baer aktuell Nr. 283 – 22. April 2020

April 7th, 2020

Atemschutzmasken werden ja jetzt zu Wucherpreisen zwischen 15 und 25 Euro pro Stück angeboten – eine Unverschämtheit! Die Sehnsucht nach dem Wiedergewinn der alltäglichen Normalität schon knapp drei Wochen nach dem obrigkeitlich verhängten Stubenarrest ist vor allem eine solche nach Mobilität, aber paradoxerweise hat ja gerade die Ballermann-affine Mobilität mit dem Ziel der Tiroler Après-Ski-Amüsierhölle Ischgl anscheinend wesentlich zur epidemischen Verbreitung der Infektion beigetragen. Was die zunehmende Beschleunigung angeht, wie sie der Philosoph Jean Baudrillard beschrieben hat, so haben wir in dieser Hinsicht in den Entwicklungsprozessen des Industriezeitalters mit den Technologien der Dampfschifffahrt, der Eisenbahn, des Automobils und Flugzeugs längst den kulturellen Zenit überschritten. Kulinarisch lässt sich dieser kulturelle Niedergang jedenfalls sehr augenfällig an dem pampigen Chili con Carne festmachen, den man seitens der Deutschen Bahn im ICE-Bordbistro gereicht bekommt – da lohnt es sich schon, solch einen magenschleimhautentzündungsfördernden Speisewagen zu meiden und lieber zu Hause zu bleiben und selber zu kochen. Das meint auch Michael Hoffmann aus Rösrath, der fünffache Deutsche Meister im Grillen: „Grill statt Urlaub auf Mallorca“. Allerdings ist es schon reichlich unpassend in diesen Zeiten, wo Parks und Picknickplätze vom Ordnungsamt abgesperrt werden, im „Kölner Stadtanzeiger“ dann ausgerechnet den fünffachen Deutschen Meister im Grillen zu Worte kommen zu lassen, der in diesem Corona-Sommer einen „Trend zu höherwertigen Grillgeräten“ erkannt zu haben glaubt und alle, die jetzt auf ihrem Balkon an einem Schweinenackensteak herumbrutzeln, belehrt: „Grillen ist Minigolf, Barbecue ist Golf“. Wer im Rheinland ohnehin schon immer erstaunt darüber war, dass es südlich von Andernach und nördlich von Dormagen auch noch menschliches Leben gibt, bei dem hält sich ein „Buenos dias, Mathias, mer sin widder do, he op Mallorca wie jedes Johr…“-Fernweh tatsächlich in Grenzen. Die mittelalterliche Stadtmauer Kölns war jahrhundertelang ein Bollwerk gegen alles Missliebige von außen gewesen, militärisch uneinnehmbar selbst im Dreißigjährigen Krieg (was aber ein Mythos ist, denn die Stadt blieb in erster Linie von Unbill verschont, weil die klüngelerprobten Kölner es immer wieder verstanden, rechtzeitig die Verbündeten zu wechseln). Das bewährte Abschottungsprinzip dieser mittelalterlichen Festungsarchitektur – „He kütt keiner eren, und he will och keiner mieh erus“ – erfährt heute unter anderen technischen und sozio-kulturellen Parametern eine neue Aktualität. Dass übrigens auch Zuhälter als angebliche „Solo-Selbständige“ von Olaf Scholzens Nothilfe-Sofortprogramm profitieren sollen, kann man in diesen Tagen doch eher als skurille „Fake News“ abhaken, wie sie derzeit allenthalben durchs Netz geistern.

Raap/Bär 2020

Schöner Witz zur Corona-Krise

Tünnes und Schäl holen sich an ihrer ansonsten geschlossenen Stammkneipe das Mittagessen zum Mitnehmen ab.

Schäl: „Hür ens, Tünnes, häste nit auch dat Jefühl, dat die Frikadellen jetzt en dä Corona-Krise besser schmecken als vorher?“

Tünnes: „Jo, jo, do häste räch, Schäl. Ich jlaub, dat liegt daran, dat dä Koch sich jetzt öfters mal de Finger wäscht, wenn dä Hackfleisch zubereitet.“

© Raap/Bär 2020

In Artikel 3 unseres Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland steht wortwörtlich: „Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.“ Dies muss mithin auch in Notstands- und Krisenzeiten garantiert werden, d.h. eine Diskriminierung bestimmter Altersgruppen darf es auch bei der Corona-Bekämpfung nicht geben, weil nämlich alles andere verfassungswidrig wäre. Das meint auch der Grünen-Politiker Christian Ströbele: „Wenn sie die Alten und chronisch Kranken separieren, bin ich am nächsten Tag beim Bundesverfassungsgericht und klage… Das wäre ein drastischer Eingriff in die Persönlichkeitsrechte, den man gar nicht begründen könnte… So eine Lösung ist unzumutbar und wird hoffentlich nicht weiter verfolgt.“ Auch der nordrhein-westfälische Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann hält eine solche Internierung für „rechtlich und moralisch bedenklich“. Zwar lässt der Paragraph 28 des „Gesetzes zur Verhütung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten beim Menschen“ durchaus zu, dass „die Grundrechte der Freiheit der Person… insoweit eingeschränkt“ werden, doch rasch uferte die Debatte in einen „neuen Generationenkonflikt“ aus, wie ihn die österreichische Zeitung „Profil“ konstatierte, mit dem Zitat eines Facebook-Eintrags: „Ganz schön seltsam, wenn man seine eigenen Eltern unter Hausarrest stellen muss“. Verbale Prügel in der Kommentarspalte der WR-Westfälischen Rundschau bezog der Düsseldorfer OB Thomas Geisel mit seiner Forderung, „die Maßnahmen… stärker auf die Gruppe besonders gefährdeter Menschen zu konzentrieren“, denn „ es sei zu befürchten, dass junge Menschen zunehmend gegen die Maßnahme rebellierten, weil sie sich von den Gefahren der Infektion nicht selbst betroffen fühlten“. Darauf antwortete ein Leser namens „doorman“: „Der Mann muss meiner Meinung nach sofort in Dunkelhaft“, wohlgemerkt: nicht die Senioren, sondern der OB Geisel gehörten nach Meinung von „doorman“ hinter Schloss und Riegel bzw. -Achtung, Kalauer! – in Geiselhaft. E Ein gewisser „ErRa“ sekundierte ihm: „Was dieser SPD–OB meint, die Senioren und andere Corona-Gefährdungsaspiranten könnte man wegschließen, damit die scheinbar gesunde Restbevölkerung wieder schaffen und Partys feiern kann… Herr, lass Hirn regnen, zuerst in Düsseldorf…“ Es drängt sich der Eindruck auf, dass es im Generationenkonflikt der Corona-Krise diesmal in erster Linie nicht mehr um die vielzitierte Oma als „alte Umweltsau“ geht, sondern dass als Feindbild auch jetzt wieder einmal eher „der alte weiße Mann“ herhalten muss, als „modischer Kampfbegriff gegen alles, was im Wege steht…“ wie es die Schriftstellerin und Literaturwissenschaftlerin Hannelore Schlaffer schon im Oktober 2019 in der „Stuttgarter Zeitung“ formulierte. So berichtet „bento – das junge Magazin vom Spiegel“ über einen unsäglichen Auftritt der Hiphop-Band K.I.Z, die Rapper hätten „ins Mikro“ gebrüllt: „Leute haben Schiss vor irgendeinem beschissenen Virus. Die Wahrheit ist: Davon sterben nur alte, weiße Männer!“ Stimmt nicht: laut der Zeitung „Luxemburger Wort“ ist der bislang jüngste Corona-Tote ein 14jähriger Portugiese.

© Raap/Bär 2020

Auch in Corona-Zeiten wird in der katholischen Kirche des Rheinlands das Osterlachen zelebriert, wenn auch derzeit nur virtuell: aus Freude über die Auferstehung erzählt der Pfarrer in der Predigt zum Festgottesdienst traditionellerweise einen Witz. In einer TV-Talkshow offenbarte Pfarrer Franz Meurer von der Gemeinde Vingst-Höhenhaus, im Kölner Volksmund auch als „Erzbischof der Herzen“ apostrophiert, seinen Lieblingswitz: Gehen zwei Zahnstocher über die Straße. Kommt ein Igel vorbei. Sagt der eine Zahnstocher: „Ich wusste gar nicht, dass hier auch ein Bus fährt“.

Essen und Trinken mit Herrn Bär

Saibling oder Zander in Langusten-Bisque In der französischen Küche ist eine Bisque eine pürierte Suppe: Man zerkleinert die Schalen von Hummer oder Langusten (sie haben im Unterschied zum Hummer keine Scheren) mit dem Mixer bis sie völlig pulverisiert sind; kocht sie mit Fischsud und Weißwein auf, gibt das Langustenfleisch, sowie Fleisch von anderen Krustentieren (Kaisergranaten, Scampi, Krabben) hinzu, bis dieses auch zerkocht ist, fügt Tomatenpüree und zur Abrundung Sahne hinzu. Den Saibling oder Zander hat man vorher in einer Schale mindestens 2 Std. in Olivenöl, Zitronensaft, grünen Pfefferkörnern und frischem Dill marinieren lassen, brät ihn dann in einer gebutterten Pfanne kurz durch und serviert ihn zusammen mit der Bisque. Statt der Langusten-Bisque kann man ihn auch zusammen mit weißem Spargel und ein wenig Hummer- oder Krebssauce reichen.

Impressum: V.i.S.P. Jürgen Raap, Senefelderstr. 5, 50825 Köln

baer aktuell nr. 282 – 3. April 2020 #corona

April 1st, 2020

#coronavirusNRW

Bild des Monats April 2020:

Jürgen Raap, Der Renegat, Acryl u. Öl auf Leinwand, 2020

Bär aktuell Nr. 282 – 3. April 2020

Wer in seiner Nachbarschaft einen völlig unmusikalischen Jüngling wohnen hat, dessen Eltern den Fehler begingen, zum Verdruss der übrigen Anwohner in der Straße diesem untalentierten Filius zu Weihnachten ein Schlagzeug zu schenken, der hofft, in diesem Jahr möge der „Welttag des Schlagzeugs“ am 4. April in aller Stille begangen werden. Jedenfalls hat die „Schlagzeugschule Krefeld“ angekündigt, bei ihr fände dieser Welttag diesmal „mit oder ohne Karaoke“ statt, und so ist dem unmusikalischen Jüngling in der Nachbarschaft nahe zu legen, falls er gedenke, ein Balkonkonzert zu geben, dann wenigstens „ohne Karaoke“. Am 23. April 2020 ist immerhin der „Welttag des deutschen Bieres“ – dann kann man sich die derzeitige Krise schön trinken, in der jetzt allerlei Sonderlinge, Querulanten, Scharlatane und andere Durchgeknallte ihr Verschwörungssüppchen kochen: So glaubt der esoterische Geistheiler Ali Erhan allen Ernstes, die Erkrankung werde durch Handystrahlung ausgelöst, während der Chef der iranischen Revolutionsgarden, Hussein Salami, und der oberste Führer Ajatollah Ali Chamenei hingegen als Ursache einen „biologischen Angriff“ der USA vermuten. Mal soll Bill Gates dahinter stecken, mal Donald Trump, wie im Irak der schiitische Prediger Muktada al-Sad zu wissen glaubt. Über Trump verbreitete der „Kölner Stadtanzeiger“ am 31. März 2020 immerhin die reichlich missverständliche Schlagzeile: „Trump hofft auf maximal 100.000 Tote“. Pastor Christian Stockmann von der amerikanischen „Mandelzweig“-Gemeinde ruft unterdessen dazu auf, man möge jetzt „kompromisslos durch die Endzeit“ gehen und sich behufs dessen allen behördlichen Anordnungen widersetzen. In Brasilien hält Edir Macedo, Gründer der „Universalkirche des Königreichs Gottes“ Corona für eine „Strategie Satans und der Medien“, während sein evangelikaler Glaubensbruder Pastor Paulo Junior aus Sao Paulo „Atheismus, Islamismus und Homosexualismus“ für den Ausbruch der Corona-Krise verantwortlich macht. Der Hamburger Abgeordnete der Partei „Die Linke“ Mehmet Yildiz sieht derweil „die Imperialisten“ am Werk, denen es mit der Verbreitung des Virus darum ginge, „China aufzuhalten und den Klassenkampf von oben zu verschärfen“. Auch die DKP-Deutsche Kommunistische Partei meldete sich zu Wort: ihr Vorsitzender Patrik Köbele polterte, die „herrschende Klasse“ sorge „sich nicht um die Gesundheit der Bevölkerung“ und ruft daher zur „Solidarität der Werktätigen“ auf, aber letzteres haben Angela Merkel, Jens Spahn und Markus Söder selber schon längst gemacht, so dass sich die DKP wieder einmal als die reichlich verspätet hinterdrein schlurfende Nachhut der Weltverbesserer erweist. In den Verschwörungs-Chats mancher arabischer Medien darf natürlich auch Israel als angeblicher Urheber des Virus wieder einmal nicht fehlen, während andere verblendete Maulhelden ihre paranoide Verstiegenheit eher reichlich profan ausleben: in den Discount-Supermärkten habe man das Toilettenpapier mit dem Virus verseucht, um anschließend am Impfstoff richtig gut verdienen zu können, verbreiten sie mit Eifer und Inbrunst. Der „Welttoilettentag der Vereinen Nationen“ ist allerdings erst am 19. November. Er wurde übrigens 2001 auf der UN-Vollversammlung auf Vorschlag Singapurs zu solchem erklärt.

© Raap/Bär 2020

Über den NRW-Ministerpräsidenten Armin Laschet ulkte noch vor kurzem der Kabarettist Jürgen Becker, bei dem Aachener Akzent von Laschet habe man den Eindruck, nach jedem Satz von ihm kämen erst einmal ein Karnevalstusch und anschließend die „Höhner“. Im politischen Fragebogen der „ZEIT“ antwortete Laschet auf die Frage „Welches grundsätzliche Problem kann Politik nie lösen?“ sehr weise: „ Alles Menschliche. Liebeskummer zum Beispiel.“ Falls der Mann bei dieser Einsicht bleibt, dann können wir darauf hoffen, falls er denn jemals Bundeskanzler werde, dann jedoch niemals als so eine Art „Über-Merkel“, es sei denn, er verlöre eines Tages diese typisch rheinische Bodenhaftung, wie sie schon der legendäre Kölner Erzbischof Josef Kardinal Frings (1887-1978) mit den Worten umschrieb, ihm sei „nichts Menschliches fremd“. Frings legalisierte bekanntlich in seiner berühmten Silvesterpredigt 1945 den Kohlenklau, womit er dann die rheinische Umgangssprache um die Vokabel „fringsen“ bereicherte: „Wir leben in Zeiten, da in der Not auch der Einzelne das wird nehmen dürfen, was er zur Erhaltung seines Lebens und seiner Gesundheit notwendig hat, wenn er es auf andere Weise, durch seine Arbeit oder durch Bitten, nicht erlangen kann“. Frings sagte zwar auch, dass man das Entwendete später wieder zurück geben müsse, was die Trümmergeneration damals allerdings geflissentlich vergaß und was unter den damaligen Umständen dann auch eine lässliche Sünde war. Aber dass in unseren Tagen ein milliardenschwerer Konzern wie „Adidas“ und andere „Global Player“- Handelsketten wie „Media Markt“ und „Saturn“ in der jetzigen Corvid19-Krise ihr Image ruinieren, indem sie sich ohne noch jegliche spürbare wirtschaftliche Not wie heimtückische Mietnomaden gebärden, rechtfertigt keinerlei Absolution zeitaktueller Varianten des „Fringsens“ wie in der Nachkriegszeit. Derlei marketingstrategische Deppenhaftigkeit in Sachen negativen Image-Transfers jener Konzerne (d.h. wer kauft denn jetzt noch guten Gewissen Adidas-Turnschuhe?) toppt in diesen Tagen nur noch jene hysterische Krawalltante, die auf dem Fließband einer Supermarktkasse einen Sitzstreik zelebrierte, weil man ihr verwehrte, mehr als eine Packung Klopapier einkaufen zu dürfen, und die sich dann in Handschellen abführen ließ wie sonst nur ein störrischer Baumbesetzer aus dem Hambacher Forst. Würde von dieser Sitzstreik-Szene aus dem derzeitigen Alltag an der Klopapiermangelfront im Supermarkt nun bei youtube oder dergleichen ein Video ins Netz gestellt, empfiehlt es sich, dieses Video dann musikalisch mit dem „Kack-Lied“ von den Bläck Fööss zu illustrieren, was die versorgungstechnischen Begleiterscheinungen der Corona-Krise gewisse origineller intonieren würde als die Bereicherung kölschen Liedguts um den eher einfallslosen propagandistischen Reim „Mer jon nit erus, mer blieve ze Hus“. Als Alternative zu einem möglichen Kanzlerkandidaten Armin Laschet bringen manche Zeitgenossen wiederum den Virologen Prof. Christian Drosten ins Spiel, dessen Kritiker aus der Szene der Verschwörungstheoretiker zwar der Ansicht sind, mit seinen täglichen Statements via „tagesschau“ und „heute“ würde er uns nur „einlullen“, dessen Fans sich jedoch darüber begeistern, er sähe immerhin „so ähnlich aus“ wie Robert Habeck von den Grünen, als ob allein das schon in den heutigen Zeiten ausreichend wäre für diejenigen Wähler, die Armin Laschet zu pastoral-gemütlich finden und die Robert Habeck nicht mögen, weil er u.a. zu große „Wissenslücken“ in Sachen „Pendlerpauschale“ habe, und hier muss man dem SPD-Arbeitsminister Hubertus Heil einmal recht geben, der Habeck zu Recht vorwirft, er habe „viel Meinung, aber wenig Ahnung“. Bei Prof. Christian Drosten ist hingegen es eher umgekehrt.

