Jürgen Raap, „Der verlorene Koffer“, 2019, Copyright: J. Raap 2019
Bär aktuell Nr. 273 — 3. Okt. 2019
Die Fußballnationalmannschaft Albaniens verweigerte beim Länderspiel gegen Frankreich zunächst den Anstoß, weil die Kapelle zum Auftakt versehentlich die Nationalhymne Andorras intoniert hatte. Der Stadionsprecher setzte noch einen drauf und riet den Zuschauern, „die Nationalhymne Armeniens“ zu respektieren. So sei daran erinnert, dass in Köln bei internationalen Sportveranstaltungen im Jahre 1948 als Ersatz-Hymne mehrmals der Karnevalsschlager „Wir sind die Eingeborenen von Trizonesien“ gespielt wurde, denn erst mit Gründung der Bundesrepublik gab es wieder die dritte Strophe des Deutschlandlieds als offizielle Hymne („Trizonesien“ meint in diesem Lied die „Trizone“, d.h. die damaligen drei westlichen Besatzungszonen nach 1945). Doch heute muss man unbedingt Markus Söder zustimmen, wenn er erklärt, es sei „unerträglich, wenn die AfD bewusst die erste Strophe des Deutschlandliedes singt“. Dann doch lieber „Wir sind die Eingeborenen von Trizonesien, heiditschibelatschibelabum, wir sind ja keine Menschenfresser, doch wir küssen um so besser, heiditschibelatschibelabum… “Oder meinetwegen alternativ auch die Nationalhymne von Andorra.
Bärs Bestatterkritik Wie man die Freuden des Diesseits und die Unausweichlichkeit des irgendwann eintretenden Jenseitigen mit wohlwollender Gelassenheit miteinander in Einklang bringt, weiß Christoph Kuckelkorn, in Personalunion Beerdigungssunternehmer und Präsident des Festkomitees Kölner Karneval. Unlängst lud der umtriebige Trauerhausbetreiber nämlich zu einem Konzert ein: „Brauhaus des Todes – Lamäng spielt im Bestattungshaus Christoph Kuckelkorn“. Wem das zuviel an brauhausseliger praller Lebensfreude war, der konnte sich anschließend auch noch einem anderen Programmpunkt widmen, denn in der Ankündigung hieß es allen Ernstes: „Neugierige haben die Gelegenheit zum Blick hinter die Kulissen eines Bestattungsinstitutes. Liegt man im Sarg bequem? Finden Sie es heraus.“ Nun ja, meint Herr Bär dazu, manches will man vielleicht doch lieber nicht so genau wissen. Aufs Probeliegen im Sarg, wie es auch früher schon Thema alberner Witze auf RTL II-Niveau war, verzichtet hingegen Kuckelkorns Konkurrent, das Bestattungshaus Pütz-Roth, denn hier ist für den 10. Oktober 2019 lediglich „Memento Mori- Ne kölsche Dudedanz“ mit Rolli und Benjamin Brings angekündigt, und der Programmzettel verspricht, an diesem Abend ginge es „zunächst ernst, dann zunehmend kölsch-katholisch“ zu. Doch nicht überall mündet das Totengräber-Marketing in derlei Firlefanzisierung, denn beim Bestattungshaus Ahlbach in Köln-Bickendorf bekommt man statt Event-Klamauk nützliche Informationen geboten für den Fall, dass die Verwandtschaft anfängt, einen für vergreist zu halten und sich dann Sonntag für Sonntag die Familienbesuche von Erbschleichern häufen: für den Umgang mit dem Nachlass noch zu Lebzeiten listet Ahlbach die Alternativen „vererben, verschenken, verkaufen“ auf und hat dazu eine Immobilienmaklerin und einen Rechtsanwalt als „Gastreferenten“ eingeladen, bei „Snacks und Getränken“ diese Varianten zu erläutern. Wenn einem allerdings das alles nicht zusagt und man allzu missratenen Erben eine lange Nase drehen will, bleibt einem nichts anderes übrig, als das Erbe rechtzeitig selbst zu verprassen, zum Beispiel bei „kölsch-katholischen“ Liederabenden mit Familie Brings oder im Kuckelkornschen „Brauhaus des Todes“.
Mit Herrn Bär im Theater – heute: „Offenbach – zwesche Kölle un Paris“, Puppenspiele der Stadt Köln (Hänneschen-Theater). Die jüngsten Fotos, die über das aktuelle Gesicht von Silvester Stallone in den Medien kursieren, lassen die Frage aaufkommen, ob hier die Natur gewirkt hat oder ein Gesichtschirurg über das Ziel hinausgeschossen ist, denn mit den wulstigen Lippen und den aufgeplusterten Wangen erinnert Stallones Antlitz ein wenig an Hermann Speichel („Speimanes“), der es auf der Puppenbühne schafft, „die Hüsger bunt em Aldermaat“ im Can-Can-Rhythmus darzubieten. In der Umbaupause bietet das Saalorchester rund zwei Dutzend Varianten von Offenbachs „Bacarole“ aus „Hoffmanns Erzählungen“, mal als Rock and Roll, mal als Hillybillybalade. Der notorisch burleske Tünnes tritt als holländischer Marineadmiral auf, der mit Seemannsgarn ‚a la Käpt’n Blaubär eine versnobte englische Adlige beeindrucken will: „Ich wor och ens Kapitän op enem Walfängerschiff. Da han mer vor Grönland ’ne Blauwal jefangen.“ Die Adlige: „Und woran haben Sie gemerkt, dass das ein Blauwal war?“ – Tünnes: „Dä wor besoffen. Ävver ich han och noch ’ne andere Wal jefangen. Dä hätt en Pappnas opjehat. Dat wo ’ne Karne-Wal…“
Die Freunde des gepflegten Kalauers brechen
jedesmal in Jubel aus,
wenn Herr Bär Karl Lauterbach mit Kurt Lauterbach verwechselt. Karl
Lauterbach stammt aus Düren, spricht hochdeutsch mit rheinischem
Akzent, ist gesundheitspolitischer Sprecher der SPD und bewirbt sich
derzeit um deren Parteivorsitz. Kurt Lauterbach (1920-1993) stammte
aus Solingen, sprach so ähnlich wie Karl Lauterbach und trat im
rheinischen Karneval als „schöner Mann vom Lande“ auf, wobei er
den Hut so tief über die Stirn zog, dass seine Segelohren unter der
Hutkrempe abknickten, was wohl komisch wirken sollte. Karl Lauterbach
hingegen begnügt sich um der komischen Wirkung willen mit einer
Fliege anstelle einer Krawatte. Kurt Lauterbach erklärte einmal die
hohen Alltagspreise in Skandinavien mit dem Wortspiel „Dänemark
ist ein teures Land, dä ’ne Mark und dä ’ne Mark, schon biste paar
Mark los“: eine Pointe, die schon damals nicht jeder verstand, und
wenn der gelernte Mediziner Karl Lauterbach die Kostenexplosion im
Gesundheitswesen erklärt, die u.a. auf „aggressives Marketing der
Pharmaindustrie“ bei Ärzten und Patienten zurück zu führen sei,
lacht auch keiner. Fachlich kreuzten sich die Biografien der beiden
Lauterbachs, als der Politiker und Mediziner Karl Lauterbach 2010 für
den Opladener Karnevalsverein „Wupperveilchen e.V.“ eine „Fahrt
nach Berlin“ organisierte. Den nächsten „Vereinsausflug“
unternahmen die „Wupperveilchen“ dann 2012 doch lieber nicht
erneut nach Berlin, sondern zur „Erlebnisbrauerei Hachenburg“,
wobei die Vereinschronik anmerkt, dass auf der Busfahrt „selbst
hergestellter Schnaps als Hustensaft“ konsumiert wurde. Als Karl
Lauterbach twitterte, „Auch bei uns werden bei Virusinfekt nutzlos
Antibiotika eingesetzt“, empörte sich in seiner Antwort per
Re-Tweet ein gewisser Günter V.: „In
der Agrarwirtschaft wird Antibiotika wie Hustensaft eingesetzt. Das
sind alles politische Entscheidungen, Herr Lauterbach!“ Immerhin
nicht auf Busausflügen von Opladener Karnevalisten, denn da nimmt
man statt Antibiotika lieber selbst gebrannten Schnaps – eine
ebenfalls „politische Entscheidung“, die man in der
Vereinschronik nachlesen kann. Herrn Bärs Prognose: Die
SPD-Mitglieder unter den Opladener „Wupperveilchen“ wählen
bestimmt Karl Lauterbach zum neuen Vorsitzenden, da sie ihn nach dem
Genuss von genügend Hustensaft für einen Wiedergänger von Kurt
Lauterbach halten.
Bericht in der Fuldaer Zeitung zur Ausstellung von Siglinde Kallnbach mit Jürgen Raap im Naturmuseum Tann/Rhön
.
Beachten Sie bitte folgenden Veranstaltungshinweis: Am 18. Oktober 2019 hält Jürgen Raap einen Vernissagenvortrag zur Ausstellung von Heinz-Josef Mess „brainticket freedom“ in der Galerie N. 18 Bernd Bauer, Norbertstr. 18, Köln.
Essen
und Trinken mit Herrn Bär
Krautfleckerln
„Fleckerln“
sind eine traditionelle österreichische Nudelsorte, die man separat
kocht und dann anschließend mit den übrigen Zutaten vermischt.
Zwiebeln werden glasig gedünstet, dann gibt man geraspelten Weißkohl
hinzu, würzt das Ganze mit Salz, Pfeffer, Essig und Kümmel, füllt
es mit Bouillon auf und lässt es köcheln, bis der Kohl weich ist.
zum Schluss streut man gehackte Küchenkräuter hinein und reicht
dazu Brot.
Kalbskotelett oder
Hammelkoteletts à la Singarat
Ein historisches Rezept, nach dem man 1876 in Hamburg in
„Wilkens Keller“ das Fleisch zubereitete: das Kalbskotellet wird
paniert, die Hammelkotellets nicht. Das Fleisch wird von beiden
Seiten scharf angebraten und dann weich gedünstet, dazu servierte
man ein Pürree aus gepökelter roter Rinderzunge, für das man die
Spitze des Zungenstücks in dünne Streifen schnitt und diese klein
hackte und dann mit einer hellen Sauce verrührte.
Palatschinken ist ein dünner Eierpfannkuchen, in Österreich eine mit Nusscreme, Marillenmarmelade, Quark oder anderen Zutaten gefüllte Teigspeise. Das Wort leitet sich vom rumänischen „placinta“ und vom ungarischen „palacsinta“ ab. Der ungarische Koch Karl Gundel (1883-1956) erfand den Gundel-Palatschinken mit einer Nuss-Rosinen-Rum-Füllung und Rum-Schokoladensoße. Im Wiener Hotel Sacher serviert man diesen „Gundel-Palatschinken“ mit einer Garnitur aus karamellisierten Walnüssen.
Empfehlenswert ist ein kulinarischer Streifzug durch die Hongkong-Küche, die in ihrer Mildwürzigkeit der kantonesischen Küche recht ähnlich ist: Gefüllte Teigtaschen als Vorspeise, die man in kleinen Bambuskörben dünstet, findet man inzwischen auch in deutschen Supermärkten, um sie zu Hause zuzubereiten. Da Hongkong eine Insel ist, dominieren hier Fischgerichte die Regionalküche. Für einen Goldbarsch (oder Rotbarsch) nach typischen Rezept nehme man als Marinade Sesamöl, Sojasauce, Mango Chutney, Zitronensaft, Zitronengras, etwas gelben Curry, frisch geriebenen Ingwer, Lauchzwiebeln, Knoblauch, frischen Koriander, Honig und Sechzuan-Pfeffer, lasse den Fisch 2-3 Std. darin ziehen und grille oder brate ihn dann, wobei man nach dem Wenden die Oberseite mit der restlichen Marinade bestreicht.
Ausstellung von Siglinde Kallnbach im Rahmen der „Intermezzo“-Reihe im Kunstmuseum Ahlen. Am Samstag, 21. September 2019 führt Siglinde Kallnbach dort eine Performance auf. Laufzeit der Ausstellung bis 3. Nov. 2019.
Ausstellung „Siglinde Kallnbach – a performancelife“ im Naturmuseum Tann/Rhön. Mit einem malerischen Gastbeitrag von Jürgen Raap. Laufzeit der Ausstellung bis 1. Nov. 2019.
Bilder der Monats – Bildstrecke „bär aktuell spezial“:
Jürgen Raap, Rhönlandschaften
Jürgen Raap, „Der Traum vom Taschendieb“ (Rhönlandschaft), 2019Jürgen Raap, „Die Glaubersalzfabrik“ (Rhönlandschaft) 2019
Jürgen Raap, „Das lange Maß“, Rhönlandschaft, 2018Jürgen Raap, „Heimatkunde I“ (Aquarell, 2019
Bär aktuell Nr. 272 – 3. Sept. 2019:
Normalerweise erntet man in gewissen Milieus einen Shitstorm, wenn man den feministischen oder queeren Plural missachtet. Im konservativen gutbürgerlichen Milieu hingegen herrschen hingegen noch andere Vorstellungen von Etikette, wie jüngst Konrad Adenauer erfahren musste, gleichnamiger Enkel des ersten Bundeskanzlers, Vorsitzender des Kölner Haus- und Grundbesitzervereins und in dieser Eigenschaft Verfasser der Editorials in der Verbandspostille „Eigentum aktuell“, wo Adenauer sein Publikum regelmäßig mit „Liebe Leserin, lieber Leser“ anzureden pflegt. Darüber beschwerte sich unlängst ein Ehepaar, es fühle sich durch diese Anrede „geduzt“, korrekt müsse es doch wohl heißen „Verehrte Leserin, verehrter Leser“. Geduzt wird man in Köln aber sonst eigentlich nur vom Personal in rustikalen traditionellen Brauhäusern („Krisste noch en Kölsch?“) und ebenso als 67jähriger Publizist, wenn man sich irrtümlich mal in ein Studentenlokal verirrt hat („Willst du mal eine vegane Frikadelle probieren?“), wobei seitens Herrn Bär ersteres mit „Ja“, zweiteres hingegen mit „Nein“ beantwortet wird.
Modebewusst
gab sich eine Leserbriefschreiberin an die „Frankfurter Allgemeine
Zeitung“,
die sich darüber mokierte, Bundeskanzlerin Angela Merkel
repräsentiere garderobenmäßig eine „Armutsästhetik“. Auch
Ursula von der Leyen fand vor den Augen der Dame keine Gnade, denn
die EU-Kommissionspräsidentin trage immer „zu kurze Jäckchen aus
billigem Stoff“, und dies auch noch zu unpassenden Hosen;
desgleichen erwecke der Außenminister Heiko Maas den Eindruck, der
Stoff habe für seine Anzüge nicht ganz gereicht. Können Politiker
eigentlich ihre Dienstkleidung von der Steuer absetzen? Bei einem
Kellner akzeptieren die Finanzämter immerhin den schwarzen Anzug als
Berufskleidung, nach gängiger Rechtsprechung nicht aber das weiße
Hemd dazu, da dieses auch privat getragen könne. Heiko Mass indessen
meidet seinen schwarzen Dienstanzug im Privatleben, damit ihm in
einem Berliner Biergarten niemand zuruft: „Herr Ober, noch zwei
Bier“.
