baer aktuell 247

Juli 1st, 2018

Jürgen Raap, „Das lange Maß“, Acryl/Öl auf Leinwand, 2018

Bild des Monats Juli 2018:

Jürgen Raap, „Universum“, Acryl / Öl auf Leinwand, 2018

Bär aktuell Nr. 247   – 22.Juli 2018

Die Sangeskünste von Sportlern sind oft durch ein zumeist recht bescheidenes musikalisches Talent geprägt. Eher als akustisches Kuriosum gilt somit die Schallplatte, die in den 1960er Jahren Kölns Box-Idol Peter Müller mit dem Text „Rädewumm, rädewumm, dä Jung dä fällt nit um“ besang, und auch Petar Radenkovic, damals Torwart beim TSV 1860 München, brachte es in jenen Jahren mit dem Lied „Bin i Radi, bin i König“ nicht gerade zu musikalischen Höchstleistungen. Als die deutsche Fußballnationalmannschaft 1974 im Aufnahmestudio „Fußball ist unser Leben“ intonierte, erreichte sie ebenfalls nicht das Niveau des Tölzer Knabenchors, sondern begnügte sich – wie der „Berliner Tagesspiegel“ kritisch anmerkt – mit dem Einsingen eines Liedguts, das „mehr für Festzelte“ geeignet ist denn für Philharmonie-Auftritte, „mit Hummtata-Rhythmus, Trompeten, Stampfrasseln und… Has, Hos und Hejas“. Es fehlte eigentlich nur noch ein schmissiges „Rädewumm“ am Ende jeder Liedzeile. Da muss man in unseren Tagen geradezu dankbar sein, wenn manche Nationalspieler vor dem Anpfiff die Nationalhymne lieber nicht mitsingen, so wie Mesut Özil, der unlängst bekannte, beim Absingen der Hymne verharre er lieber stumm in stillem Gebet, als stattdessen atonal ein „… blühe deutsches Vaterland“ daher zu brummen.

Als Peter Alexander 1986 die DFB-Elf im Studio bei der Aufnahme des Songs „Mexiko, mi amor“ gesanglich unterstützte, habe Lothar Matthäus nur „lustlos mitgeträllert“, reportiert Hendrik Mulert auf shz.de. Dennoch bekam Matthäus von seinen Mitspielern den Spitznamen „Die Schallplatte“ verpasst, dies jedoch nicht wegen seiner Sangeskünste, sondern wegen seiner Tratschsucht. Seinem Mannschaftskameraden Jürgen Klinsmann bescheinigte Matthäus: „Er denkt zuviel“. Während der selige DFB-Boss Egidius Braun der Ansicht war, Matthäus sei „von Gott die Gabe der Rede gegeben worden“, gelangt hingehen Philipp Köster, Chefredakteur des Fanzines „11 Freunde“, zu dem Urteil, Lothar Matthäus könne man gewiss nicht vorwerfen, dass er zu viel denke. Dass nach der „Erdogan-Affäre“ und Mesut Özils eher mäßigem sportlichen Wirken bei der WM in Russland Matthäus „verschwörerisch unkte“, so „Die Welt“, Özil fühle sich anscheinend „im DFB-Trikot nicht wohl“ und damit „suggerierte, dass der in Gelsenkirchen geborene Sohn türkischer Einwanderer Identitätsprobleme hat“, findet selbst das Springer-Blatt „infam“. Auch das noch: Nach der 0:2-Niederlage gegen Südkorea und dem vorzeitigen WM-Aus der millionenverwöhnten DFB-Kicker meldete sich ausgerechnet der Fußballexperte Robert Geissen („Die Geissens“) mit notorischer Schrillheit zu Wort und stieß ins gleiche Horn wie Lothar Matthäus: „Ich verstehe nicht, warum man Özil nicht langsam mal ausgetauscht hat. Bei Erdogan könnte der in der ersten Reihe spielen.“ Auch Robääärt Geissen kann man nicht vorwerfen, er denke zu viel. Was Erdogans Fußballkünste angeht, ist Robääärt Geissen jedenfalls reichlich uninformiert: Erdogan hatte zwar seinerzeit durchaus ein Angebot, in der Jugendmannschaft von Fenerbahce Istanbul mit zu spielen und anschließend Fußballprofi zu werden, wurde stattdessen jedoch von seinem Vater auf die religiöse Iman-Hatip-Schule geschickt und verpasste damit eine Fußballerkarriere.

Derweil stolpert Boris Becker einfältig wie immer von einer Lachnummer in die nächste, so jüngst als angeblicher Sport- und Kulturattaché der Zentralafrikanischen Republik, bis der Außenminister des Landes die Posse beendete und unmissverständlich klar stellte, Bobeles Diplomatenpass sei eine Fälschung. In dem Pass sei als Aufgabengebiet nämlich nicht „Sport“, sondern ausgerechnet „Finanzen“ eingetragen, so berichtete die französische Nachrichtenagentur AFP. Da mag man gerne glauben, dass dieser Pass gefälscht sein könnte: denn wer würde schon ausgerechnet Boris Becker als Finanzexperten in das Diplomatische Korps berufen, wo doch der insolvente Becker zwecks Schuldentilgung sogar schon in der TV-Sendung „Bares für Rares“ einen seiner Tennisschläger versilberte. Da allerdings ein gefälschter Diplomatenpass aus Zentralafrika hier zu Lande durchaus als Rarität gelten kann, wäre damit immerhin Beckers nächster Auftritt bei „Bares für Rares“ gesichert. Auch noch eine Schallplatte zu besingen hat Boris Becker sich bisher verkniffen, und das sollte uns auch wohl in Zukunft lieber erspart bleiben.

© Raap/Bär 2018

Essen und Trinken mit Karl-Josef Bär

Salat „Zakynthos“ à la Karl-Josef Bär

Zutaten pro Person 1 hart gekochtes Ei, fein zerdrückt, 2-3 Fingerbreit Feta-Käse, 2-3 in Salzlake eingelegte Sardellen, 2 klein gehackte schwarze Oliven, 1 klein geschnittene eingelegte Silberzwiebel, 1 kleine Cornichon, 1-2 Lauchzwiebeln in dünnen Scheiben, 1-2 Kapern, gewürfelte frische Gurkenstücke nach Belieben, abgeschmeckt mit Salz, grünem Pfeffer, Senf, etwas Knoblauchpaste, Dill und Petersilie, Knoblauchöl und weißem Balsamicoessig. Man könnte diesen Salat auch „Salat Konstanza à la Karl-Josef Bär“ nennen, aber das ist letztlich nur eine Frage der Einstellung zur Kulinar-Poesie.

Moko – Garnelen-Pfeffersauce aus Ghana

In Ghana werden so viele Tomaten angebaut wie in sonst keinem afrikanischen Land, obwohl die heimische Agrarwirtschaft unter den Importen von subventionierten EU-Lebensmitteln leidet und daher viele Landarbeiter emigrieren müssen. Tomaten gehören in Ghana zu fast jedem Gericht, und sie bilden auch die Basis für diese Garnelen-Pfeffersauce: man wässert 250 gr frische Garnelen ca 30 Minuten, hackt sie dann klein, vermischt sie mit vier klein gehackten Zwiebeln, 5-6 Knoblochzehen, ebenfalls zerkleinert und fünf klein gewürfelten Tomaten. Ingwerwurzel nach Belieben in die Masse reiben, sowie Cayennepfeffer, grünen und weißen Pfeffer (gemahlen). Alles zu einer Paste verrühren und dies in Olivenöl (wenn vorhanden auch mit einen 1 TL Palmöl) vorsichtig anbraten, ohne dass die Paste anbrennt, beim Umrühren Wasser hinzufügen. Passt zu allen afrikanischen Fischgerichten.

Sommergrütze à la Karl-Josef Bär

Die klassische Rote Grütze aus Norddeutschland besteht nur aus Beeren und Kirschen, bei einer Rharbarbergrütze kombiniert man den Rhabarber mit Erdbeeren. Herr Bär verzichtet bei seinem Rezept auf Speisestärke oder Sago: klein geschnittene Rhabarberstücke, Kirchenstücke und rote Johannisbeeren lässtr man in ein wenig Wasser zerköcheln, mit ein paar Pimentkörnern, etwas ganzem Anis (gibt es in türkischen Supermärkten), einer Prise Zimt und einer Vanilleschote. Nachsüssen nur mit Honig, nach dem Abkühlen frische Minzblätter hinzufügen.

baer aktuell Nr. 245/246 und bild des monats

Mai 31st, 2018

Bild des Monats Juni 2018:

Jürgen Raap, „Die Götterdämmerung Europas“, Acryl/Öl auf Leinwand, 2018

Bär aktuell Nr. 245          –   3. Juni 2018

Neue Rubrik zum Jubiläum „200 Jahre Karl Marx“: Einführung in den Kapitalismus – eine Finanzberatung mit Karl-Josef Bär

heute: Geld sparen mit Queen Elizabeth Der erste Schritt zur Kapitalvermehrung (im Jargon von Karl Marx „Kapitalakkumulation“ genannt) besteht darin, Geld nicht auszugeben, sondern es zu behalten. Queen Elizabeth von England wurde auf diese Weise die reichste Frau der Welt, denn anstatt bei der Hochzeit ihres Enkels den 2.500 zu einem Picknick geladenen Gästen generös ein paar Würstchen zu spendieren, stand auf der Einladungskarte unmissverständlich, man möge Essen und Trinken selber mitbringen. „Chapeau, Herr Scholz!“ ruft Herr Bär aus, denn unser Finanzminister Olaf Scholz hat nicht nur das Queen-Elizabeth-Prinzip des Zusammenhaltens von Ersparnissen verinnerlicht, sondern seiner Kabinettskollegin Ursula von der Leyen zugleich auch mehr Geld für die Bundeswehr verweigert, was jeden überzeugten Pazifisten freuen dürfte. Nun hat freilich selbst die schweizerische Marine ein funktionstüchtiges U-Boot auf dem Vierwaldstättersee und überrundet damit als Seefahrernation die deutsche Bundesmarine, deren U-Boote durchweg nicht einsatzfähig sind, ebenso wenig wie Panzer und Kampfbomber, so dass nach dem Queen-Elizabeth-Prinzip, jeder, der zur Bundeswehr will, sich sein Gewehr selber mitbringen muss, und wer gar eine Karriere als Pilot bei der Luftwaffe anstrebt, sogar sein eigenes Flugzeug. Nur so kann die Bundeswehr „mehr Verantwortung in der Welt“ übernehmen, wie Mutti Merkel hin und wieder verkündet, und damit dies nicht unverhofft in unkalkulierbare militärische Abenteuer abgleitet, wie sie sich schon aus historischen Gründen gerade für eine deutsche Armee ohnehin verbieten, ist eine aus Kostengründen begrenzte Einsatzbereitschaft Olaf Scholz sei Dank schon ein gewisser Garant. Die Verteidigungsministerin wird von ihren Gegnern und von manchen Kabarettisten als „Flinten-Uschi“ verspottet; was völlig unpassend ist, denn ein Flintenweib ist sie ganz und gar nicht, wenn sie an Gewehren spart, die entweder gar nicht schießen, oder wenn, dann um die Ecke.

Das U-Boot im Gewässer des Vierwaldstätter Sees funktioniert übrigens so präzise wie eine Schweizer Kuckucksuhr, wobei man anmerken muss, dass das Präzisionsdenken der Schweizer durch ihre Angst vor den Alpen zu erklären ist: Bei Lawinengefahr kann man sich gut in dem U-Boot auf dem Grund des Vierwaldstätter Sees verstecken.

Ein aus Düren stammender Hippie namens „Jesus Bruder Bauchi“, der sich so nennt, weil er nach eigenen Worten die Eingebungen für sein „Intergalaktisches Hilfs- und Rettungskommando“ (IHR) zur Rettung verlassener Häuser aus dem Bauch heraus gewinnt, hat auf Mallorca die Finca von Boris Becker besetzt mit der Begründung, er wolle diesen Ort wieder „zum Leben erwecken“ und müsse zu diesem Zwecke die Räume erst einmal sauber machen. Auch die spanische Polizei bestätigte: „Das Anwesen ist verlassen und verwahrlost“. Immerhin hat Boris Becker durch den Putzfimmel von Jesus Bruder Bauchi eine Putzkraft gespart. Auch ein schönes Beispiel für das Queen Elizabeth-Prinzip, wie man ein Vermögen anhäuft, indem man kein Geld ausgibt. Einen etwas durchgeknallten oder auch nur idealistisch eingestellten Gesellen, der einem putzmunter „ehrenamtlich“, d.h. „für lau“ die Bude aufräumt, findet man immer, wenn man Boris Becker heißt.

Kürzlich besuchte Herr Bär eine Kabarett-Veranstaltung. Am besten gefiel Herrn Bär die Pointe, wie der Kabarettist den Unterschied zwischen Vegetariern und Veganern erklärte: „Der Vegetarier isst kein Fleisch und keinen Fisch. Der Veganer isst überhaupt keine tierischen Produkte, also kein Fleisch, kein Fisch, kein Huhn. Weil: im Huhn ist Ei drin“.

Bär aktuell Nr. 246 – 22. Juni 2018

Als dynamisch wirken wollender Jungpolitiker in allzu eng taillierten Anzügen lächerlich zu wirken war bisher nur das Vorrecht von Christian Lindner (Jahrgang 1979), und der CDU-Politiker Peter Tauber ätzte gar vor einiger Zeit, wo der AfD-Frontmann Alexander Gauland „abgewetzte Tweedsakkos“ trage, käme Lindner in „überteuerten Maßanzügen“ daher. Wenn besagtem Lindner nun der 13 Jahre ältere Heiko Maas (Jahrgang 1966) modisch dermaßen nacheifert, muss er sich von manchen Zeitungskommentatoren verulken lassen, er trage schlecht sitzende „Jan Böhmermann-Anzüge“, wobei Jan Böhmermann (Jahrgang 1981) allerdings noch etwas jünger ist als Christian Lindner und alterstypisch bedingt auch noch weniger Hüftgold auf den Rippen hat als Heiko Maas. Eines Maßanzugs bedarf es bei Heiko Maas daher eigentlich nicht, denn er heißt ja schon so, und auf Twitter fragte deswegen der wache Follower „Lothar-dude“ Jan Böhmermann mit Recht: „Was täuschst Du denn mit deinen Anzügen vor?“, während ein anderer Follower namens „Renald Wittwer“ wissen wollte: „Sind Ihre Anzüge von der Stange?“ Nun ja, bei Jan Böhmermann vielleicht, bei Heiko Maas indessen nicht, denn bei dem hießen sie dann ja wohl nicht „Maßanzug“, sondern „Stangen-Anzug“.

Nun hat in der deutschen Humorkultur inzwischen ein Paradigmenwechsel stattgefunden, nämlich zwischen Jürgen von der Lippe, der einst das Hawaiihemd in der medialen Samstagabendunterhaltung salonfähig machte und bis heute als unbestrittener Meister des schwiemeligen, wiewohl im öffentlich-rechtlichen TV familiensendungskompatiblem Altherrenwitzes gilt, und eben jenem Jan Böhmermann. Dem entspricht zeitlich parallel innerhalb der FDP der Paradigmenwechsel von Rainer Brüderle, dem Altmeister des altbackenen Hotelbar-Charmeurs zu nächtlicher Stunde, der mit eben diesem bräsigen Charme bei einer Journalistin abblitzte, und Christian Lindner, der als moderner Charmeur wohl mehr Erfolg hatte, denn seine neue Freundin soll ausgerechnet eine Journalistin sein, wie auf „www.tag24.de“ kolportiert wird. Nur dem Gauland haben sie inzwischen beim Baden in einem Potsdamer See die am Ufer abgelegten Klamotten geklaut, aber Hand aufs Herz: wie blöd muss einer sein, dass er am Badestrand ausgerechnet ein abgewetztes Tweed-Sakko von Alexander Gauland klaut?

