baer aktuell 306 – 22. Dez. 2021

Dezember 3rd, 2021

Bild des Monats Dezember 2021:

Jürgen Raap, „Die bürgerliche Revolution“, Acryl und Öl auf Leinwand, 2021

Bär aktuell 306 – 3. Dez. 2021

Neue Geschäftsidee: eine Karl-Josef-Bär-Edition mit Olaf Scholz-Sammelbildern

Olaf Scholz-Sammelbild No.1
Olaf Scholz-Sammelbild No. 2
Olaf Scholz-Sammelbild No. 3
Olaf Scholz Sammelbild No. 4

Sozialdemokraten! Was ist mit Euch los? Keiner von Euch will bisher eines der wertvollen Olaf Scholz-Sammelbilder von Herrn Bär über dem Bett hängen haben? Wenn das Euer Genosse Olaf wüsste! Ein Bestellformular bei Herrn Bär via E-Mail anzufordern überfordert doch keinen von Euch! Zugegebenermaßen: Für den Preis eines Olaf Scholz-Sammelbildes könnten Sie sich bei ebay ja auch drei Zentner fast neuwertige, aber ungekühlte Eiswürfel ersteigern, wenn Sie doof genug dazu sind. Und wenn Sie jetzt nicht ein Olaf Scholz-Sammelbild bestellen, erzählt Herr Bär überall herum, wie doof Sie sind.

Noch im September 2021 gelangte der Körpersprachen-Experte Stefan Verra zu der Einsicht, der stets etwas steif wirkende Olaf Scholz vermittle „leichte Arroganz und Desinteresse, vor allem aber Ruhe und Gelassenheit“. Doch dann musste sich Verra im November 2021 ein wenig korrigieren, denn Scholz posiere bei öffentlichen Auftritten nunmehr des öfteren in Trump-Manier „mit ausgestreckter Hand“, was ihm womöglich ein paar Spindoktor-Deppen eingeredet haben mochten, damit er ein wenig dynamischer wirke, was Experte Verra indessen mit einem „vernichtenden Urteil“ bedacht haben soll, wie von diversen Medien zitiert wird. Zugleich hat Stefan Verra jedoch auch Tröstliches zu bieten: „Leithammel sind auch nur Menschen“.

Karl Lauterbach war noch rechtzeitig beim Friseur meldete der Berliner „Tagesspiegel“, als er zum neuen Bundesgesundheitsminister ausgerufen wurde. Aber wo: In der „Haargalerie Lauterbach“ in Lauterbach/Bergkirchen oder beim „Friseurteam by Laura“ in Lauterbach/Hessen, wo auch „Haare in Rosé“ angeboten werden? Schließlich hatte er aus Imagegründen eine figarotechnische Korrektur bitter nötig, hatte doch kürzlich die „Stuttgarter Zeitung“ über Karl Lauterbachs Haarpracht moniert: „Seine stets strähnig wirkenden dünnen Haare lassen ihn als den ewigen Oberprimaner-Streber erscheinen, der immer alles besser weiß“.

Jeglicher Form von Rassismus entgegen treten zu wollen, wird selbstverständlich auch von „bär aktuell“ unterstützt. Doch wo manche „Woke“-Eiferer skurill anmutender Verstiegenheit oder gar der Hysterie anheimfallen, ist Kopfschütteln angebracht, so über das Berliner Staatsballett, das Tschaikowskys „Nussknacker-Ballett“ in diesem Winter nicht in einer Rekonstruktion der Originalfassung von 1892 aufführen wollte, da z.B. „der chinesische Tanz… Stereotypen mit kleinen Trippelschrittchen“ zeige: „Das wurde in der Zeit, in der die Choreografie entstanden ist, nicht kritisch hinterfragt“, erklärte die kommissarische Staatsballett-Chefin Christiane Theobald resolut gegenüber der BILD-Zeitung. Hätte man eine solch „kritische Hinterfragung“ damals vom Komponisten Tschaikowsky und den Choreografen, die das Ballett-Stück 1892 inszenierten, allen Ernstes verlangen können oder gar müssen? Und hätte man von den Menschen, die z.B. im Jahre 822 oder 922 n. Chr. lebten, verlangen können, „kritisch zu hinterfragen“, dass die Erde keine Scheibe sei? Schmälert die damalige Weltsicht den kunsthistorischen Wert der karolingischen Buchmalerei? Die Mönche des frühen Mittelalters wussten es damals halt nicht besser, und und über das China-Bild des Komponisten Tschaikowsky im 19. Jh. beschwerte sich bislang noch kein Chinese, wohl aber eine zu Übereifer neigende Berliner Ballett-Chefin. Sollte man daher nicht lieber attestieren, dass alle historischen Stücke der Weltliteratur, der Weltkunst und der Weltmusik aus ihrem jeweiligen Zeitgeist und den damals herrschenden gesellschaftlichen Rahmenbedingungen heraus entstanden und in ihrer Urfassung nun mal so hinzunehmen sind, auch wenn dieser Zeitgeist heute bisweilen längst obsolet geworden sein mag? Über die Absetzung der „Nussknacker“-Aufführung und damit auch über eine gewisse Arroganz des Staatsballetts entrüstete sich jedenfalls zu Recht Wiebke Küster in einem Kommentar für die „FAZ“, denn es hieße in einem Podcast, das Publikum sei „noch nicht so weit, richtig zu verstehen, was es auf der Bühne sieht. Richtig verstehen? Für wie dämlich oder selbst rassistisch hält die Tanzwissenschaft das Tanzpublikum?“ Was wird demnächst noch zensierend aus dem klassischen Repertoire gekippt? Bereits 2006 wurde nämlich die Mozart-Oper «Idomeneo» in einer Inszenierung von Hans Neuenfels vom Spielplan der Deutschen Oper in Berlin gestrichen, weil in der Schlussszene „Idomeneo die abgetrennten Köpfe von Poseidon, Jesus, Buddha und Mohammed auf die Bühne“ trägt. Die Absetzung aus Angst vor den Protesten von Fanatikern empfand damals laut „mnz“ auch Angela Merkel als „unerträglich“. Herr Bär, dessen Prägung als Künstler in der liberal-emanzipatorischen „Alles ist möglich“-Aufbruchstimmung der 1970er und 1980er Jahre erfolgte, hätte sich damals kaum vorstellen können, dass man im Jahre 2021 oder 2022 erneut gegenüber einem Gesinnungsmuckertum mit autoritären Umerziehungstendenzen für die Freiheit der Kunst eintreten muss.

Copyright Bär/Raap 2021

Verbaerbockt oder auch nicht In unseren liberalen Demokratien ist es ein fairer Brauch, einer neuen Regierung erst einmal eine 100-Tage-Schonfrist einzuräumen, bevor die Opposition und andere Kritiker auf sie verbal draufhauen. Bei Annalena Baerbock als neue Außenministerin preschte indes der „Focus“ mit einem vergifteten Lob vor, von ihrem „bulligen Versprechen… die Außenpolitik nun endlich zu moralisieren“, sei schon „nach den ersten paar Tagen im Chefdiplomatenamt nicht viel übrig geblieben“. „Leisetretend“ gäbe sie nämlich der „Diplomatie den Vorrang über die Moral“, was manche quäkerhaft hartleibigen Öko-Puritaner im grün-alternativen Lager, die schon herummeckerten, dass Baerbock mittels Kurzstreckenflug in Paris anreiste, in ihrer Ansicht bestätigte, dass eine Partizipation an der Macht nun mal generell korrumpiere. Nun ja: Ministerkollege Cem Özdemir holte sich zwar öko-ideologiekonform und medienwirksam mit dem Fahrrad seine Ernennungsurkunde beim Bundespräsidenten ab, aber hätte man von Annalena Baerbock allen Ernstes erwarten können, mitten im Winter mit dem Klapprad von Berlin nach Paris zu strampeln? In einem Chat auf „meta.tagesschau.de“ verstieg sich ein gewisser „Schabernack“ gar zu dem äusserst abwegigen Hinweis, Paris und Brüssel seien „doch bequem mit dem Zug zu erreichen…“, da sollten sich Scholz und Baerbock „mal lieber ein Beispiel an Kim Jong Un nehmen…“ Hm, hm. Ist dieser Diktator mit der sagenhaft verhunzten Frisur wirklich schon mal von Nordkorea aus nach Paris mit dem Zug gereist, oder mit dem Fahrrad und nicht mit einer protzigen Lincoln-Stretch-Limousine? Wobei Herr Bär im übrigen bei uns in Deutschland einer Abschaffung der nicht mehr zeitgemäßen steuerlichen Bevorzugung eines Dienstwagenprivilegs durchaus Beifall zollen würde. Der „Merkur“ bangte unterdessen, China sei „wichtigster Markt für deutsche Autobauer VW, Daimler und BMW – wie agiert Baerbock?“ Im Sinne einer grünen Außenhandelspolitik statt Autos Fahrräder nach China importieren zu wollen, hieße wohl Eulen nach Athen tragen oder Zwiebeln nach Pforzheim – und das sagt ausgerechnet Herr Bär als leidenschaftlicher Radfahrer. Neue Geschäftsidee von Herrn Bär für ein Radrennen in Berlin mit einer erfolgreichen Vermarktung von Werbeflächen an der Rennstrecke: Die „Cem Özdemir-Rundfahrt“ zwischen Reichstag, Parteizentrale der Grünen, Schloss Bellevue und zurück. Zu gewinnen gibt es als Trophäe zwei vergoldete Fahrradhosen-Klammern „Cem“ von einem namhaften Start up-Designer „mit Reflektor in neon-grün“. Copyright Bär/Raap 2021

Journalistische Fehlleistungen entstehen oft durch boulevardeske Verkürzungen und Zupitzungen. So empfand Herr Bär die Meldung im Kölner „Express“ (2.12. 2021) „Christian Drosten ist Playboy des Jahres“ höchst irritierend und stellte sich vor, Deutschlands bekanntester Virologe lümmele sich jetzt irgendwo in Miami Beach an einem Swimming Pool herum, umrankt von lauter aufregenden Bikini-Schönheiten. Worauf Karl Lauterbach, der schon mal lamentierte, er habe keine Zeit, eine Frau kennen zu lernen, vor Neid erblasst sein mag. Doch zur Beruhigung von Herrn Lauterbach sei erwähnt, dass der richtige semantische Inhalt der Meldung lautete: „Christian Drosten wurde von der Zeitschrift ‚Playboy‘ zum ‚Mann des Jahres‘ ausgerufen“. Vielleicht wird ja demnächst Karl Lauterbach „Playboy des Jahres 2022“.

Copyright: Bär/Raap 2021

Deppen-Ranking – Die schönsten Fehlleistungen des Jahres 2021

Überraschungssieger auf Platz 1 ist der Kreisvorsitzende der FDP Gelsenkirchen mit Namen Christoph Klug, der für die tatsächlichen oder auch nur vermeintlichen Berühmtheiten seiner Stadt dort einen „Walk of Fame“ à la Hollywood anlegen will. Obwohl für den umstrittenen Fleischbaron und einstigen Aufsichtsratsvorsitzenden des FC Schalke 04 Clemens Tönnies dem Vernehmen nach dort noch kein Stern eingelassen werden soll, zumal der FC Schalke 04 derzeit ja lediglich in der Zweiten Bundesliga mitkickt, mussten sich FDP-Mann Klug und die Stadt Gelsenkirchen wegen dieses reichlich bizarren Vorhabens von der Süddeutschen Zeitung als „Hollypott“ verhöhnen lassen. Die SPD wiederum war zwar klug genug, im Bundestagswahlkampf die äusserst unpopuläre, weil zu sauertöpfisch wirkende Parteivorsitzende Saskia Esken von vorneherein gut zu verstecken, der aber dennoch allein schon wegen der herrlichen BILD-Schlagzeile „Saskia Esken versteckt sich vor Anne Will in der Pommesbude“ Platz 2 gebührt. Mit der Vergabe von Platz 3 begibt sich „bär aktuell“ in die unappetitlichen Niederungen des Boulevardjournalismus, da nämlich bei VIP-Flash.de nachzulesen ist, ein Rapper mit dem bezeichnenden Namen „Finch Asozial“ habe angeblich dem Schlagerbarden Michael Wendler angeboten, dessen Steuerschulden zu übernehmen, wenn Wendler ihm im Gegenzug dafür ein Fisternöll mit Wendlers Partnerin Laura Müller gewähren würde, weshalb unabhängig vom anzuzweifelnden Wahrheitsgehalt dieser Meldung allein schon für die Verbreitung eines solchen Medien-Mülls VIP-Flash.de auf jenem Platz 3 notiert ist und „Finch Asozial“ auf Platz 4 allein schon wegen seines sicherlich freiwillig gewählten degoutant klingenden Pseudonyms, und zudem Wendler auf Platz 5, weil er schon anderweitig durch unbedachte und höchst unqualifizierte Äusserungen seine Sängerkarriere vermurkste. Mit diversen in die Untiefen des totalen Ansehensverlusts strauchelnden Promis ließe sich diese Liste nun beliebig lang fortsetzen, so z.B. mit einigen Präsidenten des Deutschen Fußball Bundes DFB, deren anscheinend durch zunehmenden Werte- und Realitätsverlust bestimmtes Gebaren „Der Stern“ in der Schlagzeile „Rüpeleien, Luxusuhren, Steuerbetrug“ zusammen fasste (daher Platz 6), und erst recht mit der Führungsriege des FC Bayern München, die wegen ihres umstrittenen Sponsorings aus Katar, dessen Regime sogar die betuliche „Die Welt“ als einen „modernen Sklavenstaat“ apostrophiert hat, das Image ihres Vereins gründlich ramponiert hat, und die deswegen sogar bei ihren eigenen Fans zu Recht in der Kritik steht (Platz 7). Mit den Plätzen 8-10 verabschieden sich in den ewigen Olymp dieses Deppen-Rankings Jens Spahn, Andy Scheuer und Heiko Maas, über die in Zukunft in „bär aktuell“ keine Witze mehr verbreitet werden. Und es wird 2022 aus sprachpflegerischen Gründen auch keine Gendersternchen in „bär aktuell“ geben. Versprochen. Großes Indianer-Ehrenwort von Herrn Bär.

Copyright: Bär/Raap 2021

Essen und trinken mit Herrn Bär

Hirschbraten à la Karl-Josef Bär Marinade mit Olivenöl, Wildfond und etwas Essig ansetzen, dazu Zwiebeln, Maronen, Möhren, Porree, Pastinaken und Sellerie, 1 Lorberblatt, 1 Wacholderbeere, grüne Pfefferkörner, Rosmarin und Zitronenthymian. Einen Tag lang den Braten darin ziehen lassen. Dann von allen Seiten kurz anbraten und im Backofen bei 200 Grad ca. 90-95 Min. zusammen mit Apfelstücken oder Weintrauben in der Beize garen. Für die Sauce dann die Beize abschöpfen und in einem separaten Topf mit etwas Mehl, Worchestershiresauce und Kochsahne zusammenrühren, nachwürzen. Dazu passen Knödel und Apfelmus.

V.i.S.d.P.: Jürgen Raap, Senefelderstr. 5, 50825 Köln

Baer aktuell 305 – 22. November 2021

November 2nd, 2021

Bild des Monats Oktober 2021:

Jürgen Raap, Kellerflut, Acryl und Öl auf Leinwand, 70 x70 cm, 2021

Bär aktuell 304 – 3. Nov. 2021 / 22. Nov. 2021

Politiker als Lachnummer Wer bei „Google“ als Suchbegriff „Jens Spahn-Witze“ eingibt, landet bei https://schlechtewitze.com › jens, wo als „Schlechte Witze“ immerhin die „15 besten Jens Spahn-Witze“ aufgelistet sind, und da möchte Herr Bär nicht wissen, wie schlecht die anderen Witze über ihn sind. Nun ist Jens Spahn bald nicht mehr Bundesgesundheitsminister, was eine gute Nachricht ist, aber die neue Ampelregierung wird ebenfalls genügend witzetaugliches Personal aufbieten, so dass für Kurzweil und ebenso in den nächsten vier Jahren für eine Themenfülle bei „bär aktuell“ gesorgt ist. Was ebenfalls eine gute Nachricht ist. Wobei es in Sachen Öko-Diktatur wohl nicht ganz so schlimm kommen wird. Herr Bär kann sich jedenfalls nicht vorstellen, dass Anton Hofreiter, wäre er denn Verkehrsminister geworden, Kreuzfahrtschiffe durch römische Rudergaleeren mit peitschenschwingenden Sklaventreibern ersetzte. Heiko Maas erlag dem Irrtum, es reiche aus, dass ein deutscher Außenminister schlecht angezogen ist, um die Amtskollegen Lawrow in Moskau und Çavuşoğlu in Ankara zu beeindrucken, nämlich in Maas-Anzügen, die immer so aussehen, als ob sie in der Reinigung bei zu hohen Temperaturen eingelaufen sind. Beim Suchbegriff „Heiko Maas-Witze“ wird man aber eigenartigerweise nicht bei der Schlechte Witze-Webseite fündig, wohl aber bei www.stern.de mit der Schlagzeile „Heiko Maas in Lederjacke: so lacht die Twitter-Gemeinde“, und Lawrow, Çavuşoğlu und die Taliban-Anführer haben wahrscheinlich mitgelacht. Seine mutmaßliche Nachfolgerin im Auswärtigen Amt Annalena Baerbock wird indes bald merken, dass es nicht ausreicht, nur besser angezogen zu sein als Heiko Maas, damit sich bei ernsthaften Verhandlungen Lawrow, Çavuşoğlu und die Taliban ein herzhaftes Lachen verkneifen, wenn sie – wie von ihr schon angekündigt – die Werbung für mehr Klimaschutz im Ausland zum Primat deutscher Außenpolitik erhebt und dabei tunnelblickfixiert tunnelblickfixiert gleichermaßen legitime Außenhandelsinteressen und Sicherheitsinteressen womöglich außer Acht lässt.

