baer aktuell Nr. 273 – 3. Okt. 2019

Oktober 1st, 2019

Bild des Monats Oktober 2019:

Jürgen Raap, „Der verlorene Koffer“, 2019, Copyright: J. Raap 2019

Bär aktuell Nr. 273 — 3. Okt. 2019

Die Fußballnationalmannschaft Albaniens verweigerte beim Länderspiel gegen Frankreich zunächst den Anstoß, weil die Kapelle zum Auftakt versehentlich die Nationalhymne Andorras intoniert hatte. Der Stadionsprecher setzte noch einen drauf und riet den Zuschauern, „die Nationalhymne Armeniens“ zu respektieren. So sei daran erinnert, dass in Köln bei internationalen Sportveranstaltungen im Jahre 1948 als Ersatz-Hymne mehrmals der Karnevalsschlager „Wir sind die Eingeborenen von Trizonesien“ gespielt wurde, denn erst mit Gründung der Bundesrepublik gab es wieder die dritte Strophe des Deutschlandlieds als offizielle Hymne („Trizonesien“ meint in diesem Lied die „Trizone“, d.h. die damaligen drei westlichen Besatzungszonen nach 1945). Doch heute muss man unbedingt Markus Söder zustimmen, wenn er erklärt, es sei „unerträglich, wenn die AfD bewusst die erste Strophe des Deutschlandliedes singt“. Dann doch lieber „Wir sind die Eingeborenen von Trizonesien, heiditschibelatschibelabum, wir sind ja keine Menschenfresser, doch wir küssen um so besser, heiditschibelatschibelabum… “Oder meinetwegen alternativ auch die Nationalhymne von Andorra.

Bärs Bestatterkritik Wie man die Freuden des Diesseits und die Unausweichlichkeit des irgendwann eintretenden Jenseitigen mit wohlwollender Gelassenheit miteinander in Einklang bringt, weiß Christoph Kuckelkorn, in Personalunion Beerdigungssunternehmer und Präsident des Festkomitees Kölner Karneval. Unlängst lud der umtriebige Trauerhausbetreiber nämlich zu einem Konzert ein: „Brauhaus des Todes – Lamäng spielt im Bestattungshaus Christoph Kuckelkorn“. Wem das zuviel an brauhausseliger praller Lebensfreude war, der konnte sich anschließend auch noch einem anderen Programmpunkt widmen, denn in der Ankündigung hieß es allen Ernstes: „Neugierige haben die Gelegenheit zum Blick hinter die Kulissen eines Bestattungsinstitutes. Liegt man im Sarg bequem? Finden Sie es heraus.“ Nun ja, meint Herr Bär dazu, manches will man vielleicht doch lieber nicht so genau wissen. Aufs Probeliegen im Sarg, wie es auch früher schon Thema alberner Witze auf RTL II-Niveau war, verzichtet hingegen Kuckelkorns Konkurrent, das Bestattungshaus Pütz-Roth, denn hier ist für den 10. Oktober 2019 lediglich „Memento Mori- Ne kölsche Dudedanz“ mit Rolli und Benjamin Brings angekündigt, und der Programmzettel verspricht, an diesem Abend ginge es „zunächst ernst, dann zunehmend kölsch-katholisch“ zu. Doch nicht überall mündet das Totengräber-Marketing in derlei Firlefanzisierung, denn beim Bestattungshaus Ahlbach in Köln-Bickendorf bekommt man statt Event-Klamauk nützliche Informationen geboten für den Fall, dass die Verwandtschaft anfängt, einen für vergreist zu halten und sich dann Sonntag für Sonntag die Familienbesuche von Erbschleichern häufen: für den Umgang mit dem Nachlass noch zu Lebzeiten listet Ahlbach die Alternativen „vererben, verschenken, verkaufen“ auf und hat dazu eine Immobilienmaklerin und einen Rechtsanwalt als „Gastreferenten“ eingeladen, bei „Snacks und Getränken“ diese Varianten zu erläutern. Wenn einem allerdings das alles nicht zusagt und man allzu missratenen Erben eine lange Nase drehen will, bleibt einem nichts anderes übrig, als das Erbe rechtzeitig selbst zu verprassen, zum Beispiel bei „kölsch-katholischen“ Liederabenden mit Familie Brings oder im Kuckelkornschen „Brauhaus des Todes“.

Mit Herrn Bär im Theater – heute: „Offenbach – zwesche Kölle un Paris“, Puppenspiele der Stadt Köln (Hänneschen-Theater). Die jüngsten Fotos, die über das aktuelle Gesicht von Silvester Stallone in den Medien kursieren, lassen die Frage aaufkommen, ob hier die Natur gewirkt hat oder ein Gesichtschirurg über das Ziel hinausgeschossen ist, denn mit den wulstigen Lippen und den aufgeplusterten Wangen erinnert Stallones Antlitz ein wenig an Hermann Speichel („Speimanes“), der es auf der Puppenbühne schafft, „die Hüsger bunt em Aldermaat“ im Can-Can-Rhythmus darzubieten. In der Umbaupause bietet das Saalorchester rund zwei Dutzend Varianten von Offenbachs „Bacarole“ aus „Hoffmanns Erzählungen“, mal als Rock and Roll, mal als Hillybillybalade. Der notorisch burleske Tünnes tritt als holländischer Marineadmiral auf, der mit Seemannsgarn ‚a la Käpt’n Blaubär eine versnobte englische Adlige beeindrucken will: „Ich wor och ens Kapitän op enem Walfängerschiff. Da han mer vor Grönland ’ne Blauwal jefangen.“ Die Adlige: „Und woran haben Sie gemerkt, dass das ein Blauwal war?“ – Tünnes: „Dä wor besoffen. Ävver ich han och noch ’ne andere Wal jefangen. Dä hätt en Pappnas opjehat. Dat wo ’ne Karne-Wal…“

Die Freunde des gepflegten Kalauers brechen jedesmal in Jubel aus, wenn Herr Bär Karl Lauterbach mit Kurt Lauterbach verwechselt. Karl Lauterbach stammt aus Düren, spricht hochdeutsch mit rheinischem Akzent, ist gesundheitspolitischer Sprecher der SPD und bewirbt sich derzeit um deren Parteivorsitz. Kurt Lauterbach (1920-1993) stammte aus Solingen, sprach so ähnlich wie Karl Lauterbach und trat im rheinischen Karneval als „schöner Mann vom Lande“ auf, wobei er den Hut so tief über die Stirn zog, dass seine Segelohren unter der Hutkrempe abknickten, was wohl komisch wirken sollte. Karl Lauterbach hingegen begnügt sich um der komischen Wirkung willen mit einer Fliege anstelle einer Krawatte. Kurt Lauterbach erklärte einmal die hohen Alltagspreise in Skandinavien mit dem Wortspiel „Dänemark ist ein teures Land, dä ’ne Mark und dä ’ne Mark, schon biste paar Mark los“: eine Pointe, die schon damals nicht jeder verstand, und wenn der gelernte Mediziner Karl Lauterbach die Kostenexplosion im Gesundheitswesen erklärt, die u.a. auf „aggressives Marketing der Pharmaindustrie“ bei Ärzten und Patienten zurück zu führen sei, lacht auch keiner. Fachlich kreuzten sich die Biografien der beiden Lauterbachs, als der Politiker und Mediziner Karl Lauterbach 2010 für den Opladener Karnevalsverein „Wupperveilchen e.V.“ eine „Fahrt nach Berlin“ organisierte. Den nächsten „Vereinsausflug“ unternahmen die „Wupperveilchen“ dann 2012 doch lieber nicht erneut nach Berlin, sondern zur „Erlebnisbrauerei Hachenburg“, wobei die Vereinschronik anmerkt, dass auf der Busfahrt „selbst hergestellter Schnaps als Hustensaft“ konsumiert wurde. Als Karl Lauterbach twitterte, „Auch bei uns werden bei Virusinfekt nutzlos Antibiotika eingesetzt“, empörte sich in seiner Antwort per Re-Tweet ein gewisser Günter V.: „In der Agrarwirtschaft wird Antibiotika wie Hustensaft eingesetzt. Das sind alles politische Entscheidungen, Herr Lauterbach!“ Immerhin nicht auf Busausflügen von Opladener Karnevalisten, denn da nimmt man statt Antibiotika lieber selbst gebrannten Schnaps – eine ebenfalls „politische Entscheidung“, die man in der Vereinschronik nachlesen kann. Herrn Bärs Prognose: Die SPD-Mitglieder unter den Opladener „Wupperveilchen“ wählen bestimmt Karl Lauterbach zum neuen Vorsitzenden, da sie ihn nach dem Genuss von genügend Hustensaft für einen Wiedergänger von Kurt Lauterbach halten.

© Raap/Bär 2019

Bericht in der Fuldaer Zeitung zur Ausstellung von Siglinde Kallnbach mit Jürgen Raap im Naturmuseum Tann/Rhön

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Beachten Sie bitte folgenden Veranstaltungshinweis: Am 18. Oktober 2019 hält Jürgen Raap einen Vernissagenvortrag zur Ausstellung von Heinz-Josef Mess „brainticket freedom“ in der Galerie N. 18 Bernd Bauer, Norbertstr. 18, Köln.

Essen und Trinken mit Herrn Bär

Krautfleckerln

„Fleckerln“ sind eine traditionelle österreichische Nudelsorte, die man separat kocht und dann anschließend mit den übrigen Zutaten vermischt. Zwiebeln werden glasig gedünstet, dann gibt man geraspelten Weißkohl hinzu, würzt das Ganze mit Salz, Pfeffer, Essig und Kümmel, füllt es mit Bouillon auf und lässt es köcheln, bis der Kohl weich ist. zum Schluss streut man gehackte Küchenkräuter hinein und reicht dazu Brot.

Kalbskotelett oder Hammelkoteletts à la Singarat

Ein historisches Rezept, nach dem man 1876 in Hamburg in „Wilkens Keller“ das Fleisch zubereitete: das Kalbskotellet wird paniert, die Hammelkotellets nicht. Das Fleisch wird von beiden Seiten scharf angebraten und dann weich gedünstet, dazu servierte man ein Pürree aus gepökelter roter Rinderzunge, für das man die Spitze des Zungenstücks in dünne Streifen schnitt und diese klein hackte und dann mit einer hellen Sauce verrührte.

Palatschinken ist ein dünner Eierpfannkuchen, in Österreich eine mit Nusscreme, Marillenmarmelade, Quark oder anderen Zutaten gefüllte Teigspeise. Das Wort leitet sich vom rumänischen „placinta“ und vom ungarischen „palacsinta“ ab. Der ungarische Koch Karl Gundel (1883-1956) erfand den Gundel-Palatschinken mit einer Nuss-Rosinen-Rum-Füllung und Rum-Schokoladensoße. Im Wiener Hotel Sacher serviert man diesen „Gundel-Palatschinken“ mit einer Garnitur aus karamellisierten Walnüssen.

Empfehlenswert ist ein kulinarischer Streifzug durch die Hongkong-Küche, die in ihrer Mildwürzigkeit der kantonesischen Küche recht ähnlich ist: Gefüllte Teigtaschen als Vorspeise, die man in kleinen Bambuskörben dünstet, findet man inzwischen auch in deutschen Supermärkten, um sie zu Hause zuzubereiten. Da Hongkong eine Insel ist, dominieren hier Fischgerichte die Regionalküche. Für einen Goldbarsch (oder Rotbarsch) nach typischen Rezept nehme man als Marinade Sesamöl, Sojasauce, Mango Chutney, Zitronensaft, Zitronengras, etwas gelben Curry, frisch geriebenen Ingwer, Lauchzwiebeln, Knoblauch, frischen Koriander, Honig und Sechzuan-Pfeffer, lasse den Fisch 2-3 Std. darin ziehen und grille oder brate ihn dann, wobei man nach dem Wenden die Oberseite mit der restlichen Marinade bestreicht.

baer aktuell Nr. 272 – 3. Sept. 2019

September 3rd, 2019

Beachten Sie bitte folgende Ausstellungshinweise:

Ausstellung von Siglinde Kallnbach im Rahmen der „Intermezzo“-Reihe im Kunstmuseum Ahlen. Am Samstag, 21. September 2019 führt Siglinde Kallnbach dort eine Performance auf. Laufzeit der Ausstellung bis 3. Nov. 2019.

Ausstellung „Siglinde Kallnbach – a performancelife“ im Naturmuseum Tann/Rhön. Mit einem malerischen Gastbeitrag von Jürgen Raap. Laufzeit der Ausstellung bis 1. Nov. 2019.

Herr Bär im Naturmuseum Tann/Rhön, 2019, Foto: Copyright Siglinde Kallnbach
Amtliche Bekanntmachung, Tann/Rhön, 2019, Foto: Copyright Raap/Bär

Bilder der Monats – Bildstrecke „bär aktuell spezial“:

Jürgen Raap, Rhönlandschaften

Jürgen Raap, „Der Traum vom Taschendieb“ (Rhönlandschaft), 2019

Jürgen Raap, „Die Glaubersalzfabrik“ (Rhönlandschaft) 2019

Jürgen Raap, „Das lange Maß“, Rhönlandschaft, 2018
Jürgen Raap, „Heimatkunde I“ (Aquarell, 2019

Bär aktuell Nr. 272 – 3. Sept. 2019:

Normalerweise erntet man in gewissen Milieus einen Shitstorm, wenn man den feministischen oder queeren Plural missachtet. Im konservativen gutbürgerlichen Milieu hingegen herrschen hingegen noch andere Vorstellungen von Etikette, wie jüngst Konrad Adenauer erfahren musste, gleichnamiger Enkel des ersten Bundeskanzlers, Vorsitzender des Kölner Haus- und Grundbesitzervereins und in dieser Eigenschaft Verfasser der Editorials in der Verbandspostille „Eigentum aktuell“, wo Adenauer sein Publikum regelmäßig mit „Liebe Leserin, lieber Leser“ anzureden pflegt. Darüber beschwerte sich unlängst ein Ehepaar, es fühle sich durch diese Anrede „geduzt“, korrekt müsse es doch wohl heißen „Verehrte Leserin, verehrter Leser“. Geduzt wird man in Köln aber sonst eigentlich nur vom Personal in rustikalen traditionellen Brauhäusern („Krisste noch en Kölsch?“) und ebenso als 67jähriger Publizist, wenn man sich irrtümlich mal in ein Studentenlokal verirrt hat („Willst du mal eine vegane Frikadelle probieren?“), wobei seitens Herrn Bär ersteres mit „Ja“, zweiteres hingegen mit „Nein“ beantwortet wird.

Modebewusst gab sich eine Leserbriefschreiberin an die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, die sich darüber mokierte, Bundeskanzlerin Angela Merkel repräsentiere garderobenmäßig eine „Armutsästhetik“. Auch Ursula von der Leyen fand vor den Augen der Dame keine Gnade, denn die EU-Kommissionspräsidentin trage immer „zu kurze Jäckchen aus billigem Stoff“, und dies auch noch zu unpassenden Hosen; desgleichen erwecke der Außenminister Heiko Maas den Eindruck, der Stoff habe für seine Anzüge nicht ganz gereicht. Können Politiker eigentlich ihre Dienstkleidung von der Steuer absetzen? Bei einem Kellner akzeptieren die Finanzämter immerhin den schwarzen Anzug als Berufskleidung, nach gängiger Rechtsprechung nicht aber das weiße Hemd dazu, da dieses auch privat getragen könne. Heiko Mass indessen meidet seinen schwarzen Dienstanzug im Privatleben, damit ihm in einem Berliner Biergarten niemand zuruft: „Herr Ober, noch zwei Bier“.