Wie das Kegelbruderwitz-Niveau des mittlerweile 70 Jahre alten Jürgen von der Lippe weitergepflegt wird, erlebte Herr Bär jüngst, als er beruflich in Düsseldorf weilte und sich nach einem Museumsbesuch an einem Samstagabend zwecks kulturanthropologischen Studien mutig in die Amüsierhölle der Düsseldorfer Altstadt begab und dort auf dem Rathausplatz dem Straßenfest des Karnevalsvereins „KG Närrische Schmetterlinge“ beiwohnte. Die „Närrischen Schmetterlinge“ sind in Düsseldorf dafür bekannt, auf ihren Herrensitzungen eine Striptease-Tänzerin auftreten zu lassen, was aus der Perspektive karnevalistischer Traditionalisten („Von Zoten frei die Narretei“) und auch aus jener des Feminismus allerdings nicht gutgeheißen wird, weshalb die „Närrischen Schmetterlinge“ auf diesem sommerlichen Straßenfest auf eine Striptease-Darbietung verzichteten diesmal lieber eine zweieinhalb Zentner schwere Drag-Queen auf die Bühne ließen, die das Publikum gendermainstreammäßig korrekt mit „Meine Damen und Herren und alle anderen“ begrüßte und dann mit Verweis auf ihre fulminante Leibesfülle in rheinischem Idiom den Witz darbot: „Ich mache jetzt die Essig-Diät. Es isch oder ess isch nit!“ Nach nur verhaltenen Lachern folgte der ebenso reichlich kalauerhaft geratene Witz: „Wenn mein Mann auf mir liegt, kriegt der Höhenangst. Wenn er unter mir liegt, kriegt er Platzangst. Wenn er hinter mir liegt, kann er nicht die Fußballweltmeisterschaft im Fernsehen gucken“. Nach dieser Pointe beschloss Herr Bär, seine kulturanthropologischen Studien über karnevalistische Straßenfeste in Düsseldorf abzubrechen und lieber die Heimreise nach Köln anzutreten.

© Raap/Bär 2018

© Raap/Bär 2018

Essen und Trinken mit Karl-Josef Bär

Sardisch-Katalonischer Sardellensalat à la Karl-Josef Bär

Im Mittelalter eroberte das Haus Aragon die Stadt Alghero im Nordwesten Sardiniens, vertrieb die Ureinwohner und siedelte katalonische Bürger dort an. Die Älteren sprechen dort heute noch einen katalonischen Dialekt. Die Küstengewässer sind reich an Hummern, weswegen der „Hummer auf katalanische Art“ dort als Spezialität gilt, die man als kalten Salat reicht. Für den Sardisch-Katalonischen Sardellensalat à la Karl-Josef Bär kocht man Hummer- oder Gambasschalen in wenig Wasser mit Tomaten und etwas Hummer- oder Krebspaste aus, fügt 1 ausgepresste frische Knoblauchzehe hinzu, schmeckt den Sud mit Salz, Pfeffer, japanischem Wasabi-Meereetich und Fischsauce ab, läßt ihn erkalten und kippt ihn später als Sauce über den Salat. Dieser Salat hat auf den Tellern ein Bett aus Tomatenscheiben. Man vermengt dann klein gewürfelte Tomaten, ebenfalls klein gewürfelten gelben Gemüsepaprika, klein geschnittene Frischgurke und Gewürzgurke sowie schwarze Oliven, Kapern und Stücke von Sardellen in Salzlake sowie klein geschnittene Petersilie miteinander. Diese Melange häuft man auf den Tomatenscheiben auf und gießt die kalte Hummersauce darüber.

Japanischer Grillfisch Teriyaki Man mariniert Lachssteaks oder anderen Fisch (z.B. Thunfisch oder Jakobsmuscheln) ca. 15 Min. in Teriyaki-Sauce aus dem Asienladen, alternativ dazu in einer Mischung aus Sojasauce, Reisessig, etwas ausgepresstem Knoblauch, ein wenig Chili, Zitronen-oder Limettensaft Weißwein oder trockenem Sherry und Reisschnaps Sake. Dann tropft man die Marinade ab, legt den Fisch auf den Grill, wendet ihn, und bepinselt ihn während des Grillens mit der Marinade. Man kann ihn stattdessen auch in der Pfanne braten, gibt zum Schluss frische Lauchzwiebeln und die Marinade hinzu und ein paar Spritzer Zitrone. Zum Servieren garniert man den Fisch mit frischer Kresse und geriebenem Rettich.

Blumenkohl „Nievenheimer Aue“ mit paniertem Schweinekotelett Nievenheim ist ein Vorort von Neuß, wo sich die Kölner Bucht zum Niederrhein hin öffnet. Der Frühlingsblumenkohl hat nicht die für Kohlpflanzen typische olfaktorische Schwere, muss aber unbedingt vor der Blüte geerntet werden, weil er sonst bitter schmeckt. Späte Blumenkohlsorten wie Belot und Dalton bilden ihre Blütenstände erst nach den ersten kalten Nächten aus und kommen dann als Herbst- oder Winterblumenkohl in den Handel, und Kenner schätzen diese Sorten als geschmacklich intensiver. Man verwendet für dieses Rezept nur die Röschen und die oberen teile vom Strunk, die man in Salzwasser langsam gart und dann in eine Auflaufform gibt. In einer Pfanne verrührt man Butter mit Mehl, gibt etwas Kochwasser von dem Blumenkohl hinzu, verrührt das Ganze dann zusammen mit Schmand, Creme fraiche oder Petrella-Käse, schmeckt das Ganze mit Salz, Pfeffer und Muskat ab und gießt diese Brühe über den Blumenkohl, bestreut das Ganze mit geriebenem Emmentaler und überbackt den Kohl dann kurz im Backofen. Dazu passt paniertes Schweinekotelett.

bär aktuell 244

Mai 10th, 2018

Bär aktuell Nr. 244  – 22. Mai 2018

Bildstrecke bär aktuell spezial „Unterwegs mit Herrn Bär“

Hinweisschild EU-Finanzierung Valetta/Malta“

Bierflasche, sardinische Lokalmarke“

Guardia di Finanza – Steuerfahndung in Neapel“

Hafeneinfahrt von Messina/Sizilien“

Häuserfassaden in Valetta/Malta“

 

 

Bär polyglott – unterwegs mit Herrn Bär

Ist die Götterdämmerung Europas angebrochen, wie Joschka Fischer in seinem jüngsten Buch unkt? In Aachen wurde soeben der Karlspreis an Emmanuel Macron verliehen; die Festrede dazu hielt Mutti Merkel, und die ehrwürdige Bildungsbürgergazette „Die ZEIT“ lästerte bei ihrem Bericht über dieses Ereignis, Mutti Merkel sei „schwer zu verstehen“. Denn wo Mutti Merkel sonst lemurenhaft vor sich hindöst, kündigte sie kürzlich aufgekratzt und munter „mehr Geld für Europa“ an, was für ihre Verhältnisse höchst leichtfertig wirkt, zumal sie sich ebenso leichtsinnig bei den Koalitionsverhandlungen das Finanzministerium von der SPD abluchsen ließ. Die SPD steht indessen schon seit August Bebels Zeiten im Ruf, nicht mit Geld umgehen zu können. Den Bundesfinanzminister mimt jetzt ein schläftig wirkender Hanseat namens Olaf Scholz, der wegen seiner mentalen Unbeweglichkeit sogar von den eigenen Genossen als „Scholz-o-mat“ verspottet wird. Man wirft oben in den Scholz-o-maten sein Steuergeld hinein, und unten kommt es wieder herausgeklimpert und weckt allerlei Begehrlichkeiten, die sein Vorgänger Wolfgang Schäuble allerdings abzuwehren verstand. Was aber macht Olaf Scholz mit dem Geld, das aus ihm herausgeklimpert kommt? Herr Bär wollte es genauso wissen, und ging auf Europa-Tournee, um heraus zu finden, ob dort Leistungen, Taten und Wohltaten des Bundesfinanzministers auch gebührend gewürdigt werden.

Erster Eindruck: den schläftig wirkenden Olaf Scholz kennt in Europa noch so ziemlich keiner. In Frankreich traf Herr Bär nämlich zufällig mit dem Bürgermeister einer Kleinstadt zusammen, der auf Herrn Bärs Bemerkung, er recherchiere in diversen EU-Ländern über das Imageprofil von Olaf Scholz, mit den Worten reagierte: „Ah, Monsieur Schulz!“ Er sprach das wie „Schülz“ aus. „Non, Monsieur Scholz“, korrigierte Herr Bär ihn. Der französische Gesprächspartner entpuppte sich als Weinliebhaber und erfüllte damit eine gewisse Klischeevorstellung, die man bei uns von den Franzosen hat. Er stimmte Herrn Bär zu, dass unter den Bordeaux-Lagen der „Pauillac“ ohne Zweifel zu den besten zählt, und Herr Bär wiederum pflichtete ihm bei, dass man es mit dem Freihandel nicht übertreiben solle, indem man kalifornischen Wein nach Frankreich oder Deutschland importiert, auch wenn Donald Trump immer über die deutschen Handelsbilanzüberschüsse meckert. „Und grüßen Sie Monsieur Schülz von mir“, sagte der Bürgermeister zum Abschied.

Nächste Station: Italien. Als Herr Bär sich durch Genua chauffieren ließ, bewahrheitete sich die Klischeevorstellung, die man nördlich der Alpen über den höchst rasanten Fahrstil italienischer Autofahrer hegt, und die im Stau ihr Missfallen über eben dieses Stillstand mit lautem Hupen und noch lauterem Lamento kundtun. In Neapel sah Herr Bär, dass die Steuerfahndung „Guardia di Finanza“ ihren Wagen vor einem Café geparkt hatte. Die Fahnder schlürften drinnen im Café gemütlich ihren Espresso und warteten auf den Beginn der Mittagspause, und auch das entspricht unseren klischeehaften Vorstellungen von italienischer Folklore. Wolfgang Schäuble war als Finanzminister als ein „harter Hund“ gefürchtet und bei manchen sogar verhasst, aber wenn ein Finanzminister von den Steuerhinterziehern geherzt und geliebt wird, dann macht er was falsch, und so würde Herr Bär sich bei dem knuddelig-knuffig wirkenden Scholz-o-maten nicht wundern, wenn ihm demnächst die Deutsche Steuer-Gewerkschaft ausgedehnte Kaffeepausen wie in Italien abtrotzt.

In Mahon auf der spanischen Insel Menorca hat man viel Geld aus dem EU-Strukturhilfefonds deutlich sichtbar in den Straßenbau investiert. Frisch asphaltiert ist der Platz vor der Fischmarkthalle, doch kündet dort ein Schild vom Anteil deutschen Steuergeldes an dieser Modernisierungsmaßname? „Auf diesen Asphalt sind wir stolz, wir verdanken ihn dem Olaf Scholz!“ Mitnichten. Stattdessen informiert dort lediglich eine Inschrift, König Alfons von Spanien habe im Jahre 1929 diese Fischmarkthalle besucht.

Ein Glas Bier kostet in Marseille und in Messina (Sizilien) 2,50 Euro, in Mahon auf Menorca und in Valletta auf Malta nur 1,90 Euro. Der Aufzug, der vom Hafen eine steile Feldwand hoch zur Altstadt von Valletta führt, wurde mit Geldern aus dem EU-Regionalfonds bezahlt, wie ein Schild erläutert. Aber wieso können sie sich dort auf Malta günstigere Bierpreise als die Sizilianer auf ihrer Insel nebenan leisten? Herr Bär vermisste jedenfalls auf der Getränkekarte den Hinweis: „Dieses Glas Bier trinken Sie mit freundlicher Unterstützung von Olaf Scholz“. Stattdessen hat man am Denkmal neben der Bierterrasse lediglich ein Schild angeschraubt, der Duke von Cambridge habe 2014 zum 50. Jahrestag der Unabhängigkeit Maltas im Jahre 1964 die Stadt Valletta besucht. Aber hat der Duke of Cambridge bei diesem Besuch mehr Geld in der Stadt gelassen als Herr Bär? Wohl kaum. Alles in allem lässt sich nach Herrn Bärs Europa-Reise das Fazit ziehen, dass die PR- und Marketingabteilung im deutschen Bundesfinanzministerium noch gewaltige Anstrengungen zum Glanz und Ruhme des Scholz-o-maten unternehmen muss.

Valletta ist übrigens Kulturhauptstadt Europas 2018, aber optisch fällt das nicht so besonders auf; dafür sind jedoch die vielen Banken und Spielcasinos nicht zu übersehen; und Malta gilt ja bekanntlich vor allem als Steueroase. Valletta selbst hat nur 6.000 Einwohner, wirkt aber größer, nicht zuletzt wegen der vielen Briefkästen, die in diesem Niedrigsteuerland z.B. russische Oligarchen an die staubigen Fassaden angeschraubt haben, vor denen sie im Schatten der schmalen Gassen darauf warten, dass der Schwarzgeldbriefträger mit Geld aus Moskau vorbeischaut, was zwar auch einer weiteren Klischeevorstellung, zugleich aber ebenso der Wahrheit entspricht.

Hoffentlich lässt sich der Scholz-o-mat in Brüssel nicht über den Tisch ziehen und stimmt übermütig einer europaweiten Einlagensicherung der Banken zu, was dann in der Praxis – etwas verkürzt dargestellt – bei der nächsten EU-weiten Bankenkrise bedeuten würde, im Falle, dass die Rücklagen zur Bankenhaftung nicht ausreichen, müsste dann womöglich der deutsche Sparbuchinhaber für die Schwarzgeldkonten russischer Oligarchen bei maltesischen Banken gerade stehen, sofern er mehr als 100.000 Euro auf dem Sparbuch hat. Als Gelddepot lohnt sich für den deutschen Kleinsparer der Bankenstandort Malta also nur bedingt. Aber man kann dort in den Cafés für 1,90 Euro pro Glas ein vorzügliches „Local beer“ konsumieren, bei dem man den Einfluss britischer Brautradition heraus schmeckt, und das sollte man im Zusammenhang einer derzeit aktuellen Diskussion über Kolonialismus und Postkolonialismus 54 Jahre nach der Unabhängigkeit Maltas vom einstigen British Empire auch mal ruhig erwähnen.

Auf dem Münchener Flughafen betreibt im Transitbereich der bekannte Fresspapst Alfons Schuhbeck einen Imbissstand, doch die Currywurst, die dort mit Kartoffelecken für 8,90 Euro angeboten wird, sah in der Auslage reichlich vertrocknet und verschrumpelt aus. Mit 5 Euro für einen halben Liter Hofbräu-Bier zecht man auf dem Münchener Flughafen allerdings immer noch günstiger als in Marseille oder in Messina, und dass Herr Bär wieder zu Hause angelangt war, merkte er daran, dass im Kölner Flughafengebäude die Rolltreppe kaputt war.