© Raap/Bär 2021

Köln-Bochum-Hattingen Mit diesen Ortsangaben wirbt ein Wellnessartikel-Anbieter auf seiner Schaufenstermarkise für die Standorte, an denen man sein Sortiment erwerben kann. Bei Herrn Bär löst dies Wohlgefallen aus, denn der inflationäre Gebrauch der Bezeichnung, man sei „international renommiert“ oder „global aufgestellt“, nimmt doch in letzter Zeit arg überhand. Schön, dass es daher noch jemanden gibt, der nicht herum strunzt, er betreibe Filialen in New York, London und Paris; denn um ein Fläschchen Wohlfühl-Badesalz zu erstehen, reist man doch von Neheim-Hüsten aus lieber nach Hattingen als nach New York. Und wenn einer von sich behaupten würde, er habe Filialen auf den Cayman-Inseln, den Bahamas und in Liechtenstein, dann setzt er sich eher dem Verdacht aus, er sei ein finanzjonglierender Luftikus, der auf den Bahamas nur einen Briefkasten unterhält, aber keineswegs ein Lager mit Wohlfühl-Badesalz. Aus der Sicht eines bodenständigen Zeitgenossen des 21. Jh. klingt „Köln-Bochum-Hattingen“ ohnehin weltläufig genug, denn wie reimte einst der rheinische Chansonnier Wicky Junggeburth: „Mer künnte jo Weltstadt sin, ävver wat däht uns dat bringe? Wenn de janz oben bist, dann kannste ja nix mehr jewinne!“

Bärs Bestatterkritik Der Kölner Beerdigungsunternehmer Christoph Kuckelkorn, in Personalunion auch Präsident des Festkomitees Kölner Karneval und laut „Aachener Nachrichten“ damit „der oberste Karnevalist der Frohsinnsmetropole“, so dass ihm der „Merkur“ die Schlagzeile „Feiern wir das Leben!“ widmete, mahnte allerdings in einem Interview mit der Zeitung „Kirche + Leben“ an, in Corona-Zeiten sei eher der „stille, nachdenkliche Karneval“ angesagt. Bestatter-Konkurrent Pütz-Roth, der früher schon mal die Karnevals-Combo „Bläck Fööss“ auf seiner Waldbühne auftreten ließ, hat ebenfalls für diesen Herbst ein etwas solideres Programm auf seiner Webseite notiert: für den 18. November 2021 ist eine Lesung mit Dr. Brenda Strohmaier unter dem Titel „Nur über seine Leiche“ angekündigt, und für den 30. November 2021 eine „Kölsche Weihnacht“ immerhin mit den karnevalserprobten „Paveiern“. Weniger dem Diesseits zugewandt geht es unterdessen im benachbarten Düsseldorf zu: dort unterhält der „Bund Deutscher Bestatter“ zusammen mit dem Musikwissenschaftlichen Institut der „Robert Schumann Hochschule“ eine Forschungsstelle über Trauermusik.

Schön, dass es in diesem Jahr trotz Corona wieder Martinsumzüge gibt In seiner Kindheit ist auch Herr Bär mit den Nachbarskindern und einem Martinslaternchen immer gerne kamelleheischend durchs Viertel gezogen, doch der Metzger Jakobs von nebenan hatte die Rosenmontagszug-Kamelle vom Februar immer bis St. Martin im November aufbewahrt. Die waren dann steinhart, und Metzger Jakobs ließ uns immer alle Zeilen des Martinslieds bis zum Schluss singen: „D’r hellige Zinter Mätes, dat wor ne jode Mann, dä jov de Kinder Kääze un stoch se selver an…“ (Der heilige St. Martin, das war ein guter Mann, der gab den Kindern Kerzen, und zündete sie selber an)… „hier wohnt ein reicher Mann, der uns was geben kann, viel soll er geben, lange soll er leben, selig soll er sterben, das Himmelreich erwerben, lass uns nicht so lange stehn, denn wir wollen weitergehn…“ Erst am Ende dieser letzten Zeile befand Meister Jakobs gönnerhaft: „So, Kinder, hier hatt ehr jeder en Kamellche“. Adi aus dem Nachbarhaus schlug deswegen vor: „Bei däm Kniesbüggel ( Geizjals) jon mer dat nächste Johr nit mieh singe“. Doch Herrn Bärs Vater, der um gute Nachbarschaft mit Herrn Jakobs bemüht war, entschied: „Ihr müsst auch weiterhin beim Jakobs wieder Euer Martinslied singen“. Und Herrn Bärs Mutter sollte aus dem gleichen Grund auch unsere Wurst weiterhin beim Metzger Jakobs einkaufen, obwohl Frau Jakobs Vegetarierin war und sich somit Herrn Bärs Mutter fragte, ob vielleicht mit der Wurst von Metzger Jakobs etwas nicht stimmen würde. Doch angesichts der heut zu Tage oft fade schmeckenden Industriewurst sehnt sich Herr Bär manchmal wehmütig nach den Geschmackserinnerungen seiner Kindheit zurück, und eben auch nach der handwerklich produzierten Wurst von Metzger Jakobs, aber nicht nach dessen versteinerten Zuckergussklumpen vom Rosenmontagszug.

Manch einem unter uns möge die Meldung zu denken geben, dass es bei „Google“ zum Stichwort „Lauterbach warnt“ mehr Einträge gäbe als zu „Der Papst segnet“.

Bär polyglott Man unternehme einmal im Selbstversuch wie Herr Bär mehrfach Bahnfahrten von Köln aus ins 30 km entfernte Bonn. Entweder ist dann das Stellwerk in Kalscheuren kaputt, oder jenes in Sechtem. Wenn man wirklich Pech hat, beide kurz hintereinander. Bleibt der Zug dann auf der Rückfahrt irgendwo zwischen Roisdorf und Köln-Süd mehrfach längere Zeit stehen, bekommt die Hymne „Ich mööch zo Foos noh Kölle jon“ eine völlig neue Bedeutung. Hat das Gleisnetz der Deutschen Bahn also Dritte-Welt-Niveau? Mitnichten, was den inzwischen erreichten Standard in der sogenannten Dritten Welt angeht!  In Afrika hingegen schafften es nämlich Investoren und Ingenieure der China Road and Bridge Corporation, die Fahrtzeit der Bahnen zwischen Mombasa und Nairobi von zwölf auf vier Stunden zu verkürzen. Bei allen berechtigten Vorbehalten gegen die Weltmachtambitionen chinesischer Investoren: solch eine grandiose Ingenieurleistung wünscht man sich möglichst rasch auch für den Streckenabschnitt Köln-Bonn. 

Copyright: Bär/Raap 2021

Essen und Trinken mit Herrn Bär

Eier in Senfsauce à la Karl-Josef Bär Eier hart kochen, schälen. Kartoffeln in Salzwasser separat kochen. Klein gehackte Zwiebeln in Butter andünsten; etwas Mehl einrühren und anschwitzen. Den Topf mit Gemüsebrühe und Sahne auffüllen, aufkochen lassen, nachsalzen, Pfeffer, Kapern, Petersilie und Schnittlauch hinzugeben und Senf einrühren; zum Schluss die Eier und die Kartoffeln hinzufügen.

Gebratener Hokkaido-Kürbis à la Karl-Josef Bär Kürbisschale aufschneiden, die Kerne herausnehmen, Kürbisfleisch in kleine Würfel schneiden und in einer Mischung aus Olivenöl und Erdnussöl anbraten. Salzen, etwas Sezuan-Pfeffer und Sambal oelek hinzufügen, dazu eine Prise Zimt, weich schmoren lassen und ca. 5 Minuten vor dem Servieren mit frischem Koriander abrunden. Passt als Beilage zu allen Fisch- und Fleischgerichten mit leicht exotischem Touch.

Impressum: v.i.S.s.P. Jürgen Raap, Senefelderstr. 5, 50825 Köln

baer aktuell 304 – 3. Okt. 2021

Oktober 4th, 2021

Bild des Monats Oktober 2021: Jürgen Raap, „Das Mörderspiel“, 2021

Baer aktuell Nr. 304 – 22. Okt. 2021

Das müssen Sie jetzt unbedingt zu Hause an der Wand haben (Neue Geschäftsidee von Herrn Bär): Olaf Scholz-Sammelbild No. 1: „Scholz-O-Mat“. Collage/Grafik-Design: Karl-Josef Bär 2021. Originalformat: DIN A 4. Kann als signierte Xerografie via karljosefbaer@online.de bestellt werden für 200,- Euro incl. MWST, Kitsch-Rahmung und Porto. Lieferung nach Überweisung der Rechnungssumme. Limitierte Auflage: nur 22 Stück.

Na sowas! Herr Bär hat doch glatt wieder mal den „Tag des Morgenmuffels“ verpennt (14. Okt. 2021). Aber wenn demnächst auch mal der „Tag des Nachtmenschen“ eingeführt wird, ist Herr Bär knallwach dabei. Garantiert! Bis dahin empfiehlt sich die Lektüre eines Artikels im „Handelsblatt“ mit der Schlagzeile „Gesunder Schlaf: Wie Sie im Schlaf Karriere machen“ (https://www.handelsblatt.com/karriere/gesunder-schlaf-wie-sie-im-schlaf-karriere-machen-seite-6/2766806-6.html?ticket=ST-1983076-xjt9c3sVDcIDvLYXUqJO-cas01.example.org“) oder eine Teilnahme am „Halte Ausschau nach Kreisen Tag“, den man immer am 2. November in den USA zelebriert. Ansonsten empfiehlt Herr Bär: falls die Berliner Landtagswahl wegen Unregelmäßigkeiten wiederholt werden müsste, sollte man die Neuwahl in Moskau abhalten. Die haben dort mehr Erfahrungen mit Pfusch an der Wahlurne.

Zu den Skurrilitäten unserer Zeit gehört neuerdings ebenso die Tatsache, dass die Anhänger der veganen Ernährung inzwischen auf den Hund gekommen sind mit ihrem Vorschlag, auch Haushunde fortan nur noch mit frisch gekochtem Gemüse zu ernähren, denn das vertrage der seit 15.000 Jahren domestizierte Haushund inzwischen durchaus, zugegebenermaßen der in unseren Wäldern neuerdings wieder umher schweifende Wolf allerdings nicht. Die Begründung: die Herstellung der Konservenbüchsen für Hundefutter in Dosen verbrauche zu viel CO 2. Was können wir daraus über die Nahrungskette im natürlichen Kreislauf der freien Wildbahn lernen: ein Wildkaninchen, das der Wolf im Wald gerissen und verspeist hat, landet nicht als Hundefutter „Wildragout mit Preißelbeeren“ in der Konservendose für den degenerierten Haushund, sondern im Sinne der darwinistischen Arterhaltung klimaneutral im Magen des Wolfs, der aber deswegen jetzt nicht wieder zu einem „bösen Wolf“ stilisiert werden muss wie weiland im Rotkäppchen-Märchen. Copyright: Bär/Raap 2021

Die meisten Straftäter scheitern kriminalstatistisch gesehen an ihrer Dummheit oder Dreistigkeit wie das jüngst im deutsch-belgischen Grenzgebiet aufgegriffene Trio, das gefälschte Eurobanknoten in einem Karton des Brettspiels „Monopoly“ versteckt hatte und nicht mit der Ausrede durchkam, es handele sich nicht um Falschgeld, sondern um Spielgeld. Wer indessen bei Google die Suchbegriffkombination „spielgeld wirecard“ eingibt, bekommt als ersten Treffer www.pokerstars spielgeld casino geht nicht nikq“ offeriert und dann beim Anklicken den Hinweis: „Wir verwenden Cookies, um Ihre Spielerfahrung zu verbessern“. Aha, Börsenspekulation mit einem ehemaligen DAX-Unternehmen wie Wirecard war also eher so eine Art ein Glücksspiel. Gut, dass man das weiß. Bei Wirecard ging das aber gründlich in die Hose, und wer nun in einem nächsten Schritt die Suchbegriffkombination „bundesfinanzministerium cookies“ eingibt, der erfährt, dass es dort augenscheinlich einen Staatssekretär namens Dr. Jörg Kukies gibt, was Herrn Bär jedoch keineswegs dazu animiert, jetzt ausgerechnet bei Herrn Dr. Kukies anzufragen, wie man seine Mitwirkung bei einem Monopoly-Spiel mit dem Einsatz von Falschgeld optimieren könnte, ohne mit dem Geldwäschegesetz in Konflikt zu geraten. Man bekäme wahrscheinlich von ihm keine Antwort. Und von Olaf Scholz erst recht nicht.

Copyright: Bär/Raap 2021

Jetzt auch noch Humor“ titelte der Deutschlandfunk seinerzeit, als Peer Steinbrück als Kanzlerkandidat fulminant gescheitert war, wie nach ihm dann ebenso Martin Schulz und jetzt Armin Laschet und Annalena Baerbock. Steinbrück zog anschließend zusammen mit Florian Schroeder als Kabarettist durch die Lande. Bei Olaf Scholz hätte man sich allerdings schwer vorstellen können, dass er im Falle einer Wahlniederlage zu einem Fips Asmussen der deutschen Sozialdemokratie mutiert wäre, oder dass nun Annalena Baerbock als schrille Ulknudel auf der Kleinkunstbühne Begeisterungsstürme entfachen würde, ist auch undenkbar. Laschet wird derweil schon von seinen eigenen Parteifreunden mit Pfiffen und Buhrufen von der Polit-Bühne herunter gelitscht. Herrn Bärs Prognose für die neue Legislaturperiode: wenn im Bundestag der Mittagsschlaf auf der Tagesordnung steht, stellen sie in bewährter Weise wieder den einlullenden Scholz-o-maten an. Mit der Zusammensetzung des neuen Bundestages hadern indes manche Leserbriefschreiber an „Focusonline“: da wettert ein gewisser Walter G., das Parlament sei mittlerweile ein „Tummelplatz von ungelernten berufslosen Lebenskünstlern“ und meint damit Kevin Kühnert (SPD), bei dem man sich allerdings ebenfalls nicht vorstellen kann, dass er bei verpasstem Einzug in den Bundestag künftig mit Erfolg als Stimmungskanone durch die Bierhöllen von Mallorca tingeln würde, während sich Philip Amthor (CDU) seitens eines Christian B. das Etikett gefallen lassen muss, er sei ein „27jähriges Jüngelchen“, welches „uralte CDU-Parolen von gestern“ verbreite. Wobei unterdessen der Jugendforscher Klaus Hurrelmann zu dem Ergebnis kommt, die FDP habe bei den jüngsten Wahlen gerade bei den jungen Leuten so gut abgeschnitten, weil sie nun mal „die Partei für die modernen, männlichen Büroleute in Anzug und Hemd“ ist, dies allerdings ohne die Konfirmandenfrisur von Philip Amthor, wie Herr Bär dazu anmerkt. Diese junge Generation sei „verwöhnt, selbstverliebt und wisse was sie kann“, eben genau wie die Lindner-FDP. Wobei Christian Lindner mit seinem Talent auch gut als Butterfahrten-Entertainer für die ältere Generation eine gute Figur machen würde. Copyright Raap/Bär 2021

Als ein typischer Repräsentant der neumodischen Tretroller-Plage ist wohl jener Dumpfdödel anzusehen, der in Köln gefragt wurde, warum er einen Tretroller von der Brücke in den Rhein geworfen habe und sich als Antwort von der Presse zitieren ließ, sein E-Scooter habe die Steigung auf der Brücke nicht geschafft. Er sei aber dann zu faul gewesen, den E-Scooter die Brücke hinauf zu schieben oder mit dem Fuß fortzubewegen und habe ihn deswegen im Rhein entsorgt.

Über das britische Prinzenpaar Kate und William wusste die BILD-Zeitung zu berichten, es habe in Nordirland einen Zoo besucht und sich dabei „tierisch amüsiert“. Herrn Bärs Urteil: Pointe gelungen. Auch eine gelungene Metapher enthielt ein Kommentar in der FAZ-Frankfurter Allgemeinen Zeitung, Olaf Scholz wirke wie ein alter Herbstmantel, den man ein halbes Jahr lang in der Reinigung vergessen und nun abgeholt habe.

Die Wortkaskade des Monats „Eine andere Art des Abgehens, wenn sich da fragil elegante Gesten in eine große Ermüdung in auflösen – auch das mit glaubwürdigem Nachdruck und einem ausgeprägten Gefühl für die kompositorischen Individualitäten vermittelt und in allen Fällen getragen von einem Musikerkollektiv, dem man die Freude ansah, sich in solchen nicht alltäglichen Räumen zu tummeln und zu engagieren“. Aus einer Musikkritik von Gerald Felber am 6.10. 2021 in der FAZ-Frankfurter Allgemeine Zeitung. Herrn Bärs Kommentar dazu: Schön, dass es heute noch einer schafft, Sätze zu formulieren wie einst nur Thomas Mann.

Copyright Raap/Bär 2021

Impressum: v.i.S.d.P.: Jürgen Raap, Senefelderstr. 5, 50825 Köln

Baer aktuell 303 – 22. Sept. 2021

September 1st, 2021

Bild des Monats September 2021: Jürgen Raap, „Die neun Monde von Jülich“, Acryl/Öl auf Leinwand, 2021

Baer aktuell 3003 – 22. Sept. 2021

Journalistische Glanzleistungen, wie wir sie mögen: „Nur im Rolling Stones Konzert, das haben wir nochmal im Regen getanzt und uns die Wärmepflaster vom schmerzenden Rücken gerissen.“ (Leif Lasse Andersson in seiner „Ü 50 – Die Männer-Kolumne in der BILD-Zeitung“).

Der ganz normale Wahnsinn Als ob in diesem Wahlkampf nicht schon genug verbaerbockt und gescholzt wurde: als Angela Merkel eine Abschlusskundgebung ausgerechnet in einem Vogelpark abhielt, wurde sie von einem Papageien gebissen. Nicht überliefert ist, ob der Papagei „Saskia“, „Kevin“ oder „Annalena“ heißt. In Berlin wird am Sonntag nicht nur der Bundestag neu gewählt, sondern auch das Abgeordnetenhaus. Und ausgerechnet an diesem Sonntag findet dort auch noch der „Berlin Marathon“ statt. Da kommt man ja in dem Gedränge der Läufer und ihrer Zuschauer kaum bis zum Wahllokal durch. Hinweis für Verschwörungstheoretiker: Hat vielleicht der Kreml diesen Berlin Marathon lanciert, um die Wahlen zu sabotieren? Wer sich im Zeitalter des mehr und mehr um sich greifenden sprachlichen Genderunfugs grämt, er fühle sich mittlerweile nicht mehr pluralsicher, der nehme sich den Kabarettisten Dieter Nuhr als Vorbild, der jüngst sein Publikum nonchalant und gleichzeitig politisch korrekt mit „Liebe Wählerinnen und -außen“ begrüßte. Wenn das Wahlalter demnächst tatsächlich auf 16 Jahre herab gesetzt werden sollte, sollte man diese spätpubertierende Zielgruppe dann aber nicht unbedingt mit einem Zitat des Satirikers Robert Gernhardt als „Liebe Kinder und Kinderinnen“ begrüßen, sondern vielleicht besser als „Liebe Heranwachsendinnen und -außen“. Klingt allerdings schon fast so sprachverhunzend blöd wie „Kanzlerinnenkandidatinnen und -außen“. Derweil rät ausgerechnet ein Mediziner namens „Doc Esser“ von radikalen Abnehmdiäten ab, und damit sei an dieser Stelle jetzt erst einmal genug über den ganz normalen Wahnsinn in unserem Alltag berichtet. © Raap/Bär 2021

…Für Euroscheine nimmste Weichspüler“

Interview mit Karl-Josef Bär (der einzige Blog, bei dem der Chefredakteur sich selbst interviewt)

Zur hochdeutschen Übersetzung herunterscrollen

„Herr Bär, wir haben gehört, Sie waren neulich im Finanzamt. Haben Sie dort Ihre Steuererklärung abgegeben?“

Bär: „Enä, ich han do en Razzia jemaht. Ich wollt mer ens die neue Geldwaschanlage vun däm Olaf Scholz beloore“.

