baer aktuell 328 – 3. Sept. 2023

September 1st, 2023

Bild des Monats September 2023: Jürgen Raap, Der Wolfsjäger I, Acryl und Öl auf Leinwand, 2023

Bär aktuell 328 – 3. Sept. 2023

Wer nicht von „Menschen“, sondern stattdessen von „Mensch*innen“ spricht, hat sich gewaltig vergendert. Das führt uns der Autor Fabian Payr vor Augen, der in einem Büchlein „20 gute Gründe, mit dem Gendern aufzuhören“, zusammen getragen hat (1). Ihm sekundiert bekanntlich mittlerweile auch der Rat für deutsche Rechtschreibung, der weiterhin „Genderzeichen im Wortinneren nicht als einen Kernbestand der deutschen Orthografie“ einstuft. Auf der Internetseite https://schlechtewitze.com/gender postete ein Anonymus mit einem ironischen Plädoyer für sprach-unlogische Konsequenz: „Wenn man überlegt, müsste man ja eigentlich alles gendern… Also Sexist:innen, Mülleimer:innen, Damen:innen, Mutter:innen, Schule:innen, Deutschland:innen“. Ein anderer postet auf https://www.philippicae.de/post/gender-witz ergänzend dazu, dann müsste man ja auch „Taliban*innen“ sagen. Obwohl die Taliban in Afghanistan von der Gleichberechtigung der Geschlechter bekanntlich nichts halten und die Frage, ob es dort überhaupt weibliche Taliban, mithin „TalibanInnen“ oder „Taliban_innen“ gibt“, an dieser Stelle von Herrn Bär nicht beantwortet werden kann. Aber mutmaßlicherweise wahrscheinlich nicht. Fazit bei „Focusonline“ daher bereits 2021: „Schluss mit den nervigen Gender-Debatten! Jetzt muss Humor die Frauen nach vorne bringen“. So sei an dieser Stelle ein Witz zum Mitdenken zitiert, den man nicht auf der Internetseite „Schlechte Witze“, sondern woanders findet: Kommt eine Genderbeauftragte in die Kneipe und bestellt „eine Radlerin“. Sagt der Wirt: „Tut mir leid, das Zapfhuhn ist kaputt“. Die österreichische Zeitung „Profil“ berichtete derweil über den Hang mancher Gender-Eiferer zur Bigotterie: in Graz z.B. mit einer Stadtregierung unter Führung der kommunistischen KPÖ hieße es zwar „Grazer:innen, Fußgänger:innen, Dolmetscher:innen“, aber ansonsten nur „Investoren“. In der Vorstellungswelt der Bürgermeisterin sei für „Kapitalist:innen, Großgrundbesitzer:innen und Ausbeuter:innen aller Art wahrscheinlich kein Platz“. Aus dem Pendant zur KPÖ, nämlich der deutschen Linken, sei an dieser Stelle Sarah Wagenknecht zitiert, die sich kürzlich darüber mokierte, mit dem Zwang zum Gendern werde „die Sprache der Leute entwertet, die diese Regeln gar nicht im Detail kennen“. In diesem Sinne war auch in der Zeitschrift „Geo“ nachzulesen: „Gendern ist ein akademisches Elitenprojekt und geht an der Lebens- und Sprachwirklichkeit vieler Menschen vorbei; es ist eine Bevormundung“. Das Gendern führt im Wagenknechtschen Sinne eben nicht die „Brüder zur Sonne, zur Freiheit“, wie es in einem bekannten Arbeiterkampflied von Leonid Petrowitsch Radin aus dem Jahre 1896 heißt, und die Schwestern auch nicht. Denn bei https://languagetool.org heißt es: „Wenn nun alle anfangen würden, durchgängig zu gendern, würde dies jedoch allein nicht ausreichen. Frauen würden weiterhin weniger verdienen, immer noch in den Chefetagen unterrepräsentiert werden und noch weiter im klassischen Familienbild leben müssen. Da kann doch ein Sternchen oder eine Sprechpause nichts ändern“. Mit Humor allerdings ändert sich freilich mitunter auch nicht viel: bei https://fluter.de/humor-mann-frau-gender-gap ist nachzulesen: „Einen witzelnden Chef finden alle klasse, eine witzelnde Chefin dagegen schnell nervig. Frauen können sich die Karriere buchstäblich verscherzen..“ Copyright Raap/Bär 2023

( 1) Fabian Payr,“ Von Menschen und Mensch*innen“, 20 gute Gründe, mit dem Gendern aufzuhören, Springer Verlag, Wiesbaden 2021)

Kein Witz Als Olaf Scholz nach einem Sturz aufs Gesicht beim Jogging mit Augenklappe herumlief, lud ihn die Stadt Köln dazu ein, als Pirat am nächsten Kölner Karneval teilzunehmen und versprach ihm laut Boulevardblatt „Express“, dafür auch noch eine Pappnase zur Verfügung zu stellen. Herr Bär meint: Die Augenklappe und die Pappnase kann man ja später als Scholz-Reliquien im Deutschen Historischen Museum ausstellen und das Museum dadurch zu einem Olaf Scholz-Wallfahrtsort machen. Jedenfalls: die Augenklappe lenkt gut von seinem Gesicht und seiner Pläät ab. Und vielleicht entwickelt sich Olaf Scholz als Pirat im Kölner Karneval ja doch noch zu einer rheinischen Frohnatur. Immerhin bewies er schon mal die für ihn erstaunliche Befähigung zur Selbstironie, bei manchen Joggingstrecken nähme man doch besser das Auto. Was das Autofahren auf derlei Park- oder Waldwegen angeht, so überkam Hubert Aiwanger ein Moment der Erleuchtung, als er darauf hinwies, Christian Lindner habe im Wald nichts zu suchen, denn da bliebe sein Porsche irgendwo stecken. Aiwangers Ratschlag beherzigen im übrigen auch die Helikoptermütter, die ihre Blagen eben nicht im SUV, sondern mit dem Lastenfahrrad über holprige Waldwege karren. Notfalls auch mit Augenklappe.

An die Chefredaktionen von „Bild“ und „Express“ muss ernsthaft die Frage gerichtet werden, ob tatsächlich ein größeres öffentliches Interesse am Verlauf der Schwangerschaft der Komikerin Carolin Kebekus besteht, oder ob man Stammlesern wie Herrn Bär derlei gynäkologische Regenbogenpresse-Berichterstattung nicht besser ersparen sollte. Dass es durchaus wichtigere weltbewegende Themen gibt, bewies „Die ZEIT“, als sie einen Leserbrief von Klaus P. J. abdruckte, der sich darüber beklagte, der Musiker Heino sei ja bereits längst „im Rentenalter, aber er singt weiter“, und in derselben Ausgabe mokierte sich in einem anderen Leserbrief ein gewisser Dierk H. darüber, dass ein „ganzseitiger Artikel über den greisen Barden Heino“ ausgerechnet „im Wirtschaftsteil“ abgedruckt wurde. Nun ja, Carolin Kebekus hat es mit ihrer Schwangerschaft noch nicht in den Wirtschaftsteil der „ZEIT“ geschafft (denn es gibt ja noch keine Merchandising Fan-Artikel wie Carolin Kebekus-Babyschnuller oder -strampelhöschen), während man hingegen bei https://www.heino.de/shop/fanartikel/ fündig wird, wenn man dort nach dem „Original Steiff Heino Teddy Bär – Limited Edition“ für 369 Euro oder nach dem „Eau de Parfum – Das singende Enzian“ für 35 Euro pro 50ml-Flasche sucht, wobei ausdrücklich davor gewarnt wird, der Heino-Teddy sei „kein Kinderspielzeug“, sondern ausschließlich „für erwachsene Sammler“ bestimmt“. Das erwartet Herr Bär natürlich auch von einem Carolin Kebekus-Babyschnuller. Die Kreation eines Nancy Faeser-Parfums für den hessischen Landtagswahlkampf durch irgendeinen überkandidelten Duft-Designer hat sich die regionale SPD zur Auffüllung ihrer Wahlkampfkasse bislang immerhin noch verkniffen. Da noch nicht sicher ist, ob überhaupt und wann und wo die Medienmogule Elon Musk, der auch sonst schon reichlich durchgeknallt wirkt, und der nicht minder fragwürdige Mark Zuckerberg tatsächlich in den „Alles ist erlaubt“-Box-Käfig steigen, um sich dort gegenseitig gründlich zu verprügeln, wie es sonst woanders nur pubertierende Schulbuben auf dem Schulhof tun, goutiere man bis dahin in den hiesigen Medien, wie zwei andere mediale Krawallbrüder, nämlich Julian Reichelt (Ex-“Bild“-Chefredakteur) und Jan Böhmermann („ZDF Magazin Royale“) sich in der Causa „Nancy Faeser-Arne Schöhnbohm“ juristisch duellieren, dies immerhin noch in halbwegs zivilisierter Weise und eben noch nicht auf einem archaischen „Alles ist erlaubt“-Straßenschläger-Niveau, was in den heutigen Zeiten mit den sonst überall reichlich verrohten Sitten ja auch schon was wert ist, obwohl die Bundesinnenministerin und hessische Wahlkampf-Spitzenkandidatin Nancy Faeser darüber jammert, sie werde „mit Dreck beworfen“. Gegen den Gestank dieses Drecks hilft vielleicht Heinos Enzian-Parfüm. Und ansonsten ergab eine Meinungsfrage, dass ein Drittel der Befragten sich wünschen, Olaf Scholz solle weiterhin eine Augenklappe tragen.

King Charles, damals noch Prince of Wales, wurde 2002 von einem „parteiübergreifenden Arbeitskreis parlamentarischer britischer Bierfreunde“ zum „Biertrinker des Jahres“ gekürt. 1987 hatte man ihm und ebenso Prinzessin Diana bei einem offiziellen Besuch im Kölner Rathaus je ein Glas Kölsch in die Hand gedrückt, und Herr Bär erinnert sich noch gut daran, wie die Lokalpresse damals grummelnd darüber berichtete, Prinzessin Diana habe nur höflich an dem Glas genippt und dabei keine Miene verzogen. Als der Sohn der beiden, nämlich Prinz Harry, kürzlich in Düsseldorf weilte und dort in einem typisch rheinischen Brauhaus einkehrte, soll er laut „BILD“ an jenem Abend sechs Glas Alt-Bier konsumiert und dazu verkündet haben, er habe gehört, dieses Bier schmecke besser als jenes in Köln. Von wem hat er das wohl gehört? Aus der Sicht des Kölner Braugewerbes lässt sich dazu nur kommentieren: 1. Mer muss och jünne künne (man muss auch gönnen können). 2. Wir Kölner sind ja immer stolz auf unsere Weltoffenheit. Als Herr Bär mitten auf dem Mittelmeer (Achtung: indirekter Pleonasmus!!!) auf einem Kreuzfahrtschiff an der Bar einmal ein „Newcastle Brown Ale“ orderte und ein britischer Passagier auf dem Barhocker neben ihm fragte, wieso er, Herr Bär, mit seinem spürbar deutschen Akzent in der englischen Aussprache der Bestellung, hier nicht nach deutschem Löwenbräu verlange, das gäbe es auf diesem Schiff doch auch, da entgegnete Herr Bär: deutsches Bier könne er doch in Deutschland überall trinken, aber wenn man schon mal woanders sei, solle man dort auch Spezialitäten probieren, die es zu Hause nicht gibt. Der britische Mit-Passagier war begeistert, gab Herrn Bär ein zweites „Newcastle Brown Ale“ aus, und Herr Bär kann sich rühmen, an der Bar jenes Kreuzfahrt-Schiffes mit einem Prost auf den heutigen King Charles III. als „Biertrinker des Jahres 2002“ zur Völkerverständigung beigetragen zu haben, und er empfiehlt daher allen lokalpatriotisch eingefleischten Berufskölnern, bei Aufenthalten in Düsseldorf ebenfalls solch einen guten Eindruck zu hinterlassen, indem sie bei geselligen Anlässen sich dort kosmopolitisch verhalten, was das Goutieren lokaler Spezialitäten anbetrifft. Dazu muss man aber über die kleinen, aber feinen Unterschiede Bescheid wissen: In Köln ist ein „Halver Hahn“ ein Röggelchen (Roggenbrötchen) mit mittelaltem Holländer Käse, in Düsseldorf hingegen mit Mainzer Käse.

Copyright Bär/Raap 2023

baer aktuell 327 – 3. Aug. 2023

August 1st, 2023

Bild des Monats August 2023:

Jürgen Raap, „Die nächtliche Überfahrt II“, Acryl/Öl auf Leinwand, 2023

Baer aktuell 327 – 3. Aug. 2023

Von Schmutzpuckeln, Zynikern und der deutschen Sekundärtugend der Neigung zur Miesepetrigkeit soll hier die Rede sein. So lästerte der Entertainer Harald Schmidt kürzlich lauthals über den „Wärmepumpen-Robby“ Robert Habeck, dieser gewinne vor allem „im Scheitern die Herzens des Publikums“. Nun ist seit dem Ableben von Heinz Erhardt und Loriot typisch deutscher Humor nur noch mit vulgärem Klamauk oder mit sarkastischer Schadenfreude gepaart. Der Kolumnist Harald Martenstein grauste sich derweil in der „Welt am Sonntag“ über „den Dreck und Verfall fast überall“ in Berlin. Mit dieser Analyse schmutzpuckeliger Zustände hat er freilich nicht ganz Unrecht, wobei man zur Ehrenrettung Berlins allerdings wissen muss, dass sich in Köln kürzlich die Stadtführer über die reichlich versiffte Gegend rund um den Dom beklagt haben – es sei ihnen inzwischen peinlich, ihre Touristen dorthin zu führen. Na ja, in Berlin kann es ja wohl nicht viel schlimmer sein, wenn man mal Augenzeuge war, wie es regelmäßig an Samstagabenden auf den Amüsiermeilen der rheinischen Domstadt zugeht, mit ballermannhaften Exzessen von Junggesellenabschiedsfeiern unter Hinterlassung von Erbrochenem in Hauseingängen, zudem jeder Menge Müll in Form von leeren Bierflaschen und -dosen sowie mit Ketchup aufgeweichten und dann achtlos weggeworfenen Imbisspappschalen. Das ist übrigens kein neuzeitliches Phänomen – als Johann Maria Farina 1723 aus Norditalien nach Köln zog, erfand er dort am Rhein das Eau de Cologne – Kölnisch Wasser, um mit dessen Duft die verstunkene Stadt besser ertragen zu können (eine halbwegs moderne Kanalisation bekam Köln übrigens erst ab etwa 1820 durch die neue preußische Verwaltung). Wird also in den Glossen der Feuilletons in kühmbrezelhafter Miesepetrigkeit als typisch deutsche Sekundärtugend immer nur Dreck, Not und Elend beklagt? Keineswegs. In den Augen von Harald Schmidt repräsentiert nämlich ausgerechnet Christian Lindner ein lichtgestaltiges Gegenmodell zu dieser schnöden Welt. Harald Schmidt rät ihm jedenfalls mit einem gewissen Augenzwinkern und einer gehörigen Portion Zynismus, wenn er, Lindner, schon so reich sei, dann solle er damit auch ruhig mal angeben und seine Rolex-Uhr bei Talkshow-Auftritten nicht mehr so schamhaft unter der Manschette verstecken. Und wo wir gerade beim Thema Schmutzpuckel sind: Finanzminister Christian Lindner habe das Versagen seiner Anti-Geldwäsche-Einheit „Financial Intelligence Unit“ – kurz FIU – „jahrelang verschleppt“, moniert das ZDF auf seiner Website www.ZDF.de. Die gründlich weichgespülte zaghafte Reform seiner „Pannen-Behörde“, die Lindner nunmehr angekündigt habe, empfindet der SPD-Abgeordnete Sebastian Fiedler unterdessen als eine „kriminalpolitische Bankrotterklärung“. Wie wäscht man also künftig munter und unbehelligt schmutziges Geld in Lindners Hoheitsbereich? Herr Bär mutmaßt, da werden in irgendwelchen gruselig düsteren Hinterhöfen einfach nur ein paar Tropfen Kölnisch Wasser auf die Scheine geträufelt, und man bekommt dafür bei einer Cum und Ex-Bank unbesehen einen „Persilschein“. Und von dem gesäuberten Geld kann man sich dann eine Rolex kaufen, die man selbstbewusst nicht mehr unter der Hemdmanschette verstecken muss.

Der ganz normale Wahnsinn Einen Verkehrsversuch der ganze eigenen Art unternahm Außenministerin Annalena Baerbock, um ausgerechnet mit einem Flugzeug der Bundesluftwaffe nach Australien fliegen zu wollen. Sie kam mit dem maroden Flieger bekanntlich nur bis Abu Dhabi, und da hat man ihr nach zwei vergeblichen Neustartversuchen womöglich erzählt, ihre Sitzreihe fliegt jetzt nicht nach Sydney weiter, sondern wird in Abu Dhabi abgekoppelt, wie man das von der Deutschen Bahn kennt, und sie müsste deswegen dann erst einmal nach Hamburg zurück. Wenn man mit der Deutschen Bahn 70 km von Köln nach Aachen zurück legen will, kommt man derzeit nur bis Düren auf halber Strecke. Dann wird mit dem Bus bis Aachen umständlich weiter gezuckelt, was die Deutsche Bahn mit ihrer Neigung zu verbal-bürokratischer Gespreiztheit allerdings reichlich euphemistisch „Schienenersatzverkehr“ nennt. Wer dann am Aachener Hbf. fragt, ob der „Schienenersatzverkehr“ von dort aus auch über Abu Dhabi bis nach Australien weiter fährt, wird wahrscheinlich blöd angeguckt, ob er sie nicht alle an der Waffel hätte, alternative grüne Verkehrsversuche hin oder her, doch die Frage ist berechtigt, da die Grünen bisher noch keinen ihrer manchmal reichlich skurillen Verkehrsversuche mit einem Radweg von Aachen nach Abu Dhabei „auf die Schiene gesetzt“ (sic !) haben. Unlängst warnte jedenfalls die amerikanische Schauspielerin Julie Delpy US-Touristen davor, in Deutschland die Deutsche Bahn benutzen zu wollen. Herr Bär ergänzt diese Warnung mit dem Hinweis, dass die Bundesluftwaffe zur maroden Deutschen Bahn gewiss keine Alternative ist, und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyi möge es sich daher gut überlegen, ausgerechnet aus Deutschland Kampfjets der Bundesluftwaffe anfordern zu wollen, denn die kommen nach den jüngsten Erfahrungen von Frau Baerbock nach dem Start wahrscheinlich noch nicht einmal bis Königswusterhausen kurz hinter Berlin und müssten dann in der brandenburgischen Provinz notlanden. Zurück an den Luftwaffenstützpunkt geht es dann mit „Schienenersatzverkehr“ der DB. Falls jedoch dann nach ein paar Metern der „Schienenersatzverkehr“-Bus nicht mit einem brüchigen alten Reifen einen Platten hat, und der ADAC-Pannendienst die Weiterfahrt organisieren muss. Sind mittlerweile Zweifel an der einst weltweit gerühmten deutschen Ingenieurskunst angebracht? Aber ja doch, findet Herr Bär. Sind das nun im Jahre 2023 alles Infrastruktur-Mängel auf einstigem DDR-Niveau oder funktionierte das alles in der DDR seinerzeit tatsächlich besser als heute bei uns? Jedenfalls sollte man in unseren Tagen zumindest sein Fahrrad dringend mit „unplattbaren“ Reifen bestücken, rät Herr Bär. Kann man dann bei einem Flug mit der Bundesluftwaffe für alle Fälle auch ein Fahrrad mitnehmen? Wahrscheinlich nicht.