© Raap/Bär 2018

Essen und Trinken mit Herrn Bär

Bozener Sauce – ein Rezept, das der Koch vom Kölner Bohème-Restaurant „Riphan’s“ auf traditionelle Weise mit Spargel kombiniert. Man zerkleinert erkaltete hart gekochte Eier, vermischt sie mit Öl, Essig, Senf, Zitronensaft, Salz und etwas Pfeffer. Dazu frische Petersilie, Schnittlauch und Kerbel, und auf Empfehlung von Herrn Bär auch noch etwas Radieschenkresse oder Gartenkresse. Die Sauce reicht man kalt separat zum Spargel.

Maltesische Schweinerouladen

Die Küche Maltas lässt italienische, griechische, ägyptische und nordafrikanische Einflüsse erkennen. In der Hautstadt Valetta findet man auf den Speisekarten häufig Gerichte mit Kaninchen, das man in Weißwein- oder Rotweinsauce schmort und mit schwarzen Oliven serviert, aber typisch ist auch das Rezept mit Schweinerouladen, deren Fleisch man salzt, pfeffert, mit Speck, etwas Knoblauch, einem kleingehackten harten Ei und gehackter Petersilie belegt. Bevor man sie zusammenrollt und dann zusammen mit Zwiebeln in Olivenöl kurz anbrät, dann mit Fleischbrühe aufgießt und zusammen mit einem Lorbeerblatt in einer Casserole im Backofen 35-40 Min. schmoren lässt. Eine Rezept-Variante mit Rinderrouladen (auf maltesisch „Bragioli) mit der gleichen Speck-Ei-Füllung lässt man in Rotweinsauce mit Möhren und Mittelmeerkräutern (Thymian, Salbei, Rosmarin) schmoren. Dazu reicht man Kartoffelpüree, den man mit der Brühe übergießt.

Maltesisches Lammfilet auf arabische Art

Lammfiletstücke in heißem Olivenöl anbraten, salzen, pfeffern, herausnehmen und beiseite stellen. In dem Öl dann Zwiebeln anbraten, 3-4 Knoblauchzehen auspressen, mit Hühnerbrühe aufgießen, Minzblätter, Kurkumapulver (Gelbwurzel) oder Safran, gelben oder grünen Curry, Rosenpaprika oder etwas tunesische Harissapaste, mildes Paprikapulver, Kreuzkümmel und etwas Korianderpulver hinzugeben, kurz aufkochen und damit das Fleisch übergießen und dieses zusammen mit Reis servieren.

 

baer aktuell 242/243

April 23rd, 2018

Bild des Monats Mai 2018

Jürgen Raap, „Eine Nacht in Rolandswerth“, Acryl/Leinwand, 2018

Bildstrecke „bär aktuell spezial“ – „Heimat, wo sind deine Sterne?“

Weinflasche Drachenfelder Drachenblut (Portugieser Traube)

Der Rhein bei Unkel

Erftaue bei Zieverich

alle Fotos: Copyright Bär/Raap 2018

Bär aktuell Nr.242/243  – 1. Mai 2018

Heimat, wo sind deine Sterne? Da das Auswärtige Amt eine Reisewarnung für den Südsudan und für die „Zone 1“ rund um das Kernkraftwerk Fukushima in Japan herausgegeben hat, man zudem als Autofahrer in Mauretanien mit „waghalsigen Überholmanövern“ zu rechnen hätte, wie das Auswärtige Amt anmerkt, zog Herr Bär es vor, lieber den rheinischen Weinort Unkel zu erkunden, wo erstens als Heimatminister Horst Seehofer für Sicherheit und Gemütlichkeit gleichermaßen sorgt, und wo zweitens im Gasthof „Zur Traube“ der „Unkeler Rivaner“ als ein absolut fruchtig-aromatischer Weißwein den Gaumen erfreut. Wer jemals an einem sonnigen Frühlingstag eine Expedition in die Erftauen bei Bergheim unternommen hat, wo lediglich das atonale Getröte einer Blaskapelle den Sinn von Herrn Bär trübte, als sie ihre Probe in einem lieblichen Pappelhain am Ufer der Erft abhielt und ein Stück einstudierte, das die Bläser selbst wohl für experimentellen Free Jazz hielten, Herr Bär hingegen für unmelodiösen und deshalb auch unnötigen akustischen Unfug, der erfreut sich anschließend an einer phantastischen gegrillten Forelle in der Zievericher Mühle. Empfindet man nun als urbaner Hipster einen Ausflug nach Zieverich  als spießig, dann seien jene Hipster jetzt ausgerechnet auf die Grünen-Ikone Kathrin Göring-Eckardt verwiesen, die in einem bei ihr sonst eher seltenen Moment den höchsten Punkt der Erleuchtung erklomm, als sie verkündete, für sie „Heimat kein Gegensatz zu einer multikulturellen Gesellschaft“. Immerhin spielen in der rheinischen Provinz beim Üben im Freien heute ja auch schon die Blaskapellen mitunter Free Jazz, auch wenn das selbst aus der Sicht von Kathrin Göring-Eckardt nur bedingt als multi-kulturell gelten kann, und die Autofahrer im Kreis Bergheim stehen zudem im Ruf, einen eher mauretanischen Fahrstil zu pflegen, aber auch das kann man nicht als multikulturell durchgehen lassen. Der Entschleunigungstheoretiker Hartmut Rosa beschreibt Heimat als einen „Sehnsuchtsort, das ist die Hoffnung auf einen Weltausschnitt, auf einen Teil der Welt… die uns entgegenkommt, die uns antwortet, zu der wir eine Beziehung aufgebaut haben, die eben auch Erinnerungen und Hoffnungen umfasst“. Und wenn das schon ein Entschleunigungstheoretiker sagt, dann ist es gewiss sinnvoll, sich nicht in Mauretanien „riskanten Überholmanövern“ (O-Ton Auswärtiges Amt) auszusetzen, sondern lieber abseits der Autopisten entlang der Erft von Horrem nach Zieverich zu radeln.

© Raap/Bär 2018

Essen und Trinken mit Karl-Josef Bär

Ingwer-Möhren-Paprika-Suppe „ Neu Bottenbroich“

In einem Topf Zwiebeln in Butter andünsten, Suppengemüsemit reichlich Möhren und gelben Gemüsepaprika hinzugeben, grüne und schwarze Pfefferkörner,1 Tomate, 2 Knoblauchzehen, mit Fleisch- oder Geflügelbrühe auffüllen (nur Gemüsebrühe geht auch), bei mittlerer Flamme kochen lassen. Das zerkochte Gemüse herausnehmen, frische Möhren und frischen Ingwer hineinraspeln, klein geschnittene Stücke von rotem und gelbem Gemüsepaprika sowie eine zerdrückte gekochte Kartoffel hinzugeben,, evtl. auch kleine Chili-Stücke kurz aufkochen, Kurkuma (Gelbwurzel) hinzugeben, mit Salz, Pfeffer, Petersilie abschmecken. Zum Schluss saure Sahne einrühren.

Scholle auf flämische Art à la Karl-Josef Bär

In der niederländischen und flämischen Küche verwendet man Schollen, Seezungen und Garnelen aus den eigenen Küstengewässern, Kabeljau und Schellfische und ebenso Heringe entstammen den tieferen Gewässern der Nordsee. Man besorge sich frische Nordseekrabben (crevettes gris), die man selber auspuhlt. Die Schalen kocht man in Knoblauchbutter mit Zwiebeln, grünen Pfefferkörnern, einer halben klein gehackten Tomate, 1-2 ausgepressten Knoblauchzehen, ein paar Spritzern thailändischer Fischsauce und etwas Wassern zu einem Sud aus. Die Schollen brät man in Butter von beiden Seiten gut durch, salzt und pfeffert sie, übergießt sie mit dem Sud, gibt etwas frischen Dill, Salbei und Petersilie hinzu. Kurz ziehen lassen, etwas crème fraiche hinzufügen und dann zusammen mit den kalten ausgepuhlten Krabben servieren.

Perlhuhnbrust mit Rübstiel

Rübstiel ist zwar ein typisches Frühjahrsgemüse, frisch aber heute mitunter zu allen Jahreszeiten erhältlich, doch am besten schmeckt er erntefrisch. Mit „Rübstiel“ bezeichnet man die jungen Blätter und Stiele der Speiserübe. Es ist eine typische Gemüsebeilage in den Niederlanden, im Rheinland und in Westfalen, wo man die Stiele klein gehackt dünstet, dann oft mit kleinen Kartoffelstücken oder Kartoffelpüree vermischt (die Blätter verwendet man nicht). Herr Bär empfiehlt, die Stiele kurz in erhitzter Steinpilzbutter zu schwenken, ein paar Möhrenstücke mit zu kochen und nach dem salzen und pfeffern ein wenig cremigen Schafskäse unterzumischen und kurz mitdünsten lassen, damit er zu einer Sauce zerläuft. Die Perlhuhnstücke brät man ebenfalls in Steinpilzbutter, zusammen mit vorher eingeweichten getrockneten oder mit frischen Steinpilzen, Walnüssen, Maronen, Zwiebeln und einer zerdrückten Knoblauchzehe, gibt zum Schluss etwas frischen Thymian hinzu und ebenfalls etwas Schafskäse, der gut zerläuft.

Bozener Sauce – ein Rezept, das der Koch vom Kölner Bohème-Restaurant „Riphan’s“ auf traditionelle Weise mit Spargel kombiniert. Man zerkleinert erkaltete hart gekochte Eier, vermischt sie mit Öl, Essig, Senf, Zitronensaft, Salz und etwas Pfeffer. Dazu frische Petersilie, Schnittlauch und Kerbel, und auf Empfehlung von Herrn Bär auch noch etwas Radieschenkresse oder Gartenkresse. Die Sauce reicht man kalt separat zum Spargel.

Okonomiyaki wirken optisch wie eine japanische Pizza oder wie ein Pfannkuchen, werden aber in Japan ganz anders zubereitet, nämlich aus Wasser, Eiern, Mehl, Kohl und Dashi-Fischbrühe sowie als Würze eine spezielle Okonomiyaki-Sauce mit Katsuobushi-Fischflocken, und auf einer heißen Teppan-Eisenplatte gebraten. Ähnlich wie bei der Pitta belegt man den Teig mit Fleisch, Fisch, Gemüse, Reiskuchen oder auch Nudeln.

Kulturanthropologie mit Karl-Josef Bär

heute: Esstabus

Verzehren kann der Mensch mit seinem Stoffwechsel aus anthropologischer Sicht eigentlich alles, was wohlschmeckend und bekömmlich, nahrhaft und nicht giftig ist. Dennoch gibt es in fast allen Kulturen Esstabus; und die meisten dieser Nahrungsmeidungsgebote sind in den jeweiligen Kulturräumen ökonomisch oder hygienisch motiviert. Meistens werden die Esstabus jedoch nach außen hin religiös oder ethisch begründet. Schweinefleisch z.B. ist in der jüdischen und muslimischen Küche tabu, weil es im Wüstenklima einfach unbekömmlich ist: beim Afrika-Feldzug der Rommel-Armee 1941 durch Tunesien und Lybien bekamen die Soldaten Ödeme in den Beinen; die Symptome verschwanden jedoch rasch, als Schweinefleischkonserven aus der Proviantliste gestrichen wurden. Das Rind hatte früher in Indien als Milchvieh, vor allem jedoch als Zug- und Lasttier, eine viel größere wirtschaftliche Bedeutung gegenüber dem Fleischverzehr, weshalb Kühe im Hinduismus als heilig gelten. In Indien sind Frösche im Lebensmittelhandel schon seit 1987 verboten. Frösche sind in Deutschland durch das Bundesartenschutzgesetz besonders geschützt; der Import aus Asien ist allerdings dennoch erlaubt – größter weltweiter Froschschenkelexporteur ist heute Indonesien. Bei uns bekommt man Froschschenkel zumeist tiefgefroren in asiatischen Supermärkten; in Tschechien stehen sie auch in manchen Restaurants immer noch auf der Speisekarte. Sie stammen heute zumeist aus Zuchtfarmen; dennoch halten Tierschutzorganisationen den Verzehr von Froschschenkeln für unethisch wegen der Schlachtmethoden. Wo Frösche für den kulinarischen Verzehr aus Wildfang stammen, warnen Tier- und Naturschützer allerdings nicht zu Unrecht vor einer Zerstörung des ökologischen Gleichgewichts, wie man dies z.B. in Bangladesh beobachten könne, wo die Dezimierung der Wildfrösche zu einer fürchterlichen Mückenplage führte. Auf den Philippinen und in Kambodscha verzehrt man aber auch heute noch traditionellerweise ganze Frösche, deren Inneres man mit Schweinehack, Essig und Gewürzen füllt und dann in der Sonne trocknen lässt. Gewiss sollte man als Europäer nicht mit einer kulturellen Arroganz den Indonesiern oder Philippinen vorschreiben wollen, was sie essen dürfen und was nicht. Raubbau an der Natur betreiben weitaus brutaler die global agierenden großen Nahrungsmittelkonzerne mit ihrem rigiden kapitalistischen Profitstreben – ein Bestreben, die notwendige Balance zwischen Natur und Kultur zu erhalten, etwa durch nachhaltige Züchtung, artgerechte Tierhaltung und Durchsetzung von Schonfristen für Fang und Jagd macht das Eintreten mancher Eiferer für eine Verbotskultur überflüssig. In Westeuropa hat man in der Küche übrigens immer nur die Hinterbeine der Frösche verwendet. Da „bär aktuell“ auch ein Wissenschaftsmagazin ist und Wissenschaft objektiv und wertneutral ist, sei hier ausdrücklich nicht als Kochanleitung, sondern lediglich aus rein dokumentarischen Gründen ein historisches Rezept aus dem Elsass aufgeführt mit salzen und pfeffern der Froschschenkel und dann scharfem Anbraten in der Pfanne. Dann stellte man früher die Froschschenkel warm, löschte den Sud mit Weißwein (Riesling) ab, presste viel frischen Knoblauch hinein, gab Petersilie hinzu und ließ das Ganze leicht einkochen, bevor man kurz vor dem Servieren Creme fraiche einrührte. Aber heute ist das verpönt.