„Und, hat man Ihnen dann bereitwillig die Waschmaschine gezeigt?“

Bär: „Enä. Die han eez ens dä Olaf Scholz anjeroofe, un dä säht, hä weiß widder vun nix. Un dann han die mir verzällt, mer han he kein Wäschmaschin em Finanzamt“.

„Aber kann man Geld überhaupt in einer Waschmaschine waschen?“

Bär: „Jo jo, dat schon. Mer muss ävver wisse, wat mer för e Waschpulver nimmp. Dollarscheine sin jo nur grön oder grau. Da darfste kein Buntwaschmittel nemme, söns verfärve die sich. Un bei Euroscheine kippste am besten wat Weichspüler dobei. Dat is ja eine besonders harte Währung. Ävver dat nützt alles nix, wenn die em Finanzamt kein Waschmaschin han. Un weil dä Olaf Scholz anjeblich kein Ahnung vun Geldwäsche hät, han ich däm ens ne Brief geschrivve un däm dat Erjebnis vun minger Razzia mitjeteilt, dat die nämlich bei uns em Finanzamt dringend en Wäschmaschin bruche.“ © Raap/Bär 2021

Übersetzung:

„Herr Bär, wir haben gehört, Sie waren neulich im Finanzamt. Haben Sie dort Ihre Steuererklärung abgegeben?“

Bär: „Nein, ich führte dort eine Razzia durch. Ich wollte mir mal die neue Geldwaschanlage vom Olaf Scholz ansehen“.

„Und, hat man Ihnen dann bereitwillig die Waschmaschine gezeigt?“

Bär: „Nein. Die haben erst mal den Olaf Scholz angerufen, und der sagte, er weiß wieder nichts. Und dann erzählten die mir, wir haben hier keine Waschmaschine im Finanzamt“.

„Aber kann man Geld überhaupt in einer Waschmaschine waschen?“

Bär: „Ja ja, das schon. Man muss aber wissen, welches Waschpulver man nimmt. Dollarscheine sind ja nur grün oder grau. Da darf man kein Buntwaschmittel nehmen, sonst verfärben die sich. Und bei Euroscheinen kippt man am besten etwas Weichspüler hinzu. Das ist ja eine besonders harte Währung. Aber das nützt alles nichts, wenn die im Finanzamt keine Waschmaschine haben. Und weil der Olaf Scholz angeblich keine Ahnung von Geldwäsche hat, schrieb ich dem einen Brief und teilte ihm das Ergebnis meiner Razzia mit, dass die nämlich bei uns im Finanzamt dringend eine Waschmaschine benötigen.“ © Raap/Bär 2021

Wohin in Bonn? Über die Attraktionen ihrer Stadt sagen die Bonner zwar selbst: „In Bonn regnet es, oder die Schranken sind zu“. Doch weit gefehlt! Wer gute rheinische Küche schätzt, der kehre im „Brauhaus Bönnsch“ in der Sternenbrücke ein und labe sich dort – wie soeben Herr Bär es tat – an einer „Rinderroulade auf Bönnsche Art“ in Senfsauce, und wer das unfiltrierte „Bönnsch“-Bier nicht mag, der bestelle sich zum Essen als „Saisonbier“ ein Alt. – Zu den Highlights unter den Bonner Kunstorten zählt seit 40 Jahren das dortige Frauenmuseum, wo derzeit vom 9. September bis zum 31. Oktober 2021 die Ausstellung „Die Flut – Künstlerinnen im Katastrophengebiet“ zu sehen ist (Vernissage: Donnerstag, 9. September 2021, 17 Uhr). Ein leider sehr tragischer Anlass: die verheerende Flutkatastrophe im Juli 2021 spülte auch viele Ateliers, Werkstätten, Galerien und Lagerräume der regionalen Kunstszene hinweg. Unzählige Lebenswerke sind verloren gegangen. Zur Unterstützung der durch die Flut betroffenen Künstlerinnen organisierte das Bonner Frauenmuseum daher eine Solidaritäts- und Verkaufsausstellung. Es stellen aus: Janna Borgböhmer, Mina Dia, Siglinde Kallnbach, Gaby Kutz, Margarete Gebauer, MAF Räderscheidt, Gamma Thesa Terheyden, Eva Vahjen. Als Gastbeitrag bemalte Herr Bär eine Leinwand aus dem durchnässten Keller von Siglinde Kallnbach mit einer Ansicht eben jenes Kellers. In Kallnbachs Installation zu der Ausstellung ist als Blickfang eine 3m x 2,5m grosse Wandarbeit mit dem „Kasuga Taisha“- Schrein in Nara/Japan zu sehen. Das Motiv steht für das Gegenteil von Zerstörung, Chaos und Tod, nämlich Ruhe und Kontemplation, mithin für alles das, was im Katastrophengebiet jetzt fehlt. © Raap/Bär 2021

Hansi, Berti und Poldi Der neue Bundestrainer Hans Flick ist inzwischen 56 Jahre alt, wird von der Fachwelt aber immer noch „Hansi“ gerufen, und damit ereilt ihn das gleiche Schicksal wie seine Vorgänger: Hans-Hubert Vogts wird auch im Alter von mittlerweile 74 Jahren immer noch als „Berti“ verniedlicht, Jürgen Klinsmann desgleichen als „Klinsi“ und Joachim Löw als „Jogi“. Die „Deutsche Welle“ merkt dazu an: „Ihre Namen sind in die Mühlen des Diminutivs geraten… Früher war das anders: Der erfolgreichste deutsche Nationaltrainer war Sepp Herberger, und niemand kam auf den Gedanken, ihn ‚Seppi‘ zu nennen“. Nicht viel besser ergeht es den Balltretern selbst: Herr Bär ist davon überzeugt, dass auch Lukas Podolski selbst in 40 Jahren als alter weiser Mann immer noch als der ewige „Poldi“ medial geknuddelt wird. Auch der Fußballer Sebastian Schweinsteiger musste sich den Kosenamen „Schweini“ gefallen lassen, wobei der Kölner Karnevalist Martin Schopps sich mal den Witz erlaubte, in den heutigen Zeiten der politischen Korrektheit müsste Schweinsteiger sich eigentlich in „Nutztierkletterer“ umbenennen, damit bei seinem Nachnamen niemand beleidigt ist, der kein Schweinefleisch mag. Nur der jetzt für den FC Paris St. Germain kickende Messi heißt übrigens wirklich so.

Erneut verbaerbockte sich die grüne Kanzlerkandidatin mit geografischer Unkenntnis, als sie in Hamburg eine Wahlkampfrede hielt und sich in notorischer Plapprigkeit dabei „auf dem Marktplatz“ wähnte, sich in Wirklichkeit aber auf der Flaniermeile Jungfernstieg befand. Wobei anzumerken wäre, dass in ihrem Lebenslauf steht, sie habe in Hamburg studiert. Sollte Annalena Baerbock tatsächlich doch noch Kanzlerin werden, ist womöglich damit zu rechnen, dass sie dann beim Staatsbesuch im Kreml sagt: „Hallo Herr Putin, schön bei Ihnen hier in Peking zu sein“. – Was macht Olaf Scholz derweil? Er albert als Merkel-Imitator mit der „Raute“ herum. Passender Text auf dem Cover des Magazins der„Süddeutschen“ dazu: „Sagen Sie jetzt nichts, Herr Scholz!“

© Raap/Bär 2021

… Dat merkt doch keiner“

Interview mit Karl-Josef Bär (der einzige Blog, bei dem der Chefredakteur sich selbst interviewt)

Zur hochdeutschen Version herunterscrollen, Übersetzung: Maximilian Bär

Bär aktuell: Herr Bär, wir haben gehört, Sie wollen ein Sachbuch schreiben?

Bär: Jojo, ich han mer jesaht, wenn dat Annalena Baerbock dat kann, dann kann ich dat och.

Aha. Und wie soll das Buch heißen?

Bär: Ich han mer jedaach, ich schriev einfach ens jet vun däm Sokrates av un nenn‘ dat Boch dann „Poleiteia“. Dat is altgriechisch und heißt „Der Staat“.

Aber Herr Bär! „Politeia“ ist von Platon, nicht von Sokrates.

Bär: Jo, ehrlich? Jojo, jot, ävver dat merkt doch keiner.

Doch, Herr Bär, die Plagiatsjäger heutzutage finden doch alles heraus.

Bär: Na jut, dä Ärme Laschet hätt jo och ens e Boch jeschrivve. Dann schriev ich ens bei däm jet av.

Der heißt nicht „dä Ärme Laschet“, sondern Armin Laschet! Wollen Sie nicht lieber etwas beim Olaf Scholz abschreiben? Der hat auch mal ein Buch verfasst, das heißt „Hoffnungsland“.

Bär: „Hoffnungsland“? Dat passt doch üvverhaupt nit zo däm. Beim Olaf Scholz häste doch immer dat Jeföhl, wenn de met däm zesamme op däm selve Schiff bist, loorste am besten tireck noh, wo de Rettungsschwimmweste sin. Weil, dä mäht jo immer so e unfründlich Jeseech, als op dat Schiff jerad ävvens op ne Eisberg drop jekrach is un dann unger jeht.

Dann schreiben Sie doch einfach ein Gedicht über den Olaf Scholz, Herr Bär.

Bär: Dä Altmeier dä hätt en Plaat un ich weiß nix vun Wirecard, und frög man mich nach ex und cum, dann stelle ich mich einfach dumm. Ess och dä Kopp us Ieser, Glas, ov Holz ich ben und blieve dä Olaf Scholz.

Hochdeutsche Version:

Bär aktuell: Herr Bär, wir haben gehört, Sie wollen ein Sachbuch schreiben?

Bär: Jaja, ich sagte mir, wenn Annalena Baerbock das kann, dann kann ich das auch.

Aha. Und wie soll das Buch heißen?

Bär: Ich dachte mir, ich schreibe mal einfach was beim Sokrates ab und nenne das Buch dann „Poleiteia“. Das ist altgriechisch und heißt „Der Staat“.

Aber Herr Bär! „Politeia“ ist von Platon, nicht von Sokrates.

Bär: Ja, ehrlich? Jaja, gut, aber das merkt doch keiner.

Doch, Herr Bär, die Plagiatsjäger heutzutage finden doch alles heraus.

Bär: Na gut, dä Ärme Laschet schrieb ja auch mal ein Buch. Dann schreibe ich halt bei dem etwas ab.

Der heißt nicht „dä Ärme Laschet“, sondern Armin Laschet! Wollen Sie nicht lieber etwas beim Olaf Scholz abschreiben? Der hat auch mal ein Buch verfasst, das heißt „Hoffnungsland“.

Bär: „Hoffnungsland“? Das passt doch überhaupt nicht zu dem. Beim Olaf Scholz hat man immer das Gefühl, wenn man mit dem zusammen auf dem selben Schiff ist, schaut man am besten sofort nach, wo die Rettungsschwimmwesten sind. Weil der ja immer immer so ein unfreundliches Gesicht macht, als ob das Schiff gerade eben auf einen Eisberg gekracht ist und dann unter geht.

Dann schreiben Sie doch einfach ein Gedicht über den Olaf Scholz, Herr Bär.

Bär: Der Altmeier hat eine Plaat (Glatze), und ich weiß nichts über Wirecard, und fragt man mich nach ex und cum, dann stelle ich mich einfach dumm. Ist auch der Kopf aus Eisen, Glas oder Holz ich bin und bleibe der Olaf Scholz.

© Raap/Bär 2021

Essen und Trinken mit Herrn Bär

Moussaka à la Karl-Josef Bär

Rinderhack salzen und pfeffern, mit Zwiebeln und Knoblauch zusammen mit Auberginenscheiben in der Pfanne kurz anbraten, Tomatenscheiben hinzugeben, kurz mitdünsten lassen. Die Auberginenscheiben vorher salzen, damit sie den Auflauf nicht zu sehr verwässern. Das Ganze dann in eine Auflaufform geben, mit etwas Rinderbrühe auffüllen, frischen Thymian, Rosmarin, Majoran und etwas Kreuzkümmel hinzugeben. Separat dazu in einem Topf mit Butter, Mehl, einem Eigelb und Milch eine helle Sauce zusammenrühren, über den Inhalt der Auflaufform geben und das Ganze mit geriebenem Käse bestreuen und bei 200 Grad ca. 10-15 Min. im Backofen garen lassen. Beim griechischen Originalrezept gehören auch noch Kartoffeln dazu.

Impressum: v.i.S.d.P. Jürgen Raap, Senefelderstr. 5, 50825 Köln

Baer aktuell 302 – 3. Aug. 2021

August 1st, 2021

Bild des Monats August 2021:

Jürgen Raap, „Kunibert der Wachsame“, Acryl/Öl auf Leinwand, 2021

Bär aktuell Nr. 302 – 3. Aug. 2021

Vermurkster Wahlkampf Wer ein bisschen Ahnung von Grafik Design und Kommunikationstheorie hat, der lacht sich über die aktuellen Wahlkampfplakate schibbelig. Da haben sich tatsächlich irgendwelche Werbedeppen dazu durchgerungen, Christian Lindner den Blick vom Betrachter abwenden zu lassen, d.h. dem Betrachter nicht in die Augen zu schauen, sondern ein bisschen ratlos und ein bisschen versonnen wirkend seitwärts irgendwo hin ins Leere. Wobei doch die kommunikative Grundregel, erst einmal Blickkontakt her zustellen, jeder beherrscht, der irgendwo ein Scherflein von einem Euro erheischen will, aber eben nicht die FDP auf Stimmenfang. Noch dilettantischer kommen die Plakate der SPD daher, in deren Parteikasse offenbar das Geld für einen richtigen Profi-Fotografen fehlte. Die Plakate sehen jedenfalls so aus, als ob man in einem alten Verbrecheralbum fündig wurde und ausgebleichtes erkennungsdienstliches Material auf Scholz und Mützenich zurecht retuschiert hat. Beim Anblick des Mützenich-Plakats fragt sich Herr Bär jedenfalls, ob schon eine Belohnung auf die Ergreifung des Abgebildeten ausgesetzt ist. Das Olaf Scholz-Fahndungsfoto haben sie auch noch mit dem Text „Respekt für Dich“ versehen, wobei man wissen muss, dass die Einforderung von Respekt vor allem in den Kreisen von Gangsterrapper-Darstellern beliebt ist, so dass der Slogan „Vorsicht, Schusswaffengebrauch!“ auf diesem Wahlplakat mit Scholz eigentlich angebrachter wäre. „Die Partei“ wirbt mit dem CDU-Politiker Jens Spahn, was allerdings nicht besonders originell ist, seit man weiß, dass schon Annalena Baerbock in ihrem „Sachbuch“ ausgerechnet auch bei der CDU abgeschrieben haben soll. Bei den Grünen würde daher mit souveräner Selbstironie der legendäre Baerbock-Versprecher „Kobold“ statt „Kobalt“ nicht nur für Lacher („Bereit sein für Kobold“), sondern auch für Sympathiepunkte sorgen, aber den Klamauk überlassen sie in diesem Wahlkampf dann doch lieber den „Die Partei“-Satirikern, und dass die „Sozialistische Gleichheitspartei“ völlig bierernst für die Abschaffung des Kapitalismus eintritt, war eigentlich auch nicht anders zu erwarten und mildert die Langeweile dieses Wahlkampfes keineswegs. © Raap/Bär 2021

Wahlkampfpalakt 2021, Foto: S. Kallnbach
Wahlkampfpalakat 2021, Foro: S. Kallnbach
Wahlkampfpalakt 2021, Foto: S. Kallnbach

Geimpfter Sänger sucht Sängerin“ (Kontaktanzeige in der Kölner „Stadtrevue“). Offen bleibt die Frage: Muss die Sängerin nun auch geimpft sein oder reicht ein Jodeldiplom?

Schlagzeilen, wie wir sie lieben: „Er kam mit Perücke und ging mit Glatze“ (Die BILD-Zeitung über die Maskerade eines Bankräubers)

„Herr Pang macht Peng“ (Die BILD-Zeitung über einen chinesischen Athleten beim olypmischen Luftpistolen-Wettbewerb)

Totalitäre Tendenzen sieht die Autorin Judith Sevinç Basad in der Identitätspolitik und der Cancel Culture der moralisch überheblichen Empörungsindustrie und attackiert in ihrem Buch „Schäm Dich“ die „Denkverbote und Unschärfen in den Argumenten einer selbsternannten kulturellen Elite“ (O-Ton Spiegel Bestseller-Newsletter). „Selbstkritik“ mussten ideologische Abweichler früher bekanntlich nur in stalinistischen Systemen üben, aber heute haben auch in den liberalen Demokratien manche das Gefühl, man dürfe bisweilen nicht mehr sagen, was man wirklich denkt, ohne massive berufliche oder gesellschaftliche Nachteile befürchten zu müssen: da wird mit jakobinischer Raserei die geringste sprachliche Unbedachtsamkeit mit Verbannung geahndet. Eine Bereitschaft zur Selbstkritik oder gar zum Selbsthass versucht jene Empörungsindustrie heute in erster Linie den sogenannten „alten weißen Männern“ anzudienen, die selbst aber weder für ihre Hautfarbe noch für ihren Geburtsjahrgang verantwortlich sind, und die -sofern sie dem Prekariat mit z.B. 600 Euro-Rente, Kurzarbeiter-Geld oder Hartz IV-Sozialhilfe angehören – in dieser Gesellschaft auch keineswegs so privilegiert sind, wie manche Angehörige der gutsituierten akademischen Bioladen-Schickeria, vulgo: der urbanen Hipster-Szene und ihrer intellektuellen Vordenker vielleicht glauben. So gibt denn auch die Poetik-Professorin Kerstin Hensel zu bedenken: „Berufsdenker… haben kein Publikum außer ihresgleichen. Nur weil sie sich mit komplexen Fragen beschäftigen, heißt das nicht, dass alle anderen es auch tun… Das Verdrängen von Problemen, die nicht das eigene Lebensumfeld betreffen, ist für sie ein notwendiger Abwehrmechanismus, um die Realität zu bewältigen…“, was nichts anderes heißt: „Reflexionsverweigerung“ kann auch eine Strategie sein, sich einer Vereinnahmung oder Umerziehung seitens jener empörungsindustriellen Eiferer zu widersetzen. Oder um es einmal mit dem rheinischen Populärphilosophen Günter Eilemann sowohl etwas polemisch als auch reichlich nonchalant-fatalistisch auszudrücken: „Küsste hück nit (kommst du heute nicht), küsste morgen, kein Theater, un kein Sorgen. Mir is alles janz egal, weißte, wat, die künne mich mal“. Ergo: Der Rheinländer neigt bisweilen nicht nur zur Gelassenheit, sondern sogar zur Gleichgültigkeit; denn ihm ist jegliche Form von Fanatismus und Rigorisität fremd, und sein metaphysischer „Et kütt wie et kütt“-Stoizismus ist mithin eine bewährte Abwehrhaltung zugunsten einer „Freiheit von Neigungen und Affekten“. Wer nicht im Gleichschritt marschieren will, der will gewiss auch nicht in einer uniformen Weise denken oder schreiben und sprechen müssen. Man muss ja nicht immer sofort in vermeintlich gutmenschlicher Betroffenheit à la Katrin Göring-Eckhardt in Tränen ausbrechen, wenn in China mal ein Sack Reis umfällt, und jedes Influencer-Dummchen, dass sich in den sozialen Medien verbreitet und sich dann auch noch im Trash-Privat-TV in einen „Big Brother“-Container begibt mit der Referenz, vorher schon in einer Quizsendung völlig unwissend an der Unterscheidung zwischen Prof. Drosten von König Drosselbart gescheitert zu sein, muss man ebenfalls nun wirklich nicht kennen. Höchst aktuell lässt sich zusammenfassend in diesem Kontext William Shakespeare zitieren: „Desto schlimmer, dass Narren nicht mehr weislich sagen dürfen, was weise Leute närrisch tun“ (aus: „Wie es Euch gefällt“).