Was haben wir früher gerne über die Prinz Eisenherz-Frisur von Angela Merkel gelästert. Nun ja, ein guter Haarschnitt muss nicht teuer sein, denn in Berlin bekommt man z.B. beim „Friseur Haarmony“ eine „Hochsteckfrisur“ bereits „ab 30 Euro“. Für Kosmetik und Frisur der früheren Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU)“ hat das Bundeskanzleramt allerdings „seit deren Ausscheiden aus dem Amt fast 55.000 Euro ausgegeben“, d.h. in einem Zeitraum von knapp zwei Jahren, wie der Berliner „Tagesspiegel“ reportierte. Umgerechnet wären das etwa 1.800 Mal eine „Hochsteckfrisur“ für 30 Euro, wenn man etwa alle 2,4 Tage den Friseur aufsucht. Hat die Investition von 55.000 Euro in die Haarpracht der Altkanzlerin denn wenigstens etwas genützt? Schließlich hatte schon 2009 der legendäre Berliner Promi-Friseur Udo Walz gewarnt: „Heute kann man Haare verschneiden und der Kundin einreden, das sei der letzte Schrei.“ Wie wahr. Auf die Frage, ob Bundeswehrsoldaten, die laut „Zentraler Dienstvorschrift“ ja dazu verpflichtet sind „Haar- und Barttracht sauber und gepflegt zu halten“, ihren Friseurbesuch als Werbungskosten von der Steuer absetzen können, antworten die meisten Finanzämter übrigens mit „Nein“. Die Frisur werde nämlich sowohl privat als auch dienstlich getragen, so heißt es, und „Aufwendungen für die Lebensführung, die die wirtschaftliche oder gesellschaftliche Stellung des Steuerpflichtigen mit sich bringt, auch wenn sie zur Förderung des Berufs oder der Tätigkeit des Steuerpflichtigen erfolgen;“, dürfen eben nicht von der Steuer abgezogen werden. Da dies analog auch für Politiker gelten müsste, mahnt Rainer Holznagel vom Bund der Steuerzahler angesichts solch haariger Exzesse an, die Kosten für „Visagisten und Hairstylisten“ müssten „im Zweifel privat bezahlt werden“. Doch ordentlich krachen auf Kosten des Steuerzahlers lässt es auch die Umweltministerin Steffi Lemke, die ohne ein schlechtes Gewissen zu haben dazu bereit ist, für einen Fotografen 150.000 Euro auszugeben, der dafür nur „ein oder zweimal jährlich… ein großes Porträtshooting“ mit der bislang eher glücklosen Ministerin veranstalten soll. Möglicherweise mit einer Hochsteckfrisur für zusätzlich 30 Euro, aber es ist eingedenk des oben zitierten Udo Walz-Bonmots dann trotzdem nicht zu erwarten, dass sich die umweltbewussten Fernfahrer voller Begeisterung ausgerechnet ein Steffi-Lemke-Foto als Pin Up-Poster in ihre Fahrerkabine hängen. Auch Annalena Baerbock greift offenbar nicht mehr selbst zum Lippenstift, sondern engagierte laut „BILD“ dafür eine Maskenbildnerin zu einem Monatssalär von 8.925 Euro. Etwa soviel kostet übrigens auch eine einzelne HE-Sprenggranate für den Leopard 2-Panzer.

Wer nobel speisen und sich dennoch gleichzeitig bodenständig fühlen möchte, der unternehme einen Feldversuch im Hotel Adlon Kempinski in Berlin, aber nur um festzustellen, dass eben beides gastrosoziologisch nicht ohne eine unangemessene Verfälschung der tradierten Küchenkultur geht. Dort im Adlon kostet laut „Berliner Zeitung“ die hausgemachte Currywurst nämlich 23 Euro, und man bekommt als geneppter First-Class-Tourist oder karriereorientierter salonbolschewistischer Grünen-Staatssekretär das Gefühl vermittelt, man stehe hier eben nicht in einer schäbigen neonbeleuchtenen und zugigen Frittenbude an einem bekleckerten Stehtresen mit abgewetzter Resopaltischplatte in Berlin-Wedding, sondern man genieße im Adlon auf weißer Damast-Tischdecke mit edlem Besteck etwas ganz, ganz Exquisites. Wer nun keine Currywurst mag, der kann sich dort auch einen Döner für 29 Euro bestellen. Man serviert ihn in dieser Berliner Nobel-Kantine mit Filetstreifen und Trüffelcreme, so, wie man ihn in Köln-Ehrenfeld garantiert nicht bekommt, und dort noch nicht einmal in jenem Döner-Imbiss, der mittlerweile „Kult-Status“ genießt, bloß weil sich hier angeblich irgendwann einmal mal der TV-Moderator Jan Böhmermann ein paar Fleischbrocken mit Sauce, Zwiebelringen und Salat ins halbierte Fladenbrot einpacken ließ, und sich seitdem tagtäglich lange Warteschlangen vor dem „Kult-Grill“ bilden. Derweil berichtete BILD über einen 16jährigen Jüngling, der zwei Portionen Currywurst plus Pommes mit Falschgeld zu bezahlen versuchte, dies allerdings nicht im teuren Adlon-Restaurant, sondern an einer stinknormalen Frittenbude. Bliebe noch nachzutragen, dass in einem renommierten Kölner Ausflugslokal, wo früher das gutsituierte Köln-Lindenthaler Bürgertum bei gehobener Küche seine Familienfeiern zelebrierte, jetzt eine Currywurst mit Pommes 15 Euro kostet und im Landgasthaus Heideblick im Königsforst die Rostbratwurst mit Pommes ebenso 10,50 Euro, aber dafür bekommt man als Gruß aus der Küche vorab ein Schälchen mit Aioli, Oliven, einer getrockneten Tomate und kroatischer Ajvar-Paste gereicht. Insgesamt muss man in unseren inflationsgeplagten und facharbeitermangelnden Tagen ertragen, dass die rheinische Ausflugsgastronomie im Vergleich mit Vor Corona-Zeiten generell mit stark ausgedünnten und bisweilen überteuerten Speisekarten aufwartet, und dies ohne die kulinarischen Raffinessen, an denen Herr Bär sich früher gerne zu laben pflegte. Auch das Service-Personal lässt mittlerweile zu wünschen übrig: als Herr Bär kürzlich bei einem Kellner zum dritten Mal anmahnte, er habe bereits vor 20 Minuten ein Glas Kölsch bestellt, antwortete dieser nur lapidar: „Oh, das hab ich vergessen!“ Wurde man als DDR-Bürger 1980 in der Ost-Berliner Gastronomie genauso abgekanzelt? Gleiten wir nun in Westeuropa in eine evolutionsgeschichtliche Mischung aus längst vergessen geglaubter real-sozialistischer Mangelwirtschaft mit mangelnder Arbeitsmoral und als Folge dessen einem gastro-kulturellen Untergang des Abendlandes ab? Fragen Sie dazu mal Christian Lindner und Roland Habeck. Christian Lindner war immerhin 2015 schon mal „Aalkönig“ im rheinischen Städtchen Bad Honnef, obwohl im Rhein schon längst keine Aale mehr gefangen wurden, aber diese Königswürde passt dann doch irgendwie zu ihm, während der „Spiegel“ 2021 über das Privatleben und damit über die Ernährungsgewohnheiten von Robert Habeck mit einem O-Ton-Zitat zu berichten wusste: „»Seit zehn Tagen habe ich nicht mehr abgewaschen. Der Müll ist nicht rausgebracht. Die Milch ist alle. Heute Morgen habe ich Müsli mit Wasser gegessen, ohne Scheiß.« Vielleicht sollte man daher zu seinem Trost Robert Habeck zum Bad Honnefer Aalkönig 2024 ausrufen.

Hätte man den Gebrüdern Aiwanger oder zumindest einem von ihnen rechtzeitig „betreutes Denken“ anbieten müssen, um zu verhindern, dass sie als 16- oder 17jährige pubertierende Bengel die Shakespeare’sche Formel „Mit Schrecken Scherz“ treiben gründlich missverstehen, weil sich im Falle Auschwitz eine „übelste Verhöhnung von Holocaust-Opfern“ in einem Flugblatt per se von selbst verbietet, und daher dieses damalige widerliche Auschwitz-Flugblatt in der Schultasche der Gebrüder Aiwanger „alles andere als ein Schulbubenstreich“ (taz) und mithin keineswegs eine lässliche Jugendsünde ist? In der „Passauer Neuen Presse“ bekannte Bruder Helmut Aiwanger, er habe seinerzeit dieses ekelhafte Pamphlet verfasst, denn „er sei wütend gewesen, weil er sitzengeblieben war und die Klasse wiederholen hatte müssen“. Nun verfasst an unseren Schulen freilich nicht jeder Sitzenbleiber aus Frust antisemitische Flugblätter, und mit pädagogischer Abschaffung des Sitzenbleibens oder der Benotung auf Zeugnissen ließe sich ein zynisch-geiferndes Abdriften in derlei Abgründe eines adosleszenten Wutbürgertums wohl auch nicht verhindern (und juveniles Randalieren in Freibädern ebenfalls nicht). „BILD“ weiß über Helmut Aiwanger zu berichten, er sähe heute aus wie ein „verkappter Alt-68er. Er hat lange Haare, dreht sich seine Zigaretten selbst“, als ob das ein Kriterium für eine gelungene intellektuelle Resozialisierung sei. Jedenfalls hat Helmut Aiwanger als 17jähriger im Freibad keinen von der Wasserrutsche herunter geschubst. Immerhin. „Focusonline“ wirft derweil der „Süddeutschen Zeitung“ in der Causa Aiwanger unseriösen Journalismus vor: „Es fehlt der Beweis, und zwar für die beiden zentralen Vorwürfe: Weder hat die Zeitung bewiesen, dass Aiwanger dieses Flugblatt verfasst hat, noch hat sie bewiesen, dass er es verbreitet hat. Und doch hat sie – gegen das Dementi des angeblichen Verfassers und Verbreiters – diesen Verdacht veröffentlicht. Ein klassischer Fall von Verdachtsberichterstattung… Die Erklärung von Helmut Aiwanger, er sei der Urheber des indiskutablen, unsäglichen Pamphlets, ist für die Süddeutsche Zeitung zunächst ein Rückschlag. Es gibt nun einen Kronzeugen, der ihre Version widerlegt“. Juristische Verjährungsfristen greifen in solch einem Fall politisch allerdings nicht, “ weil Antisemitismus, etwa die Verhöhnung von Nazi-Opfern – völlig zu Recht – in Deutschland als politische Todsünde gilt. Welche Konsequenzen daraus zu ziehen sind, muss aber von Fall zu Fall ausgehandelt werden“. In jedem Fall bleibt ein äusserst fader Beigeschmack zurück, denn „Hubert Aiwanger fällt seit Jahren durch Populismus auf“ (Berliner Morgenpost). Als „natürlichen Feind des Coronavirus“ soll er seinerzeit bayerisches Starkbier empfohlen haben. Ab einem gewissen Quantum des Konsums erfordert dies allerdings tatsächlich betreutes Denken. Copyright Raap/Bär 2023

Essen und Trinken mit Herrn Bär
Provencalisches Kartoffelpürree Kartoffeln weich kochen, etwas Olivenöl hinzugeben und zu Pürree zerstampfen. In einem separaten Topf Kochsahne erhitzen zusammen mit kleinen Würfeln von grünem Gemüsepaprika, klein gehackten Oliven, Safran, Knoblauch und etwas Peperonischote aufkochen, dann mit dem Kartoffelstampf vermischen. Würzen mit Salz, Pfeffer, Basilikum, Petersilie, Schnittlauch, Thymian oder Rosmarin. Passt zu allen französischen und anderen mediterranen Fleischgerichten wie Rinderfilet, Saltimbocca oder Rinderroulade.

Olaf Scholz-Sammelbilder

baer aktuell 326 – 22. Juli 2023

Juli 1st, 2023

Bild des Monats Juli 2023: Jürgen Raap, „Der Mittelpunkt Europas“, Acryl/Öl auf Leinwand, 2023

Bär aktuell 326 – 22. Juli 2023

Der Berliner Brachial-Humorist Mario Barth erwies sich ausnahmsweise mal als ein recht aufgeweckter Beobachter, als er auf einer Mineralwasserflasche den Hinweis „vegan“ entdeckte. Das ist tatsächlich im Grunde genommen eine höchst überflüssige (sic !) Etikettierung, denn so fragte sich Barth scheinbar zu Recht mit jener soeben von Herrn Bär gelobten Wachheit: „Enthält nicht-veganes Mineralwasser womöglich Hackfleisch, oder was?“ Und hier kommt nun in „bär aktuell“ die „Geschichte hinter der Geschichte“: Die Zeitschrift „GEO“ präzisierte bizarrerweise, das Mineralwasser selbst sei zwar vegan, aber nicht die Etikettaufkleber auf der Mehrwegflasche, denn diese seien kaseinhaltig, d.h. es handele sich um „Milcheiweißkleber“. Für den Klebstoff von derlei Etiketten auf Mineralwasserflaschen würden jährlich sogar 35.000 Tonnen Milch benötigt. Jedenfalls kein Hackfleisch, wie der Komiker Mario Barth fälschlicherweise mutmaßte. Ansgar van Halteren vom Industrieverband Klebstoffe e.V. verteidigt diesen Etikettkleister aus der Milch der frommen Denkungsart, denn der sei doch biologisch abbaubar. Und bisher hat auch noch niemand versucht, das Etikett einer Mineralwasserflasche abzulecken, ob es wohl nach Hackfleisch schmeckt. Und so harren wir nun auf die nächsten Witze von Mario Barth. Copyright: Raap/Bär 2023

Dass das Maskottchen für die kommende Fußball-Europameisterschaft (EM) ein Bär ist, registrierte Herr Bär natürlich mit einigem Wohlwollen und die „BILD“-Zeitung mit Erstaunen, der EM-Bär habe sogar eine Hose an. Was sich eben in den heutigen puritanischer gewordenen Zeiten und ihren rigoroseren Sitten anscheinend auch so geziemt, während allerdings zugleich den Damen neuerdings gestattet wird, in öffentlichen Freibädern auf das Bikini-Oberteil zu verzichten. Der EM-Bär heißt „Albärt“, was sich schon ein bisschen albern anhört, aber – Hand aufs Herz – „Olaf“, „Robert“ oder „Christian“ wäre wohl noch alberner gewesen, um einen positiven Imagetransfer vom Bären Albärt auf das Austragungsland der EM 2024 und seine aktuelle Bundesregierung zu erreichen. Den Bären „Franz“ zu nennen, wäre heut wohl von vorneherein erst recht obsolet gewesen, angesichts der mittlerweile bekannt gewordenen mutmaßlichen korrumptiv anrüchigen Begleitumstände um das „Sommermärchen“ der hiesigen WM 2006. Mit kindlichem Gemüt soll also nun „Albärt“ jeglichen Imageschaden der EM abwenden und in den Stadien sowie beim Public Viewing auf den Marktplätzen für jene unbeschwerte Heiterkeit sorgen, wie dies eben nur ein niedlicher Plüschbär kann, selbst wenn er nicht „Albärt“, sondern „Klaus-Günther“, „Maximilian“ oder einfach nur „Teddy“ heißen würde, aber eben nicht „Olaf“, „Robert“ oder „Christian“. Der „Spiegel“ berichtete, eigentlich hätten sich manche in der UEFA gewünscht, der Bär solle unbedingt „genderneutral“ daher kommen, weshalb aus der Sicht der Befürworter einer solchen Ausgestaltung der Figur „Herzi von  Bär“ als Name wohl eher angemessen gewesen wäre, aber das hätte sich ja letztlich wohl noch alberner angehört und kam bei einer Publikumsumfrage daher nicht gut an.  Nun heißt er nach einer relativen Mehrheit der Umfrageteilnehmer also „Albärt“ und hat eine Hose an. Es hätte schließlich  schlimmer kommen können: Bei der Fußball-WM in Deutschland 1974 hießen die beiden Maskottchenfiguren schrulligerweise „Tip und Tap“, und das klingt ja wohl erst total bescheuert. Apropos bescheuert: nach dem ehemaligen Verkehrsminister Andreas Scheuer und seinem Viertel-Milliarde-Mautprojekt-Desaster werden sie in naher Zukunft wohl kaum ein Fußballmaskottchen benennen. Copyright: Bär/Raap 2024

Erleben Sie doch mal wieder echte Literatur von einem echten Menschen! Nichts aus einer Chatbot-Konserve, sondern frisch und eigenhändig verfasst von einem Autoren aus Fleisch und Blut! So etwas gibt’s heute noch? Ja, doch, das gibt’s ! Wo: im Kunstforum St. Clemens, Köln-Mülheim, Kirchstraße/Mülheimer Rheinufer. Wann: Sonntag, 16. Juli 2023, 15 Uhr. Was wird geboten: Eine Lesung von und mit Jürgen Raap. Zu Gehör kommt eine Zusammenstellung von 11 Sottisen und Kurzgeschichten „aus dem Leben“ unter dem Titel „Rock ’n Roll“. Kurzweilig, interessant, erbaulich und unterhaltsam! Also, wir sehen uns! Herzlichst, Ihr/Euer Karl-Josef Bär

Und wenn Sie schon mal da sind: schauen Sie sich dann auch noch in Ruhe die Ausstellung „Quadriga – Zum Finale“ mit Arbeiten von Siglinde Kallnbach, Norbert Küpper, Jürgen Raap und Herbert Rosner an.