Bildstrecke bär aktuell spezial: das Siegtal

 

alle Fotos: Copyrig

Die üblen Seiten des kölschen Klüngels offenbaren sich immer dann, wenn Politiker zu Versorgungsfällen werden. So ließ sich die Stadt Köln von der CDU-Politikerin und Hotelbesitzerin Andrea Horitzky übertölpeln, als ein Vertrag zur Unterbringung von Flüchtlingen mit sieben Jahren Laufzeit geschlossen wurde, und dies zu einem Zeitpunkt, als die Flüchtlingszahlen schon längst rückläufig waren. Doch erst dieser Vertrag mit einer Garantie von 32.500 Euro an monatlichen Mieteinnahmen über sieben Jahre ermöglichte es den Horitzkys, das vorher nur gepachtete Hotel jetzt auch zu kaufen, dies mithin auf Kosten des Steuerzahlers, und damit auch auf des Kölner Steuerbürgers Herrn Bär, der für seine Einkommensteuer durchaus eine sinnvollere Verwendung nennen könnte als den Erwerb eines Hotels durch Privatpersonen. Ebenso dreist ist das Gebaren des SPD-Politikers Martin Börschel, der einen kommenden Karriereknick ahnte, als er es nicht schaffte, im NRW-Landtag zum Fraktionsvorsitzenden gewählt zu werden, und der stattdessen nun Geschäftsführer bei den Kölner Stadtwerken wird, mit etwa 400.000 Jahresgehalt. Normalerweise müsste ein solcher Posten öffentlich ausgeschrieben und das Bewerbungsverfahren von einer externen Headhunter-Firma betreut werden, aber in Köln klüngelt man eben solch einen Frühstücksdirektor im Hinterzimmer aus. Die örtlichen Grünen, sonst immer um das Profil einer Anti-Klüngel-Partei bemüht, machten dieses intransparente Spiel mit und verloren damit endgültig ihre politische Unschuld, ebenso die lokale CDU, was wiederum Konrad Adenauer, den gleichnamigen Enkel des ersten Bundeskanzlers, derart erboste, dass er nach 50 Jahren Mitgliedschaft ernsthaft einen Austritt aus der CDU erwog. Von Großvater Adenauer stammt die Definition des kölschen Klüngels „Man kennt sich, man hilft sich“, aber dass bisher alle Kölner Kommunalpolitiker immer beteuert haben, sie klüngelten immer nur zum Wohle der Stadt und niemals um des eigenen Vorteils willen, war schon immer verlogen. Da Herr Bär Stromkunde bei der Rheinenergie AG ist und regelmäßig die Kölner Verkehrsbetriebe KVB benutzt, beides Tochtergesellschaften der Stadtwerke, finanziert Herr Bär mithin auch das künftige Jahresgehalt des Herrn Börschel mit, und auch für die Verwendung dieses Geldes wüsste Herr Bär einen besseren Verwendungszweck zu nennen als ausgerechnet die Alimentierung des Herrn Börschel. Flüchtet Herr Bär nun in eine Steueroase? Nein, das nicht. Herr Bär radelte stattdessen das Flüsschen Sieg entlang bis nach Bonn, wo zwar auch geklüngelt wird, aber dort merkt man das nicht so deutlich wie in Köln. In Hennef schenken sie im Biergarten des „Restaurant Sieglinde“ zu einer vorzüglichen hausgemachten Gulaschsuppe ein herrlich süffiges „Siegtaler Landbier“ aus, und wer in Bonn „Im Sudhaus“ einkehrt, der bekommt zum „Halven Hahn“ eine sagenhaft fingerdicke Scheibe mittelalten Holländer Käse, dies freilich für 7,90 Euro, was schon ein wenig happig ist (normal wären 4,90 Euro), aber dafür ist dieses Geld, das Herr Bär auf seiner Exkursion ins Umland verfressen und versoffen hat, wenigstens nicht in die Taschen der Horitzkys oder von Martin Börschel gewandert.

Ausgerechnet eine Nachwuchskünstlerin, deren plastische Arbeiten mit Metallsilhouetten von Herrn Bär in einer Rezension zuvor als brav und bieder gescholten wurden, was Künstler eben nicht sein sollten, bekam auf der Kunstmesse Art Cologne den Nachwuchspreis verliehen, den sie hier auf englisch „Award“ nennen. Da ergötzte sich das Auge von Herrn Bär doch lieber in der Kölner Galerie Ruttkowski;68 an der Ausstellung des Altmeisters C.O. Paeffgen, dessen Werke in den heutigen hasenfüßig-puritanischen Zeiten bisweilen herrlich unkorrekt wirken, z.B. jenes mit dem Titel: „Dr. F. (70) will icken“. Künstlerische Freiheit heißt eben: Künstler dürfen alles. Das gilt aber nur für richtige Künstler. Denn Joseph Beuys irrte ganz gewaltig, als er jeden Menschen für einen Künstler hielt. Intellektuell eher schlicht ausgestattete Rapper, die antisemitische Texte vertonen, kann Beuys damit ja wohl nicht gemeint haben.

© Raap/Bär 2018

ht Raap/Bär 2018

 

© Raap/Bär 2018

Bär aktuell Nr.241

April 1st, 2018

Bär aktuell Nr.  241   – 22. April 2018

Bild des Monats April 2018:

Jürgen Raap, „Die Äbtissin von Fühlingen“, Acryl/Öl auf Leinwand, 2018

Bär aktuell Nr. 241    –  3. April 2018

Wenn Herr Bär sich in den nächsten Tagen ins beschauliche Dansweiler begibt, bleibt an Herrn Bärs Smartphone die GPS-Ortung deaktiviert, denn erstens weiß Herr Bär immer, wo er ist und zumindest auf dem Weg nach Dansweiler weiß er ebenso, wo und wie es weiterhin langgeht und braucht daher kein GPS auf dem Handy, und zweitens geht es weder den Mark Zuckerberg noch Cambridge Analytics etwas an, wo Herr Bär sich gerade aufhält, und ob Herr Bär nach Dansweiler fährt, um dort Geld auszugeben oder um dort Geld zu verdienen. Wenn nun an dieser Stelle behauptet wird, der Facebook-Gründer Mark Zuckerberg sei zwar ein Erzkapitalist, aber er sähe nicht aus wie ein solcher, wie man ihn früher in Karikaturen dickbäuchig und mit Zigarre darstellte, sondern eher so wie der Schatzmeister des Ortsvereins der Grünen von Dansweiler, dann möchte Herr Bär in Zukunft nicht von Cambridge Analytics mit Wahlwerbung der Grünen von Dansweiler bombardiert werden. Und da Herr Bär in jungen Jahren die marxistische Mehrwerttheorie begriffen hat und um den pekuniären Wert beim Handel mit Informationen im digitalen Zeitalter weiß, schleudert Herr Bär Herrn Zuckerberg und Cambridge Analytics bei deren Versuch, Informationen über Herrn Bär abzugreifen, ein Zitat der Kölsch-Band „Brings“ entgegen: „He jitt et nix för lau“ (Hier gibt es nichts umsonst). Deswegen beteiligt sich Herr Bär grundsätzlich nicht an sozialen Netzwerken; er hat kein Facebook-Konto, twittert nichts, liked/bewertet, teilt und postet nichts, womit andere Geld verdienen könnten und Herrn Bär leer ausgehen lassen. Im Übrigen findet Herr Bär es höchst merkwürdig, dass man in Deutschland in jenen Kreisen, in denen man um urbane Weltläufigkeit bemüht ist, den Namen „Zuckerberg“ immer auf englisch als „Sackerbörg“ ausspricht, denn hier zu Lande kommt ja sonst auch kein Mensch auf die Idee, den Namen der Hauptstadt Frankreichs phonetisch auf französisch, nämlich „Pari“, zu artikulieren, sondern es heißt „Paris“, und Konrad Adenauer pflegte sogar beharrlich „Pariss“ zu sagen. In Frankreich sprechen sie den Zuckerberg übrigens phonetisch als „Sückerbersch“ aus und nicht als „Sackerbörg“.

Der Kreisverband der Kölner Grünen gibt eine Postille mit dem Titel „Mach et“ heraus. Erbauliches ist dort selten nachzulesen, doch für die jüngste Ausgabe hatten sie einen Marketing-Papst interviewt, der ihnen zum Stichwort „Populismus“ zu bedenken gab, die Grünen seien ja überhaupt nicht populistisch, denn sie erreichten das Volk nicht mehr, wenn sie den Leuten alles verbieten wollten, was eben das Volk so schätze, nämlich Fleischverzehr, Alkohol, Rauchen, Auto fahren und sonstiges Ausleben in Saus und Braus. Deswegen hielte die Stimme des Volkes („vox populi“) die Grünen für elitär, und wollten sie in Zukunft Wahlen gewinnen, müssten sie sich bodenständiger geben. Das nahm sich in jener Postille ein paar Seiten weiter ein Autor zu Herzen, der Selbstkritik übte und einen Versuch unternahm, der Elitenfeindlichkeit im wutbürgerlichen Volk Paroli zu bieten, indem er das Desinteresse der Grünen an Sportevents und auch ihre sonstige Neigung zur Unsportlichkeit beklagte und ihnen deshalb riet, sie möchten sich doch wenigstens am „Bickendorfer Büdchenlauf“ beteiligen. Der „Bickendorfer Büdchenlauf“ gilt schon deswegen als bodenständig, weil der Name suggiert, dass man hier von Büdchen zu Büdchen läuft: das sind Kioske, die man in der Ausschilderung etwas vornehmer auch als „Trinkhallen“ etikettiert, in Köln vulgo als „Bierbud“, und das bedeutet: der „Bickendorfer Büdchenlauf“ findet immer hart an der Bierflasche statt und ist somit eine wahlkampftaktische Herausforderung an die Grünen: denn wer von ihnen beim Zwischenstopp „Bionade“ trinkt statt Bier, der gilt als elitär und hat schon wieder von vorneherein die nächste Wahl versemmelt, wenn man dem Marketingpapst glauben darf.

Essen und Trinken mit Karl-Josef Bär:

Asiatischer Kaviarsalat à la Karl-Josef Bär

Roten Lachskaviar oder gelben Felchenkaviar sowie 1 Sardellenfilet mit Olivenöl, etwas Sesamöl, geriebenem weißen Rettich, Lauchzwiebeln vermengen, vorsichtig mit Chili, geriebenem Ingwer und Curry würzen, mit Zitrone, süßem japanischen Essig und Fischsauce abschmecken, vor dem Servieren mit frischen Minzblättern bestreuen.

Artischocken

Als Kulturpflanze sind Artischocken größer und ausdauernder als die wild wachsende Variante. Erste historische Erwähnungen finden sich in römischen Quellen, verbreitet ist sie von den Kanarischen Inseln über den gesamten Mittelmeerraum bis in den Iran. Nördlich der Alpen, d.h. in Frankreich und Großbritannien, kennt man Artischocken seit dem 15. Jh. durch Importe eines Händlers aus Florenz. Essbar sind nur die unteren fleischigen Teile der Blätter und die Blütenböden. Klassischerweise kocht man sie 20 bis 40 Minuten in Salzwasser mit etwas Zitronensaft. Man zupft die Blätter einzeln ab und tunkt sie zum Verzehr in einen Dip, das ist entweder eine Senf-Vinaigraite mit Essig, Senf, Schnittlauch, etwas Estragon und bei Bedarf auch Kapern, oder aber eine Sauce aus Joghurt, Creme fraiche/wahlweise auch Frischkäse, etwas Mayonnaise, Knoblauch, etwas Zitronensaft, Schnittlauch und/oder etwas frischen Dill.

Saltimbocca alla romana à la Karl-Josef Bär

Kleine Kalbsschnitzel salzt und pfeffert man. Beim Originalrezept belegt man sie mit rohem Schinken und Salbei, klappt sie dann zusammen und fixiert sie mit einem Zahnstocher. Herr Bär macht es sich etwas einfacher, denn er brät die Schnitzel flach in der Pfanne liegend von einer Seite an, wendet sie dann, beträufelt sie mit ein wenig Zitronensaft, belegt dann die obere Seite mit (Parma)-schinken oder auch nur einfachem Schinkenspeck und 1-2 frischen Salbeiblättern, würzt mit etwas Rosmarin un Knoblauch nach und löscht den Bratensud mit Weißwein ab. Dazu passen Rosmarinkartoffeln oder Zucchini-Gemüse und ein weißer Landwein aus Venetien, aus der Toscana oder Sizilien.

Kulturanthropologie mit Karl-Josef Bär

Heute: Ein Grußwort an die Rohkostanhänger

Das Rohe und das Gekochte sind ein zentrales Beispiel in der strukturalistischen Methode von Claude Lévy-Strauss, in binären Gegensatzpaaren die Struktur von rituellen Verhaltensmustern zu beschreiben. Was wir heute bei Computern an mathematischen binären Operationen mit „0“ und „1“ kennen, hat Lévy-Strauss schon anhand alter Mythen belegen können. Das Rohe ist und bleibt der Sphäre der Natur verhaftet; es ist das Wilde, das Vorgefundene, das Gesammelte (z.B. Pilze sammeln im Wald). Das Gekochte ist hingegen das kulturell Bearbeitete, also das kulturell Denaturierte; es wird mithin aus der Sphäre der Natur in die Sphäre der Zivilisation übernommen und durch Trocknen, Räuchern, Marinieren, Kochen oder Braten haltbar(er) und schmackhafter gemacht. Daniel Spoerri verdanke ich den Hinweis, dass in der Kunst mit dem Aufgreifen von Fundstücken / objet trouvés beim ready made Marcel Duchamps, in den Montagen der Dadaisten und der Surrealisten, aber auch bei den Künstlern des Nouveau Réalisme wie Arman, Daniel Spoerri etc. das Gefundene und das Gestaltete, mithin das künstlerisch Unbearbeitete, Rohe und als Gegenpol das plastisch Geformte bzw. kulturell Veränderte als ästhetisch gleichwertig anzusehen sind. Die Kochkunst fängt dann mit dem formgebenden Arrangement roher, natürlicher Speisen (z.B. Salatplatten) an und mit der physikalischen Veränderung der Nahrung durch Kochen. Der Gastrosoph Jean-Anthelme Brillat-Savarin beschreibt verschiedene Zwischenstadien zwischen dem Unbehandelten und dem Kultivierten: manche Obst- und Gemüsesorten verzehren wir frisch und jung, manche Früchte lieber reif, Fleisch muss hingegen gut abgehangen sein, damit es weich wird, und bei Wild schätzte man früher den Haut gout, der erst mit dem Beginn der Verwesung eintritt. In Asien kennt man eine Fischsauce aus verfaulten Krabben. Manches muss man sogar erst kochen, wie z.B. das Nachtschattengewächs Kartoffeln, das roh verzehrt erstens schwer verdaulich wäre und zweitens außerdem das Gift Solanin enthält, ein Schadstoff, der sich beim Kochen verflüchtigt, aber weil er nicht fettlöslich ist, beim Frittieren erhalten bleibt. Man müsste aber dann schon 3 kg rohe Kartoffeln oder pommes frites auf einmal essen, bis sich Vergiftungserscheinungen bemerkbar machen würden. Solanin enthalten auch unreife Tomaten und ältere Auberginensorten, die man früher züchtete (die heutigen im Supermarkt erhältlichen Sorten allerdings nicht mehr).

Copyright: Raap/Bär 2018 – alle Rechte vorbehalten

 

 

baer aktuell 239/240 und bild des monats

März 1st, 2018

Bild des Monats März 2018:

Jürgen Raap, „Fluch der Begabung“, Acryl/Öl auf Leinwand, 2018

Bär aktuell Nr. 239/240  – 22. März 2018

Auf den Hund gekommen war jüngst die SPD, wenn man im Zeitalter von Fake News ausnahmsweise doch mal glauben darf, was kürzlich in der BILD-Zeitung stand: deren Redaktion wollte herausfinden, wie leicht man SPD-Mitglied werden und dann über den Koalitionsvertrag mit abstimmen darf, und meldete den dreijährigen Hund „Lima“ als neues Parteimitglied an, der von der arglosen designierten Parteichefin Andrea Nahles dann auch auch prompt zu einer „Regionalkonferenz“ eingeladen wurde. Eigenartigerweise gab es dagegen diesmal keinen Protest von militanten Tierschützern. Obwohl es über ihn hieß, „der tut nix, der will nur spielen“, wurde der Hund aus der Partei inzwischen wieder ausgeschlossen, was auf den ersten Blick reichlich humorlos wirkt, aber die SPD hatte ja nie den Anspruch, eine Spaß-Partei zu sein, so wie die FDP, bei der man ein solches Neumitglied wohl mit den Worten begrüßt hätte: „Jedem Tierchen sein Pläsierchen“.

