bär aktuell 166 – bild des monats

Februar 1st, 2014

schid fuer karnevalsumzug 2014

Jürgen Raap, Schild für Karnevalsumzug 2014

Bär aktuell Nr. 166 – 22. Feb. 2014:

Ein transparenter Bürger zu sein erfüllt Herrn Bär mit Grausen, und er ist heilfroh, nicht in Berlin direkt neben den Merkels zu wohnen, müsste er dann doch als Nachbar der Merkels schon mal damit rechnen, im Visier des US-Geheimdienstes zu landen, wenn Frau Merkel ihn anruft, ob er mal eben mit der Klempnerzange vorbei kommen könne, denn bei den Merkels tropfe der Wasserhahn. Ob ein solches Telefonat die „nationale Sicherheit der USA“ (Barack Obama) gefährdet und damit auch eine NSA-Abhöraktion gegenüber Herrn Bär rechtfertigen würde, weil das FBI die Klempnerzange als „gefährliche Waffe“ einstuft, sei dahin gestellt. Auf jeden Fall verkneift sich Herr Bär die Absicht, jemals nach Washington in die Nähe der Obamas zu ziehen, denn wer weiß, was einem dann seitens des FBI blüht, wenn man als hilfsbereiter Nachbar aus lauter Gefälligkeit mit einer Klempnerzange mal eben zu den Obamas rübergeht, weil im Weißen Haus der Wasserhahn tropft.

Herr Bär wünscht sich auch nicht unbedingt, dass seine Steuerakte in einer Zeitungsredaktion landet wie jene des Uli Hoeneß, der es kurz vor Beginn seines Prozesses mit einer Gegenklage wegen Verletzung des Steuergeheimnisses schaffte, taktisch geschickt vom medial bereits abgefeierten Steuersünder in die Rolle des Opfers einer datenschutzrechtlichen Straftat zu schlüpfen.

Was indes der Merkel-Gatte Prof. Joachim Sauer aus lauter Langeweile zu Hause im Internet alles so anklickt und im Versandhandel bestellt (z.B. eine Klempnerzange), während seine Gattin im Kanzleramt Weltpolitik macht, wissen sie bei der NSA indes nicht durch eine technisch aufwändige Abhöraktion, sondern durch die Surf-Protokolle von „Google Analytics“: dort werten Marketingspezialisten aus, wie lange sich Prof. Joachim Sauer das „zweiteilige Klempnerzangenset mit Rohrzange und Wasserpumpenzange“ zu 14,95 Euro angeschaut hat (vermutlich 55 Sekunden), bevor er auf „Jetzt in den Warenkorb“ klickte. Bei der NSA horchten sie auf, wenn Mutti Merkel dann beim Nachbarn anruft, „der Joachim“ hätte die neue Rohrzange sofort verbogen, als er das Tropfen des Wasserhahnes unterbinden wollte, ob denn der Nachbar mal eben rüber kommen könne… jetzt wissen sie in Washington, dass sich zu Hause bei den Merkels im Werkzeugkasten eine verbogene Klempnerzange befindet, und beim FBI sind sie sich nicht so recht schlüssig, ob das immer noch eine „gefährliche Waffe“ ist.

Wenn man den Präsidenten vom ADAC anruft, ob er mal eben mit der Klempnerzange rüberkommen könne, kommt der bestimmt die paar Meter mit dem Rettungshubschrauber angeflogen.                     © Raap/Bär 2014

 

10 Jahre bär aktuell

Januar 8th, 2014

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Bild des Monats Januar 2014:

Jürgen Raap „La Belge perdue“

 

Beachten Sie bitte folgenden Ausstellungshinweis:
„Der Eigelstein – drunter und drüber – Schauplatz Kölner Geschichte 2“ im Kölnischen Stadtmuseum, Zeughausstr. 1-3
Beiträge dazu von Jürgen Raap: Katalogtext „Mythos Eigelstein“ und Leihgabe eines Gemäldes für die Ausstellung.
Laufzeit: 27. April 2014

Der Traum eines jeden Jungen, später einmal Lokomotivführer werden zu wollen, wird für Ronald Pofalla nicht ganz so wahr wiewohl erhofft, denn nach seinem Ausscheiden als Kanzleramtsminister hat es für ihn nur noch zur Berufung als überbezahlte Lobbyisten-Schranze im Vorstand der Deutschen Bahn gereicht, was man bei „Transparency international“ indessen zu Recht als eine höchst ärgerliche Klüngelpolitik verbucht und in Pofallas Klever Wahlkreis selbst unter seinen eigenen CDU-Parteifreunden als „Verrat am Wähler“. Ärgerlich ist der Missbrauch solcher Vorstandsposten für politische Versorgungsfälle allemal, zumal Pofalla keinerlei Fachkenntnisse über das Bahnwesen verfügt und man daher froh sein kann, wenn er in seinem Vorstandsbüro nur mit der Modelleisenbahn spielt und sich ansonsten aus allem heraus hält. Herr Bär hat doch erhebliche Zweifel, ob die Züge demnächst pünktlicher fahren, die Bahnhöfe sauberer und sicherer sind und die Schaffner mit ihrem bislang nur routiniert dahin genuschelten „Noch jemand zugestiegen?“ das Terrain der Deutschen Bahn endlich zu einem Land des Lächelns machen.
Mit schlechtem Beispiel voran gegangen eines als anrüchig anmutenden weil zu schnell vollzogenen Wechsels von der Politik in die Wirtschaft ist übrigens Gazprom-Schröder, aber der liegt jetzt wenigstens nicht den Bahncard 50-Kunden auf der Tasche, die für selbige jetzt 6 Euro mehr bezahlen müssen als vorher, wahrscheinlich, um die Modelleisenbahn für Pofallas Vorstandsbüro zu finanzieren.