Der ganz normale Wahnsinn In Zeiten, in denen manche blöd genug sind, ein Wildschwein mit einem angeblich ausgebüxten Löwen zu verwechseln, wie soeben in Berlin geschehen, muss man sich nicht wundern, wenn der Berliner „Tagesspiegel“ auf seiner Online-Seite die Meldung über eben jenen angeblichen Löwen, der sich schließlich als Wildschwein entpuppte, einer Nachricht über die aktuell niedrigen Umfragewerte der Grünen voranstellt. Das dilletantische Regierungs-Gemurkse der Öko-Partei und ihrer Neigung, sich in Nebensächlichkeiten zu verzetteln, macht der „Spiegel“ in seiner Analyse vor allem an den „Brötchentastenalbernheiten“ fest, mit denen die Sonnenblumenpartei „Zeit und Wohlwollen“ verspielt habe. In derselben Print-Ausgabe des „Spiegel“ wird auch noch darüber gemutmaßt, Habeck und Baerbock hätten mit Lisa Pauls ganz bewusst eine unscheinbar-blasse Person als Bundesfamilienministerin auf den Schild gehoben, die ihnen nicht die Show stehlen könnte. Dass dies hingegen ein an der Berliner Stadtgrenze in den brandenburgischen Wäldern munter umherschweifendes Wildschwein schafft, wenn auch nur für kurze Zeit, konnten Habeck und Baerbock indes nicht ahnen. So sei zum Troste an dieser Stelle nun eine Eloge auf Robert Habeck notiert:

Der Habeck wohnt im Habeckswald

Und nicht im Eulenforst

Heißt Robert oder Theobald, ganz selten heißt er Horst

Gebt acht, wenn Ihr den Habeck seht

Entbietet ihm den Gruß

Ob das Gedicht nun weitergeht

Nein, mit diesem Reim ist Schluss

(Copyright: Raap/Bär 2023)

Raten Sie mal: Ist der folgende Text mit Künstlicher Intelligenz geschrieben? „Alte Männer mit raffiniert zurecht gekniffenen Hüten trödelten auf dem Corso Sardegna herum, und irgendjemand rief quer über die Straße: ‚Ciao, Luigi!’“ Nein, natürlich nicht, denn dieser Text stammt von einem damals jungen und aufstrebenden Poeten in den 1980er Jahren, der sich seinerzeit unrasiert in den von fahlem Neonlicht erhellten Imbissbuden von Genua und dort auch auf dem barocken Prachtboulevard Corso Sardegna die gewitterschwülen Nächte um die Ohren schlug. Solch leidenschaftliche Literaten leben in ihren Texten immer ihre Lust und Freude am Formulieren und Fabulieren aus, am artistisch virtuosen Umgang mit der Sprachgewalt und der Sprachakrobatik. Sie beherrschen die Sprache, und dies eben im doppelten Wortsinn. Das macht eben das künstlerische Humankapital aus – nämlich die individuelle und höchst souveräne Beherrschung des Metiers. Man mag Herrn Bär nun unterstellen, er sei ein romantischer Digital-Pessimist und ein altmodischer Analog-Melancholiker, wenn er nun behauptet: Künstliche Intelligenz ist in der Literatur einfach überflüssig, weil nämlich dann auch noch die Faulen und die Unbegabten ureigenes menschliches poetisches Schaffen an eine Maschine delegieren im Irrglauben, diese bringe dann automatisch (sic!) Geniales hervor. Nein, nein, nein, ein Chatbot-Programm kann Hochkünstlerisches immer nur simulieren oder imitieren als eine Art digitale Instant-Tütensuppen-Poesie. Ein Algorithmus ist ja bekanntlich lediglich ein Verfahren zur Umformung von Zeichenreihen, nichts anderes und nicht mehr, aber ein solcher Algorithmus durchlebt niemals jene ekstatisch gesteigerte Alltäglichkeit, wie 1983 der erwähnte junge Poet in den engen düsteren Altstadt-Gassen von Genua. In allen anderen Bereichen, in der Industrie, in der Wirtschaft, in der Medizin usw. sind Maschinen mit KI natürlich höchst nützlich, denn sie machen das Leben komfortabler und Steuerungsprozesse präziser und effektiver, aber wenn sie in der Kunst Werke ohne einen realen Autoren hervor bringen sollen, dann kranken sie daran, dass ihre Texte und ihre Bilder niemals eine emotionale Komponente und damit auch keinerlei Beseeltheit haben, denn eine KI kennt keine Euphorie und keinen Schmerz. Kunst macht man als Künstler immer aus einer inneren Notwendigkeit heraus, auch mit allen Risiken des Scheiterns und des Stoßens an jene Grenzen, hinter denen die eigene Unzulänglichkeit anfängt. Das aktuelle modische Faible für Künstliche Intelligenz erinnert an das höchst fragwürdige ewige faustische Streben mancher Zauberlehrlinge nach Perfektion und Überhöhung: so sei hier aus Goethes „Faust“ eine kleine Passage zitiert:

was wiederum der „Spiegel“ anylysiert, die Grünen hätten mit „Brötchentasten

Faust: Herrschaft gewinn‘ ich, Eigentum. Die Tat ist alles, nichts der Ruhm.

Mephistopheles: Doch werden sich Poeten finden, der Nachwelt deinen Glanz zu künden, durch Torheit Torheit zu entzünden.

Wer nobel speisen und sich dennoch gleichzeitig bodenständig fühlen möchte, der unternehme einen Feldversuch im Hotel Adlon Kempinski in Berlin, aber nur um festzustellen, dass eben beides gastrosoziologisch nicht ohne eine unangemessene Verfälschung der tradierten Küchenkultur geht. Dort im Adlon kostet laut „Berliner Zeitung“ die hausgemachte Currywurst nämlich 23 Euro, und man bekommt als geneppter First-Class-Tourist oder karriereorientierter salonbolschewistischer Grünen-Staatssekretär das Gefühl vermittelt, man stehe hier eben nicht in einer schäbigen neonbeleuchtenen und zugigen Frittenbude an einem bekleckerten Stehtresen mit abgewetzter Resopaltischplatte in Berlin-Wedding, sondern man genieße im Adlon auf weißer Damast-Tischdecke mit edlem Besteck etwas ganz, ganz Exquisites. Wer nun keine Currywurst mag, der kann sich dort auch einen Döner für 29 Euro bestellen. Man serviert ihn in dieser Berliner Nobel-Kantine mit Filetstreifen und Trüffelcreme, so, wie man ihn in Köln-Ehrenfeld garantiert nicht bekommt, und dort noch nicht einmal in jenem Döner-Imbiss, der mittlerweile „Kult-Status“ genießt, bloß weil sich hier angeblich irgendwann einmal mal der TV-Moderator Jan Böhmermann ein paar Fleischbrocken mit Sauce, Zwiebelringen und Salat ins halbierte Fladenbrot einpacken ließ, und sich seitdem tagtäglich lange Warteschlangen vor dem „Kult-Grill“ bilden. Derweil berichtete BILD über einen 16jährigen Jüngling, der zwei Portionen Currywurst plus Pommes mit Falschgeld zu bezahlen versuchte, dies allerdings nicht im teuren Adlon-Restaurant, sondern an einer stinknormalen Frittenbude. Bliebe noch nachzutragen, dass in einem renommierten Kölner Ausflugslokal, wo früher das gutsituierte Köln-Lindenthaler Bürgertum bei gehobener Küche seine Familienfeiern zelebrierte, jetzt eine Currywurst mit Pommes 15 Euro kostet und im Landgasthaus Heideblick im Königsforst die Rostbratwurst mit Pommes ebenso 10,50 Euro, aber dafür bekommt man als Gruß aus der Küche vorab ein Schälchen mit Aioli, Oliven, einer getrockneten Tomate und kroatischer Ajvar-Paste gereicht. Insgesamt muss man in unseren inflationsgeplagten und facharbeitermangelnden Tagen ertragen, dass die rheinische Ausflugsgastronomie im Vergleich mit Vor Corona-Zeiten generell mit stark ausgedünnten und bisweilen überteuerten Speisekarten aufwartet, und dies ohne die kulinarischen Raffinessen, an denen Herr Bär sich früher gerne zu laben pflegte. Auch das Service-Personal lässt mittlerweile zu wünschen übrig: als Herr Bär kürzlich bei einem Kellner zum dritten Mal anmahnte, er habe bereits vor 20 Minuten ein Glas Kölsch bestellt, antwortete dieser nur lapidar: „Oh, das hab ich vergessen!“ Wurde man als DDR-Bürger 1980 in der Ost-Berliner Gastronomie genauso abgekanzelt? Gleiten wir nun in Westeuropa in eine evolutionsgeschichtliche Mischung aus längst vergessen geglaubter real-sozialistischer Mangelwirtschaft mit mangelnder Arbeitsmoral und als Folge dessen einem gastro-kulturellen Untergang des Abendlandes ab? Fragen Sie dazu mal Christian Lindner und Roland Habeck. Christian Lindner war immerhin 2015 schon mal „Aalkönig“ im rheinischen Städtchen Bad Honnef, obwohl im Rhein schon längst keine Aale mehr gefangen wurden, aber diese Königswürde passt dann doch irgendwie zu ihm, während der „Spiegel“ 2021 über das Privatleben und damit über die Ernährungsgewohnheiten von Robert Habeck mit einem O-Ton-Zitat zu berichten wusste: „»Seit zehn Tagen habe ich nicht mehr abgewaschen. Der Müll ist nicht rausgebracht. Die Milch ist alle. Heute Morgen habe ich Müsli mit Wasser gegessen, ohne Scheiß.« Vielleicht sollte man daher zu seinem Trost Robert Habeck zum Bad Honnefer Aalkönig 2024 ausrufen.

Copyright Raap/Bär2023

Olaf Scholz Sammelbild No. 41

Essen und trinken mit Herrn Bär
Schollenfilet mit Sesam und Spargel mit grüner Sauce Schollenfilets in Sesamöl von beiden Seiten anbraten, Sesamkörner hineinstreuen. Dazu weißer Spargel mit einer kalten oder warmen Sauce aus Petersilie, Schnittlauch, Dill, Majoran, Estragon, Kerbel, etwas Bärlauchöl.

Garnelen in Curry-Petersiliensauce mit buntem Salat Man lässt in einem kleinen Topf etwas Butter aus, gibt dasnn halb Gemüsebrühe/halb Kochsahne hinzu, klein gehackte Petersilie, Knoblauch und rote oder gelbe Currypaste. Abschmecken mit Salz. Garnelen in Olivenöl braten. Sauce darübergießen und zusammen mit Salat servieren.

Rinderfiletstreifen auf Taleggiosauce mit Champignons

Taleggio ist ein Weichkäse aus Kuhmilch aus der Region rund um Bergamo. Für die Sauce gibt man den in grobe Stücke geschnittenen Käse in einen Topf mit Milch oder Kochsahne zusammen mit etwas Butter, abschmecken mit Salz und Pfeffer. In einer Pfanne brät man in Olivenöl Zwiebelringe und Champignons kurz an, schiebt sie zur Seite, fügt dann die Rinderefiletstreifen hinzu und lässt sie 2-3 Min. mit braten, salzen und pfeffern, gibt dann Kochsahne hinzu sowie frischen Thymian und Rosmarin.

Baer aktuell 325 – 22. Juni 2023

Juni 1st, 2023

Bild des Monats Juni 2023: Jürgen Raap, „Trommelgeister“, Acryl/Öl auf Leinwand, 2023

Baer aktuell 325 – 22. Juni 2023

Barrierefreiheit sieht anders aus, dachte sich Herr Bär, als er sich auf eine abenteuerliche U-Bahn-Fahrt von Köln-Ehrenfeld nach Köln-Kalk einließ, mithin nach Rheinisch-Sibirien. Haltestelle Ehrenfeldgürtel: Rolltreppe kaputt. Haltestelle Neumarkt: Rolltreppe zur Zwischenebene kaputt, die andere Rolltreppe ins Oberirdische auch. Dort quetschten sich dann in die Linie 1 Rollator-Fahrgäste höchst mühsam in die dicht gedrängte Traube von 49-Euro-Ticket-Passagieren. Immerhin bekam Herr Bär von einer hübschen jungen Dame einen Sitzplatz angeboten, aber Herrn Bärs Urologe hatte ihn ja schon vor Jahren gebrieft: „Wenn Ihnen das mal passiert, dann sehen Sie wirklich stark gealtert aus“. Nun ja, an der Haltestelle „Kalker Kapelle“ funktionierte die Rolltreppe zwar, bei der Rückfahrt auf der anderen Seite des U-Bahnhofs die andere Rolltreppe jedoch nicht, so dass es zwischen dem linksrheinischen, westlich orientierten römisch-zivilisierten Köln und den rechtsrheinischen Stadtteilen wie Kalk aus Sicht der linksrheinisch Angesiedelten eben in einem sibirisch anmutenden und damit klischeehaft als  barbarisch etikettierten Kölner Osten bei Herrn Bärs Abenteuerfahrt in Sachen defekter Rolltreppen 3:1 zugunsten der „Schäl Sick“ stand, d.h. der „schielenden“ rechtsrheinischen östlichen Seite. Bei den Kölner Verkehrsbetrieben KVB sind bei kaputten Rolltreppen übrigens Aufzüge keine Alternative, denn wenn die nicht auch kaputt sind, dann riecht es in ihnen oft olfaktorisch höchst bedenklich, und weil eine Fahrt mit der KVB ja sonst schon abenteuerlich genug ist, verkneift man sich dann doch lieber ein weiteres bakteriologisches Abenteuer in eben jenen verdreckten Aufzügen. So funktioniert die von der Bundespolitik vollmundig angekündigte Verkehrswende jedenfalls nicht, und Herr Bär möchte gerne wissen, ob der Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) in Köln jemals U-Bahn gefahren ist und danach zum Auto-Fetischisten mutiert ist, so wie Christian Lindner, der kürzlich bekundete, er verspüre Lustgefühle beim Aufheulen des Boxer-Motors seines Porsches. Jedenfalls unternimmt die KVB infrastrukturell nicht sehr viel, um Porsche-Fahrer zum Umsteigen auf den ÖPNV zu bewegen. Soll man nun den Klima-Aktivisten raten, sich doch mal in der Kölner U-Bahn aus Protest an einer defekten Rolltreppe fest zu kleben? Wo dort doch sowieso schon alles kaputt ist, könnten sie ja nicht noch mehr Schaden anrichten. Copyright: Bär/Raap 2023

Olaf Scholz hatte bislang nicht den Ruf einer großen Volksnähe, etwa so, wie ein marktschreierischer Aalverkäufer in Hamburg. Jener Autofahrer, der sich einfach in den Konvoi des Kanzlers einfädelte und es so „in einen Sicherheitsbereich des Frankfurter Flughafens geschafft und dort auf dem Rollfeld Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) erst einen Händedruck gegeben und ihn dann umarmt hatte“ („Express“) war auch kein überschwänglicher Scholz-Fan, sondern „er habe geglaubt, es handelte sich um eine große Familienhochzeit“ („BILD“). Dem Mann fiel allerdings nicht auf,  dass gar keine Braut zugegen war, und er machte sich wohl auch keine Gedanken darüber, ob Olaf Scholz nun der Bräutigam oder der Brautvater sei. Und hier setzt in „bär aktuell“ nun die „Geschichte hinter der Geschichte“ an: Womöglich hatte der Mann noch die Berichte über Christian Lindners opulente dreitägige Hochzeitssause auf Sylt vor Augen und dachte sich, bei dieser vermeintlichen Hochzeitsfeier mit Olaf Scholz auf dem Frankfurter Flughafen fiele vielleicht auch für ihn ein halber Hummer und ein Glas Champagner ab. Das Vorgehen des Mannes erinnert Herrn Bär an Heinrich Peter Bock (1822-1878), der in Köln als „Maler Bock“ allerdings nie ein Bild gemalt, sondern sich darauf spezialisiert hatte, uneingeladen auf Hochzeitsgesellschaften aufzutauchen, der Braut einen Blumenstrauß zu überreichen, sich alsdann gründlich am Buffet zu laben und anschließend den Strauß wieder mit zu nehmen mit der Begründung, er müsse gleich noch einer anderen Dame gratulieren. Auch Olaf Scholz bekam keinen Blumenstrauß überreicht. Copyright Bär/Raap 2023

In kölschen Brauhäusern wurde man vom Köbes immer schon geduzt. Das ist ja auch völlig in Ordnung, denn die kölsche Sprache kennt kein „Sie“, sondern man sagt stattdessen „Sidd eso jot un doht dat“ (Seid so gut und tut das, statt Seien Sie so gut…). Aber wenn sich ein Elektrizitätskonzern an seine Kunden mit der Anrede wendet, „Hallo, wir möchten Dich über die neuen Stromtarife informieren“, hat das nichts mehr mit vertrauter rheinischer Lässigkeit zu tun, sondern ist nur ein saublöder Marketing-Gag einer scheinbaren Anbiederung, über den man angesichts der heutigen Energiepreise schon irritiert sein kann, denn für das viele Geld kann man von denen als eiskalt abgezockter Gebührenzahler wohl etwas mehr Höflichkeit und weniger Saloppheit verlangen, zumal sie einem sofort den Strom abstellen und sofort wieder zum „Sie“ wechseln, wenn man die Rechnung nicht bezahlt hat. Über die mehr und mehr zunehmende neumodische Angewohnheit, in Restaurants oder Cafés fremde Gäste einfach ungefragt zu duzen, was trotz der inflationär hohen Menüpreise vorzugsweise um eine Work-Life-Balance bemühte und daher zumeist lustlos-matt heranschlurfende studentische Aushilfskellner gegenüber seriösen älteren Herren nonchalant mit den Worten „Hi, möchtest Du auch was bestellen“ praktizieren, und was dann als kumpelhaft anmutende Distanzlosigkeit von manchen Benimmpäpsten heut zu Tage sogar als Einübung „flacher Hierarchien“ toleriert oder sogar angepriesen wird, merkte der Sender SWR an: „Ist das ein Problem? Ja: Denn das Du kann nur dann seine Wirkung erzielen, wenn es im Sie seinen Widerpart hat, wenn es der Unterscheidung dient. Wenn alle immer Du sagen, verliert das Du seine Besonderheit.“ Denn wenn auch das Finanzamt sich mit einem Anschreiben meldet, „He, Du da, wir hätten gerne noch Deine letzte Umsatzsteuer-Voranmeldung“, erweist sich die Suggestion einer vermeintlich flachen Hierarchie einfach nur als bloße Veralberung, wenn die Steuerfahndung einem die Matraze umdreht, ob man da im Bettkasten nicht doch noch einen Sparstrumpf mit Schwarzgeld versteckt hat und -flache Hierarchie hin oder her – einem säumigen Steuerzahler beibringt, wer im hierarchischen gesellschaftlichen Gefüge über die Finanzhoheit verfügt, wo also mithin im Finanzamt der Hammer hängt.