Die
Steinzeit-Menschen garten ihre Nahrung mit glühenden Steinen in
wasserfest gemachten Säcken oder Gefässen. Die Flüssigkeit
löffelten sie als Suppe aus. Das alte Wort Supen
bezeichnet das Saufen, Saugen, Schlürfen. Kraftbrühe (Bouillon)
aus einem Suppenhuhn oder Suppenfleisch dient als Grundlage für
Suppen, Saucen und als Kochflüssigkeit für Fleisch, Geflügel,
Fisch und Gemüse. n Brühe gegarte Lebensmittel bleiben
aromatischer, da die Brühe bereits Geschmacks- und Mineralstoffe
enthält. Bei Fleischbrühe wird in der traditionellen Küche oft ein
Kalbsfuß mitgekocht, wenn die solchermaßen zubereitete Brühe
erkaltet ist, kann man sie auch für Sülze verwenden. Bei der
Knochenbrühe
kocht man Rinderknochen aus. Eine Consommé Colbert ist eine
Geflügelkraftbrühe mit Gemüsewürfelchen, verlorenem Ei und
Kerbel. Der Chemiker Justus von Liebig entwickelte 1853 die
Herstellung von Fleischextrakt als Brühwürfel, ursprünglich
gedacht als Stärkung für die Krankenkost. Der Brühwürfel von
Julius Maggi besteht aus Gemüseextrakt und kam um 1900/1910
europaweit auf den Markt.
Jambon au
persil/Jambon persillé (Schinken mit Petersilie)
Rezept für eine französische Schinkensülze: Kleingehackte Zwiebelstücke mit etwas kleingehackter Petersilie, 1 zerdrückter Knoblauchknolle, 1 Lorbeerblatt, 2 Wacholderbeeren, Nelken und weißen und grünen Pfefferkörnern in Rinderbrühe 5 Min. aufkochen. Weitere frische Petersilie kleinhacken, mit mild geraucherten Schinkenwürfeln vermengen, Gelatineblätter kalt einweichen. Die Brühe durch ein Sieb gießen und die Gelatine darin aufweichen. Würzen mit Salz, Pfeffer, Essig, Schinken-Petersilienmasse hinzugeben und mit restlicher Brühe begießen, bis alles bedeckt ist. Über Nacht im Kühlschrank zu Gelee werden lassen.
Gelber Bohnensalat Im Sommer gibt es die gelben Bohnen erntefrisch auf den Märkten – man schnippelt sie klein und kocht sie in Salzwasser halb gar, lässt sie dann abkühlen. Salzen, Pfeffern, klein gehackte Zwiebeln untermengen, einen Schuss Balsamico-Essig hinzu geben und mit Crème fraiche und etwas kleingehackter Petersilie verrühren. Alternativ dazu kann man auch nur Olivenöl nehmen.
Fischtopf à la Kotor Kotor liegt an der Adria, am Ende der Bucht von Kotor, die sich ca 15 km lang ins Landesinnere von Montenegro erstreckt. Für dieses Rezept nimmt man verschiedene kleinere Fische, d.h. Stöcker, kleine Rotbarben, Pilchard-Sardinen etc., die man säubert und entgrätet. Man brät Zwiebeln in heißem Öl an, fügt Knobloch und Mehl hinzu, gießt den Sud mit Wasser und/oder Weißwein auf, lässt klein geschnittene Tomaten und Pfefferkörner mit köcheln und schmeckt das Ganze mit Salz, Pfeffer, etwas Fleisch- oder Geflügelextrakt ab. Dann legt man die Fischstücke hinein und lässt sie in dem siedenden (nicht kochenden) Wasser 30 Min. garen. Man kann auch zum Schluss ein paar schwarze Oliven hinzugeben.
Plakat für Schäferhundwettbewerb in Ahlen/Westfalen, August 2019, Foto: Copyright Raap/Bär 2019
Bär aktuell 271 – 22. Aug. 2019
Bär polyglott – Unterwegs mit Herrn Bär Was gibt es Neues aus Westfalen zu berichten? Nun, nicht nur die Belgier sind zweisprachig, sondern auch die Bewohner des 1946 von der britischen Besatzungsmacht künstlich geschaffenen Bundeslandes Nordrhein-Westfalen. Linguistisch ein Land, zwei Systeme, wie in China? Nicht ganz, aber es gibt schon markante sprachliche Unterschiede, was nicht nur an der Benrather Sprachlinie liegt, die als Verlängerung der Sprachgrenze zwischen dem Flämischen und dem Wallonischen von Aachen aus weiter nach Osten verlaufend bei Düsseldorf-Benrath den Rhein überquert und damit das Niederdeutsche (Westfälisch) und das mittelhochdeutsche Ripuarisch-Fränkische (Rheinisch) voneinander trennt. Während nämlich der rheinische Bio-Bauer auf seinem Acker ein Schild aufstellt und auf hochdeutsch informiert „Hier Tomaten aus eigener Aufzucht“, pflegt der westfälische Landwirt seine Erzeugnisse ebenfalls auf hochdeutsch, aber mit dem abweichenden Text „Hier Tomaten aus eigener Anzucht“ anzupreisen. Ansonsten ist noch unbedingt erwähnenswert, dass in Westfalen „Hundesport der Extraklasse“ geboten wird, wenn „die besten deutschen Schäferhunde“ aus dem Landstrich zur „Landesgruppenentscheidung“ antreten, wobei neben „Schutzdienst“ und „Fährtenarbeit“ eine der Disziplinen auch darin besteht, herauszufinden, wie sehr der am Wettbewerb teilnehmende deutsche Schäferhund die „Unterordnung“ unter das Herrchen verinnerlicht hat. Auf der Suche nach Nahrung stieß Herr Bär in Westfalen auf das „Gourmet-Lädchen“, das als kulinarischen Höhepunkt nicht irgendeinen manierierten Hipster-Food-Firlefanz, sondern erfreulicherweise schlicht eine „Currywurst“ auf seiner Karte notiert hat. So trat Herr Bär die Rückfahrt gesättigt in der Gewissheit an, wenn die Welt im 21. Jh. noch halbwegs in Ordnung ist, dann ist sie es zumindest am Rande der Münsterländer Bucht, und ansonsten gilt dort nach wie vor der gleichmütige metaphysische Glaubenssatz: „Klappt etwas nicht auf dieser Welt, dann klappt’s auch nicht in Bielefeld“.
Beachten Sie auch folgende Ausstellungshinweise: Samstag, 24. August 2019, 16 Uhr: Vernissage der Ausstellung von Siglinde Kallnbach „a performancelife“ im Kunstmuseum Ahlen. Es spricht Dr. Winfried Gellner, Köln.
Am Samstag, 21. September 2019, führt Siglinde Kallnbach dort eine Performance auf.
Laufzeit der Ausstellung bis 3. Nov. 2019.
Sonntag, 1. September 2019, 14 Uhr: Vernissage der Ausstellung „Siglinde Kallnbach – a performancelife“ im Naturmuseum Tann/Rhön. Mit einführenden Worten und einem malerischen Gastbeitrag von Jürgen Raap, Köln. Laufzeit der Ausstellung bis 1. Nov. 2019.
Foto: Siglinde Kallnbach, Ausstellungsansicht „ a performancelife“, Kunstmuseum Ahlen, 2019, Foto: Copyright S. Kallnbach
Bild des Monats August 2019: Jürgen Raap, Das Theater der Exekutionen, 2019, Foto: Copyright J. Raap 2019 – alle Rechte vorbehalten
bär aktuell 270 – 11. August 2019
Heidewitzka, Herr Kapitän, me’m Prinz vun Monaco fahre mer su jän… Zu den Begleiterscheinungen der christlichen Seefahrt gehört heute leider auch die Verunreinigung der Meere. Daran hat paradoxerweise auch Greta Thunberg ihren Anteil, die sich mit einer gewissen Cleverness einen Gratis-Segeltörn erschnorrte, um dann zwar „klimaneutral“ auf der Segelyacht des Prinzen von Monaco über den Atlantik zu schippern, zwecks Teilnahme an einem UN-Klimagipfel in New York, dabei aber in Kauf nimmt, dass der Prinz von Monaco auf seiner Yacht keine Bordtoilette hat: auf hoher See verrichten der Prinz und sein Fahrgast ihre Notdurft daher in „biologisch abbaubare Beutel“, die dann mitsamt ihrem Inhalt einfach über Bord geworfen werden: so beschrieb der Kölner „Express“ die sanitären Zustande auf der Yacht des Prinzen von Monaco. Der PR-Wirkung des Greta-Kult-Marketings tut das aber wohl keinen Abbruch. Doch just in jenen Tagen, als die Ikone der schuleschwänzenden Pennäler wortwörtlich ins Meer kackte, war im Internet bei „Reisereporter im Redaktionsnetzwerk Deutschland“ nachzulesen, in diesem Sommer sei an 48 spanischen Stränden „Fäkalien-Alarm“ ausgerufen worden (der „Focus“ spricht komparativerweise sogar von „Ekel-Alarm“).
Grüne Heringe – Früher ein Arme-Leute-Essen, heute eine bisweilen selten gewordene Delikatesse aufgrund der Überfischung der Meere. Bei den frischen, rohen Heringen entfernt man Köpfe und Schwänze, schuppt sie und nimmt sie aus, lässt sie dann leicht in Essigwasser ziehen, bevor man sie salzt, pfeffert, in Mehl wälzte und dann in heißem Öl brät.
Labskaus ist ein seit dem frühen 18. Jh. bekanntes Seefahrergericht aus der Zeit, als es nur Segelschiffe gab und man für lange Überfahrten nur gepökeltes Fleisch mitnehmen konnte. Gepökeltes Rindfleisch wird in leicht gesalzenem Wasser gekocht, dann zusammen mit Zwiebeln, frischem Speck, Matjesheringen, Gewürzgurken und frische oder eingelegter Roter Beete gewolft oder per Mixer püriert. Die Masse wird dann in Salzwasser durchgekocht, zum Schluss mischt man vorgekochte Kartoffeln oder Kartoffelbrei unter. Dazu reicht man einen Rollmops oder Bismarckhering, Spiegelei und eine Gewürzgurke.
bär aktuell 269 – 3. Aug. 2019
Wer sich noch gut an die Zeiten erinnert, als die schratig gewandeten Grünen im fusseligen Norwegerpullover auf ihren Parteitagen Strick- und Häkelzeug auspackten und in ihren Kreisen die ausgebeulte lila Latzhose der Inbegriff eines alternativkulturellen Modebewusstseins war, der mag gewiss den Kolumnisten zustimmen, die nun Annalena Baerbock und Robert Habeck als das neue Glamour-Paar der heutigen Öko-Partei hochjubeln. Da versucht nun die SPD mitzuhalten, indem ihr Führungspersonal ernsthaft überlegt, als Gegenpart zu diesem grünen Glamour-Tandem nunmehr Gesine Schwan und Kevin Kühnert als Doppelspitze zu berufen. Die „Berliner Morgenpost“ apostrophierte die beiden sogar bereits – dies freilich etwas allzu vollmundig – als „die Macrons der SPD.“ Nun ist Gesine Schwan eine respektable Dame, die bisher keinerlei Anlass bot, in „bär aktuell“ Witze über sie zu reißen, wobei sich allerdings im Vergleich mit der französischen Eleganz von Madame Macron ein Zitat aus „Die Welt“ anführen ließe: „Gesine Schwans Frisur hat die SPD-Kandidatin… bekannter gemacht als ihr mutiger Antikommunismus 1968.“ Ob das reicht, um jetzt mit der Wuschelkopf-Frisur von Robert Habeck zu konkurrieren, mag dahin gestellt bleiben. Aber ein Vergleich von Kevin Kühnert mit Emmanuel Macron gerät zur Lachnummer, auch wenn die Zeitschrift „Cicero“ in beiden den „Phänotypus politischer Abenteurer“ zu erkennen glaubt und in diesem Kontext ebenfalls den Österreicher Sebastian Kurz anführt. Aber Hand aufs Herz: im Vergleich zu Macron wirkt Kevin Kühnert doch eher wie ein Balljunge auf dem Turnierplatz der Weltpolitik. Ob indessen Christina Kampmann und Michael Roth, die offiziell ihren Hut als Vorsitz-Kandidaten in den Ring geworfen haben, tatsächlich den nächsten SPD-Parteitag mit mehr Glamour und Weltläufigkeit zur Krönungsmesse und nicht zum Trauerspiel geraten lassen, als man dies dem Duo Schwan/Kühnert zutrauen kann, muss abgewartet werden. Der „Spiegel“ spricht jedenfalls von der „Clownisierung der Politik“, meint damit aber nicht „die Macrons der SPD“, sondern Peer Steinbrücks neue Karriere als Kabarettist.
Copyright: Raap/Bär 2019
Bildstrecke „bär aktuell spezial: „Der Geysir von Andernach“
Geysir von Andernach, Foto: Copyright Raap/Bär 2019Rhein bei Andernach, Foto: Copyright Bär/Raap 2019
Bär polyglott- unterwegs mit Herrn Bär Wer nicht so weit zu den Kaltwasser-Geysiren von Soda Springs in Idaho (USA) oder dem Mokena Geyser von Te Aroha (Neuseeland) reisen will, zumal es neuerdings gilt, unterwegs keine „ökologischen Fußabdrücke“ zu hinterlassen, der kann auch auf einer Fahrt mit der Deutschen Bahn von Köln ins beschauliche Andernach am Rhein jede Menge Abenteuer erleben. Diesmal war nämlich das Stellwerk von Sechtem kaputt, doch der Zugführer war immerhin um Service-Freundlichkeit bemüht, als er per Lautsprecher den Text durchgab: „Verehrte Fahrgäste, wir halten jetzt bis auf unbestimmte Zeit in Brühl. Sie können ruhig draußen auf dem Bahnsteig eine Zigarette rauchen; ich sage Ihnen rechtzeitig Bescheid, ob und wann es weiter geht“. Das Fährschiff in Andernach zu der Halbinsel mit dem Geysir legt allerdings immer absolut pünktlich ab; und der Geysir dort lässt eigenartigerweise ebenso pünktlich exakt alle 100 Minuten seine Fontäne acht Minuten lang hochspritzen, und dies aus dem Gestein in 350 Metern Tiefe. Jedenfalls ist der Geysir von Andernach zuverlässiger als das Stellwerk von Sechtem, und an der Pünktlichkeit der Natur sollte sich die Deutsche Bahn mal ein Beispiel nehmen. Und wer eine vorzüglich-zarte hausgemachte Rinderroulade und dazu einen Leutesdorfer Riesling mit mineralisch-dezenter Säure zu schätzen weiß, der kehre anschließend in Andernach im Hotel-Restaurant „Rheinkrone“ ein.