Als der frühere Rennfahrer Michael Schumacher im Krankenhaus von Grenoble von den Ärzten ins künstliche Koma versetzt wurde, richteten bereits ein paar allzu voreilige Fans eine Kondolenzseite bei Facebook ein. Wollte sich da im Falle eines Ablebens beim Veröffentlichen von Beileidsbekundungen jemand gar eine Pole Position zu sichern, um der erste beim Kondolieren sein zu können? Dass der sportiv-mediale Rausch der Geschwindigkeit im Internet derlei pervertierte Ausuferungen annimmt, tadelte der Berliner „Tagesspiegel“, der Skiunfall Schumachers werde unzulässigerweise zum „Event“ stilisiert, und der im Koma liegende Sportler erleide dadurch in einer absolut frivolen makabren Weise einen „digitalen Tod“, und das sei doch „mehr als beschämend“. Hätte Herr Bär sich nicht von Anfang an geweigert, bei Facebook einen „Account“ zu eröffnen, hätte er spätestens jetzt selbigen gelöscht, weil sich nunmehr Herrn Bärs Ansicht bestätigt hat, dort werde einfach zu viel Blödsinn in die Welt hinaus getrötet. Wobei in diesem Zusammenhang die Bemerkung des Regierungssprechers, Angela Merkel sei beim Skilanglauf „bei mäßiger Geschwindigkeit“ gestürzt, weniger süffisant wirkte als von ihm vielleicht erhofft, sondern als gewollte Anspielung auf die Tragik von Michael Schumachers Rasanz dann doch wohl eher unpassend.

Als Chronist über die Albernheiten, Verstiegenheiten, Irrungen und Wirrungen seiner Zeitgenossen konnte Herr Bär in den letzten zehn Jahren an dieser Stelle Ausgabe für Ausgabe ein Füllhorn von Beispielen an Pein- und Dämlichkeiten ausschütten, und es bedarf keiner hellseherischen Fähigkeit, um zu prognostizieren, dass auch in den nächsten zehn Jahren sich in Politik, Wirtschaft und Werbung genügend Deppen tummeln, die mit ihren Fehlleistungen diesen Newsletter/Blog „bär aktuell“ füllen werden. So sei zum Auftakt in die nächsten zehn Jahre erwähnt, dass Franz Beckenbauer kürzlich zum „Genießer des Jahres“ ausgerufen wurde und Günter Netzer in seiner Laudatio ausgerechnet daran erinnerte, dass Beckenbauer vor 30 Jahren mal Werbung für Tütensuppen machte. © Raap/Bär 2014

baer aktuell 163/164 – bild des monats

Dezember 4th, 2013

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Bild des Monats Dezember 2013:

Jürgen Raap – „La Päd, la Fott, la Finster“, 2013

Dass Franz Beckenbauer gelegentlich Unsinn verbreitet, ist allgemein bekannt. Eine gründliche intellektuelle Fehlleistung bot „Kaiser Franz“ erneut, als man ihn kürzlich in seiner Eigenschaft als Fußball-Funktionär (er war bekanntlich bis 2011 Mitglied im FIFA-Exekutivausschuss) darüber befragte, was er denn davon hielte, dass die asiatischen Bauarbeiter, die derzeit die Fußballstadien für die künftige WM in Katar errichteten, dort wie Arbeitssklaven behandelt würden. Beckenbauer antwortete so dumm wie dreist, er habe auf den Baustellen von Katar keine Sklaven gesehen: „Die laufen da alle frei rum“.

 In Koblenz wirkt ein Figaro namens „Tigi Haircare“, was an sich schon albern genug ist. Zu allem Überfluss hat der Haarkünstler Tigi sich aber auch noch ein in vornehmem Schwarz gehaltenes Designer-Schaufenster zugelegt, in dem zur Weihnachtszeit drei protzige Sterne prangen, als ob Tigi der Drei-Sterne-Friseur unter Koblenzens Barbieren wäre. In einem nahen Kaffeehaus sorgt ein junger Mann für kurzweiliges Klavierspiel, und zwischendurch verteilt er an den umliegenden Tischen Visitenkarten, in denen er sich als „Tasten-Shakespeare“ anpreist. Hm, hm, „Tasten-Mozart“ ginge ja noch, oder „Tasten-Wagner“, aber „Tasten-Shakespeare“? Was um Himmels willen hat der britische Theaterdichter mit kaffeehauskompatiblem Klavierspiel zu tun? Aber in einer Stadt, in der einer, der wahrscheinlich „Schmitz“ heißt, auf die Idee kommt, sich verniedlichend „Tigi“ zu nennen und sein berufliches Betätigungsfeld der Haarkümmerei als „Haircare“ zu anglizisieren (was Herrn Bär ahnen lässt, dass in England kein einziger Friseur seinen Laden „Hairecare“ nennen würde), verkraftet man wohl auch einen leidlich begabten Pianisten, der Shakespeare zu seinem großen musikalischen Vorbild erkoren hat.

Bärs Limonadenkritik Wenn man nicht nur die aromatisch-haptischen Eigenschaften eines klebrigen und nur mäßig prickelnden Gebräus, sondern auch noch die verstiegenen Einfälle der Werbedeppen als Maßstab zu einer kulinarischen Limonadenkritik nimmt, dann bestätigen sich alle Vorbehalte gegenüber der Werbeindustrie und gegenüber Limonaden in knatsch-süßen Geschmacksrichtungen. Als absolut dämliche Werbekampagne entpuppte sich der Einfall, in Köln-Ehrenfeld vor den Eingängen der „Balloni-Hallen“ und vor dem in tonaler Hinsicht ohnehin eher fragwürdigen „Club Bahnhof Ehrenfeld“ eine Art Anhänger mit überdimensionalem Ghettoblaster aufzustellen, um solchermaßen mit dem akustischen Terror eines zwei Häuserblocks weit zu hörenden monotonen Gewummeres den Konsum von „Red Bull“ anzuheizen. Herr Bär wünschte sich, sie hätten stattdessen lieber den Koblenzer „Tasten-Shakespeare“ einen flotten Werbe-Jingle aufspielen lassen: „Heute bleibt es draußen still, weil jeder nur noch Red Bull will“. Doch da dies nicht geschah, sehnte sich Herr Bär an die Fünf-Pfennig-Tütchen mit „Ahoi“-Brause zurück, die es damals am Limonadenbüdchen zu kaufen gab und die für ihn mit ihrem Prickeln bis heute der Inbegriff von Limonade überhaupt sind. © Raap/Bär 2013

 

Beachten Sie bitte folgenden Veranstaltungshinweis:

Donnerstag, 12. Dezember 2013, 19 Uhr:
Vernissage zur Ausstellung „Der Eigelstein – drunter und drüber – Schauplatz Kölner Geschichte 2“ im Kölnischen Stadtmuseum, Zeughausstr. 1-3

Beiträge dazu von Jürgen Raap: Katalogtext „Mythos Eigelstein“ und Leihgabe eines Gemäldes für die Ausstellung.

Laufzeit: 13. Dezember 2013 bis 27. April 2014.

