bär aktuell 185/186 und Bild des Monats

August 4th, 2015

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Bild des Monats August 2015:

Jürgen Raap, „Das durchsichtige Frühstück“, 2015

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Bildstrecke Bär polyglott – unterwegs mit Herrn Bär:

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Bär aktuell Nr. 185 – 3. August 2015

Bär polyglott – unterwegs mit Herrn Bär Als Herr Bär jüngst in Bamberg weilte, traf er dort auf einen Chinesen, der sich bei Herrn Bär erkundigte, wo er denn herkäme. Als Herr Bär antwortete, er sei in Köln zu Hause, strahlte der Chinese über das ganze Gesicht und sagte: „Ah, 4711, Eau de Cologne“. Und Herr Bär hatte sich wieder einmal als Botschafter des guten Geruchs erwiesen.
Dass Modedesigner bisweilen arg überkandidelt sind, bewies einmal mehr jener Berliner Vertreter der Zunft, der zur aktuellen Herrenmode für diesen Sommer bekundete, der elegante Flaneur solle ruhig Mut zum „Knöcheldékolleté“ haben. Herr Bär weigert sich dennoch, mit entblößten Fußgelenken durch die Straßen zu schlendern, weil man nämlich früher über solche Zeitgenossen lästerte, sie hätten ihre Hose auf Hochwasser eingestellt.
Wenn das mediale Sommerloch naht und den Zeitungsleuten nichts mehr einfällt, verbreiten sie gerne Tiergeschichten. „Bär raubt Bienenstock aus“ war mithin eine recht schöne Nachricht, ebenso wie jene urbane Legende, dass in Köln ein Rennpferd auf den Namen „Millowitsch“ getauft wurde und sein erstes Rennen mit vier Längen Vorsprung gewann. Derweil verbreitete ein Zeitungskolumnist allen Ernstes die Sottise, es verbiete sich von selbst, Wolfgang Schäuble wegen seines unbeirrbaren Auftretens in der Griechenland-Krise mit unangemessener Metaphorik einen „aufrechten Gang“ oder „Rückgrat“ zu bescheinigen, da er ja im Rollstuhl säße, wohingegen man über Sigmar Gabriel durchaus urteilen kann, er sei wieder einmal wie gewohnt schmierwurstartig aufgetreten, als er im Internet einen „Shitstorm“ auslöste und dann peinlicherweise zurückruderte in der Frage, ob und wann er vorab etwas über Schäubles „Grexit“-Nonpaper gewusst habe.

SPD bizarr Während Wolfgang Schäuble also trotzig und trutzig verkündet, wenn man ihn nicht weiterhin so agieren ließe wie er denn wolle, könne er ja auch zurück treten, dämmerte dem schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Torsten Albig (SPD), dass mit jenem Gabriel, bei dessen Rhetorik Herr Bär immer an eine streichfähige Teewurst denken muss, kein Staat zu machen ist. Und da auch sonst in seiner eigenen Partei niemand an die Beliebtheit von Über-Mutti Merkel heranreiche, empfahl Albig seinen Genossen, sie sollten doch bei der nächsten Bundestagswahl getrost auf einen eigenen Kanzlerkandidaten verzichten. Und es kommt noch doller: ausgerechnet der gescheiterte SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück attestierte Wolfgang Schäuble, er, Steinbrück, habe an Schäubles Verhandlungsführung gegenüber den Griechen überhaupt nichts auszusetzen, und der „Grexit“ dürfe kein Tabu sein. An seiner eigenen Partei lässt Steinbrück indes kein Gutes Haar: „Die SPD mobilisiert nicht, sie weckt keinen Enthusiasmus, sie reißt niemanden mit“, verkündete er jüngst in „Bild am Sonntag“. Steinbrück wirft seinem Parteifreund, dem Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel, zugleich eine völlig vergeigte Energiepolitik vor, und dass er Gabriel trotz seiner Flops eigenartigerweise dennoch trotz äusserst geringer Wahlchancen für einen geeigneten Kanzlerkandidaten hält, klingt denn doch eher wie ein vergiftetes Lob. Und so bewahrheitet sich im Falle von Sigmar Gabriel wieder einmal die altbekannte Lebensweisheit, wer solche (Partei)-Freunde habe, der brauche beileibe keine Feinde mehr.

Neue Rubrik: Essen und Trinken mit Herrn Bär

Wurstbrot à la Sigmar Gabriel
Scheiben von rustikalem Graubrot dick mit Butter und mit Braunschweiger Mettwurst bestreichen, anschließend mit kleingehackten Lauchzwiebeln bestreuen. Dazu passt am besten ein Gläschen „Torsten Albig“-Aquavit (38 Vol. Prozent).

Risotto à la Europäische Zentralbank (Mario Draghi gewidmet)
1-2 Schalotten im Topf kurz in Knoblochbutter andünsten, Risotto-Reis hinzugeben und ständig umrühren, bis der Reis glasig ist. Mit Brühe auffüllen (Hühnerbrühe bei Geflügelrisotto, Fischfonds-Brühe bei Fischrisotto). Sobald der Reis die Brühe aufgesogen hat, immer wieder neue Brühe hinzugeben und ständig rühren, damit der Reis nicht anbrennt. Wenn der Reis gar ist, mit Salz, Pfeffer und Knobloch abschmecken, Parmesankäse darüber reiben. Dazu in der Pfanne scharf angebratene Maishähnchenbruststückchen mit Zwiebeln, Knobloch, frischen Pfifferlingen, ein paar Möhrenscheiben, roten Paprikastreifen, Petersilie, 4-5 dunklen Weintrauben und frischem Thymian zubereiten, bei Bedarf auch 4-5 getrocknete Morcheln hinzugeben. Als Sauce Geflügelbrühe mit geriebenem rotem Gemüsepaprika in die Pfanne einrühren. Bei Fischrisotto weiße Muscheln (Vongole) und Garnelen in Olivenöl anbraten, mit Fischfonds ablöschen, klein gewürfelte Tomaten, etwas Tomatenmark, rote Paprikastreifen, Knobloch und schwarzen Oliven kurz aufkochen lassen, mit Salz, Pfeffer, Beifuß, Dill und eventuell auch ein paar Blättern frischem Salbei abschmecken und zusammen mit dem Risotto servieren.
© Raap/Bär 2015

 