Von Hunden und Friseuren soll hier die Rede sein, pünktlich zum „Welttag des Dackels“ am 21. Juni 2023. Die „BILD“-Zeitung eröffnete das mediale, d.h. nachrichtenarme Sommerloch mit der Meldung, dass Pudel Fritz aus einem Hundesalon ausgebüxt sei und dann von einem Auto überfahren wurde, woraufhin Fritzens Herrchen den Hundefriseur verklagte, zum Trimmen seines Fells hätte der Pudel doch angeleint sein müssen. – In Kölner Wirtshäusern kursiert derzeit folgender Witz über den Kölner Kardinal Woelki, wie dieser zum Friseur geht, und der Friseur ihn leutselig fragt: „Na, Herr Kardinal, wo jeht et denn dieses Jahr im Urlaub hin?“- Darauf Woelki: „Nach Rom natürlich!“ Der Friseur ist entsetzt: „Aber Herr Kardinal! Im Sommer ist et in Rom doch vill ze heiß, die fürchterliche Hitze halten Se da nit us. Und in dä Hitze is die janze Stadt och noch total verstunken! Und dann die vielen Touristen! Un dä janze Nepp in dä Gastronomie, die hohen Hotelpreise, nä, nä, Herr Kardinal!“ Doch Woelki beharrt: „Ich muss nach Rom, ich habe eine Audienz beim Heiligen Vater!“ Nach sechs Wochen kehrt Woelki wieder beim Friseur ein, und der fragt: „Na, Herr Kardinal, wie war et dann in Rom?“ – „Och“, sagt Woelki, „so heiß war es da gar nicht. Die Temperaturen waren richtig angenehm. Die Stadt hat auch nicht gestunken, und es waren auch nicht zu viele Touristen da. Ich habe auch keinen Nepp erlebt: ich hatte in einem Kloster ein schönes billiges Gästezimmer und bei den Klosterbrüdern auch gut und billig gespeist“. Fragt der Friseur weiter: „Un wie war et beim Papst?“ Woelki: „Ja, stellen Sie sich das mal vor: da legt mir der Heilige Vater die Hände auf die Schulter und sagt: Woelki, was haben Sie bloß für eine bescheuerte Frisur!“ Copyright: Raap/Bär 2023

Darauf haben wir lange gewartet: Olaf Scholz hatte endlich mal nicht nur herum gescholzt, sondern unlängst ein donnerndes Machtwort gesprochen und die Klebeaktionen moralisch überheblicher Klimaaktivisten als „völlig bekloppt“ gegeißelt. „Der Stern“ verglich kürzlich die Körpergröße von Olaf Scholz (1,70 m) mit jener von Napoleon I. (1,66 m laut Totenschein) und leitete daraus ein napoleonisches Selbstbewusstsein von Olaf Scholz ab. Dazu ist bei Wikipedia nachzulesen: „Der Begriff Napoleon-Komplex wurde von dem Psychologen Alfred Adler geprägt und bezeichnet das vermutete Verhalten, eine kleine Körpergröße durch von außen sichtbare Erfolge und Statussymbole zu kompensieren“. Der Journalist Stephan-Götz Richter hatte bereits 2021 Olaf Scholz und Emmanual Macron als „die zwei Napoleons“ apostrophiert: „Beide Männer vertrauen ihrer eigenen Denkkraft so unbedingt, dass sie schnell als arrogant angesehen werden“. Aber während Macron sich hin und wieder durchaus emotional gäbe, heißt es über unseren Bundeskanzler: „Olaf Scholz fällt es dagegen sehr schwer, wenigstens ein bisschen Emotionalität zu versprühen“. Oder mit schwungvollen Signaturen für Heiterkeit zu sorgen.  Als Olaf Scholz sich jüngst ins Goldene Buch der Stadt Köln eintrug, monierte jedenfalls das Boulevardblatt „Express“ die Unterschrift: „Wie Kinder-Gekritzel sieht sie aus und ähnelt statt Olaf Scholz eher den Buchstaben ‚Oin’…“, und im Internet hatte schon früher ein Nutzer kommentiert: die Signatur von Olaf Scholz sei „einfacher zu fälschen als ein Impfpass“. Und wenn Olaf Scholz schon mal versucht, einen Witz zu machen, lacht außer ihm garantiert keiner über die Pointe.

Noch ein Witz, den man sich derzeit in Köln über den Kardinal Woelki erzählt Woelki hat einen sprechenden Papagei, der aber immer nur „Tach, Eure Eminenz“ sagt. Als der Papst seinen Besuch in Köln ankündigt, versucht Woelki, dem Papagei beibringen, „Tach, Eure Heiligkeit“ zu sagen. Doch so oft er sich vor den Papageienkäfig stellt und ihm „Tach, Eure Heiligkeit“ vorsagt, antwortet der Papagei immer nur mit „Tach, Eure Eminenz“. Woelki sucht Rat bei einem Zoohändler, und der meint: „Papageien plappern zwar das nach, was sie akustisch hören, aber das allein ist nicht entscheidend, denn der Papagei erkennt Sie optisch nicht als Papst. Besorgen Sie sich doch bei einem Kostümverleih ein schönes buntes Papstkostüm, dann klappt das schon“. Woelki sucht also einen Karnevalsbedarfsladen auf, verkleidet sich dort als Papst und stellt sich dann vor den Papageienkäfig: „Tach, Eure Heiligkeit!“ Doch der Papagei antwortet nur mit: „Kölle Alaaf!“

Essen und Trinken mit Herrn Bär

Marinierte Wachtelbrüstchen mit Morcheln und Pfifferlingen, dazu Poree-Gemüse: Getrocknete Morcheln und getrocknete Pfifferlinge 1-2 Std. wässern. Frische Wachtelbrüstchen einen halben Tag lang in Olivenöl, Pfeffer (gemahlener grüner Pfeffer und Szechuan-Pfeffer), Rosmarin, Thymian und Knoblauch marinieren. Der Szechuan-Pfeffer hat ein spezielles Aroma, durch den pflanzlichen Wirkstoff Cineol und andere Aromastoffe, denn er ist botanisch mit den Zitruspflanzen verwandt. Die Bruststücke dann in einer Pfanne in Olivenöl scharf anbraten, mit Geflügelfond ablöschen bei mittlerer Flamme dann durchgaren lassen, nachsalzen und den Rest Marinade dazugeben, dazu ein kleiner Schuss Kochsahne, Porree in Scheiben schneiden, in Kräuterbutter andüsten und in Kochsahne weichkochn, würzen mit Salz, Pfeffer, etwas Ingwer.

Wachtelbrüstchen, Foto: S. Kallnbach

Stubenküken mit Apfel-Morchelfüllung Stubenküken von außen und innen salzen, pfeffern, mit flüssigem Bärlauch einreiben. Getrocknete Morcheln gründlich wässern. Das Innere mit Apfelstücken, Selleriestücken, Morcheln, Rosmarin, Thymian füllen und mit einem Stück gelbem oder grünem Gemüsepaprika verschließen. In einer Casserole mit Geflügelfond im Backofen zusammen mit Möhrenstückchen bei 180-200 Grad von beiden Seiten insgesamt 35-45 Min. garen. Den Fond abgießen und mit etwas Sahne zu einer Sauce abbinden.

Schawarma In Deutschland wird das türkische Döner Kebap heute oft aus Hackfleisch angeboten. Ursprünglich wurde dieser Spieß jedoch mit aufeinander geschichteten Fleischscheiben bestückt, und beim arabischen Schawarma gilt dies immer noch. Ursprünglich nahm man auch für Schawarma nur Lamm- oder Hamelfleisch, heute auch Rind oder Geflügel. Das Fleisch wird in Zitronensaft, Zimt, Kreuzkümmel, Koriandersamen, Kardamom, Kurkuma, Gewürznelken, Paprika, Pfeffer, Minze und Knoblauch mariniert und dann auf einem senkrechten Drehspieß gegrillt. Dass im türkischen und arabischen Kulturraum Fleischstücke vom Spieß in dünnes Fladenbrot eingewickelt werden, ist übrigens keine Errungenschaft heutiger Imbisskultur, sondern wurde von von Helmuth von Moltke berichtet, als dieser 1836 Militärberater des Osmanischen Reiches war.

Seezunge mit Spinat Frischen Blattspinat gründlich waschen, klein hacken und in Knoblauchbutterkurz andünsten, dann Kochsahne hinzufügen und garen lassen. Würzen mit Salz, Pfeffer, einer Prise Muskat, frischem Knoblaich oder Bärlauch-Pesto. Seezungen von beiden Seiten salzen, pfeffern und mit Zitronensaft beträufeln. In einer Mischung aus Olivenöl und Knoblauchbutter von beiden Seiten braten, nach dem Wenden Salbeiblätter- und Rosmarinnadeln hinzufügen und noch einen Klacks Knoblauchbutter auf der Oberseite zerlaufen lassen.

Spargel auf französische Art Der Spargel wird wie gewohnt in leicht gesalzenem Wasser gekocht. Auberginen im Backofen ca. 45 Min. backen, dann die Haut abziehen, das Fruchtfleisch pürieren und mit Olivenöl, Balsamicoessig, Salz, Pfeffer, etwas Chili, frischer Minze Knoblauch und Petersilie vermengen, in kleinen Knubbeln auf dem Teller anrichten, Joghurt mit Salz, Pfeffer und Schnittlauch verrühren und einen Klacks dazu auf den Tellern anrichten, außerdem Röllchen von gekochtem Schinken. Wer will, kann auch eine Vinaigrette aus Olivenöl, Balsamicoessig, Petersilie, Schnittlauch und etwas Senf über den Spargel geben.

baer aktuell 324 – 3. Mai 2023

Mai 1st, 2023

Bild des Monats Mai 2023: Jürgen Raap, „Die nächtliche Überfahrt I“, 2023

baer aktuell 324 – 3. Mai 2023

„Das ist der größte Tag in meinem Leben“, jubelte der Grünen-Politiker Winfried Kretschmann, als er erfuhr, man habe eine Wespenart nach ihm benannt, die nun „Aphanogmus kretschmanni“ heißt. Keineswegs seinen größten Tag erlebte hingegen kürzlich Kretschmanns grüner Parteifreund Andreas Schwarz, der auf einem Volksfest vehement ausgebuht wurde, weil er eine Absenkung der Mehrwertsteuer für die Gastronomie ablehnt, und noch ärger traf es nun in Sachen ramponiertes Ansehen Robert Habeck, da nämlich nicht nur der CSU-Krawalöres Alexander Dobrindt Klüngeleien im Habeck-Ministerium witterte und „mafiöse grüne Clan-Strukturen“ anprangerte, sondern auch „Der Spiegel“ mit dem Kommentar: „Schön, wenn ein Clan für den Erfolg zusammenhält, siehe Kelly Family, Waltons, Remmos“. Was unterdessen in Köln immer noch als lässliche Sünde durchgeht, wenn man in der Politik einem Cousin einen lukrativen Posten zuschanzt mit der Standard-Begründung: „Dä kann ja nix dafür, dat dä mit mir verwandt ist“, kann man allerdings den sich sonst immer so hypermoralisch gebärdenden Grünen nicht so ohne weiteres durchgehen lassen, so dass selbst der seriöse Berliner „Tagesspiegel“ anmahnt: „Der Verdacht der Vetternwirtschaft im Wirtschaftsministerium kann riesigen politischen Schaden anrichten, wenn Robert Habeck nicht durchgreift.“ Eine neu entdeckte Tierart wird man daher derzeit wohl nicht nach Robert Habeck benennen, und noch nicht einmal – da die Grünen nun mal nicht viel von „Technologieoffenheit“ halten – nach ihm ein neuartiges Heizpilzmodell für die Außengastrononie, bei der man auf der Bierterrasse übrigens im Hochsommer bei ausgeschaltetem und dann klimaneutralen Heizpilz vor Wespenstichen nicht sicher ist, zumal nicht vor jenen einer „Aphanogmus kretschmanni“. Abschließend sei an dieser Stelle angemerkt, dass nach dem Schauspieler Arnold Schwarzenegger eine Laufkäferart benannt wurde (Agra schwarzeneggeri) und nach dem Tennisspieler Boris Becker eine Meeresschnecke namens Bufonaria borisbeckeri. Sarah Wagenknecht ist Namenspatronin der Flusskrebsart Cherax wagenknechtae. Der britische König Charles III., damals noch Prince Charles, wurde mit der Benennung einer Froschluchart als Hyloscirtus princecharlesi geehrt. Und last not least – das ist jetzt kein Witz – heißt eine Palpenmottenart Neopalpa donaldtrumpi, weil ihre Kopfbeschuppung an die Frisur von Donald Trump erinnere.

Schön, dass sie in London mit ihrer Prinzengarde und einer goldenen Kutsche auch so eine Art Rosenmontagszug hinkriegen. Wenn allerdings in Köln, Bonn oder Düsseldorf der Prinz Karneval auf einem Prunkwagen durch die Stadt rollt und Kamelle unters närrische Volk wirft, lebt darin eine Tradition aus dem 19. Jh. fort, aus der Sicht eines selbstbewusster gewordenen Bürgertums den aristokratischen Feudalismus zu persiflieren, wohingegen das Londoner Krönungsspektakel auf derlei parodistische Elemente verzichtete und daher in seiner Ernsthaftigkeit mit all dem Aufwand im 21. Jh. weitgehend anachronistisch wirkte. Für das karnevaleske Spiel am Hofe Seiner Tollität, der Prinzenproklamation im Kölner Gürzenich, bietet man alljährlich die Crème de la Crème der rheinischen Büttenredner auf, während hingegen bei der Inthronisierung von Charles III. nur der Humorist Wigald Boning für den Sender RTL inmitten des närrischen Londoner Volks „den etwas anderen Blick auf die pompösen Feierlichkeiten“ einfangen durfte. Dass die Boning’sche Klatschmarsch-Reportage für eine siebenstündige Live-Sendung allein wohl doch etwas zu dürftig gewesen wäre, mochte man in der RTL-Redaktion rechtzeitig geahnt haben. Daher ließ RTL im Studio u.a. noch eine echte Adlige zu Wort kommen, nämlich die Gräfin Stephanie von Pfuel, die im Volksmund die „Kaffee-Gräfin“ genannt wird, weil sie mal in einem Werbesport für „Eduscho“ mitwirkte, wobei anzumerken ist, dass in England auch in unseren Tagen immer noch mehr Tee als Kaffee getrunken wird, zumal man in britischen Haushalten den Kaffee zumeist aus Instant-Pulver zuzubereiten pflegt, so dass eine adlige Kaffee-Expertin im RTL-Studio mit ihrem Fachwissen hier sicherlich unterfordert war, wie auch sonst England nicht gerade als ein Mekka für Feinschmecker gilt: zur Krönung von Elizabeth II. 1953 gab es als Krönungsmahl nur Hühnchen mit Curry-Mayonnaise, und auch Charles III. leistete sich jetzt beim Krönungsbankett keine kulinarischen Extravaganzen: aufgetragen wurde lediglich eine Quiche mit Cheddar-Käse, Spinat und Bohnen. Da würde Herr Bär doch lieber das traditionelle Prinzenessen im Kölner Gürzenich bevorzugen: den Obernarren tischte man dort neulich Crevettencocktail, Roastbeef und warme Apfeltörtchen auf.

Zu den Lebensweisheiten des Edel-Pleitiers Boris Becker gehörte ausgerechnet zum jüngsten Muttertag der Hinweis, seine Mutter habe ihm geraten, er sollte immer auf seine Frau hören, denn wenn diese ein glückliches Leben führe, käme das auch ihm, Bobele, zugute. Verkürzt im O-Ton Becker wieder gegeben: „Happy wife, happy life“. Er lebe daher jetzt deshalb in Italien, weil seine derzeitige Lebensgefährtin das so wolle. Also „Happy life“ mit Pasta und Parmaschinken, worauf seine Gläubiger womöglich ein wenig verdrießlich reagieren. In Gelddingen hat Boris Becker früher sicherlich nicht auf seine Ex-Frauen gehört, und man weiß ja inzwischen, in welchem „unhappy life“ das letztlich geendet hat. Aber man lernt ja nie aus, auch ein Boris Becker nicht, der nun gottlob anfängt, zur Altersweisheit zu neigen. Daher überlässt er die Führung der gemeinsamen Haushaltskasse in Italien gewiss freiwillig- eingedenk der Ratschläge von Mutter Becker – nicht nur am Muttertag Partnerin Lilian.

Wenn es gilt, den Verfall der Sitten zu beklagen, so ist an dieser Stelle die Erkenntnis eines Gastrosoziologen zu erwähnen, die jüngere Generation verschmähe Spargel, weil man dafür zum Essen Messer und Gabel benötige und dann keine Hand mehr frei habe, um während des Essens auf dem Handy herum zu daddeln. Deswegen würde diese handyaffine Generation Essen in Schüsseln (neudeutsch: Bowl) bevorzugen, die man mit einer Hand mit dem Löffel verzehren könne. Da kann Herr Bär nur noch Cicero zitieren: „O Tempora, o mores“ (Oh Zeiten, oh Sitten“).

Als Rudi Dutschke die 68er-Protestgeneration zum „Marsch durch die Institutionen“ aufrief, konnte er nicht ahnen, dass ein halbes Jahrhundert später derlei Strategie in einer grünen Öko-Cosa Nostra geendet hat, mit einem Paten Robert Habeck, der jüngst vor der Presse zerknirscht bekundete, als Nachfolger des zurückgetretenen Staatssekretärs Patrick Graichen werde er, Minister Habeck, gewiss nicht seinen, Habecks, Trauzeugen auf diesen Posten berufen. Das sollte wohl witzig gemeint sein, rief aber keinerlei Lacher hervor. Das rheinische Wort „Klüngel“ bedeutet „undurchsichtiges Knäuel“, und abgesehen von all den Verknäuelungen Graichens mit Trauzeugen, Geschwistern, Schwägern und in deren Funktionen in diversen Lobbyorganisationen, bei denen man sich mit einer Neigung zu Klischeevorstellungen an gewisse Clan-Strukturen erinnert fühlen mag, wie sie sonst in Europa vielleicht nur in Kalabrien und auf dem Balkan üblich sind, bescheinigte auch die „FAZ-Frankfurer Allgemeine Zeitung“, Patrick Graichen habe eine „brachiale Energiepolitik“ betrieben, die bei jedem Häuslebesitzer nur Existenzängste schürte. Nun ja, schon die alten Russen wussten: Setzt den Bauern auf den Zarenthron, und er wird schlimmer sein als der Zar selbst. Macht korrumpiert  — das hatte Rudi Dutschke damals nicht bedacht. Wie man hingegen Klüngelei PR-strategisch richtig verkauft, hätten Habeck und Graichen in Köln lernen können. Dort würde nämlich jeder Kommunalpolitiker immer behaupten, er klüngele nie um des persönlichen Vorteils willen, sondern immer nur zum Wohle der Stadt: „Mer dun et jo nur för Kölle“ (Wir tun es ja nur für Köln). Das ist zwar meistens auch gelogen, hört sich sich mit derlei folkloristischer Verbrämung aber weitaus charmanter an.

Essen und Trinken mit Herrn Bär

Avocado mit Crevetten Diese Vorspeise genoss Herr Bär vor vielen Jahren im Pariser Restaurant „Chartier“ in der Rue de Montmartre. Man kann die Avocado halbieren, den braunen Kern wegnehmen und dann mit frischen Nordseekrabben auffüllen, oder aber kleine Avocadostücke in einer Schüssel mit den Krabben vermengen. Salz, Pfeffer, Dill, ein paar Spritzer Zitrone und etwas Krabbencreme runden dieses Entrée ab.

Sauce Nantua passt gut zu allen Fischsorten mit weißem Fleisch. Es gibt verschiedene Rezeptvarianten, am einfachsten ist diese: man dünstet klein gehackte Zwiebeln in Butter, gibt dann etwas Essig und Weißwein hinzu, klein gehackte Flusskrebse oder Crevetten, lässt das Ganze weich köcheln, rührt dann Butter und Crème fraiche hinein, bis eine sämige Sauce entsteht, die man mit Salz und Pfeffer abschmeckt.

Kleiner Salat à la Karl-Josef Bär mit in Streifen geschnitteneem Räucherlachs, Gurken- und Apfelstücken, angemacht mit Pfeffer, etwas Schafsjoghurt, Meerrettich und Dill.

Champignons Casteldefels Als kleine Hommage an einen Vorort von Barcelona, nämlich den Badeort Casteldefels, sei dieses Rezept angeführt: Man mariniere ganze braune Champignons einige Stunden lang in Öl, Essig, Salz, Pfeffer, Cayenepfeffer, Rosenpaprika Petersilie, Dill, Schnittlauch zerdrücktem Knoblauch und flüssigen Bärlauch, wälze sie dann in Mehl, brate sie dann anschließend in Olivenöl in einer Pfanne an, lösche die Pilze mit Gemüsefond ab, füge noch etwas frische Petersilie hinzu, etwas köcheln lassen, dann in eine Tonschüssel umfüllen und bei mitlerer Hitze ca. 20 Min. im Backofen weitergaren lassen. Dazu passt Baguette-Weißbrot.