Deppen-Ranking 2013 Den Vogel ab schoss in diesem Jahr der schusselige Steinbrück-Erpresser aus Bonn: über die verbale Großkotzigkeit von Peer Steinbrück waren viele andere ja auch verärgert, aber keiner sonst schrieb dann einen Erpresserbrief, den er eigentlich gar nicht abschicken wollte, schließlich jedoch versehentlich in den Briefkasten warf. Das ist an krimineller Dämlichkeit kaum zu toppen, daher heißt es unserem Jahresrückblick: Platz 1. Den zweiten Platz nimmt der Peersager (Kabarettistenspott) selbst ein, weil er ausgerechnet eine Woche vor der Wahl gegen den eindringlichen Rat seines Pressesprechers und auch sonst wider allen besseren Wissens ein Foto veröffentlichen ließ, auf dem er seinen Kritikern den Stinkefinger zeigte, wodurch er spätestens dann alle Zweifel an seiner Tauglichkeit zum Staatsmann fulminant bestätigte, und selbst sein Parteifreund, der Kölner OB Jürgen Roters, bekundete dann gegenüber dem „Express“, als er das Stinkefinger-Foto gesehen habe, hätte er das Gefühl gehabt, Steinbrück habe seine Kandidatur innerlich längst aufgegeben.

Wo jetzt Westerwelle, Brüderle und Rösler als prominente liberale Witzfiguren ausfallen und nur noch unter „Leute von gestern“ rangieren, springt der Kölner FDP-Ratsherr Ralph Sterck mit seinen Mätzchen munter in die Bresche: Im Pullman-Hotel fotografierte er die Pissoirs auf der Herrentoilette und stellte das Foto bei „Facebook“ ein, weil man beim Pinkeln durch eine Glaswand auf den Kölner Dom schauen kann, und wenn der FDP-Mann mal nicht eine Pinkelecke in der Kölner Nobel-Hotellerie fotografiert, sondern richtige Politik macht, dann beschwert er sich als Inhaber des Speditionsunternehmens „Kölner Flitzer“ über das Installieren neuer Radarkontrollen: Keine Blitzer für den Flitzer, freie Fahrt für freie Bürger, oder was? Für derlei platte Lobby- und Klientelarbeit in eigener Sache ist Platz 3 reserviert.

Hätte Ralph Sterck mehr Kohle und wäre er weniger skrupellos, dann hätte er ja die Mövenpick-Nummer abziehen können, so wie auch die BMW-Oberen in ähnlicher Weise den fatalen Eindruck erweckten, ihre Parteispende an die CDU sei korruptionsverdächtig gewesen, weil die zeitliche Nähe zur Korrektur des CO2-Gesetzes doch ein wenig mehr zum Himmel stinkt als die Klowürfel in dem Pinkelbecken, das Ralph Sterck fotografiert hat. Platz 4 für BMW wegen des Imageschadens, und Platz 5 aus dem gleichen Grund für die abhörskandalgebeutelten USA.

Für Barack Obama, der kein Knacken in der Leitung gehört haben will, als er mit Angela Merkel telefonierte, ist Platz 6 reserviert, weil angesichts der Eigendynamik der Geheimdienste auf ihn der kölsche Gassenhauer passt: „Nä, nä, dat wisse mer mit mieh, janz bestimmp nit mieh…“ Wobei nicht unerwähnt bleiben soll, dass man gewisse Tendenzen zum totalkontrollitären Cyberfaschismus auch Google und Fcebook mit ihrer Datensammelwut vorwerfen kann, und nicht nur den Schlapphüten von der NSA. Herr Bär würde gerne wissen: Hat diese obskure NSA in ihrem grenzenlosen Allmachtsgebaren eigentlich auch das Handy von Obama angezapft? Aber die Antwort lautet wahrscheinlich: das ist geheim! Der BND würde ja vielleicht als trotzige Retourkutsche auch mal ganz gerne das Weiße Haus anzapfen, aber dazu fehlt denen angesichts der Sparwut der Politiker wahrscheinlich die nötige moderne Abhörtechnik… sicherlich haben sie in der BND-Zentrale noch altmodische Telefone mit Wählscheibe und Voranmeldung des Gesprächs beim „Fräulein von Amt“. Wenn sie in Köln schon jahrzehntelang nichts in die Instandhaltung der jetzt reichlich maroden Rheinbrücken investiert haben, kann man doch nicht erwarten, dass in Washington einer unserer wackeren BND-Agenten mit einem hochmodernen teuren Richtmikrofon auf der Wiese vor dem Weißen Haus auf der Lauer liegt.

Wenn schon ein Geständnis ablegen, dann aber richtig: das muss man mal dem Wurstfabrikanten Uli Hoeneß ins Stammbuch schreiben, der fälschlicherweise glaubte, er käme mit einer Selbstanzeige milde davon, wenn er nur einen Teil seiner Steuerhinterziehungen offenbare und den Rest verschweige. Jetzt braucht Hoeneß auf Platz 7 für den Spott nicht zu sorgen.

 

Wodurch lenkt man gekonnt von den Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche ab? Am besten durch einen deftigen Bauskandal. Das dachte sich offenbar der „Protz-Bischof“ von Limburg, Franz-Peter Tebartz-van Elst, der unbedingt beweisen wollte, dass auch er beim Bau seiner neuen Residenz eine satte Kostenexplosion hinkriegt: Platz 8. Dicht gefolgt von Boris Becker auf Platz 9, der sich nicht zu schade war, im TV in der Game-Show von Oliver Pocher als tapsiger Trottel zur Volksbelustigung beizutragen, was seine Fans als endgültigen Abstieg vom einstigen Bum-Bum-Becker-Tennisstar zum tragisch-komischen Sturmgeschütz medialer Vollidiotie bewerteten.

Mit Platz 10 belohnt wird jener Passant, der bei seinem Köln-Besuch den Bundespräsidenten Joachim Gauck mit den Worten begrüßte: „Tach, Herr Jauch, ich habe gestern Ihre Talk-Show im Fernsehen gesehen“. Solch eine gelungene Verwechslung muss man erst mal hinkriegen… © Raap/Bär 2013

 Frohe Weihnacht überall

bald ist wieder Karneval!

 

 

 

bär aktuell 161/162 – bild des monats

November 8th, 2013

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Bild des Monats November 2013

Herr Bär, Sie haben eine neue Euro-Münze entworfen?“

Bär: „Jojo, eijentlich sollte da Europa op däm Stier reitend zu sehen sein. Ävver dann han ich mir jedaach, leever die Bürokratie in Europa darzustellen un han en Sekretärin jemalt, die unsinnige EU-Verordnungen en dä Laptopp tippt.“

Und das Sparschwein da unten rechts?“

Bär: „Dat is för dä Bischof vun Limburg. Da kann dä singe Kirchensteuereinnahmen erein tun“.