Dass die grüne Kanzlerkandidatin schon wieder etwas verbaerbockt hatte, wurde in den Medien genüsslich verbreitet, wiewohl der „Kölner Stadtanzeiger“ fairerweise konstatierte, „die anderen Kanzlerkandidaten“ Laschet und Scholz stünden auch nicht viel besser da. Erneut bewies Annalena Baerbock nämlich geografische Unkenntnis, als sie bei einem Ortstermin in Barnim/Brandenburg in gewohnter Plapprigkeit meinte, der Wald dort „im Oderbruch“ sei „anders als der Wald im Süden des Landes“. Die Gazette „Die Welt“ korrigierte: „Der Oderbruch liegt etwa 50 km weiter östlich“ und merkte süffisant an, der ebenfalls anwesende Robert Habeck habe bei Baerbocks verkorkster Waldbetrachtung „an ihrer Seite betreten zu Boden“ geschaut. In einem von Pannen und Plagiaten geprägten Bundestagswahlkampf muss sich der Kandidat Armin Laschet Vergleiche mit Gerhard Schröder gefallen lassen, der die Bundestagswahl 2002 wohl auch deswegen gewonnen haben soll, weil er beim Oderhochwasser damals instinktsicher in Gummistiefeln Präsenz zeigte und medienwirksame Bilder als scheinbar zupackender Macher lieferte, wo Laschet in den Augen seiner Kritiker eher als zu zauselig empfunden wird. Immerhin verkniff sich Armin Laschet bei Ortsterminen in den Überflutungsgebieten Wahlkampf-Auftritte in Gummistiefeln, um nicht auch noch als Schröder-Plagiator gescholten zu werden. Olaf Scholz war auch da vor Ort und tat das, was er immer tut, nämlich mit einem höchst muffligen Gesichtsausdruck in die Kamera zu starren wie Clint Eastwood in „Dirty Harry“: wo Laschet sich nach Ansicht vieler einen unangebrachten Lacher hätte verkneifen müssen, kommt Scholz erst gar nicht auf die Idee, dass es in anderen Lebenssituationen überhaupt mal etwas zu lachen geben könnte. Annalena Baerbock kam ohne Pressetross im Anhang in die Eifel und redete dort diesmal keinen Unsinn, so dass es Robert Habeck erspart blieb, wieder einmal betreten zu Boden schauen zu müssen. Copyright Bär/Raap 2021

Ach, Annalena. „Schwarze werden als Neger verunglimpft“. Dieser Satz ginge „wohl noch unter Normalos durch, weil dieser Satz, wenn auch in positiver Absicht, das diskriminierende N-Wort als Normalfall verwendet. Für Grüne ist er allerdings ein No Go“, schrieb Ulrich Reitz in „Focus online“. Es ist ein Irrglaube jener „Hundertprozentiger“ (so Ulrich Reitz über die Hardcore-Apostel der politischen Korrektheit) sich einzubilden, eine Diskriminierung höre wohl automatisch auf, wenn man einfach bestimmte Vokabeln aus dem Sprachschatz tilgt. So funktioniert das eben doch nicht. Herr Bär hätte sich bis jetzt nicht vorstellen können, Annalena Baerbock mit ihrer Neigung zur Plapprigkeit jemals in Schutz nehmen zu müssen, aber wenn sie in einer Diskussion über Alltagsrassismus aus einem Schulaufgabentext wortwörtlich zitiert, dann ist dieses Zitat doch korrekt wieder gegeben, auch wenn darin eine heut zu tage umstrittene Vokabel vorkommt. Bereits vorhandene oder gar ältere Texte spiegeln immer die Zeitumstände wider, unter denen sie entstanden sind, und diesen aktuellen oder historischen Zeitgeist kann man aus heutiger Sicht nun mal nicht begreifen, wenn man die Texte im nach hinein zensiert. Da geht es ja nicht nur um Fragen des Urheberrechts, sondern eben auch um solche der zeitgeschichtlichen Authentizität. Polemisch ausgedrückt: 2016 wurde Adolf Hitlers „Mein Kampf“ gemeinfrei, und das Institut für Zeitgeschichte gab daraufhin eine kritische Neu-Auflage mit zahlreichen Anmerkungen heraus. Die Schrift des „bayerischen Bierkelleragitators“, der Hitler in den frühen 1920er Jahren war, ist „gekleidet in ein Gewand von Hetze und Propaganda. Der Inhalt: völkisch, rassistisch und antisemitisch; die Sprache: unsauber, unbeholfen, gestelzt“, so der Bayerische Rundfunk in einer Rezension. Doch würde man Hitlers wirre und schreihalsige Propagandaphrasen heute nicht gründlich missverstehen, ja, würde man sie nicht sogar verharmlosen, wenn man solch ein ungeheuerliches Vokabular, das dann später ganz brutal u.a. 1938 in Heinrich Himmlers Erlass zur „Regelung der Zigeunerfrage aus dem Wesen der Rasse“, mündete, in einer heutigen Neuauflage oder auch nur in fragmenthaften Zitaten aus diesen alten Texten mit Gendersternchen oder Umschreibungen wie „Regelung der Frage über Menschen südosteuropäischer Herkunft“ sprachlich manipulieren würde? (oder müsste Himmlers Erlass aus Sicht des Jahres 2021 gar als „Mensch*innen aus dem Wesen der Rasse“ redigiert werden?) Der surrealistische Dichter Philippe Soupault veröffentlichte in den frühen 1920er Jahren einen Roman mit dem Titel „Der Neger“, auf deutsch 1982 neu aufgelegt, als eine „Geschichte von Edgar Manning, einem Dealer, Jazzmusiker, Mädchenhändler und Mörder. Der Roman stellt die Frage nach dem Verhältnis von schwarzer und weißer Kultur, deren Spannungsverhältnis er auf mitreißende, sehr subtile – und intelligente, denkende – Weise herstellt“ (Rezension der „Nürnberger Nachrichten“). Müsste man für eine heutige weitere Neuauflage das Buchcover mit dem dann politisch korrekten Titel „Der N****“ dennoch neu gestalten? Nein, findet Herr Bär. „Es ist Zeichen fortschreitender Aufklärung, wenn das N-Wort heute nicht mehr gesprochen und geschrieben wird – es sei denn im aufklärerischen Kontext. Deswegen ist Annalena Baerbocks Entschuldigung nachgerade unvernünftig“, schreibt Stefan Kornelius in der Süddeutschen Zeitung. Und bei der Ausstrahlung des Baerbockschen Interviews jetzt an markanter Stelle einen Piepton einzublenden, erinnert peinlicherweise an die Zensurpraktiken in den prüde-puritanischen USA, die in ihren Medien sogenannte „four letter words“ wie „Fuck“ tabuisieren, sich bigotterweise aber gleichzeitig die weltweit größte Porno-Industrie leisten. Motto: „Sex sells“ (Sex verkauft sich gut, der „Me Too“-Bewegung zum Trotz).

Impressum: v.i.S.d.P Jürgen Raap, Senefelderstr. 5, 50825 Köln

Baer aktuell 301 – 3. Juli 2021

Juli 2nd, 2021

Bild des Monats Juli 2021: Jürgen Raap, „Die Narren der Unschuld“, Acryl/Öl auf Leinwand, 2021

Bär aktuell Nr. 301 – 3. Juli 2021

Bärs Sprachkritik: Zu viele Päpste Matthias Schneider ist Hobbykoch und Bodybuilder, firmiert in den Medien unter dem Kosenamen „Hollywood-Matze“, wurde jüngst in der BILD-Zeitung mit muskelgestähltem nackten Oberkörper abgebildet und in dem Blatt verbal als „der Mann für Brust und Keule“ apostrophiert. Karl Lauterbach ist unterdessen für die Münchener „Abendzeitung“ „Deutschlands gestrenger Pandemie-Papst“, was allerdings nicht ganz stimmt, denn Lauterbach ist nicht unfehlbar, obwohl er manchmal „päpstlicher als der Papst“ auftritt. Ohnehin wird der Begriff „Papst“ oft zu inflationär gebraucht: für die „Neue Zürcher Zeitung“ ist z.B. der Trainer Jürgen Klopp „der Fußball-Papst“, während hingegen der echte Papst, nämlich Franziskus, sich in der Süddeutschen Zeitung mit den Worten „Ich war nie gut im Fußball“ zitieren ließ. Einen „Eishockey-Papst“ gibt’s übrigens mindestens gleich viermal: der Sportjournalist Klaus-Peter Knospe sei früher von Kollegen „scherzhaft“ so genannt worden, informiert der „Verband Deutscher Sportjournalisten e.V.“ auf seiner Website. Bei „Hockey Diversity e.V.“ ist man allerdings der Ansicht: „Werner Nieleck ist der Eishockey-Papst schlechthin.“ Auf http://www.suedtirol1.it wurde unterdessen Dieter Knoll zum „Eishockeypapst“ ausgerufen und bei „BILD“ Nico Pethes. Herr Bär fragt sich, wer ist denn hier nun Papst, und wer ist nur ein Gegenpapst ? Als „Weinpapst“ galt lange Jahre für www.weinfreudne.de ein gewisser Robert Parker, über den im Jahre 2007 „Die Welt“ die süffisante Frage stellte: „Hat Weinpapst Parker gesündigt?“ Unter Gourmets schätzt man Toni Holburger als „Weißwurst-Papst“ (https://www.worldsoffood.de), und auch der gelernte Metzger Peter Inhoven wurde schon mal als „Wurstpapst“ etikettiert, seit er mit „Peter Inhovens Wurstzirkus“ durch die Lande zieht, wobei auf http://dasfilter.com/leben-stil/kunst-am-darm-im-gespraech-mit-wurst-papst-peter-inhoven das Interview bezeichnenderweise mit „Kunst am Darm“ überschrieben ist. Für den Münchener „Merkur“ ist derweil „Wolfger Pöhlmann, der bayerische WurstPapst, der erste ernst zu nehmende deutsche Wurst-Forscher“. Thomas Hager galt zu Lebzeiten als „Bienen-Papst“, und der „Bier-Papst“ Conrad Seidl unterhält sogar eine eigene Website http://bierpapst.eu/media/. Herrn Bärs Fazit: manche Appositionen, Synonyme und Metaphern sind inzwischen so arg abgenutzt, das man sie doch lieber vermeiden sollte. © Raap/Bär 2021

Kalauer des Monats Was unternimmt eine Wolke gegen Juckreiz? – Sie verlangt nach einem Wolkenkratzer.

Stimmbildung und Sprechtechnik Mangelhafte Rhetorik bescheinigte der Berliner „Tagesspiegel“ (17. 5. 2021) dem SPD-Führungspersonal für den anstehenden Bundestagswahlkampf. Olaf Scholz habe „die ganze Zeit sein Mikrofon umklammert und sein Ablesen vom Teleprompter wie ein Blick ins Nichts gewirkt… Wenn Esken Redebeiträge von Karteikarten abliest, wirkt sie auf einige wie eine Moderatorin im Frühstücksfernsehen…“ Doch auch die politische Konkurrenz bekommt im Orkus des Internet hinsichtlich einer misstönenden Stimmlage ihr Fett weg: „Lauterbach, Neubauer, Schwesig und Baerbock“ würden so sehr zu einer unangenehmen Obertonartikulation neigen, dass diese ihnen „in normalen politischen Zeiten jede Chance verbaut hätte, in ein höheres politisches Amt zu scheitern“, ätzt ein Blogger namens „holgerfinn“ (https://ecency.com/foo) und attestiert Annalena Baerbock, sie rede „in spitzem Diskant“, während hingegen der im Kandidatenwettstreit unterlegene Robert Habeck seine gesetzten Worte „in beruhigendem Bass“ von sich gebe. Aus auralwissenschaftlicher Sicht kommt bei dem Blogger „holgerfinn“ Karl Lauterbach am schlechtesten weg, denn gerade „das Lauterbachsche Hochfrequenzheulen vor aller Ohren, auf allen Kanälen“ markiere „den Sieg der Dysphoniker über die angeborene Harmonieliebe des Menschen.“

Daher kommt es, dass wir mit Schrecknissen Scherz treiben und uns hinter unsere angebliche Wissenschaft verschanzen, wo wir uns vor einer unbekannten Gewalt fürchten sollten“, gibt William Shakespeare in seinem Drama „Ende gut, alles gut“ zu bedenken. Ist es also redlich, Armin Laschet zu unterstellen, er habe in eben diesem Shakespeare’schen Sinne „mit Schrecken Scherz getrieben“, feixend wie ein Schuljunge hinter dem Rücken des Bundespräsidenten, als dieser in der Eifel eine Ansprache inmitten der Trümmer der Flutkatastrophe hielt? Nein, redlich ist dies nicht, da nämlich manch ein Laschet-Kritiker nicht begreifen kann, dass in Situationen höchster Bedrückung und Beklemmung ein kurzes, befreiendes Lachen eine notwendige Entlastung schaffen und einen ungeheuren seelischen Druck, Trauer und Schmerz mildern kann. Die Antipode zur teutonischen Schwermut ist ja nun nicht allein nur der sarkastisch-höhnische Brachialhumor Böhmermannscher Prägung, sondern dieses Lachen als Bewältigungstrategie fußt „in der irrationalen, alogischen Tiefe“, in den vital-seelischen Strömungen des Unbewussten, wie dies der Bonner Kunsthistoriker Heinrich Lützeler einmal treffend beschrieb. Einen kleinen protokollarischen Fauxpas sollte man daher gewiss nicht überbewerten, aber die Klingbeils in diesem Lande tun es jetzt trotzdem, so dass Teile der bürgerlichen Presse schon bangen, dieses unbedachte Lachen könne Laschet die Kanzlerschaft kosten, obwohl die grüne Gegenkandidatin in letzter Zeit an allen Chancen für sich eigentlich schon weitaus mehr verbaerbockt hat. Das Scherzen im bodenlosen Schrecken, wie es Skakespeare meint, geschieht im Willen, Boden im wahrsten Wortsinn zurück zu gewinnen; es ist somit eine Reaktion auf das Unkalkulierte und Unkalkulierbare, Schicksalhafte und Untergründige, auf das Unbestimmbare, das nicht anders in den Griff zu kriegen ist. Heinrich Lützeler beschreibt die Reaktionen seiner Zeitgenossen am Ende des Zweiten Weltkriegs, wie sie mit einer großen Erleichterung feststellten, überlebt zu haben und darauf mit einem gewissen Galgenhumor reagierten, noch viel viel Schlimmeres könnte ihnen ja jetzt wohl auch nicht mehr passieren. © Raap/Bär 2021

Christian Lindner war der „schönste Politiker Deutschlands 2018“, hatte der Attraktivitätsforscher Prof. Ulrich Rosar bei einer Umfrage heraus gefunden. Drei Jahre später, also heute, bescheinigt Rosar dem FDP-Chef, er sei inzwischen „attraktiv gealtert“. In einem Interview mit der FAZ-“Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ attestierte Rosar dem Grünen-Co-Vorsitzenden Robert Habeck, auch wenn dieser „in den vergangenen Jahren zugenommen habe“, sei er „für den Politbetrieb vergleichsweise schlank“. Ohne Armin Laschets Namen explizit zu nennen, führte der Attraktivitätsforscher weiter aus, dass „kleinere, etwas korpulente Männer“ vom Publikum keineswegs als Schönlinge wahrgenommen werden, denn sie gelten „einerseits“ als „nicht so durchsetzungsstark“, seien aber „andererseits gut in der Lage… zu moderieren und zu vermitteln“. Dass Peter Altmaier sogar damit kokettiere, er werde niemals einen Schönheitswettbewerb gewinnen, käme als gelungene Selbstironie bei seinen Fans gut an. Auch Olaf Scholz werde im Bundestagswahlkampf „nicht über seine Attraktivität punkten. Er versucht sich über ein gepflegtes Äusseres, ein ruhigeres, souveränes Auftreten zu inszenieren“. Angela Merkel habe es verstanden, „durch die Kleidung Alterserscheinungen zu kompensieren“ und habe damit „ihr Aussehen so verändert, dass es präsidial wurde“. Über Annalena Baerbock urteilte Prof. Ulrich Rosar, auch wenn sie „in den vergangenen Jahren etwas zugenommen hat“, so sieht man ihr doch „die Leistungssportlerin noch immer an“, und er nennt als weitere Sympathiemerkmale „ein symmetrisches Gesicht“, „sehr glatte Haut“, „große Augen“ und nolens volens ein „Gesicht“ mit einer „leichten Beimengung des Kindchenschemas“. Gutes Aussehen gilt bekanntlich eher als ein Garant für gesellschaftlichen Erfolg, als wenn einer als schlunziger Gnom durch die Gegend schlurft. Doch der Attraktivitäts-Professor warnt die Politiker vor zu viel Styling und zu viel Eitelkeit: „Niemand will einen Poser oder Narzissten in einer Spitzenposition. Wir kennen etwas Vergleichbares aus der Kriminalitätsforschung: Straftäter, die ihre Attraktivität zur Begehung einer Straftat einsetzen, werden härter bestraft als unattraktivere Straftäter“. © Raap/Bär 20

Essen und Trinken mit Herrn Bär

Veau marengo Das Rezept entwickelte der Leibkoch von Napoleon Bonaparte im Jahr 1800 vor der Schlackt von Marengo im Piemont. Zutaten: Kalbsbraten, Champignons, Tomaten, Tomatenmark, Möhren, Lorbeerblatt, Nelken, Rosmarin, Thymian, 1 Knoblauchzehe, Schalotten, Weißwein, Hühnerbrühe. Das Fleisch schneidet man in gulaschgroße Würfel, brät es in Olivenöl an, salzen und pfeffern, dann die anderen Zutaten hinzufügen bis auf die Champignons und das Ganze zwei Stunden in Hühnerbrühe schmoren lassen, die Champignons erst zum Schluss 20 Min. vor dem Servieren beifügen. Die Variante Poulet Marengo ist ein Schmorgericht mit Poularde, Tomaten, Champignons, Weißwein, Garnelen oder Flusskrebsen, frittierten oder gekochten Eiern sowie Croûtons oder gerösteten Baguettescheiben.