© Raap/Bär 2019

Essen und Trinken mit Herr Bär

Suppen und Brühen

Die Steinzeit-Menschen garten ihre Nahrung mit glühenden Steinen in wasserfest gemachten Säcken oder Gefässen. Die Flüssigkeit löffelten sie als Suppe aus. Das alte Wort Supen bezeichnet das Saufen, Saugen, Schlürfen. Kraftbrühe (Bouillon) aus einem Suppenhuhn oder Suppenfleisch dient als Grundlage für Suppen, Saucen und als Kochflüssigkeit für Fleisch, Geflügel, Fisch und Gemüse. n Brühe gegarte Lebensmittel bleiben aromatischer, da die Brühe bereits Geschmacks- und Mineralstoffe enthält. Bei Fleischbrühe wird in der traditionellen Küche oft ein Kalbsfuß mitgekocht, wenn die solchermaßen zubereitete Brühe erkaltet ist, kann man sie auch für Sülze verwenden. Bei der Knochenbrühe kocht man Rinderknochen aus. Eine Consommé Colbert ist eine Geflügelkraftbrühe mit Gemüsewürfelchen, verlorenem Ei und Kerbel. Der Chemiker Justus von Liebig entwickelte 1853 die Herstellung von Fleischextrakt als Brühwürfel, ursprünglich gedacht als Stärkung für die Krankenkost. Der Brühwürfel von Julius Maggi besteht aus Gemüseextrakt und kam um 1900/1910 europaweit auf den Markt.

Jambon au persil/Jambon persillé (Schinken mit Petersilie)

Rezept für eine französische Schinkensülze: Kleingehackte Zwiebelstücke mit etwas kleingehackter Petersilie, 1 zerdrückter Knoblauchknolle, 1 Lorbeerblatt, 2 Wacholderbeeren, Nelken und weißen und grünen Pfefferkörnern in Rinderbrühe 5 Min. aufkochen. Weitere frische Petersilie kleinhacken, mit mild geraucherten Schinkenwürfeln vermengen, Gelatineblätter kalt einweichen. Die Brühe durch ein Sieb gießen und die Gelatine darin aufweichen. Würzen mit Salz, Pfeffer, Essig, Schinken-Petersilienmasse hinzugeben und mit restlicher Brühe begießen, bis alles bedeckt ist. Über Nacht im Kühlschrank zu Gelee werden lassen.

Gelber Bohnensalat Im Sommer gibt es die gelben Bohnen erntefrisch auf den Märkten – man schnippelt sie klein und kocht sie in Salzwasser halb gar, lässt sie dann abkühlen. Salzen, Pfeffern, klein gehackte Zwiebeln untermengen, einen Schuss Balsamico-Essig hinzu geben und mit Crème fraiche und etwas kleingehackter Petersilie verrühren. Alternativ dazu kann man auch nur Olivenöl nehmen.

Fischtopf à la Kotor Kotor liegt an der Adria, am Ende der Bucht von Kotor, die sich ca 15 km lang ins Landesinnere von Montenegro erstreckt. Für dieses Rezept nimmt man verschiedene kleinere Fische, d.h. Stöcker, kleine Rotbarben, Pilchard-Sardinen etc., die man säubert und entgrätet. Man brät Zwiebeln in heißem Öl an, fügt Knobloch und Mehl hinzu, gießt den Sud mit Wasser und/oder Weißwein auf, lässt klein geschnittene Tomaten und Pfefferkörner mit köcheln und schmeckt das Ganze mit Salz, Pfeffer, etwas Fleisch- oder Geflügelextrakt ab. Dann legt man die Fischstücke hinein und lässt sie in dem siedenden (nicht kochenden) Wasser 30 Min. garen. Man kann auch zum Schluss ein paar schwarze Oliven hinzugeben.

bär aktuell 269-271 – 22. Aug. 2019

August 1st, 2019
Plakat für Schäferhundwettbewerb in Ahlen/Westfalen, August 2019, Foto: Copyright Raap/Bär 2019

Bär aktuell 271 – 22. Aug. 2019

Bär polyglott – Unterwegs mit Herrn Bär
Was gibt es Neues aus Westfalen zu berichten? Nun, nicht nur die Belgier sind zweisprachig, sondern auch die Bewohner des 1946 von der britischen Besatzungsmacht künstlich geschaffenen Bundeslandes Nordrhein-Westfalen. Linguistisch ein Land, zwei Systeme, wie in China? Nicht ganz, aber es gibt schon markante sprachliche Unterschiede, was nicht nur an der Benrather Sprachlinie liegt, die als Verlängerung der Sprachgrenze zwischen dem Flämischen und dem Wallonischen von Aachen aus weiter nach Osten verlaufend bei Düsseldorf-Benrath den Rhein überquert und damit das Niederdeutsche (Westfälisch) und das mittelhochdeutsche Ripuarisch-Fränkische (Rheinisch) voneinander trennt. Während nämlich der rheinische Bio-Bauer auf seinem Acker ein Schild aufstellt und auf hochdeutsch informiert „Hier Tomaten aus eigener Aufzucht“, pflegt der westfälische Landwirt seine Erzeugnisse ebenfalls auf hochdeutsch, aber mit dem abweichenden Text „Hier Tomaten aus eigener Anzucht“ anzupreisen. Ansonsten ist noch unbedingt erwähnenswert, dass in Westfalen „Hundesport der Extraklasse“ geboten wird, wenn „die besten deutschen Schäferhunde“ aus dem Landstrich zur „Landesgruppenentscheidung“ antreten, wobei neben „Schutzdienst“ und „Fährtenarbeit“ eine der Disziplinen auch darin besteht, herauszufinden, wie sehr der am Wettbewerb teilnehmende deutsche Schäferhund die „Unterordnung“ unter das Herrchen verinnerlicht hat. Auf der Suche nach Nahrung stieß Herr Bär in Westfalen auf das „Gourmet-Lädchen“, das als kulinarischen Höhepunkt nicht irgendeinen manierierten Hipster-Food-Firlefanz, sondern erfreulicherweise schlicht eine „Currywurst“ auf seiner Karte notiert hat. So trat Herr Bär die Rückfahrt gesättigt in der Gewissheit an, wenn die Welt im 21. Jh. noch halbwegs in Ordnung ist, dann ist sie es zumindest am Rande der Münsterländer Bucht, und ansonsten gilt dort nach wie vor der gleichmütige metaphysische Glaubenssatz: „Klappt etwas nicht auf dieser Welt, dann klappt’s auch nicht in Bielefeld“.


Schon 2015 brachte der „Spiegel“ eine Titelstory „Wie Europäer auf die Deutschen blicken – The German Übermacht“. Und erst kürzlich erklärte jemand aus dem Ausland noch einmal: früher hätten die Deutschen versucht, Europa militärisch zu beherrschen, dann zwei Generationen später wirtschaftlich zu dominieren und jetzt würden sie aus einer Position der moralischen Überheblichkeit heraus den anderen in Europa diktieren wollen, was gutmenschlich und was böse ist. Und so findet seitens von Herrn Bär der Grünen-Politiker Winfried Kretschmann durchaus Zustimmung, wenn er den Hypermoralisten ins Poesie-Album schreibt: „Ich halt‘ von dieser ganzen Moralisiererei wenig… Rumzumoralisieren ist Aufgabe von Eltern, von Erziehern, von Kirchen, von Philosophen, von der Gesellschaft überhaupt – aber nicht von der Politik.“ In diesem Kontext möchte Herr Bär Herrn Kretschmanns Ausführungen ergänzen, dass schon vor knapp 100 Jahren André Breton in seinem „Manifest des Surrealismus“ forderte, es gelte eine Kunst zu machen „ohne Diktat der Vernunft, der Moral oder der Ästhetik“. Dies zu erwähnen ist insofern höchst aktuell, da im Kretschmann’schen Sinne die moralisierende Eiferei nicht nur in der Politik überhand nimmt, sondern auch in der Kunst. So sah sich unlängst der Ausstellungsleiter des Berliner Künstlerhaus Bethanien, Christoph Tannert, in seiner kuratorischen Freiheit attackiert, er habe in seiner Ausstellung „Milchstraßenverkehrsordnung – Space is the place“ von 22 künstlerischen Positionen 18 von weißen Männern, nur drei von Frauen und lediglich eine von einem nicht-weißen Künstler zusammengetragen, wie ihm eine anonyme Aktivistengruppe namens „Soap du jour“ vorwirft. Für die Chefredakteurin der Kunstzeitschrift „Monopol“, Elke Buhr, sind indessen die „provokanten Aussagen“ über Tannerts angeblichen „unerschütterlichen“ Einsatz „für die weiße Männlichkeit… jedoch rein faktisch falsch“, und Buhr, die über jeden Verdacht erhaben ist, einer selbstverständlich abzulehnenden rechtspopulistischen Propaganda Vorschub zu leisten, sieht in diesem Vorgang deswegen ein eklatantes Beispiel dafür, mit welcher „Härte aktuelle identitätspolitische Machtspiele in der Welt der Kunstschaffenden ausgetragen werden.“ „Cancel Culture“ nennt man diese höchst fragwürdige Variante eines medialen Shitstorms in der Form eines moralisierenden öffentlichen Anprangerns à la „Soap du jour“ derjenigen, die von einem gewissen Mainstream abweichen – das Strafmaß ist dann eine „Verbannung aus dem öffentlichen Leben… für Verstöße gegen die politische Korrektheit“, schreibt der Berliner „Tagesspiegel“ dazu: „Kritiker der ‚Cancel Culture‘ warnen vor der Tyrannei der linken Sittenpolizei oder dem Stammesdenken des Twittermobs, und verweisen auf die Freiheiten der Kunst- und Meinungsäußerung.“ Sturen Dogmatismus, verblendeten Fanatismus und ideologische Verbohrtheit hat Herr Bär jedoch schon vor knapp 50 Jahren für sich selber konsequent abgelehnt, als er solche Exzesse der Rigorosität im Nachhall der 1968er-Protestbewegung hautnah erlebte, sich aus dieser deswegen zurück zog und aufgrund dieser Erfahrungen sind ihm auch manche der heutigen Hysteriker in höchstem Maße suspekt.
© Raap/Bär 2019


Beachten Sie auch folgende Ausstellungshinweise:
Samstag, 24. August 2019, 16 Uhr:
Vernissage der Ausstellung von Siglinde Kallnbach „a performancelife“ im Kunstmuseum Ahlen.
Es spricht Dr. Winfried Gellner, Köln.

Am Samstag, 21. September 2019, führt Siglinde Kallnbach dort eine Performance auf.

Laufzeit der Ausstellung bis 3. Nov. 2019.

Sonntag, 1. September 2019, 14 Uhr:
Vernissage der Ausstellung „Siglinde Kallnbach – a performancelife“ im Naturmuseum Tann/Rhön. Mit einführenden Worten und einem malerischen Gastbeitrag von Jürgen Raap, Köln. Laufzeit der Ausstellung bis 1. Nov. 2019.


Foto: Siglinde Kallnbach, Ausstellungsansicht „ a performancelife“, Kunstmuseum Ahlen, 2019, Foto: Copyright S. Kallnbach


Bild des Monats August 2019: Jürgen Raap, Das Theater der Exekutionen, 2019, Foto: Copyright J. Raap 2019 – alle Rechte vorbehalten

bär aktuell 270 – 11. August 2019

Heidewitzka, Herr Kapitän, me’m Prinz vun Monaco fahre mer su jän… Zu den Begleiterscheinungen der christlichen Seefahrt gehört heute leider auch die Verunreinigung der Meere. Daran hat paradoxerweise auch Greta Thunberg ihren Anteil, die sich mit einer gewissen Cleverness einen Gratis-Segeltörn erschnorrte, um dann zwar „klimaneutral“ auf der Segelyacht des Prinzen von Monaco über den Atlantik zu schippern, zwecks Teilnahme an einem UN-Klimagipfel in New York, dabei aber in Kauf nimmt, dass der Prinz von Monaco auf seiner Yacht keine Bordtoilette hat: auf hoher See verrichten der Prinz und sein Fahrgast ihre Notdurft daher in „biologisch abbaubare Beutel“, die dann mitsamt ihrem Inhalt einfach über Bord geworfen werden: so beschrieb der Kölner „Express“ die sanitären Zustande auf der Yacht des Prinzen von Monaco. Der PR-Wirkung des Greta-Kult-Marketings tut das aber wohl keinen Abbruch. Doch just in jenen Tagen, als die Ikone der schuleschwänzenden Pennäler wortwörtlich ins Meer kackte, war im Internet bei „Reisereporter im Redaktionsnetzwerk Deutschland“ nachzulesen, in diesem Sommer sei an 48 spanischen Stränden „Fäkalien-Alarm“ ausgerufen worden (der „Focus“ spricht komparativerweise sogar von „Ekel-Alarm“).

© Raap/Bär 2019

Essen und Trinken mit Herrn Bär

Grüne Heringe – Früher ein Arme-Leute-Essen, heute eine bisweilen selten gewordene Delikatesse aufgrund der Überfischung der Meere. Bei den frischen, rohen Heringen entfernt man Köpfe und Schwänze, schuppt sie und nimmt sie aus, lässt sie dann leicht in Essigwasser ziehen, bevor man sie salzt, pfeffert, in Mehl wälzte und dann in heißem Öl brät.

Labskaus ist ein seit dem frühen 18. Jh. bekanntes Seefahrergericht aus der Zeit, als es nur Segelschiffe gab und man für lange Überfahrten nur gepökeltes Fleisch mitnehmen konnte. Gepökeltes Rindfleisch wird in leicht gesalzenem Wasser gekocht, dann zusammen mit Zwiebeln, frischem Speck, Matjesheringen, Gewürzgurken und frische oder eingelegter Roter Beete gewolft oder per Mixer püriert. Die Masse wird dann in Salzwasser durchgekocht, zum Schluss mischt man vorgekochte Kartoffeln oder Kartoffelbrei unter. Dazu reicht man einen Rollmops oder Bismarckhering, Spiegelei und eine Gewürzgurke.

bär aktuell 269 – 3. Aug. 2019

Wer sich noch gut an die Zeiten erinnert, als die schratig gewandeten Grünen im fusseligen Norwegerpullover auf ihren Parteitagen Strick- und Häkelzeug auspackten und in ihren Kreisen die ausgebeulte lila Latzhose der Inbegriff eines alternativkulturellen Modebewusstseins war, der mag gewiss den Kolumnisten zustimmen, die nun Annalena Baerbock und Robert Habeck als das neue Glamour-Paar der heutigen Öko-Partei hochjubeln. Da versucht nun die SPD mitzuhalten, indem ihr Führungspersonal ernsthaft überlegt, als Gegenpart zu diesem grünen Glamour-Tandem nunmehr Gesine Schwan und Kevin Kühnert als Doppelspitze zu berufen. Die „Berliner Morgenpost“ apostrophierte die beiden sogar bereits – dies freilich etwas allzu vollmundig – als „die Macrons der SPD.“ Nun ist Gesine Schwan eine respektable Dame, die bisher keinerlei Anlass bot, in „bär aktuell“ Witze über sie zu reißen, wobei sich allerdings im Vergleich mit der französischen Eleganz von Madame Macron ein Zitat aus „Die Welt“ anführen ließe: „Gesine Schwans Frisur hat die SPD-Kandidatin… bekannter gemacht als ihr mutiger Antikommunismus 1968.“ Ob das reicht, um jetzt mit der Wuschelkopf-Frisur von Robert Habeck zu konkurrieren, mag dahin gestellt bleiben. Aber ein Vergleich von Kevin Kühnert mit Emmanuel Macron gerät zur Lachnummer, auch wenn die Zeitschrift „Cicero“ in beiden den „Phänotypus politischer Abenteurer“ zu erkennen glaubt und in diesem Kontext ebenfalls den Österreicher Sebastian Kurz anführt. Aber Hand aufs Herz: im Vergleich zu Macron wirkt Kevin Kühnert doch eher wie ein Balljunge auf dem Turnierplatz der Weltpolitik. Ob indessen Christina Kampmann und Michael Roth, die offiziell ihren Hut als Vorsitz-Kandidaten in den Ring geworfen haben, tatsächlich den nächsten SPD-Parteitag mit mehr Glamour und Weltläufigkeit zur Krönungsmesse und nicht zum Trauerspiel geraten lassen, als man dies dem Duo Schwan/Kühnert zutrauen kann, muss abgewartet werden. Der „Spiegel“ spricht jedenfalls von der „Clownisierung der Politik“, meint damit aber nicht „die Macrons der SPD“, sondern Peer Steinbrücks neue Karriere als Kabarettist.

