Bär aktuell Nr. 298 – 3. April 2021

März 25th, 2021

Bild des Monats April 2021: Jürgen Raap, „Die sieben Zeitalter der Archäologie“, 2021, Grisaille-Untermalung und Endfassung

Jürgen Raap, Die sieben Zeitalter der Archäologie“, 2021, Untermalung
Jürgen Raap, „Die sieben Zeitalter der Archäologie, 2021, Endfassung

Bär aktuell Nr. 298 – 3. April 2021

© Raap/Bär 2021

Bärs Sprachkritik Herr Bär befürchtet, dass jegliches Plädoyer gegen übereifrige sprachliche Verkrampfungen als eine Don Quichotterie verpuffen wird, d.h. als ein vergebliches Anrennen gegen die Windmühlen der sprachlichen Unlogik. So empfiehlt das Gender Institute der Australian National University (ANU) in Canberra reichlich bizarr anmutend, die „Mutter“ sollte künftig nur noch als „Austragendes Elternteil“ bezeichnet werden, und der Vater sei dann logischerweise ein „Nicht-gebärendes Elternteil“. „Muttermilch“ hieße politisch korrekt nur noch „Menschliche Milch“ oder „Elternmilch“. Letzteres klingt allerdings reichlich unlogisch, denn Herr Bär hat noch nie von einer „Vatermilch“ gehört. Eine solche gab es ja noch nicht einmal als „Milch der frommen Denkungsart“, wie sie in Schillers Drama „Wilhelm Tell“ genannt wird. – Ähnliches geistiges Ungemach bereitet manch einem auch der Genderstern, der z.B. für den Buchgestalter und Typografen Friedrich Forssman nicht nur den Lesefluss behindert. Forssman wehrt sich nämlich auch dagegen, Sprache als ein „Mahnmal“ oder eine „Manipulationsmöglichkeit“ einzusetzen. Der große Unterschied zu anderen Interpunktionszeichen wie Semikolon, Ausrufezeichen oder Bindestrich sei laut Forssman nämlich der, „dass der Genderstern eine moralische Funktion haben solle… Es wird der Sprache unterstellt, ungerecht zu sein“, zitiert ihn „Deutschlandfunk Kultur“. Würde man nun historische Lyrik etwa von Rilke in eine gendergerechte Sprache übersetzen, würde dies „eine enorme historische Distanz herbeiführen“, und das wäre aus Forssmans Sicht „ein sprachgeschichtliches Opfer, dessen Nutzen er nicht sehe“. Auch die Kolumnistin Judith Sevinç Basad erklärt zum psycholinguistischen Zusammenhang von Sprache und Denken: „Das Sternchen baut auf einer falschen Annahme auf, die sich nicht wissenschaftlich beweisen lässt: dass wir durch die Veränderung der Sprache auch die Wirklichkeit verändern können. Das ist ja nicht der Fall. Nehmen wir zum Beispiel mal sexuelle Gewalt oder Diskriminierung am Arbeitsplatz – die wird sich ja nicht dadurch beseitigen lassen, indem wir das Sternchen einführen…“ Judith Sevinç Basad glaubt, dass man im Gegenteil „Frauen und Minderheiten“ durch derlei Sprachbereinigung eher sogar „auch noch einen Opferstempel aufdrückt. Und dadurch wird ein ultradefizitäres Frauenbild erstellt: die Frau als schwaches und hilfsbedürftiges Wesen, das ohne die Hilfe von Journalisten überhaupt nicht in der Lage ist, sich emanzipiert zu verhalten. Und das finde ich um einiges sexistischer, als das Sternchen nicht zu verwenden.“ Dass die Stadt Köln eine Sprachregelung verabschiedete, bei der Anrede künftig „Frau X. und Partner“ durch die Formulierung „Frau X. und Partner*in“ zu ersetzen, und dies eben auch dann, wenn der Partner zweifelsfrei ein solcher, mithin in Sachen biologisches wie soziologisches Geschlecht maskulin ist, ist ein weiteres Beispiel für derlei hanebüchene Sprach-Unlogik und wird sogar vom Kölner „Express“ zur Recht als „Bürokraten-Esperanto“ veralbert.

Ruchlosen Maskenhändlern in der Politik und den Geldhaien im Fußballkommerz, die ihren Hals nicht voll kriegen und sich mit einer europäischen Super-Liga die Taschen noch mehr voll machen wollen, sei die Betrachtung eines Kupferstichzyklus von Pieter Brueghel über die sieben Todsünden empfohlen. Dort wird als eine solcher Sünden auch die Gier gegeißelt. Der 1. FC Köln wird in dieser Superliga allerdings nicht mitspielen, obwohl im Geißbockheim auch jetzt in akuter Abstiegsgefahr nach Herrn Bärs Mutmaßungen immer noch ein Selbstbewusstsein vorherrscht, sich nach zwei knappen Siegen hintereinander in der Champions League zu wähnen, was der Brauchtumspoet Wicky Junggeburth einmal in der Liedzeile zusammen fasste: „Liverpool, Real Madrid, mer kumme un mer halde mit“. Wo Horst Seehofer über Markus Söder zu urteilen wusste, er, Söder, neige zu „Schmutzeleien“, ließe sich das Prädikat der Schmutzpuckeligkeit durchaus ebenso jenen Vereins- und Verbandsfunktionären anheften, denen die Geldmoral aus dem Ruder läuft wie es sonst nur bei den unanständig hohen Bonuszahlungen an die Vorstände der Deutschen Bank der Fall ist. Eine solche Super-Liga hält Herr Bär grundsätzlich nicht für systemrelevant, und so sei diese Glosse nun mit einem Walter-Ulbricht-Zitat beendet: „Jeder Mann an jedem Ort, einmal in der Woche Sport“.

Haben die Politiker eigentlich nichts Dringenderes zu erledigen, als sich den Kopf darüber zu zerbrechen, ob in Köln die Poller Wiesen am Rhein in „Deutzer Wiesen“ umbenannt werden müssten, wie dies der Bezirksbürgermeister Andreas Hupke (Grüne) jüngst forderte? Nun ist Andreas Hupke ja ein durchaus sympathischer Mensch, zumal er vor drei oder vier Jahren auf einer Karnevalsveranstaltung Herrn Bär ein Glas Kölsch ausgeben wollte, was aber nicht klappte, da die anderen Gäste im Saal das Fass schon leer getrunken hatten. Wohlgemerkt: ein Politiker gibt einem Bürger ein Bier aus, und nicht umgekehrt. So bleibt die Compliance gewahrt und kein Politiker wird beim Freibierausschenken von irgendwelchen Lobbyisten-Lurchen in Verlegenheit gebracht, wie das sonst oft der Fall ist. Nur im Wahlkampf sollte man das als Politiker bleiben lassen, sonst kreuzen die bierseligen Wähler noch versehentlich auf dem Wahlzettel den falschen Kandidaten an oder sie fragen sich mit promillegetrübtem Blick: „Olaf Scholz? Gibt’s den noch? Und hieß der früher nicht mal Martin Schulz?“ In der Tat sind Scholz und Schulz nicht leicht auseinander zu halten, weil beide „en Pläät han“, und so sei an dieser Stelle ein Witz des Duisburger Komikers Markus Krebs abgewandelt: „Wie heißt noch mal der eine von Scholz und Schulz?“ – „Scholz!“ – „Nein, der andere!“

© Raap/Bär 2021

Bärs Sprachkritik: Wenn Politiker z.B. die derzeitige coronabedingte wirtschaftliche Stagnation in vielen Branchen als „Nullwachstum“ verniedlichen und sich Wortungetüme wie „Impfpriorisierung“, „Brücken-Lockdown“ oder „Grundstücksentwässerungsanlage“ leisten und die Formulierung „schwer erziehbar“ durch „verhaltensoriginell“ ersetzen, kann Herr Bär nur noch als Stoßgebet eine Liedzeile von den „Bläck Fööss“ zitieren: „Oh Herr, Jevv dä Rejierende e besser Deutsch un dä Deutsche en bessere Rejierung.“ (Oh Herr, gib den Regierenden ein besseres Deutsch und den Deutschen eine bessere Regierung). Sprachliche Kreativität kann allerdings auch anders aussehen: da wurde kürzlich in einer Boulevardzeitung Prof. Karl Lauterbach recht bildhaft als „Seuchen-Orakel“ apostrophiert, und zur sprachschöpferischen Hochform lief des weiteren der Kolumnist Jan Fleischhauer in „Focus“ auf, als er Lauterbach als „Prophet der salzarmen Kost“, „Talkshow-Schreck“ und „Champion des solarbetriebenen Grillens“ beschrieb. Ein grüner Bezirkspolitiker forderte in Köln-Lindenthal, ein Kreisverkehr dort müsse endlich „millowitschtauglich“ gemacht werden. Vor vielen, vielen Jahren war nämlich der Volksschauspieler Willy Millowitsch (1909-1999) dort mal in einen Verkehrsunfall mit leichtem Sachschaden verwickelt, so dass nun der grüne Verkehrspolitiker die bauliche Entschärfung von Unfallschwerpunkten als „millowitschtauglich machen“ etikettiert und damit die deutsche Sprache zu bereichern versucht. Für den verblichenen Willy Millowitsch selbst kommt die stadtplanerische Umgestaltung des Kreisverkehrs ca. 30-40 Jahre zu spät, aber auch in der DDR hatten sie ja ihre Fünfjahrespläne nicht immer in fünf Jahren pünktlich umgesetzt.

Die Liste der Kunst am Bau-Projekte, die im 20. und 21. Jh. ästhetisch gründlich missglückt sind, ist lang. Kein gutes Beispiel gibt in dieser Hinsicht neuerdings auch die britische University of Winchester ab, die sich für 28.000 Euro ein lebensgroßes Greta Thunberg-Denkmal vor ihrem Gebäude leistet. Die Studentenorganisation der Uni beklagte sich über das „weltweit erste Greta Thunberg-Denkmal“ zu Recht, es sei ein unangemessenes „Prestigeobjekt“, ohne allerdings das klimapolitische Engagement der Abgebildeten diskreditieren zu wollen. Nun ja, stilkritisch bietet sich ein Vergleich mit dem Tünnes- und Schäl-Denkmal an, das der Bildhauer Wolgfgang Reuter für den Vorplatz von Groß St. Martin in Köln schuf, wobei Reuters Formensprache sich freilich in zeitloser Modernität als durchaus gelungen präsentiert, während das Bemühen des bislang ungenannten britischen Bildhauers um einen etwas höheren Grad an Realismus eher Anklänge an eine Gartencenter-Dekorativität erkennen lässt, wie Herr Bär an dieser Stelle anzumerken wagt. Und da Denkmäler gemeinhin die Erinnerung an Verblichene wachhalten sollen: ist es wirklich nötig, eine 18jährige mit solch einer Kunst am Bau-Maßnahme schon zu Lebzeiten dermaßen pathetisch zu überhöhen? Die leicht grotesken Züge, die Wolfgang Reuter mit eleganter Ironie vor allem bei der Nasengestaltung der Tünnes-Figur visualisiert hat, einer Figur, die für Volkstümlichkeit und Bodenständigkeit steht, vermisst Herr Bär hingegen beim Versuch, Greta Thunberg als eine klimapolitische Madonnengestalt zu auratisieren.

Nachgefragt: Was macht eigentlich der alte von der Leyen den ganzen Tag? Die Blagen sind nun alt genug und aus dem Haus. Gattin Ursula („Impfstoff-Uschi“, O-Ton Oliver Welke) unter der Woche auch und macht als EU-Kommissionspräsidentin Weltgeschichte im fernen Brüssel, oder sie versucht es zumindest, dies freilich mit nur äusserst mäßigem Erfolg, und so könnte man nun annehmen, im heimischen Hannover zieht der alte von der Leyen jetzt jeden Abend ganz entspannt und mopsfidel um die Häuser und lässt es sich gut gehen. Aber wie soll das funktionieren, wenn wegen des aktuellen Lockdowns in Hannover immer noch alle Bars und Kneipen geschlossen sind? Herr Bär ist ratlos. Jedenfalls kommen auf der Website https://www.gutefrage.net in der Rubrik „Witze über Leute aus Niedersachsen (Hannover)!“ die von der Leyens leider noch nicht vor, obwohl zumindest das Wirken (oder eher Unwirken) von Gattin Ursula Herr Bär durchaus witztauglich findet.

Lothar Matthäus als neuer Bundestrainer, wie kürzlich Karl-Heinz Rummenigge meinte? Unbedingt! Unvergessen sind doch seine Sprüche, er hielte sich fit, indem er beim Zähneputzen auf einem Bein stehe, oder als der Fußballtrainer Christoph Daum einst mit Kokainkonsum erwischt wurde und Matthäus ihm darauf hin den Rat gab, er, Daum, müsste jetzt mal „eine gerade Linie in sein Leben“ kriegen. Brillant auch die Matthäus-Replik: „Ein Wort gab das andere, wir hatten uns nichts zu sagen“. Mehr davon! Auch wenn die DFB-Elf, die von irgendwelchen Marketingdeppen zur „Die Mannschaft“ hochgejazzt wurde, sich sportlich künftig hin und wieder blamiert wie jüngst beim 1:2 gegen Nordmazedonien, so sind doch gewiss allein schon wegen des Unterhaltungswertes von Lothar Matthäus bei der Pressekonferenz nach einem solchen Spiel Kurzweil und höchste Einschaltquoten garantiert. Folgt Lothar Matthäus also dem Ruf Rummenigges? Im Lothar Matthäus-Evangelium ist jedenfalls nachzulesen: „Schiedsrichter kommt für mich nicht in Frage, schon eher etwas, das mit Fußball zu tun hat.“

© Raap/Bär 2021

Bärs Sprachkritik, 3. April 2021

Aus einem Ankündigungstext der Alten Nationalgalerie Berlin, April 2021*:

„Paul Gauguin (Paris 1848-1903 Atuona/Hiva Oa) gehört zu den einflussreichsten Wegbereiter*innen der künstlerischen Moderne, dessen bekannteste Gemälde in den Jahren zwischen 1891 und 1901 auf der Südseeinsel Tahiti entstanden…“

Hm, hm, war der Künstler Paul Gauguin nun ein Wegbereiter oder eine Wegbereiterin? Beides zugleich sicherlich nicht. Herr Bär meint: Wenn ohne Wenn und Aber das generische Maskulinum anzuwenden ist, dann mit Fug und recht ja wohl bei einem männlichen Künstler (ein Pleonasmus, sic!), dem selbst für seine Person niemals eine andere grammatische Zuweisung oder Titulierung in den Sinn gekommen wäre.

* https://www.smb.museum/museen-einrichtungen/alte-nationalgalerie/ausstellungen/detail/paul-gauguin-why-are-you-angry/

Essen und Trinken mit Herrn Bär

Hühnchen Kung Pao, Foto: S. Kallnbach

Sechuan-Hühnchen Kung Pao

Hähnchenbrust in Würfel oder Streifen schneiden, in einer Schüssel mit Sojasauce, Reiswein, Reisessig, geriebenem Ingwer, gepresstem Knoblauch, Sechuanpfeffer, scharfem rotem Paprika (Chili) vermischen und ein paar Stunden marinieren lassen. Sesamöl in einer Pfanne oder Wok erhitzen, das Fleisch scharf anbraten, frische Frühlingszwiebeln und Erdnüsse hinzufügen, in Hühnerbrühe schmoren lassen.

Letschko mit Debreziner Würstchen Das erste Mal in seinem Leben aß Herr Bär Letschko in Wien, aber ursprünglich stammt das Rezept aus Ungarn, ist heute aber auch in Österreich, Tschechien, der Slowakei, in Polen und in Ostdeutschland weit verbreitet. Es handelt sich um ein Gemüseschmorgericht mit Speck, Zwiebeln, Tomaten, rotem, gelben und grünem Spitzpaprika (ungarischer Gemüsepaprika ist auch in deutschen Supermärkten überall erhältlich). Den Speck kann man aber auch weglassen. Man brät Zwiebeln zusammen in Butter oder Schmalz an, gibt Gemüsepaprika in Streifen und etwas Knoblauch hinzu, vermengt es mit den Zwiebeln und lässt das Ganze leicht andünsten, dann kommen klein geschnittene Tomatenstücke und Wasser hinzu. Das alles lässt man alles eine Weile köcheln, schmeckt es dann mit Salz, Pfeffer und Paprikapulver ab. – Warme Debreziner Würstchen passen sehr gut dazu – das ist eine Brühwurst, die ursprünglich aus der ungarischen Stadt Debrecen stammt. Sie ist leicht geräuchert und mit ein wenig Paprika gewürzt.

Nasi Goreng Das beste Nasi Goreng, das Herr Bär jemals genossen hat, wurde ihm in der niederländischen Grnezstadt Vaals bei Aachen serviert. Nasi Goreng ist ein Standardgericht der indonesischen Küche, wobei der vorgekochte Langkornreis mindestens zwei Stunden oder sogar einen halben Tag lang ruhen muss, bevor man ihn brät. In einer Pfanne oder in einem Wok brät man in Erdnussöl oder Palmöl kleingehackte Zwiebeln, Lauchzwiebeln, Poreestreifen, ein paar Stückchen Chilischote und Knobloch an, fügt Hühnerfleisch und/oder Schweinefleisch in dünnen Scheiben hinzu, sowie Champignons und Erbsen. Man kann auch Streifen von gekochtem Schinken und Schweinebratenaufschnitt nehmen und Röstzwiebeln aus der Tüte hinzufügen, sowie Omelettstreifen oder Rührei. Würzen mit Salz, Sambal Oelek, bei Bedarf auch mit etwas Curry und Gelbwurzel (Kurkuma), etwas Sojasauce. Dazu reicht man Krabbenbrot (Kroepeok).

Chinesisches Wok Fondue Man kann dazu fertige Rinderbrühe nehmen, die man mit Wok-Sauce oder Sojasauce anreichert, oder selbst Rinderknochen mit Suppengemüse auskochen, zum Würzen fügt man frischen Koriander, Ingwer und etwas Chili oder Sambal Oelek, Zitronengras, und Knoblauch hinzu. Man kann Fisch und Fleisch in verschiedenen Gängen nacheinander in der Brühe garen. Fleisch (Schwein, Rind, Huhn) muss dünn geschnitten sein, Fisch (Lachs, Garnelen, Tintenfisch, Jakobsmuscheln) ebenso, man sollte nur Fischsorten mit festem Fleisch nehmen). An Gemüse empfiehlt sich Pak Choi-Kohl, China-Kohl, Stangensellerie, Gemüsepaprika, Pilze, Zuckererbensschoten. Alles wird dann in dem Sud gegart.

Impressum: V.i.S.P. Jürgen Raap, Senefelderstr. 5, 50825 Kö

Baer 297 – 22. März 2021

März 1st, 2021
Bild des Monats März 2021: Jürgen Raap, „Unter veränderten Verhältnissen“, 2021

Bär aktuell – Nr. 297 – 22. März 2021

Wer schreibt eigentlich die manchmal reichlich albernen „Tierbörsen“-Texte im Kölner Express? Da wartet derzeit im Tierheim ein anspruchsvoller Jack-Russel-Terrier namens Goswin auf ein neues Herrchen, das möglichst in einer „hundearmen Gegend“ wohnen soll. Eher nach einer „Parship“-Kontaktanzeige klingt hingegen der Hinweis, Schäferhund Devil „liebt Spiele mit dem Bällchen, gehorcht aufs Wort und möchte nach zehn Jahren Tierheim endlich glücklich werden“. Ähnlich rührselig verschmonzt sich der „Express“-Autor über den Tierheim-Bewohner Werner, dieser habe „den Glauben an die Menschheit noch nicht verloren“. Der Pitbull Sultan indessen habe noch nicht viel an Lebenserfahrung gesammelt und gilt daher als „schwer erziehbar“; er sei „kraftstrotzend und verschmust“. Ein kraftstrotzender verschmuster Pitbull? Hm, hm, lieber nicht. Keineswegs bessere Chancen auf Vermittlung als Goswin, Devil, Sultan und Werner hat wohl der Rüde Oskar; von dem es heißt, sei „verschmust und anhänglich wie ein Kätzchen“, denn wer unbedingt eine verschmuste Katze will, der holt sich lieber eine solche aus dem Tierheim und nicht den Rüden Oskar oder gar den kraftstrotzenden Pitbull Sultan. Zum Beispiel dann lieber den „Kater Theo“, der jahrelang auf einem Campingplatz herum gestromert haben soll und nun im Tierheim „auf ein Zuhause mit Garten und Balkon“ wartet. Wobei nach Kater Theos Ansprüchen der Garten allerdings schon die Größe eines Campingplatzes haben müsste.