Nicht minder grotesk war die Musikauswahl bei den Olympischen Winterspielen, als beim Damen-Eishockeyspiel Korea gegen Schweden (0:8) ausgerechnet ein Hit des Ballermann-Barden Micky Krause mit dem Reim „Alles klar im BH“ ertönte, und zwar bei jedem der acht erzielten Tore. Wobei das Bemerkenswerte an Micky Krause ist, dass er in einem Interview bekundete, er wünsche sich, dass seine Kinder später mal nicht so werden wie er.

Über die 229 nordkoreanischen Cheerleader-Girls, die der nordkoreanische Diktator als „Armee der Schönen“ zu den Spielen entsandt hatte, lästerte unterdessen die „Hamburger Morgenpost“, sie könnten „wohl im Kölner Karneval mit den Traditionskorps konkurrieren“, während die „New York Times“ die zurecht gedrillten Nordkorea-Girls als eine „Mischung aus Stewardessen der 60er Jahre, den Cheerleadern der Dallas Cowboys und der Roten Armee“ beurteilte. Angesichts ihres etwas steifen Geschunkels verkniffen sich die WM-Organisatoren als musikalische Untermalung den Hit „Und dann die Hände zum Himmel, kommt lasst uns fröhlich sein“ und bevorzugten stattdessen lieber Micky Krauses Ode an das Frauenbild altbackener Kegelbrüder. Vielleicht kommt ja auch die SPD aus ihrem derzeitigen Umfragetief wieder heraus, wenn Andrea Nahles bei der Fußball-WM im Sommer in Russland als Tanzmariechen auftritt.

Dass die Algorhythmen in der virtuellen Welt des öfteren zu Fehlleistungen neigen, beweist eine Internet-Meldung bei n-tv über die Krebserkrankung des Schlagersängers Frank Zander, die eine Suchmaschine dann unter völliger Ignoranz jeglicher Logik und somit reichlich bescheuert mit dem Verweis auf ein Kochrezept für „Knusperzander“ bei „essen und trinken“ nebst der gleichfalls unpassenden Schlagwort-Anmerkung „und weitere Rezepte mit Petersilie, Zander“ kombiniert.

Gibt man hingegen „Nahles“ als Suchbegriff ein, fragt das Übersetzungs-Portal www.linguee.de allen Ernstes: „Meinten Sie Naples?“ So heißt Neapel auf englisch. Beharrt man jedoch eindringlich auf „Nahles“ und nicht auf „Neapel“, stößt man bei weiterem Surfen durch die Wirrungen des Internet auf eine Formulierung in der „ZEIT“, Andrea Nahles sei die „Oprah Winfrey aus der Vulkaneifel“, was Herr Bär als Vergleich allerdings für reichlich übertrieben hält. „Vulkaneifel“ trifft allerdings zu. Neapel hat übrigens auch einen Vulkan, und allmählich begreift Herr Bär, wie im Internet die Suchmaschinen eigentlich funktionieren.

Bärs Bestatterkritik Gelingt es, der beklagenswerten Ballermannisierung der Eventkutur zumindest in Köln mit einer Kuckelkornisierung Einhalt zu gebieten? Christoph Kuckelkorn ist in Personalunion Bestattungsunternehmer und Präsident des Festkomittees Kölner Karneval, was insofern sittengeschichtlich stimmig ist, weil der Totentanz, wie ihn in der Kunstgeschichte Hans Holbein dargestellt hat, sich aus den mittelalterlichen Fastnachtsspielen entwickelt hat. Aber das Kuckelkorn sich nun mit einem Eventmanager zusammen tat, um auf Kölns schlimmster städtebaulicher Sünde, nämlich der tristen Asphaltpiste der Nord-Süd-Fahrt, ein kilometerlanges Straßenfest zu veranstalten, das „neue Formen der Mobilität“ vorstellen sollte, mochte die Stadt Köln nicht genehmigen: das Konzept erwecke eher den Eindruck einer „Verkaufsmesse“, und das alarmierte Herrn Bär: Sollten da etwa an einem Werbestand nur Kuckelkornsche Eichenholzsärge angepriesen werden? Und von wegen „neue Formen der Mobilität“: wie ein Leichenzug nach wie vor vonstatten geht, hat der Krätzchensänger Jörg Weber anschaulich in den Liedzeilen zusammen gefasst: „Dä letzte Wagen es immer ne Kombi, un do liss hingen en dä Kiss, wat ene Driss…“ (Der letzte Wagen ist immer ein Kombi, und du liegst hinten in der Kisten, was für ein Scheiß…“)

Das digitale Zeitalter hat den Typus des „gescheiterten Intellektuellen“ hervorgebracht, den die Kunstzeitschrift „Monopol“ so definiert: er schaffe es nicht, Bücher zu schreiben und beschränke sich daher auf das Twittern. In der Tat hat das meiste, was Tag für Tag als mediales Gezwitscher von einfältigen Gemütern via Twitter oder Facebook hinausgezirpt wird, selten eine literarische Qualität. Und da in den snobistischen Kreisen des Kunstbetriebs die Bezeichnung „Instagram-Künstler“ als abwertend, ja, sogar als Schimpfwort gilt, sei somit jeder, der als ein anspruchsvoller Fotokünstler gefeiert werden will, davor gewarnt, irgendwelche verwackelten Selfies oder andere ästhetisch belanglose Knipsereien bei „Instagram“ etc. hochzuladen. Andernfalls kann sich der dilettierende Handynutzer dann als „gescheiterter Fotokünstler“ zum „gescheiterten Intellektuellen“ gesellen.

Wie ist die neue Große Koalition zu bewerten? Eine Staatsministerin für Digitales trägt den schönen Nachnamen Bär, und ob Dorothee Bär ihrem Nachnamen gerecht wird und das beachtliche Leistungsniveau ihrer Namensvettern Julius Bär (1857-1922, erfolgreicher Bankier), Artur Bruno Bär (1884-1972, erfolgreicher Illustrator und Grafiker) oder Karl Bär (1901-1946, erfolgreicher Grünlandforscher und in den 1930er Jahren Herausgeber der Zeitschrift „Futterbau und Gärfutterbereitung“) erreicht, bleibt abzuwarten. In einem Interview mit „ZDF-heute“ flötete Dorothee Bär jedenfalls schon mal gut gelaunt ins Mikrofon, sie betriebe die Digitalisierung „mit Leidenschaft“; und Horst Seehofer bescheinigte ihr, sie habe von der Digitalisierung mehr Ahnung als er selbst, was man im Falle Seehofers durchaus glauben darf. Der neue Gesundheitsminister Jens Spahn von der CDU hingegen erweckt bei Herrn Bär eher den Eindruck eines renten- und sozialpolitischen Geisterfahrers, und auch sonst wird es gewiss noch genügend Anlässe zur Verbreitung von Jens Spahn-Witzen in „bär aktuell“ geben.  Jedenfalls ist Spahn mit seinen 37 Jahren für einen Gesundheitsminsiter noch erheblich zu jung und zu unreif. Einer wie Bubi Jens kommt allerdings im Berliner Regierungsviertel mit dem HARTZ IV-Regelsatz von 416 Euro/Monat sehr gut aus, wenn er sich beim Sektempfang der Kassenärztlichen Vereinigung und ähnlichen Anlässen Abend für Abend für lau mit Lachshäppchen vollstopft – Lachs galt übrigens im Mittelalter als Arme-Leute-Essen. Anderntags beim Arbeitsessen mit der Kanzlerin in einem Nobelrestaurant übernimmt dann auch noch Mutti Merkel großzügig die Zeche und sagt gönnerhaft zum jungen Jens: „Nun lang mal kräftig zu, damit du mal groß und stark wirst“. Wollte man die Physiognomie von Jens Spahn beschreiben, könnte man dies mit einem Zitat aus den Philip Marlowe-Krimis von Raymond Chandler tun: „Der Kerl hatte ein Kinn wie eine Zigarrenkiste“. Doch das wäre heute politisch unkorrekt, da man in der Öffentlichkeit fast nirgendwo mehr rauchen darf.

Neue Rubrik: Kulturanthropologie mit Karl-Josef Bär

Heute: Auf ein Wort zur Fastenzeit

Tieropfer und Fastenopfer rekurrieren darauf, dass im biblischen Sinne „Fleisch“ den gesamtem Bereich des Irdischen und Leiblichen meint, es ist die Sphäre des Menschlichen schlechthin. Sigmund Freud beschreibt in seinem Text „Totem und Tabu“ (1912), dass das Tieropfer älter als der Ackerbau sei, und dass es ursprünglich ein Ritual der Geselligkeit gewesen sei, mithin ein Ritual der Kommunion, gemeinsam mit dem Gott (oder den Göttern) das geopferte Fleisch zu verzehren, während man hingegen Früchte als Opfergaben nur den Göttern darbot und als Mensch auf ihren Verzehr verzichtete. Was die katholische Theologie unter „Erbsünde im Fleisch“ versteht und daher das Fasten, d.h. den Fleischverzicht als „Eindämmung der Leidenschaft“ propagiert, deutet Freud als Aufforderung zur Triebregulierung und zum Triebverzicht. In seinem ersten Brief an die Korinther riet der Apostel Paulus seinen Adressaten dennoch, sie mögen bei einer Einladung zum Gastmahl das angebotene Fleisch durchaus ohne Bedenken verzehren, sofern sie das Fleisch tatsächlich „nur als Fleisch“ genössen und nicht etwa als Götzenopfer.

© Raap/Bär 2018

Essen und Trinken mit Karl-Josef Bär:

Hamburger Aalsuppe

Die Aalsuppe ist in Hamburg seit dem 18. Jh. bekannt und wird 1782 von Johann Georg Krünitz in seiner „Ökonomischen Enzyklopädie“ als Gericht für „gemeine Leute“ beschrieben. In ähnlicher Weise wird die „saure Suppe“ ohne Aal zubereitet. Die Hamburger Aalsuppe enthält portionierte Aalstücke, die mit etwas Essig in einer Fleischbrühe gekocht werden. Parallel dazu kocht man in einem separaten Topf ebenfalls in Fleischbrühe Backobst (Backpflaumen, -äpfel) und kippt das Ganze dann zusammen und bindet die Brühe mit Mehlschwitze, gibt Aalkraut hinzu, das man kurz mit aufkocht. Aalkraut ist eine variable Mischung aus Petersilie, Dill, Majoran, Thymian, Salbei, Bohnenkraut, Estragon und anderen Kräutern. In Holland nimmt man für die Aalsuppe kein Backobst, sondern nur Suppengrün als Einlage in die Fleischbrühe, und an Kräutern nur Kerbel und Sauerampfer und rührt zum Schluss ein Eigelb mit hinein.

Nierenschaschlik

Ist aus der deutschen Imbissgastronomie inzwischen nahezu verschwunden, gibt es gelegentlich aber noch auf Rummelplätzen. Nieren halbieren und das weiße Gewebe im Inneren abschneiden. Anschließend alles in Stücke/Würfel schneiden (wie Gulasch) schneiden und eine halbe Stunde lang in Milch einlegen, dann abspülen und trocken tupfen. Zusammen mit Speckscheiben und groben Zwiebelstücken, roten und grünen Paprikastücken auf einem Spieß aufreihen und in einer Pfanne mit Öl anbraten. Man kann die Zutaten aber auch ähnlich wie Gulasch einfach zusammen in einem Topf anbraten, Tomatenmark und Fleischbrühe zugeben, etwas Knobloch hineinpressen und ca. 45 Min. bei niedriger Flamme köcheln lassen. Mit Salz, Cayennepfeffer, etwas Curry und Paprikapulver abschmecken.

Rumänische Knoblauchsauce Mujdei

Die Vampirsagen in den rumänischen Volksmärchen enthalten den Hinweis, durch Knobloch könne man Vampire vertreiben. In Scheiben geschnittene Knoblauchzehen vermengt man mit Salz, Pfeffer, Öl, Zitronensaft oder etwas Chilischote. Diese Masse übergießt man mit heißem Wasser oder Fleischbrühe, damit dem Knoblauch die Bitterstoffe entzogen werden. Man kann auch mildere Paprikaschoten, Tomaten oder saure Sahne einrühren.

Soljanka

Ein Rezept aus der ländlichen Küche Russlands; die Suppe war auch in der DDR sehr verbreitet und man bekommt sie auch heute noch gelegentlich in der ostdeutschen Gastronomie. „Sol“ heißt Salz; daher der Name. Das Ursprungsrezept aus dem 18. Jh. ist als Fisch-Soljanka überliefert, später wurde es mit Fleisch und Tomaten, in neuerer Zeit auch mit Tomatenmark abgewandelt. Für den säuerlichen Geschmack verwendet man grundsätzlich keinen Essig, sondern die Lake (Marinade) eingelegter Gurken. Man brät Speck und Zwiebeln in Fett (Butter oder Schmalz an), gibt dann Weißkraut und anderes Gemüse hinzu, z.B. Möhren und Kartoffeln, Suppenfleisch vom Rind, manchmal auch Wurststücke (Fleischwurst, Krakauer oder Jagdwurst), Salz- oder Gewürzgurken. Man füllt das Ganze dann mit Fleischbrühe und Gurkenlake auf und lässt alles langsam köcheln. Abschmecken mit Salz, Pfeffer, frischem Dill, frischer Petersilie und saurer Sahne. Fakultativ kann man das Rezept auch um Tomatenmark, Knoblauch, Senf, und roten Gemüsepaprika sowie zum Würzen mit Paprikapulver ergänzen.

Thunfischsteak „Sürther Aue bei Hochwasser“

Möhren bissfest kochen, Kartoffeln separat kochen. Dann die Möhren in einer kleinen Pfanne in Butter schmoren lassen, etwas Honig, Knoblauch, japanischen Reisessig, geriebenes frisches Zitronengras hinzufügen, ca. 10 Min. ziehen lasen, mit Salz und Pfeffer abschmecken. Kartoffeln in kleine Stücke schneiden oder pürieren, frischen Koriander untermengen. Den Fisch salzen und pfeffern, in Mehl wälzen, mit Zitrone beträufeln und in Öl braten, ein paar Spritzer asiatische Fischsauce hinzufügen.

Flan

Der Begriff „Pudding“ stammt aus England, wo man im 18. Jh. Mehlspeisen (Teigklöße) ähnlich wie Serviettenknödel im heißen Wasserbad garte. Später bezeichnete man als „Pudding“ eine Schaummasse aus Butter, Eidotter, Zucker und manchmal auch Eischnee, ebenfalls im Wasserbad gegart. Heute versteht man darunter ein Dessert aus Puddingpulver oder Grieß, der in Milch aufgekocht wird. Während beim klassischen Pudding die Masse auf Mehlbasis nur im Wasserbad gegart wird, kocht man bei der „Flammerie“ die Zutaten auf; dazu verwendet man auch Polenta-Maismehl, Grütze (z.B. geschroteten Hafer oder anderes Getreide), Stärkemehl oder Sago-Verdickungsmittel aus der Sagopalme.