© Raap/Bär 2020

Mit Herrn Bär durch die Corona-Krise: dass üble Geschäftemacher an Kölner Kiosken in diesen Tagen 9 oder 10 Euro für eine Rolle Klopapier verlangen und dies dreist mit angeblich „erhöhten Großhandelspreisen“ zu begründen versuchen, erinnert manch älteren Mitbürger an die Schwarzmarktzeiten anno 1947, und wer eine vulgärpsychologische Deutung bevorzugt, der lese einen „Spiegel“-Artikel aus dem Jahre 1970 nach, in dem es um die Schule der Freudschen Psychoanalyse geht, in der „als Symptome für Analfixierung erkannt wurden: die Liebe zu Geld und Sicherheit, der Drang nach umfassender Regelung aller Lebensvorgänge, die Ambivalenz von Sparsamkeit und Verschwendungssucht, die Autorititshörigkeit und das aggressive Aufbegehren gegen Autorität.“ Wirtschaftsgeschichtlich unzutreffend ist hingegen das Geschimpfe einer vornehm wirkenden Dame vorgestern in einem Supermarkt von Köln-Lindenthal, die leer gekauften Nudel- und Klopapierregale erinnerten sie daran, „wie es früher in der DDR war“, was insofern nicht stimmt, weil man ja früher in der DDR gegen Westgeld alles bekommen konnte, auch Klopapier, und – wie Herr Bär aus eigener Anschauung weiß – ebenso in der Jaruzelski-Ära in Polen in den 1980er Jahren in den damaligen „Pewex“-Devisen-Läden gegen US-Dollar, dort allerdings damals keinen russischen Kaviar, der nämlich für die russischen Offiziere vorbehalten war, die als Repräsentanten eines „sozialistischen Bruderlandes“ galten, vom polnischen Normalbürger hingegen auch 40 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs als Besatzungsmacht empfunden wurden. Die an der Supermarktkasse herummeckernde vornehme Dame riet Herrn Bär – aus dem behördlich vorgeschrieben Abstand von 1,50 m Entfernung – er möge sich in diesem Supermarkt noch rechtzeitig mit französischer Marmelade eindecken, denn die werde jetzt desgleichen allmählich knapp, weil die Lastwagen in einem 100 km langen Stau an der französischen Grenze festhingen. Sie verwechselte aber wohl die französische mit der polnischen Grenze, denn heute Nachmittag erzählte der marrokanische Fischhändler in Köln-Ehrenfeld seinem Stammkunden Herrn Bär freimütig, er führe immer noch zweimal in der Woche zum Einkauf nach Paris zum Großmarkt Rungis und hätte keine Probleme an der Grenze – frischer Fisch aus Frankreich werde wohl aber aus anderen Gründen in Köln bald knapp, weil ja in ganz Frankreich zur Zeit alle Restaurants geschlossen seien und deswegen die Fischhändler auf dem Großmarkt Rungis ihre Fische nicht mehr los werden, und aus diesem Grund die Fischer selbst dann auch nicht mehr so oft auf den Atlantik hinausführen wollten, was eine anschauliche Beschreibung der derzeitigen volkswirtschaftlichen Kettenreaktion ist, welche die einen in die Pleite treibt, die anderen hingegen zu „Kriegsgewinnlern“ werden lässt, weil sie einen Cousin haben, der einen kennt, der wiederum einen anderen kennt, dem nachts auf der Autobahn unabsichtlich eine Ladung Klopapier vom Lastwagen gefallen ist, die dann zu Schwarzmarkt-Wucherpreisen in der Kölner Südstadt am Kiosk angeboten wird. Wen es nun angesichts des zu befürchtenden Einbruchs in der Fischereiwirtschaft ein wenig nach Matrosen-Fernweh gelüstet, der höre sich auf „youtube“ von Freddy Quinn „Die Gitarre und das Meer“ oder auch „Seemann, wo ist deine Heimat?“ an, was dort in der Kommentarleiste ein gewisser „Ralf“ mit der Bemerkung garniert hat, damals, d.h. zu Freddy Quinns Zeiten, habe es noch „echte Seemannsbräute“ und keine „grünlackierten Genderbräute“ wie heute gegeben, aber das ist in diesen Tagen nicht ein Problem, das man unbedingt jetzt näher ausdiskutieren müsste.

© Raap/Bär 2020

Essen und Trinken mit Herrn Bär

Drachenkopf à la Karl-Josef Bär, Foto: Copyright Raap/Bär 2020

Drachenkopf à la Karl-Josef Bär Der Drachenkopf (in Frankreich heißt er „Rascasse“) bevorzugt sandige Böden und algenbedeckte Felsen im Mittelmeer und im Atlantik. Er ist ein Jagdfisch, der sich von kleinen Fischen und Krebsen ernährt. Im Fischhandel hat man die Rückenstacheln mit den Giftdrüsen natürlich vor dem Verkauf entfernt. Der Drachenkopf hat ein relativ weiches Fleisch und sollte am besten im Backofen gegart werden: man salzt und pfeffert ihn, beträufelt ihn mit Zitronensaft und Olivenöl, füllt das Innere mit frischen Tomaten, passierten Tomaten oder Tomatenmark, Oliven, Lauchzwiebeln, Rosmarin, Thymian und Knoblauch und schiebt ihn dann in einer Casserole für 30-40 Min. in den auf 200 Grad vorgeheizten Backofen. Dazu passt am besten ein trockener italienischer oder sardinischer Weißwein.

Das Seezungenfilet „Colbert“ ist nach dem französischen Staatsmann Jean-Baptiste Colbert, Marquis de Seignelay (1619-1683) benannt. Die Seezunge wird filetiert, nach dem klassischen Rezept gesalzen in Wiener Panade frittiert. Man serviert sie mit Kräuterbutter oder Colbertbutter bzw. Sauce Colbert: man lässt Butter aus, vermischt sie mit Bratensaft aus Fleischextrakt oder fertiger Demi-Glace, schmeckt sie dann mit gehackter Petersilie, Zitronensaft, Cayennepfeffer und Muskatnuss ab. Man kann auch auf die Panade verzichten und die gesalzenen Seezungenfilets vorsichtig pochieren, indem sie in eine gebutterte Bratpfanne legt und in einem Weißweinsud garen lässt. Zum Anrichten garniert man die Filets mit Forellenkaviar. Dazu passen ein Püree aus Süßkartoffeln und ein Riesling aus dem Elsass.

Gyros wurde wie das türkische Döner Kebap ursprünglich wohl erst dann populär, als man im 19./20. Jh. aus Platzgründen einen vertikalen Drehspieß einführte: gewürzte Lagen vom Schweinenacken werden auf den Spieß gesteckt; die firshc gegarten Teile werden außen nach und nach abgeschnitten. Die Würzung besteht aus Salz, Pfeffer, Knoblauch, Oregano und Thymian, manchmal auch zusätzlich aus Kreuzkümmel und anstelle von Oregano aus Majoran. Die arabische Variante mit Lamm- oder Hammelfleisch heißt Schawarma. Das Züricher Geschnetzelte besteht aus Kalbfleisch mit Rahmsauce, es ist neueren Datums und wird in Kochbüchern erst seit Ende der 1940er Jahre beschrieben. Es wird mit Salz, Pfeffer und Paprika gewürzt und zusammen mit gedünsteten Champignons serviert.

Stubenküken mit Maronen „Aurillac“

Stubenküken von außen und innen salzen, pfeffern, von innen auch mit Paprikapulver bestreichen. Mit Maronen, Morcheln, Lauchzwiebeln, Knoblauch, Rosmarin und Thymian füllen, mit Knoblauchöl übergießen und in einer feuerfesten Glasschüssel im Backofen bei 200 Grad garen, je nach Größe 40 bis 60 Min. Nach der Hälfte der Garzeit wenden, Möhren, Sellerie, weitere Maronen, Morcheln, grüne Oliven und Gefügelfond hinzufügen.

Impressum: V.i.S.P. Jürgen Raap, Senefelderstr. 5, 50825 Köln

baer aktuell 281 – 22. März 2020

März 1st, 2020

Bild des Monats März 2020:

Jürgen Raap, „Die türkische Schönheit“, Acryl und Öl auf Leinwand, 2020

Bär aktuell – 281 – 22. März 2020

Wer bisher noch nicht wusste, was die Vokabel „Diversität“ im Zeitalter der Globalisierung bedeutet, dem kann man diese Vokabel sehr leicht damit erklären, wie in der aktuellen Corona-Krise die eingefleischten Sekundärtugenden, d.h. mentalen und kulturellen Unterschiede, immer noch bewährt funktionieren: die Amerikaner horten Waffen zur Verteidigung gegen Plünderer, die Franzosen tätigen Hamsterkäufe mit Rotwein, um mit „savoir vivre“ die Ausgangssperren zu überstehen; die Deutschen hingegen hamstern Klopapier. Nun hatte Herr Bär nie den Ehrgeiz, an einem Marathonlauf teilzunehmen, der jetzt wegen der Coronakrise abgesagt wurde, und er wollte auch nie den Mount Everest besteigen, der jetzt für Bergsteiger gesperrt ist, weshalb Herr Bär die derzeitigen Einschränkungen mit Gelassenheit erträgt, und davon abgesehen ist Herr Bär sogar stolz darauf, dass alles, was er 2012 in seinem legendären Vortrag „Transzendenz zur Faulheit“ anlässlich der „Akademie der Muße“ im Kölner Volksgarten, d.h. im dortigen „Theater in der Orangerie“, verkündete, nun im erzwungenen gesellschaftlichen Stillstand eine Chance zur Neubesinnung unserer Existenzentwürfe bietet, was die Medien gebührend würdigen könnten, indem sie fortan Herrn Bär als „Entschleunigungspapst“ bezeichnen. Worauf es jetzt ankommt, kann man auch mit dem rheinischen Populärphilosophen Günter Eilemann (1923-2015) ausdrücken: „Wat et nit jitt, dat jitt et nit, mer halde durch un blieve fit“. Sorgen muss man sich derzeit nur um den Gemütszustand der neurotischen Helikoptermütter aus der Bioladen-Schickeria machen, die jetzt ihre wohlstandsverwahrlosten Blagen nicht mehr mit dem SUV in die Schule bringen dürfen, weil als Prestigeobjekt der Besitz einer Rolle Klopapier den protzigen SUV abgelöst hat, und sich dann auch noch der Nachbar lauthals darüber einen abjuxt, dass er selber mehr Klopapier gebunkert hat als sie SUV-besitzende Familie nebenan. Wer sich über die derzeitige Einschränkung der bürgerlichen Grundrechte grämt, der schaue sich – da er ohnehin zu Hause bleiben soll – bei einem Streamingdienst mal den Film „Das Gespenst der Freiheit“ von Luis Buñuel aus dem Jahre 1974 an – da geht es um die Absurdität der bürgerlichen Konventionen (d.h. auf heutige Zeiten übertragen auch um deren Statussymbole wie jetzt der SUV und die Packung Klopapier) und um die Unmöglichkeit, eine absolute anarchische Freiheit zu erreichen. Wer es kulturphilosophisch lieber eine Nummer kleiner hätte, dem sei bei youtobe „Easy rider“ ans Herz gelegt, ein Roadmovie, das exakt vor 50 Jahren 1970 in die deutschen Kinos kam, als Parabel auf Freiheit und Mobilität. Von wegen „Born to be wild“. © Raap/Bär 2020

Witze, die man nicht erklären muss: Was ist der Unterschied zwischen katholisch und evangelisch? Bei den Evangelischen dürfen die Kinder mit im Pfarrhaus wohnen.

Mit der Anrede „Heil, Jonathan Meese“ eröffnete in der Dezemberausgabe 2018 die Satirezeitschrift „Titanic“ einen ihrer „Briefe an die Leser“, und schon 2013 beurteilte der Zero-Künstler Heinz Mack das peinliche Hitlergruß-Getue in Meeses Performanceauftritten als „dumm“. Da fehle eben „jede Art von intellektuellem, künstlerischem oder spirituellem Anspruch“, so Mack, und das gilt sicherlich erst recht auch dann, wenn Meese sich anschickt, Friedrich Schiller oder Richard Wagner künstlerisch zu verwursten: als Rezitator und Performer vermochte hingegen Klaus Kinski einst künstlerische Tabubrüche wie auch seine cholerischen Wutausbrüche viel authentischer zu inszenieren – Kinski hatte wohl wirklich einen an der Waffel, aber Jonathan Meese spielt im Vergleich mit Kinski nur auf recht mäßigem mimischen Niveau als Künstlerdarsteller das abgedrehte Genie. Nur mit Stahlhelm ausgestattet anstatt mit klischeehafter Bohème-Baskenmütze oder Beuys-Filzhut. Herr Bär hat sich mal von einem anderen Künstler erzählen lassen, der mal bei einem Sammler in Köln-Marienburg zum Abendessen eingeladen war, wo an jenem Abend auch Meese mit am Tisch saß, dass eben jener Jonathan Meese dann ganz brav mit Messer und Gabel aß, sich auch sonst völlig gesittet benahm und mit den Tischgenossen feinsinnig auf hohem bildungsbürgerlichen Niveau parlierte – also: das ganze brachiale Tschingderrassa-Bumm-Kunstdiktatur-Gehabe, das Meese auf der Performance-Bühne abzieht, ist einfach nur eine absolut billige und völlig verlogene Show. Nun ja, der Mann ist immerhin gerade 50 Jahre alt geworden, und ein Vulgärfreudianer würde jetzt vielleicht diagnostizieren, wer sich in dem Alter noch weigert, die Pubertät hinter sich zu lassen, der verzweifelt vielleicht an der Unmöglichkeit der regressiven Rückkehr in den Mutterleib und kommt einfach nicht damit zurecht, bei der Geburt aus der warmen mütterlichen Bauchhöhle hinaus ins kalte, feindliche Leben gestoßen worden zu sein. Seine Performance zu seiner Hamburger Ausstellung „Mama Johnny“ 2007 nannte Meese bezeichnenderweise „Muttertag“. Da gibt es übrigens auch die schöne Anekdote, wie einst der Jüngling Jonathan Meese seine Skulpturen im Wohnzimmer seiner Mutter fotografierte, mit einer spießigen Tapete im Hintergrund, um diese Fotos dann zur Aufnahmeprüfung an der Hamburger Kunstakademie einzureichen. Der Professor soll bei der Begutachtung der Bewerbungsmappe aber nur gesagt haben: „Mein Gott, die Tapete sieht aber scheiße aus“, was Meese als ziemlich irritierend empfand, denn zu den Skulpturen sagte der Profesor nichts. Meese trug sich daraufhin ernsthaft mit dem Gedanken, zu Hause das Wohnzimmer zu renovieren, nahm aber davon dann jedoch Abstand, weil er glaubte, dies seiner Mutter nicht zumuten zu können, die einfach an dieser spießigen Tapete hing. Die Renovierung wäre gewiss ein emanzipatorischer Akt einer symbolischen nachträglichen Abnabelung gewesen, wobei man Mutter Meese sicherlich nicht den geringsten Vorwurf machen kann, den Sohn falsch erzogen zu haben. Nur mit der Tapete im Wohnzimmer hat irgendwas nicht gestimmt. Angenommen wurde der Filius mit dieser missglückten Bewerbungsmappe an der Hamburger Kunstakademie dennoch, und wie er das schaffte, verriet Meese der „Welt“. Die Professoren hätten nämlich gesagt: «Der Typ ist ein Spinner. Der muss hierher kommen. Weil, in der Realität kann der gar nicht überleben». In dem schönen Buch „Scheitern – Die Schattenseiten des Daseins“ wird Jonathan Meese als „durchgeknallter Archivar moderner Pathosformeln“ beschrieben, die er „für den Gebrauch in der postmodernen Alltagsrealität ästhetisch“ frisiere. Und da sind wir wieder beim Thema „Naivität und Lebenslüge“ angelangt: denn die „Diktatur der Kunst“, wie sie Meese vorschwebt, ist eben nicht „friedensstiftend, befreiend und entrückend“, und eben nicht „eine sublimierende Kraft“, die bewirke, „dass der notorische Menschheitstraum von Radikalität und Intensität nicht länger in Gewalt, Krieg und Exzess“ münde. Denn am Kanonendonner wird zu viel verdient (s. derzeit Syrien und Lybien), als dass die „Profiteure des Todes“ ernsthaft ein Interesse daran hätten, eine friedlichere Welt der Diktatur von Narren und Künstlern zu überlassen. Thomas Mann hatte einst Ernst Jünger bescheinigt, er sei „ein Wegbereiter und eiskalter Genüssling des Barbarismus“ gewesen, mit seinen kriegsapologetischen Texten und als Vordenker einer anti-liberalen Moderne. In seiner realitätsfern-blauäugigen l’art pour art-Haltung ist Jonathan Meeses spätpubertärer ästhetischer Amoralismus Ernst Jüngers Pochen auf eine Nicht-Zuständigkeit und Unberührbarkeit des Künstlers gegenüber dem realen politischen Geschehen letztlich doch ideologisch näher als dem anti-bürgerlichen Gestus der baskenmützentragenden Avantgarde der Moderne oder dem Denken von Dostojewskis literarischer Figur Rodion Raskolnikoff, der sich einbildet, außergewöhnliche Menschen hätten das Recht und die moralische Pflicht, die gewöhnlichen Menschen zu ihren höheren Zwecken zu gebrauchen – das kann aber auch heißen: zu missbrauchen. Nun, ein gescheiterter Künstler wie Adolf Hitler konnte zu einer Führerfigur werden, die sich charismatisch zu inszenieren wusste, aber ich glaube nicht, dass es Jonathan Meese im realen Leben jemals zu einem realen Diktator gebracht hätte, dem auf einem Reichsparteitag die Massen zujubeln, falls er nämlich wegen der scheußlichen Tapete im mütterlichen Wohnzimmer die Aufnahme an der Kunstakademie nicht geschafft hätte, und er dann in einem Hamburger Männerwohnheim mit tapetenlosen Wänden radikale Theorien über die Diktatur der Kunst entwickelt hätte. © Raap/Bär 2020