Mainzer Handkäs mit Musik

Ein Sauermilchkäse, hergestellt aus Sauerquark von der Kuhmilch, den eine Bäuerin aus dem hessischen Umland in Groß-Gerau erfand und ab 1813 auf dem Mainzer Wochenmarkt verkaufte. Ein Gastwirt, ebenfalls aus Groß-Gerau, konstruierte später dafür eine Käseform-Maschine. Als „Handkäs mit Musik“ wird er in Mainz in einer Marinade aus Öl, Essig und Wein eingelegt und zusammen mit Zwiebeln und Kümmel serviert.

Copyright Texte und Fotos: Raap/Bär 2021

Impressum: v.i.S.d.P Jürgen Raap, Senefelderstr. 5, 50825 Kö

Baer aktuell Nr. 300 – 3. Juni 2021

Juni 1st, 2021

Bild des Monats Juni 2021: Jürgen Raap, „Das Kap der grauen Nase“, Acryl und Öl auf Leinwand, 2021

Bär aktuell – 3. Juni 2021

Vom Schwipps bis zum Vollrausch – oder: Von der „Kalten Ente“ zum „Fisternöllche“. Marian Krause aus der Kölner „The Grid Bar“ gewann unlängst den Titel „World Class Bartender Germany 2021“. Es heißt, zu seinem Cocktailrezept „Fisternöllche“ habe er sich angeblich von der „Kalten Ente“ inspirieren lassen, einem Getränk, das im Rheinland zu Karnevalssitzungen gehört wie Tusch und Klatschmarsch und bei dem man eine Zitrone über einer Karaffe aufspießt und dann gleichmäßig Wein und Sekt darüber kippt. Im benachbarten Flandern heißt dieses Mixgetränk übrigens „Half en Half“. Die „Aachener Zeitung“ lästerte darüber vor Jahren, bei den „prestigeträchtigen“ Fernsehsitzungen im Kölner Gürzenich sei „Kalte Ente“ nur „eine Mischung aus Sekt und Weißwein mit eingebauter Kopfschmerzgarantie und einem Preis von mindestens 80 Euro“. Ein „Fisternöll“ ist im Rheinland eine heimliche Liebschaft, und der „Kölner Stadtanzeiger“ verriet Krauses Rezept für den „Fisternöllche“-Cocktail: „30ml Belsazar Rosè | 100ml hausgemachte Waldmeisterlimonade | 1 Pinselstrich Waldmeister Farbe | 1 Spritzer Limette | 1 Waldmeisterblatt“. Damit verbinden der Bartender Markus Krause und seine Zunftkollegen bei ihren Gästen an der Bar auch pädagogische Ambitionen: „Wir möchten sie sensibilisieren, alkoholische Getränke bewusst zu genießen”. Ob man damit allerdings einen notorischen Ballermann-Krawallöres, der es gewohnt, Sangria nur aus Eimern zu saufen, umerziehen kann, wagt Herr Bär zu bezweifeln. Obwohl eine solche eimerweise Menge „Sangria“ deutlich mehr Kopfschmerzen verursacht als eine einzige Karaffe „Kalte Ente“. © Raap/Bär 2021

Bärs Sprachkritik – Zu den höchst unsinnigen Modewörtern, die derzeit im Neusprech der Marketinglurche und Werbedeppen kursieren, gehört zweifellos die Vokabel „Hub“. Ursprünglich bezeichnete man damit nur einen Knotenpunkt in der Logistik und in der Luftfahrt. Wenn man aber in unseren Tagen die Auslagerung von Büros aus der Unternehmenszentrale als „Innovation Hub“ bezeichnet, um das Wort „Außenstelle“ zu vermeiden, findet Herr Bär das ziemlich albern. Wer auf der Suche noch dämlicherer Beispiele ist, der goutiere einmal die „Tiroler Landeszeitung“. Dort sind einige Zeitgenossen der Ansicht, Tirol sei „ein starker Standort bezogen auf den Life-Science-Sektor“, und so plant man dort nun eine Investition von 4,5 Mill. Euro in einen „Health Hub“, was immer damit gemeint sein soll. Es kommt in Innsbruck aber noch doller. Die Manager von „Innsbruck Tourismus“ haben nämlich einen alten Pavillon vor dem Landestheater reaktiviert, dem die „Tiroler Landeszeitung“ euphemistisch prophezeit, er könnte zu einem „Alpine Hub“ werden. In diesem „Knotenpunkt“ des örtlichen Fremdenverkehrsvereins kann man z.B. Kaffee trinken und sich „Sportequipment“ ausleihen. So weit so gut. Aber warum muss diese Kaffeebude dann ausgerechnet ein „Alpine Hub“ sein? © Raap/Bär 2021

Negernbötel bei Bad Segeberg hat ungefähr 1.000 Einwohner. „Zu Negernbötel gehören auch die Ortsteile Heidkaten, Stüff, Kiebitzholm, Bredensegen und Gut Maleksberg“, ist bei „Wikipedia“ nachzulesen. Viel Aufregendes passiert dort im allgemeinen nicht: „Negernbötel ist Geheimtipp für Schleichwege-Spezis“, die eine Sperrung der B 205 umfahren wollen, informiert „LN Online“ als lokale Sensation. Wie viele der rund 1.000 Einwohner dunkelhäutig sind, und ob sich einer von ihnen jemals über den Ortsnamen beschwert hat, ist nicht bekannt. „BILD“ ließ jedenfalls den Tischerlehrling Julien Roth (19) zu Wort kommen, der bekundete, das Dorf sei „wirklich nicht von Rechtsradikalen geprägt“. Gleichwohl forderte die Grüne Jugend von Bad Segeberg eine Umbennenung des Ortes, weil der Name angeblich rassistisch klänge. Nun ist Herr Bär selbstverständlich auch gegen jegliche Form von Rassismus, Antisemitismus und Sexismus (und in diesem Kontext lehnt Herr Bär übrigens auch die teils aggressive vulgäre sexistische Gossen-Sprache mancher Rap-Musiker ab). Aber Herr Bär wehrt sich gleichzeitig auch gegen selbsternannte Missionare in Sachen sprachlicher Umerziehung und verweist dazu auf einen Text in der NZZ-„Neuen Zürcher Zeitung“ mit dem Titel „Wie Identitätspolitik Geschichte verfälscht“. Dort heißt es, dass es „gerade die moralisch am besten legitimierten Absichten“ seien, „welche die schlimmsten Nebenfolgen hervorbringen. Historisch betrachtet ist es vom Glauben an die gerechte Sache bis zum Fanatismus nur ein kurzer Weg.“ Darf man also durch eine quasi sprach-polizeiliche Umbenennung eines Ortes einfach dessen Geschichte ausradieren? Herr Bär empfindet den grünen Parteinachwuchs in Bad Segeberg als anmaßend, zumal bei denen eine völlige Unkenntnis und Unbeholfenheit in Sachen Sprach- und Landesgeschichte vorzuherrschen scheint. „Bötel“ oder „Büttel“ bedeutet im Niederdeutschen „Siedlung“, und ab 1306 bezeichnete man dort im Einzugsbereich eines Klosters das benachbarte Dorf „Fehrenbüttel“ als die „fernere Siedlung“ und „Negernbötel“ in Abgrenzung dazu als die „nähere Siedlung“. Es gibt also weder einen linguistischen noch einen historischen Grund für eine Umbenennung, zum Beispiel in „Näherbötel“. So bremste sogar Steffen Regis, der Landesvorsitzende der Grünen, seinen bildungsdefizitären und daher arg verblendet herum irrlichternden Parteinachwuchs: „Eine Umbenennung des Ortes steht für uns nicht zur Debatte.“ Herr, lass Hirn regnen. Vor allem auf die Grüne Jugend von Bad Segeberg. © Raap/Bär 2021

Womit beschäftigt man sich eigentlich im Berliner Abgeordnetenhaus? Zum Beispiel mit dem „Zustimmungsgesetz zu einem Staatsvertrag zwischen dem Land Berlin und der Freien und Hansestadt Hamburg über die Führung des Schiffsregisters und des Schiffsbauregisters“. Was bisher kaum jemand wusste: „Derzeit umfasst das Berliner Schiffsregister nach Mitteilung des Amtsgerichts Charlottenburg ca. 1000 Binnenschiffe und 350 Seeschiffe“. „Heidewitzka, Herr Kapitän!“ ruft Herr Bär dazu aus, und fragt sich zugleich eher ratlos: Was wollen die denn mit all den Seeschiffen auf der Havel und der Spree? In der „Drucksache 18/3689“ ist zu diesem Gesetzesvorhaben nachzulesen, dass „die Änderungen im Schiffsregister aufgrund des derzeit bestehenden veralteten Eintragungsverfahrens mit Schreibmaschine erfolgen“ müssen. Mit der Schreibmaschine! Und das im Jahr 2021! Einen Schreibcomputer können sie sich in der Berliner Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt oder wo und bei wem auch immer die Zuständigkeit dafür liegt, nicht leisten, aber 350 Seeschiffe! Herr Bär hält das für übertrieben. Denn selbst die Schweizer Hochseeschifffahrt unterhält ja nur 27 Schiffe, die zum Ruhme des Alpenlandes als Seefahrernation beitragen. Registerhafen dafür ist Basel, und Herr nimmt an, dass sie dort schon mit etwas modernerem Schreibzeug ausgestattet sind als im rückständigen Berlin (s. hierzu auch das „Bundesgesetz über die Seeschifffahrt unter der Schweizer Flagge“). © Raap/Bär 2021

Mit der lockdowngelockerten Wiedereröffnung der Gastronomie zog es Herrn Bär zu einem griechischen Restaurant, wo er zum Essen einen Rotwein von der Peloponnes wählte, den die Weinkarte als „vielschichtig in der Nase“ und „pelzig im Abgang“ anpries. In der Tat belebte dieser Wein Geist und Gaumen von Herrn Bär. Allerdings führt nicht immer der Genuss von Spirituosen auch zur Spiritualität, wie man an einem Laternenpfahl am Kölner Heumarkt feststellen kann, an welchem jemand mit pubertärem Übermut und mit dem Absender „Thusnelda-Gymnasium“ einfältige juvenile Trinksprüche hinterlassen hat. Die Spottbezeichnung „Tussi“ für intellektuell unbedarfte junge Damen leitet sich übrigens von „Thusnelda“ ab. Um politische Korrektheit bemüht muss Herrn Bär allerdings darauf hinweisen, das es heut zu Tage natürlich auch mit ebenso schlichtem Gemüt ausgestattete junge Herren gibt, die man – um von vorneherein jeglichem Gendersprachen-Unsinn vorzubeugen – dann als „Tusso“ bezeichnen müsste und nicht etwa als „Tussi*“. Doch man täte Herrn Bär Unrecht, ihm nun vorzuwerfen, ein alter Sack zu sein, noch dazu ein weißer, wie man in gewissen Kreisen diese Spezies des weißen alten Mannes ja heute gerne zu schmähen pflegt. Gewiss hat der 85jährige Emeritus für Ästhetik und Kunsttheorie Bazon Brock recht, als er kürzlich bekundete: „Alte Leute sind gefährlich. Denn die Zukunft ist ihnen egal“. Jaja, die Hauptsache ist, der Rotwein ist noch „pelzig im Abgang“. Aber was eine Toleranz gegenüber den Trinksitten heutiger Gymnasiasten angeht, zumal jenen des Thusnelda-Gymnasiums, so hält es Herr Bär da doch mit Robert Habeck, als diesen unverhofft ein Anflug von Liberalität heimsuchte, da er nämlich neulich im „Spiegel“ bekannte, jeder solle essen und trinken dürfen, was er wolle. Nehmen wir also in dieser Hinsicht die Grünen beim Wort. Text und Foto: Copyright Raap/Bär 2021

Essen und Trinken mit Herrn Bär

Lammhackcurry mit Kichererbsen à la Karl-Josef Bär

Kichererbsen sind in der mediterranen und orientalischen Küche weit verbreitet. Man erhält sie roh und muss sie dann einweichen, getrocknet oder vorgekocht als Konserve. Man bereitet sie mit Gewürzen zu, die ein kräftiges Aroma haben wie Kreuzkümmel, Paprika, Koriander, Knoblauch, Ingwer Zimt oder Nelke. In Indien nimmt man für Curry-Gerichte auch gerne Garam Masala oder Tikka Marsala, eine fertige Würzmischung in verschiedenen Varianten, u.a. mit Kardamom, Nelke, Zimt, schwarzem Pfeffer, Muskat, Fenchel, Lorbeer, Kreuzkümmel, Koriander, Ingwer, Sternanis, Chili. Herr Bär brät Lammhack mit frischen Zwiebeln an, fügt Tomatenstücke und Tomatenpüree hinzu, rührt dann die Kichererbsen ein mit Gemüsefond und die Gewürze, zum Schluss auf jeden Fall frischer Koriander, und rundet das ganze mit Kokosmilch und Limettensaft ab.

Rochenflügel à la Karl-Josef Bär

Der Rochen gehört zu den Knorpelfischen; bekannt sind über 600 Arten. Er kommt in allen Weltmeeren vor. Salzkartoffeln in kleine Würfel schneiden und kochen. Bei Tomaten die Haut abziehen und klein würfeln. 2 Schalotten oder 1 mittelgroße Zwiebel klein würfeln. Kapern und Knobloch und ½ rote Spitzpaprika grob hacken. Rochenfilets salzen, pfeffern und mehlieren und in Olivenöl braten, Schalotten/Zwiebeln und andere Zutaten hinzugeben, andünsten, mit Fischfonds ablöschen und kurz aufkochen lassen. Etwas Tomatensaft hinzufügen. Mit frischem Dill und frischer Petersilie bestreuen.

Impressum: v.i.S.d.P Jürgen Raap, Senefelderstr. 5, 50825 Köln

Baer aktuell 299 – 22. Mai 2021

Mai 1st, 2021

Bild des Monats Mai 2021:

Bär aktuell 299 – 22. Mai 2022

Ein Münchener Oktoberfest in Dubai? „Ein Prosit der Gemütlichkeit“ mit Blasmusik und Brezeln, das dann nicht nur zwei Wochen lang wie das bajuwarische Original, sondern gleich bis März 2022 dauern soll? „Die Stadt München geht auf Distanz zu den Plänen eines Oktoberfests“ dort, meldete jedenfalls die „Neue Zürcher Zeitung“, und diese Distanzierung von den Plänen eines privaten Veranstalters hat wohl weniger etwas mit einer Empörung über eine unangemessene kulturelle Aneignung zu tun, sondern wohl eher mit markenrechtlichen Aspekten. Obwohl es inzwischen weltweit 2.000 Imitate der voralpinen „Eins, zwei g’suffa“-Sause gibt, behauptet der Münchener „Wies’n-Chef“ Clemens Baumgärtner steif und fest: «Es gibt nur ein echtes Oktoberfest, und das ist in München». Und wie soll das dort in Dubai funktionieren? Schafft es der Emir von Dubai, Scheich Mohammed bin Rashid al-Maktum, das erste Fass gekonnt mit einem einzigen Hammerschlag anzuschlagen und dann ein zünftiges „O-Zapft is!“ auszurufen? Und da bislang der Import von Schweinefleisch in Dubai strikt verboten ist, kann sich Herr Bär kaum vorstellen, dass sie im Herbst dort in der Wüste im Bierzelt sitzen und eine Grillhaxe nach der anderen abnagen. Selbst wenn sie Boris Becker in Lederhose als notorischen Adabei einfliegen ließen, wäre noch längst kein authentisches Flair garantiert. Also rät Herr Bär den Veranstaltern: Lasst es lieber bleiben. Wenn ihr schon kulturelle Aneignung an ur-deutschem Traditionsgut vornehmen wollt, dann baut doch in Dubai einfach Schloss Neuschwanstein als Sandburg nach. © Raap/Bär 2021

Sind die Zeiten wirklich vorbei, als die mit Schlapphut und Trenchcoat ausstaffierten Geheimagenten vornehmlich über „tote Briefkästen“ miteinander kommunizierten? Jedenfalls tummelt sich jetzt auch der Bundesnachrichtendienst BND auf einem Instagram-Kanal, um in zeitgemäßer Form Nachwuchswerbung zu betreiben. Lockt der BND damit zu grenzenloser Freiheit mit einer „Lizenz zum Töten“ à la James Bond, aufregendem Abenteuer, atemberaubendem Nervenkitzel und ruhmreichem Heldentum? Mitnichten. Auf diesem BND-Instagram-Kanal wird nämlich u.a. eine chinesische Winke-Katze vorgestellt, wie man sie aus Kitschläden kennt. Dazu heißt es dann, die habe sich ein BND-Mitarbeiter als Souvenir aus Singapur mitgebracht. Was dieser BND-Agent sonst noch in Singapur gemacht hat, erfährt man allerdings nicht. Schade. Vielleicht hatte dieser BND-Agent in Singapur ja einfach nur einen toten Briefkasten mit geheimen Botschaften in einem Abfallkorb neben einer Parkbank geleert. Dann vor dem Rückflug noch schnell in den Souvenirshop, eine Winke-Katze kaufen, und wieder ab nach Hause. So aufregend wie in einem James Bond-Film scheint es beim BND also doch nicht zuzugehen. Wer also gerne eine Karriere beim BND anstrebt, aber nicht unbedingt nach Singapur und dort in Abfallkörben herumwühlen will, oder gar, um sich dort mit irgendwelchen Schurken herum zu prügeln, danach mit knapper Not mit dem Fallschirm im Kugelhagel eben jener Schurken vom Dach eines Hochhauses herunter zu springen, wie man dies immer in Hollywood-Agentenfilmen zu sehen bekommt, und dann Abends an der Hotelbar den Martini entspannt im Kreise aufregender Blondinen „nicht gerührt, sondern nur geschüttelt“ genießt, dabei nicht ahnend, dass dort eigentlich der Cocktail „Singapore Sling“ das Nationalgetränk ist, dem es als BND-Agent mithin an Weltläufigkeit ein wenig mangelt, zumindest was die Kenntnisse lokaler Trinksitten in Singapur angeht, der informiere sich auf der Webseite https://www.bnd.bund.de unter „Stellenangebote“ über die beruflichen Perspektiven z.B. für „Regierungsinspektorenanwärter/in (m/w/d) für den gehobenen nichttechnischen Dienst“. Wohlgemerkt: „Nichttechnischer Dienst“. Keine Knarren, keine waghalsigen Fallschirmsprünge und dergleichen, aber dafür leider auch keine aufregenden Blondinen. Sondern stattdessen ein gemütlicher Schreibtischjob beim BND. Mit Winke-Katze im Büroregal. © Raap/Bär 2021

Essen und Trinken mit Herrn Bär

Cocktail „Martini“ nach dem Originalrezept von Harry Johnson aus dem Jahre 1888: ½ Weinglas Gin, ½ Weinglas Vermouth, 1 Spritzer Curacao oder Absinth, 2-3 Spritzer Bitters (z.B. Angosturabitter), 2-3 Spritzer Zuckersirup. Rühren, nicht schütteln, zum Servieren mit Zitronenscheibe und grüner Olive garnieren.