Bär aktuell Nr. 186 – 22. August 2015

OB-Wahlkampf in Köln Im Kölner Klüngel-Sumpf galt der SPD-Politiker Jochen Ott zu Beginn seiner Polit-Karriere als eine „Lichtgestalt“, die über jeden Korruptionsverdacht erhaben sei. Als Einäugiger unter lauten Blinden der König zu sein, mithin unter lauter filzigen Klüngelbrüdern als integrer Saubermann da zu stehen, war unter den damaligen Umständen allerdings auch nicht allzu schwer. Dennoch schrieb Jendrik Scholz schon 2002 in der „Sozialistischen Zeitung“, über den heutigen Kölner OB-Kandidaten, er sei „in den 90er Jahren das Ziehkind der beiden tief in den Korruptionsskandal verstrickten ehemaligen Paten des rechten Flügels der Kölner SPD, Klaus Heugel und Norbert Rüther“ gewesen. Weil ihnen die Jusos damals zu links gewesen seien, „entschieden sich die SPD-Rechten Heugel und Rüther dafür, das ‚Red-Sox-Team‘ als neue parteitreue Jugendorganisation zu installieren und machten Ott zum Chef…“. In der Frankfurter Rundschau und der Süddeutschen Zeitung, so Scholz, hätten deswegen seinerzeit Mutmaßungen kursiert, „dass Otts damalige Aktivitäten in Wirklichkeit aus den schwarzen Kassen Rüthers und Heugels finanziert worden waren.“
In den Stadtrat hat es Jochen Ott im Laufe der Jahre indes nie dauerhaft aus eigener Kraft geschafft: bei der vorletzten Kommunalwahl hätte er auf einem hinteren Listenplatz den Einzug in den Rat fulminant verpasst, wenn nicht der Parteifreund Jürgen Noppel mehr oder weniger freiwillig zugunsten Otts auf seinen Ratssitz verzichtet hätte. „Noppeln“ nennt man seitdem in Köln diese reichlich bizarre Form von Mandatsübernahme. Die Wähler in Noppels Wahlkreis staunten jedenfalls nicht schlecht, als sie Noppel gewählt hatten und dafür Ott bekamen. Nach der letzten Wahl musste Jochen Ott einige Monate später seinen Ratssitz wieder räumen, nachdem auf Anordnung des Verwaltungsgerichts im Wahlbezirk Rodenkirchen die Stimmen neu ausgezählt wurden und das Wahlergebnis daraufhin korrigiert werden musste.
Auf der Internetseite „abgeordnetenwatch.de“ muss sich Jochen Ott als Mitglied des NRW-Landtags angesichts seiner schwammigen Antwort auf eine Frage nach „Auswirkung des Nachtfluglärms“ den Vorwurf gefallen lassen, „dass Sie den Ihnen gestellten Fragen mehrheitlich ausweichen“, wie ein gewisser Peter Hahne moniert. Dass er auf seinen Wahlplakaten seine SPD-Mitgliedschaft verschweigt, kann man allerdings als PR-strategisches Kuriosum durchgehen lassen, wobei es zur Begründung aus seiner Wahlkampfzentrale heißt, in Köln wisse doch jeder, dass Ott in der SPD sei, deswegen brauche man das auf einem Plakat nicht mehr eigens zu erwähnen.
Die inhaltliche Beliebigkeit seiner Wahlkampfparolen auf den Plakaten wird nur noch durch die Hohlnussigkeit übertroffen, mit der eine gewisse Sabine Neumeyer Jochen Otts Kandidatur Konkurrenz macht und sich als parteilose „Partybürgermeisterin“ anpreist, als ob es gelte, den Stadtrat in ein Festkomitee für die zunehmende und damit auch zunehmend unerträgliche Ballermannisierung der Stadt umzufunktionieren. Zugleich muss Jochen Ott aber auch gegen den „Nackt-Cowboy“ Herby Nussbaum antreten und gegen „Dr. Made“, einen prominenten Kriminalbiologen, der als NRW-Vorsitzender die Satire-Partei „Die Partei“ anführt, während ein weiterer Kandidat, nämlich der „Umweltaktivist“ Marcel Hövelmann, für den Fall seiner Wahl als OB das Vorhaben eines Designwettbewerbs für Blumenkübel im öffentlichen Straßenraum als dringlichstes kommunalpolitisches Problem in die Tat umsetzen will.
Henriette Reker, die von den Grünen, der CDU und der FDP gemeinsam unterstützt wird, hofft vielleicht insgeheim, dass diese skurillen Exoten trotz ihrer Chancenlosigkeit ihrem Rivalen Ott letztlich so viele Stimmen weg nehmen, dass es für ihn am Ende nicht reicht. Immerhin hat bei einer früheren Ratswahl ein Zeitungsverkäufer als Außenseiterkandidat schon mal mehr als 1.000 Stimmen eingeheimst.
Herrn Bärs Fazit: ein bisschen erinnert der OB-Wahlkampf ja nun doch an einen Schwank im Hänneschen-Theater, aber ein solcher Politik-Stil gehört nun mal zu den folkloristischen Eigenheiten der Domstadt genauso wie ein Bauskandal nach dem anderen: erst trödeln sie auf der Baustelle des Opernhauses herum, um dann bei ihrem Bauherrn „Beschleunigungszuschläge“ einzufordern, und wenn es dann trotzdem nicht schneller voran geht, heißt es, für beschleunigtes Arbeiten fehle ihnen das nötige Fachpersonal. Wahrscheinlich wird der Berliner Flughafen nun doch früher fertig als die Sanierung des Kölner Opernhauses, aber das stört am Rhein niemanden, denn wie sagt der Kölner: „Langsam kütt mer och an et Ziel“.
© Raap/Bär 2015

 

 

Bär aktuell nr. 184 – Bild des Monats Juli 2015

Juli 1st, 2015

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Bild des Monats Juli 2015

Jürgen Raap, „Merguez im Propsteier Wald“, 2015

 

Bär aktuell Nr. 184 – 3. Juli 2015:

Das Erheischen von Spenden und Sponsorengeldern nennt man heute auf neudeutsch „Fundraisiung“ oder auch „Crowdfunding“. Es erfordert schon eine gewisse Pfiffigkeit, und dass er nicht der oft gescholtenen „Generation blöd“ angehört, wollte ein junger Instrumentenbesitzer beweisen, der in einer Kölner Fußgängerzone unbeholfen auf einer Gitarre herum schrummte und vor sich originellerweise ein Pappschild aufgestellt hatte: „Bitte eine Spende für Gitarrenunterricht“.
Wenn aus Hollywood ein Film mit einem sprechenden Bär in die Kinos kommt, nämlich der Film „Ted 2“ und der Filmkritiker, der in der Lokalpresse diesen Film bespricht, Albert Baer heißt, dann entbehrt das nicht eines gewissen Charmes, und es bewahrheitet sich die Weisheit „Nomen est omen“, zumal die Rezension eine wohlwollende Haltung gegenüber dem Film erkennen lässt und ihre Lektüre großes Vergnügen bereitet.
Wer zu einem griechischen Grillabend eingeladen ist, der sollte wissen, wie man dort grillt, nämlich ohne Kohle. Allen Ernstes kann man darüber diskutieren, ob solch ein Witz für ein scharfzüngiges Kabarett-Programm angemessen ist, oder man sich damit besser nur durch eine seichte Comedysendung kalauert, wo man allzu oft Humor mit Zynismus verwechselt. Nun ist der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras gewiss nicht „von der Pampelmuse“ geküsst, wie es in anderem Zusammenhang einmal der Komiker Heinz Erhard ausdrückte. Doch den Possenreißern in den Comedy-Formaten des Privat-TV wäre dennoch dringend die Lektüre von Peter Sloterdijks Standardwerk „Kritik der zynischen Vernunft“ anzuraten: in der antiken Philosophie bot der Kynismus (mit „K“ geschrieben, sic!) der entmachteten Bevölkerung ein Ventil, und damit war er ein ideologischer Gegenpol zur etablierten akademischen Philosophenschule Platons. Der noch heute bekannteste Kyniker war Diogenes als ein Verfechter der materiellen Bedürfnislosigkeit und der Natürlichkeit – eine große Tonne genügte ihm als Behausung. Sloterdijk beschreibt, wie sich im Laufe der Geschichte mit der Ausprägung eines bürgerlichen Bewusstseins, kulminierend in einer pfeffersäckischen Kaufmannsmentalität, der Kynismus zum Zynismus wandelte – dem Zyniker geht es alsdann überhaupt nicht mehr um die Durchsetzung und Bewahrung ethischer Werte wie einst dem Kyniker in der Antike, und er repräsentiert schließlich mit seinem hartherzigen merkantilistischen Denken in einer anti-humanistischen Weise alle negativen Verwerfungen der abendländischen Zivilisation. Philosophiegeschichtlich kann man Sloterdijks Standardwerk in der Tradition einer Vernunftkritik sehen, die -vergleichbar den naturidyllisierenden Schäferszenen in der Malerei des 18. Jh. – den Kyniker als unzivilisiertes und plebejisches Gegenmodell zur zynischen Geldrationalität der heutigen Bonus- und Investment-Banker feiert, die sich in den vergangenen sechs Jahren an der Griechenland-Krise dumm und dämlich verdient haben. Nun kann man dem deutschen Finanzminister Wolfgang Schäuble und dem neoliberal ausgerichteten Internationalen Währungsfonds IWF schon eine gewisse Nähe zu einem Zynismus in diesem Sloterdijkschen Sinne bescheinigen, aber der sturköpfige Alexis Tsipras ist wahrlich auch kein Kyniker von diogenesischer Lauterkeit, sondern eher nur einer, der in den Medien Sepp Blatter als Buhmann des Monats abgelöst hat.

Copyright: Raap/Bär 2015

Bild des Monats/bär aktuell nr. 183 – 3. Juni 2015

Juni 2nd, 2015

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Bär aktuell Fotodokument: Kölscher Mitsingabend mit Krätzchensänger Ludwig Sebus (Mitte), Rudi Rumstajn (links) und Magic Flönz (rechts) im Weissen Holunder, Köln, 7. Juni 2015. Foto: S. Kallnbach

 

 

Bild des Monats Juni 2015

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Jürgen Raap „Merguez im Propsteier Wald“, Acryl/Öl auf Leinwand, 2015

 

In eigener Sache 1985 stiftete das Dreigestirn des Kölner Karnevals dem örtlichen Zoo drei Grizzlybären. Einer wurde nach dem Prinzen „Karl-Josef I.“ benannt, die anderen nach dem Bauer „Reiner Maria“ und nach der Jungfrau „Friederike“. Im Jahre 1988 brach Karl-Josef I. aus seinem Gehege aus. Er warf einen Baumstamm in den Wassergraben, der sein Gehege abtrennte, ruderte auf dem Baumstamm über den Graben und hangelte sich dann über das Geländer. Obwohl der Bär niemandem etwas zuleide tat, wurde er von herbeigerufenen Polizisten erschossen. Diese Begebenheit war Anlass zu einer Performance-Reihe, den Bären mittels Hypnose zum Leben wieder zu erwecken. Als Medium stellt sich hierfür ein Plüschbär zur Verfügung. Bis heute finden kontinuierlich Kabarett-Performances mit Herrn Bär statt, u.a. zusammen mit der Kölner Performance-Gruppe „Fehltwas?“. Zwischen 1993 und 2007 publizierte Jürgen Raap im KBV-Verlag Hillesheim sieben Krimis mit der Hauptfigur Karl-Josef Bär als Privatdetekltiv aus Köln-Ehrenfeld. Herr Bär äussert auch regelmäßig im Blog „bär aktuell“ (http://blogkarljosefbaer.kallnbach.de/) und in einer Kolumne von „atelier -Zeitschrift für Künstlerinnen und Künstler“ weltbewegende Gedanken zur Zeit und protestiert an dieser Stelle nun aufs Schärfte gegen die drohende Abschiebung der beiden überlebenden Bären Reiner Maria und Friederike in den Wuppertaler Zoo. „Kölner Zoo feuert seine Bären“ titelte der „Express“ am 22. Mai 2015 und mutmaßte, die geplante Abschiebung geschehe womöglich aus Altersgründen. Ist nun skandalöserweise auch im Kölner Zoo der Jugendwahn ausgebrochen? Immerhin hält auch die Kölner Amtstierärztin es für äusserst bedenklich, die beiden 31 Jahre alten Bären jetzt in eine neue Umgebung zu verpflanzen. Daher solidarisiert sich Herr Bär mit der Protestaktion „Mer losse d’r Bär en Kölle“ und mit dem Reiter-Korps Jan von Werth von 1925 e.V., das seinerzeit das Dreigestirn stellte und die Patenschaft über die Grizzlybären übernahm, und das nun am Pfingstsamstag vor dem Eingang zum Zoo eine Sympathiekundgebung zum Verbleib der beiden überlebenden Bären durchführte.