Bär polyglott – Unterwegs mit Herrn Bär Was gibt es Neues aus Linz am Rhein zu berichten? Nun, wer des globalisierten Hipster Foods in den Szene-Metropolen überdrüssig ist und stattdessen nostalgische Bedürfnisse in Sachen Kulinarik entwickelt, der begebe sich in Linz am Rhein ins Café am Markt, wo man erfreulicherweise noch einen Toast Hawaii kredenzt bekommt, und dies sogar nach dem Originalrezept von Clemens Willmenrod, der aber kein Koch war, sondern ein Schauspieler, der in den 1950er Jahren als Fernsehkoch auftrat und eben jenen Toast Hawaii 1955 in die internationale Gastronomie einführte: im „Café am Markt“ bekommt man ihn authentisch mit zwei Scheiben Toast, mit einer Scheibe Ananas, Kochschinken und Käse überbacken und mit einer Cocktailkirsche garniert. Außerdem kann man sich hier an einer Eissplittertorte laben, die woanders auch längst aus der Mode gekommen ist; nur ältere Damen, die im Kaffeehaus den Hut aufbehalten, wie des früher üblich war, trifft man im Linzer Café am Markt nicht mehr an. Von einem Weingut im Nachbarort Hammerstein stammt der Müller-Thurgau, eine solide Traube, die allerdings zeitweise in Verruf geraten war, weil man sie hier am Rhein in den 1980er Jahren vorzugsweise holländischen Campingurlaubern kredenzte, die damals noch keine Weinkenner waren, und was die Holländer nicht tranken, wurde dann von der EU subventioniert als Industriealkohol vermarktet, doch in der heutigen Zeit, wo inzwischen fast jeder den Unterschied zwischen einem Chagall und einem Chablis kennt, müssen die Winzer sich schon etwas mehr anstrengen als vor 30 Jahren, so dass man in Linz am Rhein den Müller-Thurgau der aktuellen Jahrgänge durchaus als trinkbar einstufen kann.

© Raap/Bär 2020

Bildstrecke: Linz am Rhein, Fotos: Copyright Raap/Bär 2020

Linz am Rhein, Foto: Copyright Raap/Bär 2020

Linz am Rhein, Fotp: Copyright Raap/Bär 2020
Linz am Rhein, Foto: Copyright Raap/Bär 2020

Essen und Trinken mit Herrn Bär

Kölscher Wirsingtopf In Köln nennt man den Wirsing „Schavu“ (von frz. Choux), während „Kappes“ für Weißkohl steht. Das klassische kölsche Rezept sieht ausgelassenen Speck vor, dem man dann Zwiebeln und Schweineschmalz hinzufügt und nach kurzem Andünsten um den Wirsing ergänzt, und den man dann in Gemüsebrühe weich köcheln lässt. Weil alle Kohlsorten blähen, fügt man außer Salz und Pfeffer auch beim Wirsing noch etwas Kümmel hinzu, aber weniger als bei Weißkohl. Typisch für die kölsch-rheinische Küche sind Rezepte mit Gemüse und Kartoffeln untereinander, d.h. miteinander vermengt, wie beim Möhreneintopf, aber auch mit Wirsing. Dazu passen warme Frikadellen, Mettwurst oder Bratwurst.

Steinbutt à la Karl-Josef Bär Der Plattfisch Steinbutt hat festes und weißes Fleisch und keine Schuppen; er ist allerdings selbst in Großstädten im Fischhandel nicht oft erhältlich. Ein ganzer Steinbutt wird mit der dunklen Seite nach oben in eine mit Butter ausgestrichenes Backblech oder in eine ofenfeste flache, breite Keramikform gelegt, von beiden Seiten gesalzt und gepfeffert, oben auch mit etwas Butter bestrichen, mit Zitronensaft beträufelt und dann in Fischfond gegart. Etwa 15 Min. bevor der Fisch gar ist, schöpft man etwas von dem Fischfonds ab, dünset Schalotten oder Zwiebeln in Butter an, rührt etwas Mehl unter und gießt das Ganze dann mit dem Fischfonds auf, lässt diesen Sud mit Schnittlauch, Dill, Petersilie, Basilikum, Nelken und einer Prise Muskat ca. 5 bis 10 Min. köcheln, gibt zum Schluss Cayennepfeffer und Sahne hinzu und übergießt den Fisch vor dem Servieren mit der Hälfte der Sauce. Kalbsmedaillons in Sauce „Anton Meis“: Die Fleischstücke von beiden Seiten anbraten, salzen, pfeffern, durchgaren lassen, mit Rotwein oder Weißwein ablöschen und dann mit Fleischbrühe auffüllen, etwas Knoblauch und Thymian hinzugeben, Sahne und Senf unterrühren.

Siglinde Kallnbach, Jürgen Raap „Frühlingsfest – 45. Geburtstag von Karl-Josef Bär“, Kunstraum Ba Cologne, Köln-Ehrenfeld, 22. März 2015, Foto: privat, Copyright Raap/Bär 2020

22. März 2020: 50. Geburtstag von Karl-Josef Bär

aus diesem Anlass: Kleiner Frühlingsempfang von 15 bis 17 Uhr im Kunstraum Ba Cologne Köln-Ehrenfeld, Neptunplatz 7, um 15.15 Uhr: Laudatio/Gratulation: Siglinde Kallnbach, anschließend: Jürgen Raap im Zwiegespräch mit Karl-Josef Bär zu weltbewegenden Themen der Zeit. Achtung: Herr Bär spricht nur kölsch.

Im Jahre 1985 stiftete das Dreigestirn des Kölner Karnevals dem örtlichen Zoo drei Grizzlybären. Einer von ihnen wurde nach dem Prinzen Karl-Josef I. benannt. Im Jahre 1988 brach Karl-Josef I. aus seinem Gehege aus. Er warf einen Baumstamm in den Wassergraben, der sein Gehege abtrennte, ruderte auf dem Baumstamm über den Graben und hangelte sich dann über das Geländer. Obwohl der Bär niemandem etwas zuleide tat, wurde er von herbeigerufenen Polizisten erschossen. Ein Spezialist mit einem Betäubungsgewehr war an jenem Tag in Urlaub gewesen.

Diese Begebenheit war Anlass zu einer Performance-Reihe, den Bären mittels Hypnose zum Leben wieder zu erwecken. Als Medium stellte sich hierfür ein Plüschbär zur Verfügung. Die ersten Performances führten 1988-1993 der Künstler Jürgen Raap und die belgische Schauspielerin Dominique Grosjean auf. Seit 1994 macht Jürgen Raap solo kabarettistische Wortperformances und Vorträge (Lecture-Performances) mit der Kunstfigur Karl-Josef Bär.

                     Performances und künstlerische Projekte

1978: „Eine Großstadtromanze“, – achtstündige U-Bahn und Straßenbahnfahrt über die Kölner Ringe
1978-1986: Schaukasten U-Bahnstation Appellhofplatz Köln, Aktionen und Installationen
1982: Künstlerische Stadtführung zum Projekt „Skulptur.Köln-Ehrenfeld“
1983: „Canned Laughter“, Musikperformance mit P. Mönnig, W. Mundt u.a. Stollwerck Köln, Nov. 1983
1984: „Kölnisch Wasser“, Performance, Moltkerei-Werkstatt Köln, Juni 1984; „Quadral- freitags in Farbe“, Performance mit W. Mundt, Neuss Niedermeyer, Kunstwoche Bonn und Artothek Köln, „Pela patate“, Performance mit Video (Video: Axel Brand), „Café Spinxx“,
Köln, November 1984
1985: „Turmbau zu Babel“, Aktion/Installation mit Th. Lohmann, K. Ebbers und K. Kampert, Moltkerei-Werkstatt Köln. März 1985, „Little Red Rooster“, Performance, Mauser-Kantine Köln-Ehrenfeld (Juni 1985) und „melk & money“, Köln-Kalk (Okt. 1985); „Brau in progress“, Performance mit W. Mundt, Teatr Maya/Poznan (Aug. 1985), Korzo-Theater Den Haag“ (Sept. 1985), Urania-Theater Köln (November 1985)
1986: „La Paloma“, Performance, Atelier Sömmering (Feb. 1986; „Rock and Roll Mops“, Performance mit D. Grosjean, Festival „5000“ Jazzhaus Stadtgarten Köln, Post-Nuklear Festival Wuppertal, Festival „Quirl“, Jagenbergfabrik Düsseldorf und Atelier Sömmering (Herbst 1986), „Checkpoint Eupen“, Performance mit Dominique Grosjean, Stollwerck Köln, Okt. 1986, „Mundverlesen“, Literaturperformances mit K. Feldkamp, Urania-Theater Köln-Ehrenfeld Nov. 1986, Dez. 1987 und zusammen mit Thomas Kling auch Nov. 1988
1987: „Das Frühstück des Diogenes“, Performance mit D. Grosjean, Moltkerei-Werkstatt Köln, Jan.1987, „Sitzung“, Performance mit D. Grosjean, Eiskellerfabrik, Hannover, April 1987, „Schlips“, Performance mit D. Grosjean, Diskothek „New York“, Kassel /„La fete permanente“zur documenta 8, Sept. 1987 und Galerie Nada, Köln-Ehrenfeld, Okt. 1987

1988: „Die Reinkarnation von Karl-Josef Bär“, Performance mit D. Grosjean, Teatr Maja/Poznan und Stodola/Warzawa, Sept./Okt. 1988, Galerie die Treppe, Düren, Karo-Galerie Berlin (Juni 1989), Kunstakademie Poznan (1992), Kunstakademie Nürnberg (1992), Messe ART NÜRNBERG (1993)
1994: Karl-Josef Bär – Werden und Wirken“, Performance Performance-Tage Oldenburg „Die Rose von Jericho“ (Sept. 1994), Lecture-Performances „Vom Schwips bis zum Vollrausch“ und „Die Entwicklung der Schweiz zur Seefahrernation“, Ultimate Akademie Köln, Okt. 1994
1995: „Hommage à Robert Filliou“, 1995, mit Thomas F. Fischer, Moltkerei-Werkstatt Köln, 17. Januar 199, Kölsche Büttenrede anläßlich „Performance à la carte“ von Ben Patterson, Urania-Theater Köln-Ehrenfeld, Februar 1995 (dito Beteiligung an der Wiederholung der Aktion auf einem Hotelschiff am Kölner Rheinufer, Sept. 1996), Vortrag „Künstlerische Interventionen im urbanen Raum“, Mobiles Büro f. Erdangelegenheiten, Leipzig
„Karl-Josef Bär –Lob der Faulheit/Die Umwandlung der Bedeutung im leeren Werk“, Interform/Multiarte II, Freiburg
1996: Lesung „Karl-Josef Bär – Rheinisches Vulgärentertainment“, Kunstknoten Regensburg, Juni 1996, Vortrag zur Performance-Konferenz (B. Nieslony/ASA), Kunsthaus Rhenania Köln
1997: Kabarett-Performance „Karl-Josef Bär“ bei Michael Berger/Fluxus-Kirche Wiesbaden
1998: „Karl-Josef Bär – Transzendenz zur Faulheit“, Kabarett-Performance, Moltkerei-Werkstatt Köln, 19. März 1998, Führung durch Ehrenfelder U-Bahnhöfe, Bürgervereinigung Ehrenfeld, August 1998
2000: „Der Post-Berbuer’sche Apparat“, Performance/Installation/Konzept-Kunst mit Thomas F. Fischer, Musik: Wolfgang Jaegers, Moltkerei-Werkstatt Köln, 7. September 2000 „Akademie för uns Kölsche „Sproch“, Mediapark Köln, 22. September 2000
2003: Kneipenlesungen „BP St. Michael“ Köln, „Wicleff“ Köln-Ehrenfeld, „Schabulski’s“ Dormagen-Hackenbroich,  diverse Lesungen/Kabarett-Performance mit Walter Stehlings „Meine Fresse Club“, Kolb-Halle Köln-Ehrenfeld u.a. Orte

„Karl-Josef Bär – Grazwurzel“, Kabarett-Performance (anstelle von Siglinde Kallnbach, die nach einem schweren Verkehrsunfall in der Berliner Charité liegt), Galerie Rachel Haferkamp, Köln (Sept. 2003)
2004: Rede zur Nubbel-Verbrennung am Karnevalsdienstag, Künstlerkneipe „gegenüber“, Köln-Ehrenfeld
Performance „Karl-Josef Bär – Maria Laach oder Mariacron?“, Messroom Köln, Rede auf d. Demonstration der freien Kunstszene, Rudolfplatz Köln, 27.3. 2004, Moderation Benefiz-Versteigerung, Galerie 6811 Köln, Auftritte in Walter Stehlings „Meine Fresse Club“, Gaststätte „501“, Köln-Ehrenfeld und „Bel air“,(Heiner Moers), Köln-Braunsfeld, Performance „Karl-Josef Bär“, Kunstverein Gütersloh
„Siglinde Kallnbach – Zwischen-Station“, Karl-Josef-Bär-Vortrag Antoniterkiche Köln, Vorlesung „Michael Dörner und Künstler-Bankette“, Universität Gent/Belgien, Conférence „20 Jahre Atelier Sömmering“, Köln
2005: Lesungen/Kabarett-Performances „Karl-Josef Bär – Warum ist es am Rhein so schön?“, Exit Art Köln (März), Kunst-Werk Köln-Mülheim (März u. Sept.) und Art Cologne Köln (Okt.) Künstlerzeitschrift „Der Stillstand“, mit Performance von Karl-Josef Bär und Ausstellung des Bildes „Mauenheim bei Nacht“ (2005), Kunstwerk Köln-Mülheim, Sept. 2005
2006: Kabarett-Performance und Ausstellungsbeteiligung  „Karl-Josef Bär – Sich rühren in Düren“ (Schloss Burgau Düren)
2007: Karl-Josef Bär-Performance „Fasten à la carte“, zur Vernissage Mies/Nowotny, Gaststätte „Bei Oma Kleinmann“, Köln, und „Transzendenz zur Faulheit – Das wiedergewonnene Paradies“, Ev. Kirchentag Köln sowie „Artemiade“-Festival Köln-Zollstock und Soirée Siglinde Kallnbach „hc+bc handycap breastcancer“, KunstWerk Köln-Mülheim
„Wie der untote Herr Bär seine Bilder erklärt“, artclub Köln
2008 Karl-Josef Bär, Performance zu: „50 Jahre Ingold Airlines“,
Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland, Bon;n Karl-Josef Bär: „Der Fadenwurm“, Performance zur Ausstellung „eingefädelt“, Museum Zündorfer Wehrturm, Köln-PorzLesung „Jürgen Raap liest Jürgen Raap“, Humoresken und Dramolette, Kunstverein Kunst E’feld e.V.
2010 „Dä endlose Desch“, Karl-Josef Bär-Performance Galerie arteversum, Düsseldorf, 28.1. 2010
2011 zusammen mit Siglinde Kallnbach: Gründung der Performancegruppe FehltWas?“ , seitdem div. FehltWas?-Kurz-Performances im öffentlichen Raum
Projekt „Kriegserinnerungen“ mit einem unveröffentlichten Roman-Manuskript, damit Beteiligung an PAErsche Performances, Ebertplatz Köln und Künstlerforum Bonn, außerdem: Performance „Kasernenhofton“, Hochbunker Köln-Ehrenfeld und FehltWas?-Malperformance Hochbunker Köln-Ehrenfeld
„Karl-Josef Bär: Vernissagenrede“: Lecture-Performance zur Vernissage von Matthias Beckmann, Städt. Galerie Herne
2012 Ansprache zum Neujahrsempfang Projektgruppe Hochbunker Köln-Ehrenfeld,
Vortrag „Karl-Josef Bär –Transzendenz zur Faulheit“, Akademie der Muße/PAErsche Performances, Theater in der Orangerie, Volksgarten Köln; Ausstellung zusammen mit Siglinde Kallnbach: „a performancelife/Der halbe Severin“,
Frauenmuseum Bonn; mit Malaktion als Teil der Performance der Gruppe „Fehltwas?“, Feb./März 2012, sowie Performances zu „Das grüne Haus“ Mai und August 2012,
2013: „Gertrudisfest, Performance/Malaktion mit Siglinde Kallnbach/“Fehltwas?“, Frauenmuseum Bonn, März und Okt. 2013;
Karl-Josef Bär-Kabarett-Performance und Malaktion zur Performance der Gruppe „Fehltwas?“ zum Europapreis-Festival, Plastisches Theater Hobbit Würzburg, Mai 2013
2014: Leihgabe eines Gemäldes für „Der Eigelstein. Drunter und drüber – Schauplatz Kölner Geschichte“, Katalogtext und Lesung „Eigelstein Blues“, Kölnisches Stadtmuseum.
2015: Kabarett-Performance „Frühlingsfest – 45. Geburtstag von Karl-Josef Bär“, Kunstraum Ba Cologne, Köln-Ehrenfeld, sowie Auftritt von „FehltWas?“ in der Originalbesetzung Kallnbach/Raap und einer erweiterten Besetzung
Fehltwas?„-Performance zum 70. Geburtstag von Linde Rohr-Bongard, Restaurantboot „Alte Liebe“, Köln-Rodenkirchen