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„Ihrefelder Cheyenne“ beim karnevalistischen Empfag des Bezirksbürgermeisters Köln-Ehrenfeld, 2019,  Foto: Copyright Raap/Bär

Die Kölner Jusos fordern eine Verbannung von Indianerkostümen und Co. an Karneval“, meldete der Kölner „Express“. Aus der „Cheyenne Nation“ in den USA hat sich allerdings nach Herrn Bärs Wissen bislang noch niemand beim Musikzug „Ihrefelder Cheyenne“ über eine unangemessene kulturelle Aneignung beschwert, wenn eben dieser Musikzug alljährlich beim karnevalistischen Empfang des Bezirksbürgermeisters von Köln-Ehrenfeld mit Trommelwirbel in den Saal einzieht. Insofern findet Herr Bär das Ansinnen der Jusos reichlich anmaßend und verweist auf seine Kindheitserinnerungen, wie er in den Kriegstrümmern, die es in Köln in den 1960er Jahren noch an jeder Ecke gab, mit den Nachbarskindern „Cowboy und Indianer“ spielte. Nur an Karneval durften wir uns echte Kostüme anziehen, und Herr Bär hätte sich dann gerne als Indianer kostümiert, aber Herrn Bärs Mutter entschied, er müsse als Cowboy gehen, nicht weil Mutter Bär den Filius vor unangemessener kultureller Aneignung bewahren wollte, sondern weil ein Cowboykostüm in den bescheidenen Jahren der Nachkriegszeit billiger war als ein Indianerkostüm. Vater Bär, der nach dem Zweiten Weltkrieg von all dem Tschingderrassabum mit Fahnenkult, Uniformen und Strammstehen die Schnauze gestrichen voll hatte und durch und durch Zivilist geworden war, ermahnte den jungen Bär in seinem Cowboykostüm: „Mit einer Waffe zielt man nicht auf Menschen, auch nicht mit einer Knallplättchenpistole, und auch nicht nur zum Spaß“. Dabei waren in unserer kindlichen Phantasie die Indianer immer die Guten gewesen, nicht unbedingt die Cowboys, und als dann 1964 die Bagger und Planierraupen anrückten und das Trümmerfeld unserer „Indianer-Jagdgründe“ im Eigelsteinviertel hinter dem Kölner Hauptbahnhof platt walzten, um die Schnellstraße „Nord Süd-Fahrt“ als eine brutale Asphaltschneise durch das Viertel zu schlagen, da empfanden wir das als Zehn- und Zwölfjährige als eine Vertreibung aus dem Paradies, aus unserer Prärie mit wild wuchernden Brennesseln, Löwenzahn, Scharfsgarbe und Kletten zwischen den rußigen Mauerstümpfen. Wir waren „Stadtindianer“ gewesen, lange bevor diese Vokabel in der links-alternativen Protestbewegung der 1970er Jahre populär wurde. Und das hat nichts mit der Verkitschung der Indianer und anderer indigener Völker zu „edlen Wilden“ zu tun. Die Sehnsucht nach Natürlichkeit und Ursprünglichkeit in der frühen westlichen Moderne war vielmehr ein Ausdruck von Zivilisationsmüdigkeit gewesen, der dann in der Hippie-Generation um 1970 erneut aufgegriffen wurde. So seien die Kölner Jusos daran erinnert, dass 1977 in Italien die linke Protestbewegung der „indiani metropolitani“ in Rom ein Manifest veröffentlichte mit dem Satz: „Die Truppen der Bleichgesichter mit ihren blauen Jacken haben all das zerstört, was einst Leben war, sie haben mit Stahl und Beton den Atem der Natur erstickt.“ Und das linke Frankfurter Stadtmagazin „Pflasterstrand“ nannte sich zeitweise „Zeitschrift für Stadtindianer“. Was die Kölner Jusos und andere bis heute nicht kapiert haben: Der Psychologe Stephan Grünewald beschreibt das Narrentreiben als eine „paradiesische Zeit der Auflösung“ der sonst gültigen Rollenzwänge: „Denn man kann sich und sein Leben umkostümieren und das werden, was man immer schon einmal hätte werden wollen: Prinzessin oder Magd, Seeräuber oder Kapitän, Priester oder Musketier…“ oder eben Indianer. Nach den Vorstellungen in den archaisch-magischen Gesellschaften wechselt der Träger einer Maske in eine andere Daseinsform, das verlängert sich in den Rollentausch, der eine sehr lange kulturgeschichtliche Entwicklungslinie aufweist von den archaischen Gesellschaften bis zur Fastnacht des Mittelalters und der Gegenwart“ oder den heutigen Rollenspielen im Internet oder bei Mittelalter-Events etc.

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„Ich wör su jän ens Weihbischof“ singt die kölsche Karnevals-Combo Bläck Fööss in einem ihrer populären Songs. „Em Dom jet römlaufe – Un schwatze Anzöch kaufe – En d’r Bibel studiere – Ungerm Baldachin spaziere- Prächtije Jewänder drage- Em Benz jet römfahre- Jet Schau für die Menge- Vun d’r Kanzel jet schänge… Bei de Sünder jet setze – Mem Weihwasser spritze – Verjebung verschenke – Mem Weihrauchfässje schwenke – Jet schlofe em Jade – Mem Herrjott jet schwade… “ (Im Dom was rumlaufen, und schwarze Anzüge kaufen, in der Bibel studieren, unterm Baldachin spazieren, prächtige Gewänder tragen, im Benz was rumfahren, etwas Schau für die Menge, vun der Kanzel was schimpfen… Bei den Sündern was sitzen, mit dem Weihwasser spritzen, Vergebung verschenlken, mit dem Weihrauchfässchen schwenken, Etwas schlafen im Garten, mit dem Herrgott was quatschen…“ Dieses Zitat möge als Kommentar von Herrn Bär zu den aktuellen Ereignissen im Erzbistum Köln genügen. Bliebe nur noch ein Verweis auf einen Witz in der Zeitschrift „Titanic“, wo der Kardinal Woelki alle Zumutungen an ihn von sich weist: „Reicht es denn nicht, dass ich mit Vornamen Rainer Maria heiße?“© Raap/Bär 2021

Die lustigen Weiber von Windsor Wer bei den Windsors einheiratet, sollte wissen, dass diese Dynastie es immer schon gut hingekriegt hat, das aristokratische Familienleben zu einer medialen Seifenoper herab zu würdigen. Angefangen mit Edward VIII., den es im Jahre 1936 ganze zehn Monate auf dem Thron hielt, und dem Vater George V. vor seinem Ableben bescheinigt hatte, er, Edward, werde als Georges Thronfolger mit seinen Liebesaffären (die man im Rheinischen als „Fisternöll“ bezeichnet) eben diesen Thron ruinieren. Edward VIII. dankte im Dezember 1936 aber nicht nur aus amourösen Gründen ab, sondern auch, weil seine sozialpolitischen Ansichten dem stockkonservativen britischen Establishment nicht geheuer waren und er sich wohl von jenen schnöselig versnobten Lords gemobbt gefühlt haben mag. Herr Bär meint: Sich durch Heiratspolitik im Glanze einer staubig gewordenen Monarchie sonnen zu wollen, ohne sich jedoch dabei allzu sehr den protokollarischen höfischen Zwängen unterwerfen zu müssen, können oberschichtorientierte amerikanische Schauspielerinnen heute viel einfacher haben, nämlich als Prinzessin Venetia im Düsseldorfer Karneval, wo sie zum Hofhalten für eine Session bekanntlich den Prinzen nicht gleich mitheiraten müssen. Oder man lässt sich für ein paar Bitcoins vom Prinzen Frederic von Anhalt adoptieren, wenn man unbedingt einen Adelstitel braucht. © Raap/Bär 2021

P.S. Eine der ersten kabarettistisch-humoristischen Sketche, die Herr Bär veröffentlichte, handelt davon, wie Herr Bär bei seinem London-Aufenthalt direkt neben dem Buckingham-Palast wohnte und von der sparsamen Queen angerufen wurde, wobei ein Palastbediensteter den Anruf ins Kölsche übersetzte:

„Herr Bär, künnt Ehr nit ens jrad met dä Klemperzange vorbei kumme? He en däm ahle Palast tropft de janze Zick dä Wasserhahn, un dä Philipp hätt singe Werkzeugkasten verbummelt. Dä Charles kritt dat och nit hin, dä hätt jo zwei linke Häng. Un dat Prinzessin Fergie is jrad mit ihrem Finanzberater durchjebrannt, sonst hätt mer jo och ens dä Finanzberater frage künne, ob dä en Klempnerzang hätt. Un dä Rittmeister, met däm dat Diana en Fisternöll hätt, dä kütt mir he nit en dä Palast eren. Also, Herr Bär, sid eso jot und loort ens jrad no däm Wasserhahn!“

(Herr Bär, können Sie nicht gerade mal mit der Klempnerzange vorbei kommen? Hier in dem alten Palast tropft die ganze Zeit der Wasserhahn, und der Philipp hat seinen Werkzeugkasten verbummelt. Der Charles kriegt das auch nicht hin, der hat ja zwei linke Hände. Und Prinzessin Fergie ist gerade mit ihrem Finanzberater durchgebrannt, sonst hätte man ja mal den Finanzberater fragen können, ob der eine Klempnerzange hat. Und der Rittmeister, mit dem Diana ein Fisternöll hat, kommt mir nicht in den Palast rein. Also Herr Bär, seien Sie so gut und schauen Sie gerade mal nach dem Wasserhahn).

© Raap/Bär 2021

Wenn es gilt, den allgemeinen Sittenverfall, Wissensverlust und zunehmende Schlamperei in unseren Landstrichen zu beklagen, dann stellt Herr Bär nicht nur eine fatale Rückentwicklung vom einstigen Volk der Dichter und Denker zum heutigen Zeitgeistgebaren hysterischer Shitstorm-Hetzer und Stänkerer in den sozialen Medien fest. Einen fatalen Niedergang erlebt in unseren Tagen nämlich auch das einst ruhmreiche Ingenieurdenken der Tüftler und Bastler, mit dem hierzulande z.B. 1901 die weltweit einzigartige Wuppertaler Schwebebahn konstruiert wurde, und dies in nur drei Jahren mit einer Strecke von 13 km, während hingegen der Flughafen BER – Berlin Brandenburg Airport in vierzehn langen Jahren zusammen gemurkst wurde und auch jetzt auch weiterhin negative Schlagzeilen macht. Die jüngste ingenieurtechnische Lachnummer sind die Brandschutzmelder dort, die nämlich immer dann losheulen, wenn draußen die Sonne zu stark scheint. Da auch für die Fliegerei der Bundesverkehrsminister zuständig ist und Andy Scheuer heißt, hält Herr Bär es nicht für zu abwegig, dass irgendein schlitzohriger Geschäftsmann, der mit Billig-Brandschutzmeldern handelt, sich gedacht haben mag, mit dem Andy kann man’s ja machen. Den Spahn beim Maskenkauf übers Ohr zu hauen hat ja schließlich auch schon geklappt: „Unglaublich! #jensspan Das #Bundesgesundheitsministerium (BMG) hat nach Angabe verschiedener kassenärztlichen Vereinigungen #Schutzmasken chinesischer Hersteller für Arztpraxen ausgeliefert, die einer Qualitätsprüfung nicht standhalten oder nicht ausreichend geprüft worden sind“, entrüstete sich der „Merkur“ schon vor einem halben Jahr. Kein Einzelfall: „Leverkusener Brücke – Minderwertiger Stahl aus China beschäftigt Landtag“, titelte der „Kölner Stadtanzeiger“ im April 2020. Und jetzt also untaugliche Brandschutzmelder in der Flughafenhalle! Wenigstens hat Mutti Merkel diesmal nicht schon wieder gesagt: „Wir haben nichts falsch gemacht“. © Raap/Bär 2021

Jens oder nie!“ titelte n.tv kürzlich, da sich „Leistung und Außenwirkung des CDU-Hoffnungsträgers im beschleunigten Sinkflug“ befänden. Das „Handelsblatt“ fasste des Gesundheitsministers Jens Spahn mittlerweile eher erschreckende Negativ-Bilanz in einer in Sachen Alliteration freilich etwas holprig geratenen Schlagzeile „Immobilien, Impfen, Abendessen“ zusammen. Statt „Abendessen“ hätte es „Imbiss“ heißen müssen, dann wäre die Alliteration (Gleichklang) nämlich gelungen. Den Verschwörungstheoretikern unserer Tage gibt Herr Bär allerdings zu bedenken, dass kein Zusammenhang besteht zwischen der Tatsache, dass Jens Spahn und sein Ehemann eine „Luxus-Villa in Berlin“ kauften (O-Ton https://www.businessinsider.de), und dies mit einem Darlehen der Sparkasse Westmünsterland, in deren Verwaltungsrat Spahn einst saß, und der Einlassung des Grünen-Politikers Anton Hofreiter, der „Zweifel am Bau neuer Einfamilienhäuser angemeldet hatte“. (https://www.zdf.de/nachrichten/politik/gruene-einfamilienhaus-hofreiter-kommentar-100.html.

Wenn der Düsseldorfer „Express“ schreibt, die Vergabe von Terminen von Kirchenaustritten beim Düsseldorfer Amtsgericht sei heut zu Tage schneller ausgebucht als der Vorverkauf von Tickets für ein Konzert der „Toten Hosen“, oder es an anderer Stelle heißt, „in Köln treten derzeit mehr Menschen aus der katholischen Kirche aus als der SPD“, so sei auch hier darauf verwiesen, dass kein verschwörungstheoretischer Zusammenhang zwischen der katholischen Kirche, der Punk-Band „Tote Hosen“ und der SPD besteht, wiewohl das SPD-Urgestein Wolfgang Thierse das Gefühl haben mag, von den „Identitätslinken“ („Der Tagesspiegel“) in seiner Partei als „zu gestrig“ aus der immerhin „alten Tante SPD“ herausgemobbt zu werden, aber eben nicht von dem in anderer Hinsicht weitaus eher gestrigen Kardinal Woelki. Und dass Jens Spahn gesundheitspolitisch derzeit so einiges versemmelt, nur weil wie er in der Politik leider immer wieder zu viele mittelmäßige Parteikarrieristen in Amt und Würden gelangen, wo sie dann mit eben jener Mittelmäßigkeit, man könnte polemisch auch sagen: Nulpenhaftigkeit, völlig überfordert sind, kann man übrigens auch nicht Bill Gates anlasten, wie dies manche Verschwörungstheoretiker vielleicht täten.

© Raap/Bär 2021

Die schönsten Stilblüten des zeitgenössischen Journalismus: „… eine Front aus Reglementierern, Veganern und Veggie-Bürgern…, die in Ferkeln nur diese süßen Schweinchen Babes sehen, die mit Boris-Becker-Äuglein so fröhlich durchs Stroh tollen…“ (in: Der Spiegel, Nr. 6/2021, S. 54). Boris-Becker-Äuglein! Auf solch eine Formulierung muss man erst mal kommen.

„In dieser Woche beeilte sich denn auch das Dreigestirn der Pandemie – Jens Spahn, Christian Drosten und Karl Lauterbach – … die Verlässlichkeit des… Impfstoffs zu bestätigen“. (in: „Der Spiegel“, Nr. 8/2021, S. 101). Fragt sich nur, wie in diesem Dreigestirn die Rollenverteilung zwischen Prinz, Bauer und Jungfrau aussieht.

„Paragrafen-Pitbull“ („BILD“ am 22. 2. 2021 über eine amerikanische Star-Anwältin). Hm, hm, fragt sich Herr Bär fragt einigermaßen ratlos: Müsste es politisch und grammatisch korrekt nicht „Paragrafen-Pitbullette“ oder „Paragrafen-Pitbulletine“ heißen?

„Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hat da mit seinem vollen Schopf eher Probleme, im Lockdown bald wie ein Monchichi-Äffchen auszusehen“. (in: „Warum sind Friseure eigentlich so wichtig?“, dpa am 22.2. 2021). – Zu dieser Spezies des „Monchichi-Äffchens“ ist bei „Wikipedia“ nach zu lesen: „In die rechte Hand des Monchichis kam ein Schnuller (fest vergossen, nicht abnehmbar), die linke Hand war jetzt geöffnet statt in Greifhaltung und der Daumen wurde verkleinert, so dass er nicht mehr im Mund stecken konnte.“

„… hätte nicht ein anderer, früher mal gern verulkter Promi in den USA gerade auf beängstigende Weise demonstriert, was passieren kann, werden Entertainment und politische Macht unachtsam miteinander verpanscht. Celebritys sind heute keine ulkigen Fabelwesen mehr, über deren antikonforme Kapriolen man lacht…“ (in: „Der Spiegel“ 9/2021, S. 114). Eine Verpanschung von politischer Macht und Kapriolentum trifft gewiss auch auf den Verkehrsminister Andy Scheuer zu, aber über den lacht man im Kabarett schon, obschon auch er kein „ulkiges Fabelwesen“ ist.

© Raap/Bär 2021

Essen und Trinken mit Herrn Bär

Auberginenröllchen griechische Art

Aubergine längs in dünne Streifen/Scheibe schneiden, in Olivenöl anbraten, dabei wenden, dann salzen, pfeffern und kalt werden lassen. Dann die Scheiben mit Fetakäse, Oregano/Majoran, Thymian, frischer Petersilie belegen und zusammenrollen, in einer Casserolle zusammen mit Zwiebeln, etwas Knoblauch und passierten Tomaten schmoren.

Kalbsschnitzel Parmigianino

Das Traditionsrezept ist in der italienischen Region Emilia-Romagna beheimatet, und Kenner nehmen dazu keinen Gran Pandana, sondern nur den echten Parmesankäse, den Parmigiano Reggiano, den man zu Hause am besten vom Stück selber klein raspelt. Das Rezept ähnelt jenem der „Piccata milanese“, des Kalbsschnitzels mit Parmesanpanade und Spaghetti mit Tomatensauce, aber man muss es nicht zwangsläufig zusammen mit Spaghetti servieren (ja, man schreibt übrigens „Spaghetti“, denn der Unfug einer neudeutschen Schreibweise „Spagetti“ würde im Italienischen als „Spaschetti“ ausgesprochen). Man würzt die Schnitzelstücke mit Pfeffer und Salz, wälzt sie in Mehl, dann in einem verquirlten Gemisch aus Eiern und geriebenem Parmesankäse, dann in Paniermehl und brät sie in Butter. Für die Sauce bevorzugt Herr Bär in Olivenöl gedünstete Zwiebeln, die dann unter Zugabe von etwas Gemüsesud mit frischen Tomaten weiter geschmort werden, abgerundet mit Pesto Rosso, Knoblauch, Petersilie und frischem Thymian.