Zum Werden und Wirken von Karl-Josef Bär ist auch eine Biografie erschienen: Jürgen Raap „Karl-Josef Bär – Stationen einer Karriere“, atelier-Verlag Köln, 100 Seiten, 4 Abb., 10 Euro, ISBN 3.9803131-4-X. Bestellungen direkt beim atelier-verlag, info@atelier-verlag.de

Conchita Wurst, von der Boulevardpresse als „La Wurst“ bezeichnet und damit endgültig in den Rang einer Diva erhoben, bekundete, Karl Lagerfeld röche „wie meine Oma“, nämlich nach Menthol. Was Herrn Bär zu dem Hinweis veranlasst, dass Mundspray mit Menthol-Geruch gemeinhin vor allem dann benutzt wird, wenn man Fischbrötchen mit Zwiebeln gegessen hat. Karl Lagerfeld ernährt sich allerdings bekanntlich hauptsächlich von gedünstetem Gemüse und Cola Light, und so nimmt Herr Bär an, der Lagerfeldsche Gebrauch jenes Menthols, dessen Geruch an die Oma von Conchita Wurst erinnert, diene keinem praktischen Nutzen, sondern sei womöglich eher eine exzentrische Marotte.

Dä Ott es fott Eher anrüchig ging es monatelang in der Kölner Kommunalpolitik zu, wo kaum jemand glauben mochte, dass bei der letzten Wahl ausgerechnet der beschaulich-gutbürgerliche Vorort Rodenkirchen zu einer Hochburg der Sozialdemokraten mutiert sei: das Wahlergebnis nährte den Verdacht, bei der Auszählung der Stimmen seien die Ergebnisse der Parteien vertauscht worden, und mit einer gewissen Arroganz der Macht sträubte sich vor allem die SPD mit fadenscheinigen formaljuristischen Argumenten so lange gegen eine Neuauszählung, bis die Stadtoberen vom Verwaltungsgericht dazu verdonnert wurden.

Der Verdacht schlunziger Auszählung bestätigte sich schließlich doch bei der gerichtlich erzwungenen erneuten Sichtung der Rodenkirchener Wahlurne; das Wahlergebnis wird nun entsprechend korrigiert, und so muss ausgerechnet der OB-Kandidat Jochen Ott seinen Ratssessel jetzt wieder räumen: Dä Ott es fott, wie man in Köln so sagt. Witzbolde entwarfen schon mal einen neuen Wahlzettel, auf dem neben „Lukas Podolski“ auch „Tünnes“ und „Schäl“ kandidieren, und wer die zunehmende Politikverdrossenheit vor allem als eine Parteienverdrossenheit begreift, der sieht die Ursache dafür in erster Linie in einer vom Wahlvolk als zunehmend unerträglich empfundenen Machtversessenheit und Machtvergessenheit mancher Politiker.

In Herrn Bärs hellhöriger Nachbarwohnung lebte jahrelang eine Familie mit einem etwa achtjährigen Kind, das Jahr für Jahr schon Mitte Oktober anfing, auf der Blockflöte Weihnachtslieder zu üben, bei „Stille Nacht, heilige Nacht“ aber immer nur bis zur zweiten Zeile kam, dann stockte und wieder von vorne anfing, so dass Herr Bär Jahr für Jahr dem 27. Dezember entgegen fieberte, an dem Weihnachten endlich vorbei war und die Blockflöte weggepackt wurde. Inzwischen ist die Familie fortgezogen, aber dafür wohnt jetzt in Herrn Bärs Nachbarschaft ein Instrumentenbesitzer, der sich mal auf der Gitarre, mal auf dem Saxophon und mal auf dem Keyboard versucht; doch die Töne, die er diesen Instrumenten zu entlocken trachtet, kann man beim besten Willen noch nicht einmal als „Free Jazz“ durchgehen lassen: im Vergleich zu diesem Instrumentenbesitzer war das mit nur mäßigem Erfolg Blockflöte übende Schulkind hochbegabt. Dass die Dadaisten vor 100 Jahren gegen den akademischen Kunstbegriff mit der Parole „Dilettanten erhebt euch!“ revoltierten, sollte man als Instrumentenbesitzer daher heute mehr nicht allzu wörtlich nehmen.

Auf FDP-Parteitagen tummeln sich jetzt neuerdings Blondinen herum Herr Bär möchte zu gerne wissen, was Rainer Brüderle ihnen abends an der Hotelbar ins Ohr säuselt. Mit dem Spruch „Gnädige Frau, Sie riechen wie meine Oma“ kann er bestimmt nicht punkten.

© Raap/Bär 2015

Bild des Monats Mai 2015 und bär aktuell Nr. 182

Mai 1st, 2015

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Aus der Serie „Las Sambaritas“, jeweils Öl und Acryl auf Obstkiste, 2015

 

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Bild des Monats Mai 2015

Jürgen Raap, „Eine Vorliebe für orientalische Zigaretten“, 2015

 

Bär aktuell Nr. 182 – 22. Mai 2015

Der Kölner Schriftsteller Jürgen Becker erhielt 2914 den Büchner-Preis, und als 1961 im Hause des Autoren ein Knabe das Licht der Welt erblickte, wurde er auf den Namen Boris getauft. Die Welt war noch in Ordnung, als 1967 auch im fernen Leimen, tief unten im Badischen, eine andere Familie Becker ebenfalls ein Kind bekam und dieses Boris nannte, zumal jener Knabe in jungen Jahren „Bobele“ gerufen wurde. Doch dann nahm das Schicksal seinen Lauf, als 1984 ein Namensvetter des Schriftstellers, nämlich der Kabarettist Jürgen Becker, erste Meriten einheimste, indem er unter dem Pseudonym „Irokesen-Heinz“ Sitzungspräsident der Stunksitzung im alternativen Karneval und später bundesweit bekannt wurde: heute kann er in der massenmedialen Gesellschaft mit einer eigenen Fernsehsendung „Mitternachtsspitzen“ eine größere Popularität nachweisen als der Büchner-Preisträger mit seinem literarischen Werk, und dies möglicherweise zum Verdruss des Schriftstellers, der sich vielleicht insgeheim das eine oder andere mal gewünscht haben mochte, der Kabarettist würde weiterhin unter dem Namen Irokesen-Heinz auftreten. Das Wirken des Hegelschen Weltgeistes brachte indes für die nächste Generation der Beckers eine Wiederholung des Schicksals der Namensgleichheit und damit womöglich aus Sicht der Schriftstellerfamilie eine Ungleichverteilung des Ruhms mit sich, seit nämlich Bobele auf dem Tennisplatz zu „Bum-Bum-Becker“ mutierte: Der frühere Tennisspieler Boris Becker ist seit seinem ersten Wimbledon-Sieg zumindest in breiten Bevölkerungskreisen bekannter als sein Namensvetter, der Fotograf und Filmemacher Boris Becker, der sich vielleicht auch das eine oder andere Mal gewünscht haben mochte, der Tennis-Star würde weiterhin als „Bobele“ durch die Boulevard-Gazetten geistern, die genüsslich jeden seiner heutigen verbalen und sonstigen Fehltritte verbreiten. Da mag man an den Punk-Musiker Norbert Hähnel denken, der seinerzeit mit einer Band namens „Heino und die toten Hosen“ auftrat, was den Münstereifeler Volksmusik-Barden Heino wurmte und zu der Kontroverse führte, wer denn nun der „echte Heino“ und wer der „wahre Heino“ sei. Während die Fachpresse das fotografische Werk des Künstlers Boris Becker rühmt, machte hingegen „Bobele“ ganz andere Schlagzeilen, als er z.B. kürzlich in einem Londoner Fußballstadion mit einem Schal der berüchtigten Hooligan-Vereinigung „Headhunters“ gesichtet wurde. gab das Fußball-Fachblatt „11 Freunde“ daraufhin zu bedenken, für einen echten Hooligan sei „der Schal erst der Anfang“, denn zur adäquaten optischen Erscheinung eines Hooligans gehöre auch noch „ein Stiernacken und eine Verbrechervisage“, und das war in dieser Fußball-Fanpostille mit so feinsinniger Ironie formuliert, dass die Leserschaft noch tagelang darüber rätseln konnte, ob oder dass „Bobele“ über die nötigen anatomischen und physiognomischen Voraussetzungen zu einem echten Hooligan verfügt.