2018/19: Lecture Performance mit Robert Reschkowski („Rock my life“ und Karl-Josef Bär: Künstlerverein Malkasten Düsseldorf, Galerie Rheinlicht Remagen, Kunstverein KLIO Linz/Rhein

2020: Frühlingsempfang zum 50. Geburtstag von Karl-Josef Bär im Kunstraum Ba Cologne Köln-Ehrenfeld

Impressum: V.i.S.P. Jürgen Raap, Senefelderstr. 5, 50825 Köln

baer aktuell 280 – 22. Feb. 2020

Februar 1st, 2020
Bild des Monats Februar 2020: Jürgen Raap, „En unserem Veedel“, Schild für Karnevalsumzug, 2020

Bär aktuell Nr. 280 – 22. Feb. 2020

Veranstaltungshinweis:

Beachten Sie bitte die Beteiligung von Siglinde Kallnbach und Jürgen Raap an der Gruppenausstellung „Liebeskirmes“ in der Galerie DD 55, Mevissenstr. 16, Köln (14. Feb. bis 8. März 2020).Es machen außerdem mit: Brunhilde Bordeaux-Groult, Brigitta Briecasso, Frank De Lentdecker, Robert Elfgen, Paula Ellert, Petra Ellert, Pascal Fendrich, Sebastian Fritzsch, Winni Gahlen, Nora Hansen, Robert Hartmann, Volker Hildebrandt, Sonja Lang, Stefanie Manhillen, Ankica Marjanovic, Linda Nadji, Andreas Nann, Martin Plüddemann, Horst Tress, Hella von Sinnen, Thomas Virnich, Not Yet, Ulrike Zilly, Marco Zumbé

Politisch korrekter Veganer-Witz aus dem Kölner Karneval zum Mitdenken:

Tünnes: „Hür ens, Schäl, ich lebe jetzt wat jesünder un och jet klimabewusster. Ich han neulich sogar mit veganer Sauce vum Maggi jekocht.“

Schäl: „Och, jo? Wat häste dann jekocht?“

Tünnes: „Rinderhackbraten met veganer Pilzsauce vum Maggi.“

Witze aus dem Kölner Karneval

„Nä, heute darf man ja janix mehr sagen. Nicht mehr Zigeunerschnitzel nicht mehr Negerkuss. Ist eigentlich ‚Führerschein‘ noch erlaubt?“ (Willibert Pauels, „Ne bergische Jung“)

„Warum ist der Papst gegen das Priesteramt für Frauen? – Die können das Beichtgeheimnis nicht für sich behalten!“ (Jupp Menth, „Ne kölsche Schutzmann“)

„… und Boris Johnson singt: Keinmal am Rhein…“ (André Vogel, „Ne Rheinschiffer“, Wohnzimmersitzung)

„Hat einer Mettbrötchen gegessen. Das sieht man seinem Gebiss an. Ich sage: Ihre Zähne erinnern mich an Duisburg und Gelsenkirchen. Fragt der: wieso? Sag ich, dazwischen liegt Essen“. (Guido Cantz)

Greta Thunberg will sich jetzt ihren Namen und auch das Label „Fridays for Future“ als Marke schützen lassen. Solch eine unverhohlene kommerzielle Ausschlachtung des „Geschäftsmodells Greta“ durch die Familie Thunberg und damit eine Herabwürdigung ihrer allfreitäglichen Mit-Demonstranten als naive „nützliche Idioten“, denen man mit Fan-Artikeln das Taschengeld abluchsen kann, hat „bär aktuell“ ja schon vor Wochen prophezeit und nunmehr damit recht behalten. Zur Wachsfigur in einem Panoptikum ausgerechnet auf St. Paulis Reeperbahn hat Greta Thunberg es inzwischen auch schon gebracht, und so gemahnt manches an diesem Greta-Hype doch schon sehr arg an einen Personenkult nordkoreanischen Ausmaßes. Was kommt nun als nächstes an Devotionalien: Schneekugeln mit Greta-Figur, Greta als Wackelbild mit Augen auf, Augen zu, Bierhumpen mit dem Aufdruck „In Greta veritas“ und Badematten (aus Naturfasern!) mit aufgedrucktem Greta-Porträt und gelben Quietsch-Entchen als Dreingabe? Wann tauchen auf muskelbepackten Oberarmen die ersten von Vater Thunberg lizensierten Greta-Tattoos auf? (Huhu, Vater Thunberg! Für diese Merchandising-Ideen bitte 10 Prozent vom Umsatz als Provision auf das Konto von Herrn Bär überweisen!)

Schnöde Bigotterie und skrupellose Geldgier ist aber auch woanders im Spiel. Dass Sigmar Gabriel nun im Aufsichtsrat ausgerechnet der Deutschen Bank sitzt, lässt manch einen nullzinsgebeutelten Kleinsparer ausrufen: „Wer hat uns verraten? Sozialdemokraten!“ Gilt doch gerade die Deutsche Bank als einer der Inbegriffe des hartherzigen und unanständigen Finanzkapitalismus. Über die rüden Gepflogenheiten und das Arbeitsklima für Praktikanten im Geldscheffelgewerbe wusste unlängst eine ehemalige Praktikantin der Deutschen Bank zu berichten: „Wenn Sie 15 Stunden pro Tag arbeiten und drei Mahlzeiten im Büro einnehmen, dann muss man einfach eine Zahnbürste dabei haben… Niemand wird jemandem ein Übernahmeangebot unterbreiten, der Mundgeruch und gelbe Zähne hat.“ So ist also dem Aufsichtsratspraktikanten Sigmar Gabriel anzuraten, sich vor der nächsten Sitzung erst einmal im Drogeriemarkt mit Zahnpasta einzudecken und beim Bürofrühstück auf Eigelb zu verzichten, weil das gelbe Zähne gibt und man Gefahr läuft, sich damit die bislang noch weiße Weste (sic!) zu bekleckern. Dem Kabarettisten Özgür Cebe verdanken wir den Hinweis, Gerhard Schröder habe seinem politischen Ziehsohn Sigmar Gabriel doch schon längst vorgemacht, wie man sich als Ex-Politiker die Taschen vollmacht: erst eine Karriere „in der SPD, dann gute Kontakte zur Russenmafia“. Da es jedoch schon 2019 bei der Deutschen Bank eine staatsanwaltliche Durchsuchung gegeben hat, ob die Bank womöglich in einen Geldwäscheskandal verwickelt sein könnte, hält Herr Bär es nicht für zu abwegig, dass die Russenmafia ihr Schwarzgeld demnächst vorzugsweise bei der Deutschen Bank einzahlt und der Aufsichtsratspraktikant Sigmar Gabriel dann unten im Tresor sitzt und mit seiner Zahnpasta die Rubelmünzen blank wienert, bis nach erfolgreicher Geldwäsche jedes Rubelstück blitzt und blinkt. Weil die Zahnpasta aber dann aufgebraucht ist, kommt Gabriel abends mit gelben Zähnen nach Hause.

© Raap/Bär 2020

Die Stadt Dortmund gönnt sich eine Internetseite „Dortmund.de“ mit dem Slogan „Dortmund überrascht“. Dort hat das Dortmunder Standesamt die derzeit beliebtesten Vornamen aufgelistet, und bei den Mädchennamen liegt hier überraschenderweise „Mia“ auf Platz 1 vor „Emilia“, während „Greta“ es nur auf Platz 17 geschafft hat. In Berliner Standesämtern wurden unlängst gar als Vornamen für Neugeborene „Polykarp“, „Tröster“, „Porsche-Cheyenne“ und „Asi“ ins Register eingetragen. Das ist immerhin noch origineller als „Greta“. Bei den Jungennamen sind mittlerweile allerdings „Kevin“ und „Adolf“ völlig aus der Mode gekommen, was Herrn Bär nicht weiter überrascht, denn einer, der „Kevin“ heißt, wird von vielen Zeitgenossen von vorneherein als naturdoof stigmatisiert, und bei „Adolf“ würde der Standesbeamte wohl nachfragen, ob man bei der Namensgebung für den Sprößling den Gesellenvater Adolph Kolping als Vorbild im Sinne habe oder vielleicht gar einen anderen Adolf. Wenn nun schon der Vater Kevin heißt und auf die Frage blauäugig und bildungsfern erwidert: „Welcher andere Adolf?“, dann wird man ihm im Dortmunder Standesamt gewiss zugestehen, seinen Sohn „Kevin-Adolf“ nennen zu dürfen.

Kommt der Sohn Kevin-Adolf aus der Schule nach Hause mit einer Bronzemedaille um den Hals. Fragt Vater Kevin: „Na, habt ihr Sport gehabt? Hast Du eine Medaille gewonnen?“ Sohn Kevin-Adolf: „Nein, wir hatten Mathe. Wir haben Wettrechnen gemacht. Der Lehrer fragte uns: Wieviel ist 3 mal 7? Ich habe sofort laut 18 gerufen und damit den dritten Platz gemacht!“

Von Karl Lagerfeld stammt das geflügelte Wort, wer im Jogging-Anzug herumliefe, habe sein Leben nicht richtig im Griff. Nun kann man manchen Zeitgenossen, die als Wutneurotiker die Kommentarleisten von Internet-Blogs mit Unflätigkeiten zutexten, durchaus attestieren, sie trügen eine intellektuelle Jogginghose. Manchmal treten im TV aber auch Satirikerdarsteller wie Jan Böhmernann auf, der so ähnlich gekleidet ist wie Heiko Maas und in dieser Gewandung wirkt die das „Männchen vom Mond“. Dass es nämlich im Auswärtigen Amt keinen Stilberater gibt, merkt man immer wieder an der missglückten Kostümierung des Außenministers Heiko Maas. Der machte nämlich kürzlich beim Außenministertreffen in Paris wieder mal eine schlechte Figur. Er trug zu einem zu kurz geratenen Jackett zwar keine Hochwasser-Jogginghose, doch Herr Bär gewann dennoch den Eindruck, Heiko Maas müsse zur Strafe immer die Sachen von seinem kleinen Bruder auftragen, oder er hätte vielleicht sogar in „Rudis Resterampe“ fünf Minuten vor Ladenschluss noch das allerletzte Jackett erwischt. So seien an dieser Stelle die Feministinnen darauf hingewiesen, dass eben nicht nur bei Politikerinnen sehr stark auf das Äussere geachtet wird, wie bei Saskia Esken, der der Kolumnist Jan Fleischhauer neulich bescheinigte, sie sähe immer so aus wie eine „sadistische Gemeinschaftskundelehrerin“, sondern zumindest in „bär aktuell“ kriegen auch männliche Politikerdarsteller ihr Fett weg: Den Freunden des gepflegten Kalauers sei daher bekundet, dass es bei Heiko Maas bislang mithin nur zu einem unvorteilhaft zu knapp sitzenden „Maas-Anzug“, aber noch längst nicht zu einem wirklich schicken Maß-Anzug gereicht hat. Vielleicht darf unser Bundes-Heiko demnächst wenigstens die alten ausgeleierten Blazer von Angela Merkel auftragen; das wäre bei ihm schon mal ein modischer Fortschritt. Und um abschließend das Bonmot von Jan Fleischhauer aufzugreifen: Norbert Walter-Borjans stecken sie dann in eine Ledermontur, in der er sich dann von der strengen und gouvernantenhaften Saskia Eskens vertrimmen lässt.

© Raap/Bär 2020

Grueße vom Kölner Karneval

Fotostrecke: „Fastelovend der leiseren Töne“ (Posthörnchensitzung) der KG „Unger uns“ von 1951, Karnevalistischer Empfang des Bezirksbürgermeisters Köln-Ehrenfeld („Prummesitzung“), „Sitzung des Festausschusses „Medizinersitzung Köln e.V.“, Pfarrsitzung St. Stephan („Krieler Dömche-Sitzung“).

„Fastelovend der leiseren Töne“, KG Unger uns von 1951 e.V., 2020, Foto: Copyright S. Kallnbach

Rote Funken bei der Medizinersitzung in der Kölner Flora 2020, Fotoi: Copyright J. Raap

Jürgen Raap (links) und Siglinde Kallnbach mit Ludwig Sebus auf der „Prummesitzung“ Köln-Ehrenfeld, Foto: privat


Siglinde Kallnbach mit Büttenredner Willibert Pauels, Foto: privat


Ehrenfelder Dienstagszug 2020 mit der Künstler-Fußgruppe “ a performacelife e.VB. und Karnevalisten der „Ihrefelder Chinese“, Foto: privat
Weiberfastnacht 2020, Foto: Copyright S. Kallnbach

Essen und Trinken mit Herrn Bär

Aal grün ist ein Traditionsgericht aus der norddeutschen und berlinischen Küche mit einer hellen Kräutersauce. Man bringt Wasser mit Fischfond, Zwiebeln, Salz, Pfefferkörnern, Petersilienwurzeln, Möhrenscheiben, Essig, Salbei und einem Lorbeerblatt zum kochen, lässt darin die Aalstücke bei niedriger Flamme weichkochen, gibt etwas später frischen Estragon, Dill und Petersilie hinzu. Für die Sauce verrührt man Butter und Mehl, lässt diese Masse kurz anschwitzen, füllt sie dann mit dem Kochsud auf und rührt zu Schluss noch etwas Sahne ein.

Marinierter Lachs „Nievenheimer Rheinaue“ Frisches Lachsfilet oder Lachskotellets salzen und pfeffern, mit Limettensaft beträufeln und einer Melange aus Sahnemerettich, ein paar Spritzern Wok-Sauce und Teriyaki-Sauce bestreichen, mit Lauchzwiebeln, gelbem Paprika, Selleriestücken, ein paar Gurkenscheiben, frischem Dill und frischem Paprika bedecken und zum Schluss Limettenscheiben obenauf legen, mit Zitronenolivenöl übergießen und ein paar Stunden marinieren lassen, dann etwas Fischsud in die Casserole oder Jenaer-Glasschüssel geben und im Backofen garen.

Kaktusfeigen enthalten Kalium, Magnesium, Kalzium, Vitamin E, B-Vitamine und Vitamin C; sie wurden in der aztekischen Kultur auch als Heilmittel verwendet. Aus Mexiko oder Israel stammend sind in unseren Supermärkten ganzjährig erhältlich. Man muss die stachelige Schale abziehen und das Fruchtfleisch dann klein schneiden – es eignet sich als Zutat für Geflügel- oder Wildgerichte, z.B. gefüllte Rebhühner à la Karl-Josef Bär, die man salzt, pfeffert, innen mit etwas gelbem Cury bestreicht, dann mit Zwiebeln, rotem Gemüsepaprika, Kaktusfeigenfleisch und getrockneten Datteln füllt, dazu frischer Koriander und etwa Zitronengras. Im Backofen ca. 30 bis 40 Min. garen. Dazu passt Reis am besten und ein kräftiger Bordeaux oder Crozes Hermitage von der Rhone.

Brunnenkresse wurde in der Antike als Heilpflanze geschätzt, denn auf aufgrund ihres hohen Vitamin C-Gehalts galt sie als Anti-Skorbut-Mittel und blutreinigend. Sie enthält auch Jod und Eisen. Ihre Blätter sind größer als bei der Gartenkresse, die ganzjährig in Supermärkten erhältlich ist. Suppen, Eiergerichte (Rührei, Omeletts), Spinat und Kartoffelgerichte gewinnen durch die Beigabe von Brunnenkresse an Aroma, allerdings sollte man nicht mehr als 20 Gramm pro Tag verzehren, da sonst die Nieren zu stark gereizt werden. Herr Bär richtet einen Brunnenkressesalat mit Erdnüssen, Wachteleiern, Olivenöl, Balsamicoessig, etwas Senf und Tomatenstückchen an, dazu Salz, Pfeffer und etwas frischen Dill.

Impressum: V.i.S.P. Jürgen Raap, Senefelderstr. 5, 50825 Köln

baer aktuell 278/279 – 22. Jan. 2020

Januar 6th, 2020
Bild des Monats Januar 2020: Jürgen Raap, „Die gepanzerte Gattin“, Acryl und Öl auf Leinwand, 2019

Bär aktuell Nr. 278/279 – 22. Januar 2020

E glöcksillich Neujohr“ – das wünscht man sich in Köln zum Jahreswechsel, und bei Herrn Bär verbinden sich diese guten Wünsche mit der Hoffnung, dass im neuen Jahrzehnt die Hysterisierung und Infantilisierung unserer Gesellschaft nicht noch mehr überhand nehmen möge. So sei zum Jahresbeginn der oftmals allzu unbedachten und zumal auch noch allzu ruppig formulierten Schwaadlappigkeit in den sozialen Medien und dort speziell den Shitstorm-Neurotikern mal ein Bonmot des Philosophen Ludwig Wittgenstein entgegen gehalten: „Wovon man nicht reden kann, darüber muss man schweigen“.