Cocktail „Singapore Sling“: 3cl Gin, 1,5cl Kirschlikör, 1½ Barlöffel (BL) Orangenlikör Cointreau, 1½ BL Bénédictine, 1 cl Granatapfelsirup, 1,5 cl Limettensaft, 1 Spritzer Angosturabitter und 12 cl Ananassaft im Cocktail-Shaker auf Eis geschüttelt.

Bärs Sprachkritik – Die schönsten Stilblüten des zeitgenössischen Journalismus

„Es lauerten aber stets auch Unholde, die der Sonntagsruhe zu Leibe rücken wollten, so die Industriebarone des 19. Jh. und später die FDP“. (in: „Süddeutsche Zeitung, 3.3. 2021). Nun wird der „Unhold“ im Märchen als „böser Geist“ oder „furchterregendes Wesen“ definiert. FDP-Chef Christian Lindner kann man ja vieles nachsagen, aber ein furchterregender Unhold ist er sicherlich nicht. – Der „Spiegel“ wiederum apostrophierte Armin Laschet kürzlich als „Inkarnation eines männlichen Merkels“. Naja, wenigstens nicht als „Inkarnation eines Unholds“. Und um erneut den sprachlichen Unfug zu monieren, mit dem übereifrige Gender-Beckmesser übers Ziel hinaus schießen, sei darauf verwiesen, dass die Unterhaltungskünstlerin Mirja Boes sich neulich zu recht darüber mokierte, dass man sie als „Gästin“ begrüßt habe, woraufhin sie konterte: „Kann ich nicht einfach nur Gast sein?“ Herr Bär merkt dazu an: Schließlich sagt man ja auch „Der Vogel sitzt auf einem Ast“ und nicht „auf einer Ästin“. Wenn man irgendwo die Deklination „der Unholdin“ liest, dann ist dies keine modische sprachliche Verrenkung mit falscher Grammatik, sondern ganz einfach nur der Genitiv oder Dativ Singular des femininen Nominativs „die Unholdin“ (Beispiel: „Die Inkarnation der Unholdin brachte keinen männlichen Merkel hervor“).

Können alte Tierfabeln politisch unkorrekt sein? Jedenfalls distanzierte sich die US-Firma Dr. Seuss Enterprise, die das Werk des Kinderbuchautoren Theodor Seuss Geisel alias Dr. Seuss (1904-1991) verwaltet, inzwischen von sechs Büchern des Erblassers, weil u.a. im Buch „The Cat in the Hat“ eine Katze „als Teil einer… fahrenden Musikantengruppe“ auftaucht, mithin als unzulässiges Klischeebild des „fahrenden Volkes“ (was wiederum den Berliner „Tagesspiegel“ im Bericht darüber zur Formulierung des Subtitels „Die Wachsamen und die Überwachsamen“ veranlasste). Eine andere Rollenaufteilung bietet der berühmte Comic „Maus“ über den Holocaust von Art Spiegelman, der in dieser Bildergeschichte die Juden als Mäuse und die Deutschen, zumal die SS-Männer und KZ-Aufseher, als Katzen darstellt. Das sei eines der „wenigen Kunstwerke, die absolut wahrhaftig vom Holocaust erzählen“, begeisterte sich „Die ZEIT“ 2016 in einer Rezension. Tierfabeln bestanden immer schon in der Einteilung der Fauna und damit der Welt an sich in Gut und Böse, eine Einteilung, wie sie bei Art Spiegelman auch absolut unstrittig ist. In der klassischen Fabel bei Jean de la Fontaine (1621-1695) mit dem Titel „Le Chat et les deux Moineaux“ (Die Katze und die zwei Spatzen) hingegen hat die Katze einen ambivalenten Charakter: sie lebt zunächst friedlich mit einem Spatz zusammen, lässt sich von diesem sogar ohne sich zu wehren gutmütig triezen und pieseacken, bis sich ein zweiter Spatz einfindet und mit dem ersten Spatz heftigen Streit anfängt, woraufhin die Katze schließlich beide auffrisst. Wer ist hier das gute Tier, und welches das böse? Letzteres wohl am ehesten der zweite Spatz. In seinem Essay „Eine ‚politisch unkorrekte‘ Fabel des Phaedrus? Zu Phaedr. 1,19“ als Beitrag zur Website „Latein und Griechisch in Berlin und Brandenburg“ versieht der Autor Andreas Fritsch seine Überschrift bewusst mit Anführungs- und Fragezeichen. In dieser Fabel geht es um eine trächtige Hündin, die eine andere Hündin um Obdach zur Niederkunft bittet, sich später aber weigert, deren Hütte mit ihren Welpen kampflos wieder zu verlassen. Boshaft ist hier also die „undankbare Nutznießerin“ – Phaedrus thematisiert mithin in dieser Fabel eine Lebenserfahrung, die dazu geführt habe, dass „Mitleid mit den Armen und Benachteiligten… keine Selbstverständlichkeit“ sei. „Darin unterscheidet sich… die stoische von der christlichen Ethik“, wie bereits Lactantius um 300 n. Chr. erläutert habe, schreibt Andreas Fritsch, und so meint auch Herr Bär, dass es mitunter intellektuell heikel ist, „die Aktualität antiker Fabeln“ ausschließlich nach heutigen moralischen Maßstäben zu beurteilen. In diesen Tierfiguren werden Sachverhalte und Eigenschaften codiert. Die Fabel als Literaturgattung war also auch eine Möglichkeit, vor allem in Zeiten des Despotismus die Zensur zu umgehen, weshalb sie gerade in der Epoche der Aufklärung des 18. Jh. einen Höhepunkt erlebte, z.B. bei Lessing. Das Publikum ist zur Decodierung aufgefordert, ohne dass mit dieser Decodierung der moralisierende Autor gefährdet wurde, wenn er in seinen Texten Fehlverhalten und Verwerfungen der Mächtigen anprangerte. © Copright: Raap/Bär 2021

Bärs Kanzlerkandidatencheck Bei „Pferdewetten international“ ist nachzulesen, dass sich für das „Deutsche Derby“ am 4. Juli 2021 in Hamburg noch „kein echter Favorit“ herauskristallisiert habe, und bei https://www.wettfreunde.net/sportwetten-news/neuer-bundeskanzler-deutschland-2021/ liegt bei der Wette „Wer wird neuer Bundeskanzler?“ am 7. Mai 2021 Armin Laschet mit einer Quote von 1,80 auch nur ganz knapp vor Annalena Baerbock mit 1,95. Olaf Scholz ist mit einer Quote von 21,0 notiert, d.h. wer einen Euro auf Olaf Scholz setzt, kriegt im Falle seines Wahlsiegs 21 Euro ausbezahlt. Dass Laschet als einziger der Kandidaten Träger des Aachener „Ordens wider den tierischen Ernst“ ist, sagt nichts über seine Wahlchancen aus: diesen Orden bekam Edmund Stoiber im Jahr 2000 nämlich ebenfalls und scheiterte dann als Kanzlerkandidat 2002 gegen seinen Konkurrenten Gerhard Schröder. Bei Annalena Baerbock (Grüne) darf man unterdessen darauf gespannt sein, wie geschickt sie sich als Kanzlerin auf dem glitschigen diplomatischem Parkett bewegen würde, wenn sie beim Staatsbesuch in Ankara lediglich abseits auf einem Sofa platziert wird wie unlängst die EU-Kommissionspräsidentin. Ursula von der Leyen ließ sich diplomatisch versiert jedenfalls nur mit hoch gezogenen Augenbrauen ein indigniertes „Ähem“ entlocken, und vielleicht profiliert sich in einer ähnlichen Situation Annalena Baerbock ja durch ein ebenso souveränes „Öhem, Öhem“ trotz mangelnder Regierungserfahrung unerwartet doch als „Grande Dame der deutschen Diplomatie“. Der Historiker Heinrich August Winkler attestiert Annalena Baerbock zwar „Gemeinsamkeiten“ mit „Willy Brandt“, was die Anziehungskraft für eine „akademisch gebildete Mittelschicht“ angeht, glaubt aber nicht, dass sie Kanzlerin wird. Die Grünen sind mittlerweile zwar zu einer Art Öko-FDP herangereift, schleppen aber immer noch die entsagungsvollen Veggie-Day-Verzichts- und Verbotsapostel mit durch. Olaf Scholz (SPD) sieht immer so aus, als ob er es schafft, auf dem Hamburger Fischmarkt in einen sauren Hering zu beißen, ohne die geringste Miene zu verziehen, weshalb ihn sogar auch manche seiner Parteigenossen „Scholzomat“ nennen. Er hat zwar weitaus mehr Regierungserfahrung als Annalena Baerbock, aber zugleich ein ähnliches Problem mit den Puritanern der reinen Lehre am linken Rand seiner Partei: denn wer ihn wählt, der hätte dann auch die mitunter zu jakobinischer Rigorosität neigende Parteivorsitzende Saskia Esken an der Backe, wobei letzterer „Die ZEIT“ bescheinigte: „Nicht zu gefallen, das ist ihr Programm“. Den „Orden wider den tierischen Ernst“ verleiht man ihr mithin bestimmt nicht. © Raap/Bär 2021

Künftig „Tatort“-Verbot für Jan Josef Liefers, wie die „Berliner Zeitung“ titelte ? Die Schlagzeile bezog sich auf den WDR-Rundfunkrat und SPD Politiker Garrelt Duin und seine Bemerkung, man möge „die Zusammenarbeit mit Jan Josef Liefers und weiteren Schauspielern wegen deren Kritik an der Corona-Politik zu beenden“. Womit sich Duin dem Verdacht aussetzt, er würde womöglich „Social Cancel“ befürworten, also das Anprangern und Ausgrenzen missliebiger Personen aus dem beruflichen und gesellschaftlichen Leben. Es sei daher an dieser Stelle zum wiederholten Male aus einem Interview zitiert, das die frühere Präsidentin des Bundesverfassungsgerichts Prof. Jutta Limbach (1934-2016) 2006 dem „Kölner Stadtanzeiger“ gab mit der Erläuterung, dass „die Verfassungsgarantie“ der Meinungsfreiheit „nach unserem Rechtsverhältnis auch die ignorante und unsachliche, ja mitunter dumme Kritik oder Satire erlaubt.“ Im Sinne dieses Freiheitsbegriffs hat auch absolut schlechte oder missratene Kunst ihre Berechtigung, auch wenn man sich wünscht, sie wäre besser unterblieben. „Wer Provokation sät, wird Empörung ernten“, bemerkt der Autor Ben Krischke dazu – was auch solange akzeptabel ist, solange es nur bei Buh-Rufen bleibt. Bedenklich ist jedoch der immer weiter um sich greifende behavioristische Reflex des Cyber-Mobs und seiner Neigung, sachliche Diskussionen vornehmlich durch die medialen Shitstorms der „ewig Aufgebrachten“ zu ersetzen. Der Rundfunkrat Duin erweist mit seiner Bemerkung einer vernünftigen Debattenkultur leider einen Bärendienst. Wer im christlichen Mittelalter an den Schandpfahl des Prangers gestellt wurde, den gab man der allgemeinen Verachtung preis – historisch liegen die Wurzeln dieser Prangerstrafe übrigens in der kirchlichen Bußpraxis, auch „Kirchenzucht“ genannt. Heute maßt sich hingegen derlei anprangernde Züchtigung mittels „Social Cancel“ eine „neue Tugenddiktatur“ an, die Dieter E. Zimmer schon 1993 in „Die ZEIT“ konstatierte und Matthias Matuschek im gleichen Jahr 1993 in „Der Spiegel“ als „eine Sprach- und Denkpolizei radikaler Minderheiten“. © Raap/Bär 2021

Schon wieder hat Herr Bär den „Tag der Zahnimplantate“ verschlafen, für den ein Marketingdepp ausgerechnet den 1. Mai angesetzt hat. In Schleswig-Holstein wurde stattdessen am 1. Mai der „Weltfischbrötchentag“ begangen und in den USA als ebenso kurioser Feiertag der „Tag des Batman-Debüts“, weil am 1. Mai 1939 der erste Batman-Comic erschien. Weiter geht’s dort in den USA am 2. Mai mit dem „Tag der Trüffelpraline“ und am 3. Mai mit dem „Tag der Teppichfalte“, auf englisch „Lumpy Rug Day“. Zum „Tag des deutschen Bieres“ (23. April) gab es neulich bei uns allerdings nur geschlossene Kneipen und vor einer geschlossenen Kneipentür in der Kölner Altstadt eine Tafelbeschriftung, deren Text der Verfasser selbst wohl für clever hielt, von Herrn Bär aber als mathematischer Unsinn enttarnt wurde. Was machen wir am „Internationalen Hebammentag“ (5. Mai)? Wahrscheinlich nichts, denn die Kneipen sind immer noch geschlossen. Ein Studentenclub an der University of Austin in Texas hat den 7. Mai zum „Ohne Hosen-Tag“ ausgerufen, an dem wohl alle teilnehmen, die dem „Tag der Vernunft“ (6. Mai) nichts abgewinnen können, während das Ehepaar Ruth und Thomas Roy sich ihre Proklamation des „Ohne Socken-Tags“ (8. Mai) sogar markenrechtlich schützen ließ, nicht zu verwechseln mit dem „Tag der verlorenen Socke“, dem „Lost Socks Memorial Day“, der nämlich einen Tag später, am 9. Mai zelebriert wird. Wen es im Mai gern ins Grüne zieht, der unternehme dies am „Tag der Schwertlilie“ (8. Mai), und wer gerne Krimis liest, der tue dies am 22. Mai, dem „Internationalen Sherlock Holmes Tag“. © Raap/Bär 2021

Essen und Trinken mit Herrn Bär

Herrn Bärs Kommentar zur Kandidatenkür bei Grünen und Union Kanzlertauglich ist ein Politiker nur dann, der sich im Zeitalter drohender Handelskriege und einer derzeit recht offensiven Hegemonialpolitik Russlands in Osteuropa und im Mittleren Osten, gleichfalls einer solchen der Türkei ebenfalls dort im Orient, zudem in Lybien und in der Kaukasregion, und ebenso gegenüber den geostrategischen und machtpolitischen Interessen Chinas von einem Putin, Erdogan oder einem Xi Jingping nicht naiv und blauäugig die Butter vom Brot nehmen lässt. Die Wahrung ihrer eigenen geopolitischen und handelspolitischen Interessen kann eine Mittelmacht wie die unsrige allerdings nur im Verein mit den europäischen Partnern anstreben, nicht mit nationalen Alleingängen. In der Welthandelspolitik, in den Verteilungskämpfen um Rohstoffe und Gewinnung neuer Marktteilnehmer in anderen Wirtschaftszonen weht im politischen Alltag ein rauerer Wind als auf einem Grünen-Parteitag, und deswegen traue ich weder Baerbock noch Habeck die nötige Robustheit für eine Kanzlerschaft zu. Klimapolitik und Umweltpolitik sind zwar notwendige, aber zugleich auch komplexe Angelegenheiten, die nicht losgelöst von volkswirtschaftlichen, arbeitsmarktpolitischen, strukturpolitischen und agrarpolitischen Interessen vollzogen werden können. Kein Geringerer als der Sozialdemokrat Egon Bahr hatte 2007 in einem Interview mit der „Welt“ erklärt: „Die Kernfrage ist für mich die Multipolarität. Entscheidend wird sein, ob Europa neben Amerika, Russland, China und Indien ein weiterer Pol in dieser neuen Weltordnung sein wird…“ Bei Laschet hingegen sollten seine Kritiker innerhalb und außerhalb der Union hoffen, dass er nach einer Übernahme der Kanzlerschaft mit dem Amt noch wachsen würde; denn auch Helmut Kohl wurde in seinen ersten Amtsjahren ja mit viel Häme als Provinzonkel mit einer Vorliebe für Pfälzer Saumagen und von den Karikaturisten als „Birne“ verspottet, und er erwies sich später durchaus als ein weitsichtiger europäischer Staatsmann, dem dann sogar nach dem Kunststück der Wiedervereinigung sein einstiger politischer Gegner Rudolf Augstein Respekt zollte. © Raap/Bär 202

Mediterran-orientalisches Vorspeisenpotpourri à la Karl-Josef Bär

Selbstgemachte Lammhackfrikadellen mit Minze und Sesam, Cayik-Joghurt mit Gurke, Minze, Schnittlauch und Knoblauch, Tarama-Fischrogen, Hummus-Kichererbsenpüree, Bohnensalat, grüner Paprika-Salat, Kalamata-Oliven, Tomatensalat.

Strohschweinkotelett, Foto: S. Kallnbach

Strohschweinkotelett korsisch-sardische Art à la Karl-Josef Bär Duroc Schweine sind eine rund 250 Jahre alte Kreuzung zwischen amerikanischen Jersey-Schweinen und europäischen Iberico-Schweinen; als Strohschweine werden sie auf Steinboden mit Stroheinstreu gehalten. Bei diesem Rezept bereitet man das Kotelett unpaniert zu, salzt und pfeffert es, brät es dann zusammen mit Zwiebeln in Olivenöl scharf an, und dann bei kleinerer Hitze zusammen mit Tomatenstücken, grünem Paprika und Oliven, abgerundet mit Rosmarin und frischem Bärlauch, löscht es dann mit Weißwein ab. Bei Bedarf fügt man noch Parmesankäse hinzu.

Thai Curry-Hähnchen à la Karl-Josef Bär Hähnchenbrust in Streifen schneiden, mit Zwiebeln, Sesamöl, Sojauce und frischem Ingwer vermischen und ca. 30-45 Min. marinieren. Im Wok in Sesamöl kurz scharf anbraten, rote und grüne Paprikastreifen sowie Bambusstreifen und Erdnüsse hinzugeben, in Geflügelfond köcheln lasen, rote Currypaste unterrühren, mit frischer Minze, Koriander, Zitronengras und Thai-Basilikum würzen. Wer will, dann dieses Rezept auch mit Kokosmilch abrunden. Dazu Reis.