Sigmar Gabriel sagt man nach, er habe seinerzeit schon einen ungünstigen Einfluss auf den Berliner Eisbären Knut ausgeübt, als er 2007 die Patenschaft über den possierlichen Bären übernahm, der daraufhin der Fresslust verfallen sei. Bei den Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen mit den USA und Kanada macht Gabriel als Bundeswirtschaftsminister inzwischen eine Politik, wie man sie früher eher der inzwischen dahin gesiechten FDP zugetraut hätte, und dem äusseren Erscheinungsbild nach wirkt der Bonvivant aus Goslar wie einer, der gerne Hühnchen verspeist, die man vorher in Chlor getaucht hat, wie es in den USA zu den absonderlich anmutenden Konservierungs- und Kochsitten gehört und nach dem Willen der Freihandelsfanatiker demnächst eben auch bei uns. Ob im Gegenzug die deutsche Rüstungsindustrie künftig mehr Schießprügel an die Waffennarren in Missouri oder Minnesota verkaufen kann, bleibt indes abzuwarten. Wem nützt also ein solches Freihandelsabkommen? Bestimmt nicht freiberuflichen Autoren wie Herrn Bär, die fürchten müssen, dass dann die deutsche Buchpreisbindung gekippt wird und ein Medienmulti wie Amazon künftig mit der ungezügelten Verramschung der literarischen Werke von Herrn Bär zum „Alles muss raus“-Tarif dessen Einkommen schmälert. Dass die SPD schon anfängt, den solchermaßen wirtschaftsliberal verwirrten Gabriel als möglichen Kanzlerkandidaten für 2017 zu demontieren, sei ein dieser Stelle mit einer gewissen Genugtuung registriert.

In Köln wird im September 2015 ein neuer Oberbürgermeister gewählt. CDU, FDP und Grüne einigten sich auf eine parteilose Kandidatin. Der SPD-Kandidat Jochen Ott bekommt Konkurrenz durch einen weiteren Kandidaten, nämlich Herbert Nussbaum, den „singenden Nackedei Cowboy aus der Düsseldorfer Altstadt“. In Düsseldorf scheiterte er bei der letzten Wahl mit 2850 Wählerstimmen gegen Thomas Geisel (SPD). In Köln rechnet Nussbaum sich nun bessere Chancen gegen Jochen Ott aus, der als machtbewusster, aber ansonsten konturloser Parteisoldat gilt. Nussbaums Wahlkampfetat liegt bei 50 Euro. Das reicht locker für ein Bahnticket nach Köln und wieder zurück.
© Raap/Bär 2015

 

 

Bild des Monats April 2015

April 2nd, 2015

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Jürgen Raap, „Das goldene Feuer I“, 2015

 

Bär aktuell Nr. 181 – 3. April 2015

Beachten Sie bitte folgenden Veranstaltungshinweis:

Sonntag, 12. April 2015, 11 Uhr, Kunstmuseum Ahlen /Westf.:

Siglinde Kallnbach, Stückwerk-Performance in der Ausstellung zum 85. Geburtstag des Wiener Malers und Aktionskünstlers Arnulf Rainer

 

Hat Boris Becker das Internet erfunden? Und zwar schon vor 15 Jahren? Mitnichten. Die Zeitschrift „Der Stern“ habe ihn falsch zitiert, lamentierte Becker, denn er habe behauptet, er habe das Internet vor 15 Jahren „für mich“ erfunden, der „Stern“ jedoch diese zwei Worte „für mich“ unterschlagen. Aber auch so ist die Beckersche Behauptung eine grandiose sprachliche und gedankliche Fehlleistung in der Verwechslung von „erfinden“ und „entdecken“, aber damit schafft man es immerhin in die Medien in einer Zeit, in der sonst die beiden Grexit-Clowns Alexis Tsipras und Yanis Varoufakis mit ihren diplomatischen Tolpatschigkeiten die Schlagzeilen beherrschen. Während Boris Beckers Medienpräsenz durchgehend in der Tradition der Posse steht, gibt es derzeit hingegen kaum einen Zeitungskommentatoren, der darauf verzichtet, das schwer durchschaubare Lavieren der Tsipras-Regierung mit dem Prinzip der griechischen Tragödie zu vergleichen, die aber im Dürrenmatt’schen Sinne durchaus zugleich auch eine Komödie sein kann, wobei eine solche sich allerdings durch einen schlimmstmöglichen Zufall ins Tragische wendet. Irgendwie geht’s im griechischen Regierungskabinett schon ein wenig zu wie im Dürrenmatts „Die Physiker“, und dass Tsipras neuerdings damit liebäugelt, eine Art „Fettsteuer“ für Gyros-Gerichte einzuführen, hat schon Züge einer Burleske. Wo es bei der „Griechenland-Krise“ aber auch um das Aufrechnen von historischer Schuld und pekuniären Schulden geht, empfiehlt sich für ernsthafte Gemüter die Lektüre von Franz Kafkas „Der Prozess“, wo die Frage nach der Schuld in einem sehr komplexen Sinne in freudianischen Dimensionen abgehandelt wird. Wer es jedoch lieber auf dem Niveau eines seichten privaten Fernsehsenders oder plärrigen Twitter-Beitrags mag und ohnehin ein Anhänger des „Neuen deutschen Zynismus“ ist, dem sei eine Liedzeile der „Fantastischen Vier“ ans Herz gelegt: „Gebt uns die Schuld, den Rest könnt ihr behalten“.
© Raap/Bär 2015