Wenn man weiß, dass das Imperium Romanum nicht an seiner Dekadenz zugrunde gegangen ist, sondern an der Erfindung des Steigbügels bei den fränkischen Reiterheeren, die sich dadurch mit ihren schweren Rüstungen leichter aufs Pferd schwingen konnten und in eben dieser schweren Rüstung den Auxilaren in der römischen Kavallerie überlegen waren, der ahnt, dass eine mögliche Götterdämmerung Europas nicht von dem brachialen politischen Egoismus eines Boris Johnson abhängt oder von der Dekadenz eines überbezahlten Fußballspielers des FC Bayern München, der sich aus lauter Angeberei in einem Restaurant Blattgold aufs Steak streuen ließ, nicht ahnend, dass Blattgold nach nichts schmeckt. Daher muss man auch nicht unbedingt der „Futuristischen Fleischplastik“ das Wort reden, die der italienische Literat Filippo Tommaso Marinetti 1932 in seinem „Manifest der futuristischen Küche“ propagierte: Diese „Fleischplastik“ folgt einem Rezept des „Luftdichters“ Fillia. Sie besteht aus einem großen, zylindrischen Stück Kalbsbraten, der mit elf verschiedenen Sorten gesottenem Gemüse gefüllt wird. Der Fleischzylinder ist beim Anrichten mit einer dicken Honigschicht bedeckt „und an der Basis von einem Wurstring getragen, der sich auf drei vergoldete Kugeln aus Hühnerfleisch stützt“, aber wie gesagt: Gold schmeckt nach nichts. Äusserst fragwürdig ist diese Futuristische Fleischplastik jedoch in anderer Hinsicht, weil nämlich der in jungen Jahren noch avantgardistisch gesonnene Futurist Marinetti später eine höchst bedenkliche Nähe zum Mussolini-Faschismus pflegte und seine Ernährungstheorie skrupellos in dessen Dienste stellte, als er den Italienern einzureden versuchte, Nudelgerichte würden zur Verweichlichung führen, was natürlich töricht ist wie so vieles, was von irgendwelchen Eiferern an Nahrungsaufnahme ideologisiert wird.

Aber der vegane Burger stellt zu Blattgold auf dem Hüftsteak (nicht zu verwechseln mit „Hüftgold“) keine ernährungsphysiologische und politisch korrekte Alternative dar, weil nämlich dessen Anreicherung mit chemisch-künstlichen Aromastoffen diese Veggie-Burger durchaus in die Nähe jenes Junk Foods rückt,das Herrn Bär an jene Hähnchenbratereien erinnert, wo man vor 40 Jahren die Knochen vom Hähnchen getrost mitessen konnte, weil sie durch Antibiotika und Wachstumshormone selbst für Gebissträger biegsam und mürbe genug waren. Wenn also der WDR-Kinderchor glaubt, Spottlieder über die Ernährungsgewohnheiten der heutigen Gebissträger-Generation zum besten geben zu müssen, erweist sich dies als nicht pointensicher dargeboten, wie so manches, was heute als Satire gelten soll. Denn beim Bio-Hähnchen kann man inzwischen die Knochen eben nicht mehr so mitessen so wie früher, und auch sonst ist das Bio-Hähnchen ernährungsmedizinisch bestimmt gesünder als ein Veggie-Burger aus dem lebensmittelchemischen Labor. Die „Stiftung Warentest“ fand übrigens heraus, dass die „Geflügel-Bratwurst“ eines bekannten Herstellers von einem Schweinedarm umhüllt ist, und diese Wursthülle „sei spürbar zäh und erfordere energisches Kauen“. Über die Probleme der Gebissträger-Generation beim Zerkauen einer Geflügel-Bratwurst könnte der WDR-Kinderchor ja auch mal ein Spottlied mit ironischem Seitenhieb auf den Hersteller darbieten, ohne erneut die Pointe zu versemmeln.

In kölschen Brauhäusern kann man sich übrigens auch mit einem „Halven Hahn“ vegetarisch ernähren (Röggelchen mit mittelaltem Holländer). Auswärtige Touristen, die solche Etablissements frequentieren, müssen sich allerdings an die traditionell flapsigen Sprüche vom Bedienungspersonal, hier „Köbes“ genannt, gewöhnen: Ein Düsseldorfer bestellte kürzlich in einem kölschen Brauhaus ein Alt-Bier. Der Köbes servierte ihm ungerührt ein Kölsch und sagte zu ihm: „Lass et ne halbe Stunde stehn, dann is et alt“. – Ein anderer Gast glaubte, er stelle sich pfiffiger an, wenn er nicht ein Alt, sondern nur ein „dunkles Bier“ verlange. Der Köbes: „Warte ein Minütchen, dann mache mer dat Licht aus, un do häs dunkles Bier“.

Bärs Adelskritik Prinz Harry, der Herzog von Sussex, erhielt bislang eine Apanage von 2 Mill. Euro jährlich aus dem Sovereign Grant der britischen Regierung. Dieses Geld fällt nun weg mit seinem Ausstieg aus dem royalen Repräsentationspflichtprogramm. Er strebe künftig eine „finanzielle Unabhängigkeit“ an, hatte der Prinz verkündet. Immerhin wird ihm ein Privatvermögen von 35 Mill. Euro nachgesagt. Ist das nicht finanzielle Unabhängigkeit genug? Damit könnte man doch eigentlich ganz gut leben – Kaiser Wilhelm II. hat es nach seiner Abdankung 1918 im niederländischen Exil ja auch vorgemacht. Zur Vorspeise gab es auf Schloss Doorn damals einen halben Hummer – „Wilhelm der Letzte“, wie ihn seine Gegner verspotteten, konnte sich das leisten, denn er verfügte dank der Generosität des preußischen Staates 1929 im Exil immer noch über ein Vermögen von 55 Mill. Reichsmark. Altbundeskanzler Gerhard Schröder, dem heute immer noch ein Büro in Berlin zusteht, bei dem allein die Bezahlung der Mitarbeiter den Steuerzahler jährlich 561.000 Euro kostet, erweckt allerdings den Eindruck, er käme mit seiner Pension als Ex-Ministerpräsident und Altbundeskanzler nicht zurecht, weshalb er sich auf seine alten Tage noch als Aufsichtsrat bei Rosneft verdingen musste. Für den Fall, dass auch sie mit ihrem Privatvermögen nicht auskämen, haben Harry und Gattin Meghan schon vorgesorgt und sich im Handelsregister die Markenrechte am Namen „Sussex Royal“ gesichert, um damit ein Merchandising mit Büchern, Kalendern und Kleidung zu betreiben, wie man „The Sun“ entnehmen kann. Ein schnöder Aufsichtsratsposten bei Rosneft bleibt Prinz Harry damit also erspart.

Bär polyglott – unterwegs mit Herrn Bär Zur CDU-Ikone hat es bei Annegret Kramp-Karrenbauer bislang noch nicht gereicht, allenfalls zu einem christdemokratischen Saarland-Maskottchen mit „Heinz Becker“-Image. Dass „AKK“ vor einem Jahr ein karnevalistischer Unisex-Toilettenwitz missglückte, wird ihr von ihren Gegnern auch heute noch unter die Nase gerieben, doch Herr Bär musste unlängst feststellen, dass in der tiefsten Provinz – allerdings nicht im Saarland, sondern etwas weiter östlich, wo der Dialekt aber noch so ähnlich klingt – die Unisextoilette in Landmetzgereien mit angeschlossenem Restaurant inzwischen gang und gäbe ist: nachdem Herr Bär einen Strammen Max mit Kochschinken in bester handwerklicher Metzgertradition verspeist und dazu ein süffiges Klosterbier getrunken hatte, steuerte er zielsicher die Herrentoilette an, die dort direkt neben der Damentoilette liegt, und er musste feststellen, das man auf der Herrentoilette Hygienebeutel zum Entsorgen von Damenbinden ausgelegt hatte. Auf der Herrentoilette! Nun ja, hier ist man ja inzwischen aber auch sehr tolerant, dachte sich Herr Bär, doch da auf der Herrentoilette der Seifenspender leer war, begab sich Herr Bär anschließend auf die Damentoilette nebenan, um sich dort die Hände zu waschen: der Seifenspender dort war voll, aber dafür gab es auf der Damentoilette keine Hygienebeutel für Damenbinden. So funktionieren also Unisex-Toiletten in ländlichen Gegenden, dachte sich Herr Bär und trollte sich in den Gastraum zurück.

Copyright Raap/Bär 2020

Bildstrecke: Gastbeitrag von Jürgen Raap in der Ausstellung von Siglinde Kallnbach im Naturmuseum Tann/Rhön 2019/2020. Foto: Copyright S. Kallnbach 2020. – Siglinde Kallnbach überreicht ein Exponat aus der Ausstellung dem Bürgermeister der Stadt Tann, Mario Dänner (Mitte), Foto: privat

Foto: privat, alle Rechte vorbehalten
Foto: Copyright S. Kallnbach
Foto: Copyright S. Kallnbach

Essen und Trinken mit Herrn Bär

Peking Gulaschsuppe ist eine Hühnersuppe, bei der man Zwiebeln kurz in Hühnerfett oder Öl andünstet, dann Hühnerbrühe und Fleisch vom Suppenhuhn hinzufügt und köcheln lässt, dann kommen ein paar kleine Stückchen Chilischoten, Gemüsepaprika, Bambussprossen, Knoblauch, Sambal Oelek und Ananassaft hinzu, zum Schluss ein verquirltes Ei und Tomatenmark, frischer Koriander und frisches Zitronengras.

Dorade provencale

Die tunesische Küche ist weitgehend arabisch geprägt, sie weist aus der Kolonialzeit aber auch französische und wegen der geografischen Nähe ebenso italienische Einflüsse auf. Doraden (Meerbrassen, Goldbrassen) sind Seefische aus dem Mittelmeer. Artverwandt ist die Rotbarbe (Rotbrasse). Dorade(n)salzen und pfeffern, mit provencal. Kräutern und Knobloch füllen, zusammen mit Zwiebeln anbraten, Fischfonds hinzugeben, im Sud mit Tomaten und rotem Paprika dünsten lassen.

Entenschenkel à la Perigord Im Südwesten Frankreichs zwischen Toulouse, Carcassonne und Castelnaudary sind deftige Wintergerichte mit Ente heimisch – der Bohneneintopf Cassoulet mit Entenfleisch, Confit de Canard mit Fleisch, das in Fett gekocht und dann eingelegt wird, oder faserige schmalzähnliche Rillettes als Brotaufstrich und die Entenstopfleber, die hier um 1860 populär wurde, unter Tierschützern aber heute verpönt ist. Bei frischen Entenschenkeln bevorzugt Herr Bär eine Rezeptvariante, bei der man die Schenkel in Enten- oder Gänseschmalz kurz anbrät, sie dann salzt und pfeffert, zusammen mit Zwiebeln, Knoblauch, Möhren, Sellerie, etwas Kümmel, frischem Thymian, einem Lorbeerblatt, einer Wacholderbeeere, Morcheln, einem Steinpilz und Oliven im Backofen ca. 45 bis 60 Min. in einem Gefügel- oder Entenfond weich schmoren lässt und die knusprigen Schenkel dann zusammen mit Kartoffel-Sellerie-Püree serviert. Dazu passt am besten ein vin de Cahors oder ein anderer kräftiger Rotwein aus der Region.

Thai-Hühnersuppe Tom Kha Gai hat Hühnerfleisch und Hühnerbrühe als Basis, angereichert mit Lauchzwiebeln, mit Kokosmilch, Galgantwurzel (ersatzweise mit frischer Ingwerwurzel), Zitronengras, Limettensaft, Chili oder Sambal Oelek, etwas gelber Currypaste, ein paar Spritzern Fischsauce und frischem Koriander.

Curry nennt man in Indien und Ostasien eintopfartige Gerichte mit Fisch oder Fleisch. Das Currypulver wurde im 18./19. Jh. in Großbritannien erfunden, es ist nicht indischen Ursprungs. Hauptbestandteil des Currypulvers ist gelbes Kurkuma, außerdem Koriander, Kreuzkümmel, schwarzer Pfeffer, Paprikapulver, roter Cayennepfeffer, beim Madras-Curry auch Chili, Ingwer, Knoblauch, Muskat, Nelken, Senfsaat, Senfkörner und andere Gewürze, insgesamt sind es etwa ein Dutzend Zutaten. In Thailand verrührt man das Pulver im Mörser zu einer cremigen Paste, die es bei uns auch fertig in Asia-Supermärkten zu kaufen gibt. Am schärfsten ist die grüne Currypaste mit einem hohen Anteil an Chilischoten, milder ist die gelbe Currypaste mit viel Kurkuma, weniger Chili, dazu Zitronengras, Zimt, Nelken, Koriander, Galangawurzel, Knoblauch. Getrocknete Chilischoten verleihen der roten Currypaste die charakteristische Farbe; sie enthält auch grüne Pfefferkörner un liegt im Schärfegrad zwischen der gelben und der grünen Paste. In Südindien und auf Sri Lanka würzt man Gerichte auch mit Blättern vom Currybaum, aber diese Blätter haben nichts mit den beschriebenen Pulvern und Pasten zu tun.

Polnische ist eine grobe Mettwurst, d.h. eine kalt geräucherte Rohwurst im Naturdarm. Sie besteht aus Schweinefleisch und ist mit Knoblauch und Majoran gewürzt. Man kann sie kalt zur Brotzeit oder zum Frühstück oder in Spitzkohlgemüse mit Kartoffeln leicht mitdünsten : Spitzkohl in Butter andünsten, mit Salz, Pfeffer und etwas Kümmel würzen, etwas Gemüsebrühe hinzufügen und ebenso die vorgekochten Kartoffeln und die Würste hinzugeben, bei niedriger Flamme köcheln lassen bis letztere durchgebrüht sind. Die „Schlesische“ ist eine Brühwurst mit mittelgrobem Pfeffer, viel Knoblauch und viel Majoran, dafür aber weniger aber weniger Salz als bei anderen Sorten. Die „Oppelner Bockwurst“ im Schweinedarm ähnelt in ihrer Rezeptur dem Wiener Würstchen, ist aber etwas kräftiger gewürzt. „Krakauer“ ist eine Sammelbezeichnung – in Österreich versteht man darunter eine Wurst, die eher dem deutschen Bierschinken ähnelt. In Deutschland nennt man sie auch Polnische oder Kochpolnische – das ist eine Brühwurst aus 50 Prozent Schweinefleisch und Schweinebauch sowie 50 Prozent Rinderbrät, gewürzt mit Pökelsalz, Pfeffer, Würzpaprika, Muskat und Knoblauch. Bei der Schinkenkrakauer beträgt der Schweinefleischanteil mit Speck rund zwei Drittel der Wurstmasse, ein Drittel ist Rinderbrät. Alle Krakauer-Varianten werden zuerst heiß oder kalt geräuchert und dann gebrüht.

Impressum: V.i.S.P. Jürgen Raap, Senefelderstr. 5, 50825 Köln

baer aktuell 277 – 22. Dez. 2019

Dezember 14th, 2019

Bär aktuell Nr. 277 – 22. Dez. 2019

Deppen-Ranking Im Jahres-Ranking der peinlichsten Fehlleistungen führt diesmal der Verkehrsminister Andreas Scheuer mit Platz 1 die Tabelle an, weil er die Einführung einer Maut-Gebühr juristisch krachend an die Wand gefahren hat. Blöd daran ist vor allem, dass Politiker nicht persönlich haften müssen, wenn sie durch ihre irrlichternde Verblendung und Unbelehrbarkeit, und vor allem jedoch durch dämliche parteitaktische Tricksereien der Allgemeinheit, vulgo: den Steuerzahlern, zu denen auch Herr Bär gehört, einen Schaden in dreistelliger Millionenhöhe bescheren.

Und da dieser Andy Scheuer zudem auch noch den unfallträchtigen Tretroller-Unfug zu verantworten hat, liegt er sogar noch mit sehr großem Vorsprung vor Donald Trump, der Platz 2 einnimmt wegen seiner geografischen Unkenntnis: er wolle eine Mauer zwischen Colorado und Mexiko errichten, hatte Trump getönt, ohne zu wissen, dass Mexiko gar keine gemeinsame Grenze mit Colorado hat.

Noch peinlicher: eine Twitterbotschaft garnierte Trump mit einer Fotomontage, bei der er sein Gesicht ausgerechnet mit dem Bodybuilding-Oberkörper von Sylvester Stallone kombinierte, was im Falle Trumps aber einfach nur lächerlich aussieht. Über Mutti Merkel kann man ja lästern, wie man will, sie verharre mit ihrer „Weiter so“-Politik wie in einem Müttergenesungswerk, aber zu ihrer Ehrenrettung muss Herr Bär doch sagen: sie käme gewiss niemals auf die alberne Idee, in der Manier des Trump’schen Tweets unseriöserweise ein Foto von ihrem Gesicht mit einem Abbild des Oberkörpers von Dolly Buster zusammen zu collagieren.