Jürgen Raap/Karl-Josef Bär, „Modernes Totem“, 2013

 

Was macht eigentlich ein Gerichtsvollzieher, wenn er es nicht schafft, einen Brief zuzustellen? Der Empfänger wird ganz einfach irrtümlich für tot erklärt, wie es jüngst Lothar Matthäus widerfuhr. Ein Brief mit Unterhaltungsforderungen seiner Ex-Frau Liliana ging wieder ans Amtsgericht München zurück, weil dort niemand die Adresse von Lothar Matthäus kannte, und um sich offenbar weitere anstrengende Nachforschungen nach dem Verbleib des Fußballtrainers zu ersparen, machte man es sich recht einfach und stempelte ungerührt den Vermerk „Empfänger verstorben“ in die Akte. Lothar Matthäus rief daraufhin sämtliche Boulevardzeitungen an, er empfinde das als „eine Frechheit“ und tobte, er lebe doch noch; denn er selber habe noch Gegenforderungen an seine Ex, und die könnte er nicht eintreiben, wenn er als tot gelte. Aufmerksam studierte Herr Bär das Matthäus-Foto in der Zeitung: Sah der nicht tatsächlich ein bisschen bleich aus? Aber das liegt wahrscheinlich an der Jahreszeit… In diesem Zusammenhang sei ein geflügeltes Wort des bayerischen Ministerpräsidenten Vollhorst Seehofer zitiert: „Manche Minister muss ich schon am Montagmorgen anrufen und sagen, es reicht jetzt. Für diese Woche. Und bei anderen muss ich am Wochenende anrufen und nachfragen, ob sie noch am Leben sind“. Womit wir die morbide Thematik zum Trauermonat November aber jetzt getrost abhaken können…


 

bild des monats oktober 2013 und baer aktuell nr.160/161

Oktober 1st, 2013

Tollhaus Bischofssitz Als Franz-Peter Tebartz-van Elst im zarten Alter von 48 Jahren den Limburger Bischofsstuhl erklimmen durfte, hieß es, die römische Kurie habe sich diesmal keinen alten Sack, sondern einen jungen, dynamischen Bischof gewünscht, der ein wenig Glamour verbreite und somit dem damaligen Papst eine entsprechende Ernennung eingeflüstert. Man erhoffte sich sozusagen eine Art „Guttenberg-Effekt“, wie in „Spiegelonline“ nachzulesen ist. Bekanntlich kehrte sich mit der Plagiatsaffaire der „Guttenberg-Effekt“ für den agilen Freiherrn ins Gegenteil, und ähnliches widerfuhr nun der römischen Kurie mit ihrem „Luxus-Bischof“, dessen Finanzgebaren der Vermögensaufseher Riebel gar mit dem der Mafia von Palermo verglich und das bei Gemütern mit säkularer Gesinnung Zweifel darüber aufkommen lässt, ob das Eintreiben der Kirchensteuer durch staatliche Finanzämter eigentlich noch akzeptabel ist. Man könnte auch von einem „Hoeneß“-Effekt sprechen, denn als der Wurstfabrikant Uli Hoeneß seine Steuersünden beichten musste, bat er öffentlich um Absolution, er sei doch kein „schlechter Mensch“, und der ertappte Skandal-Bischof stieß ins gleiche taktische Horn: „Niemand soll den Stab über mich brechen“.

Während Tebartz-van Elst weltweit für Schlagzeilen sorgte und sogar die amerikanische Boulevardpresse ihn als „The Bling Bishop“ apostrophierte, stand Jakob Augstein mit seiner Meinung ziemlich allein da, der irrlichternde Limburger Oberhirte sei „kein Protz-Bischof“, sondern ein „Mann mit Geschmack“, wiewohl andere ihn wegen seiner weihrauchgetränkten Messen eher für einen Kitschbruder halten. Aber Jakob Augstein hat schon in anderen Essays die intellektuelle und sprachliche Brillanz seines Vaters Rudolf schmerzlich vermissen lassen.

Derweil nahm die BILD-Zeitung den Lebensstil seiner Amtsbrüder gründlich unter die Lupe: „So reich ist die Kirche: Deutsche Bischöfe im großen Check – was sie verdienen, wie sie wohnen, ihre Autos!“ Da staunte Herr Bär, als der Bischof von Fulda sich lauthals über die Weiträumigkeit seiner Residenz beklagte, denn wenn ihm im Schlafzimmer einfiele, dass er im Wohnzimmer etwas vergessen habe, müsse er 50 Meter zurück laufen.

Herr Bär weiß nicht so recht, ob erst der Rummel in der Boulevardpresse den Limburger Kirchenskandal zur Posse machte, seit der „Protz-Bischof“ – diesmal im Billig-Flieger – heimlich nach Rom reiste und mit dieser Inkognito-Reise die ihm auflauernden Paparazzi narrte. Die BILD-Zeitung protokollierte jedenfalls akribisch, wie Tebartz-van Elst in Rom mit seinem Warten auf eine Papst-Audienz einen „Nervenkrieg im Vatikan“ auslöste („Erst flossen die Millionen, dann die Tränen“), und was er in seiner Unterkunft, einem Pilgerheim, zum Frühstück bekommt, nämlich nur „Brötchen mit Wurst und Marmelade“. „Um 16.21 Uhr plötzlich Aufregung, als an einem Fenster die Holzläden aufklappen. Will Tebartz-van Elst eine Erklärung abgeben? Schnell ist klar: Jemand erlaubt sich einen Scherz, führt am Fenster ein Kasperletheater mit zwei Handpuppen auf…“ Spätestens jetzt strebt die Angelegenheit einem Schwank zu, wie ihn sich kein Autor für Komödien im Bauerntheater besser hätte ausdenken können.