Bild des Monats März 2015

März 1st, 2015

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Jürgen Raap /Karl-Josef Bär, „Die gefährliche Wirtin“, 2015

 

bär aktuell nr. 180 – 22. März 2015

Verderben viele Köche den Brei? Aber ja doch. Gibt es zu viele Kochsendungen im Fernsehen? Aber gewiss, findet Herr Bär. Neulich wurde in einem Kochwettstreit um den Siegerpreis von 100.000 Euro gebrutzelt. Es traten zwei Berliner an, die bekundeten, sie hätten eben dort eine Kochschule gegründet. Der eine, ein Glatzkopf mit Ganzkörpertätowierung, gab zu, er sei früher mal Leibwächter gewesen, und er würde sich nun an diesem Fernseh-Wettbewerb mit einem „Tätowierten Schweinefilet mit Blutwurst“ beteiligen. Als „Tätowierung“ hatte er mit Sojasauce auf den Rücken des Filets ein paar Buchstaben gekrakelt, was die Jury aber nicht sonderlich originell fand, und als einer der Juroren die Schalotten probierte, verzog er angewidert das Gesicht und monierte, da sei zu viel Curry dran. Der tätowierte Koch erwiderte, er selber esse ja gerne scharf, und er habe deswegen die Schalotten so gewürzt, wie er es gerne möge, und außerdem solle die Blutwurst zu dem Schweinefilet wie eine Currywurst schmecken. Herr Bär begann, sich ein wenig veralbert zu fühlen und überlegte schon, ob er lieber in einen anderen Sender zappen sollte, doch da trat schon der Kompagnon aus der Kochschule mit einem Rinderfilet mit Sauce Bearnaise und Marktgemüse vor den Augen der strengen Jury an und fiel ebenfalls durch: das Marktgemüse habe alle Stufen von „immer noch roh“ bis „völlig zerkocht und zermatscht“ durchlaufen, bemäkelte einer der Juroren, und der andere befand, das kaum angebratene Fleisch sei ja auch „noch völlig roh“, was er aber mit „too rare“ umschrieb, um der Kochsendung einen Hauch von Weltläufigkeit zu verleihen. War das eine gute Werbung für die Kochschule der beiden Berliner? Wohl eher nicht.

Johann Maria Farina hat das Kölnisch Wasser erfunden. Dass man daher endlich in Köln nach ihm eine Straße benennt, geziemt sich sehr wohl für eine Duftmetropole, findet Herr Bär. Dass man für die Johann Maria Farina-Straße aber ausgerechnet eine Zufahrt zur Müllverbrennungsanlage in Köln-Niehl gewählt hat, entpuppt sich als burlesker Schildbürgerstreich der zuständigen Politiker. © Raap/Bär 2015

 

 

Bild des Monats Februar 2015

Februar 1st, 2015

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J. Raap – Schild für Karnevalsumzug 2015

 

Bär aktuell Nr. 179  – 22. Feb. 2015

Die neuesten Witze aus dem Kölner Karneval – „Dat Münchener Dreigestirn stellt diesmal dä FC Bayern München: Guardiola, Maier, Matthäus. Dat sin Pep, Sepp un Depp.“ – „Mach niemals ne Doof schlau. Du kriss ihn hinterher nie widder doof.“ – „In Berlin han se jetzt dä St. Martins-Umzug in Sonne-, Mond- und Sterne-Fest umbenannt. Auch der Fußballer Schweinsteiger muss sich demnächst politisch korrekt umtaufen lassen. Dä heißt dann Nutztierkletterer. Un dä Weihnachtsbaum nennen se ab jetzt Religiös neutrales Nadelgehölz“. – „Wat is ne halbe Vegetarier? Dä isst kein Hühnchen, ävver ’ne Halve Hahn. Un wat is ne veganische Vegetarier? Dä isst janix. Dä ernährt sich nur üvver dä Dunstabzugshaube“.

Anastasia Matthäus, fünfte Ehefrau von Lothar Matthäus, verriet kürzlich dem Sender RTL, wie sie ihren späteren Ehemann kennenlernte und seinem Charme erlag. Er habe sie nämlich mit den Worten angesprochen: „Sprichst du Englisch?“ Wenn man weiß, dass sich Lothar Matthäus beim Fußballclub New Yorker Metro Stars seinerzeit mit den Worten vorstellte „I hope we have a little bit lucky“, oder seine Philosophie in die Worte kleidete „I look not back, I look in front“, glaubt man kaum, dass ausgerechnet mit solch einer Gesprächsanbahnung ein Balz-Programm zum Erfolg führen könnte. Er selbst schätzt seine Englischkenntnisse jedenfalls als so gut ein, dass er Interviews geben könne, „die jeder Deutsche versteht“ (O-Ton Matthäus). Lothar Matthäus weiß gegenüber der Damenwelt aber nicht nur mit seinen Sprachkenntnissen zu brillieren, sondern auch mit seiner Lebenserfahrung: „Das Leben sollte nicht nur aus Shoppen bestehen“.

Walter Ulbrichts Devise „Jeder Mann an jedem Ort einmal in der Woche Sport“ gilt auch für die Promis in der Essener Justizvollzugsanstalt: So berichtete der Kunstberater Helge Achenbach über das Leben im Knast, beim Sport treffe er manchmal den ebenfalls in Untersuchungshaft sitzenden Ex-Manager Thomas Middelhoff. Das Jonglieren mit Millionen üben die beiden dort aber wohl eher nicht.

 

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Weiberfastnacht in Köln, Foto: Copyright Raap/Bär 2015

 

Bild des Monats Januar 2015

Januar 6th, 2015

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Karl-Josef Bär /Jürgen Raap, Spione auf der Flucht, 2014

Bär aktuell Nr. 178 – 22. Januar 2015

Bitte beachten Sie folgenden Veranstaltungshinweis:
Freitag, 6 Februar 2015, 21 Uhr:
Vernissage zur
Ausstellung „Ritualbilder“ von Siglinde Kallnbach und Jürgen Raap
im Kunstraum Ba Cologne, Neptunplatz 7 / Rothehausstr., Köln-Ehrenfeld
Einführende Worte: Winfried Kirches-Ban, Bernd Hambüchen
Stückwerk-Performance: Siglinde Kallnbach
Ausstellung bis 19. Apr. 2014
außerdem:
Sonntag, 22. März 2015, ab 15 Uhr: Frühlingsfest
mit Karl-Josef Bär, Performance-Gruppe „FehltWas?“, Bernd Hambüchen u.v.a.