Essen und Trinken mit Herrn Bär
Gazpacho andaluz
Beheimatet ist diese kalte spanische Gemüsesuppe aus ungekochten Zutaten in Andalusien und Südportugal (Algarve). Es wird behauptet, das Rezept sei maurischen Ursprungs, und es hätte eine Knoblochsuppe mit Gurken, Essig, Wasser und Salz beschrieben. Tomaten und Paprika waren vor der Entdeckung Amerikas in Spanien unbekannt; man fügte sie vermutlich erst im 18. Jh. dem Rezept hinzu. Für 2 Portionen nehme man 3 Tomaten, 1-2 rote Paprikaschoten, 2 Knoblochzehen, ½ Gurke – im Mixer pürieren und in eine Schale geben, salzen und pfeffern, vorsichtig mit ein wenig Wasser verdünnen.
Salade Niçoise wird in Olivenöl mit Essig oder Zitrone angemacht und besteht aus gekochtem Ei, Thunfisch, Tomaten, Gurken, Zwiebeln, Knoblauch, Gemüsepaprika, grünem Salat, Basilikum schwarzen Oliven und Sardellen.
Rinderroulade klassisch
Die Rouladenscheiben von beiden Seiten pfeffern und salzen, auf der
Innenseite auch mit Paprikapulver und mit Senf bestreichen und ½
Knoblauchzehe ausdrücken. Mit Scheiben von Frühstücksspeck
belegen, darauf klein gehackte Zwiebeln, klein gehackte Zwiebeln und
in dünne Streifen geschnittene Gewürzgurken verteilen. Man kann
dieses Rezept auch noch um eine zusätzliche Abrundung dieser Füllung
mit Schweinehack ergänzen. Dann rollt man die Fleischscheiben
zusammen und steckt sie mit Zahnstochern oder metallenen
Bratenstickern fest, brät sie in einer Pfanne oder einem Bräter von
allen Seiten in Öl oder Schmalz scharf an, fügt weitere
Zwiebelstücke hinzu, füllt das Ganze dann mit Rinderfond auf, in
welchem man anschließend Selleriestücke und Möhrenstücke
einkochen lässt, gibt dann ein paar Pimentkörner, Nelken, grünen
Pfefferkörnern, etwas Tomatenmark und ein Lorbeerblatt hinzu sowie
einen Schuss Rotwein und lässt das Fleisch 1 ½ bis 2 Std. bei
niedriger Hitze weich schmoren, füllt dabei den Sud bei Bedarf mit
Brühe auf. Wer will, kann zum Schluss die Sauce mit etwas Mehl
abbinden.
Bildstrecke „bär aktuell spezial“: Bär polyglott – Unterwegs mit Herrn Bär – Was gibt es Neues in Salzburg?
Fronleichnamsprozession in Salzburg, Foto: Copyright Raap/Bär 2019Fronleichnamsprotession in Salzburg 2019, Foto: Copyright Raap/Bär 2019Wirtshaustafel in Salzburg, Foto: Raap/Bär 2019
Bär aktuell Nr. 268 – 22. Juli 2019
Wie gewonnen so zerronnen mochte sich Boris Becker gedacht haben, als jüngst sein Insolvenzverwalter die Pokale zur Versteigerung anbot, die „Bobele“ einst mit furiosem Tennisspielen eingeheimst hatte. Wenn man prominent und pleite ist, kann man immerhin sogar noch ein paar alte Klamotten in die Insolvenzmasse geben, uns zwar in diesem Falle ein paar alte Socken von Boris Becker, die als Devotionalien gleich mit versteigert wurden. Hm, hm… bislang schätzte man als Reliquie doch eher einen Holzsplitter vom Kreuz Christi, die Zunge des Heiligen Nepomuk oder einen Fussel vom Schweißtuch der Heiligen Veronika! Aber die Socken von Boris Becker? „Männer mit weißen Socken wurden zu ultimativen Trotteln degradiert…die weiße Socke (wurde) zum Synonym des schlechten Geschmacks stilisiert“, schreibt z.B. Max Ernst Walbersdorf in seiner textilgeschichtlichen Betrachtung dieser Fußbekleidung im „GQ“-Magazin, erkannte aber gleichzeitig ein „Comeback der weißen Tennissocke“, weshalb er seinen Text mit der Überschrift „Weiße Socken ? Jetzt erst recht!“ garnierte. Mit den Worten „Weiße Tennissocken sind der Klassiker und auch jetzt wieder voll im Trend“ bewirbt derzeit auch der Strumpfhersteller „J. Clay Socks“ sein Sortiment, und da hat der Insolvenzverwalter bei der Versteigerung des Beckerschen Restvermögens ja noch mal Glück gehabt, dass selbst bei ein paar labberigen alten Socken ein Hammerschlag erfolgen und Geld ins Portefeuille von Beckers Gläubigern spülen konnte.
Schwierig auszusprechen
sind nicht nur die Namen Annegret Kramp-Karrenbauer und Thorsten
Schäfer-Gümbel (oder
heißt der vielleicht doch „Grümbel“, „Grummel“ oder gar
„Kimbel“ – bei Politikern, die so unscheinbar wirken wie ein
Sparkassenfilialleiter in Wiesbaden-Erbenheim, sind ja selbst
eingängige Namen schwer zu merken). Desgleichen recht schwierig zu
artikulieren und ebenfalls orthografisch nur mit Mühe richtig zu
schreiben ist offensichtlich der Name der Kölsch-Band „Klüngelköpp“,
die schon mal versehentlich als „Pimmelköpp“ apostrophiert
wurden, was auf einen Freudschen Versprecher hindeutet, oder vom
BAP-Musiker Wolfgang Niedecken jüngst immerhin fast richtig, aber
eben nur fast, als „Klingelköpp“. Daher ist dem derzeitigen
SPD-Führungsterzett dringend davon abzuraten, sich „Gümbelköpp“
zu nennen, denn wer weiß, was für Namensverwechselungen ihnen dann
blühen.
Bär polyglott –
Unterwegs mit Herrn Bär – – Was gibt es Neues aus Salzburg zu
berichten? Nun,
im dortigen „Sternbräu“ gibt es einen vorzüglichen kalten
Schweinebraten mit Radi und Kren (Meerrettich), und ebenso
empfehlenswert sind im „Restaurant Elephant“ in der Siegfried
Haffner-Gasse die berühmten Salzburger Nockerln, was an dieser
Stelle insofern erwähnenswert ist, als die An- wie Abreise mit der
Deutschen Bahn Herrn Bär wieder einmal das Erlebnis einer
kulinarischen Katastrophe bescherte: Auf der Hinreise hatte man die
Ankopplung des Speisewagens schlicht vergessen. Es gab von Köln bis
Salzburg acht Stunden lang also rein gar nichts gegen Hunger und
Durst. Auf der Rückreise war ein „Bordbistro“ zwar vorhanden,
jedoch war dort das Kühlsystem ausgefallen, ebenso die
Computerkasse, so dass der Büffetier die Rechnung für die wenigen
Bestellungen, die er ungekühlt verkaufen konnte, per Hand auf einem
Zettel addierte, woraufhin eine Bahnkundin ihn fragte: „Ist das bei
Ihnen immer so?“ Der Büffetier antwortete schlagfertig: „Meine
Dame, Sie fahren wohl nicht so oft mit der Deutschen Bahn?“
Man
ahnt, dass man als Kunde der Deutschen Bahn dazu gezwungen wird, sich
gastronomisch und auch sonst zu geißeln und zu kasteien, doch
zwischen Hin-und Rückreise bietet dann gerade Salzburg genügend
Gelegenheiten, zwecks Kompensation solcherlei Zumutungen seitens der
Deutschen Bahn einigen der sieben Todsünden zu frönen, nämlich der
ausufernden Völlerei, Prasserei und Zecherei. Das Wirtshaus Zwettler
hat seine Zielgruppenansprache recht geschickt in der Zeile zusammen
gefasst, es sei für „Denker und Deppen“ gleichermaßen
zugänglich, und dieser originelle Hinweis suggeriert jedem Gast, mit
dem Betreten dieses Wirtshauses erhöhe er den Anteil der Denker,
denn sich selbst stuft ja niemand von vorneherein als Depp ein.
Der
einzige Depp, den Herr Bär in Salzburg tatsächlich wahrnahm, war
lediglich ein junger Mann, der sich ausgerechnet vor dem Friedrich
Schiller-Denkmal an der Universitätsaula bildungsfern und vulgär
gebärdete, indem er quer über den Platz einem anderen Jüngling
hinterher rief: „Ich ficke deine Mutter!“
Ist
man ansonsten in Salzburg von der Freundlichkeit und Höflichkeit der
Einwohner höchst angetan, so muss Herr Bär indes mit klaren Worten
monieren, dass eben unter manchen Kunden der Deutschen Bahn, auch
bisweilen unter den Nutzern von U- und Straßenbahnen, die
Unzivilisiertheit überhand nimmt, insbesondere unter Handybesitzern,
die mit dickfelliger Tumbheit lautstark alle anderen an dem verbalen
Unsinn teilhaben lassen, den sie glauben nicht nur ihrem direkten
Gesprächspartner mitteilen zu müssen. Das ist freilich an
überflüssiger und daher nervtötender Geschwätzigkeit für andere
Fahrgäste bisweilen so unerträglich, dass man im Vergleich dazu
einen etwas ungeschlachten jungen Mann, der es schafft, an einem
lauen Sommerabend vor dem Schiller-Denkmal an der Salzburger
Universitätsaula seine schlichte Weltsicht in dem einzigen Satz „Ich
ficke deine Mutter“ zusammen zu fassen und einem Altersgenossen
hinter her zu brüllen, dann aber immerhin den Mund hält, als das
kleinere Übel empfindet, wenn es gilt, mit dem bekannten
Cicero-Zitat „O tempora, o mores“ den Verfall der Sitten und des
Bildungsniveaus in der heutigen multimedialen Welt der
twitter-fetischistischen und shirtstormwütigen Dummschwätzer zu
beklagen.
Salzburger
Bierfleisch ist
ein gulaschähnliches Gericht mit Rindfleisch, das man in Würfel
schneidet, kurz anbrät, dann gibt man reichlich Zwiebeln und klein
gewürfelte (Knollen)-Selleriestücke und Möhrenscheiben hinzu,
lässt diese Zutaten andünsten, bis man schließlich auch noch
Fleischbrühe, Tomatenmark und dunkles (Bock)-Bier hinzufügt, das
Ganze kurz aufkochen und eine Weile schmoren lässt, bis das Fleisch
weich ist, bevor man mit Salz und Pfeffer würzt und die Würzung
mit frischem Majoran, Thymian und etwas Knoblauch abrundet. Dazu
reicht man Knödel.
Beuschel
kennt Herr Bär noch als Lungenhaschee aus seiner Kindheit, ist aber
in Deutschland heute weitgehend verpönt, wird in Wiener und
Salzburger Traditionslokalen jedoch auch heute noch angeboten. Basis
ist Kalbslunge, oft kombiniert mit Kalb- oder Rinderherz – die
Innereien müssen absolut frisch sein und sollten daher nicht aus
einem Supermarkt, sondern bei einem handwerklichen Metzger besorgt
werden. Das gewürfelte und von allen Röhren entfernte gewürfelte
Fleisch kocht man ca. 1 Std. lang in einem Sud aus Wasser, Essig,
Möhren, Porree, Sellerie, Salz, Pfefferkörnern und einem
Lorbeerblatt und serviert es dann mit Kartoffelknödeln und einer
Sauce aus dem Kochsud, angeschwitztem Mehl, Thymian, Kapern, Crème
fraiche, Weißwein und einem Schuss Essig.
Salzburger Nockerln sind ein Soufflé, das in einer Auflaufform in drei aufgequollenen Hauben aus Eischnee serviert wird; die Hauben stellen die drei Salzburger Berge Mönchsberg, Kapuzinerberg und Gaisberg dar. Eiweiß wird zu Schnee geschlagen, dann mit Eigelb, Mehl und Vanillezucker behutsam verrührt. Aus der Masse werden dann die drei Nockerln ausgestochen und im Backofen in einer Auflaufform bei exakt 230 Grad 20 Minuten lang gegart. Sie müssen dann sofort serviert werden, bevor sie zusammen fallen.
Adana Kebap sind gegrillte Hackfleischspieße in der türkischen Küche aus gewolftem Rind- und Lammfleisch sowie Lammspeck, gewürzt mit Salz, Pfeffer, Paprikapulver, Chilipulver (türkisch „Pul Biber“) , etwas Kreuzkümmel, geriebenen Zwiebeln, klein gehackter Petersilie und ausgepresstem Knoblauch.
Deutsches Beefsteak
ist ein länglich-flaches Hacksteak aus magerem Rindfleisch (im
Unterschied zur Frikadelle, die man mit Schwein- und Rinderhack halb
und halb zubereitet), gegrillt oder in der Pfanne gebraten, vermischt
mit einem in Wasser eingeweichtem altbackenen Brötchen, Ei, Salz,
Pfeffer, geriebener Zwiebel. In der Gastronomie muss das Gericht nach
dem Lebensmittelrecht mindestens 80 Prozent Fleischanteil haben.
Hackfleischbällchen sind ein Klassiker in der mediterranen Küche: in Spanien gehören Albongidas zu den Tapas. Bällchen aus Rinderhack werden mit Salz, Pfeffer, geriebenen Zwiebeln, Knoblauch, Koriander, Kreuzkümmel, etwas Muskat, Petersilie, Ei und Tomatenmark gewürzt, in der Pfanne ca. 10 Minuten durchgebraten und in einer Tomatensauce serviert. Dazu dünstet man in Olivenöl gewürfelte Tomaten an, lässt sie dann in etwas Wasser und Sherry zerkochen und rundet sie mit Tomatenmark, Pfeffer, Knoblauch und Chili ab. In Griechenland heißen solche Hackbällchen aus Fleisch vom Lamm, Kalb und/oder Rind Keftedes, man würzt sie mit Salz, Pfeffer, Zwiebeln, Knoblauch, Minze, Oregano, Kreuzkümmel. In der Türkei nennt man sie Köfte, dazu gibt es rund 290 verschiedene Rezeptvarianten. Würzbasis ist immer Salz, Pfeffer, Knoblauch, Oregano, Kreuzkümmel, Paprikapulver, Pfeffer, Zimt oder Nelkenpulver; in manchen Varianten auch Koriander. In türkischen Supermärkten gibt es auch eine fertige Würzmischung Köfte Baharatı.