Impressum: V.i.S.P. Jürgen Raap, Senefelderstr. 5, 50825 Köln

Baer aktuell nr. 296 – 3. Feb. 2021

Januar 8th, 2021
Bild des Monats Februar 2021: Jürgen Raap, Der „Verrat der Glocken“, 2021

Bär aktuell – Nr. 296 – 3. Feb. 2021

Mein schönstes Lockdownerlebnis – ein Besinnungsaufsatz von Klaus-Günther Bär, Klasse 4a. Weil unsere Klassenlehrerin meinte, wir müssten im Lockdown mal an die frische Luft kommen, machten wir einen Schulausflug nach Moskau zusammen mit einem Reiseleiter, dem Gerhard Schröder aus Hannover. Herr Schröder versprach uns eine Besichtigung des Gazprom-Gaswerks mit anschließendem Höhenfeuerwerk. Unsere Lehrerin bestand aber darauf, dass das eine vegane Klassenfahrt sein sollte. Deswegen hat mir mein Onkel Karl-Josef Bär ein Butterbrottäschchen mit lauter Schinkenbroten mitgegeben. Onkel Karl-Josef sagte: Klaus-Günther, man weiß nie, was man auf einer veganen Klassenfahrt zu essen kriegt. So bist du auf jeden Fall gut versorgt. Der Schulbus hatte einen Elektromotor, bei dem der Akku leer war, und so mussten wir alle erst einmal den Bus anschieben, aber unsere Lehrerin und der Reiseleiter Herr Schröder blieben in dem Bus sitzen, während wir kräftig schieben mussten. Deswegen finde ich, dass auch Kinderrechte ins Grundgesetz aufgenommen werden sollten. In Moskau standen wir dann auf dem Autobahnring zwei Stunden im Stau und haben von dem Gaswerk nur noch das Höhenfeuerwerk mitgekriegt. Das Gaswerk war nämlich gerade in die Luft geflogen. Erst Gaz, und dann Prom. Deswegen heißt das auch so. Der Herr Schröder meinte, Kinder, grämt euch nicht, stattdessen besuchen wir jetzt den lieben Onkel Wladimir im Kreml. Das ist ein lupenreiner Demokrat, den müsst ihr euch unbedingt ansehen. Der spendiert Euch allen eine Tasse Kakao. Aber mein Onkel Karl-Josef hat mich gewarnt, Klaus-Günther, pass auf, dass sie dir im Kreml nicht Nowitschok in den Kakao träufeln, am besten isst und trinkst du da überhaupt nichts, du hast ja dein Butterbrottäschchen dabei. Als ich dann fragte, Onkel Wladimir, können wir hier in Moskau auch noch den Nawalny besichtigen, der ist doch auch ein lupenreiner Demokrat, da hat der liebe Onkel Wladimir auf einmal ganz böse geguckt. Und als dann mein Klassenkamerad Fidel Mops auch noch fragte, Onkel Wladimir, stimmt das, dass Du in Deinem Ferienpalast am Schwarzen Meer eine Klobürste mit goldenen Borsten hast, da wurde der Herr Schröder ganz nervös und drängte, Kinder, wir müssen jetzt los, wir wollen ja auf dem Rückweg noch die Nordstream-Pipeline an der Ostsee besichtigen. Aber von der Pipeline war nichts zu sehen, die ist ja unter Wasser. Und das fand ich enttäuschend. Außerdem bekamen wir am Strand alle nasse Füße, und dann war bei dem Elektromotor wieder der Akku leer, und dann mussten wir mit dem Pannendienst vom ADAC nach Köln zurück. – Benotung durch die Klassenlehrerin: Klaus-Günther hat das Aufsatzthema gründlich verfehlt und passagenweise auch noch bei seinem Banknachbarn Fidel Mops abgeschrieben. Note: 5 Minus. Versetzung gefährdet. © Raap/Bär 2021

Corona-Fastelovend 2021 Karnevalsgesellschaft KG UHU von 1924 e.V. Köln-Dellbrück, mit Dellbröcker Boore Schnäuzer Ballett, auf der Kölner Schildergasse, Februar 2021, Fotos: Copyright Siglinde Kallnbach

Corona-Witz aus dem virtuellen Kölner Karneval 2021:

Tünnes: Schäl, häste schon jehört, in China is ene Hahn laufen jegangen.

Schäl: Ävver dat is doch nit weiter schlimm.

Tünnes: Doch, dat wor nämlich ne Wuhan!

Bär aktuell spezial: Erbauliche Materialien zur Soziolinguistik                       -1-3- 2021
Unter der Schlagzeile „Was sind für Sie Pseudolinke?“ brachte „taz futur zwei“ (Februar/März 2021) ein höchst interessantes Interview mit dem Philosophen Robert Pfaller, der aus eben einer linken Perspektive Kritik an den aktuellen sprachmodischen Verwirrtheiten übt. Pfaller empfindet nämlich „Gendersternchen als neoliberales Distinktionsinstrument von Kulturlinken“, mithin als ein kulturelles Ablenkungsmanöver zu den sozialpolitischen Versäumnissen seitens einer Politik, wie sie sich mittlerweile seit Gerhard Schröders „Agenda 2010″ und der Wandlung der Grünen zu einer Art Öko-FDP in der linken Mitte oder links von der bürgerlichen Mitte verorten lässt: „Statt Kinderbetreuungseinrichtungen bekamen wir das Binnen-I, statt Chancengleichheit bot man uns »diversity«, und anstelle von progressiver Unternehmensbesteuerung erhielten wir erweiterte Antidiskriminierungsrichtlinien“, sagt Pfaller. „Das entspricht dem Grundprinzip neoliberaler Propaganda: Alle Ungleichheit beruht demnach lediglich auf Diskriminierung… Die Einzigen, die an solchen unbeholfenen Sprachverbesserungen wirklich Interesse haben, sind Vertreterinnen und Vertreter in diversen Gremien, die im Namen von anderen sprechen, aber in Wirklichkeit nur ihre eigenen Pfründe behaupten. Für ein Binnen-I oder ein Sternchen hat sich noch nie irgendjemand etwas kaufen können…“, wobei ergänzend anzumerken wäre, außer eben jenen Leuten, die auch Herr Bär mitunter als „Bioladen-Schickeria“ etikettiert (früher sagte man „Salon-Bolschewisten“). Weiter urteilt Robert Pfaller über „diese Kulturlinke“, so sehr sie auch behaupte, „auf Verletzlichkeiten zu achten, so großzügig zeigt sie sich andererseits, wenn es darum geht, Leute, die nicht ihrer Meinung sind, zu beschimpfen und sie, wenn nur irgendwie möglich, zu Unpersonen vom Kaliber der Rassisten, Sexisten, alten weißen Männer oder anderer »deplorables« abzustempeln…“

Der gebürtige Kölner Komiker Dave Davis hat familiäre Wurzeln in Uganda und tritt als Büttenredner im Kölner Karneval in der Rolle des schwarzen Toilettenmannes Motombo Umbokko auf. Aktueller Witz von ihm: „Die katholische Kirche macht es wie der Fußballbund DFB: die stecken viel in den Nachwuchs“. Auf die Frage eines „Express“-Reporters, wie er mit dem Vorwurf umginge, er bediene mit seiner Bühnenfigur „das Klischee vom schwarzen Mann“, antwortete Davis: „Die Figur des Motombo habe ich als eine Art Hofnarr erschaffen. Er weist auf gesellschaftliche Missstände hin…Ein guter Narr ärgert ‚die da Oben‘ und tritt nie ‚den kleinen Mann’“. Die karnevalistische Narrenfreiheit war der Obrigkeit aber nicht immer ganz geheuer gewesen und daher auch nicht grenzenlos: 1828 verbot die preußische Regierung per Kabinettsorder den Bonner Karneval als „anormalische und in polizeilicher Hinsicht nicht unbedenkliche Lustbarkeit“. Das nützte nicht viel – 4.000 Bonner fuhren dann Jahr für Jahr eben nach Köln, um dort Karneval zu feiern und die Bonner Gastronomen beklagten sich bitterlich über die Einnahmeverluste durch das Feierverbot – irgendwie kommt uns das bekannt vor. Erst 1842 ließ der preußische König in Bonn wieder das Jeckentreiben zu. 1911 wurde in Köln der Büttenredner Christian Witt wegen Verbreitung unzüchtigen Liedguts zu 100 Mark Geldstrafe verurteilt. 1939 erhielt Karl Küpper („Dä Verdötschte“) wegen „Verunglimpfung des deutschen Grußes“ Auftrittsverbot, weil er den Arm zum Hitlergruß hob und dazu erklärte: „Es et noch am rähne?“ (Regnet es noch?) oder „Su huh litt bei uns dr Dreck em Keller!“ (So hoch liegt bei uns der Dreck im Keller!) Als Horst Muys („Der liebe Jung aus Köln am Rhein“) in der Bütt seine selbst erlebten Eskapaden im Rotlichtmilieu zum besten gab, verließ der OB Theo Burauen empört den Saal und auch Muys erhielt 1968 vorübergehend Auftrittsverbot. 1987 machte der Bonner Redner Heinz Rech als „Prawda-Reporter“ bundesweit negative Schlagzeilen mit der zynisch anmutenden Pointe: „Barschel war ein großer Karnevalsfan – er ist in der Bütt gestorben“. 2004 äusserte auch ein weiterer OB, nämlich Fritz Schramma, sein Missfallen, als die „Bläck Fööss“ das Lied „Alle Kraade dieser Welt vun Peking bis noh Ehrenfeld“ anstimmten: Er wolle keine „Kraade“ in Köln haben, entrüstete sich der OB, denn er kenne „Kraade“ nur als Schimpfwort, im Sinne von „lichtscheues Gesindel“.

© Raap/Bär 2021

Hundesalons dürfen offen bleiben, entschied ein Verwaltungsgericht „in einem Streit zwischen der Stadt Emsdetten und einer Hundesalonbetreiberin“, wie der Kölner „Express“ berichtete. Die Coronaschutzverordnung „untersage… Friseurdienstleistungen… nur beim Menschen“, nicht aber beim Hund. So weit so gut. In der gleichen Ausgabe des „Express“ kam auch Harald Esser zu Wort, Präsident des Zentralverbandes des Friseurhandwerks, der sich darüber mokierte, dass selbst bei den jetzigen Geisterspielen ohne Zuschauer Fußballer haarkünstlerisch „topgestylt“ auf dem Stadionrasen agieren: sie würden ihrer Vorbildfunktion nicht gerecht und animierten ihren Anhang damit nur zu „Kundenanrufen“, mit denen zu „Schwarzarbeit und Regelverstößen wie Hausbesuchen“ ermuntert werde, so beklagte sich der Verbandspräsident der Figaros. Herr Bär solidarisiert sich mit Herrn Esser, denn seit Herr Bär das erste Mal live ein Spiel des 1. FC Köln sah, als ihn sein Vater 1962 ins Müngersdorfer Stadion mitnahm, das damals noch „Hauptkampfbahn“ hieß, und Herr Bär ein Jahr vor der Einführung der Bundesliga beim Spiel in der damaligen Oberliga West einen 4:0-Sieg des 1. FC Köln gegen Hamborn 07 mitfeiern durfte, schätzt Herr Bär beim Fußball immer nur die robusten Renner und Klopper, die 90 Minuten lang alles geben und dann nach dem Schlusspfiff in verschwitzten und verdreckten Trikots in die Kabine gehen, und nicht die heutigen zurecht gebretzelten Schönlinge, die jeden Kopfball vermeiden, aus lauter Angst sich die Haarpracht zu verschängelieren.

© Raap/Bär 2021

Der Vorstand von „a performancelife e.V.“ mit dem Sessionsorden 2021 des FEK-Festausschuss Ehrenfelder Karneval, Fotos und Grafik: Siglinde Kallnbach.- Eincollagiert in Mitte/unten: mit Künstler-Fußgruppe im Ehrenfelder Dienstagszug 2020

Zesamme sin mer Ihrefeld“ (Zusammen sind wir Ehrenfeld) lautet das Motto des Sessionsordens, den der FEK-Festausschuss Ehrenfelder Karneval trotz Pandemie-Krise auch 2021 verleiht. „Diesmol krigge mer dä Orden daför, dat mer jetz all brav ze Hus blieve un nit do drusse de Lück met all dä Aerosole vollhoste“, kommentiert Herr Bär dazu (Diesmal bekommen wir den Orden dafür, dass wir jetzt alle brav zu Hause bleiben und die Leute da draußen nicht mit all den Aerosolen vollhusten). Herr Bär weiter: „Un so ne virtuelle Karneval hät jo och jet jodes: Do kannst zo Hus en jode Fläsch Wing opmache, Dich met däm Sessionsorden an et Finster stelle un Dingem Nohber zuproste, un du muss nit em Gürzenich dä suure Hungk för 35 Euro de Fläsch suffe, vun däm de nor Kopping un Sodbrenne kriss“ (Und so ein virtueller Karneval hat auch was Gutes: Du kannst zu Hause eine gute Flasche Wein aufmachen, Dich mit dem Sessionsorden ans Fenster stellen und Deinem Nachbar zuprosten, und du musst nicht im Ballhaus Gürzenich einen „sauren Hund“ für 35 Euro die Flasche trinken, von dem Du nur Kopfschmerzen und Sodbrennen bekommst).

© Raap/Bär 2021

Die Neger ist ein Nebenfluss der Ruhr und entspringt im Rothaargebirge. „Der Fluss heißt… ,die Neger’ und nicht ,der Neger’ oder ,die Negerin’“, stellt die „Westfalenpost“ klar. Mit insgesamt nur 400 Einwohnern gibt es dort nordöstlich von Olpe seit seiner ersten Erwähnung im Jahre 1468 ein Dorf mit seinen drei Ortsteilen Ober-, Unter- und Mittelneger. Etymologisch haben der Fluss- und der Ortsname nichts mit dem lateinischen Wort „nigra“ für „schwarz“ zu tun, sondern er käme aus dem Keltischen, wie Leser Wilfried Steinbrücke an die Zeitung schrieb. Er „bedeutet soviel wie reißend oder schnell fließend.“ Anderen Quellen zufolge leite sich der Name von „Nager“ ab und sei später phonetisch umgedeutet worden. Zwar wurde 2007 im benachbarten Brunnkappel die „Negerglocke“ in „Servatiusglocke“ umbenannt, doch das reicht dem Berliner Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch nicht: „Man kann den Ortsbewohnern nicht vorwerfen, dass sie in dem Ort leben, der so heißt“, zumal dieser Ortsname „Neger“ schon nachweisbar sei, „als es die rassistische Personenbezeichnung im Deutschen noch gar nicht gab.“ Aber man könne den Einwohnern heute durchaus „einen Perspektivwechsel abverlangen“, und daher versteigt sich Stefanowitsch allen Ernstes auf die Forderung, den Ort in „Nager“ umzubenennen. Im Negertal selbst sieht man derlei sprachpolizeiliche Hysterie gelassen und denkt nicht an eine solche Umbenennung, wie Ortsvorsteher Manuel Ochibowski erklärte, denn in seinem Sprengel gebe es kein rassistisches Verhalten: „Ganz im Gegenteil gibt es mehrere Beispiele, wie neue Bürger in unserer Gemeinschaft aufgenommen werden“. Die Schlagzeile „Protestwelle aus dem Negertal“ bezog sich auf eine Unterschriftensammlung der „Bürgerinitiative Negertal in Gründung – Untertitel: Mehr Demokratie – Pro Ehrenamt – Werte verteidigen“, und dies keineswegs wegen des Sprachjakobiners Stefanowitsch, sondern auf die viel gravierenderen lokalpolitischen Probleme der Negerianer mit der Stadt Olpe in Sachen „Wasserbeschaffungsverband“ und damit vor allem auch um die „Löschwasserversorgung“ und auf eine mit „viel zu grobkörnigem Splitt“ falsch renovierte Straße „von Kessenhammer nach Neger“ .

© Raap/Bär 2021

Gendersternchen-Marotte In Japan gibt es genaue Regeln, wie tief man sich bei der Begrüßung vor einer sozialhierarchisch höher gestellten, einer sozial gleichen, aber älteren und einer gleichgestellten und gleichaltrigen Person verbeugen muss. Die feinen Nuancen in zentimeterhaften Unterschieden lernt man als Europäer nie. Ähnlich ist es, wie der Autor Fridtjof Küchemann in der „FAZ-Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ notiert hat, wenn man im akademischen Milieu bei einem Vortrag die Pause mitten im Wort, um das Gendersterchen phonetisch wirken zu lasen, nicht richtig bemisst: „Denen, die darin weniger geübt sind“, könne die Unterbrechung des Redeflusses um der politischen Korrektheit willen „zur Hürde werden“. Denn: „Wer bei einer solchen Gelegenheit die Pause zu groß werden lässt, setzt sich schnell dem Verdacht aus, entweder ungeübt in ihrem Einsatz zu sein oder, schlimmer noch, diese sprachliche Neuerung hervorheben und womöglich als Marotte ironisieren zu wollen. Für die rhetorische Pause gilt der Rat, mit der Fortsetzung einer Rede zu warten, bis die Pause beginnt, peinlich lang zu werden: Was sich in der Aufregung des Vortrags bereits unangenehm anfühlen könne, werde vom entspannten Publikum noch als angemessen wahrgenommen. Bei der Kunstpause zum Gendersternchen besteht offenbar umgekehrt die Gefahr, das Publikum könnte an ihrer Dauer schneller Anstoß nehmen. Die Inklusionsformel ist mit einem Exklusionsrisiko aufgeladen…“Neulich war in einem Radiobeitrag orthografisch völlig daneben sogar mal vom „Bundes*innenministerium“ die Rede. Und so merkt denn auch auf https://link.springer.com der Autor Rudolf Stöber zum Thema „Genderstern und Binnen-I“, mithin „zu falscher Symbolpolitik „in Zeiten eines zunehmenden Illiberalismus“ an: „Gender-* und Binnen-I sind derzeit sprachnormwidrig, die Debatte wurzelt in einem Missverständnis und produziert Kategorienfehler… Erst in unserer Gegenwart wird die Sprache durch die Identifikation von sprachlicher Gattung mit biologischem Geschlecht aufgeladen –weil man es nicht mehr besser weiß oder wissen will. Die Genus-Zuweisung ist willkürlich: der Stuhl, die Stuhllehne, das Stuhlbein – das Genus hat nichts zu bedeuten, wenn es um Unbelebtes geht. Nur Lebewesen haben ein natürliches Geschlecht. Die unbedingte Gleichsetzung genus = sexus ist ein Kategorienfehler… Wer hingegen bewusst sprachpolitisch eingreift, um via Sprache Denken zu lenken, manipuliert. Bei Victor Klemperer (1996), Dolf Sternberger et al. (1957) oder George Orwell (1949) lässt sich viel über die Gefährlichkeit der Gedankenmanipulation via Sprachlenkung lesen…“

© Raap/Bär 2021

Essen und Trinken mit Herrn Bär

Kalbsleber auf Berliner Art bereitet man mit leicht in Mehl gewälzten Fleischscheiben zu, die man in Butter brät, dazu gehören ebenfalls leicht mehlierte gebratene Zwiebeln und gebratene Apfelscheiben. Man salzt und pfeffert die Leber erst kurz vor dem Servieren, weil das Fleisch sonst zäl und trocken wird. Damit die Leber weich bleibt, kann man sie auch vor der Zubereitung ca. 1 Std. in Milch einlegen. Am besten serviert man die Kalbsleber mit Kartoffelpüree. Die Fegato veneziano (Kalbsleber venezianische Art) wird in Olivenöl und etwas Butter bei hoher Hitze kurz gebraten, Fleisch und Zwiebeln werden mit Balsamico und Weißwein kurz abgelöscht, und man fügt ein paar Salbeiblätter hinzu. Als Beilage empfiehlt sich Polenta aus Maisgries. Dazu passt als Wein gut ein Soave aus Venetien; Herr Bär jedoch trinkt dazu jedoch auch gerne einen badischen Grauburgunder.