Die Abhandlung „Das Lob der Torheit“ des Erasmus von Rotterdam, 1509 geschrieben und sich im wesentlichen auf ein Bonmot des römischen Dichters Horaz beziehend, kein Herrscher könne verbieten, die Wahrheit lachend zu äussern, hat dem „heiligen Narren“ ein Denkmal gesetzt: ein Narrentum, dessen satirische Artikulation als scheinbare Lobrede die katholischen Inquisitoren so unerträglich fanden, dass sie die Schrift des Erasmus auf den Index der verbotenen Schriften setzten. Andere, die der Ketzerei oder der Hexerei verdächtig waren, wurden auf dem Scheiterhaufen verbrannt. In der Kunstgeschichte taucht der Typus des Narren bekanntlich ab dem 12. Jh. in mittelalterlichen Illustrationen auf, in denen der Narr als Unweiser den weisen König David verhöhnt. Der Spott macht das Wesen der Satire aus, und in seinen mittelalterlichen literatur- und kunstgeschichtlichen Ursprüngen personifiziert der Narr eine Gottesferne, gar eine Nähe zum Teufel, und damit ist er auch jemand, dem die Sünde nicht fremd ist. Deswegen war auch die karnevalistische Narretei als satirische Umkehrung einer angeblich gottgewollten Ordnung der geistlichen wie weltlichen Obrigkeit in all den Jahrhunderten nie geheuer, und wir begreifen, weshalb fundamentalistische religiöse Eiferer auch heute immer humorlos sind und deswegen vor allem Karikaturisten zu ihren Hauptfeinden rechnen.
Dass „Sprit“ und „Spirituosen“ zwar etymologisch einen gemeinsamen Wortstamm haben, in der Alltagssprache jedoch nicht synonym sind, ignorierte in Rendsburg ein sturztrunkener Radfahrer, als er an einer Tankstelle vorfuhr und an der Zapfsäule zum Zapfhahn griff. Als er Benzin für 74 Cent verkleckert hatte, stellte ihn der Tankwart zur Rede, und der Promilleur entgegnete, er habe gedacht, er sei mit dem Auto unterwegs und wolle dieses volltanken, und er habe sich auch schon gewundert, dass er am Fahrrad nicht den Tankdeckel gefunden habe. Ist dieser Radfahrer ein „heiliger Narr“ im 21. Jh. ? Mitnichten, findet Herr Bär.
Gewohnt töricht tritt die FDP auf, die sich im Abstiegskampf mangels überzeugender Programminhalte stattdessen eine neue Parteifarbe zugelegt hat, nämlich Magenta-Rot. Das neue Logo sieht aus wie das Firmenschild einer Telefonfirma. Aber vielleicht verkaufen die Liberalen jetzt ja tatsächlich Handys, um ihre klamme Parteikasse aufzubessern. Erasmus von Rotterdam hätte an den Albernheiten der Liberalen seine helle Freude gehabt.
Als Prinz Marcus von Anhalt, mit bürgerlichem Namen Marcus Eberhard, wegen Steuerhinterziehung vor Gericht stand, belehrte er den Richter, manch einer möge ja das höchst komplizierte deutsche Steuerrecht verstehen: er selbst gehöre jedoch nicht dazu, dafür wisse er aber, wie man erfolgreich ein Bordell führt. Der Richter ließ sich davon nicht beeindrucken und verknackte Prinz Marcus zu vier Jahren Haft. Seinem Adoptivvater Prinz Frederic von Anhalt war die Verhaftung des Adoptivsohns „peinlich“, und aus Prinz Frederics Sicht habe sich Marcus wie ein Narr verhalten: „Ich habe ihn immer gewarnt, mit seinem Reichtum zu protzen… Ich fand das dumm. Das Finanzamt schläft nicht…“
© Raap/Bär 2015

bär aktuell spezial nr. 177 – 22. Dez. 2014

Dezember 10th, 2014

Bär polyglott – unterwegs mit Herrn Bär Was gibt es aus dem böhmischen Kurort Marianske Lazne (Marienbad) zu berichten, wo bereits Goethe lustwandelte? Nun, einige Heilquellen hat man dort nach den habsburgischen Kaisern benannt. So hätte Rudolf II. es sich nicht träumen lassen, dass er seinen Namen einem Heilwasser verleiht, das urologische Probleme lindern soll, während es Kaiser Ferdinand zum Namenspatron eines Wassers brachte, das bei Verdauungsproblemen Abhilfe bietet. Wenn sich dann am Trinkbrunnen der Harndrang meldet oder der flotte Ferdinand, eilt man zur nächsten öffentlichen Toilette, wo jedoch der Toilettenwärter einen erst einmal ausforscht, ob man Deutscher oder Russe sei. Er ließe nämlich keine Russen mehr auf sein Klo, erklärte der tschechische Toilettenmann in radebrechendem Deutsch Herrn Bär, denn er sei es leid, dass die russischen Damen in der Handhabung von Toilettenpapier zu ungeübt seien und dieses nach Gebrauch auf dem Kabinenboden verstreuten, während die russischen Männer notorisch daneben pinkeln würden. Seine Ursachenforschung habe zu der Erkenntnis geführt, das sei „kulturell bedingt“, was der Toilettenmann auf die Formel brachte: „Ruski Kultur kaputt“. Nun hätte um der politischen Korrektheit willen Herr Bär entgegnen können, gewiss gäbe es auf Mallorca auch spanische Toilettenwärter, die sich über das Gebaren eimerweise Sangria konsumierender deutscher Ballermann-Touristen beklagen, doch Herr Bär zog es vor, einen Beitrag zur deutsch-tschechischen Völkerverständigung zu leisten und den Mann im Glauben zu lassen, in Deutschland gäbe es nur zivilisierte Sitzpinkler (die man jedoch allenfalls auf den Parteitagen der Grünen antrifft, wo sich vor der Herrentoilette ökologisch korrekte Warteschlangen bilden: in die linke Kabine gehen die Zausel, die zuviel Ingwer-Tee getrunken haben, in die rechte Kabine die Konsumenten von Holunder-Bionade, und nur die „Selbsthilfegruppe grün-alternative Machos“ geht breitbeinig nach draußen ans Mäuerchen).
Während Herr Bär sich abends im Hotelrestaurant an einem böhmischen Schweinebraten mit Serviettenknödeln labte, kam ein Reisebus mit Chinesen an, die „Ganz Europa in fünf Tagen“ bewältigen wollten und von ihrem Reiseleiter sofort mit barschen Worten ohne Abendessen ins Bett gescheucht wurden. Am anderen Morgen wurde Herr Bär durch Gejuchze draußen auf dem Hotelparkplatz wach und sah aus dem Fenster, wie die Chinesen im Schnee herumtollten, bis der unerbittliche Reiseleiter sie in den Bus scheuchte, und zwar ohne Frühstück, denn die knappe Zeit, die fürs Frühstück eingeplant war, hatten die Chinesen mit ihrer Balgerei im Schnee vertrödelt, und das straff organisierte Programm „Ganz Europa in fünf Tagen“ duldete keine Verzögerung durch eine Schneeballschlacht auf einem tschechischen Hotelparkplatz. So bekam Herr Bär eine eindrucksvolle Demonstration geboten, wie ein chinesischer Reiseleiter es schafft, im Nu die Gruppendisziplin wieder herzustellen.
Der tschechische Einzelhandel umwirbt seine deutsche Kundschaft mit dem Reim „Gucken hier, gucken da, besser als bei C&A“. Auf dem Weihnachtsmarkt vor der Kurtrinkhalle von Marianske Lazne spielt der Drehorgelmann zwischendurch auch mal „Auf der Reeperbahn nachts um halb eins“, was zwar musikalisch zu einem Weihnachtsmarkt nicht ganz passt, die Klientel der Ferdinand-Quelle trotzdem erfreut. Die Stände auf dem Weihnachtsmarkt bieten Magdeburger Salami, französische Eselswurst und Schweizer Käse feil. Der Weihnachtsmarkt-Organisator kommt aus Schwaben und erzählt stolz, er habe sich mit dem Import deutscher Wurst nach Tschechien dumm und dämlich verdient. Auch das mag man als eine Form von kulinarischem Kulturimperialismus begreifen, bei dem im ökonomischen Globalisierungswettbewerb zumindest in Böhmen die deutschen Mettwurstfabrikanten den amerikanischen Burger-Ketten umsatzmäßig noch eine deutliche Nasenlänge voraus sind, obwohl der Toilettenmann nur den Russen vorwirft, sie benähmen sich als Touristen wie Besatzer: früher seien sie mit ihren Panzern gekommen, heute protzten sie lärmig mit ihrem Oligarchen-Geld herum, so klagt er. Die Deutschen hingegen kommen nur mit Wurst und Glühwein, mit ALDI, Kaufland und Lidl, aber in der gesamten Stadt mit ihren 10.000 Einwohnern findet man keine einzige tschechische Metzgerei mit böhmischen Spezialitäten.
Wenn man mit der Bahn zurück fährt, merkt man sofort, wann man wieder in Deutschland ist: kurz hinter der Grenze betritt ein muffliger Deutsche Bahn-Schaffner das Abteil, und der Tonfall, mit dem er das Vorzeigen der BahnCard verlangt, erinnert ein wenig an den des chinesischen Reiseleiters. © Raap/Bär 2014 marienbad45 (640x446)
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bär aktuell nr. 175