Bär aktuell lokal Was Red Bull-Wodka im Hirn eines Politikers anrichten kann, haben wir gerade in Österreich erlebt. Der rheinische Klüngelbruder hält sich daher wohlweislich an Kölsch-Bier. In den traditionellen Brauhäusern reagiert das Bedienungspersonal, „Köbes“ geheißen, allerdings auch äusserst unwillig, wenn man es wagen sollte, etwas anderes zu bestellen. Hier die neuesten Köbes-Sprüche:
Gast: Ich hätte gerne einen Tee.
Köbes: Sag ens, seh ich us wie en Geisha?
oder:
Gast: Ein Mineralwasser bitte.
Köbes: Wat soll dat dann? Willste jetzt deine Leber überraschen?
Gast: Ich hätte gerne eine Flasche Champagner.
Köbes: Hör ens, wir sind ein anständiges Lokal.
oder:
Gast: Bitte einmal Kölsch-Cola.
Köbes: Du bist hier en nem Brauhaus un nit en ner Cocktailbar.
Bär aktuell 267 – 22. Juni 2019
Mit der tief gestürzten
Andrea Nahles empfindet Herr
Bär insofern keinerlei Mitleid, hatte sie doch selbst einst mit
ähnlich brutaler Mobbing-Chuzpe, d.h. höchst intrigant, am Stuhl
ihres Vorgängers St. Martin Schulz gesägt, der sich nun, da sie das
gleiche Schicksal ereilt hat, mit klammheimlicher Freude darüber
einen abjuxen mag, zumal Andrea Nahles mit ihren misslungenen
„Bätschi“-Auftritten sich selbst ein Bein gestellt und damit
ihre Unzulänglichkeit in einem politischen Spitzenamt offenbart hat,
wobei der Fairness halber anzumerken wäre, dass bei der politischen
Konkurrenz „AKK“ von ähnlich bescheidenem Kaliber ist und Herr
Bär sich nicht wundern würde, wenn „AKK“ von ihren
Parteifreunden in Bälde in einer ebenso kaltschnäuzigen Weise
abserviert würde. Den Gipfel an peinlicher Bigotterie bot indessen
erneut der Juso-Vortänzer Kevin Kühnert, der die zwischenmenschlich
miesen Umstände des Nahles’schen Abgangs mit „Ich schäme mich“
kommentierte, denn letztlich war doch gerade er doch einer derjenigen
gewesen, der die Europa-Wahl verbockt und damit Nahles demontiert
hat, weswegen die gemeuchelte SPD-Cäsarin ihm nun zurufen kann:
„Auch du, mein Sohn Brutus“. Was Kevin Kühnert sich aber niemals
trauen würde, wäre Kritik zu üben an der Ikone der
Greta-Gläubigen, die ankündigte, jetzt gar ein ganzes Jahr lang die
Schule schwänzen zu wollen, weil solcherlei Kritik den Graben
zwischen dem verunsicherten Polit-Establishment und der jungen
Youtube-Generation nur noch mehr vertiefen würde, und damit
politisch unkorrekt und vor allem parteitaktisch unbeholfen wäre.
Aber von „bär aktuell“ würde Kevin Kühnert keineswegs verbale
Prügel beziehen, wäre er diesmal wirklich einmal ein standhafter
Linker, der sich über das Privileg der Öko-Schickeria mokieren
würde, dass nämlich die Eltern von Greta Thunberg (Mutter
Opernsängerin, Vater Schauspieler) ihrer Tochter gewiss problemlos
nach einem Jahr medienwirksamen Schuleschwänzen die Nachhilfestunden
bezahlen können, während die marrokanische Obstpflückerin, die
sich für einen Stundenlohn von 2 oder 3 Euro auf einer
pestizidumnebelten Erdbeerplantage in Andalusien abschuftet, froh
wäre, wenn ihre Kinder überhaupt einmal eine Schule besuchen
könnten.
Immerhin gibt es in dieser verheuchelten Welt des Polit-Betriebs noch einen winzigen Lichtblick, nämlich die derzeit kommissarische Ausübung des Vorsitzes in der SPD-Bundestagsfraktion durch Rolf Mützenich, der aus dem Wahlkreis von Köln-Ehrenfeld stammt, wo auch Herr Bär seit 40 Jahren seinen Stimmzettel in die Wahlurne wirft. Als Herr Bär einmal im Bürgerzentrum Ehrenfeld dem Frühlingsfest des SPD-Ortsvereins beiwohnte und einen Kurzvortrag des Genossen Mützenich zur Außen- und Sicherheitspolitik hörte, fand Herr Bär dies intellektuell recht erbaulich (was man bei vielen anderen Politiker-Reden mit ihren ritualisierten Worthülsen eben nicht sagen kann), und auch einen kurzen zweiminütigen persönlichen Small Talk mit Rolf Mützenich am Rande der Veranstaltung hat Herr Bär durchaus in angenehmer Erinnerung. Der Mann hat sich niemals im kölschen Klüngel verschlissen, was gerade in Köln allemal zu loben ist, wo sonst hemmungslose aalglatte Parteikarrieristen aller Couleur mit ihrer Missachtung der Compliance-Regeln einer Parteien- und Politikverdrossenheit Vorschub leisten. Mützenich traut Herr Bär daher eher als dem schwiemeligen Kevin Kühnert zu, in der Politik die nötige Balance zwischen pragmatisch notwendiger Machtausübung und Moral zu finden, mithin auch zwischen technokratisch orientierter Sachpolitik und dem Utopismus derjenigen, die nicht als Naivlinge abgestempelt werden wollen, auch wenn sie sich auf Youtube zwischen den Uploads der Schminktipps 15jähriger Gören und den betulichen Hobby-Musikern tummeln, die in ihrem Partykeller beim Intonieren von „La Paloma“ mit dem Akkordeon nicht immer den richtigen Ton treffen, aber unverfroren genug sind, dies dann auch noch mit einem Handy-Video aufzunehmen und in den sozialen Medien zu posten.
Jürgen Raap, „Die magische Mauer von Mahares“, Acryl und Öl auf Leinwand, 2019
Bär aktuell Nr. 264 – 3. Mai 2019
Den Fanatikern der „Sprachhygiene“ und der „Sprachüberwachung“ las in einem „Spiegel“-Interview der Theaterdramaturg und Aktivist Bernd Stegemann kürzlich gehörig die Leviten, und als Mitbegründer der linken Sammlungsbewegung „Aufstehen“ ist Stegemann ganz gewiss über jeden Verdacht erhaben, wie ein Rechtspopulist verbal auf die Political-Correctness und die von deren Protagonisten losgetretene „Dialektik der Empörungsindustrie“ einzudreschen: „Wenn Linke meinen, Menschen moralisch erziehen zu müssen, sind sie auf dem Holzweg“, sagt Stegemann zu dem Dogma vermeintlicher Gutmenschen, „wenn sich jemand von einer Bezeichnung gekränkt fühlen könnte“, dann müsse dieses Wort „unbedingt vermieden werden“.
Über den Firmennamen „Mohren-Apotheke“ hat sich nämlich bislang noch kein Afrikaner beschwert, wohl aber die eifernden nicht-mohrigen Sprachhygeniker. Wohlgemerkt: es soll und darf niemand durch unziemlichen Sprachgebrauch herabgewürdigt oder diskriminiert werden, findet auch Herr Bär. Aber wie der linke Theaterprofessor Bernd Stegemann, so lehnt auch Herr Bär gleichzeitig ebenso die „absolute Forderung ab“, dass das Opfer einer Bezeichnung oder gar einer Beschimpfung „immer recht hat. Wer ihm widerspricht oder das subjektive Empfinden“ des Bezeichneten oder Beschimpften anzweifelt, „hat sich schon ins Unrecht gesetzt. Das ist eine interessante Umdrehung der Machtverhältnisse, weil nunmehr allein das Opfer darüber entscheidet, wodurch es zum Opfer geworden ist und wie sich die Gesellschaft ihm gegenüber zu verhalten hat“.
Das lehnt auch Herr Bär ab. Er setzt als ein linksbürgerlicher Bohemien einer solchen Umkehrung der Machtverhältnisse selbstbewusst entgegen: Wer sich von mir beleidigt fühlen darf, entscheide immer noch ich!
In der Soziolinguistik kennt man das Fallbeispiel, dass beim Sprechakt der „rituellen Beschimpfung“ ein Afro-Amerikaner zu einem anderen durchaus „Du Nigger“ sagen darf, aber nicht ein Weißer zu einem der beiden. Manchmal eskaliert die rituelle Beschimpfung aber auch unter denjenigen, die sich gleichermaßen in der gesellschaftlichen Opferrolle sehen – kürzlich kam es in Berlin zu einer Massenschlägerei zwischen den Anhängern zweier Rapper, die sich via Youtube im Unterschichten-Jargon gegenseitig Verbalinjurien an den Kopf geworfen hatten – die etwas einfältige Gefolgschaft dieser beiden Rapper hatte schlichtweg nicht begriffen, dass das Prinzip der „rituellen Beschimpfung“ in jenen Kreisen einer martialisch zelebrierten Hiphop-Kultur eben darin besteht, in vulgärer Weise die Beleidigung mit einer noch größeren solchen zu kontern und dann wieder einen drauf zu setzen.
Auch der Hellhäutige bzw. der Europäer kann sich heut zu Tage wie in der von Bernd Stegemann beschriebenen Opferrolle fühlen, wenn man ihn – was ja inzwischen leider Mode geworden ist – als „alten weißen Mann“ beschimpft, was dann schon mal von feministischer Seite zu der Frage führt: „Und was ist mit den alten weißen Frauen?“ Sind die nun Opfer des Patriarchats oder global auch „Täter*innen“ (sic!) in der Unterdrückung und Ausbeutung all derjenigen, die nicht weiß und jünger sind?
„Die sogenannte Identitätspolitik blendet ökonomische Verhältnisse“ aus, meint der marxistisch versierte Aktivist Stegemann, und da hat er durchaus recht: Glauben die Anhänger der Political Correctness allen Ernstes, der Kapitalismus werde über Nacht abgeschafft oder zumindest die Ausbeutung der Dumpinglohn-Arbeiterinnen in den maroden Textilfabriken von Bangladesh, wenn in den Vorstandsetagen westlicher Textilkonzerne künftig nur noch junge schwarze Managerinnen das Sagen hätten und nicht mehr „alte weiße Männer“, und man diese Führungskräfte dann politisch korrekt als „Chefi*innen“ bezeichnen würde? Bernd Stegemann konstatiert, es „entbrennt“ nun „ein Kampf um die besten Plätze in der Opferhierarchie… auch unter weißen Männern können sich viele in einer Opferposition befinden, als Ausgegrenzte, Arbeitslose oder prekär Beschäftigte…“
Über die Haarmode des „Undercuts“ mit kahl geschorenen Schläfen hat Herr Bär sich an dieser Stelle schon mehrfach mokiert – trug doch Heinrich Himmler in den 1930er Jahren das Haar an den Seiten ähnlich kurz getrimmt, weshalb in den Augen von Herrn Bär diese heutigen „Undercut“-Frisuren bisweilen etwas Machohaft-Faschistoides ausstrahlen, wobei dieser Heinrich Himmler- Haarschnitt allerdings zumeist in Kreisen verbreitet ist, die vermutlich gar nicht wissen, wer Heinrich Himmler eigentlich war. In anderer Hinsicht zu belächeln ist indessen das Erscheinungsbild des 28jährigen CDU-Jünglings Philipp Amthor, der mit seinem straff gekämmten Seitenscheitel-Haarschnitt aussieht wie ein Konfirmand in den 1950er Jahren. Allerdings hat sein Stilberater ihm zu dieser Frisur die falsche Brille verpasst, nämlich so ein viel zu amerikanisch-modern aussehendes Gestell. Zu einem Philipp Amthor-Haarschnitt passt besser die klassische AOK-Kassenbrille der 1970er Jahre, findet Herr Bär, so ein klobiges Gestell, wie es damals unter westdeutschen Rentnern Standard war. Damit gäbe es garantiert ein paar tausend ebenfalls modisch verwirrte Follower mehr auf facebook. Richtig „stylisch“ wirkt man als Philipp-Amthor-Fan mit dieser Frisur und solch einer Erich Honecker-Brille freilich erst dann, wenn man dazu auch noch knarzig-stinkende Zigarren der Marke „Deutsche Jagd“ „Weiße Eule“ oder „Handelsgold“ raucht und nicht diesen neumodischen E-Zigaretten-Kram.
Bildstrecke „Bär aktuell spezial“: „Rhein in Flammen“ 2019, Fotos: Copyright Raap/Bär 2019 – alle Rechte vorbehalten
Rhein in Flammen, Copyright: Raap/Bär 2019
Bär aktuell 265 – 8. Mai 2019:
Sich das Feuerwerksspektakel „Rhein in Flammen“ zwischen Bad Hönningen und Bonn von einem Ausflugsdampfer aus anzuschauen lohnt sich insofern, als einem hier eine musikalische Begleitung durch die notorischen „Höhner“ erspart bleibt, die ansonsten in Köln immer derlei volkstümliche Events mit Rumtata-Stimmungskrachern zu beschallen pflegen. Doch in Bonn ist 2019 Beethovenjahr, und so spielen sie dann zu einem Feuerwerk in Bonn natürlich eine Musik ab, die sich für ein Publikum, das sonst nur an die „Höhner“ gewöhnt ist, zumindest so ähnlich anhört wie Beethoven. Es war also ein wunderbarer Abend, nur etwas eingetrübt durch die Tatsache, dass sie auf diesem Ausflugsdampfer die Sauce zum Zwiebelrostbraten aus Tütenpulver zusammen gerührt hatten und man dazu ein Industriebier aus dem Ruhrgebiet und kein Kölsch gereicht bekam.