Asienwoche bei Familie Bär, Foto und Montage: S. Kallnbach

Indische Makrele „Bombay meets Bickendorf“ Makrelen säubern, von beiden Seiten mit einer Marinade aus Raps- oder Sesamöl, Pfeffer, asiatischer Fischsauce, Zitronensaft, gepresstem Knoblauch, geriebenem Ingwer, Zitronengras und klein gehacktem Koriander einreiben, ziehen lassen, im Backofen Ofen zusammen mit vorgedämpften Erdnüssen garen und kurz vor dem Servieren frische Minze und weiteren frischen Koriander hinzufügen.

Chinesischer Barsch in einer feuerfesten Form im Backofen garen zusammen mit Austernsauce, rotem oder gelbem Curry, etwas Chili oder Sambal oelek, Frühlingszwiebeln, roten Paprikastreifen, Bambussprossen, Zitronengras, frischem Koriander.

Chop Suey Das Rezept soll angeblich um 1860 ein chinesischer Emigrant in San Franzisco erfunden haben, ist aber gastrogeschichtlich wohl eher aus der kantonesischen Küche überliefert. Herr Bär bevorzugt für die Zubereitung dünn geschnittene Streifen vom Schweinekotelett, die er mit Zwiebeln scharf anbrät und dann in einem Sojasaucensud mit Brühe und etwas Sambal oelek weich schmoren lässt und zusammen mit Sojabohnen, Bambussprossen und Wasserkastanien serviert. Dazu reicht man Reis.

Schweinefleisch oder Hühnchen süßsauer Das Rezept stammt ursprünglich aus der Provinz Guangdong in Südchina. Das Fleisch in einem Teigmantel frittieren zu wollen, gilt unter Kennern der chinesischen Küche als unnötige Firlefanzierung. Man sollte die Fleischstreifen höchstes ein wenig in mehlieren, zusammen mit Zwiebeln kurzbraten und nur mit rotem und grünem Paprika sowie Ananas und mit einer fertigen süß-sauren Sauce aus dem Asia-Supermarkt zubereiten. Abschmecken mit Cayenne-Pfeffer oder Szechuan-Pfeffer und Sambal oelek.

Impressum: V.i.S.P. Jürgen Raap, Senefelderstr. 5, 50825 Köln

Bär aktuell Nr. 295 – 3. Jan. 2021

Januar 5th, 2021

Bild des Monats Januar 2021:

Jürgen Raap, „Der schlafende Bischof“, 2020

Bildstrecke „bär aktuell spezial“ – Bärs Schaufenster-Krippen-Wanderweg, Fotos: Copyright S. Kallnbach

Schaufenster „Puppenspiele der Stadt Köln“, und „Kirchenbedarf Wefers“, Köln

Puppenspiele der Stadt Köln, Foto: Copyright S. Kallnbach
Kirchenbedarf Wefers, Köln, Foto: S. Kallnbach
Kirchenbedarf W. Wefers, Komödienstr., Köln, Foto: Coypright S. Kallnbach

Der englische Benedektinermönch Beda Venerabilis (um 673-735 n. Chr.) erwähnt im Text „Expositio in Matthaei evangelium“, die Hl. Drei Könige seien „drei Magier“ gewesen, welche die damals bekannten „drei Teile der Welt“ repräsentierten, nämlich Europa, Asien und Afrika, wobei Melchior, manchmal aber auch Balthasar, als Repräsentant Afrikas dunkelhäutig dargestellt wird. Auf der Internetseite „katholisch.de“ ist zum aktuellen Streit, ob eine solche Darstellung rassistisch sei, ein Essay von Christoph Paul Hartmann nach zu lesen, der für die Beurteilung sakraler Kunst eine differenzierende Betrachtung anmahnt: es käme nämlich immer auf das „Wie“ der Bilder an. „So gibt es durchaus Gemälde der Geburt Jesu, in der der Schwarze keine überzeichneten Körpermerkmale hat, sondern ganz schlicht als ein den anderen gleichwertiger König porträtiert wird – das macht es weniger problematisch.“ Hartmann beruft sich dabei auf Clemens Neck, den Pressesprecher des Bistums Regensburg: „Klar ist, dass die Darstellung des Königs Melchior als Menschen schwarzer Hautfarbe nichts gemein hat mit rassistischem Denken… Das Dreikönigssingen unter diesem Gesichtspunkt zu debattieren, ist Unfug. So beraubt man mit Unterstellungen eine lange Tradition ihrer Unbefangenheit und unterwirft sie einem unangemessenen Anpassungsdruck“. Damit keine Missverständnisse aufkommen: selbstverständlich sollte man tatsächlichen rassistischen Umtrieben in unserer Gegenwart energisch entgegentreten. Aber es ist ein Denkfehler, historische theologische und künstlerische Äusserungen heute ausschließlich vom Standpunkt der Gegenwart aus beurteilen zu wollen, mit eben all jenen Bedeutungsverschiebungen, die man sich heute sprachlich zurecht konstruiert. Das nimmt bisweilen sogar bizarre Züge an. Solch einem „unangemessenen Anpassungsdruck“ sah sich z.B. kürzlich der Kieler Gastronom Andrew Onuegbu ausgesetzt, den man aufforderte, sein Restaurant „Zum Mohrenkopf“ gefälligst umzubenennen. Onegbu wurde im nigerianischen Biafra geboren, lebt seit fast 30 Jahren in Deutschland und erklärte gegenüber den „Kieler Nachrichten“ an die Adresse (weißer) Sprachbereiniger und „social cancel“-Fanatiker, er verweigere sich einer solchen Umbenennung, denn: „Ich möchte als Schwarzer nicht erklärt bekommen, wann meine Gefühle verletzt werden. Das ist auch eine Form von Rassismus“.

© Raap/Bär 2020/21

Die Vorteile eines rein digitalen Parteitags versuchte der CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak den Delegierten mit den Worten schmackhaft zu machen, sie könnten das Geschehen daheim „auch in der Jogginghose“ verfolgen – es sieht ja schließlich keiner. Nun kann man sich Armin Laschet schwerlich in Jogginghose vor der Webcam vorstellen, den stets etwas zauselig wirkenden Anton Hofreiter von der grünen Konkurrenz schon eher, und als Gastredner würde Markus Söder beim Scypen doch wohl eher in der Lederhose vor dem Bildschirm Platz nehmen. Verschnarchten Hinterbänklern nimmt man auch ab, wenn sie in diesen virtuellen Zeiten zu Hause im Schlafanzug versuchen, Weltbewegendes von sich zu geben. Wenn sich auch Wladimir Putin Paul Ziemiaks Empfehlung zu Herzen nehmen würde, tritt er womöglich schon mal wie früher bereits bei anderen PR-Terminen mit nacktem Oberkörper im Home Office ans Mikrofon und lässt die Muskeln spielen. Chinas Xi Jingping kann Herr Bär sich allerdings ebenfalls nicht in Jogginghose auf einem Parteitag vorstellen: der Mann tritt stets korrekt gekleidet im Blaumann auf, muss sich jedoch in diesen Corona-Zeiten, wo Paul Ziemiak die Parteitagsmode vorgibt, ein Jupp Schmitz-Zitat gefallen lassen: „Nicht in jeder blauen Hose steckt ein strammer Vollmatrose“. © Raap/Bär 2021

Dass die Chinesen kein „R“ aussprechen könnten, stimmt so nicht: hier irrt der Satiriker Martin Sonneborn. Die Laute „R“ und „L“ machen in China nur keinen Bedeutungsunterschied aus wie etwa im Deutschen bei „Last“ und „Rast“. Dass der Chef der Satire-PARTEI zur Verabschiedung von Donald Trump wegen dessen teils bigotter, teils aggressiver China-Politik ein T-Shirt mit der Aufschrift „Au Wiedelsehern, Amlerika! Habem Sie Guter FrLug runtel! Plinted in China…“ trug, erboste Sonneborns Parteigenossen Nico Semsrott, im Zivilberuf ebenfalls Humorist und wie Sonneborn ebenfalls Abgeordneter im Europaparlament. Semsrott schrieb an Sonneborn einen Brief, den er, Semsrott, ausdrücklich als „humorlose Erklärung“ etikettierte, und in welchem er seinen Austritt aus der Spaß-PARTEI kundtat, da er Sonneborns Wortspielerei mit Stereotypen als rassistisch empfand und Martin Sonneborn auf diesen Vorwurf zunächst nicht reagiert hatte und erst später einräumte, er habe die „Wirkung des Witzes unterschätzt“. Gleichwohl will Nico Semsrott sein Abgeordnetenmandat als Parteiloser behalten, denn schließlich erhält jedes Mitglied im Europaparlament monatliche Dienstbezüge von 8.932,86 Euro, und dafür kann man sich schon mal humorlose Briefe an den PARTEIgründer erlauben und sich in diesem Schreiben für die „deprimierende Zusammenarbeit“ mit ihm bedanken. Obwohl sich bislang kein Chinese als Betroffener über Sonneborns T-Shirt beschwerte, sondern nur der Nicht-Chinese Nico Semsrott und mit ihm die notorischen Shitstorm-Hysteriker, die in diesem Falle aller Wahrscheinlichkeit ebenfalls wohl keine betroffenen Chinesen sind, musste sich letztlich auch Martin Sonneborn die Beleidigung gefallen lassen, er sei ein „privilegierter alter weißer Mann“. Doch wer legt hier eigentlich die Altersgrenze fest? Martin Sonneborn ist schließlich erst 55 Jahre alt. © Raap/Bär 2021

Da haben wir es, das Argument der Straße“ (Franz-Josef Degenhardt), beim Sturm auf das US-Kongressgebäude dazu aufgewiegelt von einem, der eigentlich nie ein Volkstribun war, als ein vermeintlicher Sprecher der Globalisierungsverlierer unter den prekären Stahlkochern im amerikanischen Mittelwesten. Sondern Donald Trump war schon als Wahlkämpfer und dann als US-Präsident von Anfang an ein mephistotelischer Demagoge, auf seine Weise jenem geflügelten Wort in Russland Rechnung tragend, man setze den Bauern auf den Zarenthron, und er werde schlimmer wüten als der Zar selbst. In diesem Falle allerdings kein im Machtrausch enthemmter Bauer, sondern ein brachialer Immobilientycoon, der vier Jahre lang als US-Präsident seine Politik mit eben jener Heimtücke betrieb wie vorher seine Immobiliengeschäfte. Dabei wurde er allzu lange von den Schranzen in seiner Republikanischen Partei gedeckt und gestützt, die ihm bei all seinen Eskapaden solange folgten, wie es ihrer eigenen Karrieregeilheit dienlich war, und sie sich erst jetzt heuchlerisch von ihm abwenden, dies freilich nur deswegen, um nicht mit ihm zusammen untergehen zu müssen.

Im jüngsten finalen Showdown dieser hollywoodiesken politischen Pferdeoper erwies sich Trump dann als ein gewissenlos zündelnder Kaiser Nero des 21. Jh., mit seiner Aufforderung „Let’s walk down Pennsylvania Avenue“, eben jener Mall, die 11 km quer durch die Stadt Washington zum Weißen Haus und zum Capitol führt, um in den dortigen beiden Parlamentskammern die Wahl seines legitimen Nachfolgers zu verhindern.

Doch dann ruderte Trump nach den Toten als Resultat dieses skrupelllosen Staatsstreichs und nach den Verwüstungen im Inneren des Parlamentsgebäudes keineswegs kleinlaut, aber sonst genauso so erbärmlich zurück wie einst beim Zusammenbruch der DDR der Stasi-Chef Erich Mielke, der seinen Widersachern ein weinerliches „Ich liebe Euch doch alle“ entgegen rief.

Ernest Hemingway hatte sich einst beklagt, die Asphaltierung der Straßen habe den Revolutionären die Möglichkeit genommen, mit Pflastersteinen zu werfen. Die Fensterscheiben des Capitol haben sie aber jetzt trotzdem zertrümmert, aber das waren keine progressiven Revolutionäre im Hemingwayschen Sinne, sondern – man muss es wirklich einmal so drastisch formulieren – vielmehr Leute mit der Mentalität eines üblen deutschen SA-Straßenschlägers in den frühen 1930er Jahren.

Der widerliche Pöbel, den Trump in den letzten Tagen in seiner Götterdämmerung fanatisierte, taugt daher nicht zu irgendwelchen historischen und sonstigen politischen Analogien. Der Sturm auf die Bastille in der Französischen Revolution am 17. Juli 1789 richtete sich gegen die Arroganz einer aristokratischen Macht, die damals im zynischen Bonmot der Königin Marie-Antoinette kulminierte, wenn das Volk kein Brot habe, dann solle es doch gefälligst Kuchen essen.

Der Sturm auf den Petersburger Winterpalast während der Bolschewistischen Oktober-Revolution 1917 wird von manchen Historikern oft mit jenem Sturm auf die Bastille verglichen, verlief aber tatsächlich weitaus unspektakulärer. Medial dramatisiert wurde dieses Ereignis nämlich erst später durch Sergej Eisensteins Film „Oktober“. Und keinen Grund zum Herumfeixen hat jetzt die politische Führung in Peking, die nach dem versuchten Sturm aufs Washingtoner Capitol schadenfroh mit dem Finger auf die Hongkonger Demokratiebewegung verweist. Denn Trumps radikalisierte Anhänger ignorierten eine demokratische Wahlniederlage, aber die Hongkonger Protestierer beharren nur auf ihren Autonomie-Rechten, die ihnen nach Auslaufen des Pachtvertrags mit Großbritannien 1997 auch von Pekinger Seite aus zugestanden wurden.

© Raap/Bär 2021

Mitgemeint oder auch nicht Im Berliner „Tagesspiegel“ attackierte unlängst die Autorin Barbara John in einer Glosse den Abkürzungwahn im „Verwaltungskauderwelsch“: „LuL“ steht für „Lehrerinnen und Lehrer“ und „SuS“ für Schülerinnen und Schüler, wobei die Autorin sich fragt, ob „bei LuL und SuS“ nicht „längst die Gender-Aktivisten auf die Barrikaden“ hätten „gehen müssen“, denn: „Die Großbuchstaben L und S machen sowohl Geschlecht und Gruppenzuordnung völlig unsichtbar.“ Herr Bär ist ein wenig ratlos, denn er weiß nicht so recht, ob solch ein Satz in dieser Glosse ernst oder ironisch gemeint ist. Jedenfalls ließ der „Wetzlar Kurier“ kürzlich die Publizistin Birgit Kelle zu Wort kommen, die der Ansicht ist, „Gender Mainstreaming – ursprünglich als Strategie zur Gleichstellung der Geschlechter“ postuliert, sei „mittlerweile… eine völlig aus dem Ruder gelaufene Ideologie“. Im sprachlichen Alltag nehme nämlich die Begriffsverwirrung zu: Wenn es nicht mehr „Autofahrer“ heißen darf, sondern nur noch „Autofahrende“, dann wäre selbiger allerdings „im Falle des Stillstandes vor einer roten Ampel kein ‚Fahrender‘ mehr, sondern ein ‚vor der Ampel stehender nicht Fahrender’“. Noch komplizierter klingt es im Entwurf des Bundesjustizministeriums für eine Reform des Insolvenzrechts, wobei in dem neuen Gesetzestext nur noch „fast ausschließlich das generische Femininum verwendet“ wird. Versierte Juristen geben zu bedenken: „Heißt es nur noch ‚Geschäftsführerin‘, könnte das dazu führen, dass alle männlichen Geschäftsführer nicht mehr mitgemeint sind oder darauf klagen könnten, dass es sie nicht betrifft, da es eine bisher nicht in solchen Gesetzestexten praktizierte Sprachform ist.“ Der FDP-Fraktionsvize Stephan Thomae bemerkte dazu: „Das Sanierungs- und Insolvenzrecht ist… nicht der richtige Schauplatz für den possenhaften Koalitionsstreit über die generische Verwendung von Femininum und Maskulinum.“ Auch der österreichische Blogger Roland Flür hält nichts von „Gendersternchen“ und stellt klar: „Selbstverständlich bin ich für die Gleichberechtigung der Frau. Aber ich liebe auch die deutsche Sprache und diese optische Verhunzung tut mir weh!“ Raap/Bär 2021

Corona-Krätzchen 2021

Originaltext: „Met uns mäht keiner d’r Molli mieh“

Copyright-Vermerk: Text:Jupp Schlösser 1950, Melodie: Gerhard Jussenhoven

Parodie-Text: Raap/Bär 2021

Wenn mer üvverläht wat he op dä Ääd

Mer em letzte Johr han metjemaht

Frög mer sich jewiss wie dat möglich es

Dat dä Virus mäht malad

Wat och noch kumme soll

Mer han de Nas jetz voll

Eins steht för uns faß

Dat mer keine Spass

Met dem Virus mieh verstonn

Hück janz fürchterlich

Mer vun Corona sprich

Jeder bang för sing Jeschäff

Alles hät jetz zo

Friseure un dä Zoo

Mer setze jetz mit lang Hoor‘ do

Nur de Schullbüss voll

Met Pänz all raderdoll

Un dä Lehrer schnief sing Maske voll

Säht Altmeiers Plaat „Wat koss de Welt?“

Mer schenke Üch en Billion

Nor Spahnse Jens dä Schäl

Unsere Jesundheitskääl

Hät vill ze winnich Impfportion‘ bestellt

Doch en London un en Lissabon

Impfe se längs schon

Un die ärm Verwandtschaff

Em Süden, nä, die kritt nix av

För die reicht nit däm Plaat sing Billion

Un wenn dä Lauterbach och schängt

En Winterberg do herrsch Gedräng

Am Rodelbähnche un am Dixie-Klo

Wenn mer sich do jetz keine Virus hollt

Met Maske nor em Schnee römtollt

Dann mäht dat och dä Christian Drosten froh

För dä ein do es Bill Gates an allem schuld

Dä andere übt sich en Jeduld

Däht brav ze Hus erömhange

Un denk‘: Et es noch immer jot jehange.

Übersetzung ins Hochdeutsche: Karl-Josef Bär

Wenn man überlegt was hier auf der Erde

Wir im letzten Jahr schon alles mitgemacht haben

Fragt man sich gewiss, wie das möglich ist

Dass der Virus krank macht

Was noch kommen soll

Wir haben die Nase jetzt voll

Eins steht für uns fest

Dass wir keinen Spaß

Mit dem Virus mehr verstehen

Heute ganz fürchterlich

Man von Corona spricht

Jeder bangt um sein Geschäft

Alles hat jetzt zu

Friseure und der Zoo

Wir sitzen jetzt mit langen Haaren da

Nur die Schulbusse voll

Mit Kindern raderdoll (aufgedreht, verrückt)

Und der Lehrer schnieft die Maske voll

Sagt Altmeiers Plaat „Was kostet die Welt?“

Wir schenken Euch eine Billion

Nur der schielende Jens Spahn

Unser Gesundheitskerl

Hat viel zu wenig Impfportionen bestellt

Doch in London und Lissabon

Impfen sie längst schon

Und die arme Verwandtschaft i

Im Süden, nein die kriegt nichts ab

Für die reicht nicht die Billion des Glatzkopfs

Und wenn der Lauterbach auch schimpft

in Winterberg, da herrscht Gedränge

Am Rodelbähnchen und am Dixie-Klo

Wenn man sich da jetzt keinen Virus holt

Mit Maske nur im Schnee rumtollt

Dann macht das auch den Christian Drosten froh

Für den einen ist Bill Gates an allem schuld

Der andere übt sich in Geduld

Hängt brav zu Hause herum

Und denkt: Es ist noch immer gut gegangen

Von wegen Programmvielfalt Seit der WDR-Intendant Tom Buhrow die Puppensitzung aus dem Kölner Hänneschen-Theater und ebenso die Bonner „Pink Punk Pantheon“-Kabarettsitzung aus seinem Programm gekippt hat, Herr Bär zudem lesen muss, dass besagter Tum Buhrow ein Jahresgehalt von immerhin 395.000 Euro verdient, die Bundeskanzlerin aber nur 242.000 Euro bekommt, ist es für Herrn Bär durchaus nachvollziehbar, dass das Bundesverfassungsgericht kurz vor Weihnachten einen Eilantrag der Sender zur Erhöhung der Rundfunkgebühren abgelehnt hat. Dass TV-Intendanten und manche Fußballprofis im Vergleich zu Krankenpflegern überbezahlt sind, war für Herrn Bär schon in Vor-Corona-Zeiten ein Ärgernis. Tom Buhrow drohte „nach dem richterlichen Beschluss… unumwunden mit Programmeinschränkungen“, schreibt der Berliner „Tagesspiegel“. Diese Drohung sollte man gelassen sehen, denn der Rosenmontagszug fällt dieses Jahr eh aus. Was also will der Intendant an seinem Programm noch einschränken? Bliebe höchstens noch die Übertragung des Aachener „Ordens wider den tierischen Ernst“ übrig. Aber falls Karl Lauterbach dieses Jahr den Orden bekäme, dabei im Kostüm als Karl der Große auftritt und als Li-La-Laune-Lauterbach eine Laudatio-Büttenrede auf sich selbst hält, müsste man sich diese Sendung nun wirklich nicht ansehen.