November 15th, 2014

Nun zählt Jonathan Meese nicht gerade zu jenen Zeitgenossen, denen Herr Bär zutraut, eine Wagner-Oper zu inszenieren, und Herrn Bärs Befürchtungen wurden fulminant bestätigt, als bekannt wurde, die Bayreuther Festspiel GmbH habe sich von Meese wieder „getrennt“, weil dessen Konzept zu einer „Parsifal“-Inszenierung „nicht finanzierbar“ sei. So bleiben uns denn gottlob Meese`sche Hitlergruß-Mätzchen und andere spätpubertäre Abgedrehtheiten im Bayreuther Festspielhaus erspart. Damit kein falscher Eindruck entsteht: Herr Bär plädiert keineswegs dafür, an der Kultur zu sparen, weder bei Opern-Inszenierungen noch sonst wo, denn er hält gleichzeitig den NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans für einen fürchterlichen Kulturbanausen, weil der nämlich die Verschleuderung von zwei Andy Warhol-Bildern für 150 Mill. Dollar zwecks Sanierung einer landeseigenen Spielbank gutheißt: die Spielbank-Betreiber müssten „unternehmerisch denken“, findet Walter-Borjans in völliger Verkennung der Notwendigkeit, dass Kunstwerke in öffentlichem Besitz museal zu bewahren und nicht schnöde für die Aufstellung neuer Roulette-Tische zu verplempern sind. Solche Politiker würden wohl am liebsten in Athen auch die Akropolis abreißen, um stattdessen dort ein Casino-Hotel im Las Vergas-Stil zu errichten. Oder aus dem Kölner Dom eine Daddel-Halle machen.

Hat sich auch Carsten Maschmeyer verzockt? Denn Hand aufs Herz: Sind die Rechte an den Memoiren von Gerhard Schröder wirklich jene zwei Millionen wert, die Maschmeyer dafür hinblätterte? Wohl kaum, mutmaßt Herr Bär, denn ein literarisches Meisterwerk vom Niveau eines Romans von Thomas Mann ist Schröder (oder seinem Ghostwriter) keineswegs gelungen. Zu den Aspekten eines möglichen kaufmännischen Desasters schreibt der Berliner „Tagesspiegel“: „Langjährige Verlagsexperten erklärten…, es sei ein Ding der Unmöglichkeit, dass Maschmeyer bei einem Aufwand von zwei Millionen Euro seine Kosten wieder eingespielt oder gar Gewinn gemacht haben könnte.“ In Internet-Blogs sind Spekulationen darüber nachzulesen, dass der Nutzen des literarisch wie ökonomisch wohl eher zweifelhaften Memoiren-Projekts womöglich ganz woanders läge: der Finanzdienstleister Maschmeyer habe vielleicht gehörig davon profitiert, dass Schröder seinerzeit mitgeholfen habe, das Vertrauen der Bürger in die gesetzliche Rentenversicherung zu untergraben, so heißt es dort. Was die Lukrativität seiner aus diesem Vertrauensverlust resultierenden Vermarktung der privaten Rentenvorsorge angeht, so ist von Carsten Maschmeyer das geflügelte Wort überliefert, er fühle sich wie auf einer Ölquelle sitzend. Fürwahr eine treffsichere Metapher, da man bei Öl gemeinhin an ein Schmiermittel denkt, und eine unappetitliche Schmierenkomödie ist die ganze Geschichte allemal.

Wenn die Zeitungen schreiben, der Ex-Manager Thomas Middelhoff müsse nach erstinstanzlichem Urteil wegen Untreue und Steuerhinterziehung „genauso lange wie Uli Hoeneß“ in den Knast, nämlich drei Jahre, legt dies die Vermutung nahe, das Hoeneß’sche Strafmaß diene fortan als anschaulicher boulevardjournalistischer Vergleichsmaßstab für alle anderen Gerichtsurteile in Sachen Wirtschafts- oder Steuerkriminalität mit einer Skala von „weniger als Hoeneß“ bis „mehr als Hoeneß“. © Raap/Bär 2014