grünem ungarischen Gemüsepaprika in Streifen, Apfelstreifen, hart gekochten Eiern, Senfkörnern, Senf, Knoblauchpaste, Ajvar-Paprikapaste oder ungarischer Paprikapaste, Tomatenmark, zerdrückten frischen Tomaten, etwas Aioli, etwas Weinessig, Worchestershiresauce, Joghurt, Salz, Cayennepfeffer und Paprikapulver sowie Petersilie. Eine fleischlose Variante kann man auch zubereiten, indem man anstelle der Braten-oder Wurststreifen grünen Salat nimmt.

Paprikahähnchen à la Karl-Josef Bär

Ein Stubenküken oder Hähnchen wird von außen mit Salz, schwarzem Pfeffer und Cayennepfeffer eingerieben, ebenso von innen, dort aber auch noch mit Rosenpaprikapulver und süßem Paprikapulver. Klein gehackte Zwiebeln, Knoblauchstücke, Knoblauchpaste, rote und grüße Gemüsepaprikawürfel sowie kleine Apfelstücke werden mit Tomatenmark, Paprikapaste und Senf vermengt und als Füllung im Inneren verstrichen. Im Backofen bei 180 ca. 40 Min. garen, kurz vor dem Servieren von außen auch mit Paprikapulver bestreuen.

bär aktuell 219/220/221 und bild des monats

Mai 1st, 2017

Jürgen Raap, aus der Serie „Die Hummerkönigin“, alle: Acryl und Öl auf Obstkiste, 2017

 

Bild des Monats Mai 2017:

Jürgen Raap, „Die Landstraße ist kein Mädchenpensionat II“, 2017

 

Kirmesbude, Köln, Frühjahr 2017, Foto: Copyright J. Raap

Christopher Chiappa, Installation „Live Strong Cologne“, 2017 mit 1.400 Spiegeleiern aus Gips, Fiberglas, Farben u.a. Mat., bei Kate Werble Gallery, New York, Foto: Raap

Art Cologne 2017 mit Volker Hildebrandt, Siglinde Kallnbach, Herbert Döring-Spengler

Art Cologne mit J. Raap (li.), Kritikerin Renate Puvogel und Kurator Jochen Heufelder (re.)

Jürgen Raap, „Der unmusikalische Kavalöres“, Editionsgrafik für Volker Hildebrandt „loveprototo“ am Stand K5 auf der Kunstmesse „Far off“ Köln 2017

J. Raap am Stand von Volker Hildebrandt auf der Kunstmesse „Far off“, Köln 2017, Foto: Robert Hartmann

Bär aktuell Nr. 219 – 27. April 2017

Fotostrecke „bär aktuell spezial“ mit „Impressionen von der Kunstmesse Art Cologne 2017“ und von der „Far off“-Kunstmesse Köln

Der Messekenner weiß: zur Vorbesichtigung am Eröffnungstag der Art Cologne kommen die Kunstbeflissenen um 13 Uhr, die Sektschlürfer um 16 Uhr und die Biertrinker ab 17 Uhr. Dann gibt’s im Foyer Gaffel-Kölsch umsonst, und wer dann nicht mit leerem Magen dem Freibier frönen will, der stärkt sich vorher – allerdings zu den bei der Koelnmesse üblichen Nepp-Preisen – im Gastro-Bereich wahlweise im Sektor „Art traiteur“ oder „Art vegan“, wo in letzterem u.a. „Tortilla Chips mit Cashewkäse“ angeboten werden. Auf Herrn Bärs Frage, ob der Cashew-Käse auch wirklich vegan sei, schließlich denke man bei „Käse“ an ein Milchprodukt, und das sei ja wohl nicht vegan, reagierte die Buffet-Mamsell im wahrsten Sinne des Wortes etwas angefressen und antwortete schnippisch, natürlich sei der Cachew-Käse vegan, der hieße nur so, und warum der so hieße, wüsste sie auch nicht. Herr Bär trollte sich etwas verwirrt in den Ausstellungsbereich zurück, wo man sich zu Preisen zwischen 400 und 3000 Euro mit Papp-Stickern eindecken konnte, die mit „Merkel raus“ etc. beschriftet sind und beweisen, dass hehres politisches Engagement und schnöder Kommerz in unseren Tagen durchaus miteinander vereinbar sind. Begeistert war Herr Bär indessen von den figurativen Bildern des Malers Volker Böhringer, einem Meister der Neuen Sachlichkeit und des Magischen Realismus, der in den 1930er Jahren, d.h. in der Nazizeit, heimlich malte, nach seinem Tod in Vergessenheit geriet und jetzt wieder entdeckt wurde.

Wer die Kunstmesse „Far off“ in der Venloer Str. 474 in Köln-Ehrenfeld besucht (Hinterhof, Einfahrt zum Parkplatz Netto-Supermarkt), der versäume nicht, den Stand K5 zu frequentieren mit dem Projekt „loveprototo“ von Volker Hildebrandt. Als Beitrag zu diesem Projekt ist dort eine Editionsgrafik von Herrn Bär käufglich zu erwerben mit dem Titel „Der unmusikalische Kavalöres“.

Bär aktuell Nr. 220/221 – 3. Mai 2017/22. Mai 2017

Olpe im Sauerland hat sich den Beinamen „Die Stadt der tausend Linden“ zugelegt, und die einzig weitere Attraktion dort ist sonst nur noch das örtliche Hallenbad, das neulich einen Einbrecher anlockte, den es unbedingt nachts um drei zum Nacktbaden gelüstete. Und das ausgerechnet in Olpe, oh Zeiten, oh Sitten! Beim Einbrechen listete der sauerländische FKK-Freund allerdings die Alarmanlage aus, und als die Polizei ihn eine Viertelstunde später aus dem Schwimmbecken heraus komplimentierte, da stellte sich heraus, dass er schon seit Monaten per Haftbefehl gesucht wurde. Leider gibt es zu der Meldung kein Zeitungsfoto des verdutzten Gesichts von „däm Doof“ bei seiner Festnahme. Während sich Bielefeld indessen immer noch nachsagen lassen muss, „Klappt etwas nicht auf dieser Welt, dann klappt’s auch nicht in Bielefeld“, sind sie in Olpe jetzt mächtig stolz darauf, dass wenigstens die Alarmanlage in ihrem Hallenbad intakt ist. Vielleicht hätte der Depp lieber ins Bielefelder Hallenbad einbrechen sollen, wo der eben zitierten geflügelten Redensart zufolge nicht nur die Alarmanlage im städtischen Schwimmbad, sondern auch sonst nichts funktioniert.