In Frankreich nennt man den Flan Crème Caramel und in Mexiko „Flan Napolitano“, und dazu verwendet man in Mexiko Frischkäse (Quark), Kondensmilch, Zucker und Vanilleextrakt. Diese Variante ist auch sonst überall in Lateinamerika verbreitet. Beim spanischen Flan verrührt man Eier und Zucker zu einer schaumigen Masse und anschließend mit heißer Milch, füllt sie in Portionsförmchen und lässt sie 60 Min. im Wasserbad garen, bis sie steif geworden ist. Geschmolzenen Zucker nennt man Karamell. Wenn man die Masse abkühlen lässt und aus den Förmchen stürzt, verflüssigt sich das Karamell wieder zu einer Sauce, während die Puddingmasse fest bleibt. Bei der Crème brulée vermischt man das Mark einer Vanilleschote mit süßer Sahne, Milch, erhitzt diese Masse vorsichtig, dann rührt man separat Eigelb mit Zucker zusammen, die man dann zu der Masse hinzugibt und lässt das Ganze bei mittlerer Hitze 8 Min. ziehen, verteilt dies dann auf Förmchen, die man in eine Auflaufform mit Wasser stellt und im Backofen ca. 40 Min. ausbackt und dann gründlich auskühlen lässt. Vor dem Servieren bestreut man die Förmchen mit Zucker, erhitzt sie im Backofen, bis der Zucker karmellisiert ist und lässt sie dann wieder abkühlen.

 

 

 

baer aktuell Nr. 238 und bild des monats

Februar 15th, 2018

 

Bild des Monats Februar 2018:

Jürgen Raap, Schild für Karnevalsumzug, 2018

Prinz Karneval beteiligt sich an Siglinde Kallnbachs Aktion „a performancelife“, 2018, Foto: Raap/Bär

Der Vorstand von „a performancelife e.V.“ bei der Nostalgiesitzung in der Kölner Flora, Jan. 2018, Foto: privat

Karnevalistischer Empfang der Bezirksvertretung Köln-Ehrenfeld („Sitzung en d’r Prummebud“) – Siglinde Kallnbach überreicht Bezirksbürgermeister Josef Wirges (links) und dem Kölner Dreigestirn ihre Unterschriftensammlung „a performancelife“ („Wir stehen zusammen für unseren Kölner Karneval“). Foto: Raap/Bär

 

Fußgruppe von “ a performancelife e.V.“ beim Ehrenfelder Dienstagszug, Köln-Ehrenfeld, 13.2. 2018, Fotos: Copyright a performancelife e.V. Köln

Bär aktuell Nr. 238       –   3. Feb 2018:

Witze aus dem Kölner Karneval:

Sagt die Oma zum Tünnes: „Hür ens, Tünnes, jetzt dürfen sugar zwei Männer ungereinander heirate. Ist dat nit widernatürlich?“ – Tünnes: „Enä, wiesu dat dann? Dinge Herzschrittmacher is doch och widernatürlich“.

Tünnes geht mit seiner Frau ins Kino. Fragt sie: „Sag ens, Tünnes, wie mache die dat, dat dat Licht em Saal immer janz langsam usjeht, wenn dä Film anfängk?“ – Tünnes: „Ich jläuv, die ziehen dä Stecker janz langsam eraus“.

Büttenredner: „Dä Trump lügt ja, wenn dä nur dä Mund aufmacht. Et heißt ja immer, Lügen haben kurze Beine. Dann hät dä Trump bestimmt Hornhaut am Sack…“ Unterbricht ihn der Sitzungspräsident: „Hör mal, solche Witze kannste hier im Kölner Karneval nicht erzählen! Dat jehört sich nit! Über Hornhaut macht man keine Witze“.

Der Martin Schulz hält seine Reden mit Bedacht. Manchmal ändert der seine Meinung schon im selben Satz“.

Bei dä Schöpfung hät da liebe Jott jeschlamp: missraten es dä Donald Trump“.

Dä Donald Trump es nit doof. Dä weiß nur nit vill“.

Wenn dat Angela Merkel mal ernsthaft krank wird, besteht die CSU darauf, dat die dann nach Bayern in et Krankenhaus kommt. Damit dä Seehofer Sterbehilfe leisten kann“.

Schäl: „Sag ens, Tünnes, dat Angela Merkel ist immer so schlecht jelaunt, mit den herabhängenden Mundwinkeln. Weißte, wie man die zum Lachen bringt?“  – Tünnes: „Stell se einfach op dä Kopp“.

© Raap/Bär 2018

Essen und Trinken mit Karl-Josef Bär:

Falscher Hase ist ein Hackbraten, der mit Rind- und Schweinehack, Speckstückchen, Zwiebeln, Ei, eingeweichten Brötchen oder Weißbrotstücken, Semmelbrösel oder Paniermehl zubereitet wird, gewürzt mit Salz, Pfeffer, Kümmel, Majoran, bei Bedarf auch ein wenig Knobloch. Man kann auch hartgekochte Eier, Pistazienkerne, Gewürzgurkenstückchen oder rote Gemüsepaprikastückchen in die Hackmasse einmengen. Gegart wird die Masse im Backofen. Man serviert ihn in Scheiben geschnitten. Oft bereitete man diesen Hackbraten früher zu Ostern nach dem Ende der Fastenzeit zu – da war die winterliche Jagdsaison beendet; es gab keinen echten Hasenbraten mehr, und in Anspielung an den Osterhasen musste man sich dann mit solch einem „falschen Hasen“ begnügen.

Pariser Erbsen Berühmt waren früher die Erbsen von den Feldern in Clamart bei Paris. Heute sind die Anbauflächen wesentlich kleiner, weil die Banlieus von Paris ziemlich zugebaut sind. Man nehme junge frische Pflückerbsen, die im Sommer im Handel sind, dünste sie mit Perlzwiebeln in Butter an, koche sie dann in ein wenig Wasser weich. Abschmecken mit Salz, Pfeffer, Muskatnuss, Petersilie, Kerbel – man richtet sie zusammen mit grünem Salat oder Ruccula als Garnitur an, manche Rezeptvarianten kennen auch ein wenig Speck oder Schinkenstreifen als Zutat. Pariser Erbsen passen gut als Beilage zu Chateaubriand und allen Gerichten mit Rinder-Steaks, Schnitzeln oder Koteletts vom Schwein oder Kalb.

Flageolets sind kleine grüne Bohnen (Phaseolus vulgaris), die es nur in französischen Supermärkten gibt und manchmal auch in Belgien, zumeist als Konservenware, in Deutschland auch bei „Edeka“. Sie passen als Beilage gut zu Lammgerichten, Rinderbraten, Wachteln oder Entenbraten. Man erhitzt sie, würzt sie mit Salz, Pfeffer, etwas Knoblauch und Petersilie, und wenn man will, auch mit einem Stängel getrocknetem Beifuß.

 

 

 

bär aktuell 236/237 und bild des monats

Januar 1st, 2018

Bild des Monats Januar 2018:

Jürgen Raap, Das vierte Pferd, Acryl/Öl auf Leinwand, 2017

Bär aktuell nr. 236  – 22. Januar 2018

Am 8. Februar 2018 wird im Berliner Zoo der „Pandabären-Oscar“ verliehen. Das vierjährige Panda-Weibchen Meng-Meng tritt in der Kategorie „Beliebtester Pandabär außerhalb Chinas“ an, und – wie der Berliner „Tagesspiegel“ meldet – Angela Merkel allen Ernstes in der Kategorie „Der Panda-Moment des Jahres“. Die Bundeskanzlerin war nämlich im vergangenen Sommer bei der Übergabe zweier Pandas durch die chinesische Regierung an den Berliner Zoo zugegen, doch es heißt, die beiden Pandas hätten bei diesem Festakt von ihr keinerlei Notiz genommen und sich stattdessen nur um ihr Bambus-Futter gekümmert. Das also soll der „Panda-Moment des Jahres“ gewesen sein? Herr Bär meldet jedenfalls Zweifel an der Seriosität der Preisverleihung an. Indes besteht kein Grund für die SPD, schadenfroh herum zu feixen, denn würde man Martin Schulz im Berliner Zoo vor das Panda-Gehege stellen, dann würde der Bär ihn ebenso ignorieren und nur genüsslich an seinem Bambus herumkauen. Falls allerdings Peter Altmeier oder Sigmar Gabriel vor dem Gehege auftauchen, bringt der Panda schnell sein Bambus in Sicherheit, denn beiden sieht jeder Panda-Bär aufgrund ihrer wohlgenährten Leibesfülle an, dass sie sich bei offiziellen Empfängen mit Ellbogengewalt robust am Büffet durch zu kämpfen verstehen, und wenn es bei der feierlichen Panda-Übergabe im Berliner Zoo Bambussprossen als Hauptgang gibt, können die Tiere sich nie sicher sein, ob insbesondere Sigmar Gabriel nicht auch bei ihrem Futter kräftig zulangt. Aus Sicht der Panda-Bären wäre das gewiss nicht der „Panda-Moment des Jahres“.

In der Parteizeitung „Mach et“ der Kölner Grünen war neulich nachzulesen, der Veganer an sich fühle sich dem Fleischesser moralisch überlegen, von wegen Tierschutz und so. Das ist wohl wahr, allerdings gibt der Autor seinen Lesern zu bedenken, zur moralischen Überheblichkeit bestünde kein Anlass, solange der Veganer zugleich Textilien trage, die in Billiglohnländern durch Kinderarbeit hergestellt würden. Im nächsten Satz stellt der Autor klar, es ginge ihm nicht darum, in der Parteizeitung der Grünen jetzt Leute anzuprangern, die sich kein T-Shirt für 30 Euro leisten könnten, sondern diejenigen, die durchaus 30 Euro für ein fair produziertes T-Shirt ausgeben könnten, dies aber nicht täten. Was im Umkehrschluss heißt: ein Fleischesser, der sich für 30 Euro ein T-Shirt und zudem sein Rindersteak im Bio-Laden kauft, darf sich dem Veganer moralisch überlegen fühlen (s. hierzu auch unten Herrn Bärs gastrohistorische Ausführungen zum „Schopska-Salat“).

Dass Christian Lindner inzwischen mit Neuwahlen liebäugelt, ist insofern eine grauenhafte Vorstellung, weil wir dann wieder Wahlkampfplakate mit Christian Lindner im Unterhemd ertragen müssen. Es sei in diesem Zusammenhang erwähnt, das laute einer Marketinganalyse die beliebteste deutsche Herrenunterhose den Markennamen „Karl-Heinz Feinripp“ trägt. Wahlkampfplakate mit Christian Lindner in Feinripp-Unterhose mögen uns erspart bleiben, deshalb: doch lieber wieder eine Große Koalition. Obwohl dann Mutti Merkel weiterhin die Hosen anhat. Aber wenigstens läuft der Schulz nicht im Unterhemd durch die Gegend, sondern im DB-Schaffner-Anzug.

Witz aus dem Bonner Karneval: „Der Schulz ist kein schlechter Politiker, der hat nur manchmal Pech beim Denken“ (Pause und Alich)

Aus dem Wörterbuch der Berliner Bürokratie: „Kotbeutelmitführpflicht“

Gutes Benehmen ist oft Glücksache, vor allem in der heutigen Zeit bei Anredefloskeln in der Computerwelt. Massenmails, deren Anrede lapidar „Herr/Frau Karl-Josef Bär“ lauten, pflegt Herr Bär jedenfalls sofort ungelesen zu löschen, weil sie ihm nämlich zu unpersönlich erscheinen und oftmals auch zu dubios sind. Denn bekanntlich verwendet die berüchtigte „Nigeria-Connection“ in ihren Mails auf englisch zumeist die einfache Anrede „Dear Sir/Madam“, und bisweilen erhält man von diesen Online-Betrügern auch Mails mit der unangemessen vertraulichen Anrede „My Dear“ oder schlicht und einfallslos nur mit „Good day“. Das ehrwürdige Bildungsbürgerblatt „Die ZEIT“ weiß hingegen zu berichten, dass es unter Bergsteigern freilich durchaus etwas salopper zugehen darf, zumindest wenn man die ersten 1.000 Meter gemeinsam geschafft hat, denn erst dann duzt man sich in der Seilschaft gegenseitig, vorher jedoch nicht. In ähnlicher Weise gilt in den vornehmen Golfclubs das „Tages-Du“ nur solange, bis man bei der gemeinsamen Partie zum Einputten an Loch 18 angelangt ist; denn anschließend wird sich an der Club-Bar wieder gegenseitig streng gesiezt. Nicht allzu kompliziert ist es, wenn man sich in Queer-Kreisen um die politisch korrekte Anrede bemüht: „Transfrauen spricht man mit «Frau» an, Transmänner mit «Herr», Transmenschen, die sich nicht als «Frau» oder «Mann» identifizieren, sogenannte Nicht-Binäre, sagen zumeist beim Vorstellen, wie sie angesprochen werden möchten. Übliche Varianten sind «Miko Müller» statt «Frau Müller»…“, heißt es in einem Szene-Ratgeber, und das kann man sich doch wirklich leicht merken. Das in jeder Hinsicht neutrale „Hallo“ sei ansonsten in diesen Kreisen ebenso angebracht wie woanders im E-Mail-Verkehr, wo man sich das förmliche „Sehr geehrter Herr Bär“ verkneifen könne und man stattdessen mit einem frohgemuten „Hallo Herr Bär“ den Mindestanforderungen in Sachen Höflichkeit gemeinhin genüge, heißt es in einem anderen Ratgeber. Und so schreibt die „Nigeria Connection“ den heutigen Sitten entsprechend: „Hallo Frau Bundeskanzlerin, liebe Angela, ich bin ein Vetter des Handelsministers von Nigeria und muss dringend eine größere Geldsumme heimlich ins Ausland schaffen. Dazu brauche ich Ihr Konto, verehrte Frau Merkel. Zehn Prozent der Summe dürfen Sie als Parteispende gerne behalten, aber schicken Sie die Spendenquittung bitte nicht ans nigerianische Handelsministerium, denn mein Vetter darf davon nichts wissen. Somit verbleibe ich wie immer und in Zukunft auch, Ihr stets ergebener Lumumba Schmitz.“ Frage: Woran erkennt man, dass es sich hier um einen Internet-Betrugsversuch handelt und der Text im übrigen gar nicht von der Nigeria Connection stammt?

© Raap/Bär 2018

 

Bildstrecke bär aktuell spezial:

Hochwasser in Köln, Januar 2018, Foto: Copyright S. Kallnbach

Alle Rechte vorbehalten

 

Essen und Trinken mit Karl-Josef Bär

Blätterteigpastete „Geißbockheim“

Man vermischt französischen Chèvre-Ziegenkäse mit grünen Pfefferkörnern, Kresse, kleinen Gurkenstücken und kleinen Chicoreestücken, etwas ausgepresstem Knobloch, Dill, Schnittlauch und Petersilie, füllt damit Blätterteigpasteten, lässt diese im Backofen bei mittlerer Hitze 20 Min. aufbacken und garniert sie oben vor dem Servieren mit Forellenkaviar.