Copyright: Raap/Bär 2019

Bildstrecke „bär aktuell spezial: „Der Geysir von Andernach“

Geysir von Andernach, Foto: Copyright Raap/Bär 2019
Rhein bei Andernach, Foto: Copyright Bär/Raap 2019

© Raap/Bär 2009

Bär polyglott- unterwegs mit Herrn Bär Wer nicht so weit zu den Kaltwasser-Geysiren von Soda Springs in Idaho (USA) oder dem Mokena Geyser von Te Aroha (Neuseeland) reisen will, zumal es neuerdings gilt, unterwegs keine „ökologischen Fußabdrücke“ zu hinterlassen, der kann auch auf einer Fahrt mit der Deutschen Bahn von Köln ins beschauliche Andernach am Rhein jede Menge Abenteuer erleben. Diesmal war nämlich das Stellwerk von Sechtem kaputt, doch der Zugführer war immerhin um Service-Freundlichkeit bemüht, als er per Lautsprecher den Text durchgab: „Verehrte Fahrgäste, wir halten jetzt bis auf unbestimmte Zeit in Brühl. Sie können ruhig draußen auf dem Bahnsteig eine Zigarette rauchen; ich sage Ihnen rechtzeitig Bescheid, ob und wann es weiter geht“. Das Fährschiff in Andernach zu der Halbinsel mit dem Geysir legt allerdings immer absolut pünktlich ab; und der Geysir dort lässt eigenartigerweise ebenso pünktlich exakt alle 100 Minuten seine Fontäne acht Minuten lang hochspritzen, und dies aus dem Gestein in 350 Metern Tiefe. Jedenfalls ist der Geysir von Andernach zuverlässiger als das Stellwerk von Sechtem, und an der Pünktlichkeit der Natur sollte sich die Deutsche Bahn mal ein Beispiel nehmen. Und wer eine vorzüglich-zarte hausgemachte Rinderroulade und dazu einen Leutesdorfer Riesling mit mineralisch-dezenter Säure zu schätzen weiß, der kehre anschließend in Andernach im Hotel-Restaurant „Rheinkrone“ ein.

Essen und Trinken mit Herrn Bär

Gazpacho andaluz

Beheimatet ist diese kalte spanische Gemüsesuppe aus ungekochten Zutaten in Andalusien und Südportugal (Algarve). Es wird behauptet, das Rezept sei maurischen Ursprungs, und es hätte eine Knoblochsuppe mit Gurken, Essig, Wasser und Salz beschrieben. Tomaten und Paprika waren vor der Entdeckung Amerikas in Spanien unbekannt; man fügte sie vermutlich erst im 18. Jh. dem Rezept hinzu. Für 2 Portionen nehme man 3 Tomaten, 1-2 rote Paprikaschoten, 2 Knoblochzehen, ½ Gurke – im Mixer pürieren und in eine Schale geben, salzen und pfeffern, vorsichtig mit ein wenig Wasser verdünnen.

Salade Niçoise wird in Olivenöl mit Essig oder Zitrone angemacht und besteht aus gekochtem Ei, Thunfisch, Tomaten, Gurken, Zwiebeln, Knoblauch, Gemüsepaprika, grünem Salat, Basilikum schwarzen Oliven und Sardellen.

Rinderroulade klassisch Die Rouladenscheiben von beiden Seiten pfeffern und salzen, auf der Innenseite auch mit Paprikapulver und mit Senf bestreichen und ½ Knoblauchzehe ausdrücken. Mit Scheiben von Frühstücksspeck belegen, darauf klein gehackte Zwiebeln, klein gehackte Zwiebeln und in dünne Streifen geschnittene Gewürzgurken verteilen. Man kann dieses Rezept auch noch um eine zusätzliche Abrundung dieser Füllung mit Schweinehack ergänzen. Dann rollt man die Fleischscheiben zusammen und steckt sie mit Zahnstochern oder metallenen Bratenstickern fest, brät sie in einer Pfanne oder einem Bräter von allen Seiten in Öl oder Schmalz scharf an, fügt weitere Zwiebelstücke hinzu, füllt das Ganze dann mit Rinderfond auf, in welchem man anschließend Selleriestücke und Möhrenstücke einkochen lässt, gibt dann ein paar Pimentkörner, Nelken, grünen Pfefferkörnern, etwas Tomatenmark und ein Lorbeerblatt hinzu sowie einen Schuss Rotwein und lässt das Fleisch 1 ½ bis 2 Std. bei niedriger Hitze weich schmoren, füllt dabei den Sud bei Bedarf mit Brühe auf. Wer will, kann zum Schluss die Sauce mit etwas Mehl abbinden.

baer aktuell 268 – 22. Juli 2019

Juli 1st, 2019

Bild des Monats Juli 2019:

Jürgen Raap, „Die vierte Sonne von Jülich“, 2019

Bildstrecke „bär aktuell spezial“: Bär polyglott – Unterwegs mit Herrn Bär – Was gibt es Neues in Salzburg?

Fronleichnamsprozession in Salzburg, Foto: Copyright Raap/Bär 2019
Fronleichnamsprotession in Salzburg 2019, Foto: Copyright Raap/Bär 2019
Wirtshaustafel in Salzburg, Foto: Raap/Bär 2019

Bär aktuell Nr. 268 – 22. Juli 2019

Wie gewonnen so zerronnen mochte sich Boris Becker gedacht haben, als jüngst sein Insolvenzverwalter die Pokale zur Versteigerung anbot, die „Bobele“ einst mit furiosem Tennisspielen eingeheimst hatte. Wenn man prominent und pleite ist, kann man immerhin sogar noch ein paar alte Klamotten in die Insolvenzmasse geben, uns zwar in diesem Falle ein paar alte Socken von Boris Becker, die als Devotionalien gleich mit versteigert wurden. Hm, hm… bislang schätzte man als Reliquie doch eher einen Holzsplitter vom Kreuz Christi, die Zunge des Heiligen Nepomuk oder einen Fussel vom Schweißtuch der Heiligen Veronika! Aber die Socken von Boris Becker? „Männer mit weißen Socken wurden zu ultimativen Trotteln degradiert…die weiße Socke (wurde) zum Synonym des schlechten Geschmacks stilisiert“, schreibt z.B. Max Ernst Walbersdorf in seiner textilgeschichtlichen Betrachtung dieser Fußbekleidung im „GQ“-Magazin, erkannte aber gleichzeitig ein „Comeback der weißen Tennissocke“, weshalb er seinen Text mit der Überschrift „Weiße Socken ? Jetzt erst recht!“ garnierte. Mit den Worten „Weiße Tennissocken sind der Klassiker und auch jetzt wieder voll im Trend“ bewirbt derzeit auch der Strumpfhersteller „J. Clay Socks“ sein Sortiment, und da hat der Insolvenzverwalter bei der Versteigerung des Beckerschen Restvermögens ja noch mal Glück gehabt, dass selbst bei ein paar labberigen alten Socken ein Hammerschlag erfolgen und Geld ins Portefeuille von Beckers Gläubigern spülen konnte.

Schwierig auszusprechen sind nicht nur die Namen Annegret Kramp-Karrenbauer und Thorsten Schäfer-Gümbel (oder heißt der vielleicht doch „Grümbel“, „Grummel“ oder gar „Kimbel“ – bei Politikern, die so unscheinbar wirken wie ein Sparkassenfilialleiter in Wiesbaden-Erbenheim, sind ja selbst eingängige Namen schwer zu merken). Desgleichen recht schwierig zu artikulieren und ebenfalls orthografisch nur mit Mühe richtig zu schreiben ist offensichtlich der Name der Kölsch-Band „Klüngelköpp“, die schon mal versehentlich als „Pimmelköpp“ apostrophiert wurden, was auf einen Freudschen Versprecher hindeutet, oder vom BAP-Musiker Wolfgang Niedecken jüngst immerhin fast richtig, aber eben nur fast, als „Klingelköpp“. Daher ist dem derzeitigen SPD-Führungsterzett dringend davon abzuraten, sich „Gümbelköpp“ zu nennen, denn wer weiß, was für Namensverwechselungen ihnen dann blühen.

Bär polyglott – Unterwegs mit Herrn Bär – – Was gibt es Neues aus Salzburg zu berichten? Nun, im dortigen „Sternbräu“ gibt es einen vorzüglichen kalten Schweinebraten mit Radi und Kren (Meerrettich), und ebenso empfehlenswert sind im „Restaurant Elephant“ in der Siegfried Haffner-Gasse die berühmten Salzburger Nockerln, was an dieser Stelle insofern erwähnenswert ist, als die An- wie Abreise mit der Deutschen Bahn Herrn Bär wieder einmal das Erlebnis einer kulinarischen Katastrophe bescherte: Auf der Hinreise hatte man die Ankopplung des Speisewagens schlicht vergessen. Es gab von Köln bis Salzburg acht Stunden lang also rein gar nichts gegen Hunger und Durst. Auf der Rückreise war ein „Bordbistro“ zwar vorhanden, jedoch war dort das Kühlsystem ausgefallen, ebenso die Computerkasse, so dass der Büffetier die Rechnung für die wenigen Bestellungen, die er ungekühlt verkaufen konnte, per Hand auf einem Zettel addierte, woraufhin eine Bahnkundin ihn fragte: „Ist das bei Ihnen immer so?“ Der Büffetier antwortete schlagfertig: „Meine Dame, Sie fahren wohl nicht so oft mit der Deutschen Bahn?“

Man ahnt, dass man als Kunde der Deutschen Bahn dazu gezwungen wird, sich gastronomisch und auch sonst zu geißeln und zu kasteien, doch zwischen Hin-und Rückreise bietet dann gerade Salzburg genügend Gelegenheiten, zwecks Kompensation solcherlei Zumutungen seitens der Deutschen Bahn einigen der sieben Todsünden zu frönen, nämlich der ausufernden Völlerei, Prasserei und Zecherei. Das Wirtshaus Zwettler hat seine Zielgruppenansprache recht geschickt in der Zeile zusammen gefasst, es sei für „Denker und Deppen“ gleichermaßen zugänglich, und dieser originelle Hinweis suggeriert jedem Gast, mit dem Betreten dieses Wirtshauses erhöhe er den Anteil der Denker, denn sich selbst stuft ja niemand von vorneherein als Depp ein.

Der einzige Depp, den Herr Bär in Salzburg tatsächlich wahrnahm, war lediglich ein junger Mann, der sich ausgerechnet vor dem Friedrich Schiller-Denkmal an der Universitätsaula bildungsfern und vulgär gebärdete, indem er quer über den Platz einem anderen Jüngling hinterher rief: „Ich ficke deine Mutter!“

Ist man ansonsten in Salzburg von der Freundlichkeit und Höflichkeit der Einwohner höchst angetan, so muss Herr Bär indes mit klaren Worten monieren, dass eben unter manchen Kunden der Deutschen Bahn, auch bisweilen unter den Nutzern von U- und Straßenbahnen, die Unzivilisiertheit überhand nimmt, insbesondere unter Handybesitzern, die mit dickfelliger Tumbheit lautstark alle anderen an dem verbalen Unsinn teilhaben lassen, den sie glauben nicht nur ihrem direkten Gesprächspartner mitteilen zu müssen. Das ist freilich an überflüssiger und daher nervtötender Geschwätzigkeit für andere Fahrgäste bisweilen so unerträglich, dass man im Vergleich dazu einen etwas ungeschlachten jungen Mann, der es schafft, an einem lauen Sommerabend vor dem Schiller-Denkmal an der Salzburger Universitätsaula seine schlichte Weltsicht in dem einzigen Satz „Ich ficke deine Mutter“ zusammen zu fassen und einem Altersgenossen hinter her zu brüllen, dann aber immerhin den Mund hält, als das kleinere Übel empfindet, wenn es gilt, mit dem bekannten Cicero-Zitat „O tempora, o mores“ den Verfall der Sitten und des Bildungsniveaus in der heutigen multimedialen Welt der twitter-fetischistischen und shirtstormwütigen Dummschwätzer zu beklagen.

© Raap/Bär 2019

Essen und Trinken mit Herrn Bär

Nimmt die Sprachverhunzung im kulinarischen Bereich überhand? Gelegentlich schon, findet Herr Bär. Unter dem albernen Begriff „Convenience Food“ verbirgt sich nämlich nichts anderes als das Wort „Fertiggericht“, das man im Supermarkt kauft und zu Hause nur noch aufwärmen muss, was aber „mit echtem Kochen nichts mehr zu tun“ hätte, wie der NDR zu Recht kritisch anmerkt. Was man vor zehn Jahren „Cross Over Küche“nannte, heißt heute auf neudeutsch „Hybrid Food“ und beschert uns so überkandidelte Manierismen wie die Unnötigkeit, einen Donut aus Croissantteig her zu stellen und dann „Cronat“ zu nennen oder auch den „Dönerburger“: der klassische Döner Kebap besteht jedoch aus geschichtetem Kalbfleisch, das vor dem Grillen mit Zwiebeln, Salz, Pfeffer, Kreuzkümmel und scharfem Paprika mariniert wird, und das man zum Servieren vom Drehgrill in dünnen Scheinen abschneidet. Nimmt man dazu Hackfleisch, heißt es in der Türkei „Iskender Kebap“, weil das Rezept ein Koch namens Iskender erfunden hat. Man serviert es in aufgeschnittenem Fladenbrot, und es besteht eigentlich überhaupt kein gastrosophischer Grund, dieses Fladenbrot durch ein lappiges Milchtoastbrötchen aus der amerikanischen Burger-Kultur zu ersetzen: ist das etwa kreative Küche? Nicht unbedingt, findet Herr Bär. Der Hamburger leitet sich bekanntlich nicht von der Stadt Hamburg ab, sondern von „Ham“ = Schinken: ursprünglich nahm man dazu wohl eine Scheibe Schinken oder Braten, erst später Rinderhack. Möglicherweise inspirierten die Frikadellen deutscher Auswanderer die US-Imbissköche um 1890/1900 zu den Burger-Klopsen. Hamburger werden – im Unterschied zum Iskender Kebap – nach dem klassischen Rezept nur mit Salz und Pfeffer gewürzt. „Plant Based Food“ nennt man pflanzliche Esswaren, die man aus marketingstrategischen Gründen nicht als vegan bezeichnen will, weil das zu sehr nach Verzichtsethik klingt – Gemüse ist hier nicht Beilage, sondern die Basis eines Gerichts, und zwar vollwertig und nicht etwa verarbeitet mit Aromastoffen als Fleischimitat dargeboten, sondern „natural“, wobei bei als Beilagen Fleisch oder Fisch in geringen Mengen nicht völlig tabu sind – anders als beim Veganismus. © Raap/Bär 2019

Salzburger Bierfleisch ist ein gulaschähnliches Gericht mit Rindfleisch, das man in Würfel schneidet, kurz anbrät, dann gibt man reichlich Zwiebeln und klein gewürfelte (Knollen)-Selleriestücke und Möhrenscheiben hinzu, lässt diese Zutaten andünsten, bis man schließlich auch noch Fleischbrühe, Tomatenmark und dunkles (Bock)-Bier hinzufügt, das Ganze kurz aufkochen und eine Weile schmoren lässt, bis das Fleisch weich ist, bevor man mit Salz und Pfeffer würzt und die Würzung mit frischem Majoran, Thymian und etwas Knoblauch abrundet. Dazu reicht man Knödel.