Zu Wahlkampfzeiten finden sich als Kandidaten bei den Splitterparteien immer allerlei Verrückte, Querulanten und Sonderlinge ein, und in dieser Hinsicht ist auf die SPD auch im aktuellen Europa-Wahlkampf Verlass – sie findet nämlich immer einen, der es schafft, ihr den Wahlerfolg gründlich zu versemmeln. 2013 verprellte Peer Steinbrück die Grauburgunderfreunde unter dem sozialdemokratischen Facharbeiter-Stammwählerpublikum mit der Überheblichkeit, ein Wein, der weniger als 5 Euro koste, sei ungenießbar. 2017 wurde alsdann St. Martin Schulz zum neuen Messias ausgerufen, scheiterte jedoch beim Versuch, Wasser in Wein zu verwandeln. Warum das misslang, kann man beim Internetauftritt von Schulzens Heimatort unter „Serviceportal Stadtverwaltung Würselen“ nachlesen, wo es bei der Rubrik „Kleinkläranalagen und Abortgruben“ heißt: „Stichwort nicht gefunden? Schreiben Sie uns bitte!“ Bei Schulzens Versuch, ein biblisches Wunder zu zelebrieren, hat mithin die Kläranlage von Würselen aus Abwasser noch nicht einmal die Verwandlung in einen hefetrüben Wein hervor gebracht. Aber vor dessen geringer Trinkqualität hätte Peer Steinbrück uns ohnehin gewarnt. So ließen denn die SPD-Wahlkampfmanager im aktuellen Europa-Wahlkampf diesmal lieber keinen Weinkenner oder sozialdemokratischen Jesus-Wiedergänger, sondern stattdessen einen durchgeknallten Milchbubi von der Leine, nämlich den Juso-Vorturner Kevin Kühnert mit seinen verschrobenen Enteignungsphantasien: vier Wochen vor der Europawahl forderte er allen Ernstes die Umwandlung des BMW-Konzerns in einen volkseigenen Betrieb. Wo im aktuellen Wahlkampf sonst nur die sektiererische MLPD beinhart mit dem skurillen Slogan „100 Jahre Oktoberrevolution“ um Stimmen für den Einzug ins EU-Parlament wirbt, glaubt nun dieser schrullige Kevin Kühnert ausgerechnet mit seinem Herumbalzen für die Einführung nordkoreanischer Verhältnisse und ihrer Miss- und Mangelwirtschaft auch bei uns, eine massive Wählerwanderung von der MLPD oder der DKP (doch, die gibt’s wirklich noch) zur SPD erreichen zu können. Was Kühnert dabei übersieht: kaum ein gut verdienender und bislang mit der SPD sympathisierender Industriemeister wird gerne zehn Jahre lang auf die Zuteilung eines BMW warten wollen wie weiland auf einen Trabi oder einen „Wartburg“ in der untergegangenen DDR.
Bär aktuell 266 – 22. Mai 2019
Wenn einer „Schweinske“
heißt und ein Imbiss-Restaurant im Kölner Hauptbahnhof aufmacht,
dann
erwartet man natürlich von ihm, dass da nicht einer am Herd steht
und in einem Wok voller Tofu-Würfel herum rührt. In der Tat hat
Herr Schweinske sein Etablissement als Schnitzel-Paradies konzipiert:
Nomen est omen. So weit so gut. Allerdings reagierte Herr Bär etwas
verstört, als er erfuhr, dass man sich hier über einen
„Schnitzelbaukasten“ hermachen könne – Herr Bär möchte sich
sein Schnitzel allerdings nicht selber zusammen bauen müssen,
sondern bevorzugt ein kompakt herausgeschnittenes Stück aus der
Oberschale des Schweins.
Neulich lief auf RTL II nachts um drei ein politisch korrekter Horrorfilm, dessen Leitmotiv der Kannibalismus ist Zwischendurch gab’s eine Dauerwerbesendung mit leicht bekleideten Blondinen, die sich auf einem Bett räkelten und beim Text „Ruf doch mal an, nur 69 Cent die Minute“ die Betonung immer an der falschen Stelle setzten. Das erinnerte Herrn Bär an die FDP-Generalsekretärin Linda Teuteberg, die sich zwar nicht nachts in TV-Werbespots leicht bekleidet auf einem Bett herumräkelt, jedoch bei einer Parteitagsrede bei dem Satz „Wir von der FDP müssen liberaler werden“ auch die Pausen immer an der falschen Stelle macht. In dem politisch korrekten Horrorfilm geraten zwei Bankräuber auf der Flucht in ein abgelegenes Hotel. Sie wissen nicht, dass der Hotelier seine Gäste umbringt, ihre Leichen zerteilt, dann kocht und anschließend den später eingetroffenen anderen Gästen als Abendmenü vorsetzt, so auch den beiden Bankräubern. Der eine sagt: „Das schmeckt aber gut“, und der Wirt erklärt: „Das ist ja auch in Schweinefett gekocht“. Der andere Bankräuber schiebt daraufhin angewidert den Teller von sich und meint: „Ich bin Moslem, ich esse kein Schweinefleisch“. Darauf der Wirt: „Sie können beruhigt sein. Das Fleisch selbst ist nicht vom Schwein“. Nun
ja, gegen ein Drehbuch mit solchen Dialogen hätte auch beim
öffentlich-rechtlichen TV der Rundfunkrat gewiss nichts einzuwenden
gehabt.
Einen
rechten Schildbürgerstreich leisteten sich die Grünen in
Berlin-Köpenick mit
dem Beschluss, in der Rathauskantine solle künftig nur noch
regionales Bio-Essen aus fairem Handel angeboten werden, darunter
auch ein vegetarisches Menü pro Tag. Der Haken dabei: das Rathaus
hat noch gar keinen Kantinenbetrieb. Noch fehlt der Pächter,
frühestens 2020 soll die Kantine öffnen, doch das ist höchst
ungewiss, denn wenn man weiß, wie lange sie in Berlin brauchen, um
einen Flughafen zu bauen, dann liegt Herr Bär nicht falsch mit
seiner Prognose, dass wohl noch mehrere Generationen von
Rathausbediensteten bei ihrer Mittagspause auf Currywurst aus fairer
Fleischproduktion verzichten müssen.
Essen
und Trinken mit Herrn Bär:
Wiener Schnitzel
Die „Wiener Panierung“ besteht aus Semmelbrösel, Ei
und Mehl und die „Mailänder Panierung“ aus Parmesan und
Weißbrotbrösel ohne Rinde. Beim „Pariser Schnitzel“ besteht die
Panade nur aus Ei und Mehl. Beim klassischen Wiener Schnitzel
serviert man zwei kleine dünne, weich geklopfte panierte Scheiben
aus Kalbfleisch, es wird in einem lokalen Kochbuch erstmals 1831
erwähnt. Ob es auf das italienische „Costoletta alla Milanese“
zurück geht, ist umstritten. In Wien hat man zu diesem Schnitzel
früher traditionellerweise nur gekochte (Petersilien)kartoffeln,
dazu grünen Salat oder Gurkensalat, oder nur Kartoffelsalat
serviert. Schweineschnitzel und Pommes frites als Beilagen kamen erst
später auf. Ob man das Mailänder Schnitzel (als Variante des
Mailänder Koteletts) mit einer Sardelle serviert oder nicht, ist vom
Ur-Rezept her nicht überliefert. In der Gastronomie kennt man
Piccata Milanese als mit Käse paniertes Kalbsschnitzel mit Nudeln
und Tomatensauce.
Currywurst
Ob die Currywurst 1949 von der Berliner Gastronomin Herta Heuwer
erfunden wurde oder etwa zeitgleich im Ruhrgebiet, wie andere
Stimmen behaupten, kann man heute nicht mehr genau verifizieren. Für
die geschmackliche Abstimmung des klassischen Currysaucen-Rezepts
haben aber wohl der Berliner Schlachter
Max Brückner und sein Partner Frank Friedrich einen wesentlichen
Beitrag geleistet. Für die Wurstqualität ist seit den 1950er Jahren
in Berlin behördlich vorgeschrieben, dass das Fleischbrät nicht
gepökelt und nicht geräuchert sein und nur maximal 5 Prozent
Fremdwasserzusatz enthalten darf. Wer die Currysauce zu Hause selber
herstellen will, der brate klein gehackte Zwiebeln in Olivenöl kurz
an, bis sie glasig sind, gebe Tomatenmark und Wasser hinzu, außerdem
Salz, mildes Ketchup, etwas Honig, Balsamicoessig, Sojasauce oder
Worchestershoresauce, Currypulver, indisches Garam Masala und ein
wenig Chilipulver oder Tabasco, oder aber auch Cayennepfeffer und
Paprika in Pulverform.
Koreanische
Reistafel „Gerhard Schröder“
Einmal koreanisch speisen wie der Altbundeskanzler: Kimchi – ein Klassiker in der koreanischen Küche: marinierter Chinakohl, erst ein paar Stunden in Salzwasser eingelegt und dann zum weiteren Fermentieren mit einer Mischung aus Rettich, Ingwer, Knoblauch und Chilipaste vermengt, manchmal auch mit Gurke und Lauch. Mariniert wird auch geschnetzeltes Rindfleisch Bulgogi in einer Marinade aus süßer Sojasauce, Frühlingszwiebeln und diversen Gewürzen, das man dann am Tisch grillt und zusammen mit Reis isst. Ähnlich bereitet man auch marinierte Schweine- oder Rinderrippchen Galbi am Tisch zu – die Rippchen muss der Metzer allerdings vorher quer zum Knochen in dünne Scheiben zerteilen. Die Marinade besteht aus Ingwer, frischem Knoblauch, schwarzem Pfeffer, klein gehackten Zwiebeln, Sojasauce, Sesamöl und etwas Wasser. Gimbap sind Reisröllchen, ähnlich den japanischen Sushi, mit einer Füllung aus Fleisch, Garnelen, Hühnchen oder auch vegetarisch. Pajeori ist Lauchzwiebelsalat, für den man die in schmalen Streifen geschnittenen Lauchzwiebeln ca. 15 Min. lang wässert, damit sich die Schärfe verliert, und dann in einer Sauce aus Sesamöl, Sesamkörner, Chilipaste und Reisessig vermengt. Den Rettichsalat Musaengchae richtet man zusammen mit Apfelstreifen oder Birne an, vermengt mit Fischsauce, Sesam, Chili und Frühlingszwiebeln. Oi Muichim ist koreanischer Gurkensalat, angerichtet mit Sojasauce, Chilipulver, Knoblauch, Reisessig, Zwiebeln, etwas Honig und Sesamöl. Pak Choi-Salat bereitet man mit chinesischem Senfkohl zu, den man mit koreanischer Sojabohnenpaste, Maissirup, Knoblauch und Sesamöl vermengt. Einen Bärlauch-Spinat-Salat bereitet man zu, indem man Wasser mit Sojasauce, etwas Honig und Reisessig aufkocht und über Bärlauch- und Babyspinatblätter gießt und dann erkalten lässt. Hobak Bokkeum sind scharf angebratene Zucchinischeiben, die man mit fermentierten Krabben oder Fischsauce in Sesamöl anbrät, zusammen mit Zwiebeln und Knoblauch und die man dann mit Sesamkörnern bestreut.
Küchentechnische Begriffe: „braten“ (trockenes Garen bei starker Hitze, ruft durch diesen Vorgang an der Oberfläche durch eine Verbindung von Eiweiß, Fett und Zucker eine Bräunung hervor), grillen (braten in Wärmestrahlung auf einem Rost), „braisieren“ (schmoren), „legieren“ (mit Eigelb und Sahne abbinden), „pochieren“ (garziehen) oder „poelieren“ (hellbraun dünsten).
Farcierte Wachteln „Alois Senefelder“ Farcieren nennt man in der französischen Küche das Füllen von Fleisch oder Geflügel; in diesem Falle ist es eine Farce aus Schweinehack, klein gehackten Zwiebeln, zerkleinerten braunen Champignons und Morcheln (getrocknete Morcheln gibt es ganzjährig, man weicht sie vorher 15 Min. in Wasser ein), gewürzt mit Salz, Pfeffer, einer Prise grünem Curry, frischem Bärlauch und Thymian. Die Wachteln reibt man dann mit Knoblauchöl ein und lässt sie 45 Min. im Backofen garen.
Kalbsmilcher/Kalbsbries ist die Thymusdrüse des Kalbs aus dem Brustkorb. Das Fleisch hat eine ähnliche Struktur, aber eine festere Konsistenz als Hirn. Das Bries sollte vor der Zubereitung zwei Stunden gewässert werden. Ein typisches Gericht der französischen Küche ist Kalbsbries mit Trüffeln und Spargelspitzen.
Gervais ist ein französischer Frischkäse aus pasteurisierter Kuhmilch mit etwas Rahm; er wird als zylinderförmiges Törtchen angeboten. In Frankreich nennt man ihn auch „Petit suisse“ (kleiner Schweizer); aber er stammt ursprünglich aus der Normandie und wurde dort um 1850 von Charles Gervais auf den Markt gebracht.
Eine Woche vor den Europa-Wahlen fanden in vielen europäischen Städten Großdemos „Ein Europa für Alle – Deine Stimme gegen Nationalismus!“ statt. Allein in Köln kamen 45.000 Teilnehmer zu der Kundgebung der Musiker- und Künstlerinitiative „Arsch huh-Zäng useinander“ (kölsch für: „Hintern hoch – Zähne auseinander“). Hintersinniger Witz zum Mitdenken der karnevalistischen „Stunksitzungs“präsidentin Biggi Wanninger im Bühnenprogramm: „Ich habe meinen Nachbarn gefragt: Wieso jehste am nächsten Sonntag nit wählen? Aus Unkenntnis oder aus Desinteresse? Hat der jeantwortet: Ich weiß et nit, un et is mir och ejal“. Immerhin prognostizieren seriöse politologische Analysen, im neuen Europa-Parlament könnte eine Fraktion der Rechtspopulisten mit einem Stimmenanteil von etwa einem Drittel künftig eine Blockadepolitik betreiben – um das zu verhindern, ist mithin eine hohe Wahlbeteiligung zugunsten demokratischer Parteien entscheidend. Einen Tag nach der Veröffentlichung eines Videos, in welchem der bisherige österreichische Vizekanzler und FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache in einem Gespräch mit einer angeblichen russischen Oligarchen-Nichte über das Aufkaufen einer Boulevardzeitung, Umleitung von Parteispenden und von Staatsaufträgen daher schwadronierte und dabei eine zutiefst undemokratische Gesinnung und Bereitschaft zur Korrumpierbarkeit offenbarte, daraufhin zurücktreten musste und Bundeskanzler Sebastian Kurz mit der Bemerkung „Genug ist genug“ Neuwahlen für den Herbst ausrief, sammelte die Künstlerin Siglinde Kallnbach auf dieser Kölner Kundgebung Unterschriften für ihr Projekt „a performancelife“ unter eben jenem Slogan „Genug ist genug – nicht nur in Österreich“. Das tatsächlich Perfide an dem Skandal-Video ist ja die Tatsache, dass sich der Politiker Strache in seiner Rücktrittserklärung auch noch als ein „Opfer“ stilisierte, das durch ein fingiertes Interview hereingelegt wurde. Dabei spielt es angesichts von Heinz-Christian Straches höchst ungeheuerlichen Äusserungen nun wirklich keine Rolle, ob womöglich für „Verstehen Sie Spaß?“ mit versteckter Kamera gefilmt wurde, ob vielleicht undercover von „Team Wallraff“ recherchiert wurde, ob eventuell von einem Geheimdienst eine Falle gestellt wurde oder – wie in den Sozialen Medien auch derzeit äusserst wüst spekuliert wird – gar vom Satiriker Jan Böhmermann oder der Berliner Theaterkünstlertruppe „ZPS-Zentrum für politische Schönheit“. Unabhängig vom Zustandekommen des Videos analysierte Werner J. Patzelt, Professor für Politologie an der TU Dresden, Heinz-Christian Straches durch das Video entlarvte mangelnde charakterliche Eignung für öffentliche Ämter im Berliner „Tagesspiegel“ und mahnte die gleichfalls korruptionsanfälligen Klüngelbrüder andernorts, aus ihrem Glashaus jetzt nicht allzu selbstgefällig mit Steinen zu werfen: „Straches Auftritt in der Ibiza-Villa hat weniger mit rechtsradikalen oder völkischen Haltungen zu tun als mit politischer Hintertriebenheit und der Neigung zu arroganter Manipulation auf Korruptionsbasis. Derlei dürfte in den höheren politischen Rängen von nicht wirklich ethisch gefestigten Parteien immer wieder vorkommen.“ Text: Copyright Bär/Raap 2019
Siglinde Kallnbach, „a performacelife“ bei „Arsch huh“-Kundgebung, Köln, Mai 2019, Foto: Copyright Bär/Raap 2019Kundgebung „Arsch huh“, Köln, Mai 2019, Foto: Copyright Raap/Bär 2019
Siglinde Kallnbach, „aperformanecelife“ bei „Arsch huh“-Kundgebung, Köln, Mai 2019
Als Witze über Doppelnamen salonfähig wurden, ahnte Maximilian Geiz, wenn er seine Verlobte Hannelore Hals ehelichte, dann doch lieber auf einen Doppelnamen verzichten zu wollen, der das Ehepaar Geiz-Hals nur dem Gespött der Leute preis gegeben hätte. Stattdessen nannte er sich fortan „Mäc Geiz“, weil das irgendwie schottisch klang, und machte in der neuntgrößten Stadt Hessens unter diesem Namen einen Ramschladen auf.