Tumbe Machos als Politiker gibt es auch sonst reichlich auf dieser Welt: wenn sich einer benimmt wie die sprichwörtliche Axt im Walde (Achtung: Kalauer!), dann ja wohl vor allem der brasilianische „Regenwald-Trump“ (BILD-Zeitung) namens Jair Bolsonaro (Platz 3). Dass im Unterschied zu Donald Trump und Boris Johnson zumindest die Frisur von Bolsonaro noch halbwegs akzeptabel ist, mindert allerdings nicht den schlechten Eindruck, den er als hinterwäldlerischer Holzfäller und mit unziemlichen Bemerkungen über die Gattin des französischen Staatspräsidenten in der Weltöffentlichkeit hinterlässt.

Die „BILD“-Zeitung meldete schon mal aus Jux einen Hund als SPD-Mitglied an, und dann kandidierte zu allem Überfluss auch noch Jan Böhmermann für den SPD-Vorsitz, dies allerdings vergeblich, da er nämlich zum Zeitpunkt seiner Kandidatur noch gar nicht SPD-Mitglied war und sich daher den hämischen Kommentar gefallen lassen musste, er hätte es lieber wie der „BILD“-Hund machen sollen: nämlich erst die Mitgliedschaft beantragen, dann kandidieren und nicht umgekehrt (Platz 4).

Obwohl Jan Böhmermann denselben Friseur haben könnte wie Jair Bolsonaro, wäre er Herrn Bär als neuer SPD-Vorsitzender dennoch lieber gewesen als ausgerechnet Saskia Esken, die immer mit so verkniffenen Mundwinkeln vor die TV-Kameras tritt, als ob das Leben immer nur zu Verbiesterungen und Verbitterungen führen müsse, und die sich außerdem Witze gefallen lassen muss, sie habe eine Frisur wie der Fußballtrainer Jogi Löw, aber mit einer Bolsonaro-Frisur würde sie wohl auch nicht mehr an Charme gewinnen, sondern höchstens dem Kabarettisten Sebastian Pufpaff eine Steilvorlage zu einer neuen Pointe geben: Pufpaff apostrophierte nämlich in einem seiner TV-Auftritte Andrea Nahles versehentlich als „Andreas Nahles“ und entschuldigte sich dann, sie sähe „dem Andreas“ aber verdammt ähnlich, eine Verwechslung, die wohl nur frisurtechnisch zu erklären ist.

Sebastian Pufpaff behauptet übrigens, er hieße wirklich so, und er sei nur Komiker geworden, um nicht immer wegen seines Nachnamens verspottet zu werden: daher teilen sich in diesem Ranking alle krawallschachteligen und verhärmt-entsagungsvoll auftretenden Politikerinnen mit Jogi-Löw-Frisur Platz 5 mit allen Komikern, die darauf bestehen, ihr reichlich bizarr klingender Nachname sei kein Pseudonym, und die sich deswegen zu brachialen frauenfeindlichen Witzen über schlecht frisierte Politikerinnen herausgefordert fühlen. Im Kölner Domkapitel gibt es übrigens einen Ansgar Puff, der nicht Komiker geworden ist, weil er unter seinem Nachnamen leidet, sondern Weihbischof, und als solcher verkneift er sich mit großer Souveränität Witze über Politikerinnen mit Bundestrainer-Frisur, so dass Herr Pufpaff sich vielleicht an Weihbischof Puff mal ein Beispiel nehmen sollte.

Dass eine spezielle Zuckerlösung in der Naturkosmetik der Entfernung eines Damenbartes dienlich ist, als kulinarisches Genussmittel jedoch dick macht und deswegen als ungesund gilt, verschweigt uns die Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner mit ihrer Halbherzigkeit in Sachen „Nutri Score“-Kennzeichnung für bedenkliche Lebensmittel, so fordert die „taz“ zu recht, sie solle doch endlich aufhören, „mit der Zuckerindustrie zu kuscheln“ (Platz 6). Denjenigen, die es gerne mit Gender-Mainstream übertreiben, sei nahegelegt, dass auch im Deppen-Ranking von „bär aktuell“ bei „Dummkopf“ nach Duden die korrekte maskuline Deklination nach wie vor „Der Dummkopf“ lautet und nicht etwa „Die Dummköpfin“ oder gar „die Dummköpf*in“, und deswegen Platz 7 für alle, die es nicht begreifen: Würde man behaupten, „In bär aktuell sind diesmal 7 Dummköpfinnen aufgelistet“, so müsste im Sinne der Duden-Normorthographie Herr Bär empört ausrufen: „Stimmt nicht! Es sind auf den ersten sechs Plätzen nur jede Menge Dummköpfe und Julia Klöckner.“ Beim Frauenbild von Sebastian Pufpaff geht „Andreas Nahles“ allerdings womöglich als „divers“ durch.

© Raap/Bär 2019

Essen und Trinken mit Karl-Josef Bär

Rösti gehören wie Fondue und Raclette zu den Schweizer Nationalgerichten: Mehlige Kartoffeln kocht man am Vortag und schält sie dann, schneidet sie mit einer groben Raffel in Stifte schneidet und salzt sie. Die Kartoffelstifte werden in einer Pfanne in heißer Butter binnen ca. 20 Minuten auf einer Seite goldbraun gebraten, dann umgedreht und fertig gebraten. Ursprünglich war das ein Restegericht aus übrig gebliebenen Kartoffeln. Andere Rezepte beschreiben rohe Kartoffeln, die man zerreibt und dann mit Ei und Mehl vermischt.

Rosenkohl, in Belgien Choux bruxellois genannt, enthält viel Vitamin A und C sowie Mineralstoffen wie Eisen, Kalium, Kalzium, Magnesium und Glukosinolate. Man putzt die Röschen vor dem Kochen, entfernt die Strünke und welke Blätter, kocht den Rosenkohl dann 12 bis 15 Min. in Salwasser. Dann lässt man Speck und Zwiebeln aus, gibt den Rosenkohl hinzu, schwenkt ihn leicht darin und würzt ihn mit Pfeffer, Muskat und Petersilie. Weil Rosenkohl leicht bitter ist, lässt er sich gut mit Walnüssen kombinieren.

Pommes sarladaises ein Gericht aus dem südfranzösischen Périgord. Vorgekochte Kartoffeln werden gewürfelt und wie Bratkartoffeln in Gänseschmalz angebraten, dann lässt man sie zusammen mit Steinpilzen, Knoblauch und Petersilie bei niedriger Flamme weiter schmoren.

Marinierter Lachs ‚a la Karl-Josef BärLachs in Olivenöl, Zitronensaft, ein paar Spritzern aisatischer Fischsauce, Wasabi-Meerrettich, Sahnemeerrettich, etwas Senf, grünen Pfefferkörnern, ein paar Spritzern Tabasco oder Chilisauce, Ingwerscheiben, Beifuß, Knoblauch, Lauchzwiebeln und Dill marinieren, und je nach Dicke der Lachsscheiben 25-35 Min. im Backofen garen. Dazu lauwarmer Kartoffel-Apfel-Ingwersalat aus gekochten geraspelten Kartoffelstreifen, dünnen Gurkenstücken, geriebenem Apfel, geriebenem Ingwer, Dill, Salz, Pfeffer und Creme fraiche, ergänzt um einen Knubbel kalten Salat mit frischer Kresse, Gurken und Apfelstücken, angemacht mit Sylter Salatsauce.

© Raap/Bär 2019

Essen und Trinken mit Karl-Josef Bär

Rösti gehören wie Fondue und Raclette zu den Schweizer Nationalgerichten: Mehlige Kartoffeln kocht man am Vortag und schält sie dann, schneidet sie mit einer groben Raffel in Stifte schneidet und salzt sie. Die Kartoffelstifte werden in einer Pfanne in heißer Butter binnen ca. 20 Minuten auf einer Seite goldbraun gebraten, dann umgedreht und fertig gebraten. Ursprünglich war das ein Restegericht aus übrig gebliebenen Kartoffeln. Andere Rezepte beschreiben rohe Kartoffeln, die man zerreibt und dann mit Ei und Mehl vermischt.

Pommes sarladaises ein Gericht aus dem südfranzösischen Périgord. Vorgekochte Kartoffeln werden gewürfelt und wie Bratkartoffeln in Gänseschmalz angebraten, dann lässt man sie zusammen mit Steinpilzen, Knoblauch und Petersilie bei niedriger Flamme weiter schmoren.

Marinierter Lachs ‚a la Karl-Josef Bär Lachs in Olivenöl, Zitronensaft, ein paar Spritzern aisatischer Fischsauce, Wasabi-Meerrettich, Sahnemeerrettich, etwas Senf, grünen Pfefferkörnern, ein paar Spritzern Tabasco oder Chilisauce, Ingwerscheiben, Beifuß, Knoblauch, Lauchzwiebeln und Dill marinieren, und je nach Dicke der Lachsscheiben 25-35 Min. im backogen garen. Dazu lauwarmerr Kartoffel-Apfel-Ingwersalat aus gekochten geraspelten Kartoffelstreifen, dünnen Gurkenstücken, geriebenem Apfel, geriebenem Ingwer, Dill, Salz, Pfeffer und Creme fraiche, ergänzt um einen Knubbel kalten Salat mit frischer Kresse, Gurken und Apfelstücken, angemacht mit Sylter Salatsauce.

baer aktuell 276 – 3. Dez. 2019

Dezember 1st, 2019

Bild des Monats Dezember 2029:

Jürgen Raap, „Das Ministerium der Gezeiten“, Acryl/Öl auf Leinwand, 2019

Bär aktuell Nr. 276 – 3. Dez. 2019:

Einen Shitstorm musste der Kabarettist Dieter Nuhr über sich ergehen lassen, bloß weil er es wagte, einen Witz über Greta Thunberg zu machen: „Die kalte Jahreszeit hat begonnen. Was macht Greta Thunberg jetzt bloß? Heizen ja wohl nicht“. Nuhr wiederum sah sich veranlasst, seine Widersacher aus der „wutgestörten Empörungsindustrie“ (O-Ton Nuhr) mit der Replik zu belehren, es gelte ja wohl nicht, den Klimawandel zu leugnen und es gelte auch nicht, die Notwendigkeit zum Umdenken und zur Änderung des Verhaltens in Sachen Klimapolitik zu kritisieren, durchaus aber diejenigen, die in ihrer Hysterie und moralischen Überheblichkeit gehörig über das Ziel hinaus schießen. Solch ein Shitstorm ist allerdings noch relativ harmlos, weil nämlich woanders die freimütige demokratische Debattenkultur von rechten wie linken Fanatikern mit Bedrohungen, Niederbrüllen der Andersdenkenden und sonstigem totalitärem Gebaren ramponiert wird: es mutet schon ein wenig neo-stalinistisch an, wenn einem betulichen ehemaligen Bundesinnenminister und einem FDP-Vorsitzenden mit Bonvivant-Gehabe an einer Universität das Rederecht verweigert wird. Man muss im übrigen Greta Thunberg ja nicht gut finden, bloß weil sie aus rechten Kreisen angefeindet wird. Natürlich sollte ein halbwegs wacher Geist nicht mit den verschrobenen „Klimaleugnern“ gemeinsame Sache machen, denn das wäre intellektuell unredlich. Auch sonst sollten alle Ideologien, die mit autoritären und diktatorischen Gesellschaftsmodellen rechts von CDU/CSU/SPD/FDP/Grünen kokettieren, für jeden Demokraten strikt tabu sein. Heutzutage kann man ja wohl jedem abverlangen, aus der Geschichte des 20. Jh. gelernt zu haben und nicht mehr auf nationalchauvinistisches Gepoltere herein zu fallen. Dass jedoch ein 16jähriges Schulmädchen, das sonst mit eher jesushaftem Missionarismus durch die Welt tingelt, sich dann im Businesslady-Outfit für die Titelseite des britischen Männermagazins „GQ“ ablichten lässt, als Gegenleistung für die Verleihung des Preises „GQ-Award“, ohne dass dabei auch nur die geringste Selbstironie zu erkennen ist, findet Herr Bär dennoch reichlich frivol. Da außerdem auch noch 94.000 Euro Preisgeld für den alternativen Nobelpreis an sie ausgeschüttet wurden, kann man sich durchaus mal über das erfolgreiche „Geschäftsmodell Greta“ der Familie Thunberg mokieren, das ja nicht zuletzt auf gut einstudierten schauspielerischen Leistungen zu beruhen scheint, wenn man – wie Herr Bär als Spezialist in Sachen Performance und künstlerischer Selbstdarstellung beurteilen kann – sich das Video von ihrem gekonnt inszenierten Wutausbruch auf dem UN-Klimagipfel einmal genauer anschaut. Dafür hätte man ihr und ebenso dem gelernten Schauspieler Vater Thunberg für das Coaching der Tochter eher den Iffland-Ring des Wiener Burgtheaters verleihen sollen. Diese Einschätzung hat nichts mit irgendwelchen diffusen Verschwörungstheoerien zu tun. Bei der Erwähnung von Vater Thunberg fällt Herrn Bär merkwürdigerweise immer Vater Graf ein, der einst die Gagen seiner tennisspielenden Tochter Steffi in Plastiktüten vom Centre Court wegsschleppte. Dieter Nuhr würde jetzt sagen: „Was benutzt Vater Thunberg, um die Geldbündel für den alternativen Nobelpreis seiner Tochter fortzuschleppen? Plastiktüten ja wohl nicht!“ Löst auch dieser Witz einen Shitstorm aus? Für ihre Anhänger ist „Gretchen“ seltsamerweise sakrosankt wie eine Heilige. Das hat für Herrn Bär schon einen äusserst faden Beigeschmack, denn in unserem Land, indem man mit charismatischen Führerfiguren, die eine Massenbewegung verzückten, die übelsten Erfahrungen hat machen müssen, ist für Herrn Bär – vornehm ausgedrückt – ein gewisser Argwohn gegenüber dem „Greta-Hype“ angebracht. Und da man an den allgemeinbildenden Schulen heutzutage offensichtlich nicht mehr in dialektischem Denken geschult wird, sondern in den sozialen Medien in grobholziger Weise nur noch seine eigene Meinung gelten lässt und auf jegliches abweichendes Denken mit der Anmaßung einer moralisch überheblichen Selbstjustiz, d.h. mit einer anprangernden „Cancel Culture“, vulgo: einer gesellschaftlichen Stigmatisierung und Ausgrenzung, reagiert, gibt es jetzt in „bär aktuell“ ein wenig Nachhilfe in dialektischem Diskurs. Ja, es gilt durchaus die These „Uns läuft allmählich die Zeit davon, um den Klimawandel in den Griff zu kriegen“. Und ja, es gilt auch die These, unsere Politiker agieren zu verpennt, zu verzagt und zu hasenfüßig, allen voran der für eine notwendige „Verkehrswende“ und auch sonst völlig ungeeignete Verkehrsminister Andy Scheuer als Büttel der Auto-Lobby. Und abermals ja, es gilt des weiteren die These, in einem Land, in dem vor 130 Jahren das Automobil erfunden wurde, müsste auch heute doch noch soviel geballtes Ingenieurwissen vorhanden sein, um die Brennstoffzellentechnologie und andere ressourcenschonende und nachhaltige Konzepte zu einer neuen industriellen Revolution voran zu treiben, aber mit dickfelligen und verschnarchten Managern Winterkornscher Mentalität geht das nicht – da muss man sich nicht wundern, wenn die Musik der Zukunftstechnologien demnächst in China spielt und nicht mehr in Europa. Doch – aufgemerkt! – nun kommt im Bemühen um differenzierendes und komplexes Denken die Anti-These zu Wort, nämlich mit Zitaten des emeritierten Klimaforschers Hans von Storch und der Linken-Politikerin Sarah Wagenknecht: der Klimaforscher plädiert für eine „kritische Distanz“ gegenüber der Panikmacherei; ihm ginge „es zu weit, dass Greta und ihre Anhänger den Eindruck erwecken, das Klimathema sei die alles beherrschende Schicksalsfrage“: das sei „zu sehr die Sichtweise des reichen Westens“, in der dann andere Themen wie „die Bekämpfung von Armut, Krankheiten und Hunger auf einmal“ als „nachrangig“ erscheinen: „Wenn jemand das Recht hätte, von einer gestohlenen Kindheit zu sprechen, dann wäre das beispielsweise ein 16jähriges Mädchen in Syrien, das seit Jahren ums nackte Überleben kämpft“ (zitiert nach „Der Spiegel“, Nr. 43/19.10. 2019, S. 108/109). In Internetforen wurde der Emeritus für solche Ansichten schon als „alter weißer Mann“ geschmäht, von dem man die Nase voll habe. Doch ähnlich wie besagter Klimaforscher argumentiert Sarah Wagenknecht von der Linkspartei in einem Interview mit dem Berliner „Tagesspiegel“: „Ein Großteil der jungen Leute, die sich bei ‚Fridays for Future‘ engagieren“, käme „aus der oberen Mittelschicht…, wie eine Studie der Heinrich-Böll-Stiftung festgestellt hat…. Wer ständig kämpfen muss, mit seinem Geld bis zum Ende eines Monats zu kommen, für den wird das mögliche Ende der Welt in acht oder neun Jahrzehnten zu einer nachrangigen Frage… Klimaschutz kann man nur erfolgreich voranbringen, wenn man ihn mit sozialer Gerechtigkeit verbindet.“ Von solcherlei Kritik aus der linken Ecke gibt es wohl kaum Beifall von der falschen, nämlich der rechten Seite, und als „alte weiße Frau“ wurde wegen derlei Ansichten auch Sarah Wagenknecht noch nicht diffamiert. Es ist auch nicht zu abwegig, wenn die Kabarettistin Lisa Eckart mit ähnlichem sozialkritischen Tenor ergänzt: „Die Fridays for future-Rasselbande kennt keine Kinderarbeit“. Denn die findet in Bangladesh statt, nicht in Berlin-Zehlendorf oder Hamburg-Blankenese.