Impressum: V.i.S.P. Jürgen Raap, Senefelderstr. 5, 50825 Köln

Bär aktuell Nr. 298 – 3. April 2021

März 25th, 2021

Bild des Monats April 2021: Jürgen Raap, „Die sieben Zeitalter der Archäologie“, 2021, Grisaille-Untermalung und Endfassung

Jürgen Raap, Die sieben Zeitalter der Archäologie“, 2021, Untermalung
Jürgen Raap, „Die sieben Zeitalter der Archäologie, 2021, Endfassung

Bär aktuell Nr. 298 – 3. April 2021

© Raap/Bär 2021

Bärs Sprachkritik Herr Bär befürchtet, dass jegliches Plädoyer gegen übereifrige sprachliche Verkrampfungen als eine Don Quichotterie verpuffen wird, d.h. als ein vergebliches Anrennen gegen die Windmühlen der sprachlichen Unlogik. So empfiehlt das Gender Institute der Australian National University (ANU) in Canberra reichlich bizarr anmutend, die „Mutter“ sollte künftig nur noch als „Austragendes Elternteil“ bezeichnet werden, und der Vater sei dann logischerweise ein „Nicht-gebärendes Elternteil“. „Muttermilch“ hieße politisch korrekt nur noch „Menschliche Milch“ oder „Elternmilch“. Letzteres klingt allerdings reichlich unlogisch, denn Herr Bär hat noch nie von einer „Vatermilch“ gehört. Eine solche gab es ja noch nicht einmal als „Milch der frommen Denkungsart“, wie sie in Schillers Drama „Wilhelm Tell“ genannt wird. – Ähnliches geistiges Ungemach bereitet manch einem auch der Genderstern, der z.B. für den Buchgestalter und Typografen Friedrich Forssman nicht nur den Lesefluss behindert. Forssman wehrt sich nämlich auch dagegen, Sprache als ein „Mahnmal“ oder eine „Manipulationsmöglichkeit“ einzusetzen. Der große Unterschied zu anderen Interpunktionszeichen wie Semikolon, Ausrufezeichen oder Bindestrich sei laut Forssman nämlich der, „dass der Genderstern eine moralische Funktion haben solle… Es wird der Sprache unterstellt, ungerecht zu sein“, zitiert ihn „Deutschlandfunk Kultur“. Würde man nun historische Lyrik etwa von Rilke in eine gendergerechte Sprache übersetzen, würde dies „eine enorme historische Distanz herbeiführen“, und das wäre aus Forssmans Sicht „ein sprachgeschichtliches Opfer, dessen Nutzen er nicht sehe“. Auch die Kolumnistin Judith Sevinç Basad erklärt zum psycholinguistischen Zusammenhang von Sprache und Denken: „Das Sternchen baut auf einer falschen Annahme auf, die sich nicht wissenschaftlich beweisen lässt: dass wir durch die Veränderung der Sprache auch die Wirklichkeit verändern können. Das ist ja nicht der Fall. Nehmen wir zum Beispiel mal sexuelle Gewalt oder Diskriminierung am Arbeitsplatz – die wird sich ja nicht dadurch beseitigen lassen, indem wir das Sternchen einführen…“ Judith Sevinç Basad glaubt, dass man im Gegenteil „Frauen und Minderheiten“ durch derlei Sprachbereinigung eher sogar „auch noch einen Opferstempel aufdrückt. Und dadurch wird ein ultradefizitäres Frauenbild erstellt: die Frau als schwaches und hilfsbedürftiges Wesen, das ohne die Hilfe von Journalisten überhaupt nicht in der Lage ist, sich emanzipiert zu verhalten. Und das finde ich um einiges sexistischer, als das Sternchen nicht zu verwenden.“ Dass die Stadt Köln eine Sprachregelung verabschiedete, bei der Anrede künftig „Frau X. und Partner“ durch die Formulierung „Frau X. und Partner*in“ zu ersetzen, und dies eben auch dann, wenn der Partner zweifelsfrei ein solcher, mithin in Sachen biologisches wie soziologisches Geschlecht maskulin ist, ist ein weiteres Beispiel für derlei hanebüchene Sprach-Unlogik und wird sogar vom Kölner „Express“ zur Recht als „Bürokraten-Esperanto“ veralbert.

Ruchlosen Maskenhändlern in der Politik und den Geldhaien im Fußballkommerz, die ihren Hals nicht voll kriegen und sich mit einer europäischen Super-Liga die Taschen noch mehr voll machen wollen, sei die Betrachtung eines Kupferstichzyklus von Pieter Brueghel über die sieben Todsünden empfohlen. Dort wird als eine solcher Sünden auch die Gier gegeißelt. Der 1. FC Köln wird in dieser Superliga allerdings nicht mitspielen, obwohl im Geißbockheim auch jetzt in akuter Abstiegsgefahr nach Herrn Bärs Mutmaßungen immer noch ein Selbstbewusstsein vorherrscht, sich nach zwei knappen Siegen hintereinander in der Champions League zu wähnen, was der Brauchtumspoet Wicky Junggeburth einmal in der Liedzeile zusammen fasste: „Liverpool, Real Madrid, mer kumme un mer halde mit“. Wo Horst Seehofer über Markus Söder zu urteilen wusste, er, Söder, neige zu „Schmutzeleien“, ließe sich das Prädikat der Schmutzpuckeligkeit durchaus ebenso jenen Vereins- und Verbandsfunktionären anheften, denen die Geldmoral aus dem Ruder läuft wie es sonst nur bei den unanständig hohen Bonuszahlungen an die Vorstände der Deutschen Bank der Fall ist. Eine solche Super-Liga hält Herr Bär grundsätzlich nicht für systemrelevant, und so sei diese Glosse nun mit einem Walter-Ulbricht-Zitat beendet: „Jeder Mann an jedem Ort, einmal in der Woche Sport“.

Haben die Politiker eigentlich nichts Dringenderes zu erledigen, als sich den Kopf darüber zu zerbrechen, ob in Köln die Poller Wiesen am Rhein in „Deutzer Wiesen“ umbenannt werden müssten, wie dies der Bezirksbürgermeister Andreas Hupke (Grüne) jüngst forderte? Nun ist Andreas Hupke ja ein durchaus sympathischer Mensch, zumal er vor drei oder vier Jahren auf einer Karnevalsveranstaltung Herrn Bär ein Glas Kölsch ausgeben wollte, was aber nicht klappte, da die anderen Gäste im Saal das Fass schon leer getrunken hatten. Wohlgemerkt: ein Politiker gibt einem Bürger ein Bier aus, und nicht umgekehrt. So bleibt die Compliance gewahrt und kein Politiker wird beim Freibierausschenken von irgendwelchen Lobbyisten-Lurchen in Verlegenheit gebracht, wie das sonst oft der Fall ist. Nur im Wahlkampf sollte man das als Politiker bleiben lassen, sonst kreuzen die bierseligen Wähler noch versehentlich auf dem Wahlzettel den falschen Kandidaten an oder sie fragen sich mit promillegetrübtem Blick: „Olaf Scholz? Gibt’s den noch? Und hieß der früher nicht mal Martin Schulz?“ In der Tat sind Scholz und Schulz nicht leicht auseinander zu halten, weil beide „en Pläät han“, und so sei an dieser Stelle ein Witz des Duisburger Komikers Markus Krebs abgewandelt: „Wie heißt noch mal der eine von Scholz und Schulz?“ – „Scholz!“ – „Nein, der andere!“

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Bärs Sprachkritik: Wenn Politiker z.B. die derzeitige coronabedingte wirtschaftliche Stagnation in vielen Branchen als „Nullwachstum“ verniedlichen und sich Wortungetüme wie „Impfpriorisierung“, „Brücken-Lockdown“ oder „Grundstücksentwässerungsanlage“ leisten und die Formulierung „schwer erziehbar“ durch „verhaltensoriginell“ ersetzen, kann Herr Bär nur noch als Stoßgebet eine Liedzeile von den „Bläck Fööss“ zitieren: „Oh Herr, Jevv dä Rejierende e besser Deutsch un dä Deutsche en bessere Rejierung.“ (Oh Herr, gib den Regierenden ein besseres Deutsch und den Deutschen eine bessere Regierung). Sprachliche Kreativität kann allerdings auch anders aussehen: da wurde kürzlich in einer Boulevardzeitung Prof. Karl Lauterbach recht bildhaft als „Seuchen-Orakel“ apostrophiert, und zur sprachschöpferischen Hochform lief des weiteren der Kolumnist Jan Fleischhauer in „Focus“ auf, als er Lauterbach als „Prophet der salzarmen Kost“, „Talkshow-Schreck“ und „Champion des solarbetriebenen Grillens“ beschrieb. Ein grüner Bezirkspolitiker forderte in Köln-Lindenthal, ein Kreisverkehr dort müsse endlich „millowitschtauglich“ gemacht werden. Vor vielen, vielen Jahren war nämlich der Volksschauspieler Willy Millowitsch (1909-1999) dort mal in einen Verkehrsunfall mit leichtem Sachschaden verwickelt, so dass nun der grüne Verkehrspolitiker die bauliche Entschärfung von Unfallschwerpunkten als „millowitschtauglich machen“ etikettiert und damit die deutsche Sprache zu bereichern versucht. Für den verblichenen Willy Millowitsch selbst kommt die stadtplanerische Umgestaltung des Kreisverkehrs ca. 30-40 Jahre zu spät, aber auch in der DDR hatten sie ja ihre Fünfjahrespläne nicht immer in fünf Jahren pünktlich umgesetzt.

Die Liste der Kunst am Bau-Projekte, die im 20. und 21. Jh. ästhetisch gründlich missglückt sind, ist lang. Kein gutes Beispiel gibt in dieser Hinsicht neuerdings auch die britische University of Winchester ab, die sich für 28.000 Euro ein lebensgroßes Greta Thunberg-Denkmal vor ihrem Gebäude leistet. Die Studentenorganisation der Uni beklagte sich über das „weltweit erste Greta Thunberg-Denkmal“ zu Recht, es sei ein unangemessenes „Prestigeobjekt“, ohne allerdings das klimapolitische Engagement der Abgebildeten diskreditieren zu wollen. Nun ja, stilkritisch bietet sich ein Vergleich mit dem Tünnes- und Schäl-Denkmal an, das der Bildhauer Wolgfgang Reuter für den Vorplatz von Groß St. Martin in Köln schuf, wobei Reuters Formensprache sich freilich in zeitloser Modernität als durchaus gelungen präsentiert, während das Bemühen des bislang ungenannten britischen Bildhauers um einen etwas höheren Grad an Realismus eher Anklänge an eine Gartencenter-Dekorativität erkennen lässt, wie Herr Bär an dieser Stelle anzumerken wagt. Und da Denkmäler gemeinhin die Erinnerung an Verblichene wachhalten sollen: ist es wirklich nötig, eine 18jährige mit solch einer Kunst am Bau-Maßnahme schon zu Lebzeiten dermaßen pathetisch zu überhöhen? Die leicht grotesken Züge, die Wolfgang Reuter mit eleganter Ironie vor allem bei der Nasengestaltung der Tünnes-Figur visualisiert hat, einer Figur, die für Volkstümlichkeit und Bodenständigkeit steht, vermisst Herr Bär hingegen beim Versuch, Greta Thunberg als eine klimapolitische Madonnengestalt zu auratisieren.

Nachgefragt: Was macht eigentlich der alte von der Leyen den ganzen Tag? Die Blagen sind nun alt genug und aus dem Haus. Gattin Ursula („Impfstoff-Uschi“, O-Ton Oliver Welke) unter der Woche auch und macht als EU-Kommissionspräsidentin Weltgeschichte im fernen Brüssel, oder sie versucht es zumindest, dies freilich mit nur äusserst mäßigem Erfolg, und so könnte man nun annehmen, im heimischen Hannover zieht der alte von der Leyen jetzt jeden Abend ganz entspannt und mopsfidel um die Häuser und lässt es sich gut gehen. Aber wie soll das funktionieren, wenn wegen des aktuellen Lockdowns in Hannover immer noch alle Bars und Kneipen geschlossen sind? Herr Bär ist ratlos. Jedenfalls kommen auf der Website https://www.gutefrage.net in der Rubrik „Witze über Leute aus Niedersachsen (Hannover)!“ die von der Leyens leider noch nicht vor, obwohl zumindest das Wirken (oder eher Unwirken) von Gattin Ursula Herr Bär durchaus witztauglich findet.

Lothar Matthäus als neuer Bundestrainer, wie kürzlich Karl-Heinz Rummenigge meinte? Unbedingt! Unvergessen sind doch seine Sprüche, er hielte sich fit, indem er beim Zähneputzen auf einem Bein stehe, oder als der Fußballtrainer Christoph Daum einst mit Kokainkonsum erwischt wurde und Matthäus ihm darauf hin den Rat gab, er, Daum, müsste jetzt mal „eine gerade Linie in sein Leben“ kriegen. Brillant auch die Matthäus-Replik: „Ein Wort gab das andere, wir hatten uns nichts zu sagen“. Mehr davon! Auch wenn die DFB-Elf, die von irgendwelchen Marketingdeppen zur „Die Mannschaft“ hochgejazzt wurde, sich sportlich künftig hin und wieder blamiert wie jüngst beim 1:2 gegen Nordmazedonien, so sind doch gewiss allein schon wegen des Unterhaltungswertes von Lothar Matthäus bei der Pressekonferenz nach einem solchen Spiel Kurzweil und höchste Einschaltquoten garantiert. Folgt Lothar Matthäus also dem Ruf Rummenigges? Im Lothar Matthäus-Evangelium ist jedenfalls nachzulesen: „Schiedsrichter kommt für mich nicht in Frage, schon eher etwas, das mit Fußball zu tun hat.“

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Bärs Sprachkritik, 3. April 2021

Aus einem Ankündigungstext der Alten Nationalgalerie Berlin, April 2021*:

„Paul Gauguin (Paris 1848-1903 Atuona/Hiva Oa) gehört zu den einflussreichsten Wegbereiter*innen der künstlerischen Moderne, dessen bekannteste Gemälde in den Jahren zwischen 1891 und 1901 auf der Südseeinsel Tahiti entstanden…“

Hm, hm, war der Künstler Paul Gauguin nun ein Wegbereiter oder eine Wegbereiterin? Beides zugleich sicherlich nicht. Herr Bär meint: Wenn ohne Wenn und Aber das generische Maskulinum anzuwenden ist, dann mit Fug und recht ja wohl bei einem männlichen Künstler (ein Pleonasmus, sic!), dem selbst für seine Person niemals eine andere grammatische Zuweisung oder Titulierung in den Sinn gekommen wäre.

* https://www.smb.museum/museen-einrichtungen/alte-nationalgalerie/ausstellungen/detail/paul-gauguin-why-are-you-angry/

Essen und Trinken mit Herrn Bär

Hühnchen Kung Pao, Foto: S. Kallnbach

Sechuan-Hühnchen Kung Pao

Hähnchenbrust in Würfel oder Streifen schneiden, in einer Schüssel mit Sojasauce, Reiswein, Reisessig, geriebenem Ingwer, gepresstem Knoblauch, Sechuanpfeffer, scharfem rotem Paprika (Chili) vermischen und ein paar Stunden marinieren lassen. Sesamöl in einer Pfanne oder Wok erhitzen, das Fleisch scharf anbraten, frische Frühlingszwiebeln und Erdnüsse hinzufügen, in Hühnerbrühe schmoren lassen.

Letschko mit Debreziner Würstchen Das erste Mal in seinem Leben aß Herr Bär Letschko in Wien, aber ursprünglich stammt das Rezept aus Ungarn, ist heute aber auch in Österreich, Tschechien, der Slowakei, in Polen und in Ostdeutschland weit verbreitet. Es handelt sich um ein Gemüseschmorgericht mit Speck, Zwiebeln, Tomaten, rotem, gelben und grünem Spitzpaprika (ungarischer Gemüsepaprika ist auch in deutschen Supermärkten überall erhältlich). Den Speck kann man aber auch weglassen. Man brät Zwiebeln zusammen in Butter oder Schmalz an, gibt Gemüsepaprika in Streifen und etwas Knoblauch hinzu, vermengt es mit den Zwiebeln und lässt das Ganze leicht andünsten, dann kommen klein geschnittene Tomatenstücke und Wasser hinzu. Das alles lässt man alles eine Weile köcheln, schmeckt es dann mit Salz, Pfeffer und Paprikapulver ab. – Warme Debreziner Würstchen passen sehr gut dazu – das ist eine Brühwurst, die ursprünglich aus der ungarischen Stadt Debrecen stammt. Sie ist leicht geräuchert und mit ein wenig Paprika gewürzt.

Nasi Goreng Das beste Nasi Goreng, das Herr Bär jemals genossen hat, wurde ihm in der niederländischen Grnezstadt Vaals bei Aachen serviert. Nasi Goreng ist ein Standardgericht der indonesischen Küche, wobei der vorgekochte Langkornreis mindestens zwei Stunden oder sogar einen halben Tag lang ruhen muss, bevor man ihn brät. In einer Pfanne oder in einem Wok brät man in Erdnussöl oder Palmöl kleingehackte Zwiebeln, Lauchzwiebeln, Poreestreifen, ein paar Stückchen Chilischote und Knobloch an, fügt Hühnerfleisch und/oder Schweinefleisch in dünnen Scheiben hinzu, sowie Champignons und Erbsen. Man kann auch Streifen von gekochtem Schinken und Schweinebratenaufschnitt nehmen und Röstzwiebeln aus der Tüte hinzufügen, sowie Omelettstreifen oder Rührei. Würzen mit Salz, Sambal Oelek, bei Bedarf auch mit etwas Curry und Gelbwurzel (Kurkuma), etwas Sojasauce. Dazu reicht man Krabbenbrot (Kroepeok).

Chinesisches Wok Fondue Man kann dazu fertige Rinderbrühe nehmen, die man mit Wok-Sauce oder Sojasauce anreichert, oder selbst Rinderknochen mit Suppengemüse auskochen, zum Würzen fügt man frischen Koriander, Ingwer und etwas Chili oder Sambal Oelek, Zitronengras, und Knoblauch hinzu. Man kann Fisch und Fleisch in verschiedenen Gängen nacheinander in der Brühe garen. Fleisch (Schwein, Rind, Huhn) muss dünn geschnitten sein, Fisch (Lachs, Garnelen, Tintenfisch, Jakobsmuscheln) ebenso, man sollte nur Fischsorten mit festem Fleisch nehmen). An Gemüse empfiehlt sich Pak Choi-Kohl, China-Kohl, Stangensellerie, Gemüsepaprika, Pilze, Zuckererbensschoten. Alles wird dann in dem Sud gegart.

Impressum: V.i.S.P. Jürgen Raap, Senefelderstr. 5, 50825 Kö

Baer 297 – 22. März 2021

März 1st, 2021
Bild des Monats März 2021: Jürgen Raap, „Unter veränderten Verhältnissen“, 2021

Bär aktuell – Nr. 297 – 22. März 2021

Wer schreibt eigentlich die manchmal reichlich albernen „Tierbörsen“-Texte im Kölner Express? Da wartet derzeit im Tierheim ein anspruchsvoller Jack-Russel-Terrier namens Goswin auf ein neues Herrchen, das möglichst in einer „hundearmen Gegend“ wohnen soll. Eher nach einer „Parship“-Kontaktanzeige klingt hingegen der Hinweis, Schäferhund Devil „liebt Spiele mit dem Bällchen, gehorcht aufs Wort und möchte nach zehn Jahren Tierheim endlich glücklich werden“. Ähnlich rührselig verschmonzt sich der „Express“-Autor über den Tierheim-Bewohner Werner, dieser habe „den Glauben an die Menschheit noch nicht verloren“. Der Pitbull Sultan indessen habe noch nicht viel an Lebenserfahrung gesammelt und gilt daher als „schwer erziehbar“; er sei „kraftstrotzend und verschmust“. Ein kraftstrotzender verschmuster Pitbull? Hm, hm, lieber nicht. Keineswegs bessere Chancen auf Vermittlung als Goswin, Devil, Sultan und Werner hat wohl der Rüde Oskar; von dem es heißt, sei „verschmust und anhänglich wie ein Kätzchen“, denn wer unbedingt eine verschmuste Katze will, der holt sich lieber eine solche aus dem Tierheim und nicht den Rüden Oskar oder gar den kraftstrotzenden Pitbull Sultan. Zum Beispiel dann lieber den „Kater Theo“, der jahrelang auf einem Campingplatz herum gestromert haben soll und nun im Tierheim „auf ein Zuhause mit Garten und Balkon“ wartet. Wobei nach Kater Theos Ansprüchen der Garten allerdings schon die Größe eines Campingplatzes haben müsste.