Lammcarré mit breiten Bohnen In einem Topf Zwiebeln andünsten, ein paar Stückchen roten Paprika hinzufügen, dann ebenso die Bohnen, das Ganze mit Gemüsefond auffüllen und einem Schuss Kochsahne. Bohnen weich dünsten, mit Salz, Pfeffer, Petersilie und Bohnenkraut würzen. Für die Sauce in Kräuterbutter Zwiebeln andünsten, kleine Tomatenstückchen in Gemüsefond zerkochen lassen, bis der Fond anfängt einzudicken. Würzen mit Salz, Pfeffer, Worstershiresauce, Petersilie, etwas Dill, Schnittlauch, Thymian. Die Lammcarré-Stücke in Olivenöl von beiden Seiten scharf anbraten, bei mittlerer Hitze dann garen, salzen, pfeffern, etwas Knoblauch auspressen, mit Küchenkräutern bestreuen.

Poulet aux 40 gousses d’ail Wörtlich übersetzt heißt das „Hähnchen mit 40 Knoblauchzehen“, doch für dieses Rezept aus der Provence reichen 7-8 Knoblauchzehen, die man mit der Schale ins Innere eines Hähnchens (oder Stubenkükens) gibt, zusammen mit Rosmarin, Petersilie und Thymian. Je nach Größe des Hähnchens dieses 40-50 Min. bei ca. 180 Grad in einer Cocotte im Backofen garen – der Knoblauch ist dann weich und pastenartig, lässt sich gut aus der Schale drücken und auf dem Hähnchenfleisch verstreichen. Bärs Weinempfehlung dazu: ein Cote de Rhone Villages oder ein Languedoc-Roussilon.

baer aktuell 223 – 3. April 2023

April 5th, 2023

Bild des Monats April 2023: Jürgen Raap, „Die heimliche Macht der Obskuranten“, 2023

baer aktuell 223 – 3. April 2023

Scholz-Double gesucht Die britische Fotografin Alison Jackson inszeniert auf „unterhaltsame“ Weise Berühmtheiten durch Ablichtung von deren Doppelgängern, die dann z.B. als sich prügelnde royale Prinzen-Gebrüder Harry und William oder als Queen Elizabeth II. unter der Trockenhaube im Bild festgehalten werden. Im „Spiegel“ beklagte sich die Fotografin unterdessen, sie hätte bislang noch kein geeignetes Olaf Scholz-Double für solch fotografischen Schabernack finden können: „…. frage ich mich, wer Ihr Kanzler überhaupt ist. Niemand scheint das zu wissen. Finden Sie nicht auch, dass er sichtbarer, greifbarer sein sollte? Ich fürchte, er ist genauso langweilig wie wir. Andererseits ist dieser Eindruck womöglich gewollt und könnte von seiner Cleverness zeugen“. Also, auf nach Düsseldorf: dort findet während der „Langen Nacht der Museen“ am 22. April 2023 ein Casting für ein Scholz-Double statt. Tipp von Herrn Bär: Reden müssen Sie bei dem Casting nicht viel. Aber vorher schön die Pläät polieren. Dem Gewinner winkt eine Aufnahme in die Kartei einer Doppelgänger- und Künstler-Agentur.

Ach, Bobele, ach, Herr Habeck Herr Bär wäre nicht erstaunt gewesen, hätte Boris „Bobele“ Becker einen neuen Job als Finanzberater im Wirtschaftsministerium von Robert Habeck gefunden. Im Unterschied zu Robert Habeck weiß Boris Becker nämlich, was eine Insolvenz ist. Doch wie man auch woanders Geld zum Fenster hinaus werfen kann, führt Bobele jetzt in einem Werbespot für einen Fensterhändler vor: „Jetzt schmeißt Boris Becker das Geld wirklich zum Fenster heraus“, frohlockte nämlich der Inhaber der Website www.fensterversand.com. Boris Becker wiederum beeilte sich zu versichern: „Ich bin in guten Verhandlungen mit meinem Insolvenzverwalter“. Derweil lautete eine Schlagzeile in der FAZ-Frankfurter Allgemeinen Zeitung: „Habeck verheizt das Geld“. Fragt sich nur, womit. Schon einige Wochen zuvor hatte das Wirtschaftsforschungsinstitut Dr. Doebelin das Ergebnis einer Umfrage mitgeteilt: „Wirtschaftskompetenz: Habeck rutscht deutlich ab“. Vielleicht sollte Boris Becker besser einen Brennholzverleih eröffnen. Und Robert Habeck dreht dazu einen Werbespot, wie er „das Geld“ (vulgo: die Kohle) mit eben jenem Brennholz verheizt.

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Ein Loblied sollte auch einmal auf den FDP-Politiker Wolfgang Kubicki gesungen werden, weil er sich mit einem doch recht hohen Unterhaltungswert aus der Masse all der langweiligen Spießer im Polit-Betrieb heraus hebt und es immer wieder schafft, mit mal mehr, mal weniger geistreichen Bonmots und verbalen Entgleisungen auf sich aufmerksam zu machen: So begrüßte Kubicki kürzlich in Hanau als Festredner beim Lions Club Main-Kinzig seine Zuhörer mit den Worten: „Sehr geehrte Damen und Herren und Vertreter der anderen 64 sexuellen Orientierungen, die mir bekannt sind“, um ein paar Sätze weiter nachzuschieben: „Ich habe keinen einzigen Tag in meinem Leben ohne Frau verbracht. Das hat mich geprägt. Zuerst war da meine Mutter, dann meine drei Ehefrauen. Nacheinander versteht sich.“ Eine weitere Scheidung könne er sich aber jetzt nicht mehr leisten. Das sagt ausgerechnet einer, dessen politische Heimat im Ruf steht, eine Partei für gutsituierte Porsche-Fahrer zu sein. Dass sich indes die Grünen-Politikern Kathrin Göring-Eckardt darüber beschwerte, Kubicki habe sie mit einem Handkuss begrüßen wollen, was sie aber abgelehnt habe, kann dessen dritte Ehefrau Annette Marberth-Kubicki nicht begreifen: Gatte Wolfgang habe doch nicht „an der Hand lange herumgeschlabbert, sondern den Kuss nur hingehaucht“. Aber Kathrin Göring-Eckardt gab sich ja schon immer etwas sauertöpfisch und spröde; und so kann sie halt mit solchen Kavalier-alter Schule-Manieren nichts anfangen. Über Annalena Baerbock, die immer eine offizielle Stylistin in ihrem Tross hat, merkte der liberale Grandseigneur mokant an, er habe immerhin seinen Friseur selbst bezahlt. Man ahnt, dass bei einer weiteren Scheidung selbst das Geld für den Friseur bei Kubicki nicht mehr gereicht hätte. Dennoch: „Wenn wir Russland schon versehentlich den Krieg erklären, dann wenigsten top gestylt.“ Über die politische Konkurrenz gelangte Wolfgang Kubicki letztlich zu dem Urteil: „Die Grünen sind anstrengend, aber die Union ist unzuverlässig und hinterhältig“. Copyright Raap/Bär 2023

Allzutief in die Metaphernkiste griff der Musikkritiker des Berliner „Tagespiegels“, als er eine „Arabella“-Premiere in Berlins Deutscher Oper rezensierte und dabei behauptete, der Ton der Musik in dieser Oper von Richard Strauss käme „mit einem Schlagsahnenklang“ daher, „der bei allen Kalorien eine gewisse Schlankheit bewahrt, der nicht alles zuckrig zukleistert“. Den Höhepunkt solch überflüssiger manieristischer Sprachakrobatik erreichte der Kritiker in dem reichlich durchgeknallt klingenden Schlusssatz, in dieser Inszenierung fingen „die Geschlechtsidentitäten an zu erodieren wie Sandskulpturen während eines Gewitterschauers“. Als ein Anhänger der eher werkgetreuen Wiedergabe einer Komposition erwies sich unterdessen der Kritiker auf https://magazin.klassik.com/konzerte/reviews.cfm?task=review&PID=7955, der die launige Frage stellte: „Aber will der angestammte Vivaldi-Genießer auch ‚Spiel mir das Lied vom Tod‘ ganz nebenbei serviert bekommen oder hat er nicht doch eine ziemlich vorgefasste Idee, was er hören möchte, wenn Vivaldi auf dem Programm steht?“ Viel kürzer und prägnanter wird hingegen popig-rockige Gegenwartsmusik im „Musik Express“ rezensiert: „Wahnwitz, Party, Remmidemmi – der Samstag beim Hurricane Festival… hat alle Erwartungen übertroffen.“ So kann man eine Konzertkritik auch auf den Punkt bringen, findet Herr Bär.

Mer kann et och üvverdrieve (man kann es auch übertreiben) sagt der Rheinländer, und dies gilt zumal für den Übereifer (und das moralische Überlegenheitsgefühl) mancher Anhänger einer politischen Korrektheit. Der Verlag Puffin Books z.B. zensierte unlängst Kinderbücher des Autoren Roald Dahl: so wird in „Charlie und die Schokoladenfabrik“ die Figur des Augustus Glupsch in einer Neuausgabe jetzt nicht mehr als „enorm fett“, sondern nur noch als „enorm“ beschrieben, um Kinder mit Übergewicht „nicht zu beunruhigen“. Es sind aber womöglich zumeist jene dicklichen Blagen, die nur deswegen an Bewegungsmangel leiden, weil sie von ihren Heliokoptermüttern mit dem SUV jeden Morgen bis vor die Schultür gefahren werden, anstatt mal 1-2 Kilometer selbst zu laufen wie einst der achtjährige Herr Bär als Volksschüler, und denen man nun nicht zumutet, sich als verhätschelte Sensibelchen darüber zu grämen, sich mit einer pummeligen Kinderbuchfigur identifizieren zu müssen. – In einer Bäckerei in Kassel-Lohfelden erregte sich kürzlich eine Kundin über den „Nigeriakuchen“. Das ist ein Konditoreiklassiker, der als Puddingkuchen mit Schokoladenüberzug angeboten wird, wobei allerdings jene schrille Kundin mit eben jenem Schokoladenüberzug höchst widersinnig eine „dunkle Hautfarbe“ und damit automatisch „Rassismus“ assoziierte und zudem auf die „schlechten Anbaubedingungen“ der Kakaobohnen mit Pestiziden und Kinderarbeit in Nigeria verwies. Im Originalrezept, das man auf www.chefkoch.de nachlesen kann, ist jedoch überhaupt nicht davon die Rede, dass die drei Esslöffel Kakaopulver unbedingt aus Nigeria stammen müssen. Der Kuchen heißt nur so, er könnte wohl auch mit Fug und Recht genauso gut „Ecuador-Kuchen“ heißen, weil nämlich dort am Oberen Amazonas schon vor 3.000 Jahren Kakao angepflanzt wurde. Dass Kakao auf den heutigen Weltmärkten leider nur zu einem Bruchteil fair gehandelt wird, ist ein ganz anderes Problem, das aber mit der Sortenbezeichnung einer Konditoreiware nun absolut nichts zu tun hat. „Echte Kieler Sprotten“ müssen allerdings aus einem Fanggebiet in der Kieler Bucht stammen. In Eckernförde behauptet man freilich, die Sprotten kämen eigentlich ursprünglich von dort, d.h. aus der Eckernförder Bucht. Die Transportkisten hätten jedoch anschließend erst am Kieler Bahnhof einen Versandstempel erhalten, dessen Inschrift den Eindruck somit erweckte, sie stammten aus Kiel. Aber mit den solchermaßen benachteiligten Eckernfördern solidarisiert sich deswegen heute niemand, so sei’s geklagt. Dort in der Ostsee-Region gibt es übrigens auch Kieler Sprotten aus Schokolade, die so ähnlich aussehen wie „Katzenzungen“, aber keiner erregt sich darüber, dass die Kakao-Zutat dafür nicht aus Kiel stammt, sondern, nun ja, vielleicht aus Nigeria. Es gibt auch einen Aquavit namens „Kieler Sprotte“, über den allen Ernstes damit geworben wird, er werde „nach alter Tradition“ auf dem Schiff einmal quer durch die Kieler Bucht transportiert, wozu immer das gut sein mag. Kein vernünftiger Mensch jedoch käme auf die Idee, der „Nigeriakuchen“ aus Kassel-Lohfelden müsse mit dem Kühllaster einmal quer durch Nigeria transportiert werden, nur um so heißen zu dürfen. Wie gesagt, mer kann et och üvverdrieve, und andere Probleme sind vielleicht doch viel wichtiger. Copyright Raap/Bär2023

Angesichts sprachverhunzender grammatischer Fehlleistungen wie in der völlig unsinnigen Wortkonstruktion „Krankenschwesterin“ ist der WDR-Fernsehdirektor Jörg Schönenborn zu loben, in seinem Sendebereich derlei unsäglichen Genderunfug wieder abschaffen zu wollen, der z.B. dazu geführt hat, aus „die Menschen“ überflüssigerweise „die Mensch*innen“ zu machen. Das sprachlich äusserst holprige Wort „Bürger*innenmeister*in“ oder gar das Wortungetüm „BürgerInnenmeisterInnenkandidatInnen“ widerstrebt doch unserer anthropologisch bedingten Neigung zur Sprachökonomie, die uns veranlasst, z.B. aus einer Katharina bequemerweise eine „Käthe“ oder „Kati“ zu machen oder op kölsch noch kürzer einfach „Kätt“. Eine Vokabel wie „die Pfefferstreuer:in“ ist schon einfach deswegen einfach nur Blödsinn, weil es in der Objektwelt der Pfefferstreuer ja nun mal gar kein zweites oder gar drittes Geschlecht gibt, während hingegen es sich bei der „Salzstreuerin“ um eine Frau handelt, die im Winter Salz auf die vereiste Fahrbahn streut. Nichts desto trotz ist die Politikerin Katrin Göring-Eckhart der Ansicht, wir lebten nicht auf einem Planeten, sondern auf einer „PlanetIn“. Gründlich falsch gegendert hatte unlängst übrigens Annalena Baerbock, als sie den Plural „SteuerInnenzahler“ kreierte, denn es heißt ja schon „die Steuer“ und im Plural eben „die Steuern“ bei den Abführungen als Finanzamt, aber eben im Neutrum „das Steuer“ als Lenkvorrichtung, und auch hier gibt es keine männlichen, weiblichen oder diversen Lenkräder oder Ruderpinnen, so dass ein generischer Plural „SteuerInnen“ in jedem Fall als sprachlogische Meuchelei gescholten werden muss. Vergendert hatte sich auch ein Schnapsfabrikant, der seinen Likör „Berliner Luft“ in „Berliner:innen Luft“ umbenannt hatte und sich daraufhin vom „Spiegel“ belehren lassen musste, „Berliner“ sei hier ein Adjektiv, ähnlich wie „himmlisch“, und das gendere man nun mal nicht. Anton Hofreiter wiederum leistete sich den Pleonasmus, von einer „weiblichen Freundin“ zu sprechen, wen immer auch er damit gemeint haben mochte. Wer mit Anton Hofreiter befreundet ist, muss sich mithin sprachlich auf alles gefasst machen. Wahrscheinlich streicht Hofreiter seine Wohnung auch mit „Wandfarbe:innen“ an, ohne zu wissen, dass es auch Wandfarben für den Außenanstrich gibt, die aber dann nicht „Wandfarbe:außen“ genannt wird. Vielleicht hilft ihm aber wenigstens die weibliche Freundin beim Innenanstrich. Copyright: Raap/Bär 2023

Bär aktuell spezial: Bildstrecke Kölner Osterkirmes 2023. Beispiele für Exotismus in der zeitgenössischen Kirmeskultur mit ästhetischen Wechselbeziehungen zur musealen Pop Art.  Herzlichst, Karl-Josef Bär (Fotos: Copyright Raap/Bär 2023 und Copyright S. Kallnbach 2023).

Essen und Trinken mit Herrn Bär

Gebackener Ziegenkäse Am Besten eignet sich dazu ein Crottin de Chavignol, ein halbfester Ziegenmilchschnittkäse aus dem ländlichen Gebiet des Pays-Fort-Sancerrois im Loiretal. Man kann aber auch einen anderen guten Ziegenkäse nehmen, der noch nicht so ausgereift ist wie ein Crottin, und als Vorspeise reichen: Herr Bär nimmt eine kleine feuerfeste Form und legt die Käsescheibe auf eine Tomatenscheibe, darauf etwas Pfeffer, frischen Thymian, Knoblauch-oder Bärlauchsauce. Nur kurz bei großer Hitzze backen, bis der Käse zerläuft.

Fisch-Entrée „Niehler Hafen“, Ein Vorspeisenteller nach Art der polnisch-baltischen Zakuski; kann an heißen Sommertagen, an denen man gerne was Leichtes ist, mit entsprechender Portionierung auch als Hauptmahlzeit goutiert werden. Tomatenhälften aushöhlen und mit Nordseekraben auffüllen, dazu ein Klacks Schafsjoghurt mit Krabbencreme, Dill und einem Tropfen Jalapeno-Chilisauce. Das Tomateninnere mit kleingehackter Sardelle mit frischer Gartenkresse vermischen. Matjessalat mit in Streifen geschnittenen Matjesfilets, Gurken- und Apfelstücken, Dill und etwas Öl, und zur Abrundung Kieler Sprotten. Dazu passt ein Mosel Riesling, ein französischer Saumur von der Loire oder aus der benachbarten Sancerre-Region.

Kleiner Vorspeisenteller Als tapasartiges Amuse Gueule zum Appetitanregen empfiehlt sich ein kleiner Vorspeisenteller, den man schnell und einfach auftischen kann: ein halbes gekochtes Ei mit Anchovi (Sardelle), geraspelte Möhren mit Salz, Pfeffer, Öl, Essig, Schnittlauch und etwas Petersilie, halbe ausgehöhlte Tomate mit einer Füllung aus kleingehackten roten Paprikastücken, Tomatenpüree, Chili-Sauce, Schnittlauch.

Züricher Geschnetzeltes Das Original wird mit Kalbfleisch zubereitet, und nur dieses darf sich „Züricher Geschnetzeltes“ nennen – mit Schweinefleisch heißt es „Geschnetzeltes Züricher Art“. Man schneidet Schnitzelfleisch in 1 cm breite Streifen, brät sie in Butter oder Schmalz an, salzen und würzt es, brät Zwiebel- oder Schlattenstücke zusammen mit Champignonstücken, salzen und pfeffern, etwas Mehl hinein stäuben, Weißwein hinzu gießen, kurz aufkochen, Kochsahne hinzufügen, kurz köcheln lassen, dann mit dem Fleisch vermengen. Dazu serviert man Rösti, Kartoffeln, Kartoffelpüree oder Reis.