Da Witze über „AKK“ unterdessen als abgeschmackt gelten, sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass auch der Name „Thorsten Schäfer-Gümbel“ schwer auszusprechen ist und man den Politiker deswegen der Einfachheit halber „TSG“ nennt. Das klingt wie die Abkürzung eines Sportvereins, doch „TSG“ lässt leider jenen sportlichen Ehrgeiz vermissen, mit dem einst der britische Skispringer Michael Edwards alias „Eddie the eagle“ immer wieder von neuem bei Wettbewerben antrat, bloß um jedes Mal letzter zu werden, es auf diese Weise jedoch beim Publikum imagemäßig zum „Eddie der Herzen“ brachte. TSG hingegen wirft schon nach drei verlorenen hessischen Landtagswahlen das Handtuch, zieht sich nun schmollend aus der Politik zurück und wird demnächst Personalvorstand bei der bundeseigenen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ). Den Eindruck, Schäfer-Gümbel sei dort angesichts seiner bisher eher dürftigen Leistungsbilanz reichlich überbezahlt, kommentierte die BILD-Zeitung mit den Worten: „200.000 Euro Jahresgehalt: Spitzenjob als Belohnung für Wahlverlierer!” Auch Herr Bär findet, mit seinem vorbildhaften Sportsgeist hätte jemand wie „Eddie the eagle“ diesen hochdotierten Job eher verdient gehabt als ausgerechnet TSG, dem der Aufsichtsrat der GIZ am 5. April 2019 den goldenen Handschlag verpassen will.
Nach ihrer dritten Abstimmungsniederlage über den
Brexit-Vertrag hat Theresa May mit Thorsten Schäfer-Gümbel in
Sachen Pleiten, Pech und Pannen gleichgezogen und
auch schon mal ihren Rücktritt angeboten, offiziell aber für die
nähere Zukunft noch keinen 200.000 Euro-Job in Aussicht, weshalb
Herr Bär sich fragt: Schäfert die noch, oder gümbelt die auch
schon? Wobei noch anzumerken wäre, dass man bei der
Kindervorstellung im Kölner Hänneschen-Theater als Zuschauer immer
weiß, worum es in der Handlung der burlesken Schwänke geht, bei der
derzeitigen Debattenkultur im britischen Unterhaus hingegen nicht,
die aber ansonsten durchaus einer solchen Kindervorstellung gleicht,
mal von der traditionellen Blasiertheit der englischen Tories
abgesehen, die dem leutseligen Wesen des Rheinländers fremd ist.
Franz-Josef Degenhardt
besang einst das „Argument der Straße“. Wie
dort auf der Straße heut zu Tage mit Farben argumentiert wird,
brachte jüngst die Kabarettistin Lisa Eckhart in der Sendung „Nuhr
im Ersten“ auf den Punkt: „Erst kamen die Gelbwesten, und jetzt
die Grünschnäbel“. Mit letzteren meinte sie die
schuleschwänzenden Pennäler, deren Freitags-Demos pro Klimaschutz
der Redakteur Jan Fleischhauer im „Spiegel“ kürzlich nicht ganz
unzutreffend als „Betreutes Protestieren“ beschrieb, da dieses
Protestieren nämlich den Beifall auch vieler Erwachsener fände,
sogar den von Angela Merkel, was insofern paradox ist, da sich die
Proteste ja eigentlich gegen die Untätigkeit der Erwachsenen
richten. Fehlt eigentlich nur noch, dass auch noch der in den Augen
von Herrn Bär reichlich bigott wirkende Mark Zuckerberg an den
Schüler-Demos mitverdient, indem er deren Facebook-Postings mit
Bildern von ihren Demos mit seinen blöden Werbebannern garniert,
oder dass Greta Thunberg auf „Youtube“ neuerdings als
Influencerin für skandinavische Pudelmützen posiert: „Hello Kids!
Geht auch Ihr ab heute nur noch mit der megacoolen Greta
Thunberg-Pudelmütze zur Friday for Future-Demo! Nur 39,99 Euro beim
absolut krassen Pudelmützenhändler Eures Vertrauens! Mit Wolle
garantiert nur aus veganer Schafzucht! Zwei Prozent aller
Mützenverkäufe gehen an einen wohltätigen Zweck zur Rettung der
veganen Schafe, der Rest an Google LCC, dem Inhaber von youtube!
Bringt Euer Taschengeld mit! Und nicht vergessen, Kids: Klickt beim
Hashtag ‚Greta Thunberg-Pudelmütze‘ immer wieder den ‚I like it-
Button‘-an! Oh, yeah, Kids, ich liebe Euch! Euer Mark Zuckerberg,
Euer Google-Vorstand und Euer Inhaber von Mützen-Mannis
Mützenversand in Köln-Mauenheim! P.S.: Bestellt Eure
Greta-Thunberg-Pudelmützen nur über Amazon oder direkt bei
Mützen-Mannis Mützenversand!“ So funktioniert der
Protest-Kapitalismus im digitalen Zeitalter! Das sollte man als
protestierender Schüler wissen, wenn man den Beifall der Erwachsenen
erheischen will. Egal, ob man sich von seinen Eltern in deren SUV zur
Demo fahren lässt oder mit dem E-Tretroller kommt. Wozu man aber
überhaupt noch eine Pudelmütze braucht, wenn es durch den
Klimawandel doch immer wärmer wird, haben diese Halunken uns
wohlweislich verschwiegen.
20
Jahre lang war der Rosenverkäufer „Rosen-Bobby“ eine Institution
im Kölner Nachtleben, bevor er zu „Wurst-Willi“ mutierte. Unter
dem Namen „Wurst-Willi“ machte er nämlich eine Wurstbude in der
Kölner Hornstraße auf, inmitten der beiden Bordell-Kasernen dort.
Die Spezialität: Es gibt ein „Außenwaschbecken“ für Gäste,
die nach dem Besuch eines der beiden Lustbunker nicht aufs Klo,
sondern sich nur die Hände waschen wollen, bevor sie zur Bockwurst
greifen, denn man hat ihnen von Kindesbeinen an eingebläut: „Nach
dem Puff und vor dem Essen, Hände waschen nicht vergessen“.
Kalbskotelettes „Braunsfeld“ Kalbskoteletts in Öl und Pfeffer marinieren, in Olivenöl scharf anbraten, salzen, die Hitze herunter schalten, Zwiebeln und Steinpilze mitdünsten, Knoblauchbutter hinzufügen; wenn diese zerlaufen ist, etwas Milch oder Sahne und ein Lorbeerblatt hinzufügen, frischen Meerrettich einreiben, kurz aufkochen lassen und zum Schluss kurz vor dem Servieren noch frische Salbeiblätter einstreuen.
Entenschenkel mit Apfelsauce und pommes grenailles à la Karl-Josef BärEntenschenkel salzen und pfeffern, in einer Backform im vorgeheizten Backofen bei 200 Grad kross backen. Etwas Suppengemüse in Salzwasser weich dünsten. Dann das ausgelassene Entenfett aus der Backform abschöpfen, in eine Pfanne geben, Zwiebeln, 1 gehackte Knoblauchzehne und klein geschnittene Apfelstücke andünsten, das Suppengrün, grüne Oliven, Rosmarin und Thymian hinzugeben, mit Rotwein, Sherry oder Weinbrand und Worchestershiresauce abschmecken und crème fraiche unterrühren. Pommes grenaillessind Pellkartoffeln auf französische Art: die ungeschälten Kartoffeln brät man in einer Auflaufform in Olivenöl kurz an, lässt sie dann bei schwacher Hitze in einer Auflaufform mit ungeschälten Knoblauchzehen, ein paar Pfefferkörnern und einem Lorbeerblatt 40 Minuten lang weiter dünsten, bis sie weich sind und zum Schluss fügt man etwas Salz hinzu.
Grüner Spargel wird nicht geschält (höchstens die dickeren Stangen an deren Ende, wenn sie sich holzig anfühlen) und nur höchstens 8 Minuten lang gekocht, sonst werden die Stangen matschig. Weil er etwas bitterer schmeckt als weißer Spargel, gibt Herr Bär bei grünem Spargel immer noch einen winzigen Klacks Honig in das Salzwasser und reibt auch etwas Zitronengras hinein… Das Wasser gießt man dann ab, schwenkt die Spargelstangen im Topf kurz in Butter, bis diese zerlaufen ist, gibt klein gehacktes gekochtes Ei hinzu, streut noch drei bis vier Blätter zerhackten frischen Bärlauch hinein und serviert den Spargel mit Wacholder- oder Rosmarinschinken; dazu passt gut ein trockener oder auch feinherber Mosel-Riesling.
Pommes Dauphine bezeichnen in Frankreich die Speise des königlichen Thronfolgers – es sind krokettenähnliche Bällchen, für die man Krokettenmasse (gekochte und zerstampfte Kartoffeln mit Eigelb, Butter, Muskatnuss) und Brandteig mischt (letzterer besteht aus Fett, Mehl, Stärke und Flüssigkeit, d.h. Wasser oder Brühe, und wird in Wasserdampf erhitzt). Dann formt man daraus Bällchen, die dann mit Mehl, Ei und Paniermehl paniert und in heißem Öl frittiert werden.
Bär aktuell 263 – 22.
April 2019
Franz-Josef Degenhardt
besang einst das „Argument der Straße“. Wie
dort auf der Straße heut zu Tage mit Farben argumentiert wird,
brachte jüngst die Kabarettistin Lisa Eckhart in der Sendung „Nuhr
im Ersten“ auf den Punkt: „Erst kamen die Gelbwesten, und jetzt
die Grünschnäbel“. Mit letzteren meinte sie die
schuleschwänzenden Pennäler, deren Freitags-Demos pro Klimaschutz
der Redakteur Jan Fleischhauer im „Spiegel“ kürzlich nicht ganz
unzutreffend als „Betreutes Protestieren“ beschrieb, da dieses
Protestieren nämlich den Beifall auch vieler Erwachsener fände,
sogar den von Angela Merkel, was insofern paradox ist, da sich die
Proteste ja eigentlich gegen die Untätigkeit der Erwachsenen
richten. Fehlt eigentlich nur noch, dass auch noch der in den Augen
von Herrn Bär reichlich bigott wirkende Mark Zuckerberg an den
Schüler-Demos mitverdient, indem er deren Facebook-Postings mit
Bildern von ihren Demos mit seinen blöden Werbebannern garniert,
oder dass Greta Thunberg auf „Youtube“ neuerdings als
Influencerin für skandinavische Pudelmützen posiert: „Hello Kids!
Geht auch Ihr ab heute nur noch mit der megacoolen Greta
Thunberg-Pudelmütze zur Friday for Future-Demo! Nur 39,99 Euro beim
absolut krassen Pudelmützenhändler Eures Vertrauens! Mit Wolle
garantiert nur aus veganer Schafzucht! Zwei Prozent aller
Mützenverkäufe gehen an einen wohltätigen Zweck zur Rettung der
Schafe, der Rest an Google LCC, dem Inhaber von youtube! Und nicht
vergessen, Kids: Klickt beim Hashtag ‚Greta Thunberg-Pudelmütze‘
immer wieder den ‚I like it- Button‘-an! Oh, yeah, Kids, ich liebe
Euch! Euer Mark Zuckerberg, Euer Google-Vorstand und Euer Inhaber von
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Mützen-Mannis Mützenversand!“ So funktioniert der
Protest-Kapitalismus im digitalen Zeitalter! Das sollte man als
protestierender Schüler wissen, wenn man den Beifall der Erwachsenen
erheischen will. Wozu man aber überhaupt noch eine Pudelmütze
braucht, wenn es durch den Klimawandel doch immer wärmer wird, haben
diese Halunken uns wohlweislich verschwiegen.
Jürgen Raap, Wunder der Anatomie, 2019Schild für Karnevalsumzug, Bild und Foto: Copyright Raap/Bär 2019
Bildstrecke bär aktuell spezial: Straßenkarneval in Köln 2019, Fotos: Copyright Raap/Bär 2019, alle Rechte vorbehalten
Straßensitzung der Großen KG Rheinflotte von 1951 e.V. Köln-Ehrenfeld, Lenauplatz, 2019
Straßensitzung der Großen KG Rheinflotte von 1951 e.V. Köln-Ehrenfeld, Lenauplatz, 2019
Jan van Werth-Umzug Severinstr. 2019Poller Böschräuber 2019
Kölner Straßenkarneval 2019
Kölner Straßenkarneval 2019
Bär aktuell Nr. 261 – 22. März 2019
Dem Internet entnimmt
Herr Bär, dass die Bahnhofshalle von Ückeritz neuerdings
geschlossen bleibt. So
sieht also das Krisenmanagement des DB-Infrastruktur-Vorstands Ronald
Pofalla aus, seit dieser zum „Krisenmanager“ der Bahn ernannt
wurde. Nun ja, wahrscheinlich dachte sich Roland Pofalla, es gäbe
mittlerweile keinen Grund mehr, ausgerechnet in das beschauliche
Städtchen Ückeritz reisen zu wollen, denn – so informiert das
Internetprotal „Usedomer Bernsteinbäder“ – Ückeritz läge ja
abseits der einstmals mondänen „Kaiserbäder“ an der Ostsee, und
wer also nach Gloria, Glanz und Glitter oder nach dem berühmten
Ostsee-Bernstein sucht, der fahre doch lieber woanders hin. Davon
abgesehen bewahrheitet sich im Falle Pofallas die Lebensweisheit,
dass die dümmsten Bauern schon immer die dicksten Kartoffeln hatten
oder zumindest hochdotierte Manager-Jobs, dies vor allem bei
Staatsunternehmen, wo Posten eben nicht mit Genies oder zumindest mit
halbwegs versierten Könnern besetzt werden, sondern lediglich mit
mittelmäßigen Narren, denen der Ruch des verdienten, aber
einfältigen Parteisoldaten anhaftet, der nichts anderes zu tun hat,
als dafür zu sorgen, dass in den Ministerien schaumschlägerische
Inhaber von Beraterverträgen sich die Taschen voll machen können,
mit dem Ergebnis, dass manche Zustände in diesem Land, die die
öffentliche Hand zu verantworten hat, Herrn Bär mittlerweile
fatalerweise daran erinnern, wie es 1980 mal in der DDR aussah.