© Raap/Bär 2021

Essen und Trinken mit Herrn Bär

Gänsekeulen à la Karl-Josef Bär Frische Gänsekeulen mit Salz Pfeffer, gepresstem Knoblauch, Rosmarin, Thymian, Beifuß und Rosmarin einreiben, Gewürze ca. 30 Min. einziehen lassen. In einer Pfanne Gänseschmalz erhitzen und die Keulen von beiden Seiten kurz anbraten, dann Zwiebeln, geschälte Maronen, Apfelstücke, 1 gewürfelte Tomate und Möhrenstücke hinzugeben, kurz mit schmoren lassen, dann mit Gänsefond/Entenfond und einem Schuss Rotwein und einem Schuss Sojasauce auffüllen, grüne Pfefferkörner, Wacholderbeeren, Lorbeerblätter, Nelken und Sternanis hinzufügen, das Ganze kurz aufkochen und dann je nach Größe und Menge der Keulen 60 bis 90 Min. schmoren lassen. Einen Teil des Suds abschöpfen und als Sauce mit etwas Mehl oder Kartoffelstärke separat einkochen. Die Keulen im Backofen noch 60 Min. bei ca. 180-200 Grad weiter schmoren lassen, bis die Haut knusprig ist.

Salade tunesienne In Olivenölmarinade mit Zitrone, Salz, Pfeffer: Tomaten, frische Gurken, rote und grüne Paprikastreifen, Oliven, Zwiebeln, gekochtes Ei, konservierter Thunfisch. Dazu frische Petersilie, Minze und Koriander. Statt Thunfisch kann man auch Hähnchenfleisch nehmen.

Rosenkohl, in Belgien Choux bruxellois genannt, enthält viel Vitamin A und C sowie Mineralstoffen wie Eisen, Kalium, Kalzium, Magnesium und Glukosinolate. Man putzt die Röschen vor dem Kochen, entfernt die Strünke und welke Blätter, kocht den Rosenkohl dann 12 bis 15 Min. in Salzwasser. Dann lässt man Speck und Zwiebeln aus, gibt den Rosenkohl hinzu, schwenkt ihn leicht darin und würzt ihn mit Pfeffer, Muskat und Petersilie. Weil Rosenkohl leicht bitter ist, lässt er sich gut mit Walnüssen kombinieren.

Impressum: V.i.S.P. Jürgen Raap, Senefelderstr. 5, 50825 Köln

Bär aktuell Nr. 294 – 22. Dez. 2020

Dezember 19th, 2020



Abb: Jürgen Raap „Frohe Weihnacht überall, bald ist wieder Karneval“, Aquarell, 2006

Es werde dieses Jahr das „härteste Weihnachten für die Nachkriegsgenerationen“, hatte NRW-Ministerpräsident Armin Laschet verkündet. Der FDP-Politiker Wolfgang Kubicki ist für die weihnachtliche Kriegs- und Nachkriegszeit cineastisch schon gut gerüstet. Unter der Überschrift „Wie Politiker den Corona-Advent“ verbringen, zitierte ihn der Kölner „Express“: „Für mich ist es das Größte, mit Vollmilch-Nuss-Schokolade und einem Glas Milch Kriegsfilme zu gucken“. Für Herrn Kubicki hat Herr Bär daher einen Film-Tipp für die Weihnachtstage herausgesucht: „Westfront Weihnachten 1914“, bei youtube hochgeladen von der Filmakademie Baden-Württemberg. Für alle anderen Mitbürger gilt hingegen: „Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen“. Oder op kölsch: „Herr Bär wünsch Üch genöglige Chressdaach un e glöcksillich Neujohr“.

© Raap/Bär 2020

Bärs „Politische Korrektheit“-Knigge: Witze zum Mitdenken, die man besser nicht in Veganerkreisen erzählt, z.B. „Was gibt es bei Jens Spahn als Weihnachtsbraten“? – Antwort: „Spa(h)nferkel“.

Essen und Trinken mit Herrn Bär

Spanferkelbraten „Jens“ Man nehme ein Spanferkelstück mit Schwarte, brate es einer Pfanne/Bräter von allen Seiten in Butter und Schmalz scharf an, würze es mit Salz, Pfeffer, Rosmarin, lasse dann Zwiebeln, 2 Knoblauchzehen, ein paar Möhrenscheiben kurz mit schmoren, lösche das Ganze mit Bier und Rinderfond ab. Dann muss der Braten je nach Umfang 1 ½ bis 2. Std. mit ein wenig Kümmel im Backofen und einem Lorbeerblatt braten. Man gieße ab und an den Bratensaft über das Fleisch, füge kurz vorher noch frischen Majoran hinzu. Serviert man dies an Heiligabend, ist dazu Krautsalat angemessen, am 1. Weihnachtstag lieber gedünstetes Sauerkraut und am 2. Weihnachtstag Rotkohl.

Zwar kriegt der Kabarettist Matthias Richling in seiner Karl-Lauterbach-Parodie dessen rheinischen Singsang nicht richtig hin, aber sehenswert ist in irgendwelchen Mediatheken allemal, wie Richling dem bisweilen allzu rigoros auftretenden Lauterbach in den Mund legt, die Corona-Pandemie böte uns die Chance, „über die Demokratie hinaus zu wachsen“. Der reale „SPD-Gesundheitsexperte“ schaffte es indessen beim Boulevard-Blatt „Express“ auf die Titelseite mit der Schlagzeile: „Lauterbach wettert gegen Kölner Glühwein-Anarchie“. Das hätte sich Mihail Alexandrowitsch Bakunin (1814-1876), der Urvater der Ideologie des antiautoritären Anarchismus, auch nicht träumen lassen, dass er anderthalb Jahrhunderte später bei Karl Lauterbach als Kronzeuge für ein nur schein-revolutionäres Über-die-Stränge-Schlagen herhalten muss. Wobei Karl Lauterbach eigentlich wissen müsste, dass man in Köln während der demokratischen 1848-er-Revolution die Barrikade strategisch geschickt vor einer Weinkneipe errichtet hatte, wo die Revoluzzer dann so lange zechten, bis ein preußischer Schutzmann ihnen zurief: „Ihr könnt die Barrikade wieder abbauen, die Revolution ist vorbei“. Ansonsten fragt sich Herr Bär, wozu eigentlich die Rundfunkgebühren erhöht werden müssen, wenn man auf allen Kanälen ohnehin nur als Talkshow-Dauergast Karl Lauterbach zu sehen kriegt, wie er einen Rollentausch vom vormals kauzigen Akademiker mit Fliege zum jetzt zunehmend nervigen Nöttelefönes vornimmt.

Copyright: Raap/Bär 2020

Bärs Jahres-Deppen-Ranking 2020: Wer so blöd ist, auf dem neuen Berliner Flughafen eine Rolltreppe einzubauen, die viel zu kurz ist und dadurch die Eröffnung des Flughafens um mindestens neun Jahre verzögert, der hat sich redlich Platz 1 verdient. Platz 2: Wer wie Sigmar Gabriel mal den Vorsitz in einer Partei ausübte, die sich früher als Vorhut der Arbeiterklasse verstand, der sollte sich lieber nicht dem Verdacht aussetzen, jeglichen Bezug zur Lebenswirklichkeit der Stammwähler seiner Partei verloren zu haben, indem er nun herum tönt, als Berater für den Fleischmogul Clemens Tönnies sei für ihn, Gabriel, ein Beraterhonorar in Höhe von 10.000 Euro im Monat „in der Branche kein besonders hoher Betrag“. Platz 3: Kevin Kühnert bekam in der Zeitschrift „Capital“ vom Kommentator Horst von Buttlar bescheinigt, Kühnert habe „noch nie gearbeitet, weiß aber genau, was die Arbeiter heute wollen.“ Und dabei hat Kühnert es bis jetzt noch nicht einmal zu einem Beratervertrag in der Fleischindustrie geschafft. Platz 4: Dass der Ministerpräsidentensohn Johannes „Joe“ Laschet als „Influencer“ für geschmackvolle Herrenmode auftritt, hat sich bis zur CDU-Nachwuchshoffnung Philip Amthor noch nicht herum gesprochen, der nämlich immer noch so herumläuft wie ein verklemmter Konfirmant in den 1960er Jahren und dann auch noch als Lobby-Drücker für ein New Yorker Start Up-Unternehmen nicht weniger unangenehm auffiel als der Fleischberater Sigmar Gabriel. Platz 5: Bei der Verabschiedung von Linda Teuteberg als Ex-FDP-Funkenmariechen schaffte es der Elferratspräsident der „KG Verdötschte Liberale“ Christian Lindner gekonnt, mit launigen Zweideutigkeiten den jüngsten Prunksitzungs-Parteitag wie eine Herrensitzung in der Sackeifel vor 50 Jahren zu gestalten (Platz 5). Tusch und Klatschmarsch. Platz 6: Dem Verkehrsminister Andy Scheuer bescheinigt nicht nur „Der Spiegel“, ein politischer Totalausfall zu sein, dessen Fehlleistungen bei anderen schon längst für „neun bis zwölf Rücktritte“ gereicht hätten. Aber für einen Beratervertrag in der Fleischindustrie würden Andy Scheuers mangelnde Talente immer noch ausreichen, um die Autobahnraststätten künftig mit „Rostbratwürstchen à la Andy“ im Naturdarm auszustatten, wozu Kevin Kühnert beratervertragsmäßig hingegen nicht in Frage käme, da nämlich eine Ernährungskolumnistin in der „taz“ schon am 21. Juli 2019 verkündet hatte, bei ihrer „aktuellen Obsession“ in Sachen „veganer Ernährungsoptimierung“ ginge es nicht „nicht um Kevin Kühnert, sondern um den Darm“. Was immer nun damit gemeint sein soll. © Raap/Bär 2020

Wer es in dieser tristen und dunklen Jahreszeit gerne festlich und besinnlich mag, jedoch dem Kitschrummel der Weihnachtszeit nicht viel abgewinnen kann und daher die Sinnentleerung des Festes durch allzu viel hemdsärmelige Geschäftemacherei beklagt, der wird auch die derzeitigen „Glühweinwanderwege“ ziemlich albern finden, wo manch einer von Ausschank zu Ausschank torkelt und die Liedzeile „Stille Nacht, heilige Nacht“ in ballermannhafter Lautstärke in die Dunkelheit hinausgrölt. Und steht an Heiligabend ausgerechnet der erbschleichende Enkel vor der Tür mit einem fröhlichen „Hurra, hurra, der liebe Jung ist wieder da“ auf den Lippen, wird vielleicht auch manche Oma sich wünschen, Mutti Merkel hätte den missratenen Enkel lieber noch eine Weile in Quarantäne gesteckt, weil die Großmutter nämlich mit wachem Geist durchaus mitbekommt, wie vor dem Tannenbaum die puckelige Verwandtschaft sich einen abjuxend zuzwinkert: „Heut woll’n wir bei der Oma sein, und schau’n ins Testament hinein“. Aber der Kanzleramtsminister Helge Braun ist der Ansicht, dass Weihnachten nun mal das „Fest der Liebe ist“, und so verkündete er in einer Talkshow, es dürfe in diesen Corona-Zeiten „keine Regel geben, die dazu führt, dass Großonkel Karl jetzt garantiert an Weihnachten nicht mit am Tisch sitzt“, wobei mithin bei der Inaugenscheinname des Testaments beim Gänsebraten-Dinner reges Gedränge herrscht und die Abstandsregeln erst recht dann nicht einhalten werden, wenn ausgerechnet „Großonkel Karl“ mit drohendem Unterton verkündet, er werde das Testament anfechten. Wer derlei Familienzwist entgehen und seinen Nachlass lieber schon zu Lebzeiten verprassen will, der klicke auch in den jetzigen Corona-Zeiten mal bei „www.Kurzurlaub.de“ das Angebot „Weihnachten in Lauterbach“ an. Wohlgemerkt: „in Lauterbach“, und nicht „mit Lauterbach“. Mit Feiertagsmenü und einem Glas Sekt zur Begrüßung, und das alles 4 Tage für schlappe 310 Euro! © Raap/Bär 2020

Essen und Trinken mit Herrn Bär

Genter Waterzooi à la Karl-Josef Bär

Der flämische Name „Waterzooi“ bedeutet Wassersud. In Gent und Umgebung gilt diese Suppe als flämisches Nationalgericht. Suppenfleisch vom Huhn salzen und pfeffern, in großen Topf geben, mit 1-2 Zwiebeln in Knoblauchbutter anbraten. 1 klein geschnittene Porreestange, 2 Möhren, 1-2 vorgekochte Kartoffeln, etwas klein geschnittenen Knollensellerie, 1-2 klein geschnittene Staudensellerie, 1 Knoblochknolle, Gewürznelken hinzugeben. Mit Hühnerbrühe auffüllen und köcheln lassen. Würzen mit Pfefferkörnern, Petersilie, Thymian, Kerbel, Muskatnuss, 1 Lorbeerblatt, Eidotter, dann mit Sahne abbinden. Gewürznelken stammen ursprünglich von den Molukken; sie halten die Fetttoxydation auf; durch ihren hohen Gehalt an Phenolverbindungen haben sie antioxidative, entzündungs- und gerinnungshemmende Wirkung. Da sie den Eisengehalt im Blut reduzieren, sind sie auch für Patienten mit Eisenüberschuss zu empfehlen. Im Mittelalter galt die Nelke als Symbol für die Passion Christi – man assoziierte damit wegen der phonetischen Nähe von „Nelke“ zu „Nagel“ die Nägel bei der Kreuzigung. Muskatnuss setzte man in Asien und im europäischen Mittelalter auch als Heilpflanze gegen Magenschwäche, Leber- und Gallenschwäche ein, ebenso gegen Herpes, Ekzeme und Flechten.

Haselnuss-Polenta Ein Klassiker für Fleischbeilagen: Man kocht Gemüsebrühe und Milch/Kochsahne kurz auf, gibt Polenta-Gries und gemahlene Haselnüsse hinzu und lässt die Zutaten weiter köcheln unter ständigem Rühren und dann 10 Min. quellen. Würzen mit Salz, Pfeffer, Chili/Cayennepfeffer, Muskat, rührt dann etwas Butter und geriebenen alten Parmesankäse unter.

Hirschbraten auf maghrebinische Art à la Klaus-Günther Bär

Was kaum einer weiß: der Berber-Hirsch galt in Marokko seit 1932 als ausgerottet, wurde 1994 dort aber wieder neu angesiedelt; er taucht auch im Norden von Algerien und Tunesien auf. Heute gibt es dort wieder etwa 5.000 Hirsche, im Vergleich dazu in Deutschland 60.000. Für Bratenstücke nimmt man Fleisch aus der Keule, vom Rücken oder vom Nacken. Man spickt das Fleisch mit Rosmarin und Knoblauch, brät es in Olivenöl in einer Pfanne von allen Seiten scharf an, ergänzt die Würze mit Sambal Oelek, Cayennepfeffer und Ras al Hanout, und lässt es dann in einer feuerfesten Form im Backofen in etwas Fleischbrühe garen, je nach Größe des Bratens 1 ½ Std., und tranchiert den Braten zum Anrichten in Scheiben. In der Pfanne dünstet man Zwiebeln und Apfelscheiben an, gibt sie zusammen mit Walnüssen, Pfifferlingen, Rosinen und frischen Weintrauben zu dem Fleisch. Couscous-Gries bereitet man zu wie auf der Packung angegeben oder in einer Gemüsebrühe, die man ebenfalls mit Ras al-Hanout würzt, oder nur mit Kardamom, Kreuzkümmel, Kurkuma und etwas Zimt, und lässt dazu etwas roten Gemüsepaprika mitköcheln. Ras al Hanout ist eine arabische Gewürzmischung aus Kreuzkümmel, Kurkuma, Pfeffer, Chili, Zimt (gibt’s auch bei uns als fertige Mischung in türkischen und arabischen Lebensmittelläden).

Impressum: V.i.S.P. Jürgen Raap, Senefelderstr. 5, 50825 Köln

bär aktuell 293 – 3. Dez. 2020

Dezember 2nd, 2020

Bild des Monats Dezember 2020:

Bild des Monats Dezember 2020:: Jürgen Raap, „Die Herrscherin vom Königsforst“, 2020

Bär aktuell 293 – 3. Dez. 2020

Von Vernunft und Vernunftkritik soll in diesem Blog die Rede sein. Nach der 0:6-Niederlage der ideenlos dahin kickenden DFB-Auswahl beim Länderspiel gegen Spanien fühlten sich mindestens 30.000 Fußballfans zum potenziellen Bundestrainer berufen, die gewusst hätten, wie man es besser hätte machen können. Auf die Frage, wie der deutsche Fußball nun zu erneuern sei, antwortete auch der Philosoph Peter Sloterdijk, der noch amtierende Bundestrainer Jogi Löw möge sich doch eine neue Frisur zulegen. Dass passt insofern, als Peter Sloterdijk 1983 ein Buch mit dem Titel „Kritik der zynischen Vernuft“ geschrieben hat. So kann zynische Vernunftkritik im Sloterdijkschen Sinne durchaus in einen Frisurenvergleich zwischen Saskia Esken und Jogi Löw münden, da nämlich letzterer nach der 0:6 Niederlage mit dem gleichen verkniffenen Gesichtsausdruck dem Stadionausgang zustrebte wie sonst nur die SPD-Vorsitzende Esken bei ihren Medienauftritten und mit ihrer Jogi Löw-Frisur. Immanuel Kants Werk „Kritik der reinen Vernunft“ aus dem Jahre 1781 haben indes jene missverstanden, die ihre Virologiekritik nicht nur auf die arg an Robert Habeck gemahnende Wuschelkopffrisur von Prof. Christian Drosten beschränken. Wobei Habeck übrigens ebenfalls ein promovierter Philosoph ist, und zwar einer, dem u.a. auch der SPD-Politiker Hubertus Heil bescheinigt, er, Habeck, habe „viel Meinung, aber wenig Ahnung“. Manchen dieser Virologiekritikern attestiert wiederum der Kölner Humorist Volker Weininger, sie verwechselten „Virologie“ mit einem billigen Weinbrand. Pointe verstanden? Jetzt alle mal lachen? Mitnichten. Bedarf es also einer Erklärung dieses Witzes durch Herrn Bär? Gewiss. Diesen Witz versteht man ja nur, wenn man weiß, dass „Wein“ im Französischen „vin“ heißt. Klingt immerhin so ähnlich wie „vir-“. Voilá! Und die Pointe lautet: Der Humorist heißt Weininger! Ja, Weininger! (sic!). Da wir uns nun der Glühwein- und Silvesterpunsch-Jahreszeit nähern, sei an dieser Stelle Daniela Ludwig zitiert, die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, die ihre Empfehlungen für den Konsum von Alkoholika schon mal mit dem Verweis auf ein Gedicht von Heinz Erhardt garniert. In seinem Poem „Die Kunst des Trinkens“ reimte Heinz Erhardt jedenfalls: „Man trinke Schnaps stets nur zum Essen! Das Bier dazu soll man vergessen! Und ob in Kneipe oder Haus: Man lasse immer einen aus!“ Sich die Corona-Pandemie mit Weinbrand schön zu trinken, weil man dann nämlich im Weiningerschen Sinne einen Virologen nicht mehr von einem „Vinologen“ unterscheiden kann, ist mithin nicht ratsam.