Seeteufel mit Pak Choi-Gemüse Der Seeteufel (Lotte) kommt im östlichen Atlantik und im Mittelmeer vor und lebt dort in tiefen Gewässern. Man lasse sich beim Fischhändler zwei Finger breite Stücke abschneiden, die man in Olivenöl von beiden Seiten kurz anbrät, dann salzt, pfeffert, mit Zitronensaft beträufelt. In einer separaten Pfanne dünstet man kleine Stücke vom Pak Choi-Kohl (chinesischer Senfkohl) weich, salzt und pfeffert das Gemüse, gibt es dann in die Pfanne mit dem Fisch und fügt aus einer Schüssel eine Sauce aus Kochsahne, Krabbencreme, ein paar Spritzern asiatischer Fischsauce, Salz, Pfeffer, Senf, Meerrettich, Schnittlauch, Salbei Petersilie und Dill hinzu, kurz aufkochen und noch ein paar Minuten ziehen lassen.

Calamares mit gelbem Paprika Calamares ausnehmen, Tintenbeutel abschneiden, gründlich waschen und 1 Tag in Oliven Öl, Knoblauch, Rosmarin, Salbei und grünen Pfefferkörnern marinieren. Dünne Streifen von gelbem Spitzpaprika in einer Pfanne weich dünsten, in der Pfanne ein wenig an den Rand schieben, dann die Calamares kurz anbraten (wenn sie zu lange braten, werden sie schnell hart), salzen, pfeffern, die Marinade mit den Kräutern hinzugeben und mit etwas Kochsahne und Tomatenpüree abrunden.

Champignon-Käse-Omelette à la Karl-Josef Bär Braune Champignons waschen, in Scheiben schneiden, mit Salz, Pfeffer, Lauchzwiebeln und einem Spritzer Essug vermengen und in einer Pfanne in Olivenöl dünsten/braten. Je nach Portionierung 3-6 Eier in einer Schüssel mit Salz, Pfeffer, Paprikapulver mild oder scharf einem Schuss Worcherstershiresauce und Bärluach-Pestoverrühren, über die Champignons gießen, langsam garen lassen, dann geriebenen Emmentaler oder Gouda darüber streuen und serviereen, sobald der Käse zerlaufen ist.

Kabeljau und Crevettes rosés auf Curry-Linsen Rote Linsen einige Stunden lang einweichen mit etwas geraspeltem Ingwer. Die Crevetten schälen. In einer Casserole Lauchzwieblen in Olivenöl andünsten, mit Fischfond auffüllen, die Crevettenschalen und -köpfe darin auskochen, zusammen mit Sellerie und Knoblauch. Dann den Sud durch ein Sieb abgießen, einen Teil zusammen mit kleinen Gurkenstücken, frischem Koriander und frischer Minze beiseite stellen. In den restlichen Sud gelbe Currypaste einrühren, kurz aufkochen, die Linsen mit ein paar Stückchen von rotem und grünem Spitzpaprika hinzufügen, gar köcheln lassen, mit geriebenem Ingwer, frischem Koriander und Minze abschmecken. Kabeljaufilet salzen und pfeffern, kurz mehlieren und in einer Pfanne braten, beim Wenden die Crevetten hinzufügen und mitbraten, vor dem Servieren den beiseite gestellten Sud hinzufügen.

Baer aktuell 321/322 – 22. März 2023

März 3rd, 2023

Bild des Monats März 2023: Jürgen Raap, „Der Orden von Toledo“, 2023

Jürgren Raap, Der Orden von Toledo“, Acryl und Öl auf Leinwand, 2023

Baer aktuell 321/322 – 22. März 2023

Keineswegs in die Tat umsetzen sollte man jenen Witz, den sich neulich der Kabarettist Dieter Nuhr erlaubte: Wie ärgert man einen veganen Radfahrer? – Man stellt seinen SUV mitten auf dem Radweg ab und hängt einen Zettel an den Scheibenwischer: „Bin mal eben beim Metzger“. Wenn man als SUV-Fahrer Glück hat, ist dann der Zettel an der Windschutzscheibe nur gegen einen anderen mit dem Text ausgetauscht: „Sorry für den Kratzer“, und der vegane Radfahrer beömmelt sich, wie der SUV-Fahrer dann nach seiner Rückher aus der Metzgerei mit einem Wurstpaket unter dem Arm rings um sein Auto aufgeregt nach dem Kratzer sucht, wo aber in Wirklichkeit gar keiner ist. Man kann sich jedoch nicht darauf verlassen, dass alle veganen Radfahrer aufgrund ihrer Ernährung immer nur lammfromm-friedfertige Naturen sind, die es bei solch einem harmlosen Scherz bewenden lassen. Das „Zentrum für Gesundheit“ behauptet auf seiner Website nämlich allen Ernstes, Fleischgenuss fördere die Neigung zu Aggressivität, warnt aber gleichzeitig davor, mit schlechtem Gewissen die dort veröffentlichten Thesen „zur Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung“ zu nutzen, was sich per se schon reichlich bizarr anhört. Das heißt dann ja wohl, wer tatsächlich sanftmütiger werden will, der sollte nach Besuch jener Website eine „Selbstbehandlung“ durch Fleischverzicht unbedingt meiden, sondern erst mal lieber zum Arzt gehen. Was im Umkehrschluss aber nun nicht heißt, dass es keine aggressiven Veganer gäbe. Unangemessene Rüpeleien im Straßenverkehr haben ja nun wirklich nicht in den jeweiligen Essgewohnheiten ihre Ursache, sondern u.a. in der Torheit von höchst weltfremden städtischen Verkehrsplanern, etwa jenen, die derzeit einen völlig unsinnigen Verkehrsversuch auf der Venloer Str. in Köln-Ehrenfeld durchführen, wo sie die Markierungen für Radwege einfach durchgestrichen haben, nur um zu schauen, was dann passiert, wenn SUVs und Radfahrer aufeinander treffen. Im übrigen gibt es bestimmt auch irgendwo irgendeinen lammfrommen veganen SUV-Fahrer. So, Herr Bär muss jetzt noch schnell zum Metzger. Mit dem Fahrrad. Aber nicht über die Venloer Str.

Hatte Herr Bär schon befürchtet, das altehrwürdige Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ würde in unseren Tagen nur noch sprachlich geglättet und damit langweilig daher kommen, so haben seit dem Amtsantritt von Bundeskanzler Olaf Scholz die Autoren gottlob doch wieder zu einer unterschwellig ironischen sprachlichen Süffisanz zurück gefunden wie zu den Zeiten des seligen Rudolf Augstein. Eine Sternstunde journalistischer Sprachgewalt war jedenfalls kürzlich jener Bericht über einen gemeinsamen Auftritt von Scholz mit der Präsidentin von Estland Kaja Kallas. Während Frau Kallas agil und dynamisch auftrat, habe unser Bundeskanzler hingegen „mit scholziger Knittrigkeit“ daneben gesessen und dabei gewirkt wie ein „Mann, der mittelmäßige Laune verbreitet“. „Scholzige Knittrigkeit“ – solch eine Formulierung muss man sich doch wirklich mal auf der Zunge zergehen lassen. „Da capo – mehr davon“, ruft Herr Bär daher an dieser Stelle als treuer Leser der Hamburger Intelligenz-Gazette aus. Auf der Website t-online.de ist übrigens nachzulesen, dass Olaf Scholz auch als Humorexperte gilt, trotz der Tatsache, dass er selbst selten lacht. „Ein Witz, zu dem man zwei Bücher packen muss, um zu erklären, dass es ein Witz war, ist schwierig“, findet „uns Olaf“. Denn Scholz habe „öfter mal die Erfahrung machen müssen, dass Leute seine als Witz gemeinten Aussagen zu ernst nehmen würden“. Deswegen bevorzugt er jetzt wohl die scholzige Knittrigkeit. Copyright: Raap/Bär 2023

Angesichts der Gerüchte, sie wolle eine neue Partei gründen, muss sich Sahra Wagenknecht spöttische Vergleiche mit der Kunstfigur Horst Schlämmer gefallen lassen („Sahra Wagenknecht ist die neue Horst Schlämmer“, www.uebermedien.de). Hape Kerkeling spielte in dieser Komödie einen Journalisten, der eine „Horst Schlämmer Partei“ gründete – was bei den Filmkritikern nicht gut ankam: „Die Welt“ rezensierte damals, Kerkelings Humor leide an „Schnappatmung“, was sich auch über den Wagenknecht’schen Humor so ähnlich sagen ließe, und die „Rheinische Post“ fand den Streifen „schamlos schlecht“. Ob also nun Hape Kerkeling demnächst eine Komödie dreht, die von der Gründung einer „SWP-Sahara Wagenknecht Partei“ handelt und sich für die Hauptrolle so zurecht kostümiert wie damals als Königin Beatrix, oder ob Sarah Wagenknecht ihm mit der Gründung einer realen Partei noch schnell zuvor kommt, bleibt abzuwarten. Wenn ja, dann wird Wladimir Putin womöglich in dieser Partei Ehrenvorsitzender. Zu den schnappatmig humorigen Seiten von Sarah Wagenknecht gehört z.B. ihr Bonmot „Man muss Robert Habeck nicht mögen, aber er sieht nach Ansicht vieler gefällig aus. Das ist auch bei Männern ein Vorteil“, was die Anhänger einer Political correctness-Hysterie allerdings womöglich als „sexistisch“ empfinden könnten: Ist in der Weltsicht von Sarah Wagenknecht der zwar wackere, aber eigentlich eher erfolglose Robert Habeck etwa nur ein Quoten-Schönling im Bundeskabinett ? Jedenfalls meint Sarah Wagenknecht, sie habe „ansonsten… zumindest… auf der Regierungsbank noch keinen Sex-Appeal entdeckt“. Hm hm, sehen die anderen wirklich alle so aus wie Horst Schlämmer?

Niemand außerhalb seines unmittelbaren sozialen Umfeldes würde Claus-Holger Lehfeldt kennen, wäre er nicht der Schwiegervater von Christian Lindner, und hätte nicht die „Bunte“ am 27. Februar 2023 mit reißerischer Schlagzeile über die Lindner-Gattin Franca Lehfeldt verkündet: „Ihr Vater warnte sie vor einer Beziehung mit Christian Lindner“. Aber Hand aufs Herz, welcher andere besorgte Vater hätte das nicht getan? Nun ist Franca Lehfeldt Co-Autorin eines Buches mit dem Titel „Alte weise Männer“, das „Der Spiegel“ mit den Worten rezensierte, bei der Lektüre müsse sich Claus-Holger Lehfeldt „existenzielle Seufzer“ seiner Tochter anhören, die nämlich in der Spezies des älteren geistig gereiften und daher durch ein gerüttelt Maß an Lebenserfahrung abgeklärten Mannes und dessen Wertevermittlung durchaus Vorbildhaftes erkennt, gleichwohl den väterlichen Rat in den Wind schlug, sich mit Christian Lindner einzulassen, der freilich bis zum Status des alten weisen Mannes noch einige Jahre vor sich hat.

Angesichts sprachverhunzender grammatischer Fehlleistungen wie in der völlig unsinnigen Wortkonstruktion „Krankenschwesterin“ ist der WDR-Fernsehdirektor Jörg Schönenborn zu loben, in seinem Sendebereich derlei unsäglichen Genderunfug wieder abschaffen zu wollen, der z.B. dazu geführt hat, aus „die Menschen“ überflüssigerweise „die Mensch*innen“ zu machen. Das sprachlich äusserst holprige Wort „Bürger*innenmeister*in“ oder gar das Wortungetüm „BürgerInnenmeisterInnenkandidatInnen“ widerstrebt doch unserer anthropologisch bedingten Neigung zur Sprachökonomie, die uns dazu veranlasst, z.B. aus einer Katharina bequemerweise eine „Käthe“ oder „Kati“ zu machen oder op kölsch noch kürzer einfach „Kätt“. Eine Vokabel wie „die Pfefferstreuer:in“ ist schon deswegen einfach nur Blödsinn, weil es in der Objektwelt der Pfefferstreuer ja nun mal gar kein zweites oder gar drittes Geschlecht gibt, während hingegen es sich bei der „Salzstreuerin“ um eine Frau handelt, die im Winter Salz auf die vereiste Fahrbahn streut. Nichts desto trotz ist die Politikerin Katrin Göring-Eckhart seltsamerweise der Ansicht, wir lebten nicht auf einem Planeten, sondern auf einer „PlanetIn“. Gründlich falsch gegendert hatte unlängst übrigens Annalena Baerbock, als sie den Plural „SteuerInnenzahler“ kreierte, denn es heißt ja schon „die Steuer“ und im Plural „die Steuern“ bei den Abführungen als Finanzamt, aber eben „das Steuer“ als Lenkvorrichtung, und auch hier gibt es keine männlichen, weiblichen oder diversen Lenkräder oder Ruderpinnen, so dass ein generischer Plural „SteuerInnen“ in jedem Fall als sprachlogische Meuchelei gescholten werden muss. Anton Hofreiter wiederum leistete sich den Pleonasmus, von einer „weiblichen Freundin“ zu sprechen, wen immer auch er damit gemeint haben mochte. Wer mit Anton Hofreiter befreundet ist, muss sich mithin sprachlich auf alles gefasst machen. Wahrscheinlich streicht Hofreiter seine Wohnung auch mit „Wandfarbe:innen“ an, ohne zu wissen, dass es auch Wandfarben für den Außenanstrich gibt, die aber dann nicht „Wandfarbe:außen“ genannt wird. Vielleicht hilft ihm aber wenigstens die weibliche Freundin beim Innenanstrich.

Bei der Gerhard Schröder-Diät wird dem „Altkanzler und Currywurstfan“ Gerhard Schröder zu Hause auch schon mal „nur Artischocke“ aufgetischt, wie der „Spiegel“ zu wissen glaubt. Die „Welt“ hingegen fasste die Altkanzler-Diät mit der Schlagzeile „Hafermilch statt Currywurst“ zusammen, wobei man freilich wissen muss, dass das derzeitige Mode-Gesöff der urbanen Hipster namens Hafermilch lediglich aus Haferflocken und Wasser besteht, und dies eben in Kontrast zu Schröders einst legendärem Ausspruch „Hol mir mal ’ne Flasche Bier, sonst streik‘ ich hier“, mit dem er auch bei manchen seiner politischen Gegner Kultstatus zu erlangen vermochte. Recht süffisant merkten unterdessen die „Badischen Neuesten Nachrichten“ an: „Getreidemilch statt Gerstensaft? Spötter kommentierten, die Diät sei nur der Frühindikator für eine weitere Schröder-Scheidung. Erinnert wurde an Gattin Nummer drei – ‚Hillu‘ –, die als Vegetarierin dem damaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten die Currywurst abgewöhnen wollte“, und, wie Herr Bär als belesener Zeitzeuge ergänzt, ebenso das panierte Schnitzel. Gattin Soyeon Schröder-Kim beeilte sich derweil zu versichern, ihr Angetrauter unterzöge sich „freiwillig“ dieser Diät mit „Haferflocken, Hafermilch, frischen Früchten und Leinsamen/Walnüssen“. Die „BILD“-Zeitung kommentierte den anscheinenden optischen Verjüngungseffekt der Diät mit den Worten, Schröder wirke jetzt „porentief putinrein“. Andere Spötter in den sozialen Medien mochten freilich die Tatsache, dass Gerhard Schröder jetzt mit gestrafften Augenlidern daher kommt, nicht auf die Hafermilch-Diät zurück führen, sondern mutmaßten stattdessen, hier habe womöglich ein Schönheitschirurg zum Skalpell gegriffen. So sei diese Glosse mit dem Hinweis abgeschlossen, dass auch die Gewürzmischung Curry, selbst in der gleichnamigen Wurst, ernährungsphysiologisch gesehen die Durchblutung fördert, entzündungshemmend wirkt, die Verdauung fördert sowie die Funktion von Leber und Galle unterstützt. Darauf ein „Hol mir mal ein Bier“ und „Prost, Gerhard“.

Olaf Scholz Sammelbilder:

Essen und Trinken mit Herrn Bär

Kresse-Möhrensalat In einer Vinaigrette aus Olivenöl, Balsamico-Essig, einem Spritzer Senf, Salz, Pfeffer und etwas Bärlauch-Pesto vermischt man Gartenkresse und geraspelte Möhren. Wenn man den Bärlauch-Pesto weglässt, kann man stattdessen auch etwas frischen Ingwer und Zitronengras dazu raspeln.

Lachs-Pestaccio Pestaccio sind dünne marinierte Scheiben von rohem Fisch, vergleichbar dem Rindfleisch-Carpaccio. Man verrührt Olivenöl, Zitronensaft, Frühlingszwiebeln und Pfefferkörnern in einer Schüssel und bestricht damit die Lachsscheiben. Salzen mit Meersalzkörnern ausd er Salumühle. In der Schüssel mit der restlichen Marinade klein gezupfte Salatblätter, frischen Dill und Petersilie vermengen und auf die Fischscheiben streuen.

Garnelen und Jakobsmuscheln in Knoblauch-Petersiliensauce à la Karl-Josef Bär In einem separaten Topf in Öl kleingehackte Zwiebeln kurz andünsten, mit Fischsud auffüllen und diesen mit Suppengemüse und reichlich Knoblauchzehen kurz aufkochen; dann etwas Kochsahne hinzufügen, wenn die Sauce anfängt einzudicken, kleingehackte Petersilie und Dill hinzu geben, dazu eine halbe eingelegte Sardelle und etwas Krabbenpaste oder Krabbencreme. Garnelen und Jakobsmuascheln in Olivenöl kurz anbraten und dann mit der Sauce übergießen.

Wolfsbarsch mit Chocoreegemüse in Zitronensauce Chicoree längs aufschneiden, den inneren Stengelteil entfernen, die Blätter dann ca. 1 Std. wässern, damit die Bitterstoffe verfliegen. Vorgekochte Kartoffelscheiben, Chicoree und Zitronenscheiben in einer Jenaer Glasschüssel oder Casserole verteilen, den gesalzenen und gepfefferten ausgenommen Fisch darauflegen, würzen mit Petersilie, Dill und Schnittlauch, etwas Fischud darüber gießen, den Fisch mit Knoblauchbutter bedecken und im Backofen garen. Separat in Fischud etwas Zitronensaucenpulver einrühren, aufkochen, mit Salz, Pfeffer, etwas asiatischer Fischsauce, grünem Tabasco und Gartenkräutern abschmecken und kurz vor dem Servieren über den Fisch gießen.

Maghrebinischer Schmortopf mit Kabeljau In einem Topf Zwiebeln in Olivenöl kurz andünsten, dann in Safran und Kurkuma vorgekochte Kartoffelscheiben, Kabeljaufilet, Zitronenscheiben (am besten in Salzlake eingelegte marokkanische Zitronen), Tomatenscheiben, Gurkenscheiben sowie Streifen von rotem und gelbem Spitzpaprika darauf schichten. Würzen mit Bahrat-Gewürz, Salz, Pfeffer, Petersilie, Dill, Schnittlauch und etwas Thymian sowie frischem Knoblauch. In Fischsud bei niedriger Hitze langsam schmoren lassen. Bei Bedarf zum Schluss noch etwas Tomatenmark mit Wasser vermengt einrühren.

Kresse-Möhrensalat In einer Vinaigrette aus Olivenöl, Balsamico-Essig, einem Spritzer Senf, Salz, Pfeffer und etwas Bärlauch-Pesto vermischt man Gartenkresse und geraspelte Möhren. Wenn man den Bärlauch-Pesto weglässt, kann man stattdessen auch etwas frischen Ingwer und Zitronengras dazu raspeln.