Thomas Mann hätte solch einen verschachtelten Satz übrigens auch
nicht besser hingekriegt. Und Reinhold Pofalla erst recht nicht.
Eine weitere
offenkundige Fehlbesetzung in einem öffentlichen Amt ist Jens Spahn
als Gesundheitsminister,
der jüngst mit einer unverfrorenen Mischung aus Schnöseligkeit und
Ahnungslosigkeit zu Fragen der Onkologie Stellung nahm und damit in
die Rolle eines scharlatanischen Wunderheilers zu schlüpfen
versuchte, der den Leuten vorgaukelte, er könne Tumorerkrankungen
„in 20 Jahren“ besiegt haben – was ihm aus der Fachwelt die
Rüge einbrachte, er wecke bei den Patienten falsche Hoffnungen, und
was sogar die ihm sonst wohlgesonnene „ Die Welt“ mit den Worten
kommentierte: „Jens Spahn hat in seinen
38 Lebensjahren schon viel Unsinn von sich gegeben. Das ist total in
Ordnung. Dafür ist man ja auf der Welt.“ Besonders der letzte Satz
klingt hintersinnig, da er ja in einer gutbürgerlichen Gazette
namens „Die Welt“ stand.
Mit Erstaunen registriert Herr Bär, dass unser Altbundeskanzler Gerhard Schröder über die arg begrenzten Fähigkeiten von Andrea Nahles derselben Meinung ist wie Herr Bär, nämlich „dass sie selber“ nicht daran glaube „ökonomisch kompetent“ zu sein. Oder wie es die Komödiantin Biggi Wanninger in ihrer herrlichen Andrea Nahles-Parodie ausdrückte: „Ich weiß, dass ich es nicht kann, aber ich mache es trotzdem“. In der „ZEIT“ war nachzulesen, Nahles sei mittlerweile wütend auf den Altkanzler und ebenso auf manch andere Genossen in der „nach Rasierwasser riechenden Schröder-SPD“, und ebenso erstaunt registriert Herr Bär, das in den Augen eines nüchtern-hanseatischen und in Sachen Sprachbildhaftigkeit nicht sehr sicheren „Zeit“-Redakteurs ein Sozialdemokrat nicht nach Rasierwasser riechen darf. Entspräche in den Klischeevorstellungen der „Zeit“-Redaktion eine Schnapsfahne eher dem Odium einer sozialdemokratischen Arbeiterkneipe? Huhu, Herr „Zeit“-Redakteur, solche Arbeiterkneipen gibt es schon seit 20 Jahren nicht mehr; das Proletariat des 21. Jh. treibt sich heute eher in verqualmten Sisha-Bars herum, aber aus diesen Wasserpfeifen dort strömt nur der Geruch verbrannten Gekräuses, versetzt mit Badesalz-Aroma und einem leichten Hauch von Erdbeerbonbongeschmack. Der Schröder raucht dann doch lieber weiter Havanna-Zigarren. Das Sprachbild über sozialdemokratische Stereotypen wäre mithin eher geglückt, hätte der „Zeit“-Redakteur geschrieben, Andrea Nahles sei sauer auf die „nach teuren Zigarren riechenden Genossen in der Schröder-SPD“.
Eine große Leuchte im Amt des Verkehrsministers ist ja nun auch nicht gerade der aktuelle Amtsinhaber Andy Scheuer, dessen Doktorarbeit die seriöse „Die Welt“ schon 2014 bescheinigte, sie sei lediglich „ein Sammelsurium aus stets wiederkehrender Parteipropaganda, umständlich formulierten Banalitäten, abseitigen Besinnungsaufsätzen undorthografischer Originalität – kurzum: ein wissenschaftlicher Witz.“ Hoffentlich kommt nicht auch noch Jens Spahn auf die Idee, eine Doktorarbeit ausgerechnet im Fach Medizin schreiben zu wollen. So nach und nach hat sich bei Herrn Bär die Meinung verfestigt, dass die Parteien der Großen Koalition in der Auswahl ihres Führungspersonals – was rhetorische und intellektuelle Brillianz angeht – einfach nur Pech haben. An der Optik hapert’s allerdings manchmal auch. So urteilte der Humorist Jörg P. Weber über den mittlerweile stark vorgealtert wirkenden Friedrich Merz, er sähe inzwischen aus „wie November“.
Frikadellen nennt man in Berlin Buletten und in Bayern Fleischpflanzerl. Man weicht ein Brötchen in Wasser oder Milch ein. Dann vermengt man 500 gr Hackfleisch (Schwein und Rind, halb und halb) zusammen mit einem rohen Ei und einer mittelgroßen kleingehackten Zwiebel, sowie mit Salz, Pfeffer, Paprikapulver, etwas Muskat, kleingehackter Petersilie, einer ausgepressten Knoblauchzehe, Majoran, Kümmel und Senf, dann drückt man die Brötchenmasse aus und mischt sie unter die gewürzte Hackmasse, formt diese dann zu Ballen in der Größe einer Kinderfaust und brät sie in heißem Öl von beiden Seiten scharf an, und lässt sie dann noch mit mehrmaligem Wenden 15-20 Min. bei mittlerer Hitze ausbraten.
Vietnamesische Fischsauce Nuoc Mam besteht nur aus Sardellen und Salz. Die klassische Sauce wird nicht industriell hergestellt, sondern in Holzbottichen, in die die Fischer an Land ihren Fang umfüllen. Schon auf See haben sie in Plastiktonnen dem Fisch 30 Prozent Meersalz zugefügt, um dem Fisch Wasser zu entziehen und so das Verderben zu stoppen. In den großen Holzfässern fermentiert die Sauce dann ein Jahr lang weiter, und damit verwandeln sich 70 Prozent der Fischmasse in Flüssigkeit. Bei der Verwendung in der Küche schmeckt man sie mit ein paar Spritzern Limettensaft, etwas kleingehacktem Chili, Ingwer, frischem Koriander, Minze, Zitronengras und Knoblauch ab.Schwarzwurzeln sind botanisch mit dem Löwenzahn verwandt und stammen ursprünglich aus Spanien. In Zeiten der Pest glaubte man an eine Heilwirkung der Schwarzwurzel. Tatsächlich enthält die Schwarzwurzel viel Inulin, welches das Immunsystem stärkt, den Cholesterinspiegel senkt und sich positiv auf die Darmflora auswirkt. Als Gemüse wird sie erst seit etwa 1700 angebaut, gilt als „Winterspargel“ oder „Spargel des kleinen Mannes“. Man bereitet die geschälte Schwarzwurzel auch wie Spargel zu als Beilage zu Fleisch- oder Fischgerichten, sollte sie nach dem Schälen aber auch sofort ca. 8 Min. lang kochen, da sie sich sonst bräunlich verfärbt; man kann sie dann gut mit einer Sahne- oder Käsesauce vermengen.
Jürgen Raap, Café Hallrath, Acryl und Öl auf Leinwand, 2018
Mit der Umbenennung des
Karnevalsvereins „Frechener Negerköpp von 1978“ in „Wilde
Frechener“ waren nicht alle Vereinsmitglieder einverstanden,
denn drei der „etwa 20 festen Mitglieder“ seien deswegen
ausgetreten, berichtete der „Kölner Stadtanzeiger“ und zitierte
den zweiten Vorsitzenden Günter Cöllen:
„Wir wollten nie politisch oder diskriminierend sein“. Dennoch
sei „sogar im Internet dazu aufgerufen worden, die Gruppe mit
Steinen zu bewerfen“. In einer Gesellschaft, die sich mehr und mehr
spaltet, weil sie im medialen Blog- und Chat-Diskurs keine
Differenzierungen und keine Zwischentöne mehr kennen will, sondern
nur noch eine grobholzige Rigorosität pflegt, nimmt leider die
verbale und manchmal auch die physische Militanz und damit ein
Verlust an Zivilisiertheit zu.
Die karnevaleske
Kostümierung bedeutete schon in früheren Jahrhunderten einen
symbolischen Rollentausch über die
ständischen Schranken und alle anderen soziologischen Unterschiede
hinweg. Wo das Narrentreiben allzu sehr in Zügellosigkeit abglitt,
versuchte die weltliche wie geistliche Obrigkeit immer wieder, die
Exzesse zu reglementieren.
Heute sind es indessen
eher die fundamentalistischen Sittenwächter der politischen
Korrektheit, die Regelverstöße ahnden und sich dabei mit typisch
deutscher Gründlichkeit gebärden wie andernorts nur die
Religionspolizei im Iran, die dort auch auf eine unziemliche Kleidung
achtet, oder in Saudi-Arabien, wo sie sich gar „Behörde für die
Verbreitung von Tugendhaftigkeit und Verhinderung von Lastern“
nennt. Es ist offensichtlich, dass die Idee einer temporären
sozialhygienischen Ventilfunktion, die symbolische Tabuverletzungen
hin nimmt, und die solchermaßen seit Jahrhunderten dem
abendländischen Karneval und seinem kostümhaften Rollentausch eigen
ist, derlei fundamentalistischem Denken entgegen steht.
Wer hat heute
eigentlich die Deutungshoheit darüber, was man sich an
karnevalistischen Kostümierungen noch erlauben darf und was nicht?
Die „taz“ stuft jedenfalls schon das
simple weiße Betttuch, mit dem man sich als „Ölscheich“
umhüllt, als „klischeehaft“ ein, ohne zu ahnen, dass die
Maskenball-Ausstattung immer schon in einer ironischen karikierenden
Überhöhung und gleichzeitigen Brechung von Klischees bestand. Noa
K. Ha, Leiterin des Zentrums für
Integrationsstudien der TU Dresden, gibt zu bedenken, wer im
Chinesen- oder Afrikaner-Kostüm am Karneval teilnähme, der blende
aus, „dass die Geschichte der ethnisierenden Verkleidungen mit
kolonialem Raub und Plünderungen verknüpft ist.“
Der rheinische Karneval
war und ist bekanntlich auch immer ein Spiegel des jeweiligen
Zeitgeistes in all seinen Ausprägungen, eben
auch den schlechten. Als 1884 der damalige Reichskanzler Bismarck in
Berlin eine „Kongo-Konferenz“ zur Regelung des Freihandels in
Afrika einberief, wählten die Kölner Obernarren für ihren
Rosenmontagszug 1885 das Motto „Held Carneval als Kolonisator“.
Wie in der Nachkriegszeit die Nazi-Vergangenheit unverhohlen
verdrängt oder verharmlost wurde, sieht man auf einem Foto von einem
Kölner Fastelelovendsumzug Anfang der 1950er Jahre, wo die
afrikanisch kostümierten „Kostgasser Dschungelbröder“ in
Anspielung an den Afrika-Feldzug der Rommel-Armee ein Schild vor sich
her tragen mit dem Text: „1941 no Afrika mascheet, hük Spass un
Freud an der Maskeet“ (1941 nach Afrika marschiert, heute Spaß und
Freude an der Maskerade). Solch ein Schild wäre heute natürlich in
seinem völlig naiven Verständnis von Geschichtsrevisionismus nur
noch Alexander Gauland-kompatibel und daher und auch ansonsten
absolut degoutant.
Doch mit gesellschaftlichen und politischen Veränderungen und dem Wechsel der Geschichte gehen auch semantische Umdeutungen bzw. Bedeutungsverschiebungen einher. Während z.B. im klassischen Wildwest-Film Hollywoods die Yankee-Kavallerie die Guten und die Indianer die Bösen waren, stellt Bernd Schäfers in seiner Schrift „Soziologie des Jugendalters“ eine „ethnografische Wende“ fest, als sich die jugendlichen Subkulturen der amerikanischen Hippies in den 1960er/1970er Jahren „mit verfolgten Minderheiten“ identifizierten „und sich… als ‚Wiedergeburt‘ der ausgerotteten Indianer oder als Reikarnation der überall vertriebenen Zigeuner“ verstanden. Eine solche Adaption „umfasst die gesamte Lebensweise einer Gruppe“ als „anthropologische Kulturkonzeption“ und nicht nur als bloße Maskenball-Ausstattung. Mit den kolonialistischen und rassistischen Wurzeln in der früheren trivialkulturellen Adaption von Stammeskulturen wollen die heutigen Freizeitfolkloristen nichts mehr zu tun haben:
Jedenfalls erklären
die „Poller Böschräuber von 1976“: „Wir
verstehen uns als Karnevalsverein mit einer Kostümwahl, die ein
Maximum an Verkleidung ermöglicht. Wir verfolgen dabei keinerlei
ethnologische Ziele, und wir erheben in diesem Zusammenhang auch
nicht den Anspruch einer gewissen Authentizität.“ Ihnen geht es
also heute nur um die kreative Phantasie, und um nichts anderes, und
eben nicht um eine Verherrlichung des „edlen Wilden“ im Sinne
einer Karl May–Ideologie.
In Köln-Mülheim
hatten sich schon 2015 die „Müllemer Neger“ in „Müllemer
Klütte vun 1961 e.V.“ umbenannt, doch auch
das hält Dr. Werner Jung vom Kölner NS-Dok-Zentrum immer noch für
einen Ausdruck von „Alltagsrassismus“, denn im rheinischen
Volksmund war und ist „Klütte“ (Brikett) ja auch ein abwertendes
Synonym für Schwarzafrikaner.
Doch „Klütte“ ist nicht gleich „Klütte“. Denn bei den Narren der „KG Frechener Klütte-Köpp“ und auch jenen der „1.Karnevalsgesellschaft Klüttefunke Oberliblar von 1956 e.V.“ beziehen sich die Vereinsnamen keineswegs auf ein despektierliches Mundart-Synonym für Afrikaner, sondern lediglich auf die geografische Anbindung ihrer Heimatorte an das rheinische Braunkohlerevier – in Frechen wurde nämlich 1949 der erste großflächige Tagebau in Betrieb genommen. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.