Bärs Musik-Tipp zur Weihnachtszeit: Es muss ja nicht unbedingt auf einem der jetzt populären corona-reglementierten albernen „Glühweinwanderwege“ anstelle von „Stille Nacht, heilige Nacht“ immer nur ballermannaffines Liedgut lauthals in die Dunkelheit hinaus gegrölt werden. Wer indessen froh ist, dass diesmal an Heiligabend die sonst nur nervige puckelige Verwandtschaft in freiwilliger oder verordneter Quarantäne lieber zu Hause bleibt und bleiben muss, der mache es sich unterm Tannenbaum mit richtig gutem 1930er-Jahre-Jazz gemütlich. Auf Youtube kann man z.B. die Weintraub Syncopators anklicken, damals eine der bekanntesten Jazz-Bands in Deutschland, bis Stefan Weintraub als verfemter „Nichtarier“ nach Australien emigrieren musste. Nahezu vergessen ist heute eine Aufnahme der Weintraub Syncopaters mit einem der seinerzeit populärsten Songs, den Thomas Marvin Hatley (1905-1986) schrieb, in Hollywood von 1930 bis 1940 musikalischer Direktor der Hal Roach Studios: „Honolulu Baby“ wurde ursprünglich für einen Laurel & Hardy Film aus dem Jahre 1933 komponiert (deutscher Titel „Dick und Doof – Die Wüstensöhne“). Die Sequenzen aus diesem Film auf youtube dokumentieren, was wahrhaft großartige Komik ist und auch heute noch gut zur Erheiterung in diesen winterlich tristen Pandemietagen beitragen kann.

© Raap/Bär 2020

© Raap/Bär 2020

Französischer Gurkeneintopf

Hackfleisch mit Salz, Pfeffer, Paprika, Curry, Rosmarin und Muskat würzen, mit gehackten Zwiebeln in Öl anbraten. Gurkenscheiben ohne Schale hinzugeben und mit Fleisch- oder Gemüpsebrühe aufgießen, Champignons, vorgekochte Kartoffelscheiben und Tomaten hinzufügen, leicht köcheln lassen und zum Schluss mit frischem Dill und Kochsahne abrunden.

Faisan à la brabançonne

Fasan auf Brabanter Art – den Fasan salzen und pfeffern, zusammen mit Speck und Zwiebeln in einer Pfanne kurz anbraten und dann in eine Casserole/Backform geben, zusammen mit einem Schuss Bier im Backofen und in Geflügelfond garen. Chicoreeblätter 1 Std. wässern, um die Bitterstoffe zu reduzieren und ca. 20 Min. vor Ende des Backvorgangs hinzufügen. Die Sauce vor dem Servieren mit Crème fraiche abbinden.

Pferde- oder Rindfleisch mit Haselnüssen

Ein Rezept aus dem Jahre 1881: Schulterstück in Gulaschwürfel schneiden, salzen, pfeffern, in Öl mit Zwiebeln und Speckwürfel scharf anbraten. Etwas Essig hinzugeben und Mehl einrühren, einen Schuss Weißwein und Fleischbrühe hinzufügen, schmoren lassen. Backpflaumen in Zitronensaft und Weinbrand einweichen und unter das Fleisch mengen und vor dem Servieren gehackte/gemahlene Haselnüsse unterrühren.

Schweinefilet provencalische Art

Das Schweinefilet in breite Stücke schneiden, salzen pfeffern, in Kräutern der Provence (Rosmarin, Basilikum, Oregano oder Majoran, Thymian) wälzen und mit Speckstreifen umwickeln. In einer Pfanne kurz von allen Seiten anbraten und dann in einer Auflaufform die Fleischstücke mit Weißwein und Kochsahne begießen und im Backofen bei 200 Grad ca. 20-30 Min. backen und dann sofort auftischen.

Impressum: V.i.S.P. Jürgen Raap, Senefelderstr. 5, 50825 Köln

bär aktuell Nr. 292 – 3. Nov. 2020

November 1st, 2020

Bild des Monats November 2020: Jürgen Raap, „Die Politik der Lügner“, 2020

Bär aktuell Nr. 292 – 3. Nov. 2020 / 22. Nov. 2020:

Abschiedsbüttenrede von Donald Trump

in rheinische Mundart übersetzt von Karl-Josef Bär

Em Wieße Hus do sitz ich drin

Un dä Joe Biden kütt he nit erin

He will ich blieve, he bin ich zo Hus

He kritt mich dä Biden, un och sons keiner erus

Ich han Üch beloge und bedresse jeden Dach

Ehr hat et jewoß, ävver üvver mich nor jelaach

Vier lange Johr han ich für Üch dä doofe Tünnes jemaht

Nit immer jot, ävver immer op äch Trump’sche Aat

Ich weiß nit vill, bin och nicht schlau

Manche sagen och, ich hätt ene Hau

Ävver loort Üch doch ens die andere Figure an

En dä Türkei sin se mem Erdogan och nit besser dran

Un meint Ihr, dä Putin däht freiwillig us däm Kreml jon

Dä bliev do noch zwanzig Johr, dat kann ich verstonn

Un och dä Lukaschenko klääv an singem Stohl

Do sin ich nit en, dat nur ich jetz dä Sessel räume soll

Bin ich och avjewählt – ich gläuven et nit

Ich han vör Üch vier Johr lang dä Aap jemaht – jetzt simmer quitt

Da Biden kann zorück noh Delaware jon

Un ich bin un blieve für Üch Ühre Donald – dä Kraat in Washington

Carne vale – Fleisch leb wohl Kein Fastelovend wegen Corona. Vor allem nicht zum 11.11. mitten im neuen Lockdown. Nun kann Herr Bär, der aus jungen Jahren noch einen wunderschönen Kneipenkarneval in Erinnerung hat, als es noch keine Drängelgitter und Türsteher vor den Lokalen gab und man nicht überall zu einem Mindestverzehr von 10 Euro genötigt wurde, den Ausartungen des heutigen ballermannhaften Touristenkarnevals mit all seinem Nepp, Kommerzrummel, Randale und Wildpinkelei in Hauseingängen ohnehin nichts abgewinnen. Aber wenn es die Politprominenz von Laschet bis Lauterbach jetzt tatsächlich schafft, im Rheinland den Aschermittwoch schon zum 11.11. auszurufen und alle gehorsam mitmachen, wäre das ein Novum in der 2000jährigen Geschichte des Jeckentums. Denn bereits im Jahr 742 versuchte der Missionar Bonifatius Maskenumzüge zum Winterende zu verbieten, weil sie ihm zu heidnisch waren, dies allerdings vergeblich. Als im Spätmittelalter die Handwerksburschen allzu sehr über die Stränge schlugen, vermochten auch dann die Stadtregenten das wüste Treiben keineswegs einzudämmen, obwohl sie um 1520/30 im Zeitalter der Bauernkriege und der Handwerkeraufstände in den Städten durchaus fürchten mussten, dass das Narrentum auf der Straße und in den Kneipen zu eskalieren und in revolutionäre Umtriebe umzuschlagen drohte. Doch außer in Kriegszeiten wurde in Köln immer Karneval gefeiert, egal, wie die Umstände gerade waren. Auch bei der berüchtigten „Pfaffenfastnacht“ ging es in den kölschen Klöstern immer hoch her. Aus dem Kloster St. Mauritius berichtet z.B. eine Nonne in Jahre 1729 überschwänglich:„ Wir haben die Fastnacht in aller Lust passiert, und seindt alle Geistliche verkleidet gewesen und uns recht lustig gemacht. In den Tag hinein haben wir getanzt und gesprungen.“ 1748 war allerdings Papst Benedikt XIV. derlei Narrentreiben zu viel geworden – er verdonnerte mit einem Edikt die Gläubigen zum Fasten am Karnevalsfreitag, dem Tag des Herrn; und er beklagte sich gleichzeitig, dass die Jecken noch längst nicht wieder ausgenüchtert waren, wenn sie dann am Aschermittwoch in die Kirche kamen. Die Ermahnungen des Papstes verhallten allerdings ebenfalls ungehört. Als nach dem Ersten Weltkrieg die britische Besatzungsmacht im Rheinland das allgemeine Versammlungsverbot auch auf Umzüge und Sitzungen zu Karneval ausdehnte, weil ihr uniformierte Gardisten mit blank gezogenem Säbel nicht geheuer waren, da sie zu militaristisch wirkten, inszenierten die Karnevalisten stattdessen harmlose Revuen. Eine dieser Revuen „Der Feldmarschall vom Kümpchenshof“ brachte 1925 den heute noch populären Gassenhauer „Kölsche Mädcher, kölsche Junge, sin däm Herrjott jot jelunge“ hervor. Über den rheinischen Frohsinn in den Wirtschaftskrisen der 1920er Jahre mit all ihren Entbehrungen dichtete Fritz Hannemann ebenfalls 1925 den Karnevalsschlager: „Se kriggen uns nit kapott, es och dat letzte Hemb, dä letzte Grosche fott“. Ein zeitgenössisches Foto von Walter Dick in der Hungerzeit vom Februar 1946 zeigt, wie trotz erneutem Karnevalsverbot durch eine Besatzungsmacht kostümierte Jecken mit dem Akkordeon durch die verschneiten Kriegstrümmer ziehen. Wegen des Golfkriegs fiel 1991 der Rosenmontagszug in Köln aus – Sitzungen in den Sälen fanden freilich trotzdem statt. Allerdings verzichtete man darauf, wie sonst üblich besonders gelungene Darbietungen mit einer „Rakete“ zu honorieren, was von den Obernarren als „kölsche Lösung“ propagiert wurde, als ein augenzwinkernder Kompromiss, der einerseits dem Ernst der Kriegssituation ein wenig Rechnung trug und trotzdem unbeschwertes Feiern ermöglichte – ein typischer Beleg dafür, wie der Rheinländer es immer wieder schafft, den Widrigkeiten des Lebens mit Pragmatismus zu trotzen. Sogar die links-alternative Szene wollte übrigens in diesem Winter 1991 aufs Narrenkostüm nicht verzichten und veranstaltete am Karnevalssamstag stattdessen einen „Geisterzug“ als Friedensdemo.

Süffisante Bemerkungen im Boulevardblatt „Express“ musste sich kürzlich der Hartz IV-Empfänger „Ulf aus Dormagen“ gefallen lassen: er habe sich in der aktuellen Lockdown-Krise „ein zweites Standbein verschafft“ (O-Ton „Express“) und drehe jetzt Pornos. Bezeichnenderweise habe der „Trash Promi“ (erneut O-Ton-Express) sich dafür das Pseudonym „Robin Dick“ zugelegt. Soll man nun darüber schmunzeln oder einfach nur die Augenbrauen hochziehen? Zur Verteidigung der humanistischen Bildung ruft Herr Bär stattdessen aus: O tempora, o mores („Oh Zeiten, oh Sitten), und fragt zweifelnd nach: „Ulf aus Dormagen“, gibt’s den wirklich? Als echten Ulf oder zumindest als wahren Ulf? Oder hat sich den jemand nur als Kunstfigur ausgedacht? Besagter „Ulf aus Dormagen“ trat zwar mal im „Big Brother“-Container des „Unterschichten-Fernsehens“ auf (so nannte der Unterhaltungskünstler Harald Schmidt seinerzeit derlei Sende-Formate der Privatsender), aber im Zeitalter manipulativer Fake-Geschichten weiß man ja heute nie so genau, ob da nicht ein Schauspieler den „Trash-Promi“ Ulf mimt, so ähnlich, wie der Komiker Hape Kerkeling einst absolut genial als „Horst Schlämmer aus Grevenbroich“ auftrat. Allerdings nicht in Porno-Filmen. Als Herr Bär in jungen Jahren an den Kölner Werkschulen studierte, zeigte uns Robert van Ackeren, damals Professor der Filmklasse, in der Cinemathek des Wallraf Richartz-Museums ein Semester lang sogenannte B-Movies, u.a. von Russ Meyer, als Beispiele für die Pop Art in der Filmkunst, und das war tatsächlich Filmkunst insofern, als dort in diesen Soft-Porno-Filmen mit verwaschenen Farben wie im Billig-Illustriertendruck der 1960er Jahre den weiblichen wie männlichen Darstellern noch schauspielerische Leistungen abverlangt wurden, und so darf man darauf gespannt sein, ob „Ulf aus Dormagen“ als „Robin Dick“ sich nun für höhere mimische Aufgaben empfiehlt, z.B. für die Hauptrolle in einer Neuinszenierung der Boulevardkomödie „Seitensprung mit Onkel Jutta“, die von der „Westfalenpost“ bereits früher als „kurzweilig“ beurteilt wurde.

Bärs Bestatterkritik Dass der Kölner Beerdigungsunternehmer Christoph Kuckelkorn auf seiner Webseite unter „Aktuelles“ für seine Firma mit den Worten „Das Bestattungshaus – mitten im Leben“ wirbt, klingt auf den ersten Blick ein wenig paradox, ist jedoch philosophisch als ein Bekenntnis zum Diesseits zu begreifen, ohne das es kein Jenseits gibt. Konkurrent Leo Kuckelkorn bewegt sich mit der Zielgruppenansprache „Wir geben den Mehrwertsteuervorteil direkt an unsere Kunden weiter“ ebenfalls auf der Höhe der Zeit, während ein anderer rheinischer Branchen-Primus, nämlich das Bestattungshaus Pütz-Roth, derzeit „an der Möglichkeit“ arbeitet, in Corona-Zeiten „Trauerfeiern live zu übertragen“. Für andere Live-Gigs unterhält das Bestattungshaus Pütz-Roth noch eine „Waldbühne“, an der bis zum jetzigen Lockdown das Hygienekonzept maximal 360 Zuhörer erlaubte, die dort lauschten, wie die Kölsch-Combo „De Paveier“ ihren Song „Schön ist das Leben“ intonierte, sozusagen als Pendant zur Philosophie der Kuckelkornschen Diesseitsbejahung.

© Raap/Bär 2020

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Essen und Trinken mit Herrn Bär

Sauce espagnole (Spanische Sauce) besteht aus Möhren und Sellerie in dünnen Streifen, gewürfelten Zwiebeln und Tomaten, die man in Butter zusammen kurz anbrät und dann mit Rinderbrühe/Rinderfond und Tomatenmark vermengt. Man schmeckt sie mit Salz und Pfeffer ab, kann sie auch mit einer Mehlschwitze andicken. Diese Sauce passt gut zu gebratenem Rindfleisch, Ente oder Lamm. Die Sauce italienne (Italienische Sauce) hat die gleichen Zutaten, dazu aber auch noch Knoblauch und neben den Zwiebeln zusätzlich noch Schalotten, wird nicht mit Butter, sondern mit Olivenöl zubereitet und nicht mit Rinderbrühe, sondern Wasser.

Rognons de veaux à la Liègoise – Kalbsnieren auf Lütticher Art Die Nieren von Fett und Sehnen befreien, säubern, salzen, pfeffern, in kleine Stücke schneiden und zusammen mit geräuchertem Speck und gewürfelten Champignons anbraten, dann in Kalbsfond und einem Schuss Wacholderschnaps (holländischer Genever oder wallonischer Péket), ersatzweise Gin) und 1-2 Wacholderbeeren nur sehr kurz schmoren lassen – nur dann bleiben die Nierchen schön zart und saftig. Dazu pommes rissolées (roh gebratene Kartoffelwürfel)

Ratatouille Eine provençalische Gemüsepfanne mit Zwiebeln, Zucchini, Auberginen, Paprikaschoten und Tomaten. Die Zutaten werden geschnitten, in Olivenöl kurz angebraten und dann in einer Gemüsebrühe gedünstetet und mit Salz, Pfeffer, Knoblauch, Thymian, Oregano, Rosmarin oder Basilikum abgerundet.

Petersfisch – er ähnelt mit seinem flachen Körper optisch der Scholle, ist aber größer – ein Fisch reicht für 2 Personen. Doch während die Scholle nur in europäischen Küstengewässern heimisch ist, kommt der Petersfisch (französisch St. Pierre) in allen Weltmeeren vor. Er heißt so, weil der Legende nach der Apostel Petrus ihm ein Goldstück aus dem Mund gezogen haben soll. Man kann ihn dämpfen oder im Backofen zubereiten, wegen des feinen Geschmacks nur schwach gewürzt mit Salz, Madagaskar-Pfeffer, Zitrone, Salbeiblättern und etwas Rosmarin.

Petersfisch, Foto: Copyright Bär/Raap 2020

Impressum: V.i.S.P. Jürgen Raap, Senefelderstr. 5, 50825 Köln

Bär aktuell Nr. 291 – 22. Okt. 2020

Oktober 1st, 2020

Bild des Monats Oktober 2020: Jürgen Raap, „Die Fahrradamazone“, 2020

Bild des Monats Oktober 2020: Jürgen Raap, „Die Fahrradamazone“, 2020

Bär aktuell 291 – 22. Oktober 2020

Über Karl Lauterbach kursiert in Kabarettistenkreisen der Witz, man freue sich immer, wenn er eine Prognose über die weitere Entwicklung der Wuhan-Virus-Pandemie abgibt, weil diese Prognose dann garantiert nicht zuträfe. Dass – wie an dieser Stelle schon mehrfach erwähnt – sein Fast-Namensvetter Kurt Lauterbach als Humorist Karriere machte in der Rolle „Ein schöner Mann vom Lande“, beflügelt anscheinend Karl Lauterbach, es ihm gleich zu tun, neuerdings sogar ohne Fliege, und seit kurzem regelmäßig seine burlesken Späte in der Satiresendung ZDF-Heute-Show zu verbreiten, was Karl Lauterbach mittlerweile den Ruf eintrug, er sei der Millowitsch unter den Epidemiologen. Zum „schönen Mann vom Lande“ hat es unterdessen auch bei Außenminister Heiko Maas nicht gereicht, dem man nämlich allen Ernstes raten muss, er solle sich mal einen Jean Asselborn-Schnäuzer zulegen wie sein luxemburgischer Amtskollege, und nicht stattdessen Tag für Tag die schon benutzten Einwegrasierer seines großen Bruders aufbrauchen, weshalb unser Bundes-Heiko immer schlecht rasiert wirkt, wenn er vor die Kameras der Weltpresse tritt. Und wer bei Google den Suchbegriff „Heiko Maas schlecht gekleidet“ eingibt, landet auf der Website „www.Textilwirtschaft.de“, wo ihm attestiert wird, vor allem bei Twitter werde wegen seines Konfirmandenanzug-Stylings und ebenso, wenn er sich mal demonstrativ in ebenfalls zu kurz geratener abgewetzter Lederjacke in der Öffentlichkeit zeigt, Hohn und Spott über ihm ergossen, und als markantes Beispiel dafür ein Bonmot zitiert wird: „Heiko Maas sieht leider aus wie der Typ, der sein Patenkind konsequent mit Highfive begrüßt und ‚Sportsfreund‘ nennt”. So viel zum Thema „Ein schöner Mann vom Lande“.