Vom moralischen Elend des politischen Lobbyismus und der Parteispenden sollte an dieser Stelle aber auch mal die Rede sein. Über das Medieninteresse an den Eskapaden des Bischofs ging nämlich unterdessen die Meldung ziemlich unter, dass nach einer BMW-Großspende an die CDU in Höhe von 690.000 Euro die Anti-Korruptionsinitiative „Transparency International“ den Bundespräsidenten aufgefordert hat, eine Kommission zur Regelung der Parteienfinanzierung einzuberufen. Der Parteichef der Linken, Bernd Riexinger, hält den Zeitpunkt der Spende für ziemlich fatal und hegte gegenüber der „Passauer Neuen Presse“ den Verdacht, „hier wurde nicht einfach eine Partei gekauft, sondern ein Gesetz. Der Verdacht der Bestechung steht im Raum…“ Vielleicht bedienen sich die gescholtenen BMW-Oberen jetzt auch einer ähnlichen Taktik und bekunden wahlweise, „keine schlechten Menschen“ (Hoeneß) zu sein, oder man solle „den Stab“ nicht über sie „brechen“ (Tebartz-van Elst).

© Raap/Bär 2013

 

Hat Boris Becker seine Memoiren eigentlich selber geschrieben oder sind seinem Ghostwriter die Gäule durchgegangen? Das in literarischer Hinsicht eher fragwürdige Becker-Epos heißt „Das Leben ist kein Spiel“ und informiert die Leser u.a. darüber, dass seine Ex-Verlobte Allessandra Meyer-Wölden, genannt „Sandy“, zu Hause zu selten gekocht habe und stattdessen immer nur selber im Rampenlicht stehen wollte: „Heute bleibt die Küche kalt, wir gehen in den Wienerwald“. Wo mithin im Hause Becker Schmalhans Küchenmeister war, konnte die Verlobung nur ganze 83 Tage halten. „Sandy“ heiratete kurze Zeit später den Komiker Oliver Pocher, doch inzwischen gehen auch die Eheleute Oliver und Allessandra Pocher wieder getrennte Wege, was den Spekulationen über „Sandys“ Kochkünste neue Nahrung gibt, zumal Becker-Gattin Lilly sich früher schon mal bei Oliver Pocher erkundigt haben soll, wie es denn sei, wenn er zu Hause immer nur Reste essen müsste. So gut genährt wie Sigmar Gabriel sieht Oliver Pocher tatsächlich nicht aus, und womöglich ist sogar Mysteriöses im Spiel, denn das Internet-Portal „Intouch online“ fragte schaudernd: „Gibt es einen ‚Boris Becker-Fluch‘?“ Grammatisch und stilistisch etwas holprig formuliert heißt es dort weiter: „Was hat dieser Mann nur, dass alle seine Exfreundinnen nach ihm nicht mehr glücklich werden können“? Denn auch über Boris Beckers derzeitige Ehefrau Lilly weiß die „Neue Post“ zu berichten: „Alkohol! Ausraster! Abstürze! Ist seine 2. Ehe endgültig am Ende?“ Immerhin soll Lilly ihrem Boris schon mal ein Glas Wodka ins Gesicht geschüttet haben. Wahrscheinlich kriegt Boris Becker bei Lilly zu Hause außer verschüttetem Wodka auch nichts nichts Vernünftiges zu essen, obwohl er sich laut „Short News“ schon mal von Oliver Pocher verhöhnen lassen musste, er sei eine „aufgedunsene Kackwurst“. Immerhin trifft der eben erwähnte „Boris Becker-Fluch“ auch ihn höchstselbst.
Wenn Prominente die Debakel in ihrem Privatleben zu Markte tragen, scheint der alte Sinnspruch „Der Kavalier genießt und schweigt“ keine Gültigkeit mehr zu haben. Ist der Ruf erst ruiniert, lebt sich’s völlig ungeniert. Weniger prominente Becker-Nacheiferer gibt es ja in den sozialen Medien „Twitter“ und „Facebook“ beileibe genug, die dort jeden, aber auch wirklich jeden ihrer Fürze virtuell verbreiten in der Hoffnung, der Geruch werde hoffentlich mit einem „Gefällt mir“-Klick kommentiert. Da mag man glatt Mitleid mit den Auswertern beim amerikanischen Geheimdienst NSA haben, wenn sie tagtäglich all den Stuss lesen müssen, der da via E-Mail, Twitter, in Blogs und Chat-Rooms oder sonst wie in den Orkus gepostet wird. Wenn es heißt, im Internetzeitalter gäbe es keine Privatsphäre mehr, mag man sich schon grausen, man müsse fortan so leben wie Boris Becker, und dieses Leben werde dann auch noch permanent von jemandem wie Oliver Pocher öffentlich mit blöden Sprüchen kommentiert, so wie er etwa über „Sandy“ schon vor der Eheschließung das höchst uncharmante Urteil gefällt haben soll, sie sei zu jung zu sterben und zu alt für Lothar Matthäus. Der macht immerhin zu Hause das Frühstück selber und trat schon mal im TV in einer Celebrity Soap mit der Nummer auf, wie ihm beim Frühstückmachen die Zubereitung eines Rühreis missglückte, was Lothar Matthäus selbst vor noch laufender Kamera alsdann mit der sprachlich ebenfalls missglückten Selbsteinschätzung kommentierte: „Ich kann Rühreier viel besser als ich es Euch gezeigt habe“.
Bis es bei den Koalitionsverhandlungen in Berlin etwas Neues gibt, dürfen also Becker und Pocher in den Medien die Pausenclowns spielen. Peinlicher als die beiden ist eigentlich nur noch Silvio Berlusconi.

Witz des Monats Was ist der Unterschied zwischen einem Smart und der FDP? – Der Smart hat zwei Sitze.

Friseure gelten als ein Berufsstand, der dazu neigt, sich überkandidelt zu gebärden und sich alberne Ladenbezeichnungen wie „Vorhair Nachhair“, „Haart am Limit“ oder „Hairport“ zulegen. Da ist Herr Bär gerade zu dankbar, wenn einer über seiner Tür das Schild hängen hat: „Haare schneiden – und sonst nix“.

©Raap/Bär 2013

Bild des Monats Oktober 2013:
„Herr Bär, wieso läuft der Elch so schnell davon?“
Bär: „Dä will noch dä Zoch kriege.“
„Aber der Zug ist doch längst abgefahren.“
„Bär: Jojo. Ävver dat hätt dä Elch noch nit jemerkt.“
„Und genau diesen Moment haben Sie im Bild festgehalten?“
Bär: „Jojo. Gotthold Ephraim Lessing hätt jo en singem berühmten „Laokoon“-Aufsatz jeschrieben, man soll als Künstler immer jenen fruchtbaren Moment auswählen, mit dem man in einem einzigen Bild die fortlaufende Handlung einer ganzen Geschichte erzählen kann. Der Bildbetrachter weiß bei diesem hier festgehaltenen Augenblick genau: Gleich merkt dä Elch, dat dä Zoch schon fott is un säht: Su ne Driss!“

Karl-Josef Bär/Jürgen Raap, „Bootspartie“, 2013OLYMPUS DIGITAL CAMERA

bild des monats september 2013

September 10th, 2013

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Herr Bär, Sie haben einen Pappelhain in St. Jean de Luz gemalt?“

Bär: „Jo jo. Wie mer süht, findet do grad ne Maskenball statt.“

Ein Maskenball? Aber da hat sich auf dem Bild ja nur ein einziger kostümiert!“

Bär: Jojo. St. Jean de Luz gilt ja als das Paderborn in Südwestfrankreich. In Paderborn gehen auch viele unkostümiert zu einem Maskenball. Die han et da nit esu mit der Freude an der Verkleidung“.