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„Ihrefelder Cheyenne“ beim karnevalistischen Empfag des Bezirksbürgermeisters Köln-Ehrenfeld, 2019,  Foto: Copyright Raap/Bär

Die Kölner Jusos fordern eine Verbannung von Indianerkostümen und Co. an Karneval“, meldete der Kölner „Express“. Aus der „Cheyenne Nation“ in den USA hat sich allerdings nach Herrn Bärs Wissen bislang noch niemand beim Musikzug „Ihrefelder Cheyenne“ über eine unangemessene kulturelle Aneignung beschwert, wenn eben dieser Musikzug alljährlich beim karnevalistischen Empfang des Bezirksbürgermeisters von Köln-Ehrenfeld mit Trommelwirbel in den Saal einzieht. Insofern findet Herr Bär das Ansinnen der Jusos reichlich anmaßend und verweist auf seine Kindheitserinnerungen, wie er in den Kriegstrümmern, die es in Köln in den 1960er Jahren noch an jeder Ecke gab, mit den Nachbarskindern „Cowboy und Indianer“ spielte. Nur an Karneval durften wir uns echte Kostüme anziehen, und Herr Bär hätte sich dann gerne als Indianer kostümiert, aber Herrn Bärs Mutter entschied, er müsse als Cowboy gehen, nicht weil Mutter Bär den Filius vor unangemessener kultureller Aneignung bewahren wollte, sondern weil ein Cowboykostüm in den bescheidenen Jahren der Nachkriegszeit billiger war als ein Indianerkostüm. Vater Bär, der nach dem Zweiten Weltkrieg von all dem Tschingderrassabum mit Fahnenkult, Uniformen und Strammstehen die Schnauze gestrichen voll hatte und durch und durch Zivilist geworden war, ermahnte den jungen Bär in seinem Cowboykostüm: „Mit einer Waffe zielt man nicht auf Menschen, auch nicht mit einer Knallplättchenpistole, und auch nicht nur zum Spaß“. Dabei waren in unserer kindlichen Phantasie die Indianer immer die Guten gewesen, nicht unbedingt die Cowboys, und als dann 1964 die Bagger und Planierraupen anrückten und das Trümmerfeld unserer „Indianer-Jagdgründe“ im Eigelsteinviertel hinter dem Kölner Hauptbahnhof platt walzten, um die Schnellstraße „Nord Süd-Fahrt“ als eine brutale Asphaltschneise durch das Viertel zu schlagen, da empfanden wir das als Zehn- und Zwölfjährige als eine Vertreibung aus dem Paradies, aus unserer Prärie mit wild wuchernden Brennesseln, Löwenzahn, Scharfsgarbe und Kletten zwischen den rußigen Mauerstümpfen. Wir waren „Stadtindianer“ gewesen, lange bevor diese Vokabel in der links-alternativen Protestbewegung der 1970er Jahre populär wurde. Und das hat nichts mit der Verkitschung der Indianer und anderer indigener Völker zu „edlen Wilden“ zu tun. Die Sehnsucht nach Natürlichkeit und Ursprünglichkeit in der frühen westlichen Moderne war vielmehr ein Ausdruck von Zivilisationsmüdigkeit gewesen, der dann in der Hippie-Generation um 1970 erneut aufgegriffen wurde. So seien die Kölner Jusos daran erinnert, dass 1977 in Italien die linke Protestbewegung der „indiani metropolitani“ in Rom ein Manifest veröffentlichte mit dem Satz: „Die Truppen der Bleichgesichter mit ihren blauen Jacken haben all das zerstört, was einst Leben war, sie haben mit Stahl und Beton den Atem der Natur erstickt.“ Und das linke Frankfurter Stadtmagazin „Pflasterstrand“ nannte sich zeitweise „Zeitschrift für Stadtindianer“. Was die Kölner Jusos und andere bis heute nicht kapiert haben: Der Psychologe Stephan Grünewald beschreibt das Narrentreiben als eine „paradiesische Zeit der Auflösung“ der sonst gültigen Rollenzwänge: „Denn man kann sich und sein Leben umkostümieren und das werden, was man immer schon einmal hätte werden wollen: Prinzessin oder Magd, Seeräuber oder Kapitän, Priester oder Musketier…“ oder eben Indianer. Nach den Vorstellungen in den archaisch-magischen Gesellschaften wechselt der Träger einer Maske in eine andere Daseinsform, das verlängert sich in den Rollentausch, der eine sehr lange kulturgeschichtliche Entwicklungslinie aufweist von den archaischen Gesellschaften bis zur Fastnacht des Mittelalters und der Gegenwart“ oder den heutigen Rollenspielen im Internet oder bei Mittelalter-Events etc.

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„Ich wör su jän ens Weihbischof“ singt die kölsche Karnevals-Combo Bläck Fööss in einem ihrer populären Songs. „Em Dom jet römlaufe – Un schwatze Anzöch kaufe – En d’r Bibel studiere – Ungerm Baldachin spaziere- Prächtije Jewänder drage- Em Benz jet römfahre- Jet Schau für die Menge- Vun d’r Kanzel jet schänge… Bei de Sünder jet setze – Mem Weihwasser spritze – Verjebung verschenke – Mem Weihrauchfässje schwenke – Jet schlofe em Jade – Mem Herrjott jet schwade… “ (Im Dom was rumlaufen, und schwarze Anzüge kaufen, in der Bibel studieren, unterm Baldachin spazieren, prächtige Gewänder tragen, im Benz was rumfahren, etwas Schau für die Menge, vun der Kanzel was schimpfen… Bei den Sündern was sitzen, mit dem Weihwasser spritzen, Vergebung verschenlken, mit dem Weihrauchfässchen schwenken, Etwas schlafen im Garten, mit dem Herrgott was quatschen…“ Dieses Zitat möge als Kommentar von Herrn Bär zu den aktuellen Ereignissen im Erzbistum Köln genügen. Bliebe nur noch ein Verweis auf einen Witz in der Zeitschrift „Titanic“, wo der Kardinal Woelki alle Zumutungen an ihn von sich weist: „Reicht es denn nicht, dass ich mit Vornamen Rainer Maria heiße?“© Raap/Bär 2021

Die lustigen Weiber von Windsor Wer bei den Windsors einheiratet, sollte wissen, dass diese Dynastie es immer schon gut hingekriegt hat, das aristokratische Familienleben zu einer medialen Seifenoper herab zu würdigen. Angefangen mit Edward VIII., den es im Jahre 1936 ganze zehn Monate auf dem Thron hielt, und dem Vater George V. vor seinem Ableben bescheinigt hatte, er, Edward, werde als Georges Thronfolger mit seinen Liebesaffären (die man im Rheinischen als „Fisternöll“ bezeichnet) eben diesen Thron ruinieren. Edward VIII. dankte im Dezember 1936 aber nicht nur aus amourösen Gründen ab, sondern auch, weil seine sozialpolitischen Ansichten dem stockkonservativen britischen Establishment nicht geheuer waren und er sich wohl von jenen schnöselig versnobten Lords gemobbt gefühlt haben mag. Herr Bär meint: Sich durch Heiratspolitik im Glanze einer staubig gewordenen Monarchie sonnen zu wollen, ohne sich jedoch dabei allzu sehr den protokollarischen höfischen Zwängen unterwerfen zu müssen, können oberschichtorientierte amerikanische Schauspielerinnen heute viel einfacher haben, nämlich als Prinzessin Venetia im Düsseldorfer Karneval, wo sie zum Hofhalten für eine Session bekanntlich den Prinzen nicht gleich mitheiraten müssen. Oder man lässt sich für ein paar Bitcoins vom Prinzen Frederic von Anhalt adoptieren, wenn man unbedingt einen Adelstitel braucht. © Raap/Bär 2021

P.S. Eine der ersten kabarettistisch-humoristischen Sketche, die Herr Bär veröffentlichte, handelt davon, wie Herr Bär bei seinem London-Aufenthalt direkt neben dem Buckingham-Palast wohnte und von der sparsamen Queen angerufen wurde, wobei ein Palastbediensteter den Anruf ins Kölsche übersetzte:

„Herr Bär, künnt Ehr nit ens jrad met dä Klemperzange vorbei kumme? He en däm ahle Palast tropft de janze Zick dä Wasserhahn, un dä Philipp hätt singe Werkzeugkasten verbummelt. Dä Charles kritt dat och nit hin, dä hätt jo zwei linke Häng. Un dat Prinzessin Fergie is jrad mit ihrem Finanzberater durchjebrannt, sonst hätt mer jo och ens dä Finanzberater frage künne, ob dä en Klempnerzang hätt. Un dä Rittmeister, met däm dat Diana en Fisternöll hätt, dä kütt mir he nit en dä Palast eren. Also, Herr Bär, sid eso jot und loort ens jrad no däm Wasserhahn!“

(Herr Bär, können Sie nicht gerade mal mit der Klempnerzange vorbei kommen? Hier in dem alten Palast tropft die ganze Zeit der Wasserhahn, und der Philipp hat seinen Werkzeugkasten verbummelt. Der Charles kriegt das auch nicht hin, der hat ja zwei linke Hände. Und Prinzessin Fergie ist gerade mit ihrem Finanzberater durchgebrannt, sonst hätte man ja mal den Finanzberater fragen können, ob der eine Klempnerzange hat. Und der Rittmeister, mit dem Diana ein Fisternöll hat, kommt mir nicht in den Palast rein. Also Herr Bär, seien Sie so gut und schauen Sie gerade mal nach dem Wasserhahn).

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Wenn es gilt, den allgemeinen Sittenverfall, Wissensverlust und zunehmende Schlamperei in unseren Landstrichen zu beklagen, dann stellt Herr Bär nicht nur eine fatale Rückentwicklung vom einstigen Volk der Dichter und Denker zum heutigen Zeitgeistgebaren hysterischer Shitstorm-Hetzer und Stänkerer in den sozialen Medien fest. Einen fatalen Niedergang erlebt in unseren Tagen nämlich auch das einst ruhmreiche Ingenieurdenken der Tüftler und Bastler, mit dem hierzulande z.B. 1901 die weltweit einzigartige Wuppertaler Schwebebahn konstruiert wurde, und dies in nur drei Jahren mit einer Strecke von 13 km, während hingegen der Flughafen BER – Berlin Brandenburg Airport in vierzehn langen Jahren zusammen gemurkst wurde und auch jetzt auch weiterhin negative Schlagzeilen macht. Die jüngste ingenieurtechnische Lachnummer sind die Brandschutzmelder dort, die nämlich immer dann losheulen, wenn draußen die Sonne zu stark scheint. Da auch für die Fliegerei der Bundesverkehrsminister zuständig ist und Andy Scheuer heißt, hält Herr Bär es nicht für zu abwegig, dass irgendein schlitzohriger Geschäftsmann, der mit Billig-Brandschutzmeldern handelt, sich gedacht haben mag, mit dem Andy kann man’s ja machen. Den Spahn beim Maskenkauf übers Ohr zu hauen hat ja schließlich auch schon geklappt: „Unglaublich! #jensspan Das #Bundesgesundheitsministerium (BMG) hat nach Angabe verschiedener kassenärztlichen Vereinigungen #Schutzmasken chinesischer Hersteller für Arztpraxen ausgeliefert, die einer Qualitätsprüfung nicht standhalten oder nicht ausreichend geprüft worden sind“, entrüstete sich der „Merkur“ schon vor einem halben Jahr. Kein Einzelfall: „Leverkusener Brücke – Minderwertiger Stahl aus China beschäftigt Landtag“, titelte der „Kölner Stadtanzeiger“ im April 2020. Und jetzt also untaugliche Brandschutzmelder in der Flughafenhalle! Wenigstens hat Mutti Merkel diesmal nicht schon wieder gesagt: „Wir haben nichts falsch gemacht“. © Raap/Bär 2021

Jens oder nie!“ titelte n.tv kürzlich, da sich „Leistung und Außenwirkung des CDU-Hoffnungsträgers im beschleunigten Sinkflug“ befänden. Das „Handelsblatt“ fasste des Gesundheitsministers Jens Spahn mittlerweile eher erschreckende Negativ-Bilanz in einer in Sachen Alliteration freilich etwas holprig geratenen Schlagzeile „Immobilien, Impfen, Abendessen“ zusammen. Statt „Abendessen“ hätte es „Imbiss“ heißen müssen, dann wäre die Alliteration (Gleichklang) nämlich gelungen. Den Verschwörungstheoretikern unserer Tage gibt Herr Bär allerdings zu bedenken, dass kein Zusammenhang besteht zwischen der Tatsache, dass Jens Spahn und sein Ehemann eine „Luxus-Villa in Berlin“ kauften (O-Ton https://www.businessinsider.de), und dies mit einem Darlehen der Sparkasse Westmünsterland, in deren Verwaltungsrat Spahn einst saß, und der Einlassung des Grünen-Politikers Anton Hofreiter, der „Zweifel am Bau neuer Einfamilienhäuser angemeldet hatte“. (https://www.zdf.de/nachrichten/politik/gruene-einfamilienhaus-hofreiter-kommentar-100.html.

Wenn der Düsseldorfer „Express“ schreibt, die Vergabe von Terminen von Kirchenaustritten beim Düsseldorfer Amtsgericht sei heut zu Tage schneller ausgebucht als der Vorverkauf von Tickets für ein Konzert der „Toten Hosen“, oder es an anderer Stelle heißt, „in Köln treten derzeit mehr Menschen aus der katholischen Kirche aus als der SPD“, so sei auch hier darauf verwiesen, dass kein verschwörungstheoretischer Zusammenhang zwischen der katholischen Kirche, der Punk-Band „Tote Hosen“ und der SPD besteht, wiewohl das SPD-Urgestein Wolfgang Thierse das Gefühl haben mag, von den „Identitätslinken“ („Der Tagesspiegel“) in seiner Partei als „zu gestrig“ aus der immerhin „alten Tante SPD“ herausgemobbt zu werden, aber eben nicht von dem in anderer Hinsicht weitaus eher gestrigen Kardinal Woelki. Und dass Jens Spahn gesundheitspolitisch derzeit so einiges versemmelt, nur weil wie er in der Politik leider immer wieder zu viele mittelmäßige Parteikarrieristen in Amt und Würden gelangen, wo sie dann mit eben jener Mittelmäßigkeit, man könnte polemisch auch sagen: Nulpenhaftigkeit, völlig überfordert sind, kann man übrigens auch nicht Bill Gates anlasten, wie dies manche Verschwörungstheoretiker vielleicht täten.

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Die schönsten Stilblüten des zeitgenössischen Journalismus: „… eine Front aus Reglementierern, Veganern und Veggie-Bürgern…, die in Ferkeln nur diese süßen Schweinchen Babes sehen, die mit Boris-Becker-Äuglein so fröhlich durchs Stroh tollen…“ (in: Der Spiegel, Nr. 6/2021, S. 54). Boris-Becker-Äuglein! Auf solch eine Formulierung muss man erst mal kommen.

„In dieser Woche beeilte sich denn auch das Dreigestirn der Pandemie – Jens Spahn, Christian Drosten und Karl Lauterbach – … die Verlässlichkeit des… Impfstoffs zu bestätigen“. (in: „Der Spiegel“, Nr. 8/2021, S. 101). Fragt sich nur, wie in diesem Dreigestirn die Rollenverteilung zwischen Prinz, Bauer und Jungfrau aussieht.

„Paragrafen-Pitbull“ („BILD“ am 22. 2. 2021 über eine amerikanische Star-Anwältin). Hm, hm, fragt sich Herr Bär fragt einigermaßen ratlos: Müsste es politisch und grammatisch korrekt nicht „Paragrafen-Pitbullette“ oder „Paragrafen-Pitbulletine“ heißen?

„Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hat da mit seinem vollen Schopf eher Probleme, im Lockdown bald wie ein Monchichi-Äffchen auszusehen“. (in: „Warum sind Friseure eigentlich so wichtig?“, dpa am 22.2. 2021). – Zu dieser Spezies des „Monchichi-Äffchens“ ist bei „Wikipedia“ nach zu lesen: „In die rechte Hand des Monchichis kam ein Schnuller (fest vergossen, nicht abnehmbar), die linke Hand war jetzt geöffnet statt in Greifhaltung und der Daumen wurde verkleinert, so dass er nicht mehr im Mund stecken konnte.“

„… hätte nicht ein anderer, früher mal gern verulkter Promi in den USA gerade auf beängstigende Weise demonstriert, was passieren kann, werden Entertainment und politische Macht unachtsam miteinander verpanscht. Celebritys sind heute keine ulkigen Fabelwesen mehr, über deren antikonforme Kapriolen man lacht…“ (in: „Der Spiegel“ 9/2021, S. 114). Eine Verpanschung von politischer Macht und Kapriolentum trifft gewiss auch auf den Verkehrsminister Andy Scheuer zu, aber über den lacht man im Kabarett schon, obschon auch er kein „ulkiges Fabelwesen“ ist.

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Essen und Trinken mit Herrn Bär

Auberginenröllchen griechische Art

Aubergine längs in dünne Streifen/Scheibe schneiden, in Olivenöl anbraten, dabei wenden, dann salzen, pfeffern und kalt werden lassen. Dann die Scheiben mit Fetakäse, Oregano/Majoran, Thymian, frischer Petersilie belegen und zusammenrollen, in einer Casserolle zusammen mit Zwiebeln, etwas Knoblauch und passierten Tomaten schmoren.

Kalbsschnitzel Parmigianino

Das Traditionsrezept ist in der italienischen Region Emilia-Romagna beheimatet, und Kenner nehmen dazu keinen Gran Pandana, sondern nur den echten Parmesankäse, den Parmigiano Reggiano, den man zu Hause am besten vom Stück selber klein raspelt. Das Rezept ähnelt jenem der „Piccata milanese“, des Kalbsschnitzels mit Parmesanpanade und Spaghetti mit Tomatensauce, aber man muss es nicht zwangsläufig zusammen mit Spaghetti servieren (ja, man schreibt übrigens „Spaghetti“, denn der Unfug einer neudeutschen Schreibweise „Spagetti“ würde im Italienischen als „Spaschetti“ ausgesprochen). Man würzt die Schnitzelstücke mit Pfeffer und Salz, wälzt sie in Mehl, dann in einem verquirlten Gemisch aus Eiern und geriebenem Parmesankäse, dann in Paniermehl und brät sie in Butter. Für die Sauce bevorzugt Herr Bär in Olivenöl gedünstete Zwiebeln, die dann unter Zugabe von etwas Gemüsesud mit frischen Tomaten weiter geschmort werden, abgerundet mit Pesto Rosso, Knoblauch, Petersilie und frischem Thymian.

Impressum: V.i.S.P. Jürgen Raap, Senefelderstr. 5, 50825 Köln