Currywurst Hommage à Gerhard Schröder Am besten eignet sich nach Auffassung von Herrn Bär dazu eine Thüringer Rostbratwurst oder eine Regensburger Bratwurst. Mit Brühwurst (d.h. vorgebrühte Bratwurst) serviert man dieses Gericht im Ruhrgebiet, in Berlin nimmt man hingegen meistens eine Brühwurst, wie man sie als Bockwurst kennt (aber keine Frankfurter oder Wiener). Für die Sauce dünstet man in Olivenöl klein gehackte Zwiebeln an, dann gibt man etwas Wasser und Rinderfond hinzu und rührt etwas Tomatenmark ein, Pomodori pelati/passierte Tomaten, Balsamico-Essig und einen Spritzer Honig. Bei kleiner Hitze köcheln lassen. Dann etwas Worchesterhiresauce einrühren, ein bisschen gepressten Knoblauch, ein bisschen frisch geraspelten Ingwer, rote Currypaste oder Madras Curry, milder Rosenpaprika, etwas Chili oder oder Cayennepfeffer.

v.i.S.d.P.: Jürgen Raap, Senefelderstr. 5, 50825 Köln

baer aktuell 320 – 22. Feb. 2023

Februar 6th, 2023

Bild des Monats Februar 2023:

Jürgen Raap, „Der Vatermörder“, Acryl und Öl auf Leinwand, 2023

J. Raap, „Der Vatermörder“, 2023

Olaf Scholz Sammelbilder:

Die ideologischen Rangeleien um sprachlich-politische Korrektheit vermögen mitunter sogar einen Urheberrechtsstreit auszulösen. So erhob der Liedtexter Dieter Dehm Klage wegen Verstoßes gegen das Urheberrecht, weil es in seinem Song für Klaus Lage aus dem Jahre 1984 in einer Liedzeile heißt: „Erinnerst Du Dich, wir haben Indianer gespielt“. Der Schlagersänger Florian Silbereisen jedoch habe kürzlich diese Zeile unzulässigerweise zu „Erinnerst Du Dich, wir haben zusammen gespielt“ abgewandelt, so zürnte der Texter. „Dehm geht davon aus, dass es politische Gründe hatte, dass das Wort Indianer gestrichen wurde“, reportierte das Boulevardblatt „Express“. So sei hier nun an dieser Stelle ein politisch korrekter Indianerwitz aus dem heutigen Kölner Karneval wieder gegeben: Ein Indianer kommt zum Medizinmann und sagt: „Medizinmann, verrate mir, wie wird der nächste Winter?“ Der Medizinmann hat keine Ahnung, ruft beim Wetterdienst an, und die sagen: „Der nächste Winter wird kalt“. Die Indianer fangen an, Feuerholz für den Winter zu sammeln. Ein paar Tage später kommt wieder ein Indianer mit derselben Frage zum Medizinmann; der ruft wieder beim Wetterdienst an und bekommt die Antwort: „Der nächste Winter wird sehr, sehr kalt“. Die Indianer sammeln noch mehr Feuerholz. Als auch noch ein dritter Indianer vom Medizinmann eine Prognose für den nächsten Winter verlangt, bekommt der Medizinmann vom Wetterdienst die Antwort: „Oh, das wird der kälteste und härteste Winter, den wir jemals hatten“. Jetzt wird der Medizinmann misstrauisch und fragt nach: „Woher wollen Sie das wissen?“ – Darauf der Mann vom Wetterdienst: „Ehrlich gesagt, ich weiß es auch nicht. Aber die Indianer haben schon angefangen, wie jeck Feuerholz zu sammeln!“

Die neuesten Witze aus dem Kölner Karneval

„In Deutschland herrscht Fachkräftemangel. Am deutlichsten merkt man das am Personal der Bundesregierung“.

„Den Kardinal Woelki haben sie aus einer Karnevalskapelle rausgeschmissen. Der hatte zu viel vertuscht“.

„Hatte sich einer für den Corona-Lockdown extra einen neuen Fernseher mit 320 Kanälen gekauft. Als der alle Kanäle durchgezappt hatte, war er total frustriert: überall nur Karl Lauterbach“.

Neulich in einem Szenecafé von Köln-Ehrenfeld: Ein Gast trinkt einen Milchkaffee und ein Mineralwasser, sein Gesprächspartner ein Glas Wein. Als der Gast die Rechnung verlangt und „alles zusammen“ sagt, fragt die Kellnerin: „Hatten Sie auch einen Flat White?“ – Der Gast: „Nein“. Die Kellnerin schaut auf ihren Kassenzettel und insistiert: „Doch, Sie hatten einen Flat White!“ – Der Gast korrigiert sie: „Nein, nur ein Wasser, ein Wein und einen Milchkaffee!“ – „Aber ein Milchkaffee, das ist doch ein Flat White! Das ist heute der moderne Sprech“, belehrt ihn die Kellnerin. „Das würde in Italien aber keiner verstehen“, gibt der Gast zu bedenken. Was die Kellnerin nicht wusste, aber Herr Bär inzwischen weiß, ohne eine Hotelfachschule besucht zu haben: ein Flat White ist eben nicht ein gewöhnlicher Milchkaffee, Caffé latte oder Cappuccino, sondern er wird mit einem kräftigeren Ristretto zubereitet – das ist ein doppelter Espresso mit weniger Wasser, während der Cappuccino aus einem Espresso und zwei Teilen Milchschaum besteht. Auch der Caffe latte enthält mehr Milchschaum als der Flat White. Aber heutzutage muss man ja in der Gastronomie damit rechnen, dass man von kenntnislosem Personal mit „modernem Sprech“ einen Milchkaffee als Flat White angedreht bekommt. Oder umgekehrt. Früher war aber auch nicht alles besser. Da beschränkten sich die Kaffeekenntnisse eines deutschen Oberkellners nämlich zumeist auf die Floskel: „Draußen jibt et nur Kännchen“.

Witze aus dem Kölner Karneval: Sagt der Orthopäde zum Patienten: „Sie hätten sich vor der Untersuchung aber ruhig mal die Füße waschen können!“ Darauf der Patient: „Das hat mir mein Hausarzt auch schon gesagt. Aber ich wollte erst noch mal eine Zweitmeinung einholen“.

Wat es dä Unterschied zwischen ’ner Rolle Klopapier un dä BILD-Zeitung? – En dä BILD-Zeitung es dä Driss schon vorher drin (für Nicht-Rheinländer: Driss= Scheiße).

Dä Olaf Scholz, dä is esu stief (=steif), dä passt in jeden Elferrat.

Die katholische Kirche hat jetzt auch einen Klebeaktivisten in ihren Reihen: Der Kardinal Woelki klebt an seinem Bischofsstuhl. 

Essen und Trinken mit Herrn Bär

Peperonata passt vorzüglich als Beilage zu Lammrücken oder Lammkarrées, die man vorher in einer Marinade mit Olivenöl, Rosmarin und Pfeffer ziehen lässt. Peperonata ist auch relativ einfach zuzubereiten, denn man brät Stücke vom roten und grünen Spitzpaprika mit Zwiebeln leicht an, gibt dann Gemüsefond hinzu und lässt das Ganze mit passierten Tomaten leicht einkochen. Würzen mit Salz, Pfeffer, Paprikapulver einem Spritzer Essig oder Zitronensaft und etwas Petersilie.

Muscheln in Currysud à la Karl-Josef Bär In Öl dünstet man zwei kleingehackte Zwiebeln an, gibt dann Suppengemüse, etwas Salz, ein wenig Sambal oelek, Knoblauch, gerieben frischen Ingwer ein paar Spritzer asiatische Fischsauce und 1 Glas Fischud hinzu und lässt das Ganze aufkochen. Dann Miesmuscheln und Vongole in den Sud geben, ebenfalls kurz aufkochen und zusammen mit Koriander, Minze, Dill und Zitronengras ziehen lassen. Etwas von dem Fischud in einen separaten kleinen Topf geben, rote Currypaste einrühren, ebenfalls kurz aufkochen und über die Muscheln gießen. Roter Curry ist milder als der gelbe oder grüne, sollte jedoch auch vorsichtig dosiert werden.

Reisfleisch à la Karl-Josef Bär Man brät in einer Pfanne Rinderhack mit reichlich kleingehackten Zwiebeln an, gibt dann Möhrenscheiben, Gurkenstücke, roten und grünen Spitzpaprika sowie geschälte und klein gehackten frischeTomaten hinzu und lässt das Ganze bei niedriger Flamme in Rinderfond garen. Würzen mit Salz, Pfeffer, Cayennepfeffer, Rosenpaprika, Knoblauch, Thymian und Petersilie. Dann vermengt man das Ganze mit Safranreis. (Foto: Siglinde Kallnbach)

v.i.S.d.P.: Jürgen Raap, Senefelderstr. 5, 50825 Köln

baer aktuell 319 – 22. Jan. 2023

Januar 2nd, 2023

Bild des Monats Januar 2023: Jürgen Raap, „Heimat, wo sind Deine Sterne?“, Acryl/Öl auf Leinwand, 2022

Jürgen Raap, „Heimat, wo sind Deine Sterne?“, 2022

Olaf Scholz-Sammelbilder

Olaf Scholz Sammelbild no. 33
Olaf Scholz Sammelbild No. 32

Bär aktuell 319 – 22. Jan. 2023

Ja, was denn nun ? Während „Der Spiegel“ in seiner Neujahrsausgabe auf der Titelseite orakelte, Karl Marx habe womöglich doch recht gehabt und lamentierte, „Der klassische Kapitalismus funktioniert nicht mehr“, da frohlockte ausgerechnet hingegen die „BILD“-Zeitung“, die „Reichen“ hätten jüngst „reichlich“ an Vermögen eingebüßt, z.B. Elon Musk, der sich unlängst 44 Milliarden Dollar gönnte, um das Schwaadlappen-Portal „Twitter“ zu ruinieren. Zur Behebung der finanziellen Schlagseite bei „Twitter“ meldete „Der Stern“ betriebswirtschaftlich rigorose Eingriffe Musks mit freilich olfaktorischer Bedenklichkeit: „Twitter müffelt. Hausmeister gekündigt, Toilettenpapier fehlt“. Nun ja, dass man als Angestellter in die Firma sein eigenes Klopapier mitbringen muss, mag man tatsächlich als ein Indiz für eine Krise des Kapitalismus werten, da dieser sich augenscheinlich und unerwartet an eine sozialistische Mangelwirtschaft annähert. Herr Bär erinnert sich noch gut an die Sitten in manchen Ostblock-Ländern in den 1980er Jahren, als auf dem Abort von Hotel-Restaurants der Toilettenmann pro Gast gewissenhaft lediglich zwei Blatt Klopapier abzählte und nur gegen Westgeld zu bewegen war, noch ein paar Blätter mehr heraus zu rücken.

Auch das noch: Der Skandalsender RBB hatte Silvester um einen vollen Tag vorverlegt und schon am 30. Dezember den Countdown zum Jahreswechsel ausgestrahlt. Erklärt wurde der eigenwillige Neujahrsgruß anschließend mit einer „technischen Panne“. Wahrscheinlich stellen sie im RBB-Sendegebiet ab dem 2. Januar auch schon Schokoladen-Osterhasen in die Schaufenster, um auch damit die ersten sein zu wollen.

Reichlich durchgeknallt im wahrsten Sinne des Wortes inszenierte die Verteidigungsministerin Christine Lamprecht ihre private Video-Botschaft an Silvester mit Raketen, Krachern und Böllern im Hintergrund und schilderte dabei ihre Eindrücke vom Krieg in der Ukraine. Ein Puma-Panzer stand wegen „technischer Panne“ für stilechtes Geknattere anscheinend nicht zur Verfügung. Aber auch so geriet der Videoauftritt zu einer riesigen Peinlichkeit. Olaf Scholz sieht das wohl anders, hatte er doch erst kürzlich befunden: „Die Bundeswehr hat eine erstklassige Verteidigungsministerin“.

Boulevardjournalisten und Verschwörungstheoretiker denken gleichermaßen Tatsachen zusammen, die eigentlich nicht zusammen gehören. So berichtete die BILD-Zeitung jüngst über eine ehemalige Porno-Darstellerin, sie habe sich bei den Dreharbeiten intellektuell unterfordert gefühlt und diese deswegen aufgegeben. Erwähnt wird in dem Blatt gleichzeitig aber auch, sie habe unlängst einen FDP-Politiker geheiratet, was sich wohl bizarr anhören soll. Beides, die berufliche Vergangenheit und die heutige Vorliebe für Liberalismus, haben jedoch nichts miteinander zu tun. Aber über eine Ex-Pornodarstellerin, die keinen FDP-Politiker geheiratet hat, würde ein Boulevardblatt nichts berichten, denn das hätte ja keinen News-Wert. Doch nur Verschwörungstheoretiker würden jetzt unzulässigerweise behaupten, gerade FDP-Politiker seien die idealen Heiratskandidaten für intellektuell unterforderte Ex-Schauspielerinnen in Filmen für Erwachsene.

Prinz Frederic von Anhalt verdanken wir den Hinweis, dass die Amerikaner ganz jeck darauf sind, die Nähe zum europäischen Hochadel zu suchen, in Ermangelung eigener Adeliger. Und so mochte sich eine amerikanische Schauspielerin als Aschenputtel gefühlt haben, bis sie endlich auf einen Frosch traf, den sie wach küssen durfte, und der sich dann aber ausgerechnet als Prinz Harry, heute nur noch Herzog von Sussex, entpuppte: Von wegen „Ach wär ich nur ein einzig Mal ein schmucker Prinz im Karneval, dann würdest Du Prinzessin mein, das wär zu schön im wahr zu sein“. Denn so romantisch wie bei den Gebrüdern Grimm ging die boulevardeske Kitsch-Collage aus den Märchen vom Aschenputtel und vom Froschkönig denn nun doch nicht weiter. Dem einer gewissen Gefallsucht zugeneigten Aschenputtel war es nämlich nicht vergönnt, sich im güldenen Glanze eines umjubelten Prinzen zu sonnen, so dass schließlich das Regenbogen-Blatt „Gala“ dessen Offenbarung autobiografischer Schlüpfrigkeiten in der höchst vulgären Meldung zusammenfasste: „Prinz Harry wird richtig intim: Wilde Sex-Nacht mit Meghan“. Von wegen „Noblesse oblige – Adel verpflichtet“, oder wie man früher zu sagen pflegte: „Der Kavalier genießt und schweigt“. Da wäre angesichts solch einer Biesterei ein biederer bürgerlicher deutscher FDP-Politiker medienstrategisch womöglich doch die bessere Partie gewesen. Aber dem zahlt man keine 20 Mill. Dollar für seine Memoiren.

Der ganz normale Wahnsinn Wer die Feinheiten einer Sprache nicht versteht, sollte sich vor völlig abwegiger Sprachkritik hüten. Dennoch warf eine Anwohnerin des Kölner Lindner-Hotels diesem „Sexismus“ vor, weil es in seiner Werbung für die Hotel-Bar „Veedelseck“ eine Liedzeile der Karnevals-Combo „Höhner“ aus dem Jahre 1979 zitiert: „Blootwoosch, Kölsch un e lecker Mädche“. Die Dame empörte sich, die Liedzeile suggeriere, man könne in dieser Restaurant-Bar „neben Essen und Trinken auch Mädchen genießen“. So ein Blödsinn! Das niederländische Wort „lekker“ und das kölsche „lecker“ meinen nämlich nicht nur kulinarisch Wohlmundendes, sondern hier hat „lekker/lecker“ (auch) die simple Bedeutung „nett“ oder „schön“. Wenn man mithin in Köln ein etwas beleibtes weibliches Wesen als „lecker Möbbelche“ bezeichnet, so ist das durchaus liebevoll gemeint und keineswegs diskriminierend. Daher kontert Herr Bär jene mit unzulässigem jakobinischem Eifer vorgetragene Fehlleistung in Sachen Sprachkritik nun mit einer Liedzeile von Jupp Schlösser aus dem Jahre 1948: „Sag ens Blootwoosch, dat is doch janit schwer… denn wer nit richtig Blootwoosch sage kann dat is ’ne imitierte Kölsche janz jewiss“ (denn nur der eingeborene Kölner kriegt in „Blootwoosch“ das Dehnungs-O phonetisch richtig hin und weiß um die genaue Wortnebenbedeutung von „lecker“ Bescheid).

Herrn Bärs Kommentar zum Rücktritt der Verteidigungsministerin Christine Lambrecht: „Lieb Vaterland magst ruhig sein…“

Aus gegebenem Anlass in Sachen gewaltfreier Widerstand sei auf ein historisches Beispiel verwiesen: Das Kölnische Stadtmuseum verfügt über ein Bild, das die Revolution von 1848 dokumentiert. Auf diesem Bild sieht man, dass die Kölner Revolutionäre ihre Barrikade taktisch geschickt vor einer Weinkneipe aufgebaut hatten. Stunden später betrat ein preußischer Schutzmann das Weinlokal und rief den Revoluzzern zu: „Ihr künnt die Barrikade widder avbaue. Die Revolution is vorbei“. Darauf die Antwort: „Is jut, aber dat maache mer morgen. Jetzt trinken wir erst mal in Ruhe aus“.

Mit den Rätseln des Lebens wird man heut zu Tage in den banalsten Situationen konfrontiert. Warum die Deutsche Bahn einem ihrer Kunden, in diesem Falle Herrn Bär, eine Sitzplatzreservierung für Wagen 21 andrehte, obwohl es bei besagtem ICE gar keinen Wagen 21 gab und auf dem Bahnsteig die Ansage „Bitte beachten Sie die veränderte Wagenreihenfolge“ bei Herrn Bär schon böse Vorahnungen hervorrief, und sich diese Vorahnungen dann durchaus erfüllten, weil der Zug nämlich nur die Wagen 32 bis 41 umfasste, wird für immer das Geheimnis des DB-Managements bleiben. Ebenso rätselhaft ist die Bestückung eines Regals in Herrn Bärs Lieblings-Discounter mit einem „Sportlerschinken“, worunter sich Herr Bär absolut nichts vorstellen kann. Was hat sich irgendein Marketing-Depp da bloß nur ausgedacht? Es gibt Vorderschinken, Hinterschinken, Rinderschinken, und nun ja, so sei’s geklagt, auch noch „Schinken aus Formfleisch“, bei dem Herr Bär mutmaßt, es handele sich nur um zusammengepresste Schinkenabfälle, aber „Sportlerschinken“? Hoffentlich kommt man als Sportler nach dessen Genuss gut durch die Dopingkontrolle. Beim Schinken aus „Formfleisch“ weiß man wenigstens, was drin ist.

aus der Serie: Sternstunden des Boulevardjournalismus

Essen und Trinken mit Herrn Bär

Zackenbarsch Der Zackenbarsch lebt in Küstennähe in tropischen und subtropischen Gewässern, auch in Nähe der italienischen Küsten; er gehört zu den Standards der chinesischen Küche. Sein Fleisch schmeckt aromatischer als etwa jenes vom Rotbarsch. Herr Bär bereitet den Fisch als Ganzes zu: man salze und pfeffere ihn von außen und innen, bestreoche beide Seiten ganz dünn mit je einer Messerspitze Senf und einer Messerspitze Meerrettich; träufele ein paar Spritzer asiatische Fischsauce hinzu, gare ihn dann zusammen mit frischem Dill und Zwiebeln in etwas Fischsud in einem Backofen.