Karl-Josef Bär/Jürgen Raap, „Pilgerfahrt nach St. Jean de Luz (Maskenball in Paderborn)“, 2013

 

bär aktuell nr. 159 – 3. Sept. 2013

September 2nd, 2013

Bär polyglott – unterwegs mit Herrn Bär Bamberg rühmt sich in seiner Tourismuswerbung, den weltweit höchste Pro-Kopf-verbrauch an Bier und die höchste Brauereidichte in Relation zur Bevölkerung von 70.000 Einwohnern zu haben. Da wirkt es ein wenig weltfremd, wenn der örtliche Bundestagskandidat der Piratenpartei ausgerechnet dort die Einrichtung eines „Hanfgartens für Erwachsene“ als einzigen Punkt im Wahlkampfprogramm des Ortsvereins seiner Partei verkündet. Die Bamberger Erwachsenen sitzen nämlich lieber im Biergarten. Und für die Alternative eines „Hanfgartens“ interessiert man sich dort in den lauschigen Biergärten nicht wirklich. Das lokale Musikgeschehen bereichert eine Band namens „Die zwangsversteigerten Doppelhaushälften“, und das „Kaufhaus Schrill“ lockt Kunden mit dem Hinweis: „Bei uns würde Helmut Schmidt auch rauchen“. Im Schaufenster sind Dirndlkleider zu sehen, wie man sie im Rheinland allenfalls als Karnevalskostüme anziehen würde, und dazwischen prangen Fotos mit der grünen Stil-Ikone Claudia Roth bei der Anprobe solch grellfarbener „Dirndlmania“-Kostüme im Kaufhaus Schrill, und Herr Bär stellte sich vor, wie sich Claudia Roth anschließend solchermaßen kostümiert in den „Hanfgarten für Erwachsene“ der Piratenpartei verirrt haben könnte.

Nie wirkte Guido Westerwelle lächerlicher als er vor die TV-Kamera trat und mit einer Stimme, die schneidig klingen sollte, in den Äther hinausposaunte, der Giftgasangriff in Syrien werde „Konsequenzen“ haben. Den schnarrenden Herrenreitertonfall von Kaiser Wilhelm II. („Pardon wird nicht gegeben! Gefangene werden nicht gemacht!“) hat Westerwelle dabei nämlich einfach nicht richtig hingekriegt. Mutti Merkel hat ihm dann wohl den Hintern versohlt und schickte ihn zwei Tage später erneut vor die Mikrofone der Weltpresse, wo Westerwelle dann deutlich weniger um Schneidigkeit bemüht und sogar erstaunlich kleinlaut erklärte, eine „deutsche Beteiligung“ an einem möglichen Militärangriff gegen Syrien sei „nicht nachgefragt“ worden und werde „auch nicht in Erwägung“ gezogen. Da Kriegsgründe gemeinhin auf Propagandalügen beruhen und man heute zu wissen glaubt, die Nachrichtendienste hätten den damaligen US-Präsidenten George Bush belogen, als sie ihm einen höchst fadenscheinigen Kriegsgrund mit der Behauptung lieferten, Saddam Hussein verfüge über Massenvernichtungswaffen (die bis heute nie gefunden wurden), muss man in höchstem Maße skeptisch sein bei den Schuldzuweisungen, die nun über den Chemiewaffeneinsatz in Syrien durch die Medien geistern. Gewiss ist der Syrer Baschar al Assad ein nicht minder unappetitlicher Diktator als es Saddam Hussein im Irak und Muammar al Ghaddafi in Lybien waren, aber eines Tages wird man vielleicht erkennen, dass die eigentliche historische Leistung von Gazprom-Schröder als Bundeskanzler nicht die Verabschiedung der unsozialen „Agenda 2010“ mit ihren fatalen Hartz IV-Gesetzen war, sondern jene, sich nicht von Bush und Co. in den Irak-Krieg hineinziehen zu lassen, der dem ausgeplünderten Land auch zehn Jahre nach seinem Ende noch keinen Frieden und keine politische Stabilität beschert hat.

Bürger beobachten Peer Steinbrück Einen erneut fulminanten Fehlgriff in die Metaphern-Kiste leistete sich Pannen-Peer mit der Behauptung, wenn er Kanzler werden würde, dann ginge es in der Politik „rockiger“ zu. Peer Steinbrück als der Keith Richards der SPD? Alles andere kann man sich vorstellen. Sogar Claudia Roth in einem knallbunten Dirndlkleid aus dem Bamberger „Kaufhaus Schrill“ in einem „Hanfgarten für Erwachsene“ der Piratenpartei, aber ausgerechnet Steinbrück als Rock ’n Roller? Da versagt allerdings jegliche Phantasie.

Warum man ausgerechnet nachts joggen muss kann Herrn Bär niemand schlüssig erklären. Jedenfalls wurde ein nächtlich beleuchteter Joggingpfad rund um den Kölner Adenauer-Weiher abgelehnt mit der Begründung, dort lebe die nachtaktive Waldohreule, die durch die schnaufenden Jogger gestört werden könnte. Jetzt will die Linkspartei einen solchen Leuchtpfad für Jogger am Rheinufer anlegen lassen. Solange es dort noch keinen „Hanfgarten für Erwachsene“ gibt, deren nachaktive Gäste sich beim beschaulichen Wasserpfeifengenuss durch die hektisch vorbeistampfenden Jogger gestört fühlen könnten, dürfte das kein Problem sein. Dass sie ausgerechnet bei der Linkspartei so sportbewusst sind, wundert Herrn Bär nicht. Schließlich stammt von Walter Ulbricht der schöne Ausspruch: „Jedermann an jedem Ort, einmal in der Woche Sport“. Das wird offensichtlich bei der Kölner Linkspartei heute noch beherzigt.
© Raap/Bär 2013

bär aktuell nr. 158

August 17th, 2013

Gut gegeben Sehr souverän reagierte der famose Franz Beckenbauer auf die Frage, ob er zu Hause einen W-LAN-Anschluss hätte. Antwort Beckenbauer: „Wieso W-LAN? Ich habe doch meine Frau!“
Eine Antwort, die man in dieser Form eigentlich eher von Lothar Matthäus erwartet hätte.