Moules „Place St. Cathérine“

Seeschnecken im Sud, Austern und Muscheln kann man ganzjährig im Stadtzentrum von Bruxelles am Imbissstand an der Place St. Cathérine genießen, nur einen Häuserblock auf der Börse entfernt. Immer wenn Herr Bär in Europas Hauptstadt weilt, lässt er sich dort von der belgischen Küche inspirieren – und voilà, hier ist ein Rezept für einen Muscheltopf: man erhitze in einem großen Topf Knoblauchbutter, dünste Zwiebeln an, gebe ein paar Möhrenstücke, Scheiben vom Stangensellerie, ein Lorbeerblatt und etwas Thymian, grüne Pfefferkörner und Fischfond hinzu, koche das Ganze kurz auf, lasse dann Seeschnecken, Clam-Muscheln und Vongole-Muscheln darin ziehen, rühre zum Schluss etwas Crème fraiche ein, schmecke das Ganze mit Salz und Pfeffer ab und streue vor dem Servieren noch etwas frische Petersilie ein.

Pesce all‘ Aqua alla Civitavecchia

Die Hafenstadt Civitavecchia ist ca. 70 km von Rom entfernt und war schon in der Antike der Vorhafen von Rom. Aus dieser Region Latium stammt das Rezept Pesce alla aqua: Seebarsch oder Brasse wird geschuppt und gesäubert, gesalzen und gepfeffert, in Olivenöl kurz angebraten und dann in einem Sud aus Olivenöl und Wasser gedünstet, dem man Pfefferkörner, Pfefferschoten, Tomaten und Knoblauch und zum Schluss frische Petersilie zufügt.

Kohl-Bohnentopf „Fürst Wesseling“ à la Karl-Josef Bär

Einen Fürst von Wesseling hat es zwar nie gegeben, aber im Zeitalter von Fake News kann man Kochrezepte auch schon mal rein fiktiven Personen widmen. Dieser Kohl-Bohnentopf passt als Beilage hervorragend zu Gänsebrust oder Entenbrust mit geschmorten Zwiebeln und Apfelstücken. Getrocknete weiße Bohnen lässt man 24 Std. lang einweichen. Man raspelt Weißkohl, salzt und pfeffert ihn, presst etwas Knoblauch aus, fügt Apfelstücke hinzu, ein paar Scheiben Möhren, ein paar Walnussstücke, gibt etwas milden Weinessig oder Apfelessig hinzu, oder stattdessen auch japanischen Reisessig, 2 Wacholderbeeren, Kümmel, getrockneten Bärlauch, getrockneten oder frischen Majoran und ein paar kleine Chilistückchen, und lässt das Ganze dann mehrere Stunden lang ziehen. In einem Topf dünstet man Zwiebeln in Gänseschmalz an. Dann kocht man in dem Zwiebelsud den Kohl zusammen mit den Bohnen in einem Aufguss mit Gemüsefond weich, ergänzt dieses Gemüse noch um frische Tomaten und frischen roten Gemüsepaprika.

Schopska-Salat

Kein Traditionsrezept der Balkan-Küche, sondern dieses Rezept wurde erst 1956 in der kommunistischen Ära von Todor Schiwkow (1911-1998) in Bulgarien von der staatlichen Organisation „Balkantourist“ kreiert. Der Schopska-Salat besteht aus Tomaten, Gurken, rohem oder gebratenem Paprika, Zwiebeln, Petersilie, Salz, Zitronensaft oder Weinessig, Olivenöl und in Salzlake eingelegtem Schafskäse (griechisch: Feta). In Griechenland bekommt man ihn – erweitert um Oliven und manchmal auch Krautsalat – als „Bauernsalat“ oder „Hirtensalat“ angeboten. Auch der bulgarische Historiker Stefan Detchev hält den Schopska-Salat für eine Erfindung der erweiterten Gegenwart: Vom 15. bis zum 17. Jahrhundert habe es in Bulgarien nur Weißkohlkraut, Zwiebeln, Knoblauch und Rettiche als Gemüse gegeben. In einem bulgarischen Kochbuch aus dem Jahr 1870 taucht laut Detchev kein einziges Salat-Rezept auf, und noch um 1900 warnte Dimitar Apostolov bei der Abfassung einer Anleitung zur Hauswirtschaft vor übermäßigem Salatgenuss, da zu viel Öl und Essig der Verdauung abträglich seien. Erst in den 1930er Jahren, als man die Notwendigkeit der Vitaminaufnahme erkannte, haben Salatrezepte Eingang in die bulgarische Nationalküche gefunden, und erst nach 1930 baute man in Bulgarien auch in zunehmendem Maße Tomaten an.

Wiener Saftgulasch Beim Traditionsrezept verwendet man nur Fleisch vom Wadschinken – das ist die Wade des Rindes mit sehnigem, faserigem Muskelfleisch. Alternativ dazu kann man auch Fleisch von der Schulter nehmen. Dazu Zwiebeln, und zwar von der Menge her 20 Prozent weniger Zwiebeln als Fleisch. Beides brät man zusammen in Schweineschmalz an, gibt edelsüßes Paprikapulver, Tafelessig, Kümmel, Majoran, Knoblauch, Salz, Pfeffer hinzu und lässt das Ganze bei kleiner Flamme drei Stunden lang köcheln.

Fiakergulasch

Eine Variante des Wiener Saftgulasch, die man zusammen mit einem Würstchen, einem Spiegelei und eingelegter Essiggurke serviert.

Wiener Zigeunergulasch

Wiener Zigeunergulasch kann man auch mit gewürfeltem Schweinefleisch zubereiten, meistens nimmt man dazu aber Rindfleisch. Bei diesem Rezept fügt man zu den Zutaten wie beim Wiener Saftgulasch aber auch zusätzlich noch frische Tomaten oder solche aus der Dose und rote Paprikaschoten hinzu.

 

 

 

 

 

baer aktuell 234/235 und Bild des Monats

Dezember 2nd, 2017

Bild des Monats Dezember 2017:

Jürgen Raap, „Qui?“, Acryl/Öl auf Leinwand, 2017

 

Tristesse pur: U-Bahnstation Appellhofplatz Köln

Text und Fotos: Copyright Bär/Raap 2017

Bär aktuell 234     – 22. Nov. 2017/3. Dez. 2017

Beim Jahresessen der Deutsch-Japanischen Gesellschaft im Kölner „Daitokai“ hatte Herr Bär japanische Gäste aus Düsseldorf als Tischgenossen, die den Eindruck hatten, in Köln sei das Stadtbild schmutziger als in Düsseldorf. Da Herr Bär kein Lokalpatriot ist, der einer manchmal unerträglichen Kölschbesoffenheit verfallen ist, sondern ein Verfassungspatriot im Sinne des kölschen wie des deutschen Grundgesetzes, musste er um der Wahrheit willen zugeben, dass dies tatsächlich so ist, und dass die U-Bahnhaltestelle Appellhofplatz/Zeughausstraße unmittelbar vor dem „Daitokai“ so aussieht, als wollten die Kölner Verkehrsbetriebe KVB in der Tat den Eindruck erwecken, Köln sei die Dritte Welt des Rheinlands. Da hat nämlich ein Architekt in einem Anflug von minimalistischem Wahn, vielleicht auch aufgrund bornierter städtischer Sparpolitik, auf jegliche Deckenverkleidung verzichtet, so dass die Kabel unter der Decke frei herumhängen, und auch die Kachelung des Bahnsteigs ist an Tristesse kaum zu überbieten und zudem auch noch dermaßen verstaubt, so dass Herr Bär beim Warten auf die Bahn entrüstet ausrief: „He künnt och ens einer mem Lappen drüvver jon“. Dass auf jenem Bahnsteig das Hinweisschild für die nächste Bahn in orangefarbener Leuchtschrift „Kommt sofort“ anzeigt, das Eintrudeln der Bahn aber tatsächlich dann noch vier Minuten dauert, fällt dann nicht mehr weiter auf, und dies kann man den Gästen aus Düsseldorf als folkloristische Nonchalance erklären, aufgrund einer historisch bedingten Aversion gegen preußische Korrektheit nähme man es in Köln mit Zahlen- und Zeitangaben generell nicht so genau. Jedenfalls: in Bonn und in Düsseldorf haben sie die Gestaltung der U-Bahnhöfe optisch besser hingekriegt, während man beim Kölner U-Bahnhof Appellhofplatz/Zeughausstraße den Eindruck hat, der Architekt habe seinerzeit einen Baustoffhändler angerufen, der womöglich noch ein Vetter von ihm gewesen sein könnte, und diesen gefragt: „Pitter, häste noch paar ahle Kacheln übrig? Die kannste en d’r U-Bahn am Appellhofplatz an de Wand klävve“.

Bär aktuell Nr. 235  –     22. Dez. 2017

Deppen-Ranking über die größten und bizarrsten Fehlleistungen im Jahr 2017: Eigentlich gebührt Donald Trump Platz 1, aber der macht dieses Jahr nur außer Konkurrenz mit, denn sonst hätten die anderen doch überhaupt keine Chance. Sein nordkoreanischer Widersacher Kim jon-un führt stattdessen die Liste allein schon wegen seiner Scheiß-Frisur an, und dies stellvertretend für alle anderen Anhänger des modischen Undercut-Haarschnitts, die zu jung sind, als dass sie wissen könnten, dass nämlich solchermaßen ausrasierte Schläfen und Nacken typisch für den Kommisskopp der 1930er und 1940er Jahre waren, wie man auf alten Fotos sehen kann. Als überzeugter Anti-Militarist missbilligt Herr Bär solche Wehrmachtsfrisuren, und dies erst recht, wenn Raketen-Kim sie noch mit einem reichlich lächerlich wirkenden Bürzel auf dem Kopf kombiniert. – Torsten Albig, der sich selbst einmal als „arroganten Sack“ bezeichnet hat, vergeigte als Ministerpräsident von Schleswig-Holstein seine Wiederwahl fulminant mit der Bemerkung, er habe sich von seiner Gattin getrennt, weil er sich mit einer Hausfrau nicht mehr „auf Augenhöhe“ unterhalten konnte. Klar, dass im hohen Norden keine Hausfrau mehr Albig wählen mochte (Platz 2). – Über die Hausfrauen-Frisur von Teresa May kann man ja nicht großartig lästern, aber dass die britische Premierministerin ohne Not Neuwahlen ausrief und diese dann krachend verlor und sich sich mithin blöd verzockte, rechtfertigt Platz 3, und Mays Flop sollte allen zu denken geben, die in der Berliner Bundespolitik derzeit mit Neuwahlen liebäugeln. Auf Platz 4 finden wir den abgesetzten katalonischen Ministerpräsidenten Carles Putschdemon, der bis heute nicht begriffen hat, dass in Kontinentaleuropa außer einer Minderheit von ein paar egoistischen Nationalisten in Katalonien, Flandern, Korsika und Norditalien niemand landauf landab separatistische Abspaltungen will, was den EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker schon zu der Horrorvision umtrieb, die EU könne sonst „in einigen Jahren“ in „80“ (sic!) verschiedene kleine Regionalstaaten zerfallen und dann völlig handlungsunfähig sein, weshalb die Brüsseler EU-Politiker Putschdemon im Regen stehen ließen. Das andere politische Extrem verkörpert mit gewohnt gehöriger Realitätsferne Martin Schulz, der schon bis 2025 die Vereinigten Staaten von Europa gegründet haben will (Platz 5). Vielleicht hatte Hannelore Kraft doch nicht so unrecht, in ihrem NRW-Wahlkampf Martin Schulz lieber zu verstecken, die sich aber wegen ihrer peinlichen kommunikationstechnischen Herumeierei bezüglich der Kölner Silvesternacht 2015 redlich Platz 6 verdient hat. Reichlich durchgeknallt trat die dänische Künstlergruppe Toett – The Other Eye of The Tiger“ beim Berliner Nordwind-Festival im Kunstquartier Bethanien auf, indem sie dort ein „Museum der Märtyrer“ einrichtete und in ihrer Fotoinstallation völlig henebüchen den Bürgerrechtler Martin Luther King mit seinen Methoden des gewaltlosen Widerstands allen Ernstes als „Märtyrer“ auf dieselbe Stufe stellte wie den blindwütig-fanatischen Pariser „Bataclan“-Attentäter Ismaël Omar Mostefaï (Platz 7). Nicht minder intellektuell abgedreht gaben sich die Macher um den Konzeptkünstler Scott Holmquist mit ihrer Ausstellung in einem Berliner Bezirksmuseum, als sie dort reichlich blauäugig bekundeten, die Drogendealer im Görlitzer Park gingen „unerschrocken und tapfer“ ihrem Gewerbe nach (Platz 8). Wie man einen an sich guten Witz schlecht erzählt und dabei die Pointe gründlich versemmelt, bewies ohne jegliches Gespür für Dramaturgie ausgerechnet die Berliner Theatertruppe „Zentrum für politische Schönheit“, als sie in Bornhagen/Thüringen eine Nachbildung des Berliner Holocaust-Mahnmals auf dem Nachbargrundstück des AfD-Politikers Björn Höcke errichtete. Das hätte ja durchaus eine pfiffige Kunstaktion werden können, wenn die Aktivisten das Ganze dann nicht gründlich übertrieben und zu einer fürchterlichen Schmierenkomödie hin überzogen hätten: dass sie nämlich bei Strafandrohung flugs zurückruderten und recht kleinlaut einräumten, ihre Behauptung, Höcke seit Monaten mit nachrichtendienstlichen Methoden zu beobachten, sei nur ein Fake gewesen, ist letztlich ziemlich peinlich, und dass sie anschließend auch noch weismachen wollten, die DNA Höckes labortechnisch untersucht zu haben, ist dann einfach nur noch albern (Platz 9). Platz 10 ist für den trotzigen „Ich bin nicht pleite“-Boris Becker reserviert, der im Umgang mit Geld bei größeren Summen – vornehm ausgedrückt – leicht überfordert wirkt. Auf Platz 11 folgt der Reporter des Bildungsbürger-Blattes „Die ZEIT“, der in seinem Bericht über das Abschiedsspiel des Fußballers Lukas Podolski die Kölner Karnevals-Combo „Klüngelköpp“ versehentlich als „Pimmelköpp“ bezeichnete. Ist das ein Freudscher Versprecher oder was soll das? Platz 12 gebührt den keineswegs flaggensicheren Erdogan-Fans, die nach der Ausweisung der türkischen Familienministerin aus den Niederlanden vor lauter Wut eine Holland-Fahne verbrennen wollten, dies jedoch irrtümlich mit der ebenfalls blau-weiß-rot gestreiften Frankreich-Nationalflagge unternahmen. Man kann als Ministerpräsident heikle Passagen in einer Rede von Fachleuten oder Juristen im eigenen Haus gegenlesen lassen, ob das sachlich falsch oder rechtlich bedenklich ist, aber man fragt nicht den Fuchs, ob der Hühnerstall gut abgeschlossen ist. Dass der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil sich seine Regierungserklärung vor dem Landtag vorab vom VW-Konzern weichspülen ließ, bestärkt nur die Kritiker, die Politiker immer schon für willfährige Schranzen und Büttel von Wirtschaft und Industrie hielten (Platz 13). Platz 14 nehmen kollektiv alle Wildpinkler, Frauengrabscher, Straßenschläger und Komasäufer im rheinischen Straßenkarneval ein, der leider an einigen zentralen Orten immer mehr in eine übergriffige dämliche Ballermannisierung abdriftet, die der echte Fastelovendsjeck lieber meidet. In diesem Sinne, frohe Weihnacht überall, bald ist wieder Karneval. Alles Gute für 2018.