Beuschel kennt Herr Bär noch als Lungenhaschee aus seiner Kindheit, ist aber in Deutschland heute weitgehend verpönt, wird in Wiener und Salzburger Traditionslokalen jedoch auch heute noch angeboten. Basis ist Kalbslunge, oft kombiniert mit Kalb- oder Rinderherz – die Innereien müssen absolut frisch sein und sollten daher nicht aus einem Supermarkt, sondern bei einem handwerklichen Metzger besorgt werden. Das gewürfelte und von allen Röhren entfernte gewürfelte Fleisch kocht man ca. 1 Std. lang in einem Sud aus Wasser, Essig, Möhren, Porree, Sellerie, Salz, Pfefferkörnern und einem Lorbeerblatt und serviert es dann mit Kartoffelknödeln und einer Sauce aus dem Kochsud, angeschwitztem Mehl, Thymian, Kapern, Crème fraiche, Weißwein und einem Schuss Essig.

Salzburger Nockerln sind ein Soufflé, das in einer Auflaufform in drei aufgequollenen Hauben aus Eischnee serviert wird; die Hauben stellen die drei Salzburger Berge Mönchsberg, Kapuzinerberg und Gaisberg dar. Eiweiß wird zu Schnee geschlagen, dann mit Eigelb, Mehl und Vanillezucker behutsam verrührt. Aus der Masse werden dann die drei Nockerln ausgestochen und im Backofen in einer Auflaufform bei exakt 230 Grad 20 Minuten lang gegart. Sie müssen dann sofort serviert werden, bevor sie zusammen fallen.

Adana Kebap sind gegrillte Hackfleischspieße in der türkischen Küche aus gewolftem Rind- und Lammfleisch sowie Lammspeck, gewürzt mit Salz, Pfeffer, Paprikapulver, Chilipulver (türkisch „Pul Biber“) , etwas Kreuzkümmel, geriebenen Zwiebeln, klein gehackter Petersilie und ausgepresstem Knoblauch.

Deutsches Beefsteak ist ein länglich-flaches Hacksteak aus magerem Rindfleisch (im Unterschied zur Frikadelle, die man mit Schwein- und Rinderhack halb und halb zubereitet), gegrillt oder in der Pfanne gebraten, vermischt mit einem in Wasser eingeweichtem altbackenen Brötchen, Ei, Salz, Pfeffer, geriebener Zwiebel. In der Gastronomie muss das Gericht nach dem Lebensmittelrecht mindestens 80 Prozent Fleischanteil haben.

Hackfleischbällchen sind ein Klassiker in der mediterranen Küche: in Spanien gehören Albongidas zu den Tapas. Bällchen aus Rinderhack werden mit Salz, Pfeffer, geriebenen Zwiebeln, Knoblauch, Koriander, Kreuzkümmel, etwas Muskat, Petersilie, Ei und Tomatenmark gewürzt, in der Pfanne ca. 10 Minuten durchgebraten und in einer Tomatensauce serviert. Dazu dünstet man in Olivenöl gewürfelte Tomaten an, lässt sie dann in etwas Wasser und Sherry zerkochen und rundet sie mit Tomatenmark, Pfeffer, Knoblauch und Chili ab. In Griechenland heißen solche Hackbällchen aus Fleisch vom Lamm, Kalb und/oder Rind Keftedes, man würzt sie mit Salz, Pfeffer, Zwiebeln, Knoblauch, Minze, Oregano, Kreuzkümmel. In der Türkei nennt man sie Köfte, dazu gibt es rund 290 verschiedene Rezeptvarianten. Würzbasis ist immer Salz, Pfeffer, Knoblauch, Oregano, Kreuzkümmel, Paprikapulver, Pfeffer, Zimt oder Nelkenpulver; in manchen Varianten auch Koriander. In türkischen Supermärkten gibt es auch eine fertige Würzmischung Köfte Baharatı.

baer aktuell 267 – 22. Juni 2019

Juni 5th, 2019

Bild des Monats Juni 2019:

Jürgen Raap, „Des Teufels Lieblingsbilder“, 2019

Bär aktuell lokal Was Red Bull-Wodka im Hirn eines Politikers anrichten kann, haben wir gerade in Österreich erlebt. Der rheinische Klüngelbruder hält sich daher wohlweislich an Kölsch-Bier. In den traditionellen Brauhäusern reagiert das Bedienungspersonal, „Köbes“ geheißen, allerdings auch äusserst unwillig, wenn man es wagen sollte, etwas anderes zu bestellen. Hier die neuesten Köbes-Sprüche:

Gast: Ich hätte gerne einen Tee.

Köbes: Sag ens, seh ich us wie en Geisha?

oder:

Gast: Ein Mineralwasser bitte.

Köbes: Wat soll dat dann? Willste jetzt deine Leber überraschen?

Gast: Ich hätte gerne eine Flasche Champagner.

Köbes: Hör ens, wir sind ein anständiges Lokal.

oder:

Gast: Bitte einmal Kölsch-Cola.

Köbes: Du bist hier en nem Brauhaus un nit en ner Cocktailbar.

Bär aktuell 267 – 22. Juni 2019

Mit der tief gestürzten Andrea Nahles empfindet Herr Bär insofern keinerlei Mitleid, hatte sie doch selbst einst mit ähnlich brutaler Mobbing-Chuzpe, d.h. höchst intrigant, am Stuhl ihres Vorgängers St. Martin Schulz gesägt, der sich nun, da sie das gleiche Schicksal ereilt hat, mit klammheimlicher Freude darüber einen abjuxen mag, zumal Andrea Nahles mit ihren misslungenen „Bätschi“-Auftritten sich selbst ein Bein gestellt und damit ihre Unzulänglichkeit in einem politischen Spitzenamt offenbart hat, wobei der Fairness halber anzumerken wäre, dass bei der politischen Konkurrenz „AKK“ von ähnlich bescheidenem Kaliber ist und Herr Bär sich nicht wundern würde, wenn „AKK“ von ihren Parteifreunden in Bälde in einer ebenso kaltschnäuzigen Weise abserviert würde. Den Gipfel an peinlicher Bigotterie bot indessen erneut der Juso-Vortänzer Kevin Kühnert, der die zwischenmenschlich miesen Umstände des Nahles’schen Abgangs mit „Ich schäme mich“ kommentierte, denn letztlich war doch gerade er doch einer derjenigen gewesen, der die Europa-Wahl verbockt und damit Nahles demontiert hat, weswegen die gemeuchelte SPD-Cäsarin ihm nun zurufen kann: „Auch du, mein Sohn Brutus“. Was Kevin Kühnert sich aber niemals trauen würde, wäre Kritik zu üben an der Ikone der Greta-Gläubigen, die ankündigte, jetzt gar ein ganzes Jahr lang die Schule schwänzen zu wollen, weil solcherlei Kritik den Graben zwischen dem verunsicherten Polit-Establishment und der jungen Youtube-Generation nur noch mehr vertiefen würde, und damit politisch unkorrekt und vor allem parteitaktisch unbeholfen wäre. Aber von „bär aktuell“ würde Kevin Kühnert keineswegs verbale Prügel beziehen, wäre er diesmal wirklich einmal ein standhafter Linker, der sich über das Privileg der Öko-Schickeria mokieren würde, dass nämlich die Eltern von Greta Thunberg (Mutter Opernsängerin, Vater Schauspieler) ihrer Tochter gewiss problemlos nach einem Jahr medienwirksamen Schuleschwänzen die Nachhilfestunden bezahlen können, während die marrokanische Obstpflückerin, die sich für einen Stundenlohn von 2 oder 3 Euro auf einer pestizidumnebelten Erdbeerplantage in Andalusien abschuftet, froh wäre, wenn ihre Kinder überhaupt einmal eine Schule besuchen könnten.

Immerhin gibt es in dieser verheuchelten Welt des Polit-Betriebs noch einen winzigen Lichtblick, nämlich die derzeit kommissarische Ausübung des Vorsitzes in der SPD-Bundestagsfraktion durch Rolf Mützenich, der aus dem Wahlkreis von Köln-Ehrenfeld stammt, wo auch Herr Bär seit 40 Jahren seinen Stimmzettel in die Wahlurne wirft. Als Herr Bär einmal im Bürgerzentrum Ehrenfeld dem Frühlingsfest des SPD-Ortsvereins beiwohnte und einen Kurzvortrag des Genossen Mützenich zur Außen- und Sicherheitspolitik hörte, fand Herr Bär dies intellektuell recht erbaulich (was man bei vielen anderen Politiker-Reden mit ihren ritualisierten Worthülsen eben nicht sagen kann), und auch einen kurzen zweiminütigen persönlichen Small Talk mit Rolf Mützenich am Rande der Veranstaltung hat Herr Bär durchaus in angenehmer Erinnerung. Der Mann hat sich niemals im kölschen Klüngel verschlissen, was gerade in Köln allemal zu loben ist, wo sonst hemmungslose aalglatte Parteikarrieristen aller Couleur mit ihrer Missachtung der Compliance-Regeln einer Parteien- und Politikverdrossenheit Vorschub leisten. Mützenich traut Herr Bär daher eher als dem schwiemeligen Kevin Kühnert zu, in der Politik die nötige Balance zwischen pragmatisch notwendiger Machtausübung und Moral zu finden, mithin auch zwischen technokratisch orientierter Sachpolitik und dem Utopismus derjenigen, die nicht als Naivlinge abgestempelt werden wollen, auch wenn sie sich auf Youtube zwischen den Uploads der Schminktipps 15jähriger Gören und den betulichen Hobby-Musikern tummeln, die in ihrem Partykeller beim Intonieren von „La Paloma“ mit dem Akkordeon nicht immer den richtigen Ton treffen, aber unverfroren genug sind, dies dann auch noch mit einem Handy-Video aufzunehmen und in den sozialen Medien zu posten.

Copyright: Raap/Bär 2019, alle Rechte vorbehalten

baer aktuell 264/265/266

Mai 2nd, 2019

Bild des Monats Mai 2019:

Jürgen Raap, „Die magische Mauer von Mahares“, Acryl und Öl auf Leinwand, 2019


Bär aktuell Nr. 264 – 3. Mai 2019

Den Fanatikern der „Sprachhygiene“ und der „Sprachüberwachung“ las in einem „Spiegel“-Interview der Theaterdramaturg und Aktivist Bernd Stegemann kürzlich gehörig die Leviten, und als Mitbegründer der linken Sammlungsbewegung „Aufstehen“ ist Stegemann ganz gewiss über jeden Verdacht erhaben, wie ein Rechtspopulist verbal auf die Political-Correctness und die von deren Protagonisten losgetretene „Dialektik der Empörungsindustrie“ einzudreschen: „Wenn Linke meinen, Menschen moralisch erziehen zu müssen, sind sie auf dem Holzweg“, sagt Stegemann zu dem Dogma vermeintlicher Gutmenschen, „wenn sich jemand von einer Bezeichnung gekränkt fühlen könnte“, dann müsse dieses Wort „unbedingt vermieden werden“.

Über den Firmennamen „Mohren-Apotheke“ hat sich nämlich bislang noch kein Afrikaner beschwert, wohl aber die eifernden nicht-mohrigen Sprachhygeniker. Wohlgemerkt: es soll und darf niemand durch unziemlichen Sprachgebrauch herabgewürdigt oder diskriminiert werden, findet auch Herr Bär. Aber wie der linke Theaterprofessor Bernd Stegemann, so lehnt auch Herr Bär gleichzeitig ebenso die „absolute Forderung ab“, dass das Opfer einer Bezeichnung oder gar einer Beschimpfung „immer recht hat. Wer ihm widerspricht oder das subjektive Empfinden“ des Bezeichneten oder Beschimpften anzweifelt, „hat sich schon ins Unrecht gesetzt. Das ist eine interessante Umdrehung der Machtverhältnisse, weil nunmehr allein das Opfer darüber entscheidet, wodurch es zum Opfer geworden ist und wie sich die Gesellschaft ihm gegenüber zu verhalten hat“.

Das lehnt auch Herr Bär ab. Er setzt als ein linksbürgerlicher Bohemien einer solchen Umkehrung der Machtverhältnisse selbstbewusst entgegen: Wer sich von mir beleidigt fühlen darf, entscheide immer noch ich!

In der Soziolinguistik kennt man das Fallbeispiel, dass beim Sprechakt der „rituellen Beschimpfung“ ein Afro-Amerikaner zu einem anderen durchaus „Du Nigger“ sagen darf, aber nicht ein Weißer zu einem der beiden. Manchmal eskaliert die rituelle Beschimpfung aber auch unter denjenigen, die sich gleichermaßen in der gesellschaftlichen Opferrolle sehen – kürzlich kam es in Berlin zu einer Massenschlägerei zwischen den Anhängern zweier Rapper, die sich via Youtube im Unterschichten-Jargon gegenseitig Verbalinjurien an den Kopf geworfen hatten – die etwas einfältige Gefolgschaft dieser beiden Rapper hatte schlichtweg nicht begriffen, dass das Prinzip der „rituellen Beschimpfung“ in jenen Kreisen einer martialisch zelebrierten Hiphop-Kultur eben darin besteht, in vulgärer Weise die Beleidigung mit einer noch größeren solchen zu kontern und dann wieder einen drauf zu setzen.

Auch der Hellhäutige bzw. der Europäer kann sich heut zu Tage wie in der von Bernd Stegemann beschriebenen Opferrolle fühlen, wenn man ihn – was ja inzwischen leider Mode geworden ist – als „alten weißen Mann“ beschimpft, was dann schon mal von feministischer Seite zu der Frage führt: „Und was ist mit den alten weißen Frauen?“ Sind die nun Opfer des Patriarchats oder global auch „Täter*innen“ (sic!) in der Unterdrückung und Ausbeutung all derjenigen, die nicht weiß und jünger sind?

„Die sogenannte Identitätspolitik blendet ökonomische Verhältnisse“ aus, meint der marxistisch versierte Aktivist Stegemann, und da hat er durchaus recht: Glauben die Anhänger der Political Correctness allen Ernstes, der Kapitalismus werde über Nacht abgeschafft oder zumindest die Ausbeutung der Dumpinglohn-Arbeiterinnen in den maroden Textilfabriken von Bangladesh, wenn in den Vorstandsetagen westlicher Textilkonzerne künftig nur noch junge schwarze Managerinnen das Sagen hätten und nicht mehr „alte weiße Männer“, und man diese Führungskräfte dann politisch korrekt als „Chefi*innen“ bezeichnen würde? Bernd Stegemann konstatiert, es „entbrennt“ nun „ein Kampf um die besten Plätze in der Opferhierarchie… auch unter weißen Männern können sich viele in einer Opferposition befinden, als Ausgegrenzte, Arbeitslose oder prekär Beschäftigte…“

Über die Haarmode des „Undercuts“ mit kahl geschorenen Schläfen hat Herr Bär sich an dieser Stelle schon mehrfach mokiert – trug doch Heinrich Himmler in den 1930er Jahren das Haar an den Seiten ähnlich kurz getrimmt, weshalb in den Augen von Herrn Bär diese heutigen „Undercut“-Frisuren bisweilen etwas Machohaft-Faschistoides ausstrahlen, wobei dieser Heinrich Himmler- Haarschnitt allerdings zumeist in Kreisen verbreitet ist, die vermutlich gar nicht wissen, wer Heinrich Himmler eigentlich war. In anderer Hinsicht zu belächeln ist indessen das Erscheinungsbild des 28jährigen CDU-Jünglings Philipp Amthor, der mit seinem straff gekämmten Seitenscheitel-Haarschnitt aussieht wie ein Konfirmand in den 1950er Jahren. Allerdings hat sein Stilberater ihm zu dieser Frisur die falsche Brille verpasst, nämlich so ein viel zu amerikanisch-modern aussehendes Gestell. Zu einem Philipp Amthor-Haarschnitt passt besser die klassische AOK-Kassenbrille der 1970er Jahre, findet Herr Bär, so ein klobiges Gestell, wie es damals unter westdeutschen Rentnern Standard war. Damit gäbe es garantiert ein paar tausend ebenfalls modisch verwirrte Follower mehr auf facebook. Richtig „stylisch“ wirkt man als Philipp-Amthor-Fan mit dieser Frisur und solch einer Erich Honecker-Brille freilich erst dann, wenn man dazu auch noch knarzig-stinkende Zigarren der Marke „Deutsche Jagd“ „Weiße Eule“ oder „Handelsgold“ raucht und nicht diesen neumodischen E-Zigaretten-Kram.