Bärs Bestatterkritik Zu den beliebtesten Bestatter-Witzen, die man sich derzeit im Kölner Totengräbergewerbe erzählt, gehört jener, man habe in der Friedhofsgastronomie das „Herren-Gedeck“ (1 Kölsch und 1 Korn) um ein „Melaten-Gedeck“ erweitert: 1 Kölsch und 1 Kuckelkorn. Pointenerklärung für Imis: Melaten ist der Zentralfriedhof in Köln. Wenn der Kölner charmant sein will, dann bezeichnet er stark ergraute Haare als „melaten-blond“. Der Bestatter Christoph Kuckelkorn ist in Personalunion auch künstlerischer Leiter des Kölner Rosenmontagszuges und damit der lebende Beweis für die These des Bonner Kunsthistorikers Prof. Heinrich Lützeler, dass man es im Rheinland verstehe, „das Erhabene ein wenig dem Erheiternden anzunähern“. Darum bemüht sich ebenfalls der Konkurrent Pütz-Roth, der in seinem Bestattungsunternehmen am 26. September 2013 eine „kölsch-bergische Revue“ mit Heinz Monheim unter dem vielversprechenden Titel „Et hätt noch immer jot jejange“ zelebriert, was in diesem Kontext gewiss tröstlich klingt, egal, welchen Jenseitsvorstellungen man individuell anhängt. Über das Bestattungshaus Ahlbach in Köln-Bickendorf weiß unterdessen ein Internet-Nutzer namens „hyperactiveman“ zu berichten, es gäbe dort im Schaufenster immer „Sarg Specials“ für „Lokalpatrioten und Designliebhaber“ zu bestaunen. Aber das alles reicht nicht an die Umtriebigkeit von Christoph Kuckelkorn heran, der es auch sonst versteht, einem gemeinhin auf Pietät und Takt basierenden Gewerbe via Boulevardpresse manchmal sogar einen Hauch Seifenoper zu verleihen.

Die Deppen der Wahlkampfgestaltung werden nicht müde, ihr Publikum zu veralbern mit gründlich geschönten Politikerporträts. Mutti Merkel haben sie auf den Plakaten jählings um 20 Jahre verjüngt, und jetzt sieht sie so aus wie früher Marika Rökk in der „Homorcenta“-Werbung. Nur Merkels Prinz Eisenherz-Frisur will dazu nicht so recht passen. Auch Guido Westerwelle wirkt auf den Plakaten so, als ob er sich weigern würde, endlich erwachsen zu werden, und beim Antlitz von Rainer Brüderle glaubt man, im Gentech-Labor sei ein Kreuzungsversuch mit einem Meerschweinchen gründlich in die Hose gegangen. Dafür haben sie den jugendlichen Gesundheitsminister Daniel Bahr so zurecht geknautscht, als ob er jahrelang Medikamentenmissbrauch betrieben hätte. Die Grünen hingegen haben im Wahlbezirk Köln-Weidenpesch als Spitzenkandidatin eine Frau namens Katharina Dröge aufgestellt, bei ihrem Porträt kosmetisch allerdings wohl nicht allzuviel verändert, mit dem Ergebnis, dass beim Anblick dieses Wahlplakats niemand die Formel „Nomen est omen“ in Abrede stellen mag.
Der Schlagersänger Costa Cordalis indes rückte nicht nur seinem Porträt computergrafisch zu Leibe, sondern auch seinem realem Gesicht, indem er sich in selbiges zwecks Auffrischung nämlich Körperzellen aus seinem Gesäß spritzen ließ. Als sich dadurch der erwünschte Verschönerungseffekt jedoch nicht einstellte, fasste die BILD-Zeitung die ganze Geschichte in dem Satz zusammen: „Costa Cordalis: erst Arsch im Gesicht, dann Gesicht im Arsch“. Das wiederum trifft auch auf die computergrafische Gestaltung mancher Porträts auf Wahlkampfplakaten zu.

Als Herr Bär jüngst sein Fahrrad reparieren ließ, belehrte dort der Mechanikermeister seinen Lehrjungen: „Wenn du nicht weißt, was du tust, dann lass es lieber bleiben“. Das sollte man auch manchen Politikern und ihren Wahlkampfgestaltern ins Stammbuch schreiben. Als die Grünen nämlich im Wahlkampf forderten, in Kantinen künftig einen vegetarischen „Gründonnerstag“ zu institutionalisieren, haben sie wohl nicht daran gedacht, dass auch der Vegetarier Adolf Hitler in den 1930er Jahren schon einmal staatlich verordnete Eintopfsonntage durchsetzte, dass aber auch völlig unabhängig davon bei manchen Zeitgenossen ein autoritär von oben verordneter „Veggie-Day“ einen äusserst faden Beigeschmack haben könnte, so wie manches andere, was mit typisch deutscher Verordnungs- und Regulierungswut durchgesetzt wird: ein Leserbriefschreiber bekundete jedenfalls im „Kölner Stadtanzeiger“ trotzig, aus Protest gegen den moralisierenden Rigorismus der Grünen habe er sich zu „Lommi“, d.h. in die Traditionsgaststätte „Lommerzheim“, begeben, um dort mit Hochgenuss ein extra dickes schön paniertes Schweinekotelett zu verzehren. Gewiss ist die Gaststätte „Lommertzheim“ ein Ort, an dem man sich vor den Zumutungen der Grünen sicher fühlen kann, denn völlig abwegig wäre die Vorstellung, ausgerechnet hier könne Katharina Dröge mit dem Gründonnerstags-Programm ein Direktmandat erringen.