© Raap/Bär 2020

Wenn auf der Theaterbühne die Rolle eines Schwarzen heute nur noch von einem selbigen verkörpert werden dürfe, weil alles andere eine unangemessene kulturelle Aneignung sei, dann hat der Kabarettist Dieter Nuhr richtig erkannt, es müsse ja wohl die Frage erlaubt sein, ob dann in solch einem Theaterstück ein Mörder auch nur noch von einem echten Mörder darzustellen sei. Muss man unbedingt Berufsoffizier in einer Söldnerarmee gewesen sein und als solcher am Lybien-Feldzug teilgenommen habe wie der General Haftar, um Carl Zuckmayers „Des Teufels General“ spielen zu können, wie ihn Curd Jürgens in einer Verfilmung des Stücks im Jahre 1955 fulminant verkörperte ? Mitnichten! Curd Jürgens wurde übrigens im Zweiten Weltkrieg nicht zur Wehrmacht eingezogen, sondern als „politisch unzuverlässig“ in ein Arbeitslager gesteckt. Während in der Kunst für die Performance als Medium der individuellen Selbstäusserung die Lebensnähe, mithin eine „Einheit von Kunst und Leben“ Voraussetzung ist, wie dies die Fluxus-Künstler in den 1960er Jahren propagierten, ist im Unterschied dazu das Theater bzw. die Schauspielerei immer „mimetisch“. Und „Mimesis“ bedeutet im Alt-Griechischen bekanntlich die „nachahmende Darstellung der Natur“ oder von etwas Realem. Einen ähnlichen Denkfehler leistete sich kürzlich auch die Berliner Senatsverwaltung für Justiz, Verbraucherschutz und Antidiskriminierung, die sich in höchst grotesker Weise zu einem neo-stalinistisch anmutenden Volkskommissariat für Sprachhygiene aufschwang, als sie den Begriff „schwarz fahren“ künftig vermeintlich politisch korrekt durch die Formulierung „Fahren ohne gültigen Fahrschein“ ersetzt sehen wollte. „Denn die Wendung ’schwarzfahren‘ hat sprachgeschichtlich überhaupt keinen ethnischen Gehalt, sondern bezieht sich auf das Schwarze der Nacht, den Schmuggel, illegale Aktivitäten“, belehrte die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ daraufhin ihr Publikum, und da offenbart sich eben der Denkfehler der ideologisch eifernden Berliner Volkskommissare. Sprachlich ziemlich umständlich wäre es sicherlich wohl auch, wenn man die Vokabel „Schwarzgeld“ durch eine in deren Sinne politisch korrekte Bezeichnung ersetzen wollte und dann von „aus rechtswidrigen Straftaten erzielte Vermögensvorteile oder auch legal erwirtschaftete Einnahmen, die beide vorsätzlich der Besteuerung durch Steuerhinterziehung entzogen werden“ spricht, bloß damit sich ein dunkelhäutiger Steuerhinterzieher nicht doppelt diskriminiert fühlt, wenn man ihn als „Schwarzgeldbesitzer mit Nummernkonto in Liechtenstein“ tituliert. Wohlgemerkt: auch Herr Bär tritt dafür ein, im alltäglichen Sprachgebrauch generell herabwürdigende Vokabeln zu vermeiden. Aber wer von Theaterkultur und Linguistik absolut keine Ahnung hat, der sollte sich weder in Berlin noch anderswo eine Deutungshoheit über sprachliche Wohlfeilheit anmaßen und mit seiner Unkenntnis lieber nicht irgendwelche verbalen Verschrobenheiten in die Welt hinaus posaunen. Wie die „Berliner Zeitung“ berichtet, enthält der Berliner „44 Seiten lange“ Sprach-Leitführer „auch ein Kapitel, in dem es um Diskriminierung von Personen wegen ihres Alters geht. Es steht am Schluss und ist mit nicht einmal zwei Seiten das kürzeste von allen.“

© Raap/Bär 2020

Nomen est omen Wenn man schon Heinz-Wilhelm Esser heißt, dann sollte man in den Medien vernünftige Ernährungstipps verbreiten, dachte sich einer, der unter seinem Kosenamen „Doc Esser“ selbiges tut, was dann allerdings das Boulevardblatt „Express“ allzu flapsig mit der Schlagzeile „ Doc Esser meint: Wir fressen uns zu Tode“ hochjazzte. Jüngst wurde der FDP-Politiker Wolfgang Kubicki in einem Interview gefragt, was er denn während des Corona-Lockdowns am meisten vermisst habe, und Kubicki antwortete: „Restaurantbesuche“. Es musste also bei Familie Kubicki notgedrungen zu Hause gekocht werden, was wiederum Frau Kubicki den Kommentar entlockte, wenn sie kochen könnte, hätte der liebe Gott keine Restaurants erfinden müssen. Gatte Wolfgang Kubicki wiederum fand das häusliche Kochen trotz der beschränken Kochkünste seiner Angetrauten durchaus „erheiternd“, sofern man den Wein „nicht nur zum Ablöschen“ benutze, und er stellte fest, dass man beim häuslichen Kochen zunähme, wovor wiederum allerdings schon längst „Doc Esser“ gewarnt hatte, und was die erheiternde Wirkung des Weines angeht, so rät Dr. Heinz-Wilhelm Esser allen Ernstes, man solle seinen Alkoholkonsum auf zwei Glas Kölsch am Tag beschränken, was aber wohl nicht nur im Hause Kubicki als weltfremd empfunden wird.

Den Verschwörungstheoretikern sei nahegelegt: es besteht kein Zusammenhang zwischen der Tatsache, dass in jüngster Zeit die Zahl der Corona-Infektionen wieder angestiegen ist und gleichzeitig das Glockenspiel am Kölner Rathausturm eine Melodie von Jupp Schmitz erklingen lässt: „Wir kommen alle, alle, alle in den Himmel…“ Aber erst, nach dem wir uns „tot gefressen“ haben.

Copyright: Raap/Bär 2020

Essen und Trinken mit Herrn Bär

Thousand-Island-Dressing ist nach einer Inselgruppe am Ontariosee benannt und gehört seit 1912 als Standard zur US-Küche. Basis ist Mayonnaise, und wem das zu mächtig ist, eine leichte Joghurtsauce, angereichert mit Salz, klein gehackten roten und grünen Paprikastücken, Paprikapulver, Chilisauce oder Tabascosauce, Tomatenmark, klein gehackte Zwiebeln, Olivcen, klein gehackten Gewürzgurken oder Pickles (in Essig eingelegtes Gemüse). (man kann stattdessn auch Cayennepfeffer nehmen). Man verwendest dieses Dressing als Salatsauce. Eine Abwandlung als Cocktailsauce für Krabben besteht aus Mayonnaise oder Joghurt, Salz, weißem Pfeffer, Tomatenmark, Chili- oder Tabascosauce, Worchestershiresauce, Zitronensaft, Meerrettich, Weinbrand oder Sherry, Dill.

Carbonade flamand – Vlaams stoofvlees Ein Klassiker der flämischen Küche mit Rindergulasch-Stücken, die man zusammen mit viel Zwiebeln und etwas Knoblauch scharf anbrät, dann mit dunklem, malzig schmeckendem Bier ablöscht (Leffe brune oder ein dunkles belgisches Trappistenbier, ersatzweise auch Albier, dunkles Köstritzer oder ein anderes deutsches Schwarzbier) und schließlich mit etwas Rinderfond, einem Schuss Essig, Senf, Porree, Sellerie, Lorbeerblatt und etwas Thymian weich schmoren lässt, wobei die Sauce dann schön sämig sein sollte.

Haselnussfrikadellen à la Karl-Josef Bär Schweinemett mit klein gehackten Zwiebeln und klein gehackten/gemahlenen Haselnüssen, Salz, Pfeffer, Muskatnuss, Majoran, Kümmel, Semmelbrösel, Eipampe und etwas Mehl vermengen, in Öl mit Zwiebeln scharf anbraten, mit Fleischbrühe auffüllen und mit Möhren und gelbem Paprika dünsten lassen, bis das Gemüse weich ist, zum Schluss frische Petersilie und frischen Schnittlauch hinzufügen.

Impressum: V.i.S.P. Jürgen Raap, Senefelderstr. 5, 50825 Köln

Bär aktuell Nr. 290 – 3. Sept. 2020 / 22. Sept. 2020

September 1st, 2020

Bild des Monats September 2020:

Jürgen Raap, „Rheinischer Frohsinn II“, 2020

Bär aktuell Nr. 290 – 3. Sept. 2020

Gut gesagt Die mittlerweile 39jährige Hotel-Erbin Paris Hilton gab in einem Interview zu Protokoll: „Ich musste lernen, mich selbst zu lieben. Das habe ich früher nie getan“. Dazu fällt Herrn Bär ein passendes Zitat von Friedrich Schiller aus seinen „Philosophischen Briefen“ ein: „Ein Geist, der sich allein liebt, ist ein schwimmender Atom im unermeßlichen leeren Raume.“ Putzig war auch die Einlassung von James P. Bradley, der bei den US-Kongresswahlen für die kalifornischen Republikaner antritt, er habe sich „versehentlich“ einen Rap-Song mit schlüpfrigen Texten angehört und anschließend das Bedürfnis gehabt, sich „Weihwasser in die Ohren schütten“ zu müssen. Wenn’s denn geholfen hat. Jedenfalls fällt Herrn Bär dazu diesmal kein Schiller-Zitat ein. Der Modemacher Wolfgang Joop verriet unterdessen, er trage auch im Alter von 75 Jahren noch gerne knapp sitzende Badehosen, was bei einem „älteren Herrn“ freilich „nicht sehr klug“ wirke, aber er, Joop, sei „dann eben doch lieber doof und gutaussehend“. Aber selbst manch Jüngere sehen in einer zu knappen Tarzan-Badehose nur doof aus, vor allem wenn an ihrem Kopf noch ein Undercut-Heinrich Himmler-Haarschnitt hinzukommt. © Raap/Bär

Als der NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann ein nächtliches Alkoholverbot für die übermütige Partyszene in Erwägung zog, meldete die Kölner Lokalpresse in der Ausgabe vom selben Tag, in Köln-Nippes habe man die „Blaue Woche“ ausgerufen. Dabei handelte es sich allerdings nicht um eine Protestaktion gegen die Laumannsche Abstinenzpolitik und auch nicht um eine einwöchige kollektive Schnapsverköstigung („Heute blau und morgen blau….“), sondern um einen harmlosen Schabernack, bei dem Nippeser Geschäftsleute ihre Schaufenster eine Woche lang blau dekorieren und die Leute „em Veedel“ sich blaue Perücken aufsetzen, was immer damit ausgedrückt werden soll.

Wer unterdessen morgens in der vollbesetzten U-Bahn oder im Gedränge auf einer Partymeile ohne Maskenschutz die Umstehenden sprühnebelartig mit seinen Aerosolen vollniest und eine mögliche Ansteckung der anderen mit einem achselzuckenden „Nach mir die Sintflut“ kommentiert, der sei darüber belehrt, dass dieser Ausspruch von Jeanne-Antoinette Poisson Marquise de Pompadour stammt, die 1757 gerade ein rauschendes Fest feierte, als ihr die Nachricht übermittelt wurde, das Heer des preußischen Königs Friedrich II. habe bei Roßbach die französische Armee vernichtend geschlagen. Sie wollte sich indessen die Party nicht vermiesen lassen, wie auch heute nicht so manche „Weekend for Party“-Aktivisten, und so kommentierte sie die militärische Niederlage ohne großes Bedauern mit eben jenen Worten „Nach mir die Sintflut“. Mit Madame de Pompadour nahm es dann allerdings ein schlimmes Ende – sie starb im Alter von nur 43 Jahren im Jahre 1764 an einer Lungenkrankheit. © Raap/Bär

Als Beispiele für journalistisch gelungene Bildhaftigkeit wären zu nennen die Vokabel „Reichstagsbeschmutzer“ (Kölner „Express“ am 31. 8. 2020) für die Obskuranten, die keine Bannmeile respektieren, und ebenso die Schlagzeile bei „petonline.de“: „Fressnapf macht Sprung nach vorne“. Wenn der Weitsprung eines Fressnapfs demnächst auch noch durch einen brennenden Reifen klappen würde, wäre das gewiss eine zirkusreife Nummer. Zugleich erweckte bei Herrn Bär ein Jungredakteur beim Kölner „Express“ den Eindruck, er sei bei der Abfassung seiner Reportage über eine Protestaktion von Prostituierten vor dem Düsseldorfer Landtag nicht mehr ganz nüchtern gewesen, als er nämlich auf schenkelklopfendem Altherrenwitzniveau eine Madame Pläsier zu Wort kommen ließ, hinsichtlich ihrer Forderung nach Aufhebung der coronabedingten Bordellschließungen sei NRW-Ministerpräsident Armin Laschet bislang „nicht aus der Hose gekommen“. Vor vierzig Jahren garnierte der Klatschkolumnist Michael Graeter in der Münchener „Abendzeitung“ und in „BILD“ seine Berichte von der champagnerschlürfenden Front der Schönen, der Millionäre und der Hochstapler gerne mit augenzwinkernden Schlüpfrigkeiten, was in den heutigen Zeiten eines dogmatischen Sprachpruritanismus allerdings völlig obsolet geworden ist. Gegen die inzwischen allzu pingelige Beckmesserei der linguistischen Eiferer regt sich freilich neuerdings inzwischen auch massiver Widerspruch. So schrieb Dr. Nele Pollatschek jüngst im „Berliner Tagesspiegel“, „dass diese gegenderten Berufsbezeichnungen heute, wo die Berufe allen Geschlechtern offenstehen, nicht mehr verwendet werden sollten“: sie selbst sähe sich mithin als „Schriftsteller“ und nicht als „Schriftstellerin“, und mit jener sprachlichen Rigorosität, die es so im angelsächsischen Sprachraum nicht gäbe, erweise sich bei uns paradoxerweise das „Gendern“ als „eine sexistische Praxis, deren Ziel es ist, Sexismus zu bekämpfen.“ Das führt dann bisweilen zu allerlei linguistischen Verrenkungen und Verstiegenheiten: so berichtet Pallatscheck, sie war mal zu Gast in einem ‚Star Trek‘-Podcast und wurde dort als ‚Gästin‘ angekündigt.“ In ähnlicher Weise attackierte jüngst der Schriftsteller Maxim Biller in einem „Spiegel“-Interview die „neobolschewistischen Sprachübereinkünfte, die sich schneller verbreiten als die Wuhan-Seuche“. Wer dagegen verstößt, erfährt eine Anprangerung wie im Mittelalter und Verbannung mittels „Cancel Culture“, wobei man laut Maxim Biller heute “ nicht mehr von der Gestapo oder der Stasi abgeholt“ werde, sondern man bekäme eher „Stress mit“ dem „Arbeitgeber“ und verlöre „irgendwann“ seinen „Job“: „Das sind eigentlich ganz üble Kapitalismusmethoden“.

Aber um Missverständnissen und Beifall von der falschen Seite vorzubeugen, stellt Maxim Biller klar: „Man darf… nicht aus Kritik an den Neulinken zu einem Neurechten werden“. Sehr erfrischend liest sich in derselben Ausgabe des „Spiegel“ das Bekenntnis des 75jährigen Rockmusikers Ian Gillan, er könne über den Vorwurf lachen, er und seine Bandkollegen bei Deep Purple machten heute „Musik von alten weißen Männern für weiße Männer“. Und Gillan schiebt in Sachen Generationenkonflikt nach: „Früher waren alte Menschen keine Gefahr für Jüngere. Sie hockten einfach herum und waren alt“. Der heutigen Verbissenheit in Sachen politischen Korrektheit attestiert Ian Gillan hingegen ähnlich wie Maxim Biller diktatorische Züge: „Eine schweigende Mehrheit wird mit Angst reguliert. Das kritische Denken und das freie Sprechen werden auf diese Weise allmählich ausgeschaltet. Was mich betrifft, ich singe um so lauter, je mehr ich zum Schweigen gebracht werden soll“.

© Raap/Bär

Bildstrecke: Impressionen vom Kölner Kommunalwahlkampf Sept. 2020, Fotos: Coypright Raap/Bär 2020 (Jupp), andere: Copyright S. Kallnbach. Alle Rechte vorbehalten.

Essen und Trinken mit Herrn Bär

Böhmische Knoblauchsuppe (Cesnecka) Man kocht Knochen aus oder nimmt eine fertige Geflügelbrühe, die man zusammen mit einer klein geschnittenen Möhre und kleinen Porreestückchen aufkocht. Dann erhitzt man in einem zweiten Topf Schmalz, drückt reichlich Knoblauch darin durch eine Presse aus – der Knoblauch darf aber nicht anbraten, weil er dann bitter wird, daher sofort die heiße Brühe hinzu geben. Abschmecken mit Salz und Pfeffer, zum Schluss Majoran und/oder frische Petersilie hinzu geben. Unmittelbar vor dem Servieren geröstete Weißbrotwürfel hinein streuen.

Admiralsauce Ölsardinen aus der Dose abtropfen lassen, in Stücke zerkleinern und mit, klein gehackten Schalotten, klein gehacktem Knoblauch sowie klein gehackten scharfen Paprika/Chili vermengen. In einer Pfanne Olivenöl erhitzen, die Sardinenmasse hinein geben und unter ständigem Rühren leichr andünsten, dann mit Weißwein und Fischfond ablöschen, zu einer Sauce zerköcheln alsne, zum schluss mit Salz, grünem Pfeffer und Cayennepfeffer sowie Zitronensaft abschmecken.

Schwertfisch Ein Knochenfisch, der fast überall in wärmeren Meeresgewässern vorkommt und wegen seines festen und mageren schmackhaften Fleisches als Delikatesse gilt, reich an u gesättigten Fettsäuren, die günstig fürs Gehirn, Herz und Kreislauf sind. Am besten brät oder grillt man ihn filetiert in Olivenöl. In einer separaten Casserole dünstet man in Olivenöl Lauchzwiebeln, klein gehackte Oliven, klein gehackte Tomaten an, lässt sie in etwas Weißwein, Krebspaste und grünen Pfefferkörnern eine Weile köcheln, fügt dann ausgepressten Knoblauch hin, frischen Dill, Rosmarin und Thymian und übergießt den gegarten Fisch mit dieser Sauce.

Petit salé aux lentilles – Schweinebauch und Saucisse de Toulouse (ersatzweise westfälische Mettwurst oder Bremer Pinkelwurst) mit Linsen. Ein dickeres Stück gepökelten Schweinebauch (oder auch Kasseler) lässt man in einer Fleischbrühe kurz aufkochen und dann ca 30 bis 45. bei schwacher Hitze köcheln, fügt dann Linsen und die Kochwurst hinzu, Zwiebeln, Karotten, Selleriestangen, Thymian, Petersilie, Lorberblatt und Pfefferkörnern.

Rebhuhn mit Feigen-Haselnuss-Farce Rebhühner sind Wildvögel in den Heide- und Steppenlandschaften von Europa und Asien. Sie sind kleiner als gezüchtete Hühner. Tiefgefroren bekommt man sie in Köln-Ehrenfeld im „Kaufland“. Man lässt sie auftauen, salzt und pfeffert sie. Eine Farce ist eine Füllung, in diesem Falle mit Rinder-Kalbs-Hackfleisch, vermischt mit Salz, Cayennepfeffer, grünen Pfefferkörnern, klein gehackten Lauchzwiebeln, 1 zerdrückte Knoblauchzehe, frischem Koriander, frischen Feigen und am besten frisch gepflückten türkischen Haselnüssen aus der Schwarzmeerregion, die man vor dem Vermengen klein hackt. Im Backofen von beiden Seiten bei 200 bis 250 Grad ca. 45-60 Min. garen. Dazu passt Reis oder Bulgur-Grieß.