© Raap/Bär

Bildstrecke „Bär aktuell spezial“: „Rhein in Flammen“ 2019, Fotos: Copyright Raap/Bär 2019 – alle Rechte vorbehalten

Rhein in Flammen, Copyright: Raap/Bär 2019

Bär aktuell 265 – 8. Mai 2019:

Sich das Feuerwerksspektakel „Rhein in Flammen“ zwischen Bad Hönningen und Bonn von einem Ausflugsdampfer aus anzuschauen lohnt sich insofern, als einem hier eine musikalische Begleitung durch die notorischen „Höhner“ erspart bleibt, die ansonsten in Köln immer derlei volkstümliche Events mit Rumtata-Stimmungskrachern zu beschallen pflegen. Doch in Bonn ist 2019 Beethovenjahr, und so spielen sie dann zu einem Feuerwerk in Bonn natürlich eine Musik ab, die sich für ein Publikum, das sonst nur an die „Höhner“ gewöhnt ist, zumindest so ähnlich anhört wie Beethoven. Es war also ein wunderbarer Abend, nur etwas eingetrübt durch die Tatsache, dass sie auf diesem Ausflugsdampfer die Sauce zum Zwiebelrostbraten aus Tütenpulver zusammen gerührt hatten und man dazu ein Industriebier aus dem Ruhrgebiet und kein Kölsch gereicht bekam.

Zu Wahlkampfzeiten finden sich als Kandidaten bei den Splitterparteien immer allerlei Verrückte, Querulanten und Sonderlinge ein, und in dieser Hinsicht ist auf die SPD auch im aktuellen Europa-Wahlkampf Verlass – sie findet nämlich immer einen, der es schafft, ihr den Wahlerfolg gründlich zu versemmeln. 2013 verprellte Peer Steinbrück die Grauburgunderfreunde unter dem sozialdemokratischen Facharbeiter-Stammwählerpublikum mit der Überheblichkeit, ein Wein, der weniger als 5 Euro koste, sei ungenießbar. 2017 wurde alsdann St. Martin Schulz zum neuen Messias ausgerufen, scheiterte jedoch beim Versuch, Wasser in Wein zu verwandeln. Warum das misslang, kann man beim Internetauftritt von Schulzens Heimatort unter „Serviceportal Stadtverwaltung Würselen“ nachlesen, wo es bei der Rubrik „Kleinkläranalagen und Abortgruben“ heißt: „Stichwort nicht gefunden? Schreiben Sie uns bitte!“ Bei Schulzens Versuch, ein biblisches Wunder zu zelebrieren, hat mithin die Kläranlage von Würselen aus Abwasser noch nicht einmal die Verwandlung in einen hefetrüben Wein hervor gebracht. Aber vor dessen geringer Trinkqualität hätte Peer Steinbrück uns ohnehin gewarnt. So ließen denn die SPD-Wahlkampfmanager im aktuellen Europa-Wahlkampf diesmal lieber keinen Weinkenner oder sozialdemokratischen Jesus-Wiedergänger, sondern stattdessen einen durchgeknallten Milchbubi von der Leine, nämlich den Juso-Vorturner Kevin Kühnert mit seinen verschrobenen Enteignungsphantasien: vier Wochen vor der Europawahl forderte er allen Ernstes die Umwandlung des BMW-Konzerns in einen volkseigenen Betrieb. Wo im aktuellen Wahlkampf sonst nur die sektiererische MLPD beinhart mit dem skurillen Slogan „100 Jahre Oktoberrevolution“ um Stimmen für den Einzug ins EU-Parlament wirbt, glaubt nun dieser schrullige Kevin Kühnert ausgerechnet mit seinem Herumbalzen für die Einführung nordkoreanischer Verhältnisse und ihrer Miss- und Mangelwirtschaft auch bei uns, eine massive Wählerwanderung von der MLPD oder der DKP (doch, die gibt’s wirklich noch) zur SPD erreichen zu können. Was Kühnert dabei übersieht: kaum ein gut verdienender und bislang mit der SPD sympathisierender Industriemeister wird gerne zehn Jahre lang auf die Zuteilung eines BMW warten wollen wie weiland auf einen Trabi oder einen „Wartburg“ in der untergegangenen DDR.

Bär aktuell 266 – 22. Mai 2019

Wenn einer „Schweinske“ heißt und ein Imbiss-Restaurant im Kölner Hauptbahnhof aufmacht, dann erwartet man natürlich von ihm, dass da nicht einer am Herd steht und in einem Wok voller Tofu-Würfel herum rührt. In der Tat hat Herr Schweinske sein Etablissement als Schnitzel-Paradies konzipiert: Nomen est omen. So weit so gut. Allerdings reagierte Herr Bär etwas verstört, als er erfuhr, dass man sich hier über einen „Schnitzelbaukasten“ hermachen könne – Herr Bär möchte sich sein Schnitzel allerdings nicht selber zusammen bauen müssen, sondern bevorzugt ein kompakt herausgeschnittenes Stück aus der Oberschale des Schweins.

Neulich lief auf RTL II nachts um drei ein politisch korrekter Horrorfilm, dessen Leitmotiv der Kannibalismus ist Zwischendurch gab’s eine Dauerwerbesendung mit leicht bekleideten Blondinen, die sich auf einem Bett räkelten und beim Text „Ruf doch mal an, nur 69 Cent die Minute“ die Betonung immer an der falschen Stelle setzten. Das erinnerte Herrn Bär an die FDP-Generalsekretärin Linda Teuteberg, die sich zwar nicht nachts in TV-Werbespots leicht bekleidet auf einem Bett herumräkelt, jedoch bei einer Parteitagsrede bei dem Satz „Wir von der FDP müssen liberaler werden“ auch die Pausen immer an der falschen Stelle macht. In dem politisch korrekten Horrorfilm geraten zwei Bankräuber auf der Flucht in ein abgelegenes Hotel. Sie wissen nicht, dass der Hotelier seine Gäste umbringt, ihre Leichen zerteilt, dann kocht und anschließend den später eingetroffenen anderen Gästen als Abendmenü vorsetzt, so auch den beiden Bankräubern. Der eine sagt: „Das schmeckt aber gut“, und der Wirt erklärt: „Das ist ja auch in Schweinefett gekocht“. Der andere Bankräuber schiebt daraufhin angewidert den Teller von sich und meint: „Ich bin Moslem, ich esse kein Schweinefleisch“. Darauf der Wirt: „Sie können beruhigt sein. Das Fleisch selbst ist nicht vom Schwein“. Nun ja, gegen ein Drehbuch mit solchen Dialogen hätte auch beim öffentlich-rechtlichen TV der Rundfunkrat gewiss nichts einzuwenden gehabt.

© Raap/Bär 2019

Einen rechten Schildbürgerstreich leisteten sich die Grünen in Berlin-Köpenick mit dem Beschluss, in der Rathauskantine solle künftig nur noch regionales Bio-Essen aus fairem Handel angeboten werden, darunter auch ein vegetarisches Menü pro Tag. Der Haken dabei: das Rathaus hat noch gar keinen Kantinenbetrieb. Noch fehlt der Pächter, frühestens 2020 soll die Kantine öffnen, doch das ist höchst ungewiss, denn wenn man weiß, wie lange sie in Berlin brauchen, um einen Flughafen zu bauen, dann liegt Herr Bär nicht falsch mit seiner Prognose, dass wohl noch mehrere Generationen von Rathausbediensteten bei ihrer Mittagspause auf Currywurst aus fairer Fleischproduktion verzichten müssen.

Essen und Trinken mit Herrn Bär:

Wiener Schnitzel

Die „Wiener Panierung“ besteht aus Semmelbrösel, Ei und Mehl und die „Mailänder Panierung“ aus Parmesan und Weißbrotbrösel ohne Rinde. Beim „Pariser Schnitzel“ besteht die Panade nur aus Ei und Mehl. Beim klassischen Wiener Schnitzel serviert man zwei kleine dünne, weich geklopfte panierte Scheiben aus Kalbfleisch, es wird in einem lokalen Kochbuch erstmals 1831 erwähnt. Ob es auf das italienische „Costoletta alla Milanese“ zurück geht, ist umstritten. In Wien hat man zu diesem Schnitzel früher traditionellerweise nur gekochte (Petersilien)kartoffeln, dazu grünen Salat oder Gurkensalat, oder nur Kartoffelsalat serviert. Schweineschnitzel und Pommes frites als Beilagen kamen erst später auf. Ob man das Mailänder Schnitzel (als Variante des Mailänder Koteletts) mit einer Sardelle serviert oder nicht, ist vom Ur-Rezept her nicht überliefert. In der Gastronomie kennt man Piccata Milanese als mit Käse paniertes Kalbsschnitzel mit Nudeln und Tomatensauce.

Currywurst Ob die Currywurst 1949 von der Berliner Gastronomin Herta Heuwer erfunden wurde oder etwa zeitgleich im Ruhrgebiet, wie andere Stimmen behaupten, kann man heute nicht mehr genau verifizieren. Für die geschmackliche Abstimmung des klassischen Currysaucen-Rezepts haben aber wohl der Berliner Schlachter Max Brückner und sein Partner Frank Friedrich einen wesentlichen Beitrag geleistet. Für die Wurstqualität ist seit den 1950er Jahren in Berlin behördlich vorgeschrieben, dass das Fleischbrät nicht gepökelt und nicht geräuchert sein und nur maximal 5 Prozent Fremdwasserzusatz enthalten darf. Wer die Currysauce zu Hause selber herstellen will, der brate klein gehackte Zwiebeln in Olivenöl kurz an, bis sie glasig sind, gebe Tomatenmark und Wasser hinzu, außerdem Salz, mildes Ketchup, etwas Honig, Balsamicoessig, Sojasauce oder Worchestershoresauce, Currypulver, indisches Garam Masala und ein wenig Chilipulver oder Tabasco, oder aber auch Cayennepfeffer und Paprika in Pulverform.

Koreanische Reistafel „Gerhard Schröder“

Einmal koreanisch speisen wie der Altbundeskanzler: Kimchi – ein Klassiker in der koreanischen Küche: marinierter Chinakohl, erst ein paar Stunden in Salzwasser eingelegt und dann zum weiteren Fermentieren mit einer Mischung aus Rettich, Ingwer, Knoblauch und Chilipaste vermengt, manchmal auch mit Gurke und Lauch. Mariniert wird auch geschnetzeltes Rindfleisch Bulgogi in einer Marinade aus süßer Sojasauce, Frühlingszwiebeln und diversen Gewürzen, das man dann am Tisch grillt und zusammen mit Reis isst. Ähnlich bereitet man auch marinierte Schweine- oder Rinderrippchen Galbi am Tisch zu – die Rippchen muss der Metzer allerdings vorher quer zum Knochen in dünne Scheiben zerteilen. Die Marinade besteht aus Ingwer, frischem Knoblauch, schwarzem Pfeffer, klein gehackten Zwiebeln, Sojasauce, Sesamöl und etwas Wasser. Gimbap sind Reisröllchen, ähnlich den japanischen Sushi, mit einer Füllung aus Fleisch, Garnelen, Hühnchen oder auch vegetarisch. Pajeori ist Lauchzwiebelsalat, für den man die in schmalen Streifen geschnittenen Lauchzwiebeln ca. 15 Min. lang wässert, damit sich die Schärfe verliert, und dann in einer Sauce aus Sesamöl, Sesamkörner, Chilipaste und Reisessig vermengt. Den Rettichsalat Musaengchae richtet man zusammen mit Apfelstreifen oder Birne an, vermengt mit Fischsauce, Sesam, Chili und Frühlingszwiebeln. Oi Muichim ist koreanischer Gurkensalat, angerichtet mit Sojasauce, Chilipulver, Knoblauch, Reisessig, Zwiebeln, etwas Honig und Sesamöl. Pak Choi-Salat bereitet man mit chinesischem Senfkohl zu, den man mit koreanischer Sojabohnenpaste, Maissirup, Knoblauch und Sesamöl vermengt. Einen Bärlauch-Spinat-Salat bereitet man zu, indem man Wasser mit Sojasauce, etwas Honig und Reisessig aufkocht und über Bärlauch- und Babyspinatblätter gießt und dann erkalten lässt. Hobak Bokkeum sind scharf angebratene Zucchinischeiben, die man mit fermentierten Krabben oder Fischsauce in Sesamöl anbrät, zusammen mit Zwiebeln und Knoblauch und die man dann mit Sesamkörnern bestreut.

Küchentechnische Begriffe: „braten“ (trockenes Garen bei starker Hitze, ruft durch diesen Vorgang an der Oberfläche durch eine Verbindung von Eiweiß, Fett und Zucker eine Bräunung hervor), grillen (braten in Wärmestrahlung auf einem Rost), „braisieren“ (schmoren), „legieren“ (mit Eigelb und Sahne abbinden), „pochieren“ (garziehen) oder „poelieren“ (hellbraun dünsten).

Farcierte Wachteln „Alois Senefelder“ Farcieren nennt man in der französischen Küche das Füllen von Fleisch oder Geflügel; in diesem Falle ist es eine Farce aus Schweinehack, klein gehackten Zwiebeln, zerkleinerten braunen Champignons und Morcheln (getrocknete Morcheln gibt es ganzjährig, man weicht sie vorher 15 Min. in Wasser ein), gewürzt mit Salz, Pfeffer, einer Prise grünem Curry, frischem Bärlauch und Thymian. Die Wachteln reibt man dann mit Knoblauchöl ein und lässt sie 45 Min. im Backofen garen.

Kalbsmilcher/Kalbsbries ist die Thymusdrüse des Kalbs aus dem Brustkorb. Das Fleisch hat eine ähnliche Struktur, aber eine festere Konsistenz als Hirn. Das Bries sollte vor der Zubereitung zwei Stunden gewässert werden. Ein typisches Gericht der französischen Küche ist Kalbsbries mit Trüffeln und Spargelspitzen.

Gervais ist ein französischer Frischkäse aus pasteurisierter Kuhmilch mit etwas Rahm; er wird als zylinderförmiges Törtchen angeboten. In Frankreich nennt man ihn auch „Petit suisse“ (kleiner Schweizer); aber er stammt ursprünglich aus der Normandie und wurde dort um 1850 von Charles Gervais auf den Markt gebracht.