© Raap/Bär 2013

bild des monats august 2013

August 2nd, 2013

„Herr Bär, der Platz auf Ihrem Bild ist ja völlig mit Grünzeug zugewuchert!“
Bär: „Jo jo, do müsste ens einer met dä Heckenschere ran. Ävver dafür is dat Grünflächenamt zuständig. Ich han dat nur jemalt“.
„Kann man also behaupten, in diesem Bild seien Naturwahrheit und Kunstwahrheit identisch?“
Bär: „Zur Zeit noch ja. Ävver wenn dat Grünflächenamt dat Grün wat zurecht geschnitten hat, ändere ich nix mehr an däm Bild…“

Karl-Josef Bär/Jürgen Raap, „Der Wassermann“, 2013
baer/raap "der wassermann" 2013

baer aktuell nr. 157 und bild des monats juli 2013

Juli 10th, 2013

Wenn der Künstlerdarsteller Jonathan Meese auf der Performance-Bühne den Hitlergruß entbietet und zugleich verbal die „Diktatur der Kunst“ einfordert, dann fragt sich Herr Bär, ob Meese den kindsköpfischen Autisten nur mimt und sein Publikum gründlich verarscht, oder ob er bei seiner offenkundigen Koketterie mit dem Nazitum tatsächlich intellektuell überfordert ist. Dass man bei Meeses ausgestrecktem Arm und seiner albernen Vokabel von der „Diktatur der Kunst“ sofort daran denkt, dass der gescheiterte Postkartenmaler Adolf Hitler in die Politik ging und zum Diktator wurde, und dass man Meese daher durchaus eine Affirmation zu der historisch übelsten Erscheinungsform einer Diktatur unterstellen kann, scheint ihm nicht in seinen Kindskopf zu kommen. Oder es ist ihm einfach egal. Im Vergleich zu jedem Nachwuchskabarettisten, der halbwegs gekonnt Adolf Hitler parodiert, ist Meeses plapprige Rhetorik auch noch so schlecht, dass seine Performance als Ein-Mann-Reichsparteitag mit ihm als Kunst-Hitler auch formalkünstlerisch völlig in die Hose geht. So sei denn diese kleine Sottise von einem Zweizeiler gekrönt:

Wer packt gern braune Scheiße an?

Das ist der Meeses Jonathan.

 

Bürger beobachten Peer Steinbrück Nicht viel Neues glaubte Herr Bär zunächst über Pannen-Peer berichten zu können: während Angela Merkel etwas ungelenk aber dennoch medienwirksam in Gummistiefeln durchs Hochwassergebiet stapfte (was schon Gerhard Schröder seinerzeit einen Wahlsieg eintrug, wobei gleichzeitig Westerwelles „Guidomobil“ von den Medien völlig unbeachtet auf einer Landstraße im fernen Ostfriesland kläglich mit einem Batterieschaden verreckte), war Steinbrück in den Krisentagen der Flutwelle einfach abgetaucht und ließ sich auf den Deichen überhaupt nicht blicken. Chancen sollte man allerdings ergreifen und nicht verpassen, aber die Chance zu einer medienwirksam-populären Deichgrafen-Nummer haben sie in seinem PR-Team glatt verschlafen. Angesichts dieser Umstände wirkte er keineswegs metaphernsicher, als Steinbrück dann plötzlich wieder auftauchte und im Bundestag der Kanzlerin zurief: „Wenn Sie die Wüste regieren, wird der Sand knapp“. Das mag ja noch nicht einmal völlig unrichtig sein. Aber das sagte Steinbrück zu ihr immerhin an einem völlig verregneten Sommertag bei 17 Grad Celsius, als der Pegel gerade zurück ging und die Bundeswehr-Pioniere anfingen, die Sandsäcke an den Deichen wieder wegzuräumen. Aber hallo!

Ratlosigkeit herrschte beim amerikanischen Nachrichtendienst NSA: soll man Peer Steinbrück weiter ausspionieren? Lohnt sich das? Herr Bär rät: Nein, das lohnt sich nicht. Der ist harmlos. Der tut nix. Der will nur spielen. Was die US-Schnüffler allerdings stutzig macht: Steinbrück sammelt Glühbirnen und hortet sie in seinem Keller. Im Keller!!! Hat der Mann was zu verbergen? Nein, hat er nicht. Peer Steinbrück hat sich nur rechtzeitig mit einem Vorrat alter Glühbirnen eingedeckt, bevor sie von der EU-Kommission verboten wurden. Aus dem gleichen Grund hat sich Altkanzler Helmut Schmidt 200 Stangen mit Mentholzigaretten zugelegt, bevor auch die verboten werden. Jetzt schließen sie bei der NSA mit ihrer verqueren Logik messerscharf: alle potenziellen Bombenleger haben sich wahrscheinlich noch rechtzeitig einen Vorrat an Sprengstoff zugelegt, bevor auch der von der EU-Kommission verboten wird. Könnte man denn mit Glühbirnen eine Bombe bauen? Oder mit 200 Stangen Mentholzigaretten ein Haus anzünden? Um das herauszufinden, muss man gewiss nicht die e-mails braver Bürger überwachen, sondern es reicht das Nachschlagen in einem Lehrbuch für praktische Physik. Und im Unterschied zu den USA mit ihren fahrlässig laschen Waffengesetzen ist bei uns der Besitz von Sprengstoff und Schusswaffen für Privatpersonen sowieso strengstens verboten, so dass man sich bei der NSA in 99 Prozent aller Fälle die Kosten für die e-mail-Überwachung von EU-Bürgern sparen könnte.

© Raap/Bär 2013

 

Bild des Monats Juli 2013:

Herr Bär, Sie haben ein Bild des flüchtigen Ex-Agenten Edward Snowden gemalt? Aber der ist ja auf dem Bild gar nicht zu sehen!“

 

Bär: „Dä hätt sich jo hinger denne Bananenstauden versteckt. Ich han jrad em Kölner Rheinpark vor Ort en Studie met Bananenstauden anjefangen, do kom dä Edward Snowden vorbei un säht, dä CIA wör hinger ihm her. Un hä däht sich jetz hinger denne Bananenstauden verstecken. Da han ich dat janze Jestrüpp wat dichter jemalt, so wie ne Dschungel, domet mer dä Edward Snowden nit direck süht“.

 

Und wie geht die Geschichte weiter?“

 

Bär: „Fünf Minuten später kom su ne CIA-Agent anjerannt, met en decke Sonnebrill op de Nas, un ich sage zo däm, wenn de jetz he beim Verstecken metspille wills, musste dir de Augen zohalten un bis zehn zälle. Dann kannste anfange ze söke. Dat hätt dä Jeck och jemaht. Dä Snowden hinter däm Bannenstrauch un ich han uns för Laache bald en de Botz jedrisse…“

 

 

 

Karl-Josef Bär/Jürgen Raap, „Die Spießer in er Rue de Montogueil“, 2013

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