Impressum: V.i.S.P. Jürgen Raap, Senefelderstr. 5, 50825 Köln

Baer aktuell 288/289 – 3. Aug. 2020

August 1st, 2020

Bild des Monats August 2020:

Jürgen Raap, „Die Verachtung der Eliten“, 2020

Bär aktuell Nr. 288/289 – 3. Aug. 2020 / 22. Aug. 2020

Karl-Theodor zu Guttenberg hat wieder einen Doktortitel, seit er 2018 an der Southampton Business School eine Dissertation zum Thema „Agents, Bills, and Correspondents through the Ages: An Analytical Reconsideration of the Nature, Scope, and Significance of Correspondent Banking and its Application in Historical Precedence and Selected Case Studies“ einreichte. Unkorrekte Zitate werden diesmal nicht bemäkelt, wohl aber die Umtriebe seines Doktorvaters, Professor Richard A. Werner, über den der Bundestagsabgeordnete Fabio de Masi (Linke) behauptet: „In den letzten Jahren scheint er etwas abgedreht zu sein“, wie ihn der Berliner ‚Tagesspiegel‘ zitiert. „Nach BBC-Informationen ist Werner seit 2018, dem Jahr in dem Guttenberg seine Dissertation eingereicht hatte, nicht mehr an der Universität beschäftigt worden. Der ‚Spiegel‘ berichtet, dass danach ein anderer Wissenschaftler die Betreuung von Guttenbergs Arbeit übernahm“, heißt es weiter, und der Abgeordnete de Masi bilanziert: „Es könnte daher sein, dass ein Hochstapler auf einen anderen Hochstapler reingefallen ist! Guttenberg ist aber auch ein Pechvogel!“

Sauce Zingara ist der gastrohistorisch korrekte Name für eine Sauce in der klassischen Küche, die in der deutschen Imbisskultur unter dem Namen „Zigeunersauce“ durch drastische Vereinfachung der Rezeptur kulinarisch gründlich herab gewürdigt wurde, und bei denjenigen, die moralische Sprachbereinigung betreiben, heute auch linguistisch als obsolet gilt. Zwar forderte schon 2013 ein Verein „Forum für Sinti und Roma“, auf diesen Begriff zu verzichten, weil er diskriminierend sei, doch der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma und der Bundesverband der Jenischen Deutschlands schlossen sich dem damals noch nicht an. Doch nun will der „Knorr“-Konzern seine Zigeunersauce künftig „Paprikasauce Ungarische Art“ nennen, was inzwischen auch der Zentralrat der Deutschen Sinti und Roma begrüßt. Egal, wie man diese Grill- und Schnitzelsauce nun bezeichnet: sie hat nichts mit dem Urrezept zu tun, das im Jahre 1903 der damalige Starkoch Auguste Escoiffier in seinem Kochbuch notierte und als Beilagensauce zu Roastbeef und Kalbskotelett empfahl. Die klassische Sauce Zingara besteht in diesem Urrezept nämlich aus gedünsteten Zwiebeln, Tomaten, Paprikastücken, Champignonscheiben, aufgefüllt mit Bratenfond, Tomatensauce, einem Schuss Weißwein und etwas Weinessig, und abgeschmeckt mit Cayennepfeffer, wobei man dieses Rezept früher auch mit Zutaten wie gepökelter Kalbszunge, gekochtem Schinken und gehobelten Trüffeln variierte.

Heritage Auctions aus Dallas, Texas, versteigerten soeben einen weißen Pailletten-Handschuh des Pop-Sängers Michael Jackson (1958-2009) für 112.000 Dollar. Reichlich überteuert, so urteilt Herr Bär. Schließlich bekommt man eine „Klosterarbeit“ als Reliquie mit der Zunge des Hl. Nepomuk bei ebay schon für 320 Euro plus 7 Euro Versandkosten („Sofort kaufen“ – „In den Warenkorb“).

Was gibt es im medialen Sommerloch sonst noch aus den Niederungen des Boulevards zu berichten? Über den Niedergang der FDP hämte kürzlich die „Frankfurter Allgemeine Zeitung FAZ“, unter Christian Lindner habe sich zur Glücklosigkeit zu dieser Partei auch noch Pech gesellt – ein Bonmot, das fälschlicherweise immer wieder Lothar Matthäus zugeschrieben wird, aber in Wirklichkeit von dem Fußballer Jürgen Wegmann stammt, wortwörtlich: „Erst hatten wir kein Glück, und dann kam auch noch Pech hinzu“. Von Lothar Matthäus stammt hingegen der Spruch: „Ich bereue nichts, aber ich werde mich in Zukunft vorher besser informieren“. Jahrelang unterhielten Lothar Matthäus und Boris Becker die Boulevard-Gazetten mit ihren Frauengeschichten, und die „FAZ“ weiß derzeit zu berichten, Boris Becker sähe sich wieder „mit neuen Millionenschulden konfrontiert“ und habe sich nun als neue Freundin eine Risiko-Analystin zugelegt, und die werde schon wissen, auf wen und was sie sich bei Boris Becker einließe. Als im vergangenen Jahr die Devotionalien von Boris Becker versteigert wurden, lag für ein paar alte Socken von ihm das „Startgebot“ bei 225 Euro, und Focus-Online kommentierte dazu, man müsse „ehrlicherweise sagen, dass diese Strümpfe ein echtes Unikat sind. Mehr Becker geht eigentlich nicht – auch wenn die Socken etwas riechen sollten“ – im Gegensatz zur Zunge des Hl. Nepomuk.

© Raap/Bär 2020

Dass sich eine russische Computerhackergruppe zwecks Ausübung von Cyber-Spionage den Tarnnamen „Kuschelbär“ zugelegt hat, soll wohl eine Verwechslungsgefahr mit dem „Russischen Bär“ ausschließen, der in Wirklichkeit gar kein Bär ist, sondern ein Schmetterling „aus der Unterfamilie der Bärenspinner (Arctiinae). Näher mit ihm verwandt ist der Schönbär“, wie bei „Wikipedia“ nachzulesen ist. Worin liegt nun der Unterschied? Während der Russische Bär und der Schönbär Nektar absaugen, saugen die Kuschelbär-Spione Daten ab, indem sie z.B. Pharma-Labore ausspionieren, wie der britische Außenminister zu wissen glaubt. Derweil trifft man auf dem Internetportal Quoka.de auf die Bekanntschaftsanzeige „Kuschelmaus sucht Kuschelbär“ mit dem Anforderungsprofil, der Kuschelbär solle „Spaziergänge, Sonne, Wasser, Gartenarbeit“ mögen, wobei allerdings russische Cyber-Spione in der Regel kein besonderes Interesse an Gartenarbeit erkennen lassen, der Schönbär allerdings auch nicht: der ist bekanntermaßen nur am Nektar interessiert. Misstrauen ist daher angesagt bei folgender Annonce: „Russischer Computerhacker und leidenschaftlicher Hobygärtner sucht Damenbekanntschaft in der Pharmalabor-Szene. Nur ernstgemeinte Zuschriften mit Lichtbild und Forschungsbericht zur aktuellen Impfstoffentwicklung an kuschelbaer@cyberhacker.ru

Sich damit dem Vorwurf der Naivität und Einfältigkeit aussetzend engagierte der Düsseldorfer OB Thomas Geisel (SPD) ausgerechnet einen Rapper, der für seine antisemitischen und frauenfeindlichen Texte bekannt ist: Von besagtem Rapper ist nämlich keine feinsinnige Minnelyrik à la Walter von der Vogelweide überliefert, sondern nur peinliche Liedzeilen wie „Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen“ und „Mache wieder mal ’nen Holocaust, komm an mit dem Molotow“, bei denen der Urheber in Sachen Geschichtskenntnis schlichtweg überfordert wirkt. Ausgerechnet dieser Verbal-Rabauke sollte nun nach dem Willen von OB Geisel als musikalischer Nachtwächter die mit Ghettoblastern am Düsseldorfer Rheinufer herumlärmende Partyszene zur Ruhe sowie zum Einhalten der Mundschutz- und Abstandsregeln ermahnen. Da hätte man auch Zwiebeln nach Pforzheim tragen können. Zwar blamierte der Rapper sich und den glücklosen OB Geisel nicht noch mehr, indem er den dickfelligen juvenilen Abstandsregel-Ignoranten ein munteres „Wir machen durch bis morgen früh und singen bumsvaldera“ entgegen geschmettert hätte, aber das öffentliche Echo auf Geisels Coup war zu recht verheerend: Die Jüdische Gemeinde Düsseldorfs zeigte sich über seinen pädagogischen Missgriff „erstaunt“. Der NRW-Integrationsminister Joachim Stamp (FDP) war darüber ebenfalls zu Recht „entsetzt“, selbst die lokale SPD ging auf Distanz zu ihrem OB-Genossen, der das misslungene Video alsbald wieder löschte, denn der Ruf des rabiaten Rap-Reimers ist nun mal nachhaltig ruiniert: „Empörte Bürger und Politiker zitieren Passagen, in denen Opfer des Holocaust verhöhnt, Missbrauchsfantasien und Gewaltandrohungen in Fäkalsprache geäußert werden.“ Nun befindet sich in Sachen lokales Liedgut Düsseldorf allerdings in einem Dilemma: Die Lokalhymne „Ja sind wir im Wald hier? Wo bleibt unser Altbier? Wir haben in Düsseldorf die längste Theke der Welt“ stammt aus dem Jahre 1978, wurde seinerzeit von Hans Lötzsch als Beitrag zur „Karnevalistischen Hitparade des WDR“ mit großem Erfolg dargeboten und anschließend von den „Toten Hosen“ in einer Punkrock-Version gecoverd, ist aber zur Pädagogisierung übermütigen Party-Volks, das die Hygiene-Regeln missachtet, ungeeignet. Sonst hat Düsseldorf an anspruchsvollem Liedgut seitdem nichts mehr hervorgebracht. Im benachbarten Köln gibt es hingegen ca. teils recht akzeptable 12.000 Songs über die Stadt und ihre Befindlichkeiten. Dem OB Thomas Geisel wäre mithin anzuraten, wenn er zu ähnlichem Anlass der Beschwichtigung in der Amüsierhölle der Altstadt wieder mal unbedingt Musiker mit halbwegs qualitätvollen Texten braucht, sollte er doch lieber aus Köln die „Höhner“ mit ihrem Song „Zeit für Menschlichkeit“ engagieren.

© Raap/Bär 2020

Wie der Juso-Chef Kevin Kühnert tickt und denkt, offenbart er unlängst dem „Spiegel“: er, Kühnert, sei ja nur aus Mitleid Fan des Fußballclubs Arminia Bielefeld geworden, weil sowohl der Verein als auch die Stadt Bielefeld selbst landauf landab als „provinziell“ verlacht werden. Für Kevin Kühnert mithin eine wichtige symbolische Geste, sich endlich mal mit den als provinziell Verlachten und Veralberten dieser Welt zu solidarisieren, wo es doch immer wieder heißt: „Klappt etwas nicht auf dieser Welt, dann klappt’s auch nicht in Bielefeld.“ Ob bei den kommenden Kommunalwahlen im September 2020 Kevin Kühnerts Partei bei den Arminia Bielefeld-Fans ebenso auf einen Mitleid-Bonus hoffen kann, bleibt abzuwarten. Ohne Kevin Kühnert als Arminia-Maskottchen haben sie bei der letzten Wahl jedenfalls noch 30 Prozent geholt.

Warum die Fernsehgebühren erhöht werden müssen, verdeutlichte uns das ZDF kürzlich auf subtile Weise. Bisher konnte man sich jedenfalls darauf verlassen: wenn Claus Kleber die Nachrichtensendung „heute“ moderiert, hat die Herrenmodewoche im ZDF ihren Höhepunkt erreicht. Doch außer Herrn Bär ist niemandem aufgefallen, dass Claus Kleber neulich an zwei Abenden hintereinander mit derselben hellblauen Krawatte auftrat. Bei der ZDF-Kleiderkammer muss offensichtlich gespart werden. Ein deutliches Signal an die Zuschauer: TV-Gebühren rauf, damit wir uns endlich zwei neue Schlipse für Claus Kleber leisten können.

© Raap/Bär 2020

Essen und Trinken mit Herrn Bär

Zuccini mit Tomaten-Joghurt-Sauce, Foto: Copyright S. Kallnbach

Zucchini mit Tomaten-Joghurt-Sauce

Zucchini in dünne Scheiben schneiden, salzen, pfeffern, in Mehl wälzen und in Olivenöl goldbraun-knusprig braten. Kann warm oder kalt serviert werden mit einer kalten Sauce aus Joghurt oder fertig zubereitetem Zaziki, klein gewürfelten leicht angedünsteten kein gewürfelten und dann erkalteten Tomaten, Tomaten- oder Paprikamark oder Ajvar, Gurkenstücken, Lauchzwiebeln, Salz, Pfeffer, Cayennepfeffer oder Chili, Knoblauch, Petersilie, Kreuzkümmel

Griechischer Krautsalat Fertiger Krautsalat aus der deutschen Lebensmittelindustrie ist oft zu stark gezuckert, wenn man ihn selber herstellt, kann man auf Zucker verzichten oder ihn vorsichtiger dosieren: Man hobelt den Weißkohl in dünne Streifen und vermengt ihn mit einer Mischung aus Olivenöl, Weinessig, klein gehackten Schalotten, klein gehackter Petersilie, Salz, Pfeffer und Mineralwasser, deckt die Schüssel dann z.B. mit einem Deckel oder Teller ab und lässt den Salat im Kühlschrank einen halben Tag lang ziehen. Vor dem Servieren gießt man den Sud ab.

Strammer Max Der Name leitet sich aus einer Anspielung an das männliche Geschlechtsteil ab – eine Bezeichnung, die um 1920 zuerst in Sachsen aufkam. Der „Stramme Max“ ist ein einfaches Gericht aus der sächsischen und Berliner Küche mit 1-2 Scheiben Graubrot, mit Butter bestrichen, darauf kalter gekochter Schinken und 2-3 Spiegeleier. Die niederländische Variante Uitsmijterwird zum Frühstück oder als Zwischenmahlzeit serviert, und zwar mit Weißbrot oder Toastbrot, Goudakäse, Schinken und Spiegeleiern. Die wörtliche Übersetzung heißt „Rausschmeißer“ – dieses Gericht wurde angeblich früher spätabends bei Kneipenschluss serviert, bevor die letzten Gäste das Lokal verließen.

Seezunge klassisch Seezungen vom Fischhändler präparieren lassen, salzen, pfeffern, mit Zitronensaft einreiben, in gebutterter Pfanne braten, eine klein gewürfelte Zwiebel oder Schalotte, eine Knobblauchzehe und einen Spritzer Fischsauce hinzugeben, kurz vor dem Servieren Salbeiblätter und etwas Rosmarin beifügen.

Poireaux en vinaigre und marinierte Maishähnchenfilets – Porree in Essig ist eine typische Vorspeise aus der Pariser Hausfrauenküche. Man kocht separat pro Person ein Ei in Essigwasser hart und dünstet (blanchiert) Porreestangen im Wasserdampf mit 1 Lorbeerblatt und ein paar Pfefferkörnern 15 Min. lang. In einer Salatschüssel mit Öl und Essig vermengt man das klein gehackte Ei mit ein wenig Senf, klein gehackten Schalotten, Dill, Salz und Pfeffer, verteilt dies auf die Teller und garniert jeden Teller mit einer warmen Stange Poree uns serviert dies als Vorspeise. Die Maishähnchenfilets in Olivenöl mit Schalotten, Knoblauch, rotem Gemüsepaprika, Pfefferkörnern, Cayennepfeffer und Paprikapulver marinieren und ca. 2 Std. ziehen lassen, separat 1-2 Morcheln einweichen, die Maishähnchenfilets mit Lauchzwiebeln, Schalotten, den Morcheln und Maronen oder Pfifferlingen in einer Pfanne kurz braten, mit Kochsahne und frischem Thymian abrunden.

Entenfilet mit Oliven à la Karl-Josef Bär

Filetstreifen salzen, pfeffern, bei Bedarf auch leicht mehlieren, in Olivenöl mit Zwiebeln bei starker Hitze braten, Oliven, frischen Rosmarin und Thymian hinzugeben, dass das Fleisch innen noch rosa ist, mit Weinbrand und ein paar Spritzern Worchestershiresauce ablöschen. Dazu gedünstete Möhren, anschließend als Käse ein Epoisses und ein Saint Marcellin aus der Dauphiné. Als Wein ein kräftiger Bordeaux, zum Abschluss Melon de Cavaillon und als Digestif ein Liqueur Chartreuse jaune.

Tripous sind ein französisches Kaldaunengericht aus der Auvergne. Sie werden mit klein geschnittenem Kalbskutteln zubereitet, im Originalrezept gesalzen und gepfeffert als Füllung einer Roulade mit Hammel- Lammfleisch, ersatzweise auch Schweinsroulade, die man mit einer Schnur zusammenbindet. Sie werden dann bei schwacher bis mittlerer Hitze mehr als vier Stunden in Kalbsbrühe gekocht, mit Salz, Pfefferkörnern, Sellerie, Lorbeerblatt, Thymian, Knoblauch, Weißwein, Karotten und Tomaten.

Choucrute de poisson Ein französischer Sauerkrauttopf mit Fisch, bei dem man das Sauerkraut (Herr Bär empfiehlt in diesem Fall im Rheinland regionales Neußer Sauerkraut) in Butter und Zwiebeln leicht anschwitzen und dann in Weißwein und Fischfond garen lässt, mit Salz, Pfeffer und etwas Kümmel, zusammen mit Muscheln, diversen Fischfilets, Flusskrebsen oder Gambas, die man nacheinander hinzufügt, zum Schluss noch Dill, Schnittlauch und die grünen Blätter von Lauchzwiebeln.

Choucrute de poission, Foto: Copyright Raap/Bär
Zutaten Choucrute de poisson, Foto: Copyright: Raap/Bär
Schellfisch mit Krabbensauce und Gurkensalat

Schellfisch mit Krabbensauce Zoologisch gesehen ist der Schellfisch eine Dorschart. Filetstücke werden gesalzen, gepfeffert, mit Zitronensaft beträufelt und leicht in Mehl gewälzt, dann von beiden Seiten mit Knoblauchbutter in einer Pfanne gebraten. Für die Sauce dünstet man Lauchzwiebeln ebenfalls in Knoblauchbutter an, gibt mit dem Mixer pürierte Nordseekrabben hinzu, etwas Wasser und Kochsahne, skandinavische Krabbencreme und Krustentierpaste, lässt das Ganze aufkochen, schmeckt es mit frischem Dill ab und zum Servieren garniert man die Sauce noch mit frischen Nordseekrabben. Dazu Gurkensalat mit Joghurtdressing und frischem Dill.

Französischer Käse, Foto: Raap/Bär 2020

Französischer Käse In Frankreich gilt Käse als Abschluss eines Essens als kulinarische Selbstverständlichkeit, und Charles de Gaulle soll einmal gesagt haben: „Wie wollen Sie ein Volk regieren, das 246 verschiedene Käsesorten“ besitzt?“ Zur Abrundung eines Menüs genügen Herrn Bär zwei Sorten, ein Brie de Meaux oder Brie de Melun aus dem Großraum Paris und ein Blauschimmelkäse, z.B. ein Fourme d’Ambert von der Loire aus Kuhmilch, während der Roquefort aus Schafsmilch hergestellt wird.

Fruchtkaltschale, Foto: Bär/Raap 2020

Fruchtkaltschale à la Karl-Josef Bär Man püriert frische Erdbeeren, entkernte Kirschen und Johannisbeeren, lässt die Masse dann in ein wenig Wasser köcheln, schmeckt sie mit Honig und etwas Zimt ab, lässt sie dann abkühlen und stellt die noch ca. zwei Stunden vor dem Servieren in den Kühlschrank.

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