Bildstrecke Bär aktuell spezial: Kundgebung „Arsch huh -Zäng useinander“ – Pro Europa-gegen Nationalismus, Köln, 19.5. 2019. Alle Fotos: Copyright Bär/Raap 2019

Eine Woche vor den Europa-Wahlen fanden in vielen europäischen Städten Großdemos „Ein Europa für Alle – Deine Stimme gegen Nationalismus!“ statt. Allein in Köln kamen 45.000 Teilnehmer zu der Kundgebung der Musiker- und Künstlerinitiative „Arsch huh-Zäng useinander“ (kölsch für: „Hintern hoch – Zähne auseinander“). Hintersinniger Witz zum Mitdenken der karnevalistischen „Stunksitzungs“präsidentin Biggi Wanninger im Bühnenprogramm: „Ich habe meinen Nachbarn gefragt: Wieso jehste am nächsten Sonntag nit wählen? Aus Unkenntnis oder aus Desinteresse? Hat der jeantwortet: Ich weiß et nit, un et is mir och ejal“. Immerhin prognostizieren seriöse politologische Analysen, im neuen Europa-Parlament könnte eine Fraktion der Rechtspopulisten mit einem Stimmenanteil von etwa einem Drittel künftig eine Blockadepolitik betreiben – um das zu verhindern, ist mithin eine hohe Wahlbeteiligung zugunsten demokratischer Parteien entscheidend. Einen Tag nach der Veröffentlichung eines Videos, in welchem der bisherige österreichische Vizekanzler und FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache in einem Gespräch mit einer angeblichen russischen Oligarchen-Nichte über das Aufkaufen einer Boulevardzeitung, Umleitung von Parteispenden und von Staatsaufträgen daher schwadronierte und dabei eine zutiefst undemokratische Gesinnung und Bereitschaft zur Korrumpierbarkeit offenbarte, daraufhin zurücktreten musste und Bundeskanzler Sebastian Kurz mit der Bemerkung „Genug ist genug“ Neuwahlen für den Herbst ausrief, sammelte die Künstlerin Siglinde Kallnbach auf dieser Kölner Kundgebung Unterschriften für ihr Projekt „a performancelife“ unter eben jenem Slogan „Genug ist genug – nicht nur in Österreich“. Das tatsächlich Perfide an dem Skandal-Video ist ja die Tatsache, dass sich der Politiker Strache in seiner Rücktrittserklärung auch noch als ein „Opfer“ stilisierte, das durch ein fingiertes Interview hereingelegt wurde. Dabei spielt es angesichts von Heinz-Christian Straches höchst ungeheuerlichen Äusserungen nun wirklich keine Rolle, ob womöglich für „Verstehen Sie Spaß?“ mit versteckter Kamera gefilmt wurde, ob vielleicht undercover von „Team Wallraff“ recherchiert wurde, ob eventuell von einem Geheimdienst eine Falle gestellt wurde oder – wie in den Sozialen Medien auch derzeit äusserst wüst spekuliert wird – gar vom Satiriker Jan Böhmermann oder der Berliner Theaterkünstlertruppe „ZPS-Zentrum für politische Schönheit“. Unabhängig vom Zustandekommen des Videos analysierte Werner J. Patzelt, Professor für Politologie an der TU Dresden, Heinz-Christian Straches durch das Video entlarvte mangelnde charakterliche Eignung für öffentliche Ämter im Berliner „Tagesspiegel“ und mahnte die gleichfalls korruptionsanfälligen Klüngelbrüder andernorts, aus ihrem Glashaus jetzt nicht allzu selbstgefällig mit Steinen zu werfen: „Straches Auftritt in der Ibiza-Villa hat weniger mit rechtsradikalen oder völkischen Haltungen zu tun als mit politischer Hintertriebenheit und der Neigung zu arroganter Manipulation auf Korruptionsbasis. Derlei dürfte in den höheren politischen Rängen von nicht wirklich ethisch gefestigten Parteien immer wieder vorkommen.“ Text: Copyright Bär/Raap 2019

Siglinde Kallnbach, „a performacelife“ bei „Arsch huh“-Kundgebung, Köln, Mai 2019, Foto: Copyright Bär/Raap 2019
Kundgebung „Arsch huh“, Köln, Mai 2019, Foto: Copyright Raap/Bär 2019


Siglinde Kallnbach, „aperformanecelife“ bei „Arsch huh“-Kundgebung, Köln, Mai 2019

baer aktuell 262/263 – 22. April 2019

April 1st, 2019


Bild des Monats April 2019:

Jürgen Raap, „Der Schlafhändler“, 2019

Doppelname konsequent vermieden. Foto: Raap/Bär 2019

baer aktuell 262 – 3. April 2019

Als Witze über Doppelnamen salonfähig wurden, ahnte Maximilian Geiz, wenn er seine Verlobte Hannelore Hals ehelichte, dann doch lieber auf einen Doppelnamen verzichten zu wollen, der das Ehepaar Geiz-Hals nur dem Gespött der Leute preis gegeben hätte. Stattdessen nannte er sich fortan „Mäc Geiz“, weil das irgendwie schottisch klang, und machte in der neuntgrößten Stadt Hessens unter diesem Namen einen Ramschladen auf.

Da Witze über „AKK“ unterdessen als abgeschmackt gelten, sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass auch der Name „Thorsten Schäfer-Gümbel“ schwer auszusprechen ist und man den Politiker deswegen der Einfachheit halber „TSG“ nennt. Das klingt wie die Abkürzung eines Sportvereins, doch „TSG“ lässt leider jenen sportlichen Ehrgeiz vermissen, mit dem einst der britische Skispringer Michael Edwards alias „Eddie the eagle“ immer wieder von neuem bei Wettbewerben antrat, bloß um jedes Mal letzter zu werden, es auf diese Weise jedoch beim Publikum imagemäßig zum „Eddie der Herzen“ brachte. TSG hingegen wirft schon nach drei verlorenen hessischen Landtagswahlen das Handtuch, zieht sich nun schmollend aus der Politik zurück und wird demnächst Personalvorstand bei der bundeseigenen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ). Den Eindruck, Schäfer-Gümbel sei dort angesichts seiner bisher eher dürftigen Leistungsbilanz reichlich überbezahlt, kommentierte die BILD-Zeitung mit den Worten: „200.000 Euro Jahresgehalt: Spitzenjob als Belohnung für Wahlverlierer!” Auch Herr Bär findet, mit seinem vorbildhaften Sportsgeist hätte jemand wie „Eddie the eagle“ diesen hochdotierten Job eher verdient gehabt als ausgerechnet TSG, dem der Aufsichtsrat der GIZ am 5. April 2019 den goldenen Handschlag verpassen will.

Nach ihrer dritten Abstimmungsniederlage über den Brexit-Vertrag hat Theresa May mit Thorsten Schäfer-Gümbel in Sachen Pleiten, Pech und Pannen gleichgezogen und auch schon mal ihren Rücktritt angeboten, offiziell aber für die nähere Zukunft noch keinen 200.000 Euro-Job in Aussicht, weshalb Herr Bär sich fragt: Schäfert die noch, oder gümbelt die auch schon? Wobei noch anzumerken wäre, dass man bei der Kindervorstellung im Kölner Hänneschen-Theater als Zuschauer immer weiß, worum es in der Handlung der burlesken Schwänke geht, bei der derzeitigen Debattenkultur im britischen Unterhaus hingegen nicht, die aber ansonsten durchaus einer solchen Kindervorstellung gleicht, mal von der traditionellen Blasiertheit der englischen Tories abgesehen, die dem leutseligen Wesen des Rheinländers fremd ist.

© Raap/Bär

Bär aktuell Nr. 263 – 22. April 2019:

Franz-Josef Degenhardt besang einst das „Argument der Straße“. Wie dort auf der Straße heut zu Tage mit Farben argumentiert wird, brachte jüngst die Kabarettistin Lisa Eckhart in der Sendung „Nuhr im Ersten“ auf den Punkt: „Erst kamen die Gelbwesten, und jetzt die Grünschnäbel“. Mit letzteren meinte sie die schuleschwänzenden Pennäler, deren Freitags-Demos pro Klimaschutz der Redakteur Jan Fleischhauer im „Spiegel“ kürzlich nicht ganz unzutreffend als „Betreutes Protestieren“ beschrieb, da dieses Protestieren nämlich den Beifall auch vieler Erwachsener fände, sogar den von Angela Merkel, was insofern paradox ist, da sich die Proteste ja eigentlich gegen die Untätigkeit der Erwachsenen richten. Fehlt eigentlich nur noch, dass auch noch der in den Augen von Herrn Bär reichlich bigott wirkende Mark Zuckerberg an den Schüler-Demos mitverdient, indem er deren Facebook-Postings mit Bildern von ihren Demos mit seinen blöden Werbebannern garniert, oder dass Greta Thunberg auf „Youtube“ neuerdings als Influencerin für skandinavische Pudelmützen posiert: „Hello Kids! Geht auch Ihr ab heute nur noch mit der megacoolen Greta Thunberg-Pudelmütze zur Friday for Future-Demo! Nur 39,99 Euro beim absolut krassen Pudelmützenhändler Eures Vertrauens! Mit Wolle garantiert nur aus veganer Schafzucht! Zwei Prozent aller Mützenverkäufe gehen an einen wohltätigen Zweck zur Rettung der veganen Schafe, der Rest an Google LCC, dem Inhaber von youtube! Bringt Euer Taschengeld mit! Und nicht vergessen, Kids: Klickt beim Hashtag ‚Greta Thunberg-Pudelmütze‘ immer wieder den ‚I like it- Button‘-an! Oh, yeah, Kids, ich liebe Euch! Euer Mark Zuckerberg, Euer Google-Vorstand und Euer Inhaber von Mützen-Mannis Mützenversand in Köln-Mauenheim! P.S.: Bestellt Eure Greta-Thunberg-Pudelmützen nur über Amazon oder direkt bei Mützen-Mannis Mützenversand!“ So funktioniert der Protest-Kapitalismus im digitalen Zeitalter! Das sollte man als protestierender Schüler wissen, wenn man den Beifall der Erwachsenen erheischen will. Egal, ob man sich von seinen Eltern in deren SUV zur Demo fahren lässt oder mit dem E-Tretroller kommt. Wozu man aber überhaupt noch eine Pudelmütze braucht, wenn es durch den Klimawandel doch immer wärmer wird, haben diese Halunken uns wohlweislich verschwiegen.

20 Jahre lang war der Rosenverkäufer „Rosen-Bobby“ eine Institution im Kölner Nachtleben, bevor er zu „Wurst-Willi“ mutierte. Unter dem Namen „Wurst-Willi“ machte er nämlich eine Wurstbude in der Kölner Hornstraße auf, inmitten der beiden Bordell-Kasernen dort. Die Spezialität: Es gibt ein „Außenwaschbecken“ für Gäste, die nach dem Besuch eines der beiden Lustbunker nicht aufs Klo, sondern sich nur die Hände waschen wollen, bevor sie zur Bockwurst greifen, denn man hat ihnen von Kindesbeinen an eingebläut: „Nach dem Puff und vor dem Essen, Hände waschen nicht vergessen“.

© Raap/Bär 2019

Essen und Trinken mit Herrn Bär

Kalbskotelettes „Braunsfeld“ Kalbskoteletts in Öl und Pfeffer marinieren, in Olivenöl scharf anbraten, salzen, die Hitze herunter schalten, Zwiebeln und Steinpilze mitdünsten, Knoblauchbutter hinzufügen; wenn diese zerlaufen ist, etwas Milch oder Sahne und ein Lorbeerblatt hinzufügen, frischen Meerrettich einreiben, kurz aufkochen lassen und zum Schluss kurz vor dem Servieren noch frische Salbeiblätter einstreuen.

Entenschenkel mit Apfelsauce und pommes grenailles à la Karl-Josef BärEntenschenkel salzen und pfeffern, in einer Backform im vorgeheizten Backofen bei 200 Grad kross backen. Etwas Suppengemüse in Salzwasser weich dünsten. Dann das ausgelassene Entenfett aus der Backform abschöpfen, in eine Pfanne geben, Zwiebeln, 1 gehackte Knoblauchzehne und klein geschnittene Apfelstücke andünsten, das Suppengrün, grüne Oliven, Rosmarin und Thymian hinzugeben, mit Rotwein, Sherry oder Weinbrand und Worchestershiresauce abschmecken und crème fraiche unterrühren. Pommes grenaillessind Pellkartoffeln auf französische Art: die ungeschälten Kartoffeln brät man in einer Auflaufform in Olivenöl kurz an, lässt sie dann bei schwacher Hitze in einer Auflaufform mit ungeschälten Knoblauchzehen, ein paar Pfefferkörnern und einem Lorbeerblatt 40 Minuten lang weiter dünsten, bis sie weich sind und zum Schluss fügt man etwas Salz hinzu.

Grüner Spargel wird nicht geschält (höchstens die dickeren Stangen an deren Ende, wenn sie sich holzig anfühlen) und nur höchstens 8 Minuten lang gekocht, sonst werden die Stangen matschig. Weil er etwas bitterer schmeckt als weißer Spargel, gibt Herr Bär bei grünem Spargel immer noch einen winzigen Klacks Honig in das Salzwasser und reibt auch etwas Zitronengras hinein… Das Wasser gießt man dann ab, schwenkt die Spargelstangen im Topf kurz in Butter, bis diese zerlaufen ist, gibt klein gehacktes gekochtes Ei hinzu, streut noch drei bis vier Blätter zerhackten frischen Bärlauch hinein und serviert den Spargel mit Wacholder- oder Rosmarinschinken; dazu passt gut ein trockener oder auch feinherber Mosel-Riesling.

Pommes Dauphine bezeichnen in Frankreich die Speise des königlichen Thronfolgers – es sind krokettenähnliche Bällchen, für die man Krokettenmasse (gekochte und zerstampfte Kartoffeln mit Eigelb, Butter, Muskatnuss) und Brandteig mischt (letzterer besteht aus Fett, Mehl, Stärke und Flüssigkeit, d.h. Wasser oder Brühe, und wird in Wasserdampf erhitzt). Dann formt man daraus Bällchen, die dann mit Mehl, Ei und Paniermehl paniert und in heißem Öl frittiert werden.

Bär aktuell 263 – 22. April 2019

Franz-Josef Degenhardt besang einst das „Argument der Straße“. Wie dort auf der Straße heut zu Tage mit Farben argumentiert wird, brachte jüngst die Kabarettistin Lisa Eckhart in der Sendung „Nuhr im Ersten“ auf den Punkt: „Erst kamen die Gelbwesten, und jetzt die Grünschnäbel“. Mit letzteren meinte sie die schuleschwänzenden Pennäler, deren Freitags-Demos pro Klimaschutz der Redakteur Jan Fleischhauer im „Spiegel“ kürzlich nicht ganz unzutreffend als „Betreutes Protestieren“ beschrieb, da dieses Protestieren nämlich den Beifall auch vieler Erwachsener fände, sogar den von Angela Merkel, was insofern paradox ist, da sich die Proteste ja eigentlich gegen die Untätigkeit der Erwachsenen richten. Fehlt eigentlich nur noch, dass auch noch der in den Augen von Herrn Bär reichlich bigott wirkende Mark Zuckerberg an den Schüler-Demos mitverdient, indem er deren Facebook-Postings mit Bildern von ihren Demos mit seinen blöden Werbebannern garniert, oder dass Greta Thunberg auf „Youtube“ neuerdings als Influencerin für skandinavische Pudelmützen posiert: „Hello Kids! Geht auch Ihr ab heute nur noch mit der megacoolen Greta Thunberg-Pudelmütze zur Friday for Future-Demo! Nur 39,99 Euro beim absolut krassen Pudelmützenhändler Eures Vertrauens! Mit Wolle garantiert nur aus veganer Schafzucht! Zwei Prozent aller Mützenverkäufe gehen an einen wohltätigen Zweck zur Rettung der Schafe, der Rest an Google LCC, dem Inhaber von youtube! Und nicht vergessen, Kids: Klickt beim Hashtag ‚Greta Thunberg-Pudelmütze‘ immer wieder den ‚I like it- Button‘-an! Oh, yeah, Kids, ich liebe Euch! Euer Mark Zuckerberg, Euer Google-Vorstand und Euer Inhaber von Mützen-Mannis Mützenversand in Köln-Mauenheim! P.S.: Bestellt Eure Greta-Thunberg-Pudelmützen nur über Amazon oder direkt bei Mützen-Mannis Mützenversand!“ So funktioniert der Protest-Kapitalismus im digitalen Zeitalter! Das sollte man als protestierender Schüler wissen, wenn man den Beifall der Erwachsenen erheischen will. Wozu man aber überhaupt noch eine Pudelmütze braucht, wenn es durch den Klimawandel doch immer wärmer wird, haben diese Halunken uns wohlweislich verschwiegen.