Als nun die
solchermaßen von „Frechener Negerköpp“ zu „Frechener Wilden“
Umbenannten ankündigten, künftig nicht mehr schwarzgewandet und im
Baströckchen, sondern nur noch im Tierkostüm auftreten zu wollen,
passte auch dies manchen sauertöpfischen Zeitgenossen nicht. So gab
auf der Internetseite der „NRZ“ ein Leser namens
„Klapperschlange“ allen Ernstes zu bedenken, „Tierkostüme sind
ebenfalls diskriminierend“, denn, so die ebenfalls recht harsche
Erwiderung eines anderen Kommentators „als bekennender PETA und
NABU-Sympathisant sowie als Katzennothelfer“ an die Adresse von
Karnevalisten im Giraffen- oder Eisbärkostüm: „Ihr versündigt
Euch an den Tieren. Die sind nicht zum Spass auf der Welt.“ Ist das
nun Realsatire oder einfach nur engstirniger Unfug? Immerhin haben ja
PETA-Aktivisten schon selbst in Tierkostümen gegen Tierversuche
protestiert.
Aber darf man
angesichts des Insektensterbens künftig an Weiberfastnacht wirklich
nicht mehr im Biene Maja-Kostüm durch die Straßen laufen? Der
Grad zwischen manchen hypermoralischen Korrektheits-Marotten,
die uns von der Bioladen-Schickeria zugemutet werden, und
religionspolizeilich überwachten saudi-arabischen Verhältnissen
oder einem Überwachungsstaat à la China ist schmaler als man denkt.
Als Herr Bär vor 40
Jahren im ersten Semester Kunst an den Kölner Werkschulen studierte,
unterwies ihn einer der Professoren in das Prinzip der akademischen
Freiheit: „Ein Künstler darf alles, nur nicht besoffen vor die
Staffelei kotzen“. Daraus folgt: Ein Künstler ist immer autonom in
der Deutungshoheit über seine Kunst, die er gerade macht, und deren
Ergebnis er vor niemandem rechtfertigen muss, ebenso wenig wie der
Karnevalist in der Wahl seines Kostüms. Ein Künstler ist
grundsätzlich nicht verantwortlich dafür, dass ein anderer, zumal
ein Dummkopf, seine Kunst falsch versteht oder gar nicht, und wenn er
sich durch diese Kunst beleidigt fühlt, dann muss er eben die
Freiheit der Kunst aushalten können, weil im Sinne von Rosa
Luxemburg die Freiheit eben auch immer die Freiheit der
Andersdenkenden ist.
Unter
Literaturhistorikern ist unstrittig, dass die klassische Tierfabel
der Belehrung und der Erbauung zugleich dient:
für „bär aktuell“-Leser mit Lateinkenntnissen sei dies mit dem
Satz „fabula
docet et delectat“
hinreichend erläutert. Der Humor-Theorie von Sigmund Freud verdanken
wir den Hinweis, dass sich die Pointe eines Witzes manchmal aus der
Trivialisierung eines Sachverhaltes ergibt, mithin u.a. auch vom
Übergang der moralisierenden Tierfabel zum nur noch ulkigen
Tierwitz, und so sei als Beispiel hier einleicht schlüpfriger, aber
auch in den heutigen Zeiten immer noch politisch korrekter Tierwitz
zum Mitdenken wieder
gegeben, mit dem der Kölner Humorist Horst Muys schon für 50 Jahren
brillierte:Treffen
sich ein Vogel und eine Schlange. Fragt der Vogel: „Und? Was
machste so?“ – Antwortet die Schlange: „Ich schlängele mich
so durch. Und du?“
Wo die
Gendermainstream-Marotten derzeit darauf hinauslaufen,
flächendeckend überall Unisex-Toiletten einzuführen, gibt Herr Bär
zu bedenken, dass man auf Volksfesten etc. empirische Feldstudien mit
manchmal betrüblichen Begleiterscheinungen durchführen kann, wenn
nämlich die Damenwelt dort die Herrentoiletten zu stürmen pflegt,
aus Unmut über die sonst ewig langen Warteschlangen vor dem
Damenklo, aber ein übermütiger stark alkoholisierter
Damen-Kegelclub ist gewiss nicht die ideale Gesellschaft, in deren
Gegenwart sich Herr Bär am Pissoirbecken einer Unisex-Toilette
aufhalten möchte.
Welch beklagenswerte
Probleme eine gemeinsame Toiletten- bzw. Badezimmernutzung auch in
Privathaushalten mit sich bringen kann,
illustriert die ins Kölsche übertragene Geschichte des Alsdorfer
Kabarettisten Jürgen Beckers:
Tünnes und seine Frau
liegen nachts im Bett. Tünnes muss dauernd aufs Klo. Als er zum
dritten Mal aufsteht, sagt seine Frau: „Also, enä, Tünnes, du bis
eso wibbelich. Jetzt jehste schon dat dritte Mal op et Klo. Da kann
ich nit ruhig schlafen!“ – Tünnes: „Wenn de nit dauernd
mitzählen dähts, wie oft ich op et Klo muss, wörste längs
enjeschlofe.“ – Nach fünf Minuten steht Tünnes erneut auf. Die
Frau: „Wat is denn jetz ald widder? Du warst doch erst vor fünf
Minuten om Klo!“ – Tünnes: „Jo, ävver mir es jrad enjefalle,
dat ich noch dat Jebiss em Muul han. Ich muss noch ens en et
Badezimmer, de Zähne eraus tun.“ – Die Frau: „Jute Idee. Dann
kannste meine Zähne gleich mitnehmen!“ Tünnes tut das auch und
legt sich wieder ins Bett. Seine Frau: „Hör uns, Tünnes, häste
unsere Zähne auch in zwei verschiedene Zahnputzbecher jetan? Letztes
Mal haste die in einen Becher jetan, da war ich am anderen Morjen em
Aldi einkoofe un hat ding Jebiss en dä Schnüss. Nä, wor dat
peinlich!“ – Tünnes: „Jo, ich ich wor mit dinger Zäng em Mund
en dä Apotheke. Ävver dann hätt die Apothekerin för mich jesaht:
Och, Herr Tünnes, met dä Zähne von Ihrer Frau sehen Se aber zehn
Jahre jünger aus!“ – Die Frau: „Jo jo, Tünnes, war dat dann nit
schön, wie mir zwei fröher noch wat jünger waren? Da haste mich
immer in et Öhrchen jebisse. Machste dat jetzt auch noch emal?“-
Tünnes: „Jo, jo…“ und steht wieder auf. Die Frau verärgert:
„Musste jetzt schon widder op et Klo? Jrad jetzt, wo de mich in et
Öhrchen beißen solls?“ Tünnes: „Enä. Ävver wenn ich dich
jetzt in et Öhrchen beiße soll, muss ich erst in et Bad un dat
Jebiss widder erein tun!“
(In manchen
Hardcore-Political Correctness-Kreisen gilt dieser Witz als
frauenfeindlich, weil im Umkehrschluss die Frau vom Tünnes mit
dessen Gebiss im Mund zehn Jahre älter aussieht).
Küchentechnische
Begriffe:
„braten“ (trockenes Garen bei starker Hitze, ruft durch diesen
Vorgang an der Oberfläche durch eine Verbindung von Eiweiß, Fett
und Zucker eine Bräunung hervor), grillen (braten in Wärmestrahlung
auf einem Rost), „braisieren“ (schmoren), „legieren“ (mit
Eigelb und Sahne abbinden), „pochieren“ (garziehen) oder
„poelieren“ (hellbraun dünsten).
Entenleber in
Portwein und Madeira
Speckstücke in einer Pfanne auslassen, 1-2 Schalloten
andünsten, Entenlberstücke anbraten, Apfelstücke hinzugeben, mit
Portwein und Madeira ablöschen, salzen, pfeffern, gepressten
Knoblauch hinzufügen, sowie frischen Majoran und frischen Thymian
und etwas geriebene Muskatnuss. Vor dem Servieren mit frischer Kresse
bestreuen. Dazu passt Kartoffelpuree.
Halve Hahn
Dass in Köln „’ne
halve Hahn“ kein halbes Hähnchen ist, weiß man inzwischen auch in
Wien oder Hamburg, aber unbedarfte Touristen kann man in den
Brauhäusern damit immer noch foppen. Prof. Adam Wrede führt in
seinem Standardwerk „Neuer kölscher Sprachschatz“ (1958) diesen
Imbiss auf die „humorvolle Täuschung“ eines „Grielächers“
(Spaßmachers) zurück, der eine Gesellschaft zum Essen eingeladen
hatte, ihnen statt der versprochenen halben Brathähnchen aber dann
ein Roggenbrötchen mit einer Scheibe Käse auftischen ließ.
Kabänes
heißt im Rheinischen „Kumpel“,„Freund“ oder„Kamerad“
etc. und ist ein Halbbitter-Schnaps, den – halten Sie sich fest! –
ausgerechnet der frühere Präsident des Automobilclubs ADAC Otto
Flimm 1952 auf den Markt brachte. 1976 zog der Familienbetrieb nach
Brühl um, auf halbem Wege zwischen Köln und Bonn gelegen. Die
Bitterstoffe in diesen Kräuterlikören haben eine günstige Wirkung
auf Magen und Galle, weshalb man sie gerne als Verdauungsschnaps
konsumiert. Eher süßlich-bitter ist der Düsseldorfer Kräuterlikör
„Killepitsch“,
der
seit 1955 auf dem Markt ist.
Bildstrecke „Bär aktuell spezial“: Milljöhsitzung 2019 der KG Willi Ostermann-Gesellschaft Köln 1967 e.V. Köln, Foto: Copyright Raap/Bär 2019
Die neuesten Witze
aus dem Kölner Karneval
Donald Trump besucht eine Grundschule in Kalifornien und sagt zu den Kindern: „Ich bin Euer Präsident, ihr dürft mir jetzt Fragen stellen“. Einer meldet sich und sagt: „Ich bin Bob und hätte drei Fragen, Mr. Präsident. Erstens: Haben Sie für den Wahlkampf Geld aus Russland angenommen?- Zweite Frage: Warum schmeißen Sie alle Minister raus, die nicht Ihrer Meinung sind? – Dritte Frage: „Verschwinden auch in unserem Land spurlos Leute, die Sie kritisieren?“ In diesem Moment klingelt die Pausenglocke. Nach der Pause kommen die Kinder vom Schulhof zurück und Trump sagt: „Also, wir waren gerade unterbrochen worden. Hat noch jemand eine Frage?“ – Meldet sich einer: „Ich habe zwei Fragen, Mr. President: Erstens, warum klingelte die Pausenglocke diesmal eine halbe Stunde früher als sonst? Und zweitens: Wo ist Bob?“ (Guido Cantz).
AKK
– das ist eine Abkürzung für Annegret Kramp-Karrenbauer. Wieso
eigentlich? Also, ich kenne die Frau nicht.
Ich käme nie auf die Idee, die einfach mit „Annegret“
anzureden. Die korrekte Anrede wäre „Frau Kramp-Karrenbauer“.
Und wer das nicht aussprechen kann, der sagt einfach FKK (Bernd
Stelter).
Wird
ein kleiner Junge gefragt:
„Du hast ja kein Brüderchen und kein Schwesterchen. Du bist
bestimmt ein Einzelkind.“ Darauf der Junge: „Ich bevorzuge die
Bezeichnung ‚Alleinerbe’“ (Guido Cantz).
Als
der türkische Präsident Erdogan nach Köln kam,
um die Moschee in Ehrenfeld einzuweihen, stellte ein kölscher
Rentner sein Fahrrad direkt an der Moschee ab. Sagt der
Security-Mann: „Das können Sie nicht machen. Hier kommt gleich der
türkische Staatspräsident vorbei!“ – Darauf der kölsche Rentner:
„Mach dir deswejen kein Sorge, Jung. Ich schließe dat Fahrrad jut
ab!“ (Guido Cantz).
Schäl: Tünnes, hör ens, du sähs zo dinge Frau immer noch „Liebchen“ un „Schätzchen“. Also nä, du bis doch schon 30 Johr verheiratet, da mäht mer doch sujet nit mieh!“ – Tünnes: „Jo, jo, ävver wat willste maache? Ich han der Vorname vun dä Ahl verjesse!“
Essen und Trinken
mit Karl-Josef Bär
Wiener
Heringssalat
Beim Wiener Heringssalat nimmt man gewürfelte gekochte
Kartoffeln, ebenfalls gewürfelte Salzheringe und Essiggurken, die
man mit Apfelstücken, Zwiebeln und gekochten Bohnen vermischt. Für
die Sauce verrührt man Eidotter, Senf, Zitronensaft, Salz und
Pfeffer mit ein paar Tropfen Öl, fügt dann unter weiterem Rühren
Sauerrahm, Meerettich, Kapern und Sardellen oder Sardellenpaste
hinzu. Dieser Salat wird traditionellerweise zu Aschermittwoch
verzehrt.
Selleriesalat „Der Barbier von Neu-Ehrenfeld“ Man raspele Apfelstücke und Knollensellerie im Verhältnis 1:2 in eine Salatschüssel, gebe Salz, Pfeffer, Senf, etwas Sahnemeerettich, Schnittlauch, einen Spritzer Knoblauchpaste und frische gehackte Petersilie hinzu, rühre dann etwas frischen Joghurt hinein. Man kann den Salat auch noch mit gekochten Eiern anreichern.
Carl Friedrich Ludwig Felix von Rumohr (1785-1843) war ein deutscher Kunsthistoriker und Gastrosoph, er machte in Deutschland die Rumfordsuppe als Möglichkeit der Armenspeisung bekannt: „Dem bayerischen Grafen Rumford, als britischer Untertan Benjamin Thompson (1753 – 1814) in Massachusetts geboren, gelang der große Schlag: Nachdem er zuerst die Wärme-Theorie von den bewegten Molekülen formuliert (1798) und konsequent den geschlossenen Herd erfunden hatte, ging er daran, die Massen zu speisen. Nach kalorischen, ergonomischen, physiologischen Berechnungen konnte dies nur eine minimalische Gemüse-Graupensuppe sein, die fortan in den Armenküchen, Suppenanstalten und Feldküchen Europas als Rumfordsuppevon der Obrigkeit verabfolgt wurde“, schreibt der Historiker Hans Ottomeyer. Rumohr zu Ehren kreierte der Koch Eckart Witzigmann ein „Kalbsbries Rumohr“: das Bries ist die Thymusdrüse, sie sitzt in der Brust des Kalbs und ist reich an Kalium, Vitamin C, allerdings auch an Purinen, wegen denen aufgrund ihres Harnsäuregehalts Gicht-Patienten allzu häufiger Verzehr von Kalbsbries abgeraten wird. Bei erwachsenen Rindern hat sich das Bries zurück gebildet. Das Bries wird erst zwei Stunden in Salzwasser gewässert oder in heißem Wasser kurz abgebrüht, bevor man die Haut und die Äderchen abzieht. Witzigmann bereitet das „Kalbsbries Rumohr“ mit Trüffeln und Gänseleberscheiben zu.