© Raap/Bär 2019

Essen und Trinken mit Karl-Josef Bär

Matjessalat Braunschweiger Art Holländische Matjesfilets, Gemüsezwiebeln, Apfelstücke, Gewürzgurken, frische Gurken, hartgekochte Eier, Kapern und Dill werden miteinander vermengt, mit Salz, Pfeffer und Joghurt abgerundet. Beim Originalrezept nimmt man Sahne, manche Rezeptvarianten sehen auch eine Kombination mit Fleischwurststücken vor.

Überbackene Süßkartoffeln mit Parmesan Mit den sonst in Europa heute üblichen Kartoffelsorten ist die Süßkartoffel nur entfernt verwandt, denn sie ist kein Nachtschattengewächs. Größter Produzent und Exporteur ist heute die Volksrepublik China. Süßkartoffeln garen auch etwas schneller als die anderen Sorten. Rezept: Süßkartoffeln in grobe längliche Scheiben schneiden, kochen und dann in Auflaufform legen. Parmesan mit ein wenig Sesamöl, Essig oder Zitrone, Salz, Pfeffer, Limetten, kleinen Paprikastücken /rot oder grün/ sowie Erdnüssen) Knobloch zu einem Dressing verrühren und die Kartoffelscheiben bestreichen, im vorgeheizten Backofen backen, bis obere Schicht braun wird. Zusammen mit Spinat anrichten

Salmis de Palombes ist ein Gericht aus dem Südwesten Frankreichs, bei dem Ringeltauben oder andere Zuchttauben gesalzen und gepfeffert im Backofen gebraten und mit einer speziellen Sauce serviert werden: dazu brät man die Inneren der Taube in Gänseschmalz mit Zwiebeln, einer Knoblauchzehe und Karotten an, gießt dann Rotwein, Geflügelbrühe und Armagnac hinzu und lässt diesen Sud langsam köcheln. Wer will, kann das Aroma mit zwei Thymianzweigen abrunden. Statt Tauben kann man auch eine Pintade nehmen. Eine Variante des Rezepts besteht aus einer Marinade mit Rotwein, Zwiebeln, Knoblauch, Muskatnuss, diversen Küchenkräutern und Karotten, in der man das Fleisch ein paar Stunden lang marinieren lässt. Dann erhitzt man in einem großen Bräter Öl und Butter, brät die Taube/Pintade von allen Seiten kurz an, gibt frische Zwiebeln und die Marinade hinzu und lässt das Ganze dann gar schmoren.

baer aktuell Nr. 274/275 – 3. und 22. Nov. 2019

November 2nd, 2019

Bild des Monats November 2019:

Jürgen Raap, „Japan und die Unendlichkeit“, 2019

Jürgren Raap, „Japan und die Unendlichkeit“, 2019, Copyright: J. Raap 2019

Bär aktuell 274 – 3. Nov. 2019

In einem Internet-Chat-Room, in welchem Hobbyköche ihre Rezepte austauschen, erkundigte sich eine Hausfrau namens „Veggie-Biggi“ nach einem Currywurst-Rezept: Sie sei zwar Vegetarierin, wolle aber ihrem Mann mal eine Freude bereiten und ihm eine Currywurst braten, wisse aber nicht, wie das geht. Man zollte ihr Respekt, es zeuge von „innerer Größe“, sich als Vegetarierin an solch ein Rezept heran zu wagen, das im übrigen ganz einfach sei: die Wurst sei so lange zu braten, bis sie von allen Seiten schön braun sei. Tipp: Wer sich nicht entscheiden kann, ob er dazu einen Ceranherd, einen Induktionsherd oder einen Elektroherd mit Dual- und Bräterzone aus der Fernsehwerbung benötigt, der begebe sich einfach an die nächste Pommesbude.

In die Rubrik „Weltfremdheit und Irrsinn“ gehört der Vorschlag einer Architektursoziologin, der Kölner Ebertplatz werde seinen schlechten Ruf los, indem man ihn einfach umbenenne. Dazu muss man wissen, dass die betonbrutalistische Platzgestaltung mit einer düsteren und stets übelriechenden unterirdischen Fußgängerpassage als Ausdruck des Wahns einer autogerechten Stadt in den 1960er und frühen 1970er Jahren zu den eklatantesten städtebaulichen Fehlleistungen gehört, die man sich in der Nachkriegszeit geleistet hat. In jener wenig anheimelnden schlecht ausgeleuchteten Beton-Passage traf sich seit eh und je eine Szene, die man vornehm als „lichtscheu“ beschreiben kann, und in den letzten Jahren weitete sich der dortige soziale Brennpunkt auch auf die von Tageslicht erhellten Teile des Platzes aus. Die Lokalpolitiker lehnen indes unisono eine Umbenennung ab, denn Friedrich Ebert könne ja nichts dafür, und niemand außer besagter Architektursoziologin glaubt daran, dass es über Nacht dort anders zuginge, nämlich wie an einem paradiesischen Ort der Harmonie, des Friedens, der Glückseligkeit und der Heiterkeit, der Demut und Barmherzigkeit, wenn man ihn nun „Dalai Lama-Platz“ oder „Mutter Teresa-Platz“ nennen würde.

Wer beim Vernissagen-Small Talk gerne herumstrunzt, der muss wissen, dass ein Geprotze à la „Mein SUV frisst 16 Liter Benzin auf 100 km“ heute nicht mehr zeitgemäß ist. Auch der Hinweis „Ich bin bei youtube Influencerin für lackierte Fingernägel“ ruft in Hipster-Kreisen höchstens heraufgezogene Augenbrauen und ein leicht gelangweiltes joviales Lächeln hervor. Die Bemerkung „Ich mache jetzt immersive Kunst“ provoziert hingegen bei allen Umstehenden ein erstauntes und anerkennendes „Ah“ oder gar „Oho“, wobei dann jeder dieser Umstehenden so tut, als wüsste er, was das neue Modewort „immersiv“ tatsächlich bedeutet. Man muss das übrigens selber nicht so genau wissen, denn wenn tatsächlich mal einer nachfragen sollte, was „immersiv“ denn eigentlich ist, reicht es, mit gleichgültiger Miene zu antworten: „Irgendwas mit virtuell, Sie wissen schon“, worauf man garantiert die bewundernde Replik erntet: „Oho, virtuell!“ Unter https://trendwörter.info/die-hippsten-trendwoerter sind als derzeit aktuelle Modewörter auch „Mikromobilität“ und „Meinungskorridor“ aufgelistet, während „weitermerkeln“ inzwischen aus der Auflistung gelöscht wurde.

Das Casting fürs alljährliche Deppen-Ranking über die drolligsten Fehlleistunggen im Denken und Handeln, alljährlich aufgelistet bei „bär aktuell“, hat begonnen. Heißester Anwärter auf den Titel „Depp des Jahres“ ist „Deutschlands dümmster Dackel“ (Boulevardpresse), der mit seiner Korpulenz gleich viermal hintereinander im Loch zu einem Fuchsbau stecken blieb.Gut im Rennen als Anwärterin für einen vorderen Tabellenplatz ist auch Annegret Kramp-Karrenbauer, über die der „Welt“-Kolumnist Hans Zippert urteilte, sie wirke immer dann zurechnungsfähig, wenn sie den Mund hält. Die hektische Unbeholfenheit, mit der „AKK“ ohne die eigentlich vorher notwendige diplomatische Sondierung bei möglichen Verbündeten, ohne vorherige völkerrechtliche Absicherung und logistische Konkretisierung ihre Ideen zur Syrienpolitik hinaus posaunte, bezeichnete der SPD-Abgeordnete Rolf Mützenich, immerhin noch ein Koalitionspartner, zu Recht als „unausgegoren“. Herr Bär rät AKK ebenfalls: erst ein Ei legen, dann gackern, nicht umgekehrt. Boris Johnson macht beim Deppen-Ranking übrigens schon allein deswegen mit, weil er fast die gleiche blöde Frisur wie Donald Trump hat, allerdings nicht in weizenblond: Dass es nämlich höchst komisch oder gar peinlich wirken kann, wenn alternde Männer sich die Haare weizenblond färben, widerfuhr ausgerechnet Boris Becker, als er in New York Bier kaufen wollte und gründlich veralbert wurde, in dem der Bierverkäufer ihn nach seinem Ausweis fragte, ob er denn schon das Mindestalter von 21 Jahren für den Erwerb von Alkohol im Staate New York erreicht hätte. Naja, Bobele ist bekanntlich für eine „Verstehen Sie Spaß“-Nummer immer gut zu gebrauchen.

Copyright: Raap/Bär 2019 – alle Rechte vorbehalten

Bildstrecke „bär aktuell spezial“: Impressionen von der Sessionseröffnung 11.11. 2019 in Köln –  Die „Muuzemändelcher von 1949 e.V.“ sind die älteste karnevalistische Künstlervereinigung in Köln. „Muuze“ und „Muuzemandeln“ sind ein Schmalzgebäck, das es im Rheinland in den Wochen vor Beginn der Fastenzeit in den Bäckereien gibt. Die „Muuzemändcheler“ verleihen jedes Jahr zum Sessionsauftakt am 11.11. mit einem „Spill op d’r Rothustrapp“ (= Spiel auf der Rathaustreppe, die Veranstaltung findet aber mittlerweile im Inneren des Rathauses statt)  die „Goldene Muuz“ an eine verdiente Persönlichkeit der Brauchtumskultur, diesmal an den Physiotherapeuten der Tanzmariechen und Tanzgruppen Wilfried Wiltschek. Alle Fotos: Copyright Siglinde Kallnbach 2019

Essen und Trinken mit Herrn Bär

Frankfurter Rindswurst mit Kartoffelsalat Die Frankfurter Rindswurst besteht zu 100 Prozent aus Rindfleisch; sie wird mit Kochsalz, weißem Pfeffer und Paprika gewürzt und heiß geräuchert. Nur jene Sorten, die zum Grillen vorgesehen sind, würzt man mit Nitritpökelsalz; aber normalerweise wird sie zum Verzehr gebrüht. Sie kam 1894 erstmals in Frankfurt auf den Markt, nicht zuletzt wegen der Nachfrage durch jüdische Kundschaft. Für den Kartoffelsalat schneidet man vorgekochte Kartoffeln in Scheiben, erhitzt sie dann kurz in Rinderbrühe, damit die Kartoffelscheiben die Brühe aufsaugen, gibt schwarze und grüne Pfefferkörner sowie kleingehackte Schalotten und Lauchzwiebeln hinzu, die man kurz mitdünsten lässt. Dann gießt man die Brühe ab, lässt die Kartoffeln abkühlen, vermischt sie mit klein gehackten Gewürzgurken, Walnussöl oder Zitronenolivenöl, etwas Essig und Schnittlauch.

Erbspüree wird in der Berliner Küche aus gekochten gelben Trockenerbsen hergestellt, die man in ungesalzenem Wasser einweichen lässt und dann in Salzwasser gart und mit Butter anreichert und mit Majoran und Pfeffer würzt. Man kann das Püree auch mit geriebenen vorgekochten Kartoffeln vermischen. Ein klassisches Gericht der Berliner Küche besteht aus Eisbein mit Sauerkraut und Erbspüree, abgerundet mit Speck und Röstzwiebeln.

Brühwürste Bei Kochwurst wird das Fleischbrät schon vor der Verwurstung gegart, bei Brühwürsten wird die Wurstmasse gewolft oder gekuttert und stark gekühlt, gewürzt, dann in Därme gefüllt und gebrüht. Brühwürste enthalten zur Hälfte mageres Fleisch und zu einem Viertel Speck. Die Bockwurst kam in Berlin um 1890 auf und wurde zu Bockbierfesten serviert; als ihr Erfinder gilt aber nicht der Metzger Bock, wie oft fälschlich behauptet wird, sondern der Metzger Löwenthal. Im Deutschen Lebensmittelbuch sind Schweinefleisch und Speck als Ausgangsmaterial angegeben. Würzmittel sind Nitritpökelsalz, Pfeffer, Paprika, Ingwer, Muskat und Koriander.

Karpfenfilet auf Kärntner Art Karpfenfilets salzen, pfeffern und mit Knoblauch-Olivenöl sowie Zitronensaft einreiben, ca. 30 bis 60 min. ziehen lassen. Fischstücke dann leicht mehlieren und in heißem Öl an beiden Seiten anbraten. Knobloch und feingeschnittene Petersilie hinzugeben, kurz mitdünsten lassen. Dazu reicht man kleine Kartöffelchen mit Petersilie.

Hirschgulasch „Königsforst“ Frische, gewürfelte Fleischstücke in Pfeffer, Senfkörnern, Wacholderbeeren, Nelken, Zwiebeln und einer Knoblauchzehe, etwas Meerettich, Senf, Lorbeerblatt, Rosmarin und Thymian oder fertiger Wilgewürzmischung und Olivenöl 24 Std. lang marinieren. Dann das Fleisch anbraten, Zwiebeln, Morcheln und Möhrenstücke hinzugeben, kurz andünsten und mit Wildfond ablöschen. Den Rest der Marinade hinzufügen. Dann salzen, zwei bis drei Std. köcheln lassen, eventuell nachpfeffern, ½ Std. vor dem Servieren noch eine Birne, Preisselbeeren oder frische rote Johannisbeeren hinzufügen. Die Sauce evtl. mit Sahne abbinden.

Gebeizte Entenkeule à la Karl-Josef Bär

Gebeizte Entenheule à la Karl-Josef Bär Frische oder aufgetaute Entenschenkel mit Salz und Pfeffer einreiben und in einen Fond mit Knoblauchzehen, Zwiebelstücken, Wacholderbeeren, Pfefferkörnern, Thymian und Lorbeerblättern, Senfkörnern, Zitronenschale, Limettenblättern und einem Stück Sternanis geben. Der Fond besteht aus Öl und Wasser mit einem winzigen Schuss Balsamicoessig. ½ bis 1 Tag in der Beize lassen. Die Entenstücke dann in Gänseschmalz anbraten, herausnehmen, Zwiebeln in dem Bratfett andünsten und diese dann zusammen mit dem Fleisch und Möhrenstücken in eine Kasserole und in der Beize dann im Backofen ca. 45 Min. schmoren lassen. Dazu passt Rotkohl oder bayerisches Blaukraut, oder auch Wirsinggemüse, Knödel oder Kartoffeln. Man kann dieses Gericht auch in Anlehnung an den südfranzösischen Bohneneintopf Cassoulet mit weißen Bohnen kombinieren, die man zusammen mit vorher eingeweichten getrockneten Pfifferlingen zubereitet.

Rübstiel Stiele und Blätter einiger Unterarten der jungen Speiserübe – als Gemüse ist es im Rheinland, am Niederrhein, in Westfalen und in den Niederlanden seit langem weit verbreitet. Die Stiele hackt man, dünstet sie dann in zerlassener Butter mit Zwiebeln. Gewürzt wird mit Salz, Pfeffer und Muskat, verfeinert mit Sahne oder cremigem Käse (Bressot, Perella). Man kann Rübstiel auch mit (Stampf)Kartoffeln vermengen. Dazu serviert man Mettwurst, gebratenen Speck, Bratwurst oder Rindfleisch.

baer aktuell Nr. 273 – 3. Okt. 2019

Oktober 1st, 2019

Bild des Monats Oktober 2019:

Jürgen Raap, „Der verlorene Koffer“, 2019, Copyright: J. Raap 2019

Bär aktuell Nr. 273 — 3. Okt. 2019

Die Fußballnationalmannschaft Albaniens verweigerte beim Länderspiel gegen Frankreich zunächst den Anstoß, weil die Kapelle zum Auftakt versehentlich die Nationalhymne Andorras intoniert hatte. Der Stadionsprecher setzte noch einen drauf und riet den Zuschauern, „die Nationalhymne Armeniens“ zu respektieren. So sei daran erinnert, dass in Köln bei internationalen Sportveranstaltungen im Jahre 1948 als Ersatz-Hymne mehrmals der Karnevalsschlager „Wir sind die Eingeborenen von Trizonesien“ gespielt wurde, denn erst mit Gründung der Bundesrepublik gab es wieder die dritte Strophe des Deutschlandlieds als offizielle Hymne („Trizonesien“ meint in diesem Lied die „Trizone“, d.h. die damaligen drei westlichen Besatzungszonen nach 1945). Doch heute muss man unbedingt Markus Söder zustimmen, wenn er erklärt, es sei „unerträglich, wenn die AfD bewusst die erste Strophe des Deutschlandliedes singt“. Dann doch lieber „Wir sind die Eingeborenen von Trizonesien, heiditschibelatschibelabum, wir sind ja keine Menschenfresser, doch wir küssen um so besser, heiditschibelatschibelabum… “Oder meinetwegen alternativ auch die Nationalhymne von Andorra.