Reichlich bescheuert wirkte auch der Hundedieb, der in Köln-Hahnwald die Tölen „Rudi“ und „Fidus“ entführte, sie zu einem Hundefriseur schleppte und dort auf seine Kosten ihr Fell scheren ließ, und die beiden dann 20 km entfernt in Köln-Stammheim wieder aussetzte, wo sie einem aufmerksamen Passanten auffielen, der in der Boulevardpresse von der Entführung gelesen hatte und die Polizei alarmierte. Anderntags konnte man im Kölner „Express“ die Schlagzeile lesen: „Rudi und Fidus sind wieder da“, und dies in größerer Aufmachung als die Meldung über das jüngste Bombardement im Syrien-Krieg, denn solche Tiergeschichten sind in den Medien immer anrührender und damit auflagensteigernder.

Außer rührenden Tiergeschichten bietet die Regenbogenpresse auch gerne Herz- und Schmerz-Stories, und dies in letzter Zeit, und das heißt jetzt im Jahr des Reformationsjubiläums, vermehrt über durchgeknallte und durchgebrannte Pfarrersfrauen. Den Anfang machte Frauke Petry, die in Sachsen ihren Pfarrer Sven Petry sitzen ließ, was dieser im „Spiegel“ trotzig kommentierte, er sei ja gebürtiger Westfale, und der natürliche Feind des Westfalen sei gemeinhin der Rheinländer, nicht der Sachse, weshalb er, Pfarrer Sven Petry, künftig in Sachsen auch ohne Frauke Petry gut zurecht käme. Das gleiche Schicksal traf dann im thüringischen Ingersleben den pensionierten Pfarrer Michael Göring, dem seine mittlerweile Ex-Gattin, die Grünen-Ikone Katrin Göring-Eckardt, durchbrannte, und dies nicht etwa, wie Herr Bär gerne gemutmaßt hätte, mit einer Mischung aus George Clooney und Tarzan, also eher einem muskelprotzigen Schönling, wie man ihn auf Rummelplätzen mit dem Schild „Junger Mann zum Mitreisen gesucht“ anwirbt, sondern mit – halten Sie sich fest – einem im Zeitungsfoto recht unscheinbar wirkenden evangelischen Theologen, was indes in einem allerdings eher als rechtskonservativ einzuschätzenden Internet-Blog dennoch als „pastorales Lotterleben“ gegeißelt wird. Da Katrin Göring-Eckardt auf ihrer Internetseite Kochrezepte unter dem Label „Fröhlich vegan“ veröffentlicht hat, kann Herr Bär sich nun gut vorstellen, wie der verlassene Pfarrer Göring sich in seinem Pfarrhaus ganz entspannt ein saftiges Schweineschnitzel in die Pfanne haut, ohne dabei ein schlechtes Gewissen zu haben. Der grünen Göring-Eckhardtschen Ernährungsphilosophie leistet man unterdessen auf Rummelplätzen erbitterten Widerstand, wie Herr Bär dort unlängst an einem Imbissstand feststellte, wo unverdrossen und alle Forderungen nach politischer Korrektheit ignorierend eine „Zigeunerwurst mit Pommes“ für sechs Euro angepriesen wird, weshalb man gut nachvollziehen kann, weshalb Katrin Göring-Eckkardt nicht das große romantische Abenteuer suchend mit einem muskulösen und ganzkörpertätowierten Schiffsschaukelbremser von der Kirmes durchbrannte, sondern lieber mit einem Bruder im Geiste, bei dem man davon ausgehen kann, dass mit ihm das zitierte „pastorale Lotterleben“ kulinarisch nicht allzu sehr ausufert.

Den Titel „Depp des Monats“ erwarb sich mit großem Vorsprung vor allen anderen irrlichternden Zeitgenossen jener etwas unbedarfte Mitmensch, der bei der Polizei anrief, seine Frau hätte ihm sein Heroin geklaut und irgendwo versteckt. Er könne es nicht finden, ob die Polizei nicht mal vorbeischauen und ihm beim Suchen helfen könnte. Wie die Geschichte weiter- und ausging, kann man sich wohl denken.

Metaphernsicher und mit einer Neigung zu Hintersinnigem ausgestattet ist der offensichtlich neue Schlagzeilen-Redakteur beim Kölner „Express“, der frischen Wind ins Blatt bringt und seine Leser jüngst mit der Headline „Kölner Friseure machen einen schlechten Schnitt“ beglückte, womit aber nicht misslungene haarkünstlerische Resultate, sondern die Umsatzzahlen im Figaro-Gewerbe gemeint waren. Es folgte anderntags die Schlagzeile „SPD kraftlos“ als Anspielung auf die im NRW-Landtagswahlkampf schwächelnde Spitzenkandidatin Hannelore Kraft, und nach der Landtagswahl in Schleswig-Holstein wurde im Blätterwald metaphernfreudig gehämt, der „Schulz-Zug“ sei „gestoppt“ oder gar „entgleist“, und einer leistete sich gar das Wortspiel, der „Schulz-Effekt“ sei zum „Schulz-Defekt“ mutiert. Als neue Tätergruppe in Polizeiberichten taucht neuerdings der Typus des „Randale-Brühlers“ auf wie jener Trunkenbold aus dem Städtchen Brühl, der die Polizeiwache im Kölner Hauptbahnhof durch Auslösen der Sprinkleranlage unter Wasser setzte mit der lallend vorgetragenen Begründung, auf der Wache sei es ihm zu dreckig. In Texten, in denen es etwas intellektueller zugeht, fällt in letzter Zeit der inflationäre Gebrauch der Vokabel „Narrativ“ auf, womit die Sozialwissenschaften immer schon ein sinnstiftendes Erzählmotiv verstanden hatten, mit dem sich in einer Gesellschaft eine breite Übereinstimmung erzielen lässt. Im postfaktischen Zeitalter taugen Narrative natürlich auch zur Mythenbildung: vielleicht haben sie beim „Express“ gar keinen neuen Schlagzeilenredakteur, aber für „bär aktuell“ ist das trotzdem ein gutes Narrativ (wiewohl die erwähnten Zitate faktisch korrekt wiedergegeben sind), und über den Umsatzrückgang beim rheinischen Friseurgewerbe könnte man sich vielleicht auch etwas zurecht fabulieren mit einem eleganten Metaphernschlenker auf zerzauste Donald Trump-Perücken, die einem den Friseurbesuch ersparen, und das wäre dann eine echte Fake-Nachricht, denn seit der US-Talkmaster Jimmy Fallon vor laufender Kamera im TV mit der Hand in Trumps Haargewölle herumwühlte, wissen wir, dass der US-Präsident kein Toupet trägt. Also bleiben wir bei der Wahrheit, und dies mit einem erneut korrekt wieder gegebenen Zitat über Wladimir Putin, nachzulesen in Gerhard Schröders 2014 erschienenem Buch „Klare Worte“: „… ich nehme ihm ab, dass er sich die Demokratie als seine Perspektive vorstellt“. Klare Worte, Herr Schröder, in der Tat. Und wo wir gerade beim Thema „Fake News, Narrative und die reine Wahrheit“ sind: die türkische Zeitung „Hürriyet“ hatte 2007 Recep Tayyip Erdogan „als einen der am besten gekleideten Türken ausgezeichnet“. Im selben Artikel der „Frankfurter Rundschau“ ist eine Behauptung Erdogans nachzulesen, „er verstehe die Demokratie als einen Wettbewerb unterschiedlicher Meinungen und als den Respekt vor der Meinung des anderen“. Dass dieses Erdogan-Zitat zehn Jahre alt ist, spielt in diesem Zusammenhang keine Rolle.