© Raap/Bär 2019

baer aktuell 261 – 22. März 2019

März 1st, 2019

Bild des Monats März 2019:

Jürgen Raap, Wunder der Anatomie, 2019
Schild für Karnevalsumzug, Bild und Foto: Copyright Raap/Bär 2019

Bildstrecke bär aktuell spezial: Straßenkarneval in Köln 2019, Fotos: Copyright Raap/Bär 2019, alle Rechte vorbehalten


Straßensitzung der Großen KG Rheinflotte von 1951 e.V. Köln-Ehrenfeld, Lenauplatz, 2019

Straßensitzung der Großen KG Rheinflotte von 1951 e.V. Köln-Ehrenfeld, Lenauplatz, 2019



Jan van Werth-Umzug Severinstr. 2019
Poller Böschräuber 2019



Kölner Straßenkarneval 2019

Kölner Straßenkarneval 2019

Bär aktuell Nr. 261 – 22. März 2019

Dem Internet entnimmt Herr Bär, dass die Bahnhofshalle von Ückeritz neuerdings geschlossen bleibt. So sieht also das Krisenmanagement des DB-Infrastruktur-Vorstands Ronald Pofalla aus, seit dieser zum „Krisenmanager“ der Bahn ernannt wurde. Nun ja, wahrscheinlich dachte sich Roland Pofalla, es gäbe mittlerweile keinen Grund mehr, ausgerechnet in das beschauliche Städtchen Ückeritz reisen zu wollen, denn – so informiert das Internetprotal „Usedomer Bernsteinbäder“ – Ückeritz läge ja abseits der einstmals mondänen „Kaiserbäder“ an der Ostsee, und wer also nach Gloria, Glanz und Glitter oder nach dem berühmten Ostsee-Bernstein sucht, der fahre doch lieber woanders hin. Davon abgesehen bewahrheitet sich im Falle Pofallas die Lebensweisheit, dass die dümmsten Bauern schon immer die dicksten Kartoffeln hatten oder zumindest hochdotierte Manager-Jobs, dies vor allem bei Staatsunternehmen, wo Posten eben nicht mit Genies oder zumindest mit halbwegs versierten Könnern besetzt werden, sondern lediglich mit mittelmäßigen Narren, denen der Ruch des verdienten, aber einfältigen Parteisoldaten anhaftet, der nichts anderes zu tun hat, als dafür zu sorgen, dass in den Ministerien schaumschlägerische Inhaber von Beraterverträgen sich die Taschen voll machen können, mit dem Ergebnis, dass manche Zustände in diesem Land, die die öffentliche Hand zu verantworten hat, Herrn Bär mittlerweile fatalerweise daran erinnern, wie es 1980 mal in der DDR aussah. Thomas Mann hätte solch einen verschachtelten Satz übrigens auch nicht besser hingekriegt. Und Reinhold Pofalla erst recht nicht.

Eine weitere offenkundige Fehlbesetzung in einem öffentlichen Amt ist Jens Spahn als Gesundheitsminister, der jüngst mit einer unverfrorenen Mischung aus Schnöseligkeit und Ahnungslosigkeit zu Fragen der Onkologie Stellung nahm und damit in die Rolle eines scharlatanischen Wunderheilers zu schlüpfen versuchte, der den Leuten vorgaukelte, er könne Tumorerkrankungen „in 20 Jahren“ besiegt haben – was ihm aus der Fachwelt die Rüge einbrachte, er wecke bei den Patienten falsche Hoffnungen, und was sogar die ihm sonst wohlgesonnene „ Die Welt“ mit den Worten kommentierte: „Jens Spahn hat in seinen 38 Lebensjahren schon viel Unsinn von sich gegeben. Das ist total in Ordnung. Dafür ist man ja auf der Welt.“ Besonders der letzte Satz klingt hintersinnig, da er ja in einer gutbürgerlichen Gazette namens „Die Welt“ stand.

Mit Erstaunen registriert Herr Bär, dass unser Altbundeskanzler Gerhard Schröder über die arg begrenzten Fähigkeiten von Andrea Nahles derselben Meinung ist wie Herr Bär, nämlich „dass sie selber“ nicht daran glaube „ökonomisch kompetent“ zu sein. Oder wie es die Komödiantin Biggi Wanninger in ihrer herrlichen Andrea Nahles-Parodie ausdrückte: „Ich weiß, dass ich es nicht kann, aber ich mache es trotzdem“. In der „ZEIT“ war nachzulesen, Nahles sei mittlerweile wütend auf den Altkanzler und ebenso auf manch andere Genossen in der „nach Rasierwasser riechenden Schröder-SPD“, und ebenso erstaunt registriert Herr Bär, das in den Augen eines nüchtern-hanseatischen und in Sachen Sprachbildhaftigkeit nicht sehr sicheren „Zeit“-Redakteurs ein Sozialdemokrat nicht nach Rasierwasser riechen darf. Entspräche in den Klischeevorstellungen der „Zeit“-Redaktion eine Schnapsfahne eher dem Odium einer sozialdemokratischen Arbeiterkneipe? Huhu, Herr „Zeit“-Redakteur, solche Arbeiterkneipen gibt es schon seit 20 Jahren nicht mehr; das Proletariat des 21. Jh. treibt sich heute eher in verqualmten Sisha-Bars herum, aber aus diesen Wasserpfeifen dort strömt nur der Geruch verbrannten Gekräuses, versetzt mit Badesalz-Aroma und einem leichten Hauch von Erdbeerbonbongeschmack. Der Schröder raucht dann doch lieber weiter Havanna-Zigarren. Das Sprachbild über sozialdemokratische Stereotypen wäre mithin eher geglückt, hätte der „Zeit“-Redakteur geschrieben, Andrea Nahles sei sauer auf die „nach teuren Zigarren riechenden Genossen in der Schröder-SPD“.

Eine große Leuchte im Amt des Verkehrsministers ist ja nun auch nicht gerade der aktuelle Amtsinhaber Andy Scheuer, dessen Doktorarbeit die seriöse „Die Welt“ schon 2014 bescheinigte, sie sei lediglich „ein Sammelsurium aus stets wiederkehrender Parteipropaganda, umständlich formulierten Banalitäten, abseitigen Besinnungsaufsätzen und orthografischer Originalität – kurzum: ein wissenschaftlicher Witz.“ Hoffentlich kommt nicht auch noch Jens Spahn auf die Idee, eine Doktorarbeit ausgerechnet im Fach Medizin schreiben zu wollen. So nach und nach hat sich bei Herrn Bär die Meinung verfestigt, dass die Parteien der Großen Koalition in der Auswahl ihres Führungspersonals – was rhetorische und intellektuelle Brillianz angeht – einfach nur Pech haben. An der Optik hapert’s allerdings manchmal auch. So urteilte der Humorist Jörg P. Weber über den mittlerweile stark vorgealtert wirkenden Friedrich Merz, er sähe inzwischen aus „wie November“.

© Raap/Bär 2019

Essen und Trinken mit Herrn Bär

Frikadellen nennt man in Berlin Buletten und in Bayern Fleischpflanzerl. Man weicht ein Brötchen in Wasser oder Milch ein. Dann vermengt man 500 gr Hackfleisch (Schwein und Rind, halb und halb) zusammen mit einem rohen Ei und einer mittelgroßen kleingehackten Zwiebel, sowie mit Salz, Pfeffer, Paprikapulver, etwas Muskat, kleingehackter Petersilie, einer ausgepressten Knoblauchzehe, Majoran, Kümmel und Senf, dann drückt man die Brötchenmasse aus und mischt sie unter die gewürzte Hackmasse, formt diese dann zu Ballen in der Größe einer Kinderfaust und brät sie in heißem Öl von beiden Seiten scharf an, und lässt sie dann noch mit mehrmaligem Wenden 15-20 Min. bei mittlerer Hitze ausbraten.

Vietnamesische Fischsauce Nuoc Mam besteht nur aus Sardellen und Salz. Die klassische Sauce wird nicht industriell hergestellt, sondern in Holzbottichen, in die die Fischer an Land ihren Fang umfüllen. Schon auf See haben sie in Plastiktonnen dem Fisch 30 Prozent Meersalz zugefügt, um dem Fisch Wasser zu entziehen und so das Verderben zu stoppen. In den großen Holzfässern fermentiert die Sauce dann ein Jahr lang weiter, und damit verwandeln sich 70 Prozent der Fischmasse in Flüssigkeit. Bei der Verwendung in der Küche schmeckt man sie mit ein paar Spritzern Limettensaft, etwas kleingehacktem Chili, Ingwer, frischem Koriander, Minze, Zitronengras und Knoblauch ab.Schwarzwurzeln sind botanisch mit dem Löwenzahn verwandt und stammen ursprünglich aus Spanien. In Zeiten der Pest glaubte man an eine Heilwirkung der Schwarzwurzel. Tatsächlich enthält die Schwarzwurzel viel Inulin, welches das Immunsystem stärkt, den Cholesterinspiegel senkt und sich positiv auf die Darmflora auswirkt. Als Gemüse wird sie erst seit etwa 1700 angebaut, gilt als „Winterspargel“ oder „Spargel des kleinen Mannes“. Man bereitet die geschälte Schwarzwurzel auch wie Spargel zu als Beilage zu Fleisch- oder Fischgerichten, sollte sie nach dem Schälen aber auch sofort ca. 8 Min. lang kochen, da sie sich sonst bräunlich verfärbt; man kann sie dann gut mit einer Sahne- oder Käsesauce vermengen.

baer aktuell 259/260 – 22. Februar 2019

Februar 1st, 2019

Bild des Monats Februar 2019:

Jürgen Raap, Café Hallrath, Acryl und Öl auf Leinwand, 2018

Mit der Umbenennung des Karnevalsvereins „Frechener Negerköpp von 1978“ in „Wilde Frechener“ waren nicht alle Vereinsmitglieder einverstanden, denn drei der „etwa 20 festen Mitglieder“ seien deswegen ausgetreten, berichtete der „Kölner Stadtanzeiger“ und zitierte den zweiten Vorsitzenden Günter Cöllen: „Wir wollten nie politisch oder diskriminierend sein“. Dennoch sei „sogar im Internet dazu aufgerufen worden, die Gruppe mit Steinen zu bewerfen“. In einer Gesellschaft, die sich mehr und mehr spaltet, weil sie im medialen Blog- und Chat-Diskurs keine Differenzierungen und keine Zwischentöne mehr kennen will, sondern nur noch eine grobholzige Rigorosität pflegt, nimmt leider die verbale und manchmal auch die physische Militanz und damit ein Verlust an Zivilisiertheit zu.

Die karnevaleske Kostümierung bedeutete schon in früheren Jahrhunderten einen symbolischen Rollentausch über die ständischen Schranken und alle anderen soziologischen Unterschiede hinweg. Wo das Narrentreiben allzu sehr in Zügellosigkeit abglitt, versuchte die weltliche wie geistliche Obrigkeit immer wieder, die Exzesse zu reglementieren.

Heute sind es indessen eher die fundamentalistischen Sittenwächter der politischen Korrektheit, die Regelverstöße ahnden und sich dabei mit typisch deutscher Gründlichkeit gebärden wie andernorts nur die Religionspolizei im Iran, die dort auch auf eine unziemliche Kleidung achtet, oder in Saudi-Arabien, wo sie sich gar „Behörde für die Verbreitung von Tugendhaftigkeit und Verhinderung von Lastern“ nennt. Es ist offensichtlich, dass die Idee einer temporären sozialhygienischen Ventilfunktion, die symbolische Tabuverletzungen hin nimmt, und die solchermaßen seit Jahrhunderten dem abendländischen Karneval und seinem kostümhaften Rollentausch eigen ist, derlei fundamentalistischem Denken entgegen steht.

Wer hat heute eigentlich die Deutungshoheit darüber, was man sich an karnevalistischen Kostümierungen noch erlauben darf und was nicht? Die „taz“ stuft jedenfalls schon das simple weiße Betttuch, mit dem man sich als „Ölscheich“ umhüllt, als „klischeehaft“ ein, ohne zu ahnen, dass die Maskenball-Ausstattung immer schon in einer ironischen karikierenden Überhöhung und gleichzeitigen Brechung von Klischees bestand. Noa K. Ha, Leiterin des Zentrums für Integrationsstudien der TU Dresden, gibt zu bedenken, wer im Chinesen- oder Afrikaner-Kostüm am Karneval teilnähme, der blende aus, „dass die Geschichte der ethnisierenden Verkleidungen mit kolonialem Raub und Plünderungen verknüpft ist.“

Der rheinische Karneval war und ist bekanntlich auch immer ein Spiegel des jeweiligen Zeitgeistes in all seinen Ausprägungen, eben auch den schlechten. Als 1884 der damalige Reichskanzler Bismarck in Berlin eine „Kongo-Konferenz“ zur Regelung des Freihandels in Afrika einberief, wählten die Kölner Obernarren für ihren Rosenmontagszug 1885 das Motto „Held Carneval als Kolonisator“. Wie in der Nachkriegszeit die Nazi-Vergangenheit unverhohlen verdrängt oder verharmlost wurde, sieht man auf einem Foto von einem Kölner Fastelelovendsumzug Anfang der 1950er Jahre, wo die afrikanisch kostümierten „Kostgasser Dschungelbröder“ in Anspielung an den Afrika-Feldzug der Rommel-Armee ein Schild vor sich her tragen mit dem Text: „1941 no Afrika mascheet, hük Spass un Freud an der Maskeet“ (1941 nach Afrika marschiert, heute Spaß und Freude an der Maskerade). Solch ein Schild wäre heute natürlich in seinem völlig naiven Verständnis von Geschichtsrevisionismus nur noch Alexander Gauland-kompatibel und daher und auch ansonsten absolut degoutant.

Doch mit gesellschaftlichen und politischen Veränderungen und dem Wechsel der Geschichte gehen auch semantische Umdeutungen bzw. Bedeutungsverschiebungen einher. Während z.B. im klassischen Wildwest-Film Hollywoods die Yankee-Kavallerie die Guten und die Indianer die Bösen waren, stellt Bernd Schäfers in seiner Schrift „Soziologie des Jugendalters“ eine „ethnografische Wende“ fest, als sich die jugendlichen Subkulturen der amerikanischen Hippies in den 1960er/1970er Jahren „mit verfolgten Minderheiten“ identifizierten „und sich… als ‚Wiedergeburt‘ der ausgerotteten Indianer oder als Reikarnation der überall vertriebenen Zigeuner“ verstanden. Eine solche Adaption „umfasst die gesamte Lebensweise einer Gruppe“ als „anthropologische Kulturkonzeption“ und nicht nur als bloße Maskenball-Ausstattung. Mit den kolonialistischen und rassistischen Wurzeln in der früheren trivialkulturellen Adaption von Stammeskulturen wollen die heutigen Freizeitfolkloristen nichts mehr zu tun haben:

Jedenfalls erklären die „Poller Böschräuber von 1976“: „Wir verstehen uns als Karnevalsverein mit einer Kostümwahl, die ein Maximum an Verkleidung ermöglicht. Wir verfolgen dabei keinerlei ethnologische Ziele, und wir erheben in diesem Zusammenhang auch nicht den Anspruch einer gewissen Authentizität.“ Ihnen geht es also heute nur um die kreative Phantasie, und um nichts anderes, und eben nicht um eine Verherrlichung des „edlen Wilden“ im Sinne einer Karl MayIdeologie.

In Köln-Mülheim hatten sich schon 2015 die „Müllemer Neger“ in „Müllemer Klütte vun 1961 e.V.“ umbenannt, doch auch das hält Dr. Werner Jung vom Kölner NS-Dok-Zentrum immer noch für einen Ausdruck von „Alltagsrassismus“, denn im rheinischen Volksmund war und ist „Klütte“ (Brikett) ja auch ein abwertendes Synonym für Schwarzafrikaner.