Foto: Siglinde Kallnbach
Foto: Siglinde Kallnbach

Herrn Bärs Krustentier-Potpourri Wenn der LIDL-Discounter mal wieder Kaviar vom Amerikanischen Stör zu einem „Aktionspreis“ anbietet – zugreifen! Kommt nämlich geschmacklich dem russischen „Malossol“-Kaviar sehr nahe, an den Beluga und den Osietra zwar nicht so ganz, aber der Verzehr dieses LIDL-Kaviars ist in Zeiten des Ukraine-Kriegs ja auch politisch korrekt und daher ethisch absolut unbedenklich. Ein kleines Schüsselchen zum Aktionspreis kann man dem Entrée-Potpourri also guten Gewissens voran schicken. Ansonsten gehören auf den Potpourri-Teller: mild gesalzene Rettich-Scheiben, ein kleiner Gurken-Paprika-Salat, angemacht mit Salz, Jalapeno-Pfeffer, Dill, Olivennöl und Walnuss-Essig, Tomates aux crevettes gris auf belgische Art: Halbierte Tomaten aushöhlen und mit Nordseekrabben auffüllen, ein bisschen Dill dazu, und bei Bedarf auch ein Klecks Remoulade. Abgerundet wird das Ganze auf einem separaten Teller mit leicht in Knoblauch, kleinen roten Paprikastücken, einem Spritzer asiatischer Fischsauce und dem ausgehöhlten Tomateninneren in einer Pfanne mit Olivenöl kurz gedünsteten Flußkrebsen, abgeschmeckt mit Salz, Dill und besagtem Jalapeno-Pfeffer.

v.i.S.d.P.: Jürgen Raap, Senefelderstr. 5, 50825 Köln

baer aktuell 318 – 22. Dez. 2022

Dezember 4th, 2022

Bild des Monats Dezember 2022: Jürgen Raap, Die Türme des Schweigens, Acryl/Öl auf Leinwand, 2022

Bär polyglott – unterwegs mit Herrn Bär Wenn man wie Herr Bär einmal nach Fulda in Osthessen reist, bedarf es auch im Zeitalter von GPS fundierter geografischer Kenntnisse, wenn man dort z.B. auf eine regionale Biersorte namens „Lauterbacher Pilsner“ stößt. Denn in Sachen Geografie unbedarfte Zeitgenossen könnten irrigerweise auf die Idee kommen, der gleichnamige Gesundheitsminister habe sich mit seiner Neigung zur Kauzigkeit jetzt auch noch eine eigene Biermarke zugelegt. Doch weit gefehlt ! Das Bier stammt nämlich aus dem Ort Lauterbach in Hessen, und der gleichnamige Gesundheitsminister ist ja bisher noch nicht durch Exzesse aufgefallen, bei denen er es bierselig krachen ließe – im Gegenteil. Kürzlich beschwerte sich Karl Lauterbach sogar, er bekäme in der Kantine seines Ministeriums nichts zu essen, denn er, Lauterbach, bevorzuge ja salzlose Kost, wohingegen der Kantinenkoch dort unbekümmert mit Salz hantiert wie jeder andere Koch auch. Soviel zum Thema Kauzigkeit. Die Rückfahrt mit der Deutschen Bahn gestaltete sich für Herrn Bär wieder einmal abenteuerlich, denn der ICE, der vom Abfahrts-Bahnhof Berlin-Gesundbrunnen aus in Fulda ankommen und dann um 10.46 Uhr Fulda Hbf. mit Herrn Bär in Wagen 9 verlassen sollte, fiel aus, wegen einer dubiosen Streckensperrung irgendwo bei Braunschweig, über deren Grund man nichts weiter erfuhr. Huhu, Herr Lauterbach ! Es gab im Berliner Ortsteil „Gesundbrunnen“ tatsächlich mal eine Heilquelle, die man aber 1891 beim Bau der Kanalisation versehentlich anbohrte, und die daraufhin versiegte. Tröstlich, dass es in Berlin auch zu Kaiser Wilhelms Zeiten schon Baupannen gab, wie solche, über die wir uns heute grämen. Am Fahrkartenschalter in Fulda Hbf. tröstete der DB-Beamte Herrn Bär mit den Worten: „Die Zugbindung für Ihr Ticket ist aufgehoben. Ich suche Ihnen jetzt mal eine andere Zugverbindung heraus, mit der sind Sie zum gleichen Super Spar-Preis sogar eine halbe Stunde früher in Köln als mit dem Zug, der jetzt ausgefallen ist“. Herr Bär gewann den Eindruck, bei der Deutschen Bahn sind sie bei der Tarifgestaltung nicht minder kauzig als Karl Lauterbach bei seinen Essgewohnheiten. Der Zugbegleiter, der im Zug die Lautsprecherdurchsagen machte, schien zwischendurch immer wieder mal einzuschlafen: Verehrte…. öhömöhem… Fahrgäste, in wenigen… äh… Minuten erreichen wir Frankfurt/Main… äh… öhem….Fernbahnhof…. Sie haben… äh… Anschluss an den ICE nach Brüssel über Aachen…öhem…“ Mit gewissen Kenntnissen in Geografie weiß man aber, dass man von Frankfurt nach Brüssel normalerweise nicht nur über Aachen, sondern auch und vor allem über Köln gelangt, was der verschnarchte Zugbegleiter uns allerdings verschwieg. Die Wiederholung seiner Durchsage zernuschelte er dann auch noch in einer Sprache, die er selbst wahrscheinlich wohl für Englisch hielt, die sonst aber niemand verstand, zumindest nicht Herr Bär. Später kam noch eine andere Durchsage: „Der nächste Halt ist Siegburg/Bonn. Wir fahren dann weiter über Düsseldorf nach Essen…“ Dass der Zug freilich zwischendurch auch noch in Köln-Deutz halten sollte, wurde uns abermals verschwiegen, und Herr Bär mutmaßte, Köln existiert im Kursbuch der Deutschen Bahn womöglich gar nicht mehr. Für Herrn Bär mit seinem schwerem Gepäck erwies sich alsdann der Bahnhof Köln-Deutz als eine bauliche Katastrophe, denn wenn man dort auf Gleis 12 ankommt und zur Weiterfahrt nach Köln-Ehrenfeld zu Gleis 10 will, ist weit und breit keine Rolltreppe und kein Aufzug zu sehen. Man muss also den schweren Koffer eine Treppe hinunter wuchten, dann durch einen Tunnel unter Gleis 12 hindurch, und dann wieder eine Treppe hoch, und dort am westlichen Ende des Bahnhofs gibt’s wieder nur eine Treppe zu Gleis 10, aber keine Rolltreppe und keinen Aufzug. Herr Bär fragte sich, ob es am Bahnhof Berlin-Gesundbrunnen auch keine Rolltreppen gibt, und man dort stattdessen kneippkurenmäßig Wasser treten muss, um zu einem Zug zu gelangen, der dann ausfällt. Aber es gibt Schlimmeres im Leben, nämlich keine salzlose Kost in der Ministeriumskantine von Karl Lauterbach.
Bärs Deppen Ranking
Im Jahresrückblick auf die eklatantesten Fehlleistungen führt Wladimir Putin auf Platz 1 die Liste an, weil er sich nämlich in den Fußstapfen von Zar Peter d. Gr. wähnt, dabei allerdings ignoriert, dass der Fürst Potemkin die Zarin Katharina d. Gr. auf ihren Inspektionsreisen mit Kulissen getäuscht haben soll, die Dörfer vorspiegeln sollten, wo aber in Wirklichkeit nichts war, so wie sich nun auch Putin von seiner Militärführung täuschen ließ, die ihm ihre militärische Misserfolge schön geredet hat, was aber Putin wohl tatsächlich glaubte, so dass er auf seine eigene Propagandamaschinerie herein fiel. – Ein Karnevalsprinz regiert im Rheinland gemeinhin sechs Wochen. Eine längere Amtszeit war auch der britischen Ex-Premierministerin Liz Truss nicht vergönnt, die sich schon nach kürzester Zeit als Totalausfall erwies, weshalb auch für sie nach sechs Wochen schon wieder Aschermittwoch war, und für Heinrich XIII. Prinz Reuß noch früher, der nämlich die traditionelle närrisch-symbolische Eroberung einer Herrschaftszentrale an Weiberfastnacht (normalerweise im Rheinland ein Rathaus) zusammen mit seiner Prinzengarde mit einem operettenhaften Staatsstreich verwechselte und sich zum Staatsoberhaupt einer Übergangsregierung ausrufen lassen wollte, dies wohl nicht nur für drei tolle Tage, und da half auch die bizarr anmutende Berufung eines Gourmetkochs für die Truppenverpflegung eben jener Prinzengarde nicht zum Gelingen der Putschpläne, weshalb sogar die eigene Familie den Prinzen nunmehr als „verwirrt“ abqualifiziert. (Platz 2 und 3). – Den Ruf einer gluckenhaften „Helikoptermutter“ erwarb sich die Verteidigungsministerin Christine Lamprecht, die auf einer Dienstreise ihren 20jährigen Filius im Bundeswehrhubschrauber mitnahm, als ob sie ihm nicht zugetraut hätte, in dem Alter auch mal allein mit dem Zug und einem 9-Euro-Ticket nach Sylt zu reisen, und den Sprößling dann auch noch keck in dem Hubschrauber fotografierte; dies eben PR-strategisch nicht gerade instinktsicher hinsichtlich der fatalen Außenwirkung eines solchen Protz-Fotos, das dann überflüssigerweise in den Orkus gepostet wurde. (Platz 4). Mit unangemessenem Protzgebaren ruinierte die frühere RBB-Intendantin Patrizia Schlesinger nicht nur ihr eigenes Image, sondern auch das des öffentlich-rechtlichen Rundfunks (Platz 5). Unangemessenen Intendantenfeudalismus gibt’s nämlich womöglich auch noch bei einigen anderen Sendern, so dass Herr Bär schon dazu geneigt ist, gelegentlich mal laut über die Forderung nach einer ersatzlosen Abschaffung der TV-Gebühren nachzudenken, denn Intendanten, die deutlich mehr verdienen als der Bundeskanzler, sollten als Samstagabendunterhaltung doch wohl mehr zu bieten haben als lediglich die fünfte Wiederholung eines uralten „Wilsberg“-Krimis innerhalb von zwei Jahren oder den inzwischen etwas angejahrten Thomas Gottschalk mit seinen 1980er Jahre-Herrenwitzen (Platz 6). Donald Trump ist in dieser Ranking-Liste auch wieder mit dabei, und zwar mit seinem missglückten Versuch des Trostspendens, als er nämlich die Welt wissen ließ, man möge sich nicht grämen, wenn man nicht so intelligent sei wie er, Trump (Platz 7). Wenn in diesem Ranking von einem selbstverschuldeten Ruin des gutes Rufes und einem Kommunikationsdesaster die Rede ist, dürfen auch der Kölner Kardinal Woelki und die Kuratoren der diesjährigen Kasseler documenta-Ausstellung nicht fehlen (Platz 8 und 9). Die „superbia“, d.h. der Hochmut, zählt in der katholischen Lehre zu den sieben Todsünden. Insofern sich der Hochmut mit Eitelkeit und Narzissmus verbindet, ist vor allem der FIFA-Präsident Gianni Infantino zu nennen, bei dem auch noch als sechste Todsünde „Unmäßigkeit und Gier“ hinzu kommt (Platz 10). Platz 11 belegt der Fußballmanager Oliver Bierhoff, der nicht einsah, dass der von ihm ersonnene reichlich einfältige Marketing-Gag „Die Mannschaft“ nicht über den Rumpelfußball hinweg täuschen konnte, den die biedere DFB-Elf neuerdings abliefert, wobei sie in Katar aber gleichzeitig moralische Überlegenheit gegenüber den dortigen Scheichs demonstrieren wollte, was angesichts manch doppelmoralischer und hasenfüßiger Begleitumstände freilich nur lächerlich wirkte, und damit nicht nur sportlich, sondern auch imagemäßig in einem Desaster endete. Der ohnehin schon stark überschätzte Robert Habeck wurde ebenfalls kürzlich von der Eitelkeit heimgesucht, als er sagenhafte 350.000 Euro aus seinem Ministeretat für einen Hausfotografen locker machen wollte, damit der den Minister optisch gut in Szene setzt (Platz 12). Ein Foto, wie Habeck mit vom Wind zerzauster Wuschelkopffrisur in den Dünen von Sylt sinnierend aufs Wattenmeer hinausblickt, braucht die Welt nun wirklich nicht (womöglich noch mit dem Lamprecht-Helikopter im Hintergrund). – Da sollte sich Robert Habeck lieber mal ein Beispiel an den billigen Olaf-Scholz-Sammelbildern von Herrn Bär nehmen. Denn das ist wahre demokratische Kunst für jedermann: „In jedes Haus aus Stein und Holz gehört ein Sammelbild mit Olaf Scholz“.

Wer als Veganer Fleisch essen will, aber keine Tiere mag, dem glaubte die Satirezeitschrift „Titanic“ in einem ihrer „Briefe an die Leser“ einen Ausweg aufzeigen zu können, nämlich den Kannibalismus. Das sollte wohl als Paradoxon gemeint sein, zündet als Witz freilich nicht so recht. Weitaus mehr pointensicher, wenn auch auf bedenklichem Kalauer-Niveau, ist jener Witz, der auf https://schlechtewitze.com/veganer kursiert: „Warum dürfen Veganer kein Leitungswasser trinken? Weil es aus dem Hahn kommt“. Was symbolischen und völlig legalen Kannibalismus angeht, so könnte man in dieser Jahreszeit zwar nahrungstechnisch auf rheinische Printenmänner ausweichen, aber dazu muss man wissen, dass klassische „Öcher Printe“ (Aachener Printen) eine Herausforderung für jeden Gebissträger sind. Da mümmelt man vielleicht doch lieber an einem Salatblatt.

Wenn Olaf Scholz mal einen Witz erzählt, ist die Pointe auch nicht immer gelungen. Der „Focus“ berichtete über eine seltene Scholz’sche Anwandlung von Humorigkeit. Scholz sagte: „Neulich kam jemand zu mir und sagte: ‚Herr Scholz, ich habe meinen Elektro-Ofen gerade auf einen Gas-Ofen umgestellt.‘ Da wusste ich gar nicht, wie traurig ich gucken sollte.“ Laut „Focus“ soll Scholz dabei gelacht haben – als einziger.

Ein Sportreporter, der nach vier Wochen Fußball-WM aus Katar zurück kehrte, berichtete, er habe es genossen, dass während seines Aufenthaltes dort die U-Bahnen immer pünktlich fuhren, sauber waren, der Service überall freundlich und beflissen und auch sonst alles prima funktionierte. Doch kaum sei er auf der Rückreise in Frankfurt gelandet, habe ihn die hiesige triste Alltagsrealität wieder eingeholt: Der ICE, mit dem er weiter nach Hause fahren wollte, fiel wegen eines Oberleitungsschadens aus. Bei uns sind außerdem am Rhein fast alle Brücken marode, die Rolltreppen in den Bahnhöfen meistens kaputt, in vielen Behördenstuben gilt immer noch das Fax-Gerät als höchste Errungenschaft der Kommunikationstechnologie; in manchen Schulbaracken regnet es durchs Dach, der Briefträger kommt nur noch zweimal die Woche oder überhaupt nicht, in Berlin kriegen sie auch die Wiederholung der Landtagswahl organisatorisch nicht vernünftig hin, aber dafür dürfen wir uns bei aller infrastrukturellen Rückständigkeit den technisch weiter fortgeschrittenen Schurkenstaaten gegenüber moralisch überlegen fühlen. Immerhin ist in der „Siegener Zeitung“ nachzulesen, dass dort in einer Schulbaracke der Männerchor „Frohsinn“ gegründet wurde, dies allerdings schon 1921, als es in deutschen Schulbaracken noch nicht durchs Dach regnete und somit die Wahl des Vereinsnamens „Frohsinn“ durchaus angemessen war.

Dresscode zur Neujahrsansprache des Bundeskanzlers Es stimmt nicht, dass man früher in Abendgarderobe vor dem Fernseher saß, wenn der Bundeskanzler seine Neujahrsansprache hielt. Wenn nun am Silvesterabend im ZDF um 19.15 Uhr Olaf Scholz das Wort ergreift, kann man ruhig schon den Schlafanzug anhaben; und wenn man nach den Empfehlungen der Grünen-Ikone Winfried Kretschmann brav die Heizung herunter gedreht hat, empfehlen sich dazu noch ein Bademantel und eine Pudelmütze. Wahrscheinlich wird Scholz seine Ansprache wie schon im vergangenen Jahr mit „Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger“ beginnen und zur Solidarität aufrufen; also ungefähr dasselbe sagen wie beim letzten Mal. 1987 hatte man Helmut Kohls Neujahrsansprache von 1986 einfach wiederholt – es fiel aber niemandem auf außer Helmut Kohl selbst, der sich wunderte, weshalb er in der Fernsehsendung nun eine andere Krawatte trug als bei der Aufzeichnung, die nicht gesendet wurde. Achten Sie also diesmal auf die Krawatte von Olaf Scholz!

Olaf Scholz Sammelbilder

Olaf Scholz Sammelbild No. 30

Essen und Trinken mit Herrn Bär

Risotto mit Walnuss-Bärlauch-Pesto-Sauce

Risotto- oder Rundkornreis waschen und in Knoblauchbutter andünste, bis die Körner glasig sind. Salzen und pfeffern, mit Gemüsebrühe auffüllen, bei mittlerer Hitze kochen alssen; wenn der Reis sich vollsogen hat, mehr Brühe nachgießen, ständig rühren, damit nichts anbrennt. In einem separaten Topf in Olivenöl Zwiebeln glasig dünsten, Walnüsse, Erdnüsse, klein gewürfelte Gurkenstücke und klein gewürfelten grünen Spitzpaprika sowie grüne Pfefferkörner zugeben, auch hiermit Gemüsebrühe auffüllen und köcheln lassen, bis die Walnüsse weich sind. Salzen, pfeffern. Zum Schluss Bärlauch-Pesto einrühren und das Ganze mit dem Reis vermengen. Kurz vor dem Servieren geriebenen Parmesankäse einstreuen.

Gratinierter Blumenkohl à la Karl-Josef Bär Blumenkohlröschen waschen, in Gemüsebrühe mit Selleriestücken und einer Knoblauchzehe weich kochen, dann den Blumenkohl mit etwas Gemüsesud in eine Backschüssel oder Casserole geben, mit Salz, Pfeffer, Muskat und getrockneten Bärlauchblättern würzen, mit Sesamkörnern bestreuen. Drei Eier mit Salz und Pfeffer verquirlen, über den Blumenkohl gießen, dann alles reichlich mit Emmentaler Schmelzkäse bestreuen und im Backofen bei 180 Grad erhitzen, bis der Käse zerlaufen ist.