© Raap/Bär 2017

Essen und Trinken mit Herrn Bär

Fruchtgrütze „Ramses“

In wenig Wasser und mit einem Klacks Butter klein geschnittene frische Feigen, Blaubeeren, Brombeeren und Johannisbeeren oder Cranberrys mit ein paar Sternanisstückchen und grünen Pfefferkörnern weich kochen, etwas frischen Ingwer hineinreiben, bei Bedarf ein paar Tropfen Rumaroma oder Likörwein hinzugeben, kalt werden lassen und mit frischer Minze garnieren.

Soleier

Sud aus Wasser, Salz (60 gr auf 1 Liter), Piment- und Pfefferkörnern, Lorbeerblatt etwas Kümmel und Zwiebelschalen aufkochen. Schale von hartgekochten Eiern etwas anschlagen und in ein großes Glas geben, heißen Sud darüber kippen, bis die Eier vollständig bedeckt sind. Abkühlen lassen und im Kühlschrank 2-3 Tage ziehen lassen. Zum Verzehr Eier pellen und halbieren, Dotter vorsichtig herauslösen. In die Mulde Öl, Essig und Pfeffer geben, Dotter wieder aufsetzen und Senf dazu geben. Wurde früher in Kneipen oft als Bierhappen angeboten.

Schweinerouladen „Székesfehérvár“

Schweinerouladen von beiden Seiten salzen und pfeffern, die Innenseiten mit ausgedrückten Knoblauchzehen, etwas Senf und Paprikamousse/Paprikapaste einreiben, Speckscheiben darauf verteilen, Gewürzgurken, Zwiebeln und Streifen von rotem undd grün-gelbem Spitzpaprika, zusammenrollen und mit Holzspickern die Rouladen zumachen. Öl und Schmalz in einer Pfanne erhitzen, die Rouladen von allen Seiten anbraten, Zwiebeln andünsten, weitere Streifen von Gemüsepaprika und klein gewürfelte frische Tomaten hinzufügen, ein Lorbeerblatt, ein Stängel Thymian, 1 Wachholderbeere, 1 Nelke, etwas Kümmel, und noch ein paar Pfefferkörner, dann mit Fleischbrühe/Fleischfond aufgießen und die Rouladen köcheln lassen, bis sie weich sind. Sauce dann mit Rosenpaprika abschmecken. Man kann die Sauce dann noch mit creme fraiche oder Frischkäse verfeinern. Dazu passt Sauerkraut auf ungarische Art, das man separat zubereitet in einem Topf mit Öl und Schmalz, in dem man Zwiebeln andünstet, gepressten Knoblauch, rote gewürfelte Paprikaschoten, Speckstückchen, Gemüsebrühe und Sauerkraut hinzugibt, sowie 1 Wacholderbeere, etwas Kümmel, Paprikapaste oder Tomatenmark, Salz und Pfeffer, das Ganze lässt man dann 40 Min. köcheln und würzt es mit Rosenpaprika.

Karpfen blau

Als Weihnachts- oder Silvesteressen sind Karpfen vor allem in Franken sehr beliebt. Für einen ganzen Karpfen benötigt man einen Topf mit ca. 2 l Wasser, in welchem man einen Schuss Apfelessig, Zwiebeln, 1 ausgepresste Knoblauchzehe, 1 klein gehackte Möhre, 2-3 Lorbeerblätter, 2-3 Wacholderbeeren, Nelken, frischen Fenchel, etwas Chili (vorsichtig dosierte klein gehackte Schoten oder Pulver), 3-4 Zitronenscheiben, frischen Koriander, ein paar kleine Stücke frischen Sellerie, Senf, Senfkörner, grüne und schwarze, Pfefferkörner, frische Petersilie, ein wenig Beifuß und Salz aufkocht. Den Karpfen dann in dem heißen Wasser 30-35 Min. ziehen lassen (nicht kochen!).

Karpfen auf jüdische Art

Dieses Rezept gehört heute bzu den klassischen Standards der polnischen Küche. Die Karpfenzucht wurde von Juden in Osteuropa Ende des 16./Anfang des 17. Jh. eingeführt. Der Fisch muss gesäubert und entgrätet sein. Fischköpfe, Schwanzteile und Flossen in Wasser mit Petersilienwurzeln, Zwiebeln, Möhren- und Selleriestücken sowie Pfefferkörnern 45 Minuten lang kochen. Die zerkochten Fischteile aus dem Sud herausnehmen. Dann portionierte Karpfenstücke oder den restlichen ganzen Karpfen salzen und pfeffern und in dem Sud mit Ingwer, Essig oder Zitronensaft und Rosinen dünsten lassen, nach 15 Minuten auch geschälte Mandeln hinzugeben. Den Sud kann man als Sauce vor dem Servieren mit Eidotter abbinden.

bär aktuell 233 und Bild des Monats

November 1st, 2017

Bild des Monats November 2017:

Jürgen Raap, Rhönlandschaft, Aquarell, 2017

Bär aktuell N. 333 – 3. Nov. 2017

Bundeswahlleiter bestätigt Gründung einer Blauen Partei“ hieß es kürzlich in der bildungsbürgerlichen „ZEIT“, und als Parteigründerin wird Frauke Petry genannt, was Herrn Bär nun doch ein wenig irritierte und ihn vermuten ließ, es könnte sich dabei womöglich um eine Schnapsidee handeln, und dies auch noch passend zum Sessionsbeginn am 11.11. Eine „Blaue Partei“ gab es nämlich schon einmal, nämlich im Kölner Karneval, wo der Büttenredner Toni Geller (1924-2012) bis 1995 regelmäßig als „Führer der Blauen Partei“ auftrat und seine Vorträge immer mit dem Gag eröffnete: „Wollen Se lieber lachen oder soll ich über Politik reden? Beides zusammen geht nicht“. Dann erzählte der Parteiführer weitschweifig, wie der jüngste Parteitag seiner Blauen im Spirituosen-Mekka Steinhagen/Westfalen ablief, inklusive einer alkoholischen „Schluckimpfung“ und einem „EKG“ mit „Enzian Korn Gin“. Auf den Wahlplakaten der anderen gäbe es hingegen ja immer nur „viele Gesichter zu sehen, aber wenig Köpfe“… Nun ja, der rheinische Karnevals-Humor der 1960er und 1970er Jahre war schon reichlich bräsig gewesen, und selbst politische Büttenredner leisteten sich auf einer gutbürgerlichen Prunksitzung selten wirklich ätzende satirische Schärfe, die erst mit dem alternativen Karneval der „Stunksitzung“ aufkam. Aber dass in unseren Tagen eine alternative Karnevalssitzung mit der blauen Frauke Petry in der Bütt lustig ist, möchte Herr Bär nun doch arg bezweifeln.

Die SPD wolle „jünger und weiblicher“ werden, hatte es geheißen. Doch dann hatten wieder nur die alten Säcke im neuen Bundestag die einträglichen Funktionärsposten unter sich aufgeteilt. In Köln nennt man das „betreutes Klüngeln“. Einem Parteimitglied, dass sich ob seiner Umtriebigkeit keineswegs als „alter Sack“ fühlt, nämlich Altbundeskanzler Gerhard Schröder, verdanken wir den Hinweis, wie es bei den Merkels im Schlafzimmer aussieht: die Grünen seien „die Bettvorleger Merkels“, so Schröder, und man fragt sich erstens, woher der Schröder das weiß, und zweitens wie oft Mutti Merkel wohl mit dem Teppichklopfer ihren Bettvorlegern zu Leibe rückt, aber vielleicht hilft ja bei den Merkels auch der Herr Merkel mal im Haushalt mit (der eigentlich Prof. Joachim Sauer heißt) und geht wenigstens mit dem Staubsauger ab und zu mal über die grünen Bettvorleger.

© Raap/Bäer 2017

Bär aktuell spezial – 22. Nov. 2017
Novemberblues Was für ein grauenhafter Sonntag, diesig, grau, trüb, nasskalt, früh dunkel. Erst der alberne „Tatort“ aus Münster mit einem Drehbuch, dessen Verfasser mit seiner völlig unrealistischen und überzogen klischeehaften Darstellung von Künstlern und Ausstellungskuratoren völlig versagt hatte – der Mann war wahrscheinlich noch nie in seinem Leben in einem Künstleratelier gewesen, und so hätte er von diesem Drehbuch lieber die Finger lassen sollen. Dann – nicht minder klischeehaft und gleichermaßen albern in der Verkörperung des juvenilen Start up-Politikers –  tritt Christian Lindner blattablesend vor die Kameras und verkündet das Ende der „Jamaika“-Balgereien im Sandkasten der Bundespolitik. Lindner wirkte an diesem Abend ein wenig wie ein Beaujolais primeur, ein zu junger Wein, zu unausgegoren und daher in seiner proktologischen Wirkung so ungestüm, dass er gehörig auf die Verdauung schlägt, wenn man auch nur ein Glas zuviel davon trinkt. In der „Phoenix“-Runde thronte derweil Mutti Merkel mit einem lemurenhaftem Gesichtsausdruck und damit irgendwie entrückt und völlig unbeteiligt wirkend über dem Desaster der gescheiterten Sondierungsgespräche zur Bildung einer Regierungskoalition, und Herr Bär ahnte, dass die schildkrötenhafte Unbeweglichkeit von Mutti Merkel und das gleichzeitig allzu forsche „Vin primeur“-Gehabe von Christian Lindner einer der Gründe für die massiven „kulturellen Unterschiede“ zwischen den Protagonisten dieses politischen Kasperletheaters gewesen sein mögen, von denen in den Kommentaren „politischer Beobachter“ immer die Rede war, noch mehr aber die Unvereinbarkeit zwischen Macht und Moral in der Politik, auf die seinerzeit bekanntlich schon Egon Bahr hingewiesen hatte. Jene Unvereinbarkeit zwischen macchiavellistischer Machttechnik, vulgo auch „Sachzwänge“ und „Realpolitik“ genannt, und jenem Utopismus, über den schon Helmut Schmidt lästerte, wer Visionen habe, der möge zum Augenarzt gehen. Diese Unvereinbarkeit begreifen zwar einige der Grünen allmählich, nach wie vor aber nicht deren hypermoralisch-naive Parteibasis, die wahrscheinlich anschließend sowieso abgelehnt hätte, was Kathrin Göring-Eckart mit ihrer antrainierten pastoralen Sanftmut und ihre grünen Mitunterhändler „bis an die Schmerzgrenze“ beim Herumbalgen um die Förmchen im Regierungssandkasten Lindner, Seehofer und den anderen herum krähenden „Jamaika“-Blagen zugestanden hätten. Der Bundespräsident, der nun nacheinander die Parteioberen ins Gebet nimmt, vermeidet in seinen Appellen an die staatsbürgerliche Verantwortung das geflügelte Wort von den „vaterlandslosen Gesellen“, mit dem einst Kaiser Wilhelm II. die Sozialdemokraten bedachte, und das kürzlich Wolfgang Thierse wieder aufgriff als Ausdruck für diejenigen, die (z.B. als Unternehmen) nur den eigenen materiellen (hier: den politischen) Vorteil, nicht aber das Gemeinwohl im Auge haben. Ob es nun Neuwahlen gibt, oder ob man lieber davor zurück scheut, hängt nun in erster Linie vom Kalkül der Hinterbänkler-Karrieristen ab, die bei einem anderen Wahlausgang als zuletzt im September 2017 um ihre Mandate und damit um ihre Pfründe im Parlament fürchten müssen. Und es hängt auch von dem Dilemma ab, dass für eine Spitzenkandidatur weder die Union zu Mutti Merkel noch die SPD zu St. Martin Schulz derzeit sehr schnell eine personelle Alternative mit besserer Überzeugungskraft, d.h. mit dem nötigen Charisma, aus dem Hut zaubern könnten. Dass bei vorgezogenen Neuwahlen die jetzt genüsslich herum feixende nationalistische AfD aller Voraussicht nach noch stärker würde, kann sich im demokratischen Lager der „vaterlandslosen Gesellen“ freilich nun wirklich niemand ernsthaft wünschen.
© Raap/Bär 2017

Essen und Trinken mit Karl-Josef Bär

Marinade für Hirschbraten
Marinaden machen das Fleisch gerade von älteren Tieren zarter. Man nehme 1 Zwiebel, 1-2 Knoblauchzehen, 6-8 Nelken, 4-5 Wacholderbeeren, ein paar schwarze Pfefferkörner, 1 Lorbeerblatt, 1 Möhre, ein paar getrocknete Pfifferlinge, einen Strang Rosmarin, ein kl. Strang Thymian, ein Schuss Rotwein, etwas Worcestershiresauce, ein bisschen Essig, 1/8 l Wasser und lasse das Fleisch über Nacht darin ziehen. In der Pfanne mit Speck von allen Seiten kurz anbraten und dann im Backofen in der Marinade garen, gegebenfalls mit Wasser auffüllen. Sauce zum Schluss mit Creme fraiche abbinden.

Morcheln à la Rouennaise

Eine lokale Spezialität aus der Stadt Rouen (Normandie) sind Morcheln nach diesem Rezept, ein Speisepilz der biologischen Art Schlauchpilze, die bevorzugt auf kalkhaltigen Böden wachsen. Die Fruchtungszeit dauert von April bis Juni; in der Saison werden sie frisch gehandelt, ansonsten ganzjährig getrocknet angeboten. Man schneidet den Stil ab sie in Scheiben, wäscht sie, lässt sie dann ca. 30 Min. in Essigwasser ziehen und anschließend noch eine Weile in klarem Wasser, das man immer wieder auffrischt. Dann zerteilt man sie der Länge nach, gibt sie in eine Casserole mit Salzwasser und lässt sie 3-4 Min. lang kochen. Man erhitzt Butter in einer Pfanne, dünstet die Morcheln darin fünf Minuten lang an, gibt dann Crème fraiche und etwas frische Petersilie hinzu, lässt das Ganze noch ca. 15 Min. lang ziehen und schmeckt es mit Pfeffer (sehr vorsichtig dosieren, um den Eigengeschmack nicht zu übertünchen) und mit ein paar Spritzern Zitronensaft ab.

Poulet au blanc

Aus dem Hähnchen Innereien entfernen, das Fleisch abwaschen, trocknen lassen, salzen, pfeffern und mit etwas Zitronensaft einreiben. In einer Kokotte Butter erhitzen, Zwiebeln kurz andünsten, etwas Mehl einrühren und mit Wasser oder Geflügelfond auffüllen. Das Hähnchen ganz oder zerteilt hineingeben, alle Fleischteile müssen vom Sud bedeckt sein. Weitere frische Zwiebeln, ein paar kleine Würfel Knollensellerie und Karotten hinzufügen sowie 1 Eigelb, kurz aufkochen, dann ein Bouquet garni hinzugeben (Kräutersträußchen mit Petersilie, Thymian, 1 Lorbeerblatt, etwas Majoran), 1 gepresste Knoblauchzehe, etwas geriebene Muskatnuss, ein Schuss Weißwein und dann langsam anderthalb Stunden köcheln lassen. Eine halbe Stunde vor dem Servieren noch frische Champignons in Scheiben hinzufügen.