Bärs Bestatterkritik Wie man die Freuden des Diesseits und die Unausweichlichkeit des irgendwann eintretenden Jenseitigen mit wohlwollender Gelassenheit miteinander in Einklang bringt, weiß Christoph Kuckelkorn, in Personalunion Beerdigungssunternehmer und Präsident des Festkomitees Kölner Karneval. Unlängst lud der umtriebige Trauerhausbetreiber nämlich zu einem Konzert ein: „Brauhaus des Todes – Lamäng spielt im Bestattungshaus Christoph Kuckelkorn“. Wem das zuviel an brauhausseliger praller Lebensfreude war, der konnte sich anschließend auch noch einem anderen Programmpunkt widmen, denn in der Ankündigung hieß es allen Ernstes: „Neugierige haben die Gelegenheit zum Blick hinter die Kulissen eines Bestattungsinstitutes. Liegt man im Sarg bequem? Finden Sie es heraus.“ Nun ja, meint Herr Bär dazu, manches will man vielleicht doch lieber nicht so genau wissen. Aufs Probeliegen im Sarg, wie es auch früher schon Thema alberner Witze auf RTL II-Niveau war, verzichtet hingegen Kuckelkorns Konkurrent, das Bestattungshaus Pütz-Roth, denn hier ist für den 10. Oktober 2019 lediglich „Memento Mori- Ne kölsche Dudedanz“ mit Rolli und Benjamin Brings angekündigt, und der Programmzettel verspricht, an diesem Abend ginge es „zunächst ernst, dann zunehmend kölsch-katholisch“ zu. Doch nicht überall mündet das Totengräber-Marketing in derlei Firlefanzisierung, denn beim Bestattungshaus Ahlbach in Köln-Bickendorf bekommt man statt Event-Klamauk nützliche Informationen geboten für den Fall, dass die Verwandtschaft anfängt, einen für vergreist zu halten und sich dann Sonntag für Sonntag die Familienbesuche von Erbschleichern häufen: für den Umgang mit dem Nachlass noch zu Lebzeiten listet Ahlbach die Alternativen „vererben, verschenken, verkaufen“ auf und hat dazu eine Immobilienmaklerin und einen Rechtsanwalt als „Gastreferenten“ eingeladen, bei „Snacks und Getränken“ diese Varianten zu erläutern. Wenn einem allerdings das alles nicht zusagt und man allzu missratenen Erben eine lange Nase drehen will, bleibt einem nichts anderes übrig, als das Erbe rechtzeitig selbst zu verprassen, zum Beispiel bei „kölsch-katholischen“ Liederabenden mit Familie Brings oder im Kuckelkornschen „Brauhaus des Todes“.

Mit Herrn Bär im Theater – heute: „Offenbach – zwesche Kölle un Paris“, Puppenspiele der Stadt Köln (Hänneschen-Theater). Die jüngsten Fotos, die über das aktuelle Gesicht von Silvester Stallone in den Medien kursieren, lassen die Frage aaufkommen, ob hier die Natur gewirkt hat oder ein Gesichtschirurg über das Ziel hinausgeschossen ist, denn mit den wulstigen Lippen und den aufgeplusterten Wangen erinnert Stallones Antlitz ein wenig an Hermann Speichel („Speimanes“), der es auf der Puppenbühne schafft, „die Hüsger bunt em Aldermaat“ im Can-Can-Rhythmus darzubieten. In der Umbaupause bietet das Saalorchester rund zwei Dutzend Varianten von Offenbachs „Bacarole“ aus „Hoffmanns Erzählungen“, mal als Rock and Roll, mal als Hillybillybalade. Der notorisch burleske Tünnes tritt als holländischer Marineadmiral auf, der mit Seemannsgarn ‚a la Käpt’n Blaubär eine versnobte englische Adlige beeindrucken will: „Ich wor och ens Kapitän op enem Walfängerschiff. Da han mer vor Grönland ’ne Blauwal jefangen.“ Die Adlige: „Und woran haben Sie gemerkt, dass das ein Blauwal war?“ – Tünnes: „Dä wor besoffen. Ävver ich han och noch ’ne andere Wal jefangen. Dä hätt en Pappnas opjehat. Dat wo ’ne Karne-Wal…“

Die Freunde des gepflegten Kalauers brechen jedesmal in Jubel aus, wenn Herr Bär Karl Lauterbach mit Kurt Lauterbach verwechselt. Karl Lauterbach stammt aus Düren, spricht hochdeutsch mit rheinischem Akzent, ist gesundheitspolitischer Sprecher der SPD und bewirbt sich derzeit um deren Parteivorsitz. Kurt Lauterbach (1920-1993) stammte aus Solingen, sprach so ähnlich wie Karl Lauterbach und trat im rheinischen Karneval als „schöner Mann vom Lande“ auf, wobei er den Hut so tief über die Stirn zog, dass seine Segelohren unter der Hutkrempe abknickten, was wohl komisch wirken sollte. Karl Lauterbach hingegen begnügt sich um der komischen Wirkung willen mit einer Fliege anstelle einer Krawatte. Kurt Lauterbach erklärte einmal die hohen Alltagspreise in Skandinavien mit dem Wortspiel „Dänemark ist ein teures Land, dä ’ne Mark und dä ’ne Mark, schon biste paar Mark los“: eine Pointe, die schon damals nicht jeder verstand, und wenn der gelernte Mediziner Karl Lauterbach die Kostenexplosion im Gesundheitswesen erklärt, die u.a. auf „aggressives Marketing der Pharmaindustrie“ bei Ärzten und Patienten zurück zu führen sei, lacht auch keiner. Fachlich kreuzten sich die Biografien der beiden Lauterbachs, als der Politiker und Mediziner Karl Lauterbach 2010 für den Opladener Karnevalsverein „Wupperveilchen e.V.“ eine „Fahrt nach Berlin“ organisierte. Den nächsten „Vereinsausflug“ unternahmen die „Wupperveilchen“ dann 2012 doch lieber nicht erneut nach Berlin, sondern zur „Erlebnisbrauerei Hachenburg“, wobei die Vereinschronik anmerkt, dass auf der Busfahrt „selbst hergestellter Schnaps als Hustensaft“ konsumiert wurde. Als Karl Lauterbach twitterte, „Auch bei uns werden bei Virusinfekt nutzlos Antibiotika eingesetzt“, empörte sich in seiner Antwort per Re-Tweet ein gewisser Günter V.: „In der Agrarwirtschaft wird Antibiotika wie Hustensaft eingesetzt. Das sind alles politische Entscheidungen, Herr Lauterbach!“ Immerhin nicht auf Busausflügen von Opladener Karnevalisten, denn da nimmt man statt Antibiotika lieber selbst gebrannten Schnaps – eine ebenfalls „politische Entscheidung“, die man in der Vereinschronik nachlesen kann. Herrn Bärs Prognose: Die SPD-Mitglieder unter den Opladener „Wupperveilchen“ wählen bestimmt Karl Lauterbach zum neuen Vorsitzenden, da sie ihn nach dem Genuss von genügend Hustensaft für einen Wiedergänger von Kurt Lauterbach halten.

© Raap/Bär 2019

Bericht in der Fuldaer Zeitung zur Ausstellung von Siglinde Kallnbach mit Jürgen Raap im Naturmuseum Tann/Rhön

.

Beachten Sie bitte folgenden Veranstaltungshinweis: Am 18. Oktober 2019 hält Jürgen Raap einen Vernissagenvortrag zur Ausstellung von Heinz-Josef Mess „brainticket freedom“ in der Galerie N. 18 Bernd Bauer, Norbertstr. 18, Köln.

Essen und Trinken mit Herrn Bär

Krautfleckerln

„Fleckerln“ sind eine traditionelle österreichische Nudelsorte, die man separat kocht und dann anschließend mit den übrigen Zutaten vermischt. Zwiebeln werden glasig gedünstet, dann gibt man geraspelten Weißkohl hinzu, würzt das Ganze mit Salz, Pfeffer, Essig und Kümmel, füllt es mit Bouillon auf und lässt es köcheln, bis der Kohl weich ist. zum Schluss streut man gehackte Küchenkräuter hinein und reicht dazu Brot.

Kalbskotelett oder Hammelkoteletts à la Singarat

Ein historisches Rezept, nach dem man 1876 in Hamburg in „Wilkens Keller“ das Fleisch zubereitete: das Kalbskotellet wird paniert, die Hammelkotellets nicht. Das Fleisch wird von beiden Seiten scharf angebraten und dann weich gedünstet, dazu servierte man ein Pürree aus gepökelter roter Rinderzunge, für das man die Spitze des Zungenstücks in dünne Streifen schnitt und diese klein hackte und dann mit einer hellen Sauce verrührte.

Palatschinken ist ein dünner Eierpfannkuchen, in Österreich eine mit Nusscreme, Marillenmarmelade, Quark oder anderen Zutaten gefüllte Teigspeise. Das Wort leitet sich vom rumänischen „placinta“ und vom ungarischen „palacsinta“ ab. Der ungarische Koch Karl Gundel (1883-1956) erfand den Gundel-Palatschinken mit einer Nuss-Rosinen-Rum-Füllung und Rum-Schokoladensoße. Im Wiener Hotel Sacher serviert man diesen „Gundel-Palatschinken“ mit einer Garnitur aus karamellisierten Walnüssen.

Empfehlenswert ist ein kulinarischer Streifzug durch die Hongkong-Küche, die in ihrer Mildwürzigkeit der kantonesischen Küche recht ähnlich ist: Gefüllte Teigtaschen als Vorspeise, die man in kleinen Bambuskörben dünstet, findet man inzwischen auch in deutschen Supermärkten, um sie zu Hause zuzubereiten. Da Hongkong eine Insel ist, dominieren hier Fischgerichte die Regionalküche. Für einen Goldbarsch (oder Rotbarsch) nach typischen Rezept nehme man als Marinade Sesamöl, Sojasauce, Mango Chutney, Zitronensaft, Zitronengras, etwas gelben Curry, frisch geriebenen Ingwer, Lauchzwiebeln, Knoblauch, frischen Koriander, Honig und Sechzuan-Pfeffer, lasse den Fisch 2-3 Std. darin ziehen und grille oder brate ihn dann, wobei man nach dem Wenden die Oberseite mit der restlichen Marinade bestreicht.

baer aktuell Nr. 272 – 3. Sept. 2019

September 3rd, 2019

Beachten Sie bitte folgende Ausstellungshinweise:

Ausstellung von Siglinde Kallnbach im Rahmen der „Intermezzo“-Reihe im Kunstmuseum Ahlen. Am Samstag, 21. September 2019 führt Siglinde Kallnbach dort eine Performance auf. Laufzeit der Ausstellung bis 3. Nov. 2019.

Ausstellung „Siglinde Kallnbach – a performancelife“ im Naturmuseum Tann/Rhön. Mit einem malerischen Gastbeitrag von Jürgen Raap. Laufzeit der Ausstellung bis 1. Nov. 2019.

Herr Bär im Naturmuseum Tann/Rhön, 2019, Foto: Copyright Siglinde Kallnbach
Amtliche Bekanntmachung, Tann/Rhön, 2019, Foto: Copyright Raap/Bär

Bilder der Monats – Bildstrecke „bär aktuell spezial“:

Jürgen Raap, Rhönlandschaften

Jürgen Raap, „Der Traum vom Taschendieb“ (Rhönlandschaft), 2019

Jürgen Raap, „Die Glaubersalzfabrik“ (Rhönlandschaft) 2019

Jürgen Raap, „Das lange Maß“, Rhönlandschaft, 2018
Jürgen Raap, „Heimatkunde I“ (Aquarell, 2019

Bär aktuell Nr. 272 – 3. Sept. 2019:

Normalerweise erntet man in gewissen Milieus einen Shitstorm, wenn man den feministischen oder queeren Plural missachtet. Im konservativen gutbürgerlichen Milieu hingegen herrschen hingegen noch andere Vorstellungen von Etikette, wie jüngst Konrad Adenauer erfahren musste, gleichnamiger Enkel des ersten Bundeskanzlers, Vorsitzender des Kölner Haus- und Grundbesitzervereins und in dieser Eigenschaft Verfasser der Editorials in der Verbandspostille „Eigentum aktuell“, wo Adenauer sein Publikum regelmäßig mit „Liebe Leserin, lieber Leser“ anzureden pflegt. Darüber beschwerte sich unlängst ein Ehepaar, es fühle sich durch diese Anrede „geduzt“, korrekt müsse es doch wohl heißen „Verehrte Leserin, verehrter Leser“. Geduzt wird man in Köln aber sonst eigentlich nur vom Personal in rustikalen traditionellen Brauhäusern („Krisste noch en Kölsch?“) und ebenso als 67jähriger Publizist, wenn man sich irrtümlich mal in ein Studentenlokal verirrt hat („Willst du mal eine vegane Frikadelle probieren?“), wobei seitens Herrn Bär ersteres mit „Ja“, zweiteres hingegen mit „Nein“ beantwortet wird.

Modebewusst gab sich eine Leserbriefschreiberin an die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, die sich darüber mokierte, Bundeskanzlerin Angela Merkel repräsentiere garderobenmäßig eine „Armutsästhetik“. Auch Ursula von der Leyen fand vor den Augen der Dame keine Gnade, denn die EU-Kommissionspräsidentin trage immer „zu kurze Jäckchen aus billigem Stoff“, und dies auch noch zu unpassenden Hosen; desgleichen erwecke der Außenminister Heiko Maas den Eindruck, der Stoff habe für seine Anzüge nicht ganz gereicht. Können Politiker eigentlich ihre Dienstkleidung von der Steuer absetzen? Bei einem Kellner akzeptieren die Finanzämter immerhin den schwarzen Anzug als Berufskleidung, nach gängiger Rechtsprechung nicht aber das weiße Hemd dazu, da dieses auch privat getragen könne. Heiko Mass indessen meidet seinen schwarzen Dienstanzug im Privatleben, damit ihm in einem Berliner Biergarten niemand zuruft: „Herr Ober, noch zwei Bier“.

© Raap/Bär 2019

Essen und Trinken mit Herr Bär

Suppen und Brühen

Die Steinzeit-Menschen garten ihre Nahrung mit glühenden Steinen in wasserfest gemachten Säcken oder Gefässen. Die Flüssigkeit löffelten sie als Suppe aus. Das alte Wort Supen bezeichnet das Saufen, Saugen, Schlürfen. Kraftbrühe (Bouillon) aus einem Suppenhuhn oder Suppenfleisch dient als Grundlage für Suppen, Saucen und als Kochflüssigkeit für Fleisch, Geflügel, Fisch und Gemüse. n Brühe gegarte Lebensmittel bleiben aromatischer, da die Brühe bereits Geschmacks- und Mineralstoffe enthält. Bei Fleischbrühe wird in der traditionellen Küche oft ein Kalbsfuß mitgekocht, wenn die solchermaßen zubereitete Brühe erkaltet ist, kann man sie auch für Sülze verwenden. Bei der Knochenbrühe kocht man Rinderknochen aus. Eine Consommé Colbert ist eine Geflügelkraftbrühe mit Gemüsewürfelchen, verlorenem Ei und Kerbel. Der Chemiker Justus von Liebig entwickelte 1853 die Herstellung von Fleischextrakt als Brühwürfel, ursprünglich gedacht als Stärkung für die Krankenkost. Der Brühwürfel von Julius Maggi besteht aus Gemüseextrakt und kam um 1900/1910 europaweit auf den Markt.

Jambon au persil/Jambon persillé (Schinken mit Petersilie)

Rezept für eine französische Schinkensülze: Kleingehackte Zwiebelstücke mit etwas kleingehackter Petersilie, 1 zerdrückter Knoblauchknolle, 1 Lorbeerblatt, 2 Wacholderbeeren, Nelken und weißen und grünen Pfefferkörnern in Rinderbrühe 5 Min. aufkochen. Weitere frische Petersilie kleinhacken, mit mild geraucherten Schinkenwürfeln vermengen, Gelatineblätter kalt einweichen. Die Brühe durch ein Sieb gießen und die Gelatine darin aufweichen. Würzen mit Salz, Pfeffer, Essig, Schinken-Petersilienmasse hinzugeben und mit restlicher Brühe begießen, bis alles bedeckt ist. Über Nacht im Kühlschrank zu Gelee werden lassen.

Gelber Bohnensalat Im Sommer gibt es die gelben Bohnen erntefrisch auf den Märkten – man schnippelt sie klein und kocht sie in Salzwasser halb gar, lässt sie dann abkühlen. Salzen, Pfeffern, klein gehackte Zwiebeln untermengen, einen Schuss Balsamico-Essig hinzu geben und mit Crème fraiche und etwas kleingehackter Petersilie verrühren. Alternativ dazu kann man auch nur Olivenöl nehmen.

Fischtopf à la Kotor Kotor liegt an der Adria, am Ende der Bucht von Kotor, die sich ca 15 km lang ins Landesinnere von Montenegro erstreckt. Für dieses Rezept nimmt man verschiedene kleinere Fische, d.h. Stöcker, kleine Rotbarben, Pilchard-Sardinen etc., die man säubert und entgrätet. Man brät Zwiebeln in heißem Öl an, fügt Knobloch und Mehl hinzu, gießt den Sud mit Wasser und/oder Weißwein auf, lässt klein geschnittene Tomaten und Pfefferkörner mit köcheln und schmeckt das Ganze mit Salz, Pfeffer, etwas Fleisch- oder Geflügelextrakt ab. Dann legt man die Fischstücke hinein und lässt sie in dem siedenden (nicht kochenden) Wasser 30 Min. garen. Man kann auch zum Schluss ein paar schwarze Oliven hinzugeben.