Doch „Klütte“ ist nicht gleich „Klütte“. Denn bei den Narren der „KG Frechener Klütte-Köpp“ und auch jenen der „1.Karnevalsgesellschaft Klüttefunke Oberliblar von 1956 e.V.“ beziehen sich die Vereinsnamen keineswegs auf ein despektierliches Mundart-Synonym für Afrikaner, sondern lediglich auf die geografische Anbindung ihrer Heimatorte an das rheinische Braunkohlerevier – in Frechen wurde nämlich 1949 der erste großflächige Tagebau in Betrieb genommen. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Als nun die solchermaßen von „Frechener Negerköpp“ zu „Frechener Wilden“ Umbenannten ankündigten, künftig nicht mehr schwarzgewandet und im Baströckchen, sondern nur noch im Tierkostüm auftreten zu wollen, passte auch dies manchen sauertöpfischen Zeitgenossen nicht. So gab auf der Internetseite der „NRZ“ ein Leser namens „Klapperschlange“ allen Ernstes zu bedenken, „Tierkostüme sind ebenfalls diskriminierend“, denn, so die ebenfalls recht harsche Erwiderung eines anderen Kommentators „als bekennender PETA und NABU-Sympathisant sowie als Katzennothelfer“ an die Adresse von Karnevalisten im Giraffen- oder Eisbärkostüm: „Ihr versündigt Euch an den Tieren. Die sind nicht zum Spass auf der Welt.“ Ist das nun Realsatire oder einfach nur engstirniger Unfug? Immerhin haben ja PETA-Aktivisten schon selbst in Tierkostümen gegen Tierversuche protestiert.

Aber darf man angesichts des Insektensterbens künftig an Weiberfastnacht wirklich nicht mehr im Biene Maja-Kostüm durch die Straßen laufen? Der Grad zwischen manchen hypermoralischen Korrektheits-Marotten, die uns von der Bioladen-Schickeria zugemutet werden, und religionspolizeilich überwachten saudi-arabischen Verhältnissen oder einem Überwachungsstaat à la China ist schmaler als man denkt.

Als Herr Bär vor 40 Jahren im ersten Semester Kunst an den Kölner Werkschulen studierte, unterwies ihn einer der Professoren in das Prinzip der akademischen Freiheit: „Ein Künstler darf alles, nur nicht besoffen vor die Staffelei kotzen“. Daraus folgt: Ein Künstler ist immer autonom in der Deutungshoheit über seine Kunst, die er gerade macht, und deren Ergebnis er vor niemandem rechtfertigen muss, ebenso wenig wie der Karnevalist in der Wahl seines Kostüms. Ein Künstler ist grundsätzlich nicht verantwortlich dafür, dass ein anderer, zumal ein Dummkopf, seine Kunst falsch versteht oder gar nicht, und wenn er sich durch diese Kunst beleidigt fühlt, dann muss er eben die Freiheit der Kunst aushalten können, weil im Sinne von Rosa Luxemburg die Freiheit eben auch immer die Freiheit der Andersdenkenden ist.

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Kölner Schull- un Veedelszöch, Foto: Copyright Raap/Bär 2019
Kölner Straßenkarneval, Foto: Copyright Raap/Bär 2019

Musikzug Ihrefelder Cheyenne, Foto: Copyright Raap/Bär 2019
Ehrenfelder Dienstagszug, Foto: Copyright Raap/Bär 2019

Unter Literaturhistorikern ist unstrittig, dass die klassische Tierfabel der Belehrung und der Erbauung zugleich dient: für „bär aktuell“-Leser mit Lateinkenntnissen sei dies mit dem Satz „fabula docet et delectat“ hinreichend erläutert. Der Humor-Theorie von Sigmund Freud verdanken wir den Hinweis, dass sich die Pointe eines Witzes manchmal aus der Trivialisierung eines Sachverhaltes ergibt, mithin u.a. auch vom Übergang der moralisierenden Tierfabel zum nur noch ulkigen Tierwitz, und so sei als Beispiel hier einleicht schlüpfriger, aber auch in den heutigen Zeiten immer noch politisch korrekter Tierwitz zum Mitdenken wieder gegeben, mit dem der Kölner Humorist Horst Muys schon für 50 Jahren brillierte:Treffen sich ein Vogel und eine Schlange. Fragt der Vogel: „Und? Was machste so?“ – Antwortet die Schlange: „Ich schlängele mich so durch. Und du?“

Wo die Gendermainstream-Marotten derzeit darauf hinauslaufen, flächendeckend überall Unisex-Toiletten einzuführen, gibt Herr Bär zu bedenken, dass man auf Volksfesten etc. empirische Feldstudien mit manchmal betrüblichen Begleiterscheinungen durchführen kann, wenn nämlich die Damenwelt dort die Herrentoiletten zu stürmen pflegt, aus Unmut über die sonst ewig langen Warteschlangen vor dem Damenklo, aber ein übermütiger stark alkoholisierter Damen-Kegelclub ist gewiss nicht die ideale Gesellschaft, in deren Gegenwart sich Herr Bär am Pissoirbecken einer Unisex-Toilette aufhalten möchte.

Welch beklagenswerte Probleme eine gemeinsame Toiletten- bzw. Badezimmernutzung auch in Privathaushalten mit sich bringen kann, illustriert die ins Kölsche übertragene Geschichte des Alsdorfer Kabarettisten Jürgen Beckers:

Tünnes und seine Frau liegen nachts im Bett. Tünnes muss dauernd aufs Klo. Als er zum dritten Mal aufsteht, sagt seine Frau: „Also, enä, Tünnes, du bis eso wibbelich. Jetzt jehste schon dat dritte Mal op et Klo. Da kann ich nit ruhig schlafen!“ – Tünnes: „Wenn de nit dauernd mitzählen dähts, wie oft ich op et Klo muss, wörste längs enjeschlofe.“ – Nach fünf Minuten steht Tünnes erneut auf. Die Frau: „Wat is denn jetz ald widder? Du warst doch erst vor fünf Minuten om Klo!“ – Tünnes: „Jo, ävver mir es jrad enjefalle, dat ich noch dat Jebiss em Muul han. Ich muss noch ens en et Badezimmer, de Zähne eraus tun.“ – Die Frau: „Jute Idee. Dann kannste meine Zähne gleich mitnehmen!“ Tünnes tut das auch und legt sich wieder ins Bett. Seine Frau: „Hör uns, Tünnes, häste unsere Zähne auch in zwei verschiedene Zahnputzbecher jetan? Letztes Mal haste die in einen Becher jetan, da war ich am anderen Morjen em Aldi einkoofe un hat ding Jebiss en dä Schnüss. Nä, wor dat peinlich!“ – Tünnes: „Jo, ich ich wor mit dinger Zäng em Mund en dä Apotheke. Ävver dann hätt die Apothekerin för mich jesaht: Och, Herr Tünnes, met dä Zähne von Ihrer Frau sehen Se aber zehn Jahre jünger aus!“ – Die Frau: „Jo jo, Tünnes, war dat dann nit schön, wie mir zwei fröher noch wat jünger waren? Da haste mich immer in et Öhrchen jebisse. Machste dat jetzt auch noch emal?“- Tünnes: „Jo, jo…“ und steht wieder auf. Die Frau verärgert: „Musste jetzt schon widder op et Klo? Jrad jetzt, wo de mich in et Öhrchen beißen solls?“ Tünnes: „Enä. Ävver wenn ich dich jetzt in et Öhrchen beiße soll, muss ich erst in et Bad un dat Jebiss widder erein tun!“

(In manchen Hardcore-Political Correctness-Kreisen gilt dieser Witz als frauenfeindlich, weil im Umkehrschluss die Frau vom Tünnes mit dessen Gebiss im Mund zehn Jahre älter aussieht).

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Essen und Trinken mit Herrn Bär

Küchentechnische Begriffe: „braten“ (trockenes Garen bei starker Hitze, ruft durch diesen Vorgang an der Oberfläche durch eine Verbindung von Eiweiß, Fett und Zucker eine Bräunung hervor), grillen (braten in Wärmestrahlung auf einem Rost), „braisieren“ (schmoren), „legieren“ (mit Eigelb und Sahne abbinden), „pochieren“ (garziehen) oder „poelieren“ (hellbraun dünsten).

Entenleber in Portwein und Madeira

Speckstücke in einer Pfanne auslassen, 1-2 Schalloten andünsten, Entenlberstücke anbraten, Apfelstücke hinzugeben, mit Portwein und Madeira ablöschen, salzen, pfeffern, gepressten Knoblauch hinzufügen, sowie frischen Majoran und frischen Thymian und etwas geriebene Muskatnuss. Vor dem Servieren mit frischer Kresse bestreuen. Dazu passt Kartoffelpuree.

Halve Hahn

Dass in Köln „’ne halve Hahn“ kein halbes Hähnchen ist, weiß man inzwischen auch in Wien oder Hamburg, aber unbedarfte Touristen kann man in den Brauhäusern damit immer noch foppen. Prof. Adam Wrede führt in seinem Standardwerk „Neuer kölscher Sprachschatz“ (1958) diesen Imbiss auf die „humorvolle Täuschung“ eines „Grielächers“ (Spaßmachers) zurück, der eine Gesellschaft zum Essen eingeladen hatte, ihnen statt der versprochenen halben Brathähnchen aber dann ein Roggenbrötchen mit einer Scheibe Käse auftischen ließ.

Kabänes heißt im Rheinischen „Kumpel“,„Freund“ oder„Kamerad“ etc. und ist ein Halbbitter-Schnaps, den – halten Sie sich fest! – ausgerechnet der frühere Präsident des Automobilclubs ADAC Otto Flimm 1952 auf den Markt brachte. 1976 zog der Familienbetrieb nach Brühl um, auf halbem Wege zwischen Köln und Bonn gelegen. Die Bitterstoffe in diesen Kräuterlikören haben eine günstige Wirkung auf Magen und Galle, weshalb man sie gerne als Verdauungsschnaps konsumiert. Eher süßlich-bitter ist der Düsseldorfer Kräuterlikör „Killepitsch“, der seit 1955 auf dem Markt ist.

Bär aktuell 258 – 3. Feb. 2019

Februar 1st, 2019

Bildstrecke „Bär aktuell spezial“: Milljöhsitzung 2019 der KG Willi Ostermann-Gesellschaft Köln 1967 e.V. Köln, Foto: Copyright Raap/Bär 2019

Die neuesten Witze aus dem Kölner Karneval

Donald Trump besucht eine Grundschule in Kalifornien und sagt zu den Kindern: „Ich bin Euer Präsident, ihr dürft mir jetzt Fragen stellen“. Einer meldet sich und sagt: „Ich bin Bob und hätte drei Fragen, Mr. Präsident. Erstens: Haben Sie für den Wahlkampf Geld aus Russland angenommen?- Zweite Frage: Warum schmeißen Sie alle Minister raus, die nicht Ihrer Meinung sind? – Dritte Frage: „Verschwinden auch in unserem Land spurlos Leute, die Sie kritisieren?“ In diesem Moment klingelt die Pausenglocke. Nach der Pause kommen die Kinder vom Schulhof zurück und Trump sagt: „Also, wir waren gerade unterbrochen worden. Hat noch jemand eine Frage?“ – Meldet sich einer: „Ich habe zwei Fragen, Mr. President: Erstens, warum klingelte die Pausenglocke diesmal eine halbe Stunde früher als sonst? Und zweitens: Wo ist Bob?“ (Guido Cantz).

AKK – das ist eine Abkürzung für Annegret Kramp-Karrenbauer. Wieso eigentlich? Also, ich kenne die Frau nicht. Ich käme nie auf die Idee, die einfach mit „Annegret“ anzureden. Die korrekte Anrede wäre „Frau Kramp-Karrenbauer“. Und wer das nicht aussprechen kann, der sagt einfach FKK (Bernd Stelter).

Wird ein kleiner Junge gefragt: „Du hast ja kein Brüderchen und kein Schwesterchen. Du bist bestimmt ein Einzelkind.“ Darauf der Junge: „Ich bevorzuge die Bezeichnung ‚Alleinerbe’“ (Guido Cantz).

Als der türkische Präsident Erdogan nach Köln kam, um die Moschee in Ehrenfeld einzuweihen, stellte ein kölscher Rentner sein Fahrrad direkt an der Moschee ab. Sagt der Security-Mann: „Das können Sie nicht machen. Hier kommt gleich der türkische Staatspräsident vorbei!“ – Darauf der kölsche Rentner: „Mach dir deswejen kein Sorge, Jung. Ich schließe dat Fahrrad jut ab!“ (Guido Cantz).

Schäl: Tünnes, hör ens, du sähs zo dinge Frau immer noch „Liebchen“ un „Schätzchen“. Also nä, du bis doch schon 30 Johr verheiratet, da mäht mer doch sujet nit mieh!“ – Tünnes: „Jo, jo, ävver wat willste maache? Ich han der Vorname vun dä Ahl verjesse!“

Essen und Trinken mit Karl-Josef Bär

Wiener Heringssalat

Beim Wiener Heringssalat nimmt man gewürfelte gekochte Kartoffeln, ebenfalls gewürfelte Salzheringe und Essiggurken, die man mit Apfelstücken, Zwiebeln und gekochten Bohnen vermischt. Für die Sauce verrührt man Eidotter, Senf, Zitronensaft, Salz und Pfeffer mit ein paar Tropfen Öl, fügt dann unter weiterem Rühren Sauerrahm, Meerettich, Kapern und Sardellen oder Sardellenpaste hinzu. Dieser Salat wird traditionellerweise zu Aschermittwoch verzehrt.

Selleriesalat „Der Barbier von Neu-Ehrenfeld“ Man raspele Apfelstücke und Knollensellerie im Verhältnis 1:2 in eine Salatschüssel, gebe Salz, Pfeffer, Senf, etwas Sahnemeerettich, Schnittlauch, einen Spritzer Knoblauchpaste und frische gehackte Petersilie hinzu, rühre dann etwas frischen Joghurt hinein. Man kann den Salat auch noch mit gekochten Eiern anreichern.

Carl Friedrich Ludwig Felix von Rumohr (1785-1843) war ein deutscher Kunsthistoriker und Gastrosoph, er machte in Deutschland die Rumfordsuppe als Möglichkeit der Armenspeisung bekannt: „Dem bayerischen Grafen Rumford, als britischer Untertan Benjamin Thompson (1753 – 1814) in Massachusetts geboren, gelang der große Schlag: Nachdem er zuerst die Wärme-Theorie von den bewegten Molekülen formuliert (1798) und konsequent den geschlossenen Herd erfunden hatte, ging er daran, die Massen zu speisen. Nach kalorischen, ergonomischen, physiologischen Berechnungen konnte dies nur eine minimalische Gemüse-Graupensuppe sein, die fortan in den Armenküchen, Suppenanstalten und Feldküchen Europas als Rumfordsuppe von der Obrigkeit verabfolgt wurde“, schreibt der Historiker Hans Ottomeyer. Rumohr zu Ehren kreierte der Koch Eckart Witzigmann ein „Kalbsbries Rumohr“: das Bries ist die Thymusdrüse, sie sitzt in der Brust des Kalbs und ist reich an Kalium, Vitamin C, allerdings auch an Purinen, wegen denen aufgrund ihres Harnsäuregehalts Gicht-Patienten allzu häufiger Verzehr von Kalbsbries abgeraten wird. Bei erwachsenen Rindern hat sich das Bries zurück gebildet. Das Bries wird erst zwei Stunden in Salzwasser gewässert oder in heißem Wasser kurz abgebrüht, bevor man die Haut und die Äderchen abzieht. Witzigmann bereitet das „Kalbsbries Rumohr“ mit Trüffeln und Gänseleberscheiben zu.

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