© Raap/Bär 2017

Beachten Sie bitte folgende Terminhinweise:

Ausstellung Sammlung Siglinde Kallnbach, Jürgen Raap, Karl-Josef Bär

Sammlung Bär“

Eröffnung: Samstag, 13. Mai 2017, 17 bis 21 Uhr, mit einer Einführung ca. 18.30 Uhr

Dauer der Ausstellung: 13.- 21. Mai 2017, Di-So 16.30 -19.30 Uhr

Atelier Dorrit Nebe, Metzer Str. 20, Köln (Südstadt, Nähe Volksgarten)

Abendgottesdienst „Kunst – Dialog – Kirche“

Datum: Sonntag, 28. Mai 2017

Ort: Kartäuserkirche, Kartäusergasse 7, Köln (Severinsviertel)

Beginn: 18:00 Uhr

Exaudi
mit Pfarrer Mathias Bonhoeffer, Jürgen Raap (Künstler), Victor Balaguer (Gitarre

Den Titel „Depp des Monats“ erwarb sich mit großem Vorsprung vor allen anderen irrlichternden Zeitgenossen jener etwas unbedarfte Mitmensch, der kürzlich bei der Polizei anrief, seine Frau hätte ihm sein Heroin geklaut und irgendwo versteckt. Er könne es nicht finden, ob die Polizei nicht mal vorbeischauen und ihm beim Suchen helfen könnte. Wie die Geschichte weiter- und ausging, kann man sich wohl denken. Reichlich bescheuert stellten sich auch die drei Einbrecher in Schwerte an, die übers Dach in eine Bank einsteigen wollten, aber in der Bäckerei nebenan ankamen – und das jedes Mal bei ihren drei Einbruchversuchen. Den Vogel ab schoss jedoch der Trottel im Rhein-Main-Gebiet, der dort binnen zwei Monaten 90 Mal (!) versuchte, mit dem Schraubenzieher eine Wohnungstür auf zu hebeln und dies jedes Mal nicht schaffte. Bisher wurde er aber nicht geschnappt, und in der Kriminalstatistik zählt diese Bilanz des kriminellen Scheiterns nun als 90 unaufgeklärte Fälle von Einbruchsdelikten. Deswegen ist die Polizei ziemlich sauer auf ihn: „Der Kerl hat uns die Statistik versaut!“ © Raap/Bär 2017

Essen und Trinken mit Herrn Bär

Clam Chowder Soup ist eine Spezialität von der amerikanischen Ostküste, die man mit Venusmuscheln (Clams) zubereitet. Es heißt, französische Seeleute hätten sie nach Amerika gebracht; im Ursprungsrezept habe man sie mit Milch zubereitet und zum Andicken Schiffszwieback eingesetzt. In Neuengland wird sie heute noch mit Sahne zubereitet, in New York hingegen unter dem Einfluss italiensicher Einwanderer auch mit Tomaten. Man schichtet in einem Topf Speck, Zwiebeln, gepökeltes Schweinefleisch, klein gewürfelte Kartoffeln, Venusmuscheln und ein paar Sellerie- und Möhrenstücke übereinander, würzt jede Schicht separat mit Salz, Pfeffer, Petersilie, Dill und Thymian, füllt das Ganze mit Gemüsebrühe auf, der man ein bisschen Fischpaste und ein Lorbeerblatt beifügt, und lässt das Ganze langsam köcheln. Dann nimmt man die Hälfte der Zwiebeln und der Kartoffeln und etwas von der Brühe heraus (die Muscheln aber nicht!), püriert sie, entfernt das Lorbeerblatt, vermischt das Püree mit vorgewärmter süßer Sahne und gibt diese Mischung zurück in den Topf, kocht das Ganze unter ständigem Umrühren vor dem Servieren noch einmal kurz auf.

Frankfurter grüne Sauce

Eine kalte Kräutersauce, deren Urrezept sich bis in die Römerzeit zurück verfolgen lässt. Aus Frankreich (möglicherweise durch Einwanderung von Hugenotten) oder durch italienische Kaufleute wurde das Rezept um 1700 in Hessen bekannt.Man püriert mit dem Mixer sieben Kräuter, und zwar Petersilie, Schnittlauch, Borretsch, Kresse, Kerbel, Pimpernelle und Sauerampfer. Auf Dill und andere Kräuter verzichtet man bei diesem Traditionsrezept in Frankfurt, in Kassel jedoch besteht die Sieben-Kräuter-Mischung auch aus Dill und Zitronenmelisse. Mittelmeerkräuter wie Rosmarin oder Thymian werden hingegen grundsätzlich nicht verwendet. Man vermengt die Kräuter mit Essig, Salz, Pfeffer, hart gekochtem Ei, ein wenig Senf und mit saurer Sahne, reicht sie dann zu hart gekochten Eiern und/oder Pellkartoffeln sowie zu kaltem Braten. In Flandern kennt man das Gericht Paaling in het groen – Aal in grüner Sauce. Hier besteht die Sauce aus Minze, Schnittlauch, Majoran oder Oregano, Sauerklee, Thymian, Zitronenthymian, Zitronenmelisse, Kerbel, Petersilie, Basilikum, Salbei, Estragon, Bohnenkraut, Kresse und Brennessel.

Katzenhai klassisch

Der Katzenhai zählt zur Gattung der Grundhaie, die in küstennahen Regionen der tropischen bis gemäßigten Meere vorkommen, der Katzenhai sogar weltweit auch in kälteren Gewässern. In der Nähe Europas lebt er im Atlantik und im Mittelmeer. Geräuchert kennen wir ihn als Seeaal oder Schillerlocke, im Fischhandel taucht er als Frischfrisch allerdings eher selten auf – wenn er mal im Angebot ist, sollte man ihn daher ruhig ausprobieren, denn sein weißes Fleisch ist recht zart und etwas nussartig im Geschmack. Man schneidet ihn in mundgerechte Portionen und brät ihn in Öl oder Butter nur kurz an, salzt und pfeffert ihn, beträufelt ihn mit Zitrone – fertig.

Gratinierter Drachenkopf oder Dorade

Der Rote Drachenkopf lebt im Mittelmeer und im östlichen Atlantik vom Senegal bis zu den britischen Inseln, hält sich am Meeresgrund zumeist in Bodennähe auf und lauert als Raubfisch dort auf Beute. Als Speisefisch wird er wegen seines weichen Fleisches geschätzt. Ganzen ausgenommenen Drackenkopf salzen, pfeffern und mit Zitronensaft einreiben. Zwiebeln in Öl oder Knoblochbutter andünsten, Spinat und kleine Stücke von grünem Gemüsepaprika hinzugeben, ebenfalls salzen, pfeffern und ausgepressten frischen Knobloch hinzugeben, parallel dazu in einem Topf Reis mit Safran und kleinen Tomatenstücken aufkochen. Den Reis in eine Backform mit Knoblochbutter geben, den Fisch und Venusmuscheln und/oder Creveten darauf legen, dann den Fisch mit dem Spinat bedecken und mit Parmesankäse oder geriebenem Gran Padana bestreuen. Statt Drachenkopf eine Dorade royal nehmen. Mit einem kl. Sträußchen Rosmarin und Dill bei mittlerer Hitze je nach Größe des Fischs ca. 30-45 Min. im Backofen garen.

Kammmuscheln in Safransauce

Die Kammmuscheln gehören wie die Jakobsmuscheln zur Ordnung der „Pecten“ (Pectinioda) innerhalb der Klasse der Muscheln; die Firma Shell hat ihre Schale als Markenzeichen gewählt. Man brät sie in Knoblochbutter an, übergießt sie dann mit einer separat zubereiteten Safransauce, für die man Zwiebeln und Schalotten in Öl oder Krebsbutter andünstet, 1 Knoblochzehe ausdrückt, dann etwas Fischfond mit echten Safran hinzugibt, außerdem etwas Hummer- oder Krebspaste und dann ein rohes Ei unterrührt. Kurz aufkochen, dann Auffüllen mit Sahne und Petrellakäse, würzen mit Salz, Pfeffer und etwas frischem Dill. Wenn man will, kann man die Sauce auch noch mit etwas geriebenem Parmesan-oder Padanakäse bestreuen.

Đuveč mit Schweinefilet

Đuveč, phonetisch als Djuwetsch ausgesprochen oder auch im Türkischen als Güwetsch bekannt, ist ein Gemüsetopf der Balkanländer. In Kroatien, Serbien, Mazedonien und Bulgarien sowie in der Türkei gehört er zu den Standards der jeweiligen regionalen Küche. Man dünstet in Butter und/oder Öl Zwiebeln an, dann roten und grünen Gemüsepaprika, Möhren, Tomaten, Auberginen und Gurken. Das lässt man das alles in wenig Wasser langsam gar köcheln. Man kann es mit Worcestershiresauce, ein wenig Schaschliksauce und/oder Ajvar-Sauce abschmecken, gewürzt wird mit Salz, Pfeffer, Cayennepfefferm Rosenpaprikapulver, Sellerieblättern und reichlich Knobloch. Bei manchen Rezepten gibt man Fleischstücke vom Schwein, Lamm oder Rind in Form von Gulaschwürfeln hinzu und lässt die mitschmoren. Ansonsten reicjt man dazu Schweinefilet in einer Paprika-Sahne-Sauce, indem man die Medaillonstücke grillt oder in Öl brät und hinterher salzt und pfeffert. In einem separaten Topf lässt man etwas Speck aus, dünstet Zwiebeln an, gibt Sahne hinzu und lässt sie kurz aufkochen, gibt dann Tomatenmark hinzu, würzt mit Salz, Peffer, Cayennepfeffer und Paprikapulver.

baer aktuell 218 und bild des monats

April 1st, 2017

Bild des Monats April 2017:

Jürgen Raap, „Mort subite“, Acryl/Öl auf Leinwand, 2017

Weinberg in Leutesdorf

Weinberg in Leutesdorf

Graffiti in Leutesdorf

Graffiti in Leutesdorf

Bahnhofstunnel Leutesdorf

Drachenfelsruine, alle Fotos: S. Kallnbach

 

Bär aktuell Nr. 218 – 22. April 2017

Bär polyglott – unterwegs mit Herrn Bär Es war in Königswinter, nicht davor und nicht dahinter, wo einst die führende Amüsierhölle „Tanz bei Bobby“ hieß, die aber inzwischen abgerissen wurde, weil sie einem Parkplatz weichen musste. Was inzwischen aus dem Namenspatron Bobby geworden ist, weiß heute keiner mehr, und in seinem Gefolge ist auch der Chinese aus der Drachenfelsstraße verschwunden, der über sein Verschwinden mit einem Schild an der Eingangstür „Betriebsaufgabe ab 1. Januar 2017“ informiert, im April dort aber immer noch jede Menge Nachbildungen von Vasen aus der Ming-Dynastie im Schaufenster verstaubend zurückgelassen hat. Herr Bär vermutet, dass das Geschäftsmodell des Chinesen an solch einem Ausflugsort wohl nicht richtig funktioniert hat, wo man nach der Einkehr zu „Tanz bei Bobby“ gerne noch im Souvenirladen einen Bierhumpen mit aufgemaltem Drachenfelsmotiv erstand, nicht jedoch eine chinesische Vase. Da hat der Chinese einfach erste Anzeichen einer De-Globalisierung der Wirtschaft nicht rechtzeitig erkannt. Oben auf dem Drachenfels ist das Ausflugslokal neu gestaltet worden, und eine Broschüre informiert darüber, dass die Ausflugsgastronomie auch zur „Erweiterung des Lebensraumes der Mauereidechse“ beigetragen hat, die sich am Touristenlärm offensichtlich nicht stört. In der Cafeteria des Aquarium-Zoos „Sealife“ wurde ein Kindergeburtstag ausgerichtet, dies allerdings nicht mit Fischstäbchen, wie man in einem Aquarium-Zoo vermuten könnte, sondern mit Currywurst und Fritten. Das etwa sechsjährige Geburtstagskind hatte man mit einem weißen Prinzessinnenkleidchen und mit einem Goldkrönchen auf dem Kopf ausstaffiert, und es schaute etwas bedröppelt drein, weil es dermaßen fein gemacht nicht so ungeniert mit Currysauce herummatschen durfte wie sein Hofstaat mit den anderen Geburtstagsgästen.

Weiter ging’s in den beschaulichen Weinort Leutesdorf, wo ein pubertierender Dorfanarchist sein Unwesen treibt, der am Bahnhof den Fußgängertunnel zu Gleis 2 mit unbeholfener Graffiti verunstaltet hat, indem er dort den Schriftzug „Destroy“ anbrachte und die Parole „Wer hat uns verraten, Sozialdemokraten!“ Im Gasthaus „Leyscher Hof“ hängen zwei Bilder, dessen Schöpfer die expressionistische Farbgebung von Ernst Ludwig Kirchner gründlich missverstanden hat und der seine Gemälde allen Ernstes mit „Abendmaler“ signiert; doch die vorzügliche Rinderroulade macht den Anblick schlechter Kunst erträglich, und dazu empfiehlt sich ein samtiger „Leutesdorfer Gartenlay“ aus der Portugieser-Traube, mit dem man sich auch die Werke von Herrn Abendmaler schön trinken kann. Auf der Rückfahrt kam Herr Bär im Zug mit einem Weinkenner ins Gespräch, mit dem sich rasch Übereinstimmung darüber erzielen ließ, dass es am Mittelrhein durchaus recht solide Riesling-Weine gibt und dass sich ansonsten eine Merkelmüdigkeit wie Mehltau über das Land gelegt hat, sich aber in Orten wie Leutesdorf zumindest bei den juvenilen Dorfanarchisten (s. Bahnhofs-Graffiti) andererseits auch keine spürbare Schulz-Begeisterung einstellen mag.

© Raap/Bär 2017

Essen und trinken mit Herrn Bär

Leipziger Allerlei

Das Rezept entstand der Legende nach während der Anti-Napoleonischen Befreiungskriege um 1810, als die Leipziger vor den französischen Truppen ihren Speck und ihrer Würste versteckten und nur Gemüse zubereiteten, zu dem sie allenfalls Krebse aus der Pleiße reichten. Flusskrebse bzw. Krebsschwänze und Krebsbutter gehören denn auch zur überlieferten klassischen Rezeptur, die man zu zusammen mit Semmelklößchen zu dem in Butter gedünsteten Gemüse (Möhren, Erbsen, Spargel, Blumenkohl) hinzugibt und dann mit Kalbsfond ergänzt – Morcheln (die man ganzjährig getrocknet bekommt und vorher in Wasser einweihen muss) gehören auch dazu. Man kann das Gemüse auch mit einer Mehlschwitze abbinden. Gewürzt wird mit Salz, Pfeffer, Muskat, Kerbel und Petersilie.

Polenta ist ein Brei aus Maisgries, in Norditalien und in den angrenzen Regionen traditioneller Bestandteil der Landküche. In der römischen Antike kannte man bereits solch einen Brei aus Weizengries, Hirse oder zermahlenen Kichererbsen; mit dem Import von Mais nach der Entdeckung Amerikas setzte sich in Südeuropa dann auch die Polenta durch. Man kocht Salzwasser auf und gibt den Gries unter ständigem Umrühren hinzu, lässt ihn dann bei kleiner Flamme köcheln und gibt zum Schluss geriebenen Parmesan hinzu. Man kann den Brei dann direkt servieren oder auch die Polenta erst noch kurz anbraten. Statt Salzwasser kann man auch eine Mischung aus Gemüsebrühe und Milch zum Aufkochen nehmen, damit die Polenta cremiger und würziger wird. Für eine Steinpilz-Pfifferling-Polenta à la Karl-Josef Bär (zwei Portionen) kocht man getrocknete Steinpilze und Pfifferlinge in Geflügelfond auf, lässt dann die Grieskörner vorsichtig unter ständigem Umrühren einrieseln und lässt das Ganze dann zusammen mit klein gehackten Stückchen von Tomate und grünem Gemüsepaprika bei mittlerer Hitze köcheln, bevor man zum Schluss Parmesan und süße Sahne (Schlagsahne) unterrührt und mit Salz, Pfeffer, Knobloch und frischem Thymian und oder/Kräutern der Provence würzt. Zu diesem Polenta-Rezept passt gut Kalbsgulasch mit Champignons in Paprikasauce oder ein in Knobloch-Öl gebratener Lammrücken mit Rosmarin gewürzt.

baer aktuell 217 und Bild des Monats

März 2nd, 2017

Bild des Monats März 2017:

Jürgen Raap „Der erste Tanz“, 2017

 

Künstler-Fußgruppe „a performancelife e.V.“ zum siebten Mal beim Ehrenfelder Dienstagszug, Karnevalsdienstag, 28. Feb. 2017, Köln-Ehrenfeld, Fotos: Copyright J. Raap

Bär aktuell Nr. 217  – 22. März 2017

Seine Frisur sähe aus wie eine blond gefärbte Klobürste, urteilte der Kabarettist Konrad Beikircher über Donald Trampel. Wie der Amerika-Korrespondent von „bär aktuell“ berichtet, stellen sie jetzt neuerdings vor dem Oval Office ein Tischchen auf mit einem Teller, auf dem jeder Besucher dwes Weißen Hauses ein paar Cent-Stücke hinterlassen muss. Wer nicht zahlt, darf dort nicht aufs Klo, und das kann man als weiteren Beleg für die Geschäftstüchtigkeit von Trampel nebst Anhang verbuchen. Ist das Trinkgeld nun für den US-Präsidenten oder für den Toilettenmann im Weißen Haus? Oder vielleicht für den Friseur von Donald Trump? Unser Korrespondent hat den Toilettenmann gefragt, was er mit dem Trinkgeld anstellt und bekam zur Antwort, davon werde eine neue Klobürste gekauft. Also ist das Geld doch für die Frisur von Herrn Trampel, und da muss man Konrad Beikircher einfach Recht geben.

Ähnlich skurill wie beim Waschen-Fönen-Legen der Haarpracht des US-Präsidenten geht es bei der Wettleidenschaft der Briten zu. Da haben sie doch tatsächlich darauf gewettet, ob mitten im Pokalspiel der Ersatztorwart des Fußballclubs Sutton United auf der Reservebank seiner Fresssucht erliegt oder nicht. Das tat er auch tatsächlich und verspeiste in der 83. Spielminute vor aller Augen mitten im Stadion heißhungrig eine Fleischpastete. Der Mann heißt Wayne Shaw, wiegt 150 Kilo und beteuerte, er selbst habe auf seine Fresssucht aber nicht mit gewettet. Die Quote, dass er den Schlusspfiff nicht abwarten kann und noch während des Spiels hemmungslos der Völlerei frönt, lag bei den Buchmachern übrigens bei 8:1. Bei uns trauen sie sich allerdings noch nicht, solche Wetten auch mal auf Sigmar Gabriel abzuschließen.

Dem „neuen Blatt“ vertraute der Fernsehkoch Johann Lafer an, auch ihn überkäme bisweilen der Heißhunger, nämlich immer dann, wenn sein Hund um Wurst bettele und er, Lafer, zum Kühlschrank ginge, dann bekäme der Hund nämlich zwei Scheiben Wurst, und er selber würde sich dann auch immer gleich vier Scheiben einverleiben, und das ist doch mal eine schöne Meldung ausgerechnet in der vorösterlichen Fastenzeit.

Der Problemwolf Kurti geht auf Wanderschaft, allerdings nur in ausgestopfter Form, um solchermaßen in Ausstellungen den Leuten die Angst vorm „bösen Wolf“ zu nehmen, der neuerdings bekanntlich wieder in unseren Wäldern auftaucht. Der Naturschutzverband NABU fordert gar die bundesweite Einrichtung einer „Kompetenzstelle Wolf“ zwecks „Wolfsmanagment“ in unseren Wäldern. Freilich muss man sich fragen, ob das Bundesumweltministerium unter der Regie von Barbara Hendricks die richtige Kompetenz dafür hat, oberster Dienstherr der Wolfsmanager zu sein, weil nämlich die Ministerin ihre Untergebenen schon mal unsinnige Bauernregeln zusammen reimen lässt: „Kräht der Wolf auf dem Mist, weißt Du dass das kein Mufflon ist“. Gemeint ist das „Problemmufflon Hermann“, das in der Boulevardpresse für die Schlagzeile sorgte: „Problemmufflon randalierte im Schrebergarten“. Hermann gilt als „schwer erziehbar“, was aber kein Wunder ist, denn Mufflons sind von Natur aus Wildschafe, und für Exemplare wie den krawalligen Hermann müsste man beim Bundesumweltministerium eigentlich auch ein „Kompetenzzentrum Mufflons“ einrichten, um den Wölfen in freier Wildbahn die Angst vor den Mufflons-Hooligans zu nehmen, aber wahrscheinlich reimen sie sich im Bundesumweltministerium nur wieder eine bescheuerte Bauernregel zusammen: „Benimmt sich Hermann wie ein blöder Hammel, kriegt selbst der Wolf ’nen großen Bammel“.

© Raap/Bär 2017

Essen und Trinken mit Herrn Bär

Einbrennsuppe

Einbrennsuppe ist eine Mehlsuppe, in der Schweiz und in Österreich beheimatet – die Basler Mehlsuppe ist eine traditionelle Fastensuppe, zu der man Zwiebelkuchen isst. In der Pfanne wird in heißem Fett das Mehl mit Zwiebeln angeröstet, bis es fast goldbraun ist, dann kommt Wasser oder Fleischbrühe hinzu, zusammen mit Suppengrün. Manche Rezepte notieren auch Speck und Markknochen. Würzen mit Salz, Pfeffer, Kräutern. Die polnische Mehlsuppe Zurek hat eine Sauerteigbrühe als Basis, die man zusammen mit Wurst, Speck, Kartoffeln und/oder Omelettestreifen bzw. einem hartgekochten Ei serviert. In Polen ist dies eine traditionelle Ostersuppe. Heute ist sie dort überall als Tütensuppe erhältlich.

Zakuski-Teller

Zakuski nennt man in Russland, Polen und den baltischen Ländern kalte Vorspeisen, zumeist mit Fisch. Dazu reicht man Salzgurken, Pelmeni (gefüllte Teigtaschen mit Fleisch), Piroggen (gefüllte Blätterteigtaschen), Brot und Blinis (russische Pfannkuchen aus Buchweizenmehl). Zu einer Zakuski-Platte gehören Kaviar vom Stör, vom Lachs oder von der Forelle (dazu isst man Blinis mit Schmand oder saurer Sahne), geräucherte Sprotten (Sprotky), geräucherten oder gebeizten Lachs (Lossos), gesalzenes Heringsfilet mit Zwiebeln, Heringssalat mit Roter Beete, Karpfen in Aspik, diverse andere Sorten Räucherfisch (Karp w jelly), Salat aus eingelegten Pilzen. In Russland trinkt man dazu Tee aus dem Samowar, sonst auch Bier und/oder Wodka.

Sauce Zingara ist der korrekte Name für eine Sauce in der klassischen Küche, die in der deutschen Imbisskultur heute als „Balkansauce“ oder „Paprikasauce“ bezeichnet wird, weil der ursprüngliche Name „Zigeunersauce“ als politisch unkorrekt gilt. Der französische Starkoch Auguste Escoffier erwähnt diese Sauce in seinem 1903 erschienenen Kochbuch, wo sie als eine scharfe ungarische Beilagensauce zu Roastbeef und Kalbskotelett empfohlen wird; in Deutschland reicht man sie heute zum panierten oder unpanierten „Balkanschnitzel“ oder „Schnitzel Budapester Art“, wenn man den Namen „Zigeunerschnitzel“ vermeiden will. 2013 forderte ein Verein „Forum für Sinti und Roma“, auf diesen Begriff zu verzichten, weil er diskriminierend sei, doch der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma und der Bundesverband der Jenischen Deutschlands schlossen sich dem nicht an, und auch die Lebensmittelindustrie lehnte unter Verweis auf die historische Tradition des Rezepts eine Umbenennung ab. Die klassische Sauce Zingara besteht im Urrezept aus gedünsteten Zwiebeln, Tomaten, Paprikastücken, Champignonscheiben, aufgefüllt mit Bratenfond, Tomatensauce einem Schuss Weißwein und etwas Weinessig, und abgeschmeckt mit Cayennepfeffer, wobei man dieses Rezept früher auch mit Zutaten wie gepökelter Kalbszunge, gekochtem Schinken und gehobelten Trüffeln variierte. In der Ausflugs- und Imbissgastronomie sind heute stark vereinfachte Rezepte üblich, die aus Zwiebeln, Gemüsepaprika, Tomatenmark, Knobloch und kleinen Gewürzgurkenstücken bestehen, aufgefüllt mit Brühe, manchmal auch mit einem Schuss Rotwein, abgeschmeckt mit etwas Essig und Paprikapulver, und mit Mehl abgebunden. Manche Rezepte enthalten auch Senf, Chili oder ein wenig Currypulver oder Ajvar-Paprikasauce als Zutat.

 

baer aktuell 215/216 und Bild des Monats

Februar 6th, 2017

Bild des Monats Februar 2017:

Jürgen Raap, „Schwarzmarktgeschäfte“, 2016

Jürgen Raap „Agrippina, Aggripinensis“,

Schild für Karnevalsumzug, 2017

Straßenkarneval in Köln 2017, Fotos: Copyright Raap/Bär 2017

 

Bär aktuell Nr. 215/216, 22. Februar 2017:

Weltbewegende Witze zur Zeit: Donald Trump, Wladimir Putin und Recep Erdogan machen eine Kreuzfahrt. Das Schiff sinkt. Wer wird gerettet: Die Welt.

Muss man in Karlsruhe darben? In Karlsruhe nicht, aber auf der Fahrt dorthin, denn Herr Bär rät jedem davon ab, im Speisewagen eines ICE, der sich „Bordrestaurant“ nennt, jemals „Nürnberger Rostbratwürstchen“ zu goutieren, da diese nämlich nicht vom Rost kommen, sondern verschrumpelt und geschmacklos aus der Mikrowelle, und wer sich dazu einen Kaffee bestellt, bekommt schon mal zu hören: „Die Kaffeemaschine wird gerade gereinigt!“ Auf die Frage, wie lange das wohl dauern wird, bekam Herr Bär zu hören: „Weiß ich nicht. Das kann dauern“. So sind sie halt bei der Deutschen Bahn, und die Bezeichnung „Bordrestaurant“ soll wohl suggerieren, man befände sich auf einem Schiff. Das ein Eisenbahnzug nicht sinken kann wie ein Schiff, ist nicht tröstlich, denn – halten Sie sich fest – es gibt tatsächlich ortsunkundige Lokomotivführer, die sich verfahren. Als der ICE den Kölner Hauptbahnhof verließ, wunderte sich Herr Bär nämlich, wieso der Zug nicht über die Rheinbrücke Richtung Siegburg und Frankfurt fuhr, wie im Fahrplan angegeben, sondern in die andere Richtung, wo Bonn liegt. Die Mitreisenden beruhigten Herrn Bär, der Lokomotivführer werde schon wissen, was er da macht. Doch auf der Höhe von Brühl kam dann die Durchsage: „Äh, durch einen technischen Defekt… äh, durch ein Versehen unseres Fahrdienstleiters… äh, wir erreichen Siegburg/Bonn mit circa 45 Minuten Verspätung. Wir nehmen jetzt in Brühl einen Richtungswechsel auf das Gleis in der Gegenrichtung vor und fahren zurück nach Köln, und in Köln-West nehmen wir erneut einen Wechsel in der Fahrtrichtung in Richtung Siegburg/Bonn vor. Lufthansa-Passagiere mit Ziel Fernbahnhof Frankfurt-Flughafen melden sich wegen der Verspätung bitte beim Zugbegleiter in Wagen 26. Wir bitten das Versehen zu entschuldigen and we wish you a pleasent journey with Deutsche Bahn. Our next stop is Siegburg/Bonn with a delay of 45 minutes“. Den Bahnhof von Siegburg als „Siegburg/Bonn“ zu bezeichnen, ist auch schon ein ziemlicher Euphemismus, denn Bonn ist von Siegburg immerhin gut 15 km entfernt und liegt auf der anderen Rheinseite, aber in Siegburg kann man sich nun rühmen, durch diese Bahnhofsbezeichnung an die große weite Welt des globalen Schienennetzes von ICE-Bordrestaurants angebunden zu sein, mit und in denen man niemals im Meer versinkt, doch genauso gefährlich wie ein sinkendes Schiff ist es, wenn ein Lokomotivführer zum Geisterfahrer wird. In Karlsruhe kam der ICE schließlich mit 56 Minuten Verspätung an, und die Schaffnerin konnte sich einen Anflug von höhnischem Lächeln nicht verkneifen, als sie Herrn Bär belehrte, eine Fahrpreiserstattung gäbe es erst ab 60 Minuten Verspätung. So sind sie halt bei der Deutschen Bahn.

Breaking News: Der deutsche Regenwurm ist vom Aussterben bedroht! Als Herr Bär seine Kindheit in den Trümmerlöchern der Nachkriegszeit verbrachte, galt es als Mutprobe unter den acht- oder neunjährigen Spielkameraden: wer traut sich, einen Regenwurm zu verspeisen? Jene Veganerin, die sich kürzlich darüber beschwerte, dass vom Glockenspiel am Limburger Rathausturm frivolerweise das Kinderlied „Fuchs, du hast die Gans gestohlen“ ertönte und besonders würde sie sich über die Liedzeile „Sonst kommt dich der Jäger holen mit dem Schießgewehr“ erregen, hätte unsere kindliche Mutprobe gewiss nicht gut geheißen. 55 Jahre später steht der Regenwurm in Deutschland auf der Roten Artenschutzliste, wie kürzlich das Internetportal „Umwelt Dialog“ reportierte: „Zwei der 47 Regenwurmarten gelten als im Bestand gefährdet, 14 Arten sind aufgrund extremer Seltenheit gegenüber Bedrohungen, wie Versiegelung, intensiver Landwirtschaft oder globalem Klimawandel besonders anfällig und bei drei Arten war ein negativer langfristiger Trend zu beobachten…“ Aber ich schwöre es beim Augenlicht von Anton Hofreiter: den Octodrilus argoviensis haben wir bei jenen kindlichen Mutproben nicht verspeist – am Rückgang der Regenwürmer sind wir genauso unschuldig wie der Fuchs im Gänsestall, der dort nur seinen natürlichen Raubtierneigungen nachgeht.

Eigenartigerweise hört man in Sachen Bestandsschutz für Regenwürmer diesmal aus den Kreisen der Grünen kein Gezeter von Simone Peter, und auch Volker Beck, der sich gerne zum Schutzheiligen aller Minderheiten unter dem Himmel und auf Erden stilisiert, hüllt sich diesmal in Schweigen.

Lesen Sie dazu in der nächsten Ausgabe von „bär aktuell“: Rettet jetzt stattdessen Martin Schulz den deutschen Regenwurm?

Warum gibt es in „bär aktuell“ keine Witze mehr über die FDP? Aus Pietätgründen. Schließlich respektieren wir die Totenruhe.

Lesen Sie dazu in der nächsten Ausgabe von „bär aktuell“: Rettet Martin Schulz die FDP?

Als der Großvater von Herrn Bär in den 1930er Jahren Bahnhofsvorsteher in Ostpreußen war, fuhren alle Züge pünktlich ab, worauf heute noch sein Enkel stolz ist. Die Leistungsbilanz der heutigen Deutschen Bahn bewertet das „manager magazin“ hingegen als destraströs und das Wirken der ehemaligen Bahnvorstände Hartmut Mehdorn und Rüdiger Grube unverhohlen als „Unfähigkeit der Chefs“. Als möglicher Grube-Nachfolger wird nun ein gewisser Siegfried Russwurm gehandelt, und Herr Bär verkneift sich an dieser Stelle den Kalauer, das sei doch eine schöne essayistische Überleitung vom Aussterben des Regenwurms zur Servicewüste Deutsche Bahn. Hoffentlich wird nicht doch noch der Pofalleri Pofallera Ronald Pofalla oberster Bahnwärter, denn dem kann man noch am allerwenigsten zutrauen, bei der Nulpenhaftigkeit des Bahnmanagements für Abhilfe zu sorgen. Herr Bär weilte mal im Wahlkreis des früheren CDU-Politikers Pofalla in der Gegend von Kleve und sprach mit Leuten, die Ronald Pofalla persönlich kennen, und das Freundlichste, was er dort von dessen Gegnern über Pofalla zu hören bekam, war der Eindruck, der sei in der Realität tatsächlich genauso wie er im Fernsehen rüberkommt. Das Wort „Lachnummer“ war zwar nicht gefallen, aber man kann sich auch so sein Teil denken.

Lesen Sie dazu in der nächsten Ausgabe von „bär aktuell“: Rettet Martin Schulz die Deutsche Bahn?

Der Kunstkritiker Wolfgang Ullrich verwies neulich in einer Kolumne auf die amerikanische Schriftstellerin Joyce Carol Oats, die behauptet hatte, Donald Trump sei der Jeff Koons der Politik: beide, der Immobilientycoon Trump und der Pop-Künstler Koons, verstoßen gegen den „guten Geschmack“. Immerhin will der Künstlerdarsteller Jeff Koons mit seiner Kitschkunst nur Geld verdienen, während dem Club der Milliardäre in der US-Regierung die Erotik der dicken Brieftasche allein nicht mehr genügt, und stattdessen der Lustgewinn aus der Ausübung von Macht und bisweilen auch aus deren Missbrauch geschöpft wird. Dass manch einem von ihnen aber auch das nicht reicht und er sich deswegen in einem Moskauer Hotelzimmer gerne von einer Domina vertrimmen lässt, ist aber wohl eher eine Fake News-Erfindung der russischen „Lügenpresse“.

Deutsche Politiker sind im Vergleich mit amerikanischen seriöser, aber auch langweiliger – und ihre Langweiligkeit ist die Crux, warum es ihnen schwerfällt, den brachialen Populisten Paroli zu bieten. Brot allein reicht nicht; das Volk will nämlich immer Brot und Spiele gleichzeitig. Über Sigmar Gabriel lässt sich auch in seiner neuen Rolle als Außenminister nur sagen, er sei auch jetzt nur beleibter als beliebter, angesichts des Schulz-Hypes, den seine Partei derzeit erfährt: Mittlerweile kennt nämlich jeder Schulzens Heimatort Würselen, wo der neue SPD-Messias wie ein Halbgott verehrt wird und im lokalen Dialekt jetzt schon „Zinter Mätes“ genannt wird. Die Würselener sehen sich hinsichtlich der weltpolitischen Bedeutung ihrer Stadt dank Schulz nun sogar auf Augenhöhe mit Washington, und der endgültigen Heiligsprechung von Martin Schulz steht nur noch die Prüfung entgegen, dass er dem Teufelswerk der Einführung von Eurobonds und einer europaweiten Bankenhaftung widersteht, damit eben nicht die Kunden der Stadtsparkasse Würselen mit ihren Sparbucheinlagen für die Schulden, faulen Investmentbank-Kredite und Devisentermingeschäftszockereien der Hallodris in Politik und Bankwesen bluten müssen.

Lesen Sie in der nächsten Ausgabe von „bär aktuell“: Gelingt Martin Schulz auf dem nächsten Bundesparteitag der SPD die Speisung der Fünftausend mit einer einzigen Martinsgans?

© Raap/Bär 2017

Unbedingt mal anklicken:

https://www.youtube.com/watch?v=165axVRXBBc

Essen und Trinken mit Herrn Bär

Nasi Goreng

Nasi Goreng ist ein Standardgericht der indonesischen Küche, wobei der vorgekochte Langkornreis mindestens zwei Stunden oder sogar einen halben Tag lang ruhen muss, bevor man ihn brät. In einer Pfanne oder in einem Wok brät man in Erdnussöl oder Palmöl kleingehackte Zwiebeln, Lauchzwiebeln, Poreestreifen, ein paar Stückchen Chilischote und Knobloch an, fügt Hühnerfleisch und/oder Schweinefleisch in dünnen Scheiben hinzu, sowie Champignons und Erbsen. Man kann auch Streifen von gekochtem Schinken und Schweinebratenaufschnitt nehmen und Röstzwiebeln aus der Tüte hinzufügen, sowie Omelettstreifen oder Rührei. Würzen mit Salz, Sambal Oelek, bei Bedarf auch mit etwas Curry und Gelbwurzel (Kurkuma), etwas Sojasauce. Dazu reicht man Krabbenbrot (Kroepeok).

Gebratener Reis „Kuala Lumpur“ ‚a la Karl-Josef Bär

In heißem Erdnussöl Streifen von der Hühnerbrust mit Zwiebeln, Knobloch, Erdnüssen und Chashewkernen kurz scharf anbraten, Wasser oder Geflügelfond hinzugeben, Streifen von rotem und grünem Paprika, Gurkenstücke, vorher in Wasser eingeweichte chinesische Trockenpilze oder Champignons, bei Bedarf ein paar Ananasstücke oder frische Mangostücke, ein Schuss Limettensaft, würzen mit etwas Sojasauce, Cayennepfeffer/Sambal Oelek, grünem Curry, Zitronengras, geriebenem Ingwer, Kreuzkümmel, frischer Minze und frischem Koriander.

Schaschliksauce

Schaschlik ist ein Fleischspieß in der traditionellen Küche Russlands, der Kaukasusländer und der westasiatischen ehemaligen Sowjetrepubliken, d.h. im Siedlungsraum der Turkvölker, auch in Teilen des Balkans und in Ungarn. Man nimmt dafür Würfel von Lamm- Rind- oder Schweinefleisch, die man abwechselnd mit großen Zwiebelstücken und Speck auf die Spieße steckt, manchmal auch zusätzlich mit Tomatenhälften oder Paprikastücken. Um das Fleisch zarter zu machen, empfiehlt es sich, es vorher zu marinieren. Die Spieße legt man auf den Grill oder brät sie in der Pfanne relativ kurz; in der deutschen Imbissküche lässt man Schweinefleischspieße auch längere Zeit im Sud schmoren, bis das Fleisch schön weich ist. (die bis in die 1980er Jahre übliche Variante Nierenschaschlik wird heute allerdings kaum noch angeboten). Die Schaschliksauce besteht aus Zwiebeln, die man in Öl andünstet, dann fügt man klein gepressten Knobloch, klein gehackte Tomaten und/oder „pomodori pelati“ (geschälte Tomaten mit Saft aus der Dose hinzu), und ein paar kleine Stückchen von der Chilischote oder Tabasco. Abschmecken und würzen mit Salz, etwas, Curry, Paprikapulver, Tomatenketchup, Worcestershiresauce und Oregano.

Paella valenciana Eine flache Metallschüssel mit Namen „patella“ wurde um 1900 in Valencia als „Paella“ bzw. „paellera“ für die Metallpfanne sprachlich abgewandelt, in der man ein Reisgericht mit Safran zubereitet, das man auch „Paella“ nennt. Die klassische Paella Valenciana besteht nur aus diesem Safranreis mit weißem Fleisch (Hähnchen oder Kaninchen), zerkochten frischen Tomaten, Erbsen, grünen Bohnen, weißen Bohnen, reichlich Knobloch, manchmal auch rotem Gemüsepaprika, gewürzt mit Salz, Pfeffer, Paprika und Rosmarin. Üblich ist in der spanischen Tourismus-Gastronomie heute aber auch eine Anreicherung mit Meeresfrüchten, die man aber separat anbrät und erst später mit dem Fleisch vermischt. Man nimmt Langkornreis (Risottoreis wäre zu stärkehaltig). Wenn dieser weichgekocht ist, gibt man ihn zu dem Fleisch und dem Gemüse in die Paella-Pfanne, mit etwas Wasser oder Hühnerbrühe, aber anschließend wird dann kein Wasser mehr nachgegossen. Zum Servieren dekoriert man die Oberfläche mit gebratenen Langostinos, Gambas, Tomatenscheiben und Zitronenscheiben.

Kompes nennt man im Aachener Raum und damit auch in Würselen durch Milchsäuregärung konservierten Weißkohl, also Sauerkraut, und gleichfalls ein Gericht, das mit Sauerkraut, Kartoffelpürree und der Blutwurst „Öcher Puttes